Lyon, Opéra de Lyon, Dido und Aeneas – Henry Purcell, IOCO Kritik, 21.03.2019

März 21, 2019 by  
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Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

Dido und Aeneas – Henry Purcell

– Barock trifft Jazz – Jazz trifft Barock –

von Patrik Klein

IOCO besuchte im Rahmen des Festivals Leben und Schicksale die Opéra de Lyon mit der Produktion Dido und Aeneas von Henry Purcell (1659 -1695), einer Oper in einem Prolog und drei Akten, fortgeschrieben durch moderne Elemente, die vom finnischen Gitarristen Kalle Kalima, der zu den spannendsten Vertretern der europäischen Jazz-Szene gehört und mit einer gehörigen Portion Verrücktheit und „finnischer Kreativität“ ausgestattet ist, zusammengestellt wurden. Die Premiere in Lyon ist der Auftakt zur Koproduktion mit der Vlaamse Opera und der Stuttgarter Oper in Partnerschaft mit der Ruhrtriennale.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Das Libretto wurde von Nahum Tate nach dem Epos Aeneis von Vergil verfasst. Die Uraufführung fand 1688 oder 1689 in London statt.

Die Handlung – Erster Akt: Der trojanische Held Aeneas (Guillaume Andrieux, Bariton) hat Trojas Zerstörung überlebt und von Zeus den Auftrag erhalten, nach Italien zu segeln und dort mit seinen Leuten ein neues Reich zu gründen. Auf der Fahrt durch das Mittelmeer kommen die Trojaner nach Karthago, wo sie sich längere Zeit aufhalten. Die Stadt wird von Königin Dido (Alix Le Saux, Mezzosopran) regiert, die nach dem Tod ihres Mannes geschworen hat, nie mehr zu heiraten und sich nur noch um das Wohl ihres Staates zu kümmern. Die Königin kann den Schwur nicht halten, als sie Aeneas kennenlernt und sich in ihn verliebt. Belinda (Claron McFaddon, Sopran) zerstreut die Bedenken ihrer Herrin, denn sie weiß, dass auch der Trojaner Dido zugeneigt ist.

Dido und Aeneas  –  Henry Purcell
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Henry Purcells „Dido und Aeneas“ fortgeschrieben durch Kalle Kallimas Version von „Remember Me“

Zweiter Akt: Furien haben sich in einer Felsschlucht versammelt. Ihre Anführerin befiehlt, Karthagos Macht zu vernichten, um dadurch Dido und Aeneas wegen ihrer Pflichtvergessenheit zu strafen. Eine Furie meldet, dass Aeneas und Dido auf der Jagd sind. Ihr wird aufgetragen, als Hermes verkleidet Aeneas den Willen des Zeus, sofort nach Italien zu segeln, kundzutun. Andere Furien treiben die Jagdgesellschaft durch einen Sturm in die Stadt zurück. Belinda und der Hofstaat erfreuen sich unterdessen an der Schönheit des Heiligen Hains, wo sie rasten. Die Seherin unterbricht ihre Freude und verkündet, dieser Ort bringe Unheil. Schon naht Dido und kurz darauf Aeneas, der einen gewaltigen Eber erlegt hat. Kaum hat sich das Liebespaar in das vorbereitete Zelt zurückgezogen, bricht ein Gewitter los; alle flüchten in die Stadt. Aeneas ist plötzlich allein. Er erhält von Hermes den Befehl, sofort nach Italien aufzubrechen. Der Held ist erschüttert, doch die Pflicht siegt über seine Liebe.

Dritter Akt: Die Trojaner rüsten zur Abfahrt und nehmen von ihren Frauen Abschied. Die Furien triumphieren, als sie die unglückliche Königin sehen, und entfachen einen Sturm, der die Schiffe auf das Meer hinausjagen soll. Dido und Belinda eilen herbei, erregt über das Verhalten der Trojaner, die auf Zeus‘ Befehl verweisen, aber schon zögern, abzusegeln. Der Königin erscheint die Treulosigkeit des Helden als Strafe des Himmels, weil sie ihren Schwur nicht gehalten hat. Belindas Tröstungen sind vergeblich. Dido stirbt an gebrochenem Herzen, da sie ohne Aeneas nicht leben kann.

Kunst fordert immer wieder zu neuen Interpretationen heraus. Die Auffassung, wie Musik des 17. Jahrhunderts aufgeführt werden sollte, hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Mindestens ein Dutzend verschiedener Ausgaben von „Dido und Aeneas“ sind im Druck erschienen. Musikwissenschaftler diskutieren immer noch das Entstehungsdatum der Oper und sind sich immer noch nicht einig, für welche Gelegenheit das Werk geschrieben sein könnte. Folglich geht damit auch einher, dass sich der Bereich legitimer Auswahl- und Interpretationsmöglichkeiten vergrößert hat. Die „richtige“ Art, Dido aufzuführen, gibt es nicht mehr. Das mindert jedoch den Wert des Werkes in keiner Weise.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Kalle Kalima © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Kalle Kalima © Blandine-Soulage

So hatte zum Beispiel der französische Regisseur und ehemaliger Assistent von Patrice Chéreau, Vincent Huguet, bei den 70. Opernfestspielen in Aix en Provence 2018 den als verschollen geltenden Prolog mit einer rund 20 minütigen Einführung versehen, in der die schwarze Schauspielerin, Chansonière und Komponistin Rokia Traoré aus Mali die Vorgeschichte erzählte. Ohne Fingerzeig skizzierte sie in einer Art Sprechgesang die Entstehung Karthagos, erzählte vom Verloren sein auf der Flucht und von fliehenden Menschen auf Booten. Auch der Dirigent Václav Luks ließ zum Finale des berühmten Klagegesangs Didos den Chor „a cappella“ singen und gab somit dem gesamten Werk eine neue Intensität, Natürlichkeit und Magie.

