Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Peter Grimes – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 08.11.2019

November 7, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

PETER GRIMES  – Benjamin Britten

–  Scheitert aus Mangel an Beziehungsfähigkeit, übersteigerten Ansprüchen –

 
von Uschi Reifenberg

Gedenkmuschel an Benjamin Britten in Aldebrough © IOCO

Riesige Gedenkmuschel an Benjamin Britten am Strand von  Aldebrough © IOCO

Das Meer ist allgegenwärtig in dem kleinen Fischerdorf an der Ostküste Englands, es beherrscht in seiner Vielgestaltigkeit die Existenz der Dorfbewohner und durchdringt sämtliche Lebensbereiche. Es ist die zentrale Elementargewalt, der sich die Menschen in dem rauen Küstengebiet nicht entziehen können. Es schafft Begrenzung, ist Tor zur Freiheit oder  letzter Zufluchtsort.
In Benjamin Brittens Oper Peter Grimes fungiert das Meer als eigentlicher Hauptträger der Handlung und wird zur Projektionsfläche der Protagonisten, zum Symbol für die Abgründe und Stürme der menschlichen Seele. In seiner Unberechenbarkeit und Bedrohlichkeit spiegelt es aber vor allem das aufbrausende Naturell des unglücklichen Titelhelden Peter Grimes.

„Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in engem Kontakt mit dem Meer. (…) Als ich Peter Grimes schrieb, ging es mir darum, meinem Wissen um den ewigen Kampf der Männer und Frauen, die ihr Leben, ihren Lebensunterhalt dem Meer abtrotzten, Ausdruck zu verleihen.“   (B. Britten 1945).

Peter Grimes – Benjamin Britten
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Britten wurde 1913 am Meer, in Lowestoft, Suffolk, geboren, und verbrachte bis zu seinem Tod 1976 fast sein ganzes Leben an der Ostküste Englands. Mit acht Jahren begann er bereits zu komponieren, 1933 beendete er sein Studium und mit 24 Jahren konnte er eine beachtliche Zahl an Kompositionen, vor allem im Bereich der Sinfonik, aufweisen. Auch als Dirigent Pianist und vor allem als Liedbegleiter erlangte er Weltruhm. 1937 begegnete Britten dem Tenor Peter Pears, mit dem ihn eine lebenslange Partnerschaft und eine ebenso lange fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit verband. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges verließ der erklärte Pazifist zusammen mit Pears die Insel und übersiedelte in die USA, wo er auch die Versdichtung The Borough (Die Gemeinde, 1810) von George Crabbe kennenlernte.

Dessen Erzählungen über ein kleines Fischerdorf in Suffolk weckten Brittens Sehnsucht nach der Heimat und so kehrte er 1942, mitten im Krieg, zurück nach England, wo er 1944 mit der Komposition seiner Oper begann. 1945 in London uraufgeführt, wurde Peter Grimes zu einem Welterfolg und hob Britten quasi über Nacht in den Rang eines englischen Nationalkomponisten, fast 300 Jahre nach Henry Purcell.

In Crabbes Erzählung Peter Grimes, ist dieser ein gewalttätiger Sonderling, der sich nicht in die Gesellschaft integrieren kann und will. Er ist für den Tod von drei Lehrjungen verantwortlich und wird deshalb von der Dorfgemeinschaft verfolgt und ausgegrenzt.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  Roy Cornelius Smith als Peter Grimes , Chor des NTM © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : Roy Cornelius Smith als Peter Grimes , Chor des NTM © Hans Jörg Michel

Britten und sein Librettist, Montagu Slater, erklärten 130 Jahre später den Konflikt der Titelfigur allerdings nicht aus dessen zweifelhaftem Charakter, sondern aus der Konfrontation des Einzelnen mit dem Kollektiv, ein Thema, das in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg eine besondere Aktualität erhielt. Slater und Britten machten aus Peter Grimes eine ambivalente Figur, dessen tragisches Scheitern aus dem Mangel an Beziehungsfähigkeit, übersteigerten Ansprüchen und unterdrückter Triebhaftigkeit resultiert. Der Titelheld weist damit in einem Aspekt Parallelen zu Benjamin Brittens eigener Biografie auf, der als homosexueller Künstler in England Mitte des letzten Jahrhunderts selbst auch ein Außenseiter blieb. Eindeutig thematisiert wird diese Problematik in Brittens Werk allerdings nicht.

Als Erneuerer der englischen Oper im 20. Jahrhundert wurde Britten zwar hochgeschätzt,
spürte aber, da seine Lebensführung nicht dem gängigen Gesellschaftsbild entsprach, die latenten Ressentiments und reagierte mit Schuldgefühlen und Rechtfertigungsdruck. Diese Problematik verarbeitete er in seinen späteren Opern Billy Budd oder Tod in Venedig.

