Engelbert Humperdinck – Music for the Stage, IOCO CD-Rezension, 17.02.2021

Februar 16, 2021 by  
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Humperdinck - Music for the Stage NAXOS CD © NAXOS

Humperdinck – Music for the Stage NAXOS CD © NAXOS

Engelbert Humperdinck  –  Music for the Stage

Das Wunder – Die Wallfahrt nach Kevlaar – Lysistrata –  Naxos 8.574177

Andrea Chudak – Sopran, Ruxandra Voda von der Plas – Contralto, Harrie van der Plas – Tenor, Robert Bennesh – Orgel
Malmö Opera Chorus and Orchestra, Dario Salvi

von Julian Führer

Humperdincks Bühnenmusik – Mehr als „Abendsegen“ und Knusperhäuschen

Vor fast hundert Jahren, am 27. September 1921, starb Engelbert Humperdinck. Sein Talent, einerseits für hochkomplexe Orchesterapparate zu schreiben, andererseits aber Volkslieder in seine Stücke hineinzuweben oder volksliedhafte Stücke zu erfinden, die bald viel populärer waren als der Komponist selbst, machte ihn vor dem Ersten Weltkrieg zu einer Berühmtheit. Die Breitenwirkung mancher seiner Stücke ist allenfalls mit dem Erfolg der bekanntesten Nummern aus Webers Freischütz zu vergleichen. Stücke wie der „Abendsegen“ aus Hänsel und Gretel, „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“, „Ein Männlein steht im Walde“ (Melodie nicht von Humperdinck, aber von ihm popularisiert) und „Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch‘“ sind mit Sicherheit deutlich bekannter als der Name ihres Komponisten.

Engelbert Humperdinck  –  Music for the Stage 

Die musikalische Moderne blieb ihm fremd. 1882 in Bayreuth an der Uraufführung von Richard Wagners Parsifal maßgeblich beteiligt, unterrichtete er Siegfried Wagner in Komposition. Das Humperdinck und seinem Schüler teure Genre der Märchenoper konnte nach dem Ersten Weltkrieg aber keine Erfolge mehr feiern – mit einer Ausnahme: Hänsel und Gretel, Humperdincks größter und unbestrittenster Erfolg, 1893 in Weimar von keinem Geringeren als Richard Strauss uraufgeführt und sofort von Hermann Levi, Felix Mottl und anderen auf weitere Bühnen gebracht (und unter anderem von Cosima Wagner inszeniert), ist heute noch ein fester Baustein im Repertoire der Opernhäuser, leider als ausschließliche Kinder- und Weihnachtsoper missverstanden. Eine neuerschienene CD nimmt sich nun die weniger bekannten Werke Humperdincks vor.

Die Heirat wider Willen ist eine komische Oper in drei Akten nach dem Stück Les demoiselles de Saint-Cyr von Alexandre Dumas dem Älteren, die Partitur wurde 1905 gedruckt. Zunächst gut aufgenommen, verschwand diese Oper dennoch schnell von den Spielplänen. In der hier präsentierten Einleitung zum 2. Akt münden recht üppige Bläsersätze mit reichem Harfeneinsatz in Streicherfiguren, wie man sie auch aus der Waldszene von Hänsel und Gretel kennt. Ein rhythmisches Motiv ertönt in den Fagotten (ein Instrument, das Humperdinck auch in Königskinder sehr gerne zur Charakterisierung zwielichtiger Gestalten nutzte). Dann ist wieder das Bläsermotiv zu hören und anschließend eine leise Überleitung in die erste Szene, die mit Trommelwirbeln angekündigt wird – es fehlt natürlich die eigentliche Szene, eigentlich fehlt wohl auch ein Konzertschluss, der dieses schöne Stück Musik vielleicht eine Minute vor dem Beginn der ersten Szene zu einem stimmigen Ende brächte.

Es folgt die Bühnenmusik zu Shakespeares Der Kaufmann von Venedig von 1906. Sie entstand auf Wunsch von Max Reinhardt, mit dem dies die erste Zusammenarbeit war, die prompt zu einem großen Erfolg führte. Sehr kurz (sicherlich zu einem sich öffnenden Vorhang passend) ist eine von der Tenorstimme von Harrie van der Plas vorgetragene italienische Barcarole „O pescator dell’onda“. Es folgt, begleitet von einer Harfe und eigentlich im Stück erst am Ende der zweiten Szene, „Ging ein alter Freiersmann, klopft sogleich ein Neuer an“, wieder von der Tenorstimme sicher intoniert. Zu Beginn des zweiten Aktes hört man das folgende Stück, eine Sarabande, entsprechend in einem schreitenden Rhythmus (dem Auftritt von Holzhacker und Besenbinder in Königskinder nicht fern). Es folgen drei Trompetensignale, die an verschiedenen Stellen des Stückes zu hören wären, dann ein Maskenzug (Flöte und Harfe, dazu Kastagnetten und Schellen und viel Horn). Auch wenn man keine Erläuterungen dazu hat und das Stück nicht kennt, hört es sich an, als würde dazu der Tag anbrechen und sich die Bühne langsam mit Menschen füllen.