Die politische Metapher „Dido und Aeneas“ ist mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Sie ist auch eine Metapher für die Konfrontation zwischen Karthago und Rom, der zentralen Episode in den Punischen Kriegen. Die Zerstörung Karthagos in 146 v. Chr. liegt knapp ein Jahrhundert vor der Fertigstellung Vergils berühmten Gedicht Aeneis. Die Stärke der Kurz-Oper, die Purcell aus dieser Geschichte mitnahm, liegt ebenso in den zeitgenössischen geopolitischen Resonanzen seiner Handlung – zwei europäischen Migranten, die sich dem Krieg stellen – wie in der evokativen Kraft ihres außergewöhnlichen Finales.

In Lyon hat Didos Klage am Ende der Oper Remember me, den finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima inspiriert, Purcells barocke englische Klänge mit Elementen des modernen Jazz zu verbinden. Anders als in Aix en Provence wird hier „alles in einen Topf“ geworfen und die barocken Klänge Purcells mit Kalimas Jazzstücken im Wechselspiel vermischt. In diesen „Intermezzi“ werden u.a. Zitate aus dem Originalstück von Vergils Aeneis von der US-amerikanisch-schweizerischen Jazzsängerin Erika Stucky dargeboten.

 Dido und Aeneas  –  Didon et Enée – Auszüge der Inszenierung
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Der in Ungarn geborene Regisseur David Marton, der auch als Pianist und Dirigent ausgebildet ist und nach musikalischen Anfängen bei Regisseuren wie Christoph Marthaler und Frank Castorf begann, schließlich selbst zu inszenieren, hat die extrem verdichtete Oper Purcells, die wie ein Trailer über eine mehrstündige romantische Oper wirkt, mit der Musik Kalle Kalimas aufgelockert und teilweise neu zusammengesetzt, um in experimenteller Art den Wirkungen der Charaktere mehr Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

Dabei wurden zwischen den originalen barocken Elementen der Oper zum Teil frei improvisierte als auch speziell komponierte musikalische Elemente Kalle Kalimas eingefügt. Kalle Kalima mit seiner E-Gitarre war auf der rechten Seite des Orchestergrabens erhoben sichtbar positioniert. Während der langen Probenphase wurden zwar die Eckpunkte, wie Licht und Technik in ein festes Muster gegeben, innerhalb dessen jedoch freie Improvisationen möglich blieben. Auch deshalb wurde die knapp einstündige Barockoper zu einem abendfüllenden Programm ausgeweitet.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Wie in Tschaikowskis Oper Die Zauberin am Vortag stellte sich auch in Purcells Oper die Frage: „Was bleibt?“ An was wird man sich erinnern, wenn man an unsere Zeit zurückdenkt?

Das Regieteam um David Marton hatte die riesige Bühne in Lyon zu einem archäologischen Ausgrabungsort gemacht. Die Fundstelle war mit einem Überbau aus Holz und Glas vor den Umwelteinflüssen geschützt (Christian Friedländer (Bühne); Tabea Braun (Kostüme); Henning Streck (Licht)). Seitlich davon befanden sich mehr oder weniger gut sichtbare Studios, in denen man die ausgegrabenen Relikte konservierte. Wie auch bei Tschaikowski war ein Kameramann ständig dabei, die Kernszenen zu filmen und die Bilder auf Flächen im Hintergrund der Bühne zu projizieren. Die Oper begann mit der Ausgrabung von Erinnerungen durch Juno (Marie Goyette) und Jupiter (Thorbjörn Björnsson). Man grub u.a. eine PC Maus, Kabelsalat und viele andere Dinge unserer heutigen Zeit akribisch aus und konservierte sie in den seitlichen Asservatenkammern. Durch die Fundstücke, wie Titelbilder des Time-Magazins von Ungarns Präsidenten Orbán oder dem amerikanischen Präsidenten Trump wurde ein Bild von machtbesessenen Herrschern gezeichnet. Disharmonische Jazzklänge und „Klagelaute“ der Jazzsängerin (Erika Stucky) unterstrichen dieses düster gezeichnete Bild unserer Zeitgeschichte.

Barock trifft Jazz, Jazz trifft Barock.

Der Bezug wurde hier über die methodisch-künstlerische Idee der Improvisation und der Kombination der Darstellungsgenres Theater, Musik und Film hergestellt. Dabei übernahm die Kamera das Auge des Zeugen. Sie war überall dabei. Sie zeigte dem Zuschauer auch Handlungen, die auf Nebenschauplätzen, den seitlichen Studios, nicht auf der Bühne stattfanden. Der Zuschauer erhielt dadurch auch Einblick in das „Seelenleben“ der Protagonisten. Vieles passierte gleichzeitig, so dass der Zuschauer beim ersten Schauen nur einen von seinen Sehgewohnheiten gelenkten Ausschnitt erfasste bzw. erfassen konnte.

Man erblickte die Teuflischkeiten unser Welt mit Bombenabwürfen im Krieg, Brutalität und Elend. Auf den Titelseiten der Time-Magazine wurden unsere aktuellen Themen Realität. Das Auge schweifte aber auch auf die Wogen des Meeres, die Idylle und die Sehnsucht.

Was blieb an diesem zweiten Festivalabend in Lyon? Die Kamera, der Zeuge, wurde ausgeschaltet, die Ausgrabungsstücke wieder verscharrt. Waren sie es nicht Wert, erhalten zu bleiben? Die Videoleinwand wurde weiß, wie bei einem Filmriss im analogen Kino. Rauschen und gelegentliche Streifen bestimmten das mittlerweile schwarz-weiße Bild, das nur noch das Schema der Ausgrabungsstätte erkennen ließ.

