Baden-Baden, Festspielhaus, Sommerfestspiele – Saisonfinale mit Weltstars, 20. – 23.07.2018

Juli 18, 2018 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Saisonfinale mit Weltstars im Festspielhaus
Baden-Badener Sommerfestspiele gehen russisch zu Ende

Mit Opern-Weltstar Anna Netrebko und dem Ausnahme-Pianisten Daniil Trifonov enden die Sommerfestspiele und die Saison 2017/2018 im Festspielhaus Baden-Baden. Traditionell sind dem St. Petersburger Mariinsky Theater im Baden-Badener Festspielsommer die letzten Töne vorbehalten. Vom 20. bis zum 23. Juli 2018 führt Mariinsky Chef Valery Gergiev den Taktstock. In zwei Aufführungen der italienischen Oper „Adriana Lecouvreur“ sowie in zwei Konzerten mit russischen Werken zeigen die Spitzenmusikerinnen und –musiker von der Newa ihr Können an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirokov

Operndiva Anna Netrebko und ihr Mann, der Tenor Yusif Eyvazov, übernehmen die Hauptrollen in der Oper „Adriana Lecouvreur“. Für die Vorstellung am 23. Juli gibt es noch Restkarten, an allen Veranstaltungstagen des Mariinsky-Gastspiels öffnet die Stehplatzkasse im Festspielhaus 90 Minuten vor dem Beginn der Oper oder des Konzerts. Stehplätze kosten 15 Euro.

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur - Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur – Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Mit einem Operngastspiel des Mariinsky Theaters begann vor 20 Jahren die Geschichte der neuen Baden-Badener Sommerfestspiele. Bereits im 19. Jahrhundert hatten prominente Komponisten und Dirigenten wie Hector Berlioz oder Charles Gounod in Baden-Baden Festivals zusammengestellt und dirigiert. Mit dem Neubau des Festspielhauses wurde diese Tradition wieder weithin sichtbar belebt.

In den ersten 20 Jahren des Bestehens des Festspielhauses nutzten Valery Gergiev und das Ensemble des Mariinsky Theaters diese prominente Auftrittsfläche, um neue Entwicklungen und Talente des russischen Opern- und Konzertbetriebs vorzustellen.

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

[Von Valery Gergiev wurden verschiedene Aufnahmen bei der Decca Classics veröffentlicht.]

Bereits 2001 – drei Jahre vor ihrem Salzburg-Debüt – sang Anna Netrebko im Rahmen der Baden-Badener Sommerfestspiele in der Oper „Benvenuto Cellini“. Später wiederholten Valery Gergiev und das Ensemble des Mariinsky Theaters im Baden-Badener Opernsommer den „Ring des Nibelungen“ – eine Koproduktion mit Baden-Baden, die ausnahmsweise in einem Winter herausgekommen war. Weitere Meilensteine der Zusammenarbeit waren Aufführungen solch selten gehörter Opern wie „Der feurige Engel“ (Prokofjew) oder „Mazeppa“ und „Jolanthe“ (Peter Tschaikowsky).

Festspielhaus Baden-Baden / Daniil Trifonov © Dario Acosta

Festspielhaus Baden-Baden / Daniil Trifonov © Dario Acosta

Dirigent Valery Gergiev stellte im Rahmen der Sommerfestspiele auch immer wieder herausragende Talente vor. So lernte das deutsche Publikum 2011 auch Daniil Trifonov in Baden-Baden kennen. Wenige Wochen nach seinem Triumph beim Tschaikowsky-Klavierwettbewerb spielte er unter der Leitung von Valery Gergiev mit dem Orchester des Mariinsky Theaters bei den Sommerfestspielen an der Oos.