Humperdinck - Music for the Stage NAXOS CD © NAXOS

Humperdinck – Music for the Stage NAXOS CD © NAXOS

Im folgenden „Sagt, woher kommt Liebeslust“ mischen sich die Stimmen von Andrea Chudak und, mehr im Hintergrund, Ruxandra Voda van der Plas mit dem Opernchor von Malmö. Der wogende Chor lässt Anklänge an „Ha, welche Nacht“ aus Franz Schrekers gleichwohl späteren Die Gezeichneten, aber auch an den ersten Akt von Gounods Faust ahnen. Schließlich rein orchestral ein Liebeslied, dazu eine Introduktion wie der Beginn von Walthers Preislied aus Wagners Meistersingern, aber in den dritten Akt Siegfried verlegt: Erst ein Durakkord, dann Harfen, ein durch Verminderung entstehender Mollakkord, dann Harfen, nach dem dritten Akkord eine neue musikalische Situation, in den tiefen Streichern dann eine Art Waldweben, über dem die Violinen eine Melodie ausbreiten. Wieder hört es sich fast wie im Märchenwald an, wie dort auch setzt Humperdinck eine Solovioline zum Orchester ein. Die Oboe wird von der Klarinette abgelöst, ein Kniff, den er gerne anwendet und den er von Richard Wagner übernommen hat. Das Liebeslied ist mit Abstand das längste Stück im Kaufmann von Venedig (über zehn Minuten von 20 Minuten insgesamt). Es fehlt natürlich die Bühne dazu; die musikalischen Farben sind sehr plastisch, dennoch ist ohne die Schauspielszenen dazwischen die Aneinanderreihung der Stücke etwas unvermittelt.

Auch Das Wunder, eine große Pantomime in drei Bildern, war eine Idee von Max Reinhardt. Humperdinck schrieb dazu eine Musik, die 1911/1912 gedruckt wurde.  Die von Adolf Lotter eingerichtete Suite wurde hier zum ersten Mal überhaupt eingespielt. Zunächst eine Introduktion (die Orgel allein). Auch hier fällt ein Anklang an Gounod auf (die Scène de l’église im Faust), vielleicht auch an Jules Massenet (Les Érinnyes, Prélude). Prozession und Kindertanz, das nächste Stück, wird von einem fast barock anmutendem Bläsersatz eröffnet. Man hört die Streicher, vor allem im tiefen Register, doch dann wird auf einmal Hänschen klein eingebaut, aber diesen Volksliedton beherrscht Humperdinck nunmal wie kein Zweiter, auch die folgende Übernahme und Weiterentwicklung einer zunächst banalen Phrase durch ein großes Orchester. Eine Bankettszene folgt, im Dreivierteltakt ist passagenweise eine Solovioline zu hören, die eine Sequenz aus Beethovens Klaviersonate op. 31,1 übernimmt (aus dem dritten Satz in d-Moll), die dann vom Orchester weitergeführt wird. Kleine Trommel und Flöten bringen einen eher kurzen Marsch.

Weihnachtsszene und Finale des ersten Aktes hingegen gehen volksliedhaft los, doch dann gerät das gesamte Orchester ins Schwelgen. Die Ouvertüre zu Hänsel und Gretel kommt einem in den Sinn – „Es ist verteufelt schwer – das Hänselchen“, wie der Uraufführungsdirigent Richard Strauss es in einem Brief an Humperdinck vom 1. November 1893 ausdrückte. Man hört viel Nähe zum Schluss des Parsifal (die perfekt beherrschte Kunst des Decrescendo eines großen Orchesters sowie die Behandlung von Posaunen und Harfen). Ein Stück voller Orchesterglanz, raffinierter Instrumentation und melodischer Vielfalt, ein spätromantischer Rausch erster Güte, noch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieg komponiert, unter Benutzung gewisser kompositorischer Tricks aus Lohengrin und Hänsel und Gretel. Bemerkenswert, mit welcher Brillanz das Malmö Opera Orchestra hier spielt. Dario Salvis Dirigat ist geschmeidig und beweist viel Spürsinn für Humperdincks Klangwelt. Auch hier fragt man sich doch manchmal, worum es im Stück wohl gerade gehen mag – es handelt sich schlicht um Bühnenmusik, die aneinandergereihten Stücke sind nicht als Aneinanderreihung gemeint.