Bei Britten ist der Fischer Peter Grimes ein Einsamer, ein Zerrissener, der nach seinen eigenen Maßstäben lebt und sich durch sein cholerisches und unangepasstes Wesen immer mehr ins soziale Abseits manövriert. Er ist von fanatischem Arbeitseifer besessen und hofft auf Wohlstand und Ansehen. Er beschäftigt einen Lehrjungen aus dem Waisenhaus, der beim gemeinsamen Fischen auf hoher See stirbt. In einem Gerichtsverfahren muss sich Peter Grimes für dessen Tod verantworten, aber da ihm keine Schuld nachgewiesen werden kann, wird er freigesprochen. Die Dorfbewohner halten ihn jedoch für schuldig und verfolgen ihn mit Argwohn. Der alte Kapitän Balstrode und die Lehrerin Ellen Orford, die ihn für unschuldig hält und von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm träumt, stehen ihm bei. Als Ellen aber bei einem zweiten Lehrjungen Verletzungen findet, stößt Peter Grimes sie von sich. Der aufgestaute Hass der Gemeinde richtet sich immer offensiver gegen ihn und Grimes verfällt in einen psychischen Ausnahmezustand mit Wahnvorstellungen. Als er vor der aufgebrachten Meute flieht, kommt auch sein zweiter Lehrjunge zu Tode. In seiner Ausweglosigkeit nimmt er den Rat von Balstrode an und versenkt sich selbst mit seinem Boot im Meer. Die Dorfgemeinschaft geht ungerührt ihren eintönigen Alltagsgeschäften nach, als wenn nichts geschehen wäre.

Bei Peter Grimes handelt es sich um eine zeitlose Parabel im Spannungsfeld von Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld, Gut und Böse. Britten stellt das Schicksal des Außenseiters zur Diskussion, ist Peter Grimes ein schlechter Mensch oder wird er durch die Gesellschaft dazu gemacht. Eindeutige Aussagen werden nicht getroffen, Vieles bleibt im Dunkeln.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  oy Cornelius Smith, Marcel Brunner, Ji Yoon, Natalija Cantrak, Ilya Lapich © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : oy Cornelius Smith, Marcel Brunner, Ji Yoon, Natalija Cantrak, Ilya Lapich © Hans Jörg Michel

Brittens Musikstil ist geprägt von Komponisten wie Henry Purcell, Gustav Mahler, Igor Strawinsky und Dimitri Schostakowitsch. Der Verismo findet seinen Niederschlag in Brittens großem Erstlingswerk genauso wie traditionelle Elemente aus der englischen Volksmusik. Er hielt an einer erweiterten tonalen Tonsprache fest, auch wenn er von Avantgardisten seiner Zeit dafür kritisiert wurde. Peter Grimes ist zwar „durchkomponiert“, hat aber formal geschlossene Abschnitte wie Ensembles, ariose Teile und dramaturgisch bedeutende Orchesterzwischenspiele,die „Interludes“. Die zweite große Hauptrolle übernimmt der Chor.

Regisseur Markus Dietz und Bühnenbildnerin Ines Nadler haben ein beklemmendes abstraktes Einheitsbühnenbild geschaffen, das in seiner Reduktion die Trostlosigkeit und Düsternis der Handlung und der Naturgewalten widerspiegelt. Grautöne in verschiedenen Abstufungen bis hin zur totalen Finsternis sind vorherrschend. Eine bewegliche Zwischendecke mit variablen weißen Neonlichtern, die scharfe Kontraste setzen (Lichtregie: Florian Arnholdt), beherrscht den Bühnenraum, weitet oder verengt die Szene und passt sich den Seelenzuständen der Personen an. Karge, vereinzelte Requisiten wie Fangkörbe, Tische und Stühle oder ein hell strahlendes Kreuz, verdeutlichen Küste, Kneipe oder sakralen Raum. Wenn die Gemeinde sich zum Trinken trifft, sorgt eine einsame bunte Lichterkette vor dunklem Hintergrund für Feierstimmung.

Ab dem 2. Akt bedeckt Wasser den Bühnenboden knöcheltief, so dass sich alle Personen mit Gummistiefeln fortbewegen. Eine perfekte Metapher für die immer weiter zunehmende klaustrophobische Ausweglosigkeit der Situation. Die Dorfbewohner tragen unscheinbare Alltagskleidung (Kostüme: Henrike Bromber), lediglich die Kneipenwirtin Auntie und ihre beiden Nichten stechen aus der Masse hervor mit modischen bunten und aufreizenden Outfits.

Markus Dietz‘ differenzierte Personenführung zeigt das Kollektiv der Gemeinde in seiner bigotten, moralinsauren Kleinbürgerlichkeit als homogene Masse, aus der einzelne scharf gezeichnete Individualisten hervorstechen, die Funktionsträger der Gemeinschaft. Überwältigend, wenn der Chor eine geschlossene Phalanx an der Rampe bildet und seine Wut in den Zuschauerraum schleudert. Mit großer Sensibilität gelingt dem Regisseur die psychologische Feinzeichnung der Beziehung zwischen Balstrode, Ellen und Peter Grimes, die eine Insel der Mitmenschlichkeit in einer feindseligen Welt darstellt.