Mit der Residenz des Mariinsky Theaters geht die ereignisreiche Saison 2017/2018 im Festspielhaus Baden-Baden zu Ende. Die Saison 2018/2019 wird am 27. September 2018 von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Herbert Blomstedt eröffnet.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Dresen, Sächsische Staatskapelle Dresden, Silvesterkonzert, 30./31.12.2011

Dezember 2, 2011 by  
Filed under Pressemeldung, Sächsische Staatskapelle

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Sächsische Staatskapelle Dresden

 Silvesterkonzert 2011

     

Beschwingter Jahresausklang mit Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle Dresden Angela Denoke, Ana Maria Labin und Piotr Beczala singen Höhepunkte aus Operetten von Franz Lehár Wie schon im vergangenen Jahr, steht in den Konzerten der Sächsischen Staatskapelle Dresden auch zum Jahresende 2011 ein besonderer Höhepunkt bevor: Am 30. und 31. Dezember dirigiert Christian Thielemann zum zweiten Mal das traditionelle ZDF-Silvesterkonzert in der Semperoper, das mit Highlights aus Operetten von Franz Lehár erneut für einen beschwingten und festlichen Jahresausklang sorgen wird. Bereits im vergangenen Jahr war das Publikum in der Semperoper und an den Fernsehbildschirmen begeistert von Thielemanns mitreißendem Dirigat der »Leichten Muse« – und wo sonst kann man diese Musik heute auf diesem Niveau erleben!

Auch für dieses Jahr hat Christian Thielemann ein Programm mit Werken von Franz Lehár
ausgewählt, an dem eigentlich Anna Netrebko und Erwin Schrott mitwirken sollten. Leider haben diese beiden Künstler ihre Mitwirkung am Silvesterkonzert aber kurzfristig abgesagt. In der Begründung der für die beiden zuständigen Künstleragentur heißt es, dass sich Anna Netrebko und Erwin Schrott auf die erneute Zusammenarbeit mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden sehr gefreut hätten. »In der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit ist es ihnen aber leider nicht möglich, dieses Konzert adäquat vorzubereiten und auf dem für sie üblichen Niveau zu präsentieren. Beiden Künstlern tut es außerordentlich leid, das Publikum in Dresden und an den TV-Bildschirmen enttäuschen zu müssen. Sie hoffen, dass dieses wunderbare Projekt zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann.«

Alle Verantwortlichen auf Seiten des ZDF wie auch der Staatskapelle Dresden und der Semperoper bedauern diese Absage sehr, sind aber auch sehr glücklich darüber, dass es gelungen ist, innerhalb kurzer Zeit zwei wunderbare Sängerinnen zu gewinnen, die das Konzert nun gemeinsam mit dem bereits angekündigten Startenor Piotr Beczala bestreiten werden: Die Sopranistinnen Angela Denoke und Ana Maria Labin stehen für höchste Qualität und haben sich den Termin – durch persönliche Vermittlung von Christian Thielemann – in ihren vollen Terminkalendern kurzfristig einrichten können. Angela Denoke ist eine der führenden deutschen Sopranistinnen und wurde vom Fachmagazin »Opernwelt« bereits mehrfach als »Sängerin des Jahres« ausgezeichnet. Sie gastiert regelmäßig an den bedeutendsten Opernhäusern weltweit, darunter die MET in New York und die Wiener Staatsoper, und ist auch dem Dresdner Publikum als Wagner- und Strauss-Interpretin höchsten Ranges wohl bekannt. Die junge Rumänin Ana Maria Labin steht am Beginn einer großen internationalen Karriere und wurde erst kürzlich als Valencienne in Franz Lehárs »Die lustige Witwe« an der Mailänder Scala gefeiert.

Gemeinsam mit Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle Dresden werden Angela Denoke, Ana Maria Labin und Piotr Beczala im Silvesterkonzert wie angekündigt Höhepunkte aus Operetten von Franz Lehár singen. Darüber hinaus ist auch – wie im vergangenen Jahr – der Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden an diesem Jahresausklang der Extraklasse beteiligt.

Christian Thieleman Dirigent

Angela Denoke Sopran

Ana Maria Labin Sopran

Piotr Beczala Tenor

Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden

Einstudierung: Pablo Assante Höhepunkte aus Operetten von Franz Lehár In Zusammenarbeit mit dem ZDF und UNITEL.