Mit der Chorballade Die Wallfahrt nach Kevlaar nach Heinrich Heines Text gelang Humperdinck ein Erfolg. 1888 unternahm er eine Überarbeitung, hier aber hören wir die Urfassung von 1878 als Ersteinspielung. In der für Heine typischen, leicht spöttelnden Diktion heißt es: „Am Fenster stand die Mutter, / Im Bette lag der Sohn. / ‚Willst du nicht aufstehn, Wilhelm, / Zu schaun die Prozession?‘“ Vielleicht liegt es an der Autorschaft des nach 1933 verfemten Dichters, dass dieses Werk seither in Vergessenheit geraten ist. Der Chor steht gewissermaßen in der Rolle des Erzählers, Andrea Chudak und Harrie van der Plas übernehmen die Rollen von Mutter und Sohn. Wenn der Chor von der Prozession singt, erklingen Trompetenfanfaren. „Gelobt seist du Marie!“, heißt es in Heines Ballade – Humperdinck war gerade unglücklich in eine Marie Streicher verliebt gewesen und legt hier sehr viel Emphase in die Betonung des Namens und nötigt den Chor zu einer langen Fermate…

Bei Heine und in der Vertonung ist es Marie (die Gottesmutter), die den Sohn durch den Tod von seiner Liebesqual erlöst. Das Stück ist bei weitem die früheste Komposition auf dieser CD. Humperdinck war noch keine 25 Jahre alt, war Richard Wagner noch nicht begegnet, aber die Orchesterbehandlung ist schon sehr gekonnt. Humperdinck beherrscht bereits charakteristische Kniffe wie die Eintrübung der Klangfarben, dissonante bzw. sehr hohe und sehr tiefe Töne, wenn existentielle Themen wie der Tod ins Spiel kommen. Auch die ganz allein oder mit minimaler Orchesterbegleitung singende Sopranstimme in einer absteigenden Phrase begegnet später in Hänsel und Gretel und Königskinder wieder. Dieses Werk war Humperdincks erster großer Erfolg. Marie Streicher sollte dennoch einen anderen heiraten.

Abschließend ist noch die Bühnenmusik zu Lysistrata von 1908 zu hören, abermals auf Wunsch von Max Reinhardt geschrieben. Humperdinck wählte eine kleine Besetzung: Holz, Hörner, Schlagzeug (mit Harfe). Die Vorlage lieferte die Komödie des Aristophanes von ca. 400 v. Chr. über die Frauen Athens, die sich ihren Männern verweigern, um so von ihnen einen Friedensschluss mit Sparta zu erzwingen. Beim Festzug, dem Gesang ‚Komm, selige Trunkenheit‘ und dem Schlusstanz merkt man am ehesten die Gelegenheitskomposition, doch scheint auch diese Komposition Humperdinck, der gleichwohl kein Schnellschreiber war, keine Mühen bereitet zu haben.

Humperdinck schrieb viel Kammermusik und über hundert Lieder, Schätze, die es oft noch zu heben gilt. Es wäre zu wünschen, dass die hundertste Wiederkehr seines Todestages recht viele Orchester und Opernhäuser dazu brächte, die vielen Kostbarkeiten, die dieser Komponist hinterlassen hat, aus der Versenkung zu holen und wieder Stücke wie Die Heirat wider Willen, Gaudeamus, Dornröschen oder auch die manchmal im Repertoire auftauchenden und ebenso entzückenden wie erschütternden Königskinder zu spielen. Vorliegende CD ist ein flammendes Plädoyer für das Werk dieses Komponisten.

—| IOCO CD-Rezension |—


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Richard Strauss – Tanzsuite, Divertimento – nach François Couperin, IOCO CD-Rezension, 12.02.2021

Februar 12, 2021 by  
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NAXOS CD Richard Strauss _ Tanzsuite Divertimento © NAXOS

NAXOS CD Richard Strauss _ Tanzsuite Divertimento © NAXOS

Richard Strauss: Tanzsuite, Divertimento Op. 86 –  New Zealand Symphony Orchestra, Jun Märkl  –  NAXOS  CD 8.574217, 2020

von Julian Führer

Ein ungewohnter Richard Strauss – beispielhaft umgesetztes „Hüpfmaterial“ in einer Aufnahme aus Neuseeland 