Wo war die Liebe, wo waren die positiven menschlichen Beziehungen geblieben? Zerbrochen durch äußere Kräfte? Nichts Blieb!  Zu improvisierten Klagelauten ging die Jazzsängerin von der Bühne.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Thorbjörn Björnsson als Jupiter und Erika Stucky als Hexe  © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Thorbjörn Björnsson als Jupiter und Erika Stucky als Hexe  © Blandine-Soulage

Musikalisch konnte das Spektrum kaum größer sein an diesem Abend in Lyon. Eine der ältesten musikalischen Formen der Menschheit erweiterte sich um Klänge aus unserer aktuellen Zeit. Das wirkte extrem, konträr, manchmal verstörend aber auch Emotionen weckend. Die gesanglichen Ergebnisse des Abends waren erneut von höchster Qualität. Alix Le Saux, die bereits im Alter von 10 Jahren im Kinderchor der Opéra National de Paris zu singen begann und in Rollen wie Armelinde in Cinderella von Pauline Viardot, Emilia in Otello von Rossini und Hélène in Offenbachs La Belle Hélène an diversen französischen Opernhäusern zu hören war, zuletzt erfolgreich debütierte als Titelheldin in Massenets Cendrillon bei den Festspiele in Glyndebourne, sang die Partie des Dido mit großer Leichtigkeit, feinem abgedunkelten Mezzoklang sicher und voller Leidenschaft. Der junge, aus Lyon stammende Bariton Guillaume Andrieux, der an verschiedenen französischen Opernhäusern reüssierte und beim Musikfest Bremen als Figaro im Barbier von Sevilla auftrat, sang mit hell fokussiertem lyrischen Bariton einen leidenschaftlichen und kommunikativen Aeneas. Die in den Niederlanden lebende amerikanische Sopranistin Claron McFaddon, die an Opernhäusern wie der De Nederlandse Opera Amsterdam, bei den Salzburger und den Bregenzer Festspielen sowie am Badischen Staatstheater Karlsruhe und bei den Händelfestspielen in Halle (Saale) engagiert war, gab die Rolle der Belinda eindrucksstark mit warmem und fein dosiertem Sopran.

Nicht nur bei Tschaikowskis Die Zauberin, sondern auch bei Purcell geriet eine andere Figur in den Fokus, als es die originäre Barockoper eigentlich vorsah. Die US-amerikanisch-schweizerische Jazzsängerin Erika Stucky wurde zum musikalischen Höhepunkt. Sie gestaltete ihre Rollen als Hexe, Geist, und Sängerin mit umwerfender Bühnenpräsenz und gewaltiger Stimme, deren Bandbreite von Soul über Rock bis zu Jazz-Phrasierungen, Jodlern und Klagegesängen reichte. Sie wurde auch vom Publikum entsprechend frenetisch gefeiert.

Marie Goyette stellte Juno und eine Komödiantin dar. Die kanadische Musikerin (Piano, Akkordeon, Stimme), die sowohl im Bereich der Improvisationsmusik als auch als Schauspielerin/Musikerin und Hörspielmacherin tätig ist und bereits mehrfach mit dem Regisseur David Marton zusammenarbeitete, brachte mit ihren vielseitigen Aktionen weitere Facetten improvisierter Theaterkunst auf die Bühne. Der in Island geborene Thorbjörn Björnsson studierte Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Als Sänger und Schauspieler war er in verschiedenen Konzerten und Theaterproduktionen zu sehen, u.a. im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, auf Kampnagel Hamburg und an den Münchner Kammerspielen. In Lyon spielte er mit vollem Einsatz als Komödiant und Jupiter, körperlich an die Grenzen gehend und dabei Verse Vergils zitierend.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Der Chor der Opéra de Lyon (Einstudierung Denis Comtet) bot auch an diesem zweiten Premierenabend eine starke Leistung. Diesmal für das Publikum sichtbar, sangen sie mit großem Engagement und sicherer Abstimmung mit dem Orchester besonders einfühlsam und emotional.

Der in Frankreich bereits sehr bekannte junge Dirigent und Geiger Pierre Bleuse, der sein Handwerk als Dirigent bei Jorma Panula in Finnland erlernte, leitete die Premiere ohne Taktstock. Mit mitreißendem Engagement, natürlicher Autorität und einer klar verständlichen Dirigiersprache gelang es ihm, das Orchester durch die verschiedenen Musikgenres zu führen und dabei den Musikern noch Interpretationsfreiräume zu belassen.

Das Publikum in der erneut ausverkauften Opéra de Lyon nahm die spektakuläre Kombination aus musikalischer und szenischer Bandbreite mit frenetischem Beifall auf.

Dido und Aeneas in der Opéra de Lyon; weitere Vorstellungen am 21.3., 23.3., 26.3., 30.3.2019

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Opulent, Bereichernd, IOCO Aktuell, 04.08.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Spielzeit 2918/19 – Eröffnung 8. September 2018

 Auslastung steigt  –  Doch …..

In der Spielzeit 2017/18 sahen 345.000 Besucher (Vorjahr 320.000) die Vorstellungen der Hamburgischen Staatsoper; Gesamtauslastung 82%. 205.000 Besucher (Vorjahr 186.000) sahen Vorstellungen der Staatsoper. Die Auslastung der Staatsoper liegt mit 77%, Vorjahr 72% nur im Mittelfeld von Opernhäusern im deutschen Sprachraum. 140.000 Besucher (Vorjahr 134.000) sahen Vorstellungen des Hamburg Ballett von John Neumeier. Die Auslastung von 90% (Vorjahr 86%) ist, auch im internationalen Vergleich, hoch.

Die Staatsoper Hamburg eröffnet am 8. September 2018 die vierte Spielzeit unter der Intendanz von Georges Delnon mit Mozarts Così fan tutte in einer Neuinszenierung von Herbert Fritsch und unter der Musikalischen Leitung von Sébastien Rouland.