Die Gerichtsverhandlung zu Beginn wird vor dem „eisernen Vorhang“ abgehalten auf einem schmalen Raum vor dem Orchestergraben unter Einbeziehung der Seitenlogen. Die Gemeinde, das sind die Fischer und ihre Frauen, unterhalten sich laut. Plötzlich sieht man eine Videoeinspielung, die ein Kind zeigt, das mit dem Kopf nach unten im Wasser treibt. Das Bild kommt näher, das Kind wird gedreht, es ist tot. Die Verhandlung beginnt, Peter Grimes steht auf einem Stuhl und verteidigt sich, die Menge urteilt gegen ihn, der Richter plädiert aber auf Freispruch. Ellen Orford, die verwitwete Lehrerin des Dorfes, einzige Lichtgestalt im strahlend weißen Kleid, erscheint selbst wie die personifizierte Unschuld. Für einen kurzen Moment, in einem ergreifenden a capella Duett zwischen Ellen und Peter Grimes, scheint das Glück für beide greifbar, aber wieder schiebt sich das Bild des toten Kindes dazwischen. Es entfernt sich, und im Wasser treiben nun mehrere tote Kinder. Die Traumatisierung des psychischen Borderliners Peter Grimes wird evident, man ahnt, dass die schrecklichen Bilder ihn nicht mehr Ioslassen werden. Das harte Leben der Fischer, die ihre Fangkörben stapeln um sich vor der Sturmflut zu schützen, wird durch das Agieren auf schmalem Raum beklemmend dargestellt, ebenso die drückende Enge im Dorfpub, in dem die Bewohner dicht an dicht gedrängt sind und Tanz, Gesang und Alkohol die traurige Realität verdrängen sollen. Auch hier kann sich Peter Grimes nicht integrieren, und wird verspottet. Ein weiterer Junge aus dem Waisenhaus wird für ihn gebracht, aber Ellen kann ihn nicht mehr beschützen.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  Marie-Belle Sandis, Ilya L­­­­apich © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : Marie-Belle Sandis, Ilya L­­­­apich © Hans Jörg Michel

Zu Beginn des 2. Akt sieht man wieder eine riesige Videoeinspielung, diesmal mit fröhlich lachenden Jungen und Mädchen. Im Hintergrund betet die Gemeinde in der Kirche, von der Decke hängt ein großes Kreuz in leuchtendem weiß. Als die Gemeinde auseinandergeht, fallen Vorhänge herab und geben den Blick frei auf ein mit roter Farbe geschriebenes Wort: Murderer! Eine suggestive Szene mit thrillerartiger Schockwirkung. Nun beginnt die Hetzjagd auf den Ausgegrenzten, Fackeln werden an die Meute verteilt, die in der Nacht eine gespenstische Wirkung entfalten.

Nach dem unglücklichen Tod des zweiten Jungen verfällt Peter Grimes dem Wahnsinn, auf einem harten Tisch liegend, fährt er auf der Zwischenebene nach oben, nicht mehr erreichbar für Ellen, die zusammenbricht. Man wird Zeuge einer fast unerträglichen Steigerung menschlichen Elends. Eine Tragödie von antikem Ausmaß. Balstrodes Rat, sich auf dem Meer zu versenken, ist für Peter Grimes die logische Konsequenz. Das Dorf nimmt den Selbstmord ungerührt zur Kenntnis.

Roy Cornelius Smith ist die Inkarnation des Fischers Peter Grimes. Stimme, Darstellung und Gestaltung verschmelzen bei ihm zu einer perfekten Einheit. Mit seiner bis an die Grenzen gehenden Expressivität gelingt ihm ein faszinierendes Psychogramm der gequälten Seele, die er aufs Sensibelste auslotet. Heldentenorale Durchschlagskraft, lyrische Innigkeit und und eine variable dynamische Bandbreite stehen ihm ebenso zur Verfügung wie eine feinsinnig aus dem Wort entwickelte Tongebung.

Astrid Kessler gestaltet die empathische und aufrichtige Ellen Orford mit luzider Ausstrahlung und seelenvoller Hingabe. Mit großer Leuchtkraft und perfekt austarierter Piano Kultur erzeugt sie Spannungen von besonderer Qualität und findet Schattierungen von anrührender Zartheit und sehnsüchtiger Melancholie.

Das moralische Gewissen der Gemeinde, Captain Balstrode, der klug zwischen den Fronten vermittelt, wird von Thomas Berau mit großer Intensität und Charisma verkörpert. Seinen kraftvollen, tragfähigen Bariton setzt er mit Wärme in allen Lagen ein und beeindruckt auch mit vorbildlicher Diktion.

Sung Ha singt den Swallow souverän mit balsamischen Basstiefen, Raphael Wittmer als Bob Boles setzt mit kräftigem Tenor komödiantische Akzente. Ilya Lapich gestaltet den Ned Keene mit baritonalem Wohllaut und Rita Kapfhammer als Auntie strahlt mit leuchtenden Sopranhöhen. Reverend Adams singt Uwe Eikötter mit charaktertenoralem Glanz, Marie-Belle Sandis verleiht der umtriebigen Mrs Sedley schöne Mezzofarben und Lebendigkeit. Hervorzuheben ist Lavinia Dames von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, die als „first Niece“ äußerst kurzfristig eingesprungen war und sich mit Ji Yoon, second Niece, blendend ins Ensemble einfügte. In weiteren stummen Rollen überzeugten Philipp Riehle als Boy John und Intendant Albrecht Puhlmann als Dr. Crabbe.

Der phänomenale Chor des NTM unter der Leitung von Danis Juris bewältigte die immensen Herausforderungen als wuchtigem Gegenspieler von Peter Grimes mühelos. Mit unter die Haut gehender Klanggewalt, rhythmischer Präzision und Textverständlichkeit beeindruckte der Chor auch darstellerisch als heterogenes Kollektiv, das seine Macht genussvoll ausspielt. Eine fantastische Leistung !