Richard Strauss Büste in Walhalla © IOCO HGallee

Richard Strauss Büste in Walhalla © IOCO HGallee

François Couperin (1668-1733) war in verschiedenen Funktionen am Hof Ludwigs XIV. in Versailles tätig, heute ist er noch vor allem für überaus zahlreiche Kompositionen für Cembalo bekannt. Die Nachwelt interessierte sich mehrmals in künstlerischer Aneignung für dieses musikalische Erbe, man denke an Maurice Ravel (Le tombeau de Couperin, 1917) oder jüngst Thomas Adès, Three Studies from Couperin, 2006). Doch auch Richard Strauss ließ sich von dem französischen Komponisten inspirieren – nicht für den Rosenkavalier, Salome oder die Alpensinfonie, aber für zwei wenig bekannte Stücke Ballettmusik, die 1923 und 1941 uraufgeführt wurden und jetzt zusammen auf einer CD erhältlich sind.

Als eigentlichen Ballettkomponisten wird man Richard Strauss kaum bezeichnen – er sah das übrigens ähnlich und bezeichnete die besprochenen Kompositionen selbst als musikalisches „Hüpfmaterial“ und äußerte auch in einem Brief, dass zumindest die Komposition des Divertimento ihn im Grunde gelangweilt habe. Doch sollte man nicht vergessen, dass Strauss auch mit Josephs Legende (1914) und Schlagobers (1924) durchaus als Ballettkomponist in Erscheinung getreten ist, auch wenn diese Werke heute weitgehend vergessen sind.

Das erste Werk auf der neuen Aufnahme, die Tanzsuite für kleines Orchester, wurde 1923 in Wien als Ballettmusik unter Clemens Krauss uraufgeführt, ein Stück von etwa einer halben Stunde Musik. Richard Strauss lehnt sich nicht so sehr an Couperin an, dass er konkrete Vorlagen angäbe, das Einleitungsstück, „Pavane“ würde ebenfalls nicht zu seinem Vorbild passen.

Strauss‘ Kompositionsstil hat etwas Humorvolles – der Beginn der Einzelstücke hört sich zunächst frühklassisch an, bevor dann durch Instrumentation (Strauss hat ein Englischhorn vorgesehen) oder verstärkte Polyphonie deutlich wird, dass wir es mit einem Werk des frühen 20. Jahrhunderts zu tun haben (darin Sergej Prokofiev und seiner ersten Symphonie, der „Symphonie classique“, nicht unähnlich). Das Orchester der Tanzsuite erfordert Celesta, Harfe und Posaune, aber eben auch das viel eingesetzte Cembalo. Im Rückgriff auf Couperin werden viele Verzierungen angewendet. Wirklich reizvoll sind die immer wieder neuen Arrangements – nur selten spielt das volle Orchester, dafür wechseln oft auch innerhalb eines Stückes die Instrumentengruppen.

Die einzelnen Stücke beginnen meist zaghaft oder zeremoniös, die Struktur bewegt sich in sehr klassischen Bahnen, der Reiz liegt in der Variation – so wird der erste Teil der Courante mit Harfe, Englischhorn und Posaune dargeboten, im Allegretto-Mittelteil hingegen kommt das Cembalo zum Zuge. Im folgenden Carillon beginnen Harfe, Glockenspiel und Celesta, das Cembalo kommt dazu, schließlich spielen alle Instrumentengruppen zusammen – und auf einmal hört man fast die Salome. Langsam und streng schreitet die Sarabande voran, der Mittelteil räumt der Harfe sehr viel Raum ein und ist sehr kantabel. Eine weitere Charakteristik in der Instrumentation der Tanzsuite ist der Einsatz von Solopartien – in der Gavotte beginnen Cembalo und die Solovioline, bevor dann im Rahmen einer Art Temo con variazioni zuerst eine Flöte und später ein Fagott hinzukommen, im weiteren Verlauf hört man drei Violinen, zwei Bratschen usw. – bevor dann alles zusammengeführt wird und noch gewissermaßen als Sahnehäubchen die Celesta dazukommt. Der Wirbeltanz überrascht mit viel Chromatik. In der Allemande hat die Posaune, im abschließenden Marsch das Horn eine größere Partie. Die Musik oszilliert zwischen frühklassischem Gestus und charakteristischem Strauss-Stil, die einzelnen Stücke wechseln schnell die Stimmung und dauern immer nur wenige Minuten (wieviele Minuten genau, ist dann allerdings manchmal überraschend, da die Zeitangaben auf der CD-Rückseite durcheinandergeraten sind).