Anna Karenina und das Hamburg Ballett
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„In der vierten Saison führen wir unsere bühnenästhetische Linie fort, befragen große wichtige Werke der Opernliteratur und kreieren neues Musiktheater. Sie ist – da setzen wir auf Kontinuität – geprägt von dem ausgesprochenen Wunsch, das künstlerische Profil unseres Hauses weiterhin unverkennbar zu konturieren und wahrnehmbar zu schärfen. Wir begegnen dem Theaterzauberer Achim Freyer mit Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust wieder. John Neumeier präsentiert seine Sicht auf Glucks Oper Orphée et Eurydice. Wir freuen uns auf die in der Opernszene mit großer Spannung erwartete Deutsche Erstaufführung Lessons in Love and Violence von George Benjamin. Die Italienischen Opernwochen, ein Format, das wir letzte Spielzeit erfolgreich etablierten, werden wir fortsetzen. Zur Eröffnung wird der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten“, so Opernintendant Georges Delnon zur Programmatik der Spielzeit 2018/19.

Für seine 46. Saison als Chef des Hamburg Ballett hat John Neumeier ein sehr persönliches Programm zusammengestellt. „In den vergangenen 45 Jahren konnte ich in, mit und für die Stadt Hamburg so viel bewegen, dass ich mich immer wieder neu für diese traditionsreiche Hansestadt als Zentrum meiner künstlerischen Arbeit entschieden habe. In der kommenden Saison feiere ich meinen 80. Geburtstag und nehme dies zum Anlass, in dem Programm meiner Compagnie einige ‚Lebenslinien‘ zusammenzuführen“, erläutert Ballettintendant John Neumeier.

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Mit der Premiere Brahms/Balanchine greift John Neumeier zwei Werke des wirkungsmächtigen Erneuerers des Tanzes George Balanchine auf. Die Uraufführung Die Glasmenagerie nach Tennessee Williams mit Musik von Charles Ives und Philip Glass ergänzt John Neumeiers beeindruckenden Werkkatalog um ein neues, zutiefst amerikanisches Ballett. Gezielt unterstreicht John Neumeier mit der Auswahl der Wiederaufnahmen die stilistische Vielfalt der von ihm gepflegten Ballettgenres und räumt der Begegnung von Gesang und Tanz einen eigenen Raum ein. All Our Yesterdays (Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler) knüpft an die Tradition des Sinfonischen Balletts an, während Bernstein Dances als Ballettrevue konzipiert ist. Jenseits der gängigen Formate bringt das Hamburg Ballett im Februar 2019 zwei außergewöhnliche Produktionen auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Zum einen ist die Compagnie an der Europäischen Erstaufführung von John Neumeiers Opernproduktion Orphée et Eurydice beteiligt. Zum anderen präsentiert das Hamburg Ballett die hochkarätig besetzte Benefizgala The World of John Neumeier: Am Abend seines 80. Geburtstags übernimmt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger persönlich die Moderation dieser Ballettgala zugunsten seiner Stiftung John Neumeier. 

Abonnementsbestellungen sind ab 28. März 2018 möglich. NEU! Mit der Spielzeit 2018/19 können erstmals bereits ab Montag, 11. Juni 2018 (für Abonnenten bereits ab Donnerstag, 7. Juni 2018) Karten für die gesamte Opern- und Ballett-Saison erworben werden. Der bisherige Verkaufsstart für ein beschränktes Kartenkontingent jeweils 28 bzw. 29 Tage vor der Vorstellung entfällt ab der Spielzeit 2018/19. Diese Plätze sind bereits im Jahresverkauf oder im Abo erhältlich. Für die Nijinsky-Gala, die Geburtstagsgala The World of John Neumeier und die Ballett-Werkstätten gelten gesonderte Vorverkaufsregelungen. Während der Theaterferien ist der Karten- und Abonnementservice vom 9. bis 29. Juli 2018 geschlossen.

Parsifal –  2019 WA an der Staatsoper
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Die Neuproduktionen der Staatsoper Hamburg der Spielzeit 2018/19

Mit Mozarts Così fan tutte setzt die Staatsoper ihre Da Ponte-Reihe fort und eröffnet am 8. September 2018 die Spielzeit 2018/19. Erstmals wird Herbert Fritsch Regie führen, die Musikalische Leitung hat Sébastien Rouland. Es ist im vierten Jahr Tradition: Die Eröffnungspremiere wird im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“ zeitversetzt auf einer Kino-Leinwand am Jungfernstieg übertragen.

Generalmusikdirektor Kent Nagano und Achim Freyer führen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort und werden am 28. Oktober 2018 Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust mit Christian Gerhaher in der Hauptrolle auf die Opernbühne bringen.

Im neuen Jahr folgt am 3. Februar 2019 John Neumeiers Sicht auf Glucks Orphée et Eurydice. Hierfür kehrt Alessandro De Marchi ans Pult des Philharmonischen Staatsorchesters zurück und neben Dmitry Korchak und Andriana Chuchman ist das neue Ensemblemitglied Elbenita Kajtazi als L’Amour zu hören, es tanzt das Hamburg Ballett.

Zur Eröffnung der Italienischen Opernwochen 2019 wird am 10. März 2019 der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht mit Paolo Carignani ein Spezialist für italienisches Repertoire. Die Staatsoper Hamburg nimmt damit die Tradition der Italienischen Opernwochen wieder auf: Zwischen 10. März und 6. April 2019 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden internationalen Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein. Neben Verdis Nabucco mit den herausragenden Sängern Dimitri Platanias, Alexander Vinogradov, Oksana Dyka und Dovlet Nurgeldiyev sind Rossinis Il Barbiere di Siviglia mit Franco Vassallo, Maurizio Muraro und Julia Lezhneva, Puccinis Manon Lescaut mit der gefeierten Sängerin Kristine Opolais zu erleben sowie Irina Lungu und Stephen Costello in La Traviata und Ramón Vargas als Gustavo III. in Un Ballo in Maschera.