Am 31. Dezember 2011 Live-Übertragung im ZDF.
Weitere Informationen unter www.staatskapelle-dresden.de 

—| Pressemeldung Sächsische Staatskapelle Dresden |—

New York, Metropolitan Opera, Fabio Luisi rumpelt nach New York Teil 2, IOCO Aktuell, 17.09.2011

November 11, 2011 by  
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Aktuell

Metropolitan Opera

Metropolitan und City Opera / New York © IOCO

Metropolitan und City Opera / New York © IOCO

Der unaufhaltsame Aufstieg des Fabio Luisi:  Teil 2

Fabio Luisi, Sohn eines genuesischen Lokomotivführers, wird neuer Musikchef der New Yorker MET, dem mit 3.900 Plätzen größten Opernhaus der Welt, mutmaßt IOCO seit längerem. Nichts ist bisher offiziell. Trotzdem. Mit einseitigem Vertragsverhalten in Europa legte Fabio Luisi eine weitere Etappe seines inzwischen rumpelnden Wechsels nach New York  zurück: Die Position des Musikdirektors an der MET ist für Luisi greifbar nah.

James Levine, seit 40 Jahren Musikdirektor an der MET, seit Jahren mit schweren Rückenproblemen kämpfend, stürzte Anfang September in seinem Haus in Vermont und kann seine Verpflichtungen für Monate nicht wahrnehmen.  Diese Woche sollte Levine mit Proben in New York beginnen. Daraus wird nichts.

Fabio Luisi © Yuyu

Fabio Luisi © Yuyu

Fabio Luisi,  als GMD an der Dresdner Staatsoper von Christian Thielemann  mit zweifelhaften Methoden  ausgebootet,  seit Herbst 2010 als  Erster Gastdirigent der MET bereits fest installiert, wird ab sofort alle Verpflichtungen von James Levine übernehmen. Hierfür sagte Fabio Luisi alle seine Engagements bei frustrierten Häusern in Rom, Genua, Wien und San Francisco, ab. Verträge hin oder her. MET General Manager, Peter Gelb, bedankt sich in der MET – Presseerklärung (s. unten) vorauseilend sehr brav für angebliches Verständnis. IOCO Rückfragen bei den betroffenen Häusern ergaben jedoch, daß Absage und Verhalten von Fabio Luisi, vorsichtig formuliert, höchstes Befremden ausgelöst hat. Von Verständnis war nichts zu hören. Ohne Einzelheiten zu nennen betonte man auch, daß das Vertragsverhalten Luisis keinen Erstfall darstelle. Das Teatro dell`Opera in Rom, ebenfalls über das Verhalten von Landsmann Luisi empört (sprachlich mildernd: „The Show must go on“), engagierte für die Elektra-Aufführung am 30.9. bereits Aalto-GMD  Stefan Soltesz.  Auf der Webseite des Hauses schreibt man zu Fabio Luisi und seinem Verhalten Klartext:     „…….Ein Umstand, der nicht zuletzt die Opera di Roma, die als einziges Opernhaus unter den Verpflichtungen Luisis im Saisonprogramm eine lyrische Oper wie Elektra hatte, schädigt. Eine bedauerliche Angelegenheit, die der klassischen Musik und lyrischen Oper schadet. Die Leitung des Teatro dell`Opera di Roma ist aktuell dabei, den Vorfall zu bewerten und die Maßnahmen zu ergreifen, die dem Ruf der Fondazione hinsichtlich ihrer Kompetenz und ihrem Publikum  gerecht werden.“

Metropolitan Opera / New York  © IOCO

Metropolitan Opera / New York © IOCO

Diese weitere Etappe auf dem Weg an die Metropolitan Opera wurde für Fabio Luisi zum unerquicklichen Rumpelpfad. Sein Ruf als verantwortungsbewußter Partner hat – außerhalb von New York – sehr gelitten. Die nächste Etappe wartet bereits: Fabio Luisi ist ab Herbst 2012 per GMD-Vertrag an das Opernhaus Zürich gebunden. Unter welchen Konditionen dieser Vertrag angepasst wird, geschmeidig, ruppig oder juristisch streitig: Dies erfahren Sie vermutlich bald bei IOCO in „Teil 3“ der  Fabio Luisi – Erfolgsstory.

Wünschen wir zunächst James Levine gute Genesung und lesen Sie, wie locker die Metropolitan Opera in ihrer Presseerklärung vom 6.9.2011 zum aktuellen Skandal um Fabio Luisi  berichtet.

 IOCO / Viktor Jarosch / 17.09.2011

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Presseerklärung von Peter Gelb, General Manager der Metropolitan Opera, New York  zum unwöhnlichen Vertragsgebaren von Fabio Luisi:

„After a fall last week that damaged one of his vertebrae, James Levine underwent emergency surgery on Thursday in New York, forcing him to withdraw from his performances at the Metropolitan Opera this fall. Levine was scheduled to begin orchestra rehearsals for the new season today. According to his doctors, he was successfully recuperating from another back surgery when the accident happened while he was on vacation in Vermont.