NAXOS CD _ Richard Strauss © IOCO

NAXOS CD _ Richard Strauss _ Tanzsuite © IOCO

Das zweite Werk ist das Divertimento op. 86, das 1941 in München uraufgeführt wurde (wieder unter Clemens Krauss, der auch die Anregung dazu gegeben hatte). Strauss erweiterte es noch einmal, die nun gut 35 Minuten lange Konzertfassung wurde dann 1943, wieder unter Krauss, uraufgeführt. Große Unterschiede in der musikalischen Faktur gibt es nicht, aber kleine Unterschiede durchaus – nicht ganz unerheblich ist der Einsatz der Orgel (in La Musette de Choisy und Musette de Taverny, dazwischen ist La fine Madelon zu hören – „das Ganze in leichtem Halbstaccato“, so Strauss‘ Partituranweisung). In Le Tic-toc-choc beginnt das Horn als Melodieinstrument, bevor dann Violine und Bratsche (jeweils solo) dazukommen und der Orchesterapparat weiter erweitert wird. Dass wie in La Lutine das gesamte Orchester zum Einsatz kommt, ist im Rahmen dieser beiden Suiten selten. Abermals überraschend dann Le Trophée – ein kurzes Stück im Stil pompöser barocker Triumphmusiken, wie man sie von Charpentier und Lully kennt, in das sich aber Becken und große Trommel mischen. Les ombres errantes (‚Die irrenden Schatten‘, man kann den Titel auch als ‚die irrenden Seelen‘ auffassen) beginnt düster mit Anklängen an Humperdincks bedrohlichen Hexenwald – doch endet alles wie auch die Tanzsuite ebenso beschwingt wie effektvoll.

Eine technisch mäßige Aufnahme des Divertimento mit dem Uraufführungsdirigenten Clemens Krauss aus dem Jahr 1953 ist im Internet zu finden, andere frei verfügbare Aufnahmen leiden unter einer etwas undifferenzierten Intonation, mitunter auch unter einer nicht optimalen Aufnahmetechnik. Diese neue Aufnahme wurde 2019 in Neuseeland eingespielt, und zwar vom New Zealand Symphony Orchestra unter Jun Märkl. Diese Formation führt ‚normale‘ Konzerte auf, spielt aber auch Filmmusiken ein, ist also ausgesprochen vielseitig. Seine letzten Chefdirigenten waren Pietari Inkinen (der den neuen Bayreuther Ring dirigieren soll) und Edo de Waart. Jun Märkl nun legt Wert auf differenziertes Spiel, technisch ist die Aufnahme einwandfrei (Tontechnik: Phil Rowlands). Sowohl klanglich als auch von der Spielkultur des Orchesters ist diese Aufnahme vielem anderen weit überlegen; Jun Märkl vermag auch eine gute Balance zwischen der vermeintlich frühklassischen Einleitung der einzelnen Stücke und der spätromantisch-breiten Ausführung der weiteren Entwicklung herzustellen. Auch wenn Salome sicherlich eher ein Geniestreich war als diese Gelegenheitswerke, auch wenn die Frau ohne Schatten kompositorisch avancierter war, auch wenn man Strauss nicht als Ballettkomponisten einschätzen würde: Diese Aufnahme ist eine Bereicherung und fügt auch unserem Bild von Richard Strauss eine wichtige Nuance hinzu.

—| IOCO CD-Rezension |—


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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Der Zwerg – Das Wunder der Heliane – Stream on Demand, IOCO Aktuell,

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deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

  Der Zwerg  /  Das Wunder der Heliane

www.deutscheoperberlin.de – Streams on Demand – kostenlos abrufbare Produktionen

28. bis 31. Januar 2021: DER ZWERG von Alexander von Zemlinsky, musikalische Leitung Sir Donald Runnicles,  Regie von Tobias Kratzer

18. bis 21. Februar 2021:  DAS WUNDER DER HELIANE von Erich Wolfgang Korngold,  Marc Albrecht am Pult, Regie von Christof Loy

Die Premiere von Zemlinskys DER ZWERG mit David Butt Philip in der Titelpartie und Mick Morris Mehnert als sein darstellerisches Alter Ego löste im März 2019 bei Presse und Publikum große Begeisterung aus. „Wie die Sänger und das Orchester der Deutschen Oper unter der Leitung von Donald Runnicles daraus an diesem Abend ein rundum geglücktes Ganzes machten, war beeindruckend“ – so nur eine der jubelnden Stimmen. Umso erfreulicher, dass die Aufnahme der viel gerühmten Inszenierung von Tobias Kratzer bei NAXOS als DVD erschienen ist und in der Kategorie „Best Opera Recording“ für den GRAMMY nominiert wurde. Die Verleihung der renommierten GRAMMY-Awards wurde Pandemie bedingt vom 31. Januar auf den 14. März 2021 verschoben.