Der Engländer Alexander Soddy hat wohl eine besondere Affinität zu Brittens Musik, was an diesem Abend unschwer zu überhören war. Er steuert das Nationaltheater Orchester sicher durch die Klangfluten, mächtig brechen die Tutti-Wogen über den Solisten zusammen, grimmig brausen die Bläser-Stürme. Glitzernde Arpeggien von Harfe, Bratschen und Klarinetten und sehnsüchtige Violinen- Kantilenen lassen die „Dämmerung“, das 1. der „Interludes“, bei Soddy plastisch aufscheinen. Impressionistisch inspirierte Klangflächen, aus dem sich hohe und tiefe Glocken herauslösen, verdichten sich atmosphärisch zur Sonntagstimmung des 2. Interlude. Auch die melodisch und rhythmische Unbewegtheit des Nachtstücks gestaltet Soddy mit feinem Gespür für die kontrastierenden Spannungsabläufe von Brittens Musik.

Viel Beifall und Jubel im ausverkauften Opernhaus nach dieser herausragenden Produktion, die man auf keinen Fall verpassen sollte!

Besuchte Vorstellung: Premiere am 3. November 2019

Peter Grimes am Nationaltheater Mannheim, die weiteren Vorstellungen:  7.11.; 22.11.; 29.11.; 18.12.2019; 5.01.2020 …

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Highlights im Spielplan Oktober 2017

August 7, 2017 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2017


Oper Frankfurt / Peter Grimes - Vincent Wolfsteiner Tenor / Titelpartie © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Peter Grimes – Vincent Wolfsteiner Tenor / Titelpartie © Barbara Aumüller

Sonntag, 8. Oktober 2017, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Premiere
PETER GRIMES

Oper in drei Akten und einem Prolog von Benjamin Britten
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle; Regie: Keith Warner

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle (Musikalische Leitung © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle (Musikalische Leitung © Monika Rittershaus

Mitwirkende: Vincent Wolfsteiner (Peter Grimes), Sara Jakubiak (Ellen Orford), James Rutherford (Captain Balstrode), Jane Henschel (Auntie), Sydney Masncasola und Angela Vallone (Two Nieces), AJ Glueckert (Bob Boles), Clive Bayley (Swallow), Hedwig Fassbender (Mrs. Sedley), Peter Marsh (Reverend Horace Adams), Iurii Samoilov (Ned Keene), Barnaby Rea (Hobson)

Weitere Vorstellungen: 12., 14., 19., 22., 27. Oktober, 5. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren),11. November 2017 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Während des Zweiten Weltkriegs hielten sich Benjamin Britten (1913-1976) und sein Lebensgefährte, der Tenor Peter Pears, in Amerika auf. Dort wurde der Komponist auf die Verserzählung The Borough (1810) des wie er selbst aus Suffolk stammenden George Crabbe aufmerksam und beauftragte den britischen Schriftsteller Montagu Slater, ein Libretto zu verfassen. Die Uraufführung am 7. Juni 1945 am Londoner Sadler?s Wells Theatre (der heutigen English National Opera) mit Pears in der Titelpartie brachte Britten den Ruf als einer der führenden Komponisten der Gegenwart ein. Die Geschichte eines Mannes, der ein gesamtes Dorf gegen sich hat, wird häufig als Ausdruck der Erfahrungen interpretiert, denen auch Britten als Homosexueller ausgesetzt gewesen sein muss. Die letzte Frankfurter Produktion von Peter Grimes (Regie: David Mouchtar-Samorai) kam am 2. Juni 2001 heraus.

Zum Inhalt: Der Fischer Peter Grimes ist im Küstendorf Borough im englischen Suffolk aufgrund seines verschlossenen und auch gewalttätigen Wesens zum Einzelgänger geworden. Nur die verwitwete Lehrerin Ellen Orford und der alte Captain Balstrode halten zu ihm. Kurz vor einer gerichtlichen Untersuchung, die den Tod seines Lehrjungen untersuchen soll, kommt auch dessen Nachfolger bei Grimes? Flucht vor den aufgebrachten Dorfbewohnern zu Tode. Daraufhin rät Balstrode seinem Freund, aufs Meer hinauszufahren und dort sein Boot zum Sinken zu bringen. Vom Land aus beobachten einige Dörfler teilnahmslos das Geschehen…

Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der damit nach einem erfolgreichen Gastspiel an der New Yorker Met seine erste Frankfurter Neuproduktion der Saison 2017/18 dirigiert. Die Regie übernimmt der Brite Keith Warner, der als gern gesehener Gast an der Oper Frankfurt hier u.a. 2005/06 Brittens Death in Venice inszenierte. Henzes Elegie für junge Liebende führte ihn kürzlich ans Theater an der Wien. Die Titelpartie übernimmt Ensemblemitglied Vincent Wolfsteiner, der kürzlich als Wagners Siegfried an sein altes Stammhaus nach Nürnberg zurückkehrte. Auch Sara Jakubiak (Ellen Orford) zählt zum Ensemble. Zu ihren Plänen gehört u.a. die Titelpartie in Korngolds Das Wunder der Heliane an der Deutschen Oper in Berlin. Das Ensemble verlassen hat zur Saison 2017/18 James Rutherford (Captain Balstrode), der in naher Zukunft die Partie des Wotan in Wagners Der Ring des Nibelungen in Düsseldorf / Duisburg sowie erneut in Frankfurt verkörpern wird. Die übrige Besetzung ist eine Mischung aus Ensemble- und Gastsängern, darunter u.a. Jane Henschel (Auntie), deren lange Karriere sie an die großen Opernhäuser und Festivals weltweit führte.