While Levine will continue in his position as Music Director, Fabio Luisi has been named the Met’s Principal Conductor, with the new appointment taking effect immediately. In April 2010, Luisi was appointed Principal Guest Conductor of the Met. He will replace Levine for most of the fall performances, conducting the new productions of Don Giovanni (premiering October 13) and Siegfried (premiering October 27), as well as the MET Orchestra concert at Carnegie Hall on October 16.

“While Jim’s latest setback is hugely disappointing for all of us, he joins me in welcoming Fabio’s larger role,” said Peter Gelb, the Met’s General Manager. “I am very pleased that Fabio was able to rearrange his fall schedule, and I appreciate the understanding of those companies with whom he was scheduled to conduct.”

In order to replace Levine, Luisi had to cancel performances with the Rome Opera, the Genoa Opera, the Vienna Symphony, and the San Francisco Symphony.

“I am honored to have been asked to take on these additional responsibilities, but my thoughts are also with Maestro Levine,” said Luisi.

Luisi will conduct the first five performances of Don Giovanni on October 13, 17, 22, 25, and 29 matinee, and Siegfried on October 27 and November 5 matinee. Louis Langrée will conduct the remaining four performances of Don Giovanni on October 31, November 3, 7, and 11. Derrick Inouye will conduct Siegfried on November 1.

Levine hopes to recover in time to return to the Met in January for the new production of Wagner’s Götterdämmerung (premiering January 27, 2012), as well as for the full cycles of Der Ring des Nibelungen in April and May.

Luisi made his Met debut in 2005 with Verdi’s Don Carlo and has also conducted  a new production of Richard Strauss’s Die Ägyptische Helena (2007), as well as revivals of Simon Boccanegra, Turandot, Elektra, Le Nozze di Figaro, Hansel and Gretel, Ariadne auf Naxos, and Rigoletto with the company. In addition, he has previously stepped in for Levine to conduct performances of Tosca (April 2010), Lulu (May 2010), Das Rheingold (March/April 2011), and, in the June 2011 tour of Japan, Don Carlo, La Bohème, and a concert with the MET Orchestra. He also conducted the MET Orchestra in concert with Natalie Dessay as soloist at Carnegie Hall in May of this year, again replacing Levine. This season, Luisi also conducts a new production of Massenet’s Manon (March 26-April 23, 2012) starring Anna Netrebko and a revival of La Traviata (April 6-May 2, 2012) with Dessay in the title role for the first time at the Met.“

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Wien, Wiener Staatsoper, Staatsopern Spielplan 2011/12, IOCO Aktuell, 24.05.2011

November 6, 2011 by  
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Aktuell

Wiener Staatsoper

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Dominique Meyer und die Wiener Staatsoper: Neue Manager, Repertoirepflege, Richtungsgeber für Musiktheater

Wien, mit seiner Hingabe an klassische Musik und deren Interpreten ist es einzigartig auf der Welt. Eine Sängerin mit Stimmbandreizung schafft es in Wien locker in die Schlagzeilen. Die Wiener Staatsoper, Nukleus der reichhaltigen Wiener Kultur, lud am 12.4.2011  zur Pressekonferenz des Spielplanes 2011/2012. Intendant Dominique Meyer (nach Wiener Lesart Operndirektor), Franz Welser-Möst Generalmusikdirektor, Manuel Legris Ballettdirektor und Verwaltungschef Thomas W. Platzer baten in den Marmorsaal der Staatsoper. Dominique Meyer, neu im Amt und Franzose, wird sich im Wiener Umfeld durchsetzen müssen. Vorgänger Ioan Holender behauptete sich 20 Jahre gegen große Widerstände; weltweit respektiert als Opernautorität, gefürchtet wegen seiner mitunter bissigen Rethorik.  Meyer und Welser-Möst schnitten auf ihrer ersten Pressekonferenz 2010 ihren großen Vorgänger: Kein Verweis, kein Dank, keine Referenz. Die Jahrespressekonferenz 2011 entwickelte sich so zu deren zweiten sozialen Lackmustest. Dominique Meyer, von der Wiener Musik-Nomenklatura ausgebremst, munkelt man inzwischen. Zwischentöne haben Hochkonjunktur in Wien.  Und es herrschte Gedränge auf der PK: Über 200 Besucher warteten gespannt, der ORF filmte, Fotografen knipsten.