Der Zwerg – Alexander von Zemlinsky
youtube Deutsche Oper Berlin
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Vom 28. Januar um 15 Uhr bis zum 31. Januar um 15 Uhr ist diese Aufzeichnung in der Videoregie von Götz Filenius auf der Website abrufbar, sie bietet frei wählbar deutsche und englische Untertitel:

www.deutscheoperberlin.de

Auch die Texte des Programmhefts dieser Produktion stehen auf der Landing Page in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Viel Spaß beim Schauen, Hören und Lesen!

18. bis 21. Februar 2021:  DAS WUNDER DER HELIANE von Erich Wolfgang Korngold,  Marc Albrecht am Pult, Regie von Christof Loy

Das Wunder der Heliane – Erich Wolfgang Korngold
youtube Deutsche Oper Berlin
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Schon heute sei darauf hingewiesen, dass auch die herausragende Produktion von Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE in der Regie von Christof Loy und mit Marc Albrecht am Pult vom 18. bis 21. Februar als Stream on Demand zur Verfügung steht. Auch diese Arbeit erschien bei Naxos als DVD. Die US-amerikanische Sopranistin Sara Jakubiak überzeugt uneingeschränkt in der Titelpartie von Korngolds selten gespielter Oper. Ab Februar probt sie, abermals mit Christof Loy, die Partie der Francesca da Rimini in Riccardo Zandonais gleichnamiger Musiktheater-Rarität.

Das Wunder der Heliane der Deutschen Oper Berlin ist bei NAXOS auch als DVD erhältlich.  Michael Stange beschrieb diese DVD Produktion für IOCO  –  LINK HIER! 

Das Wunder der Heliane DVD © 2012-2019 Naxos Deutschland Musik und Video Vertriebs-GmbH

Das Wunder der Heliane DVD © 2012-2019 Naxos Deutschland Musik und Video Vertriebs-GmbH

Das Wunder der Heliane – Deutsche Oper Berlin
– Rauschhaftes auf neuer NAXOS DVD –

Michael Stange schreibt dazu bei IOCO:  Das Wunder der Heliane von Erich Wolfgang Korngold ist nun Dank des für musikalisches Gespür und Entdeckerfreude bekannten Labels NAXOS in ausgezeichneter Bild- und Tonqualität als DVD erhältlich.

Bild, Regie und die hohe musikalische Qualität der Aufführung erleichtern so das Eintauchen in dieses durch lange, statische und mythische Szenen geprägte Werk. So leistet die NAXOS DVD auch einen wichtigen Beitrag zu größeren Verbreitung dieser teilweise verkannten und unterschätzten Oper.

Musikalisch kommt die Aufführung einem Wunder nahe. Marc Albrecht und das Orchester der Deutschen Oper Berlin bieten einen flirrenden Klang, der die Sinnlichkeit und die reiche Instrumentation der Oper offenbart. Die dramatischen, aber auch die sirrenden sowie die gleichsam sakralen Passagen werden in umwerfenden Klangfülle und -schönheit dargeboten….Die vollständige Rezension finden Sie auch HIER!

—| IOCO Aktuell Deutsche Oper Berlin |—


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La Tragédie de Salomé – Florent Schmitt – NAXOS, IOCO CD-Rezension, 10.01.2021

Januar 10, 2021 by  
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Florent Schmitt - La Tragédie de Salomé - CD © NAXOS

Florent Schmitt – La Tragédie de Salomé – CD © NAXOS

La Tragédie de Salomé – Florent Schmitt

NAXOS – DDD, 2019/2020 – Bestellnr  10308223 – erschienen 13.11.2020

Florent Schmitt: La Tragédie de Salomé – Symphonic Poem, Op. 50 (1910), Musique sur l’eau (version for voice and orchestra), Op. 33 (1898), Oriane et le Prince d’Amour – Suite, Op. 83bis (1934-1937), Légende (version for violin and orchestra), Op. 66 (1918), Susan Platts (Mezzosopran), Nikki Chooi (Violine), Women’s Choir of Buffalo, Buffalo Philharmonic Orchestra, JoAnn Falletta. Naxos 8.574138, 2020.

von  Julian Führer

Der französische Richard Strauss? Meisterliche Klangfarben-Malereien von Florent Schmitt  – auf NAXOS – CD