Freitag, 13. Oktober 2017, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Dritte Wiederaufnahme
DIDO AND AENEAS
Oper in fünf Bildern mit einem Epilog von Henry Purcell
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

HERZOG BLAUBARTS BURG
Oper in einem Akt von Béla Bartók
In ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Karsten Januschke; Regie: Barrie Kosky

Oper Frankfurt / Herzog Blaubarts Burg - Judith © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Herzog Blaubarts Burg – Judith © Monika Rittershaus

Mitwirkende Dido and Aeneas: Cecelia Hall (Dido), Angela Vallone (Belinda), Karen Vuong (Second Woman), Dmitry Egorov (Sorceress), Elizabeth Reiter (First Witch), Julia Dawson (Second Witch), Michael Porter (Spirit / Sailor), Sebastian Geyer (Aeneas)
Mitwirkende Herzog Blaubarts Burg: Andreas Bauer (Blaubart), Claudia Mahnke (Judith)

Weitere Vorstellungen: 15. (18.00 Uhr), 21., 29. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Oktober, 4. November 2017
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Auf den ersten Blick haben diese beiden Kurzopern – in Frankfurt seit ihrer Premiere 2010/11 als abendfüllende Produktion miteinander kombiniert – stilistisch, inhaltlich und auch sprachlich wenig miteinander zu tun: Dido and Aeneas (1689) von Henry Purcell (1659-1695) und Herzog Blaubarts Burg (1918) von Béla Bartók (1881-1945). Nachdem jedoch der Doppelabend in der Regie von Barrie Kosky – der inzwischen seit 2012/13 den Posten des Intendanten der Komischen Oper Berlin inne hat – am 5. Dezember 2010 herausgekommen war, konnte man in der Süddeutschen Zeitung lesen: „Zwei Einakter, die rund 230 Jahre Operngeschichte trennt. Das Ergebnis ist schlicht phantastisch.“ Die Inszenierung wurde 2013 im Rahmen eines überaus erfolgreichen Gastspiels beim Edinburgh Festival gezeigt. Nun wird die Produktion in Frankfurt zum dritten Mal wiederaufgenommen.

Oper Frankfzrt /Dido and Aeneas - Dido und Aeneas © Monika Rittershaus

Oper Frankfzrt /Dido and Aeneas – Dido und Aeneas © Monika Rittershaus

In Dido and Aeneas verliebt sich Aeneas auf der Rückreise aus dem Trojanischen Krieg in Dido, die verwitwete Königin von Kathargo. Zögerlich erwidert sie seine Zuneigung, da sie ahnt, dass Aeneas sie bald wieder verlassen wird. Tatsächlich bricht dieser, geblendet durch einen Zauber, entgegen seiner eigentlichen Absicht seine Zelte in Kathargo ab. Dido stirbt an gebrochenem Herzen. – In Herzog Blaubarts Burg folgt Judith ihrem Mann Blaubart auf seine Burg. Dort herrscht eine dunkle, unheimliche Atmosphäre: Sieben Türen bergen dunkle Geheimnisse. Nach und nach gelingt es Judith, alle Türen zu öffnen. Hinter der siebten und letzten entdeckt sie schließlich ihre drei ermordeten Vorgängerinnen. Zusammen mit Blaubart tritt Judith durch diese Tür, das Schloss versinkt erneut in Dunkelheit.

Mit der Produktion vertraut sind die Ensemblemitglieder Michael Porter (Spirit / Sailor), Sebastian Geyer (Aeneas) und vor allem Claudia Mahnke (Judith), die beiden zuletzt Genannten sogar seit der Premiere 2010. In der Inszenierung bereits gesungen, jedoch jeweils in anderen Partien, haben Gast Dmitry Egorov (Sorceress; zuvor: First Witch) und Ensemblemitglied Elizabeth Reiter (First Witch; zuvor: Second Woman). Erstmals in der Produktion besetzt sind aus dem Ensemble Cecelia Hall (Dido) und Karen Vuong (Second Woman), die „Ensembleneuzugänge“ Angela Vallone (Belinda) und Julia Dawson (Second Witch) sowie Andreas Bauer (Blaubart). Karsten Januschke, bis 2014/15 Kapellmeister der Oper Frankfurt, dirigiert die Produktion zum ersten Mal.


Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Filipjewna und Tatiana (kniend) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Filipjewna und Tatiana (kniend) © Barbara Aumüller

Freitag, 20. Oktober 2017, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme
EUGEN ONEGIN
Lyrische Szenen in drei Akten und sieben Bildern von Peter I. Tschaikowski
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Nikolai Petersen; Regie: Dorothea Kirschbaum;
Konzeption: Jim Lucassen

Mitwirkende: Barbara Zechmeister (Larina), Maria Bochmanova (Tatiana),
Maria Pantiukhova / Judita Nagyová (Olga), Elena Zilio (Filipjewna),
Daniel Schmutzhard / Iurii Samoilov (Eugen Onegin), Allan Clayton (Lenski), Nikolay Didenko (Fürst Gremin), Dietrich Volle (Saretzki), Thomas Faulkner (Ein Hauptmann), Michael McCown (Triquet)

Weitere Vorstellungen: 28., 31. (18.00 Uhr) Oktober, 10., 19. November 2017
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Eugen Onegin und Tatiana © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Eugen Onegin und Tatiana © Wolfgang Runkel

Anlässlich der Premiere des Eugen Onegin am 20. November 2016 an der Oper Frankfurt wurden zwei Meisterwerke vom Publikum bestaunt: Zum einen die mit „lyrische Szenen“ untertitelte Oper von Peter I. Tschaikowski (1840-1893), zum anderen das raumfüllende Mosaik, das die Werktätigen Russlands beim Aufbau des Sozialismus zeigt. In Kleinstarbeit hatten die Theatermalerinnen und -maler der Oper Frankfurt dieses beeindruckende Bild für die Inszenierung von Dorothea Kirschbaum nach der Konzeption von Jim Lucassen per Hand gestempelt. Nun bot es im ersten Teil des Abends das Bühnenbild der Frankfurter Neuproduktion von Tschaikowskis Oper nach dem Roman von Alexander S. Puschkin. Doch gab es natürlich von dieser vierten Premiere der Spielzeit 2016/17 noch viel mehr zu berichten, und so schwärmte der Kritiker der Frankfurter Neuen Presse: „Dieser Eugen Onegin erzählt vom Menschen, der lernen muss, seine Gefühlswelt einzurichten, wo und wann auch immer. Puschkin hat das schonungslos beschrieben, Tschaikowski in wunderschöne, tief empfindende Musik gekleidet – und die Oper Frankfurt hat einen neuen Publikumsmagneten.“

Russland: Tatiana, die empfindsame Tochter der Gutsbesitzerin Larina, verliebt sich in den abgeklärten Dandy Eugen Onegin, den ihr Lenski, der Verlobte ihrer lebenslustigen Schwester Olga, vorstellt. An zentraler Stelle in der Oper schreibt die schüchterne Tatiana einen Brief, in dem sie dem Angebeteten ihre Liebe offenbart. Doch Onegin erklärt ihr kühl, dass er nicht für die Ehe geschaffen sei. Gelangweilt von der Atmosphäre in der Provinz macht er Olga schöne Augen und erregt so die Eifersucht seines Freundes Lenski. Der Streit mündet in einem Duell, das Lenski nicht überlebt. Onegin flieht vor seiner Schuld und entdeckt zu spät seine Gefühle für Tatiana.

Für die erste Wiederaufnahme der Produktion kehrt premierenbewährt Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle zurück ans Pult seines Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, jedoch wechselt er sich diesmal mit dem jungen Kapellmeister Nikolai Petersen ab. Auch die Sängerbesetzung verzeichnet einige neue Namen: Die junge Russin Maria Bochmanova (Tatiana) kehrt nach Vorstellungen als Lauretta in Puccinis Gianni Schicchi 2015/16 an die Oper Frankfurt zurück. Der Brite Allan Clayton (Lenski) trat kürzlich als David in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg am Royal Opera House Covent Garden in London auf, gefolgt von der Titelpartie in der viel beachteten Uraufführung von Brett Deans Hamlet beim Glyndebourne Festival 2017. Nikolay Didenko (Fürst Gremin) ist Russe und gastiert regelmäßig am Moskauer Bolschoi-Theater sowie an der Oper Köln, wo er 2017/18 als Comte des Grieux in Massenets Manon zu erleben sein wird. Thomas Faulkner (Ein Hauptmann) wurde 2016/17 vom Opernstudio ins Ensemble der Oper Frankfurt übernommen, wo der Brite jüngst als Graf Lamoral in Strauss? Arabella zu erleben war. Alle weiteren Partien bleiben im Vergleich zur Premieren- bzw. zur deren Alternativbesetzung unverändert, darunter auch aus dem Ensemble Daniel Schmutzhard und Iurii Samoilov (Eugen Onegin) sowie Maria Pantiukhova und Judita Nagyová (Olga), die sich im Verlauf der Aufführungsserie in ihren jeweiligen Partien abwechseln. Eine besondere Freude ist, dass auch die italienische Mezzosopranistin Elena Zilio, während ihrer langen Karriere zu Hause an vielen bedeutenden internationalen Bühnen, als Filipjewna wieder mit von der Partie ist.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere: PETER GRIMES von Benjamin Britten, 09.04.2016

März 24, 2016 by  
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Theater Dortmund

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 PETER GRIMES von Benjamin Britten

Libretto von Montagu Slater nach George Crabbe

Premiere am Samstag, 9. April 2016,  , Weitere Vorstellungen:, FR, 15. April 2016, SO, 24. April 2016, MI, 04. Mai 2016, SO, 15. Mai 2016, SO, 12. Juni 2016