Dominique Meyer referierte kompetent und eloquent in französischem Tonfall über den Status der Wiener Staatsoper und den Spielplan 2011/12.  Herbert von Karajan formulierte einmal, dass ein moderner Operndirektor ein musikalisch gebildeter Verwaltungsbeamter sein solle, welcher die künstlerische Leitung Spezialisten, Gastdirigenten und Regisseuren, übertrage. Meyer scheint sehr in Karajans Visionen zu passen. Zu hoffen bleibt, dass dies für seine  Kollegen Welser-Möst, Legris und Platzer auch gilt. Und so referierte Dominique Meyer  höflich, respektvoll über Wien und die Wiener. Und er dankte:  Dem Hauptsponsor Lexus, dessen Verträge verlängert werden  und welcher auch die Reise der Staatsoper nach Japan unterstützte. Er dankte dem ORF, welcher den Opernball und die kürzliche Anna Bolena Aufführung (NB: mit Anna Netrebko und Elina Garanca) übertragen hat. 27% (500.000) aller österreichischen Fernsehzuschauer hatten Anna Bolena  live verfolgt, mit der ARTE-Übertragung schwelgten 1 Million Zuschauer insgesamt. Anna Bolena wurde  in Konkurrenz zur Metropolitan Opera, New York erstmals auch live in Kinos übertragen. Ein erfolgreicher Versuch, so Meyer, der ausgebaut werden soll. Ab September 2011 werden weitere Kinoübertragungen folgen. Meyer lächelnd: „Man will die Met nicht allein lassen (NB.: im Kino).  In der Spielzeit 2012/13 wird, sobald die neue Probebühne fertig ist, eine Kinderoper auf der Hauptbühne der Staatsoper produziert, die Feen-Kinderfassung von Richard Wagner. Stolz war Meyer, ganz  verantwortungsbewußter Intendant, auch auf Zahlen: Die Einnahmen der laufenden Spielzeit lagen am 7.4.2011 fast €2,2 Mio über Plan…Auslastungswerte drucken die Staatsopernunterlagen breit aus: Stand 7. April 2011: 98,58% Gesamtauslastung (Vorjahr 97,93%), Ballettauslastung 93,86% (Vorjahr 94,34%). Öffentlich diskutierte Misstöne zwischen Meyer und Welser-Möst um eine hektisch abgesetzte Cosi fan Tutte-Produktion umschiffte Meyer  staatstragend: Welser-Möst habe die Hoheit über diese Cosi-Aufführung sprich Absage.  Er (Meyer)  honoriere die künstlerisch begründete Entscheidung von Welser-Möst.

Hundertwasse Haus Wien © IOCO

Hundertwasse Haus Wien © IOCO

Offentliche Operntoilette mit walzermusik in wien © IOCO

Offentliche Operntoilette mit walzermusik in wien © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Pressekonferenz Wiener Staatsoper © IOCO

Zum Spielplan 2011/12:  313 Vorstellungen gesamt: 229 Opernvorstellungen, 49 Ballettvorstellungen, 6 Konzerte, 29 Matineen (Gesang, Kammermusik, anderes).  52  verschiedene Opern- und 9 Ballettproduktionen werden gebracht: Weltrekord! Ausdruck des einzigartigen Staatsopern-Repertoires und hoher logistischer Kompetenz. So bleibt Meta-Motto der Wiener Musiktheater Profis: Repertoire-Pflege, Repertoire-Erneuerung und Repertoire-Erweiterung. Man respektiert, der  Oper-Weltstandard der Wiener Staatsoper  entsteht aus der Profilierung bestehender Repertoire-Stücke, nicht aber aus hektischer Sucht nach Neuem oder spektakulären Premieren. Profis eben.