Florent Schmitt um 1900 © Wikipedia

Florent Schmitt um 1900 © Wikipedia

Florent Schmitt (1870-1958) hat in seinem langen Leben ein vielfältiges Werk hinterlassen. Nach dem Studium am Konservatorium in Paris, unter anderem beim das Werk Richard Wagners verehrenden Albert Lavignac und dann bei Jules Massenet und Gabriel Fauré, wurde er im Jahr 1900 Preisträger des prestigeträchtigen Prix de Rome, den vor ihm Georges Bizet, Camille Saint-Saëns, Jules Massenet, Claude Debussy und Paul Dukas gewonnen hatten. Abgesehen von der Oper hat er die meisten musikalischen Genres der Zeit mit eigenen Kompositionen bedient. Eine Aufnahme aus Buffalo ruft nun einigermaßen Bekanntes in Erinnerung, wartet aber auch mit zwei Ersteinspielungen auf.

Die symphonische Dichtung La Tragédie de Salomé Opus 50 gehört zu Schmitts bekannteren Werken. Ganz im Geist des Fin de siècle, als Salome ein bevorzugtes Thema der Künste war (man denke nur an Oscar Wilde und Richard Strauss), komponierte Schmitt 1907 ein umfangreiches Werk für kleines Orchester, das er 1910 im Umfang reduzierte, aber für großes Orchester umarbeitete. Die Skandaloper von Richard Strauss war Ende 1905 uraufgeführt worden und hatte rasch Berühmtheit erlangt; Schmitt scheint die Partitur gekannt zu haben (er hatte Strauss selbst bereits 1899 getroffen), zumindest lassen einige Klangfarben und die Mischung von scharfer Rhythmik und orientalisierendem Gestus dies vermuten. Gewidmet wurde diese Partitur allerdings Igor Stravinsky, der 1910 in Paris war. Die textliche Grundlage für das Tongedicht lieferte Robert d’Humières. Das Orchester nun ist spätromantisch-breit besetzt, das Englischhorn übernimmt eine wichtige Funktion, gerade in der Einleitung (Prélude). Schmitt beherrscht die Kunst, ein sehr großes Orchester im stetigen Wechsel der Klangfarben über weite Strecken so zurückhaltend zu instrumentieren, dass dem Hörer ein Breitwandpianissimo aufgefächert wird, insgesamt schwerer als bei Debussy, doch unverkennbar französisch, mit vielen Dämpfern in den Streichern und rhythmischen Reizen (Triolen, 32tel-Verzierungen, Wechsel in den 5/4-Takt). Die auf das Prélude folgende Danse des Perles illustriert, wie erst Herodias und dann Salome selbst sich schmücken und diese dann ihren ersten Tanz vollführt. Noch mehr als im Prélude werden die Harfen eingesetzt, ein Glockenspiel kommt dazu. Die Streicher treiben die Bewegung an, in der Tanzpassage steht das Schlagwerk mehr im Vordergrund.

La Tragédie de Salomé von Florent Schmitt – hier mit dem Orchestre de Paris
youtube Florent Schmitt
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Der folgende zweite Teil der Klangdichtung wird wieder langsam eingeleitet. Florent Schmitt fordert hier den Einsatz eines Sarrusophons, eines Rohrblattinstruments, das in der französischen Militärmusik vereinzelt Verwendung findet und Eigenschaften eines tiefen Holzblasinstruments mit denen eines mittleren Blechs vermischt (Schmitt hatte seinen Wehrdienst unter anderem in einer Musikkompanie abgeleistet). Dieses Sarrusophon alterniert hier mit der Bassklarinette. Im folgenden, Les enchantements de la mer betitelten Abschnitt erinnern die Flöten sehr an Debussy, abermals werden oft die Harfen eingesetzt, und zwischen Oboe und Horn entspinnt sich ein Dialog, während Herodes, so der Begleittext, auf das wabernde Meer schaut und sich im Dunst langsam die Silhouette der Salome abhebt… An dieser Stelle hat Schmitt Vokalisen komponiert, erst solistisch (Susan Platts), dann von insgesamt sechs Chordamen. Die Farben sind üppig, die Stimmen berückend, die Stimmung schwül – und dann folgt die Danse des éclairs, notiert „avec frénésie“. Gemäß der Vorgabe von d’Humières ist die Szenerie nur durch Blitze ab und an erhellt, schemenhaft erkennt man die nackt tanzende Salome, den gierigen Tetrarchen Herodes und Johannes den Täufer,dessen abgeschlagener Kopf dann Salome auf dem Tablett dargeboten wird. Passagen mit scharfer Rhythmik wechseln auch hier wieder mit leisen Passagen, in denen Bratsche und Oboe solistisch auftreten, während gedämpfte Violinen und gestopfte Hörner begleiten – es wäre wahrlich sehr erstaunlich, wenn sich Schmitt hier nicht von Salomes Tanz bei Richard Strauss hätte inspirieren lassen. Diese Szene mündet in die Danse de l’effroi (den Tanz des Grauens), der eine sich gegen Salome entfesselnde Natur evoziert und der Igor Stravinsky bis hin zur Musik von Le Sacre du Printemps beeinflusste. Strauss und Schmitt sind sich zeitlich, vom Thema und von den Kompositionstechniken her sehr nahe.