Lessons in Love and Violence – die neue Oper von George Benjamin, basierend auf einem Text von Martin Crimp – wird am 7. April 2019 Premiere in Hamburg haben. Regie führt Katie Mitchell, die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano. Es ist ein Auftragswerk und eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden (Uraufführung 10. Mai 2018), De Nederlandse Opera Amsterdam, Opéra de Lyon, Lyric Opera of Chicago, Gran Teatre del Liceu Barcelona und dem Teatro Real Madrid.

Im Rahmen des Internationalen Musikfestes Hamburg 2019 zeigt die Staatsoper Hamburg die Deutsche Erstaufführung der Auftragskomposition Thérèse von Philipp Maintz nach einem Text von Otto Katzameier. Die Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg wird in Kooperation mit der Elbphilharmonie Hamburg ab 18. Mai 2019 im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt. Regie führt Georges Delnon. Die Musikalische Leitung hat Nicolas André.

Als Wiederaufnahme steht die Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel in der Inszenierung von Christof Loy ab 30. September 2018 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper. Ebenso ist der gefeierte Hamburger Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Inszenierung von Claus Guth in zwei Vorstellungsserien ab 30. Oktober 2018 mit namhaften Gesangssolisten in der Staatsoper zu erleben. Die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Hamburgische Staatsoper / opera piccola - hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Hamburgische Staatsoper / opera piccola – hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Die opera piccola Staatsopernproduktion der Spielzeit 2016/17 Erzittre, feiger Bösewicht! wird im August 2018 als Gastspiel in Shanghai gezeigt. Diese Oper für Kinder ab 7 Jahren nach Motiven der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Johannes Harneit ist von Georges Delnon inszeniert, die Musikalische Leitung in Shanghai hat Nathan Brock. Es singen und spielen Mitglieder des Internationalen Opernstudios, The Young ClassX Solistenensemble und Musiker aus Shanghai. Die Produktion wurde ermöglicht durch die Michael Otto Stiftung. „opera piccola“ wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Staatsoper Hamburg 2018/19 – opera stabile:

opera stabile – a living lab wird unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper, der Hapag-Lloyd Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung.

In der opera stabile wird mit Ring & Wrestling in dieser Spielzeit die erste Soap-Opera gezeigt, die den Ring des Nibelungen in fünf unterhaltsamen Episoden erzählt. Unter der Musikalischen Leitung von Leo Schmidthals inszeniert Dominik Günther. Vorstellungen sind im September und Oktober 2018 in fünf Folgen.

Die opera piccola der Staatsoper Hamburg ist in dieser Spielzeit Schneewittchen von Wolfgang Mitterer. Inszeniert wird die Kinderoper für 4 Singstimmen und 7 Zwerge von Birgit Kajtna. Premiere ist am 9. Februar 2019. Es singen und spielen Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen und Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Frederick Brown. opera piccola wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Mit der Produktion der Akademie Musiktheater heute Die Nacht der Seeigel steht ab 2. Mai 2019 eine zeitgenössische Produktion auf dem Spielplan der opera stabile.

Das Internationale Opernstudio präsentiert sich zum Abschluss der Spielzeit ab 21. Juni 2019 mit Moskau, Tscherjomuschki in einer eigenen Produktion. Regie führt Vera Nemirova. Die Musikalische Leitung hat Rupert Burleigh. 

  Hamburg Ballett –  John Neumeier 2018/19

In der Saison 2018/19 steht das Programm des Hamburg Ballett unter dem Motto „Lebenslinien“. Nach 45 Jahren als Chef des Hamburg Ballett fasst John Neumeier unter diesem Begriff eine sehr persönlich konzipierte Spielzeit zusammen. Nach dem Welterfolg Endstation Sehnsucht setzt John Neumeier seine Beschäftigung mit dem amerikanischen Dramatiker Tennessee Williams fort und präsentiert als Uraufführung Die Glasmenagerie. 75 Jahre nachdem Williams mit diesem Titel seinen ersten großen Bühnenerfolg feierte, eröffnet John Neumeiers gleichnamige Ballettadaption am 16. Juni 2019 die 45. Hamburger Ballett-Tage.

Die Winterpremiere des Hamburg Ballett Brahms/Balanchine (9. Dezember 2018) widmet John Neumeier dem legendären New Yorker Ballettchef George Balanchine: „Er war in gewisser Weise ein Vorbild für mich – nicht nur, weil er dem New York City Ballet vergleichbar verbunden blieb wie ich Hamburg. Er beeindruckte mich als Erneuerer des Tanzes, der seine eigenen ‚Wurzeln‘ tief in die Tradition hineinversenkte und mit der Kraft, die ihm daraus erwuchs, klassisches Ballett in zeitgemäße Ausdrucksformen überführte.“ Die Produktion vereint das opulente Brahms-Schoenberg Quartet mit dem eher intimen Ballett Liebeslieder Walzer – für John Neumeier ein selten aufgeführtes „Juwel“ unter Balanchines Choreografien.

Als herausragenden Saisonhöhepunkt präsentiert John Neumeier am Abend seines 80. Geburtstags, 24. Februar 2019,  die von ihm persönlich moderierte Benefizgala The World of John Neumeier. Seine Vision: ein eigenständiges Ballettinstitut mit der hochkarätigen Sammlung seiner Stiftung als Kernbestand. Mit diesem Ziel vor Augen widmet John Neumeier den Gewinn aus der Benefizgala der Stiftung John Neumeier.