Benjamin Britten (1913-76) ist der meistgespielte im 20. Jahrhundert geborene Opernkomponist. In Dortmund jedoch wurde noch nie eine seiner großen Opern gegeben. Nun hat Opernintendant Jens-Daniel Herzog eine Britten-Oper auf den Spielplan gesetzt. PETER GRIMES hat in der Inszenierung von Tilman Knabe am Samstag, 9. April 2016, um 19.30 Uhr im Dortmunder Opernhaus Premiere. Peter Marsh aus dem Ensemble der Oper Frankfurt singt die Titelpartie. Als Ellen Orford wird Emily Newton zu sehen sein. Des Weiteren werden Ks. Hannes Brock, Judith Christ, Martina Dike, Thomas Günzler, Sangmin Lee, Karl-Heinz Lehner, Morgan Moody, Fritz Steinbacher, Ashley Thouret und Tamara Weimerich zu sehen sein.

Den Stoff zu seiner ersten Oper fand Britten in der Verserzählung The Borough von George Crabbe. Der menschenscheue Fischer Peter Grimes träumt von einer Heirat mit der gutmütigen Lehrerin Ellen Orford. Zwischen den beiden steht jedoch Peters Obsession, Gewalt gegen seine Lehrjungen zu gebrauchen. Zu Beginn des Stücks wird er von dem Vorwurf freigesprochen, seinen Lehrjungen während eines Fischfangs bewusst durch Erschöpfung in den Tod getrieben zu haben, doch als auch John, sein neuer Gehilfe, spurlos verschwindet, wird die Dorfgemeinschaft zur Meute, die Peter in den Tod hetzt.

Auch wenn dieser Peter Grimes sicher kein Sympathieträger ist: Britten hat sein Schicksal mit viel Mitleid und Einfühlungsvermögen gezeichnet und dadurch eine der großen, unergründlichen Figuren der Operngeschichte geschaffen. Grimes ist beides, Täter und Opfer. Einer, der weiß, wo sein Weg hinführen müsste, aber gegen seine eigene dunkle Seite nicht ankämpfen kann.

Mit Benjamin Brittens Erstlingswerk PETER GRIMES aus dem Jahr 1945 schlug die Geburtsstunde der modernen und international gespielten englischen Oper. Brittens Musik, die die Errungenschaften der Moderne aufnimmt, verbindet sich mit einer dichten, packenden Handlung und überzeugenden, psychologisch fein entwickelten Figuren. Nicht nur PETER GRIMES eroberte binnen kurzer Zeit die Bühnen der Welt, auch Brittens weitere Opern waren große Erfolge und sichern ihm bis heute hohe Aufführungszahlen.

Musikalische Leitung: Gabriel Feltz, Motonori Kobayashi, Inszenierung: Tilman Knabe
Bühne: Annika Haller, Kostüme: Eva-Mareike Uhlig,  Choreinstudierung: Manuel Pujol
Dramaturgie: Georg Holzer, Regieassistenz: Fanny Collet
Regiehospitanz: Bjarne Gedrath, Bühnenbildassistenz: Elif Erönder
Kostümassistenz: Emine Güner, Studienleitung: Luca de Marchi
Einstudierung: Philipp Armbruster, Ingo Martin Stadtmüller, Thomas Hannig, Tatiana Prushinskaya, Sujin Jung, Inspizienz: Alexander Becker, Ulas Nagler
Soufflage: Elke Pop, Arminia Friebe

BESETZUNG:
Peter Grimes, ein Fischer: Peter Marsh, John, sein Lehrling: Erik Albrecht, Simon Daiber
Ellen Orford, Witwe und Lehrerin: Emily Newton,
Balstrode, früherer Kapitän: Sangmin Lee
Auntie, Wirtin im „Eber“: Judith Christ
Erste Nichte: Tamara Weimerich
Zweite Nichte: Ashley Thouret
Boles, ein Fischer und Methodist: Fritz Steinbacher
Reverend Horace Adams, Pfarrer: Ks. Hannes Brock
Swallow, Rechtsanwalt und Bürgermeister: Karl-Heinz Lehner
Mrs. Sedley, Rentnerin: Martina Dike
Ned Keene, Apotheker: Morgan Moody
Hobson, Fuhrmann: Thomas Günzler
Dr. Crabbe, Arzt: Hans-Peter Frings
Mit dem: Opernchor des Theater Dortmund
Mit den: Dortmunder Philharmonikern
Mit der: Statisterie des Theater Dortmund

Pressemeldung Oper Dortmund

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Altenburg, Theater und Philharmonie Thüringen, Premiere PETER GRIMES, 15.02.2015

Dezember 31, 2014 by  
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Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen / Großes Haus der Bühnen der Stadt Gera (rechts) Landestheater Altenburg Collage © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Großes Haus der Bühnen der Stadt Gera (rechts) Landestheater Altenburg Collage © Stephan Walzl

Benjamin Britten Oper „Peter Grimes“ erstmals in Altenburg

Kay Kuntzes Inszenierung ab 15. Februar 2015 im Landestheater

Oper in einem Vorspiel und drei Akten op. 33
Libretto nach George Crabbe von Montagu Slater
Musik von Benjamin Britten
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ in der Regie von Generalintendant Kay Kuntze erlebt am 15. Februar 2015 um 18.00 Uhr ihre Altenburger Premiere im Landestheater. Für Altenburg wie auch schon für Gera bedeutet das die Erstaufführung dieses Werkes. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Laurent Wagner. Das Bühnenbild entwarf Markus Meyer, die Kostüme Mathias Rümmler. Der Opernchor singt in der Einstudierung von Chordirektor Holger Krause.