Florent Schmitt - La Tragédie de Salomé - CD © NAXOS

Florent Schmitt – La Tragédie de Salomé – CD © NAXOS

Auf der CD folgt die Musique sur l’eau Opus 33 in der erstmalig aufgenommenen Fassung für Gesang und Orchester von 1898. Der Text ist ein Gedicht des symbolistischen Dichters Albert Samain, der auch Vorlagen für Camille Saint-Saëns und Gabriel Fauré geliefert hat – „Oh, écoute la symphonie / Rien n’est doux comme une agonie / Dans la musique indéfinie / Qu’exhale un lointain vaporeux“. Als Musikkritiker hat sich Florent Schmitt mitunter über solche Dünste lustiggemacht, er war auch mit Erik Satie befreundet, aber als Komponist war ihm derlei doch nicht fremd, wie deutlich zu hören ist; doch verrät die Faktur auch den Könner, wie in einem Orchesterlied von Richard Strauss wird die Stimme von Harfen umgarnt, und ein breiter Streicherapparat wird soweit gezügelt, dass der Teppich zwar sehr warm, aber noch nicht zu dick ist. Susan Platts als Solistin artikuliert den französischen Text sehr klar und formt die Töne so, dass das Hören wirklich ein ästhetisches Vergnügen bereitet.

Schmitt war produktiv, lange nach den bislang besprochenen Stücken schrieb er 1934-1937 eine Ballettmusik Oriane et le Prince d’Amour Opus 83, aus der er die Suite Opus 83bis formte. Bemerkenswert, wie sich Schmitt selbst treu blieb, seine Kompositionen blieben vom parfümierten spätromantischen Klangideal geprägt, raffiniert sind sie auf jeden Fall: die ruhigen Rahmenteile (jeweils „Calme“ überschrieben) variieren Orientalismen wie die Salome-Dichtung, während die mittleren Passagen (die schmachtende Danse d’Amour und vor allem die Danse des Mongols) doch eigene Farben entwickeln. In der Behandlung des Schlagwerks und den rhythmisch stärker akzentuierten Passagen ist Stravinskys Einfluss doch zu ahnen (vor allem aus Petruschka), doch bestünde auch bei einer musikalischen Blindprobe kaum ein Zweifel, dass es sich um durch und durch französische Ballettmusik handelt.

Abschließend ist die Légende Opus 66 von 1918 zu hören in der hier erstmalig eingespielten Fassung für Violine und Orchester. Die erste Fassung war ein Auftragswerk von Elise Hall aus Boston, die sich Kompositionen für Altsaxophon gewünscht hatte – Debussy komponierte eine Rhapsodie für sie, Schmitt die technisch deutlich anspruchsvollere Légende, von der er dann noch Fassungen für Bratsche und für Violine herstellte. Nikki Chooi präsentiert den Solopart mustergültig, während das begleitende Orchester eher ruhig bleibt. Auffallend sind einige Passagen für die Flöten sowie Schmitts auf dieser CD immer wieder durchscheinende Vorliebe für die Harfe. Ein Interview mit Nikki Chooi und anderen Musikern über die verschiedenen Fassungen und ihre jeweiligen Charakteristika ist in diesem link – HIER ! _ hier zu finden:

Das Buffalo Philharmonic Orchestra ist ein Klangkörper, der die zahlreichen von Florent Schmitt in der Partitur vorgenommenen Anweisungen zu Tempi und Dynamik stets flexibel umsetzt. JoAnn Falletta als Dirigentin hat hier hörbar gute und gründliche Arbeit geleistet. Die Aufnahmequalität ist beispielhaft, und die Kommentare im Booklet (in englischer und französischer Sprache beigegeben) von Edward Yadzinski setzen Maßstäbe. Dem Label Naxos ist zu danken, dass solche Aufnahmen zur Verfügung stehen, und es ist zu wünschen, dass dieser Komponist, dem eine eigene Website gewidmet ist, www.florentschmitt.com  als Vertreter der französischen Spätromantik wieder etwas bekannter wird.

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