Am Eröffnungswochenende der Spielzeit zeigt das Hamburg Ballett als Wiederaufnahme Bernstein Dances (9. September 2018) und würdigt damit einen langjährigen persönlichen Freund John Neumeiers anlässlich seines 100. Geburtstages. Außerdem begeht das Hamburg Ballett mit Chopin Dances den ebenfalls 100. Geburtstag von Jerome Robbins. Auch die klassisch geprägten Ballette Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee (beide von John Neumeier) sowie Don Quixote (von Rudolf Nurejew) greifen ein weltweit gefeiertes Jubiläum auf: den 200. Geburtstag des stilprägenden Ballettmeisters und Choreografen Marius Petipa.

Das Saisonprogramm 2018/19 macht die Vielfalt der Ballettgenres erlebbar, die John Neumeiers Wirken als Künstler und Choreograf auszeichnet. Im Bereich der Sinfonischen Ballette gehört dazu neben dem Beethoven-Projekt (Uraufführung am 24. Juni 2018) insbesondere die Wiederaufnahme All Our Yesterdays: Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler (17. Februar 2019). Des Weiteren sind zu nennen: die Literaturballette Anna Karenina (Foto) und Die Kameliendame, das Ballett mit geistlicher Musik Weihnachtsoratorium I-VI sowie John Neumeiers spartenübergreifendes „Gesamtkunst­werk“ Orphée et Eurydice, das als Koproduktion mit der Lyric Opera Chicago und der Los Angeles Opera am 3. Februar 2019 seine Europäische Erstaufführung erlebt. Orphée et Eurydice ist eine Produktion der Staatsoper Hamburg unter Beteiligung des Hamburg Ballett. Diese Premiere wird – ebenso wie die Produktion Brahms/Balanchine – unterstützt von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper.

Die 45. Hamburger Ballett-Tage (16. bis 30. Juni 2019) werden eingerahmt durch die Uraufführung Die Glasmenagerie von John Neumeier und die Nijinsky-Gala XLV als feierlichem Saisonabschluss. Das Festival präsentiert die interessantesten Ballett­produktionen der Spielzeit, einschließlich der Oper Orphée et Eurydice. Zudem zeigt das renommierte niederländische Het Nationale Ballet am 25. und 26. Juni 2019 ein Programm mit Balletten des gefeierten Choreografen Hans van Manen, unter anderem Symphonies of the Netherlands und 5 Tangos. John Neumeier lädt diese strahlkräftige Gastcompagnie nach 1977 und 1990 zum dritten Mal in die Hansestadt ein.

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina - hier Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina – hier :  Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Viermal in der Spielzeit finden die beliebten Ballett-Werkstätten des Hamburg Ballett statt. In diesen Matinee-Vorstellungen erläutert John Neumeier die tanzhistorischen Hintergründe zu seinen Balletten und gibt Einblicke in deren Entstehungsprozess. Hervorzuheben ist die Benefiz-Werkstatt am 16. Dezember 2018, deren Spendenerlös der Stiftung Tanz zugutekommt.

Hinter dieser Entscheidung steht John Neumeiers vielfältiges Engagement für die Begleitung von Tänzerkarrieren, auch jenseits der Erfolgsphasen. Als Kuratoriums­vorsitzender setzt er sich seit der Gründung der Stiftung Tanz dafür ein, dass Tänzer im Anschluss an ihre aktive Karriere eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft entwickeln können. Ebenfalls auf seine Initiative gehen die Stellen für Aspiranten des Hamburg Ballett zurück: Sie erhalten am Ende ihrer Berufsausbildung und auf eine Saison begrenzt die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeit des Hamburg Ballett an den Beruf als professionelle Tänzer herangeführt zu werden.

Vom 25. bis 27. Februar und vom 1. bis 3. März 2019 feiert die Ballettschule des Hamburg Ballett das zehnjährige Jubiläum der jährlich veranstalteten Werkstatt der Kreativität. Seit 2010 sind die Theaterklassen zu Gast im Ernst Deutsch Theater und zeigen eigene Choreografien als getanzte Abschlussarbeiten. Ebenso wie die Werkstatt der Kreativität genießt das kreative Format der Jungen Choreografen die besondere Wertschätzung von Ballettschuldirektor und Intendant John Neumeier: Gemeinsam mit ihren Kollegen erarbeiten die Tänzer des Hamburg Ballett in ihrer Freizeit eigene Choreografien und präsentieren sie in einem professionellen Rahmen. Nach vier Spielzeiten in der opera stabile wechseln die Jungen Choreografen ihre Bühne. Ort und Daten der neuen Spielstätte werden gesondert bekanntgegeben.

Die Spielzeit 2018/19 führt das Hamburg Ballett auf Tourneen ins In- und Ausland – mit insgesamt vier verschiedenen Balletten, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm. Im Oktober 2018 reist die Compagnie für ihre jährliche Herbstresidenz zum Festspielhaus Baden-Baden (Bernstein Dances, Ballett-Werkstatt, Anna Karenina). 2019 gibt das Hamburg Ballett eine umfangreiche Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort (Der Nussknacker, The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt).

 Gastspiele 2018/19 des Hamburg Ballett John Neumeier

Seitdem John Neumeier 1973 als Ballettdirektor in die Hansestadt kam, zählen internationale Gastspiele zum Selbstverständnis des Hamburg Ballett. Mit seinem künstlerischen Engagement sorgt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger jedes Jahr erneut für Aufsehen und gilt weltweit als Imageträger für das hochkarätige Kulturleben der Freien und Hansestadt Hamburg. In den vergangenen 45 Jahren hat das Hamburg Ballett mehr als 1.000 Gastspielauftritte absolviert und war dabei in 119 verschiedenen Städten in 30 Ländern zu erleben. Auf diese nachhaltige Präsenz in den großen Kulturzentren der Welt kann Hamburg stolz sein.