Nur 5 (!) Premieren und 4  Wiederaufnahmen (WA) zieren den kommenden Staatsopern-Spielplan: La Traviata von Guiseppe Verdi am 9.10.2011, Aus einem Totenhaus von Leos Janacek am 11.12.2011, Mahagonny von Bert Brecht am 24.1.2012, La Clemenza di Tito von W.A. Mozart am 17.5.2012, Daphne von Richard Strauss am 10.12.2011 (WA), Frau ohne Schatten von Richard Strauss am 17.3.2012 (WA), Don Carlos von Guiseppe Verdi am 24.4.2012 (WA), Roberto Devereux von Gaetano Donizetti am 26.5.2012 (WA). Anna Netrebko wird 2011/12 nicht an der Staatsoper singen, viel wird man mit Edita Gruberová machen. Die Saisoneröffnung am 3. September 2011 erfolgt mit Simon Boccanegra von Guiseppe Verdi mit Plácido Domingo als Simon und Feruccio Furlanetto als Fiesco. Die Aufführung wird mit großer Video-Leinwand auch auf den Rathausplatz der Stadt übertragen. Wien ist speziell, wie die geradezu eherne Treue zu dem inzwischen 74-jährigen Placido Domingo eindrücklich zeigt.

Anti-Charismatiker“ GMD Franz Welser-Möst erklärte zunächst, er müsse sich wegen einer anstehenden Götterdämmerung-Probe kurz fassen. Man war irritiert.  Franz Welser-Möst mied jeden Hinweis auf das Wiener Team und der Zusammenarbeit mit Dominique Meyer. Dagegen sparte er nicht mit zahlreichen Hinweisen auf die großartige „Philharmonische Familie“,  auf Dirigenten wie Thielemann, Dudamel, Young, Armiliato, Gatti, welche mit ihm in der kommenden Spielzeit in Wien dirigieren würden. Den „inzestuösen Dirigentenpool(IOCO)  möchte Welser-Möst durch Förderung junger Dirigenten aufbrechen. So lobte er Wiener Gast-Dirigate von Patrick Lange, welcher, eher zufällig, gerade zum Ersten Kapellmeister der Komischen Oper Berlin avancierte. Dem bestehenden Repertoire widmet Welser-Möst im kommenden Jahr ebenfalls große Aufmerksamkeit. In einer Matinée-Gesprächsreihe wird Franz Welser-Möst  über  Opern, den Wiener Klang, die Rolle der Kirche / Intelektuelle in der Kunst diskutieren. Seine zentrale „hauptberufliche“ Tätigkeit umfasst 2011/12   Dirigate und Probenarbeit  zu 2 Premieren.  und Repertoirestücke (6) .

Manuel Legris, präsentierte französisch heiter seine von 55 auf 49 gesunkenen Staatsopern-Vorstellungen für (NB: Das Staatsballett tanzt auch in der Wiener Volksoper). 25 Ballette werden gezeigt Legris 2011/12.  La Sylphide (26.10.2011) von Pierre Lacotte ( das romantische Ballett par excellence) und das Triptychon von Roland Petit L´Arlesienne / Carmen / Le Jeune Homme et la Mort (12.2.2012)  werden neu ins Repertoire aufgenommen. Stravinsky Violin Concerto von Georg Balanchine komplettiert die Liste der Premieren.  Wiederaufnahmen von Dornröschen von Peter Wright, Anna Karenina von Boris Eifmann und Don Quixote von Rudolf Nurejew kommen wieder auf den Spielplan. Daneben noch eine Nurejew Gala……

Die Wiener Staatsoper, Fixtern  am Musiktheater-Himmel,  hat ihren Spielplan vorgestellt. Stilvoll im Marmorsaal der Staatsoper, Spielpläne und Besetzungen für das kommende Jahr bis in letzte Details ausgefeilt.  Künstlerisch Maßstäbe setzend und mit stringenter kaufmännischer Ausrichtung (auslastungsbewußt, CD/DVD Verkauf, Kooperationen etc)  führt die Wiener Staatsoper die Champions League der Musiktheater an. Setzt Dominique Meyer die Erfolgs-Ära von Vorgänger Ioan Holender fort?  Welser-Möst´s emotionale Distanz auf der Pressekonferenz wie um die Cosi fan TutteInszenierung von Martinoty irritieren, sein Neujahrskonzert war musikalisch keine Empfehlung.  Die Fortsetzung der Erfolgspur des Ioan Holender: Noch lange kein Selbstläufer an der Wiener Staatsoper.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.5.2011

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