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

Für die Titelpartie konnte Jeff Stewart gewonnen werden, der hier sein Rollendebüt als Peter Grimes gab. In weiteren Partien: Anne Preuß (Ellen Orford, Lehrerin), Johannes Beck (Balstrode, ehemals Kapitän), Amira Elmadfa (Auntie, Wirtin), Akiho Tsujii (1. Nichte), Caterina Maier (2. Nichte), Mark Bowman-Hester (Bob Boles, Methodis), Kai Wefer (Swallow, Bürgermeister), Judith Christ (Mrs. Sedley, Witwe), Jueun Jeon (Reverend Adams, Pastor), Laurence Meikle (Ned Keene, Apotheker), Kai-Uwe Fahnert (Hobson, Fuhrmann) u.a.

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

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Benjamin Brittens (1913-1976) erste große Oper wurde 1945 am Sadler´s Wells Theatre in London erfolgreich uraufgeführt und begründet bis heute seinen Ruf als bedeutendster britischer Komponist seit Henry Purcell. Die illustrative Musik mit ihrem veristischen Charakter, imposante Steigerungen in den Chor- und Ensembleszenen und grandiose Orchesterzwischenspiele machen Peter Grimes zu einem emotional ergreifenden Musikdrama.

Montagu Slater schrieb das Libretto nach der Verserzählung „The Borough“ von George Crabbe aus dem Jahre 1810. Die Handlung führt an die Küste Englands. Der Komponist äußerte selbst zu seinem Werk: „Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in engem Kontakt mit dem Meer. Das Haus meiner Eltern in Lowestoft blickte direkt auf die See, und zu den Erlebnissen meiner Kindheit gehörten die wilden Stürme, die oftmals Schiffe an unsere Küste warfen und ganze Strecken der benachbarten Klippen wegrissen. Als ich «Peter Grimes» schrieb, ging es mir darum, meinem Wissen um den ewigen Kampf der Männer und Frauen, die ihr Leben, ihren Lebensunterhalt dem Meer abtrotzten, Ausdruck zu verleihen – trotz aller Problematik, ein derart universelles Thema dramatisch darzustellen.“

Das Meer ist in Kay Kuntzes Inszenierung Symbol für die Seelenlandschaft des Peter Grimes, der unberechenbar ist und aufbrausend. Er ist als Außenseiter in der Gesellschaft stigmatisiert.

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

Peter Grimes wird in der Gemeinde Borough wegen seines offenbar brutalen Wesens wenig geschätzt. Die Situation spitzt sich zu, als sein Gehilfe auf hoher See umkommt. Die Gesellschaft würde ihn gern als Mörder verurteilt sehen, aber er wird aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Gemeindelehrerin Ellen Orford besorgt dem Fischer einen neuen Gehilfen aus dem Waisenhaus. Doch auch dieser kommt bei einem tragischen Unfall ums Leben. Ob in der Kneipe, in der Kirche oder beim Tanzfest – über den Außenseiter wird Böses gemunkelt. Peter bleibt nur die Flucht aufs offene Meer.

Die Naturgewalten des Meeres, das spießige Milieu einer Kleinstadt, das seine eigenen Probleme in der feindseligen Haltung gegenüber einem Außenseiter zu kompensieren sucht, die ungelöste Frage nach Schuld und Verantwortung – das sind die über die eigentliche Handlung hinausweisenden Grundmotive.

Jeff Stewart wurde in Surrey, im Süden Englands geboren. Er studierte an der “Guildhall School of Music and Drama” und am “National Opera Studio” in London. Sein Debüt gab er noch als Student in La Traviata am “Cambridge arts theatre”. Inzwischen ist der Tenor an Opernhäusern wie auf dem Konzertpodium weltweit gefragt. So trat er in London am Royal Opera House, in Covent Garden und an der English National Opera auf, an der Opera North wie auch der Holland Park Opera oder mit der English Touring Opera. Er sang an Häusern wie der Komischen Oper Berlin, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf oder der Macedonian National Opera. Zwei Jahre war er als lyrischer Tenor in Schwerin engagiert. Es folgten zwei weitere Jahre in Bremen und eine Zeit in Coburg.

Sein Repertoire ist beachtlich und reicht von den frühen Opern bis zu Werken des 21. Jahrhunderts. Dabei hat er den Wechsel vom lyrischen Tenor ins Heldentenorfach vollzogen. Partien wie Male Chorus (Rape of Lucretia), Peter Grimes, Hermann (Pique Dame), Canio (I Pagliacci) und Romeo (Romeo et Juliette) sind ihm besonders wichtig.

Als Oratorien-Sänger trat er u.a. in der Coventry Cathedral, aber auch Kalifornien und Finnland, in Brüssel, Paris und Peking auf.

Theater und Philharmonie Thüringen / Peter Grimes © Theater und Philharmonie Thüringen / Stephan Walzl

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Nur zwei weitere Vorstellungen: 1. März 16 Uhr und 20. März 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Theater und Philharmonie Thüringen |—

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