Im vergangenen Jahr erst besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums die symbolträchtige russische Erstaufführung von John Neumeiers Matthäus-Passion in Moskau. Beim anschließenden Gruppenfoto auf der Bühne wandte sich der Bundespräsident sichtlich berührt an die Tänzer: „Vielen herzlichen Dank – Sie sind großartige Botschafter für Deutschland!“

Mit diesem Anspruch blicken John Neumeier und das Hamburg Ballett auch auf die Gastspiele der Saison 2018/19. Mit insgesamt vier Ballettproduktionen, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm ist das Hamburg Ballett in Baden-Baden sowie auf einer ausgedehnten Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort zu erleben.

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-BadenBernstein Dances (Ballettrevue von John Neumeier),  6., 7. Oktober 2018Anna Karenina (Ballett von John Neumeier) 12., 13., 14. Oktober 2018Ballett-Werkstatt (moderiert von John Neumeier)  7. Oktober 2018

Hongkong (Hong Kong Arts Festival 2019), Der Nussknacker (Ballett von John Neumeier), The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt (Ballett von John Neumeier)

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme: WERTHER, 15.01.2014

November 27, 2013 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme: WERTHER von Jules Massenet

 

Mittwoch, 15. Januar 2014, um 19.30 Uhr im Opernhaus,

Weitere Vorstellungen: 17., 19., 25., 31. Januar, 2. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 8. Februar 2014
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
 
Musikalische Leitung: Maurizio Barbacini; Inszenierung: Willy Decker
 
Mitwirkende: Tanja Ariane Baumgartner (Charlotte), Sofia Fomina (Sophie), John Osborn (Werther), Daniel Schmutzhard (Albert), Florian Plock (Johann), Franz Mayer (Le Bailli), Michael Porter (Schmidt), Constantin Neiconi (Brühlmann), Maria Pantiukhova (Kätchen)
 
Oper Frankfurt / Werther_zeigt in der linken Gruppe Charlotte (sitzend) und Sophie (rechts stehend) mit ihren Geschwistern (Kinderchor der Oper Frankfurt) sowie das Ensemble © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Werther_zeigt in der linken Gruppe Charlotte (sitzend) und Sophie (rechts stehend) mit ihren Geschwistern (Kinderchor der Oper Frankfurt) sowie das Ensemble © Wolfgang Runkel

Auch Goethe hätte sicherlich applaudiert, diese Premiere in der Frankfurter Oper dürfte ihm gefallen haben. (…) Unglaublich stimmig und intensiv wurde hier Massenets Werk in Szene gesetzt. (…) So aufgeführt wie in Frankfurt, beweist sich Massenets Werther als wahrer Publikumsmagnet und zeigt wieder einmal, dass große Gefühle auch heute noch sehr en vogue sind.“ So urteilte die Presse nach der Premiere der Oper von Jules Massenet (1842-1912) in der Inszenierung von Willy Decker am 11. Dezember 2005, einer Originalproduktion der Nederlandse Opera Amsterdam. Nach Manon, die im Sommer 2003 an der Oper Frankfurt zu erleben war, stand damit als dritte Premiere der Spielzeit 2005/06 mit Werther ein weiteres Werk des französischen Komponisten auf dem Spielplan. Die nach Goethes Briefroman entstandene Oper wurde in Frankfurt, von einer konzertanten Aufführung im Dezember 1984 abgesehen, während der gesamten Nachkriegszeit nicht gezeigt – Grund genug, sie dem hiesigen Opernpublikum wieder regelmäßig zu präsentieren.

 
Oper Frankfurt / Werther © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Werther © Wolfgang Runkel

Die Uraufführung des Werther fand 1892 in Wien statt, seinerzeit in der deutschen Übersetzung von Max Kalbeck, da Massenet nicht das Interesse einer französischen Opernbühne wecken konnte; in Frankreich erklang das Werk erstmals im folgenden Jahr. Seine äußerst erfolgreiche Aufführungs-geschichte lässt sich nur mit der von Bizets Carmen oder Gounods Faust vergleichen.

Zum Inhalt: Werther liebt Charlotte, doch diese ist mit Albert verlobt und weist den schwärmerischen jungen Mann zurück. Am Sterbebett hat sie ihrer Mutter versprochen, Albert zum Mann zu nehmen. Nach der Hochzeit treffen sich Charlotte und Werther erneut, und sie muss feststellen, dass er ihr nicht gleichgültig ist. Auch Werthers Zuneigung zu ihr ist nicht geringer geworden. Von der Ausweglosigkeit der Situation überzeugt, bittet Werther Albert um dessen Pistolen, er will sich auf eine längere Reise begeben. Der inzwischen misstrauisch gewordene Ehemann zwingt seine entsetzte Frau, die Waffen herauszugeben. Voller dunkler Vorahnungen eilt Charlotte dem Unglücklichen nach, doch sie kommt zu spät – tödlich verwundet stirbt er in ihren Armen.
 
Die musikalische Leitung dieser dritten Wiederaufnahme einer Produktion aus der Spielzeit 2004/05 hat der Italiener Maurizio Barbacini inne, der regelmäßig am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht – zuletzt 2009/10 anlässlich Donizettis Lucia di Lammermoor. In der Titelpartie gibt der amerikanische Tenor John Osborn sein Hausdebüt, nachdem er 2013 an der Seite von Cecilia Bartolis Norma bei den Salzburger Festspielen (Pfingsten und Sommer) sowie in der CD-Einspielung dieser Produktion für Decca auf sich aufmerksam gemacht hat. An seiner Seite singt Tanja Ariane Baumgartner die Charlotte. Seit 2009/10 Frankfurter Ensemblemitglied, hat die Mezzosopranistin hier erst kürzlich als Fremde Fürstin in Dvoráks Rusalka begeistert. Gleichfalls aus dem Ensemble sind Neuzugang Sofia Fomina (Sophie) sowie Daniel Schmutzhard (Albert) erstmals in dieser Produktion besetzt. Während sie kürzlich als Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte einen furiosen Einstand gab, reüssierte er an seinem Stammhaus als Wolfram in Wagners Tannhäuser. Mitglieder des Frankfurter Opernstudios sind seit dieser Saison Michael Porter (Schmidt) und Maria Pantiukhova (Kätchen).  
 
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Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Der Fliegende Holländer, IOCO Kritik, 20.09.2013

September 23, 2013 by  
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Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner


Kritik

Richard Wagner Der Fliegende Holländer

Konzertante Aufführung am 20.09.2013

Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman

Es ist für jedes “Künstlerische Betriebsbüro“ mit Sicherheit der reinste Horror, wenn am Tag der Aufführung eine Absage erfolgt. Dann laufen die Drähte heiß und alles beginnt zu rotieren. So geschehen am letzten Freitag im Dortmunder Konzerthaus. Der vorgesehene Sänger der Titelpartie, der Russe Evgeny Nikitin, bekannt geworden durch seinen Rauswurf in Bayreuth (seine heiklen Tätowierungen gefielen den beiden dort regierenden Gralshüterinnen nicht), hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt  und adäquater Ersatz musste gefunden werden.

Der Retter wurde im rumänischen Bukarest gefunden, in Gestalt des lettischen Baritons Egils Silins. Er sagte zu, jettete nach Dortmund und rettete die Vorstellung. Eine mutige Tat, die mit großem Erfolg gekrönt war.

Der 1961 in Riga geborene Silins studierte an der Lettischen Musikakademie und debütierte als Boitos Mefistofele an der Lettischen Nationaloper in Riga.

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Nachdem er aus dem renommierten “Belvedere Musikwettbewerb“ in Wien als Preisträger hervorging, wurde er für 3 ½ Jahre nach Frankfurt engagiert. Von 1993 – 96 war er in Basel und startete von dort eine rege Gastspieltätigkeit.

Seit 1996 ist er an der Wiener Staatsoper und der Volksoper. An der Staatsoper debütierte er als Sir Giorgio in “I Puritani“ (neben Edita Gruberova). Aktuell singt er Partien wie Scarpia, Klingsor, Jochanaan, Wotan und Holländer in Madrid, Zürich, Wien, Paris und Dresden.

Silins ist ein hochmusikalischer Gestalter. Die Stimme ist schlank und hat Biss und in der Höhe eine enorme Durchschlagskraft. Letztere ist im unteren Register nicht ganz so ausgeprägt. Mit größter Aufmerksamkeit begleiteten ihn der Dirigent und das Orchester, da ja schließlich kaum Zeit für Proben war. Aber man kam wunderbar zusammen und es wurde überhaupt eine tolle Vorstellung.

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, eigentlich ein reines Konzert-Orchester, zeigte viel Affinität zu Wagners romantischer Musiksprache. Gelegentliche Intonationstrübungen im Blech fielen da nicht ins Gewicht. Großartig sang und klang der Chor der Nederlandse Opera. Insbesondere die Frauenstimmen erfreuten durch Homogenität und enorme Stimmschönheit.

Motor der Aufführung war der junge kanadische Dirigent Yannick Nezét-Séguin. Seit dieser Spielzeit hat er eine “Residence“ am Dortmunder Konzerthaus. 2008 übernahm er die Leitung des Rotterdamer Orchesters. Er ist ein temperamentvoller, ausstrahlungsintensiver Kapellmeister, mit einer klaren, unmissverständlichen Schlagtechnik. Es war eine Freude ihm zuzusehen und noch mehr erfreute das Ergebnis. Dieser “Holländer“ unter seiner Leitung klang markant, hatte wunderbar zarte Momente, aber auch Ecken und Kanten. Zum Finale wurde es gelegentlich lauter als nötig. Aber sei`s drum, es war spannend und die Spannung ließ in keiner Phrase nach.

Außer Egil Silins in der Titelpartie und dem Chor, hatten die anderen Sänger auch großen Anteil an dieser qualitätvollen Aufführung.  Emma Vetter sang die Senta. Sie ist keine Hochdramatische, eher im Zwischenfach beheimatet. Die Schwedin verfügt über einen lichten, gut tragenden Sopran, der auch im Oberregister offen geführt wird und sie hatte noch Kraftreserven für das dramatische Finale. Die Stimme passte gut zu der des Holländers. Das große Duett der beiden war ein wirkliches Highlight.

Frank van Aken sang den Erik und gestaltete die Partie des unglücklichen Jägers musikalisch und differenziert im Ausdruck. Er war einige Jahre in Düsseldorf (sein Florestan und Erik dort sind noch in gut in Erinnerung) und ist seit 2006 im Ensemble der Oper Frankfurt im Heldentenor-Fach unentbehrlich. Einen sehr schönen, warmen Mezzosopran ließ die Polin Agnes Zwierko in der Rolle der Mary hören.

Den Steuermann sang Torsten Hofmann mit feinem, leichtem aber durchaus strahlkräftigem Tenor. Der Kiekser in der ersten Strophe seines Liedes war Pech. Franz-Josef Selig war als Daland verpflichtet. Sein balsamischer, warm getönter Bass, wie auch seine ausgezeichnete Artikulation, sind nach wie vor sein Markenzeichen. So auch in dieser Aufführung.

Lang anhaltender jubelnder Applaus für alle Mitwirkenden spendeten die zahlreich erschienenen Zuhörer.   IOCO / UGK / 20.09.2013

—| IOCO Kritik Konzerthaus Dortmund |—

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