Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Albert Herring – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 25.07.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

  ALBERT HERRING   –  Benjamin Britten

– Eine herrlich leichtfüßige Gesellschaftsparodie –

von Uschi Reifenberg

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Nach der überaus schwierigen und herausfordernden Spielzeit 20/21 setzte das Nationaltheater Mannheim nun mit einer humorvollen und farbenfrohen Neuinszenierung von Benjamin Brittens komischer Oper Albert Herring in der Regie von Cordula Däuper und der musikalischen Leitung von GMD Alexander Soddy einen gelungenen und vergnüglichen Schlusspunkt.

Benjamin Brittens vierte Oper kommt als herrlich leichtfüßige Gesellschaftsparodie daher, eine Kammeroper, in der dreizehn Musiker, (den Dirigenten eingeschlossen), einem dreizehnköpfigen Sängerensemble auf der Bühne gegenüberstehen. Hier wimmelt es von skurrilen Typen und schrägen Charakteren, eine veritable Satire auf die spießige Verklemmtheit in einer englischen Kleinstadt am Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Albert Herring – Nationaltheater Mannheim
youtube Trailer Nationaltheater Mannheim
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Noch hatte das britische Empire zu dieser Zeit die Fesseln des Viktorianischen Zeitalters nicht vollständig abgestreift, es herrschen Prüderie, Doppelmoral und Standesdünkel, Außenseiter werden gemobbt und gesellschaftlich geächtet.

Brittens zentrales Thema kreist immer wieder um das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft wie in den tragischen Stoffen Peter Grimes, den er zwei Jahre zuvor komponiert hatte, in Billy Budd oder auch Death in Venice. Da Britten mit dem Tenor Peter Pears seine Homosexualität offen lebte, diese aber in England erst 1967 legalisiert wurde, befand er sich selbst als populärer Außenseiter in einer gesellschaftlichen Grauzone.

Britten schrieb 1946/47 die komische Oper Albert Herring in drei Akten und fünf Bildern für seine „English Opera Group“, die er eigens zur Verbreitung englischer Opern und seiner eigenen Werke gegründet hatte. Das Libretto verfasste Eric Croizier nach der Novelle von Guy de Maupassant   Der Rosenjüngling der Madame Husson.

1947 in Glyndebourne uraufgeführt, sprudelt dieses Kammermusikalische Kleinod nur so von parodistischen Einfällen, Witz, Ironie, und überraschenden Pointen. Der stilistische Zitatenreichtum und die vielfältigen musikalischen Verweise reichen quer durch die Musikgeschichte, von Purcell über Wagner, traditioneller italienischer Oper, englischer Volksmusik bis hin zu Kurt Weill und Musicals. Jeder Figur ist ein musikalischer Stil zugeordnet, der die jeweiligen Charaktere unterstreicht oder parodiert.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring - hier : Christopher Diffey und Ensemble @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring – hier : Christopher Diffey und Ensemble @ Hans Joerg Michel

Der Handlungsablauf ist überschaubar: Im fiktiven Küstenstädtchen Loxford soll dem moralischen Verfall Einhalt geboten werden. Die selbst ernannte Tugendwächterin Lady Billows will -zusammen mit einem Sittenkomitee – bestehend aus  Bürgermeister, Pfarrer, Polizist, Lehrerin und ihrer Haushälterin, die Maikönigin ausrufen, die für Alle ein Vorbild an Tugend und Sittsamkeit sein soll. Da es im Dorf aber kein Mädchen gibt, das diesen Ansprüchen genügt, wird ein junger Mann vorgeschlagen, Albert Herring. Etwas einfältig und verklemmt wie er ist, schuftet er brav im Gemüseladen seiner Mutter, die ihn gehörig unter der Fuchtel hat.  Bei der Krönung zum „Maikönig“ auf dem Festplatz, schütten ihm das befreundete jugendliche Pärchen Sid und Nancy Rum in die Limonade. Dadurch dermaßen enthemmt, macht Albert sich nachts heimlich aus dem Staub, stürzt sich ins Nachtleben, und erlebt- erlöst von seinen inneren Zwängen, endlich geistige und sexuelle  Befreiung. Da er noch am nächsten Tag verschwunden bleibt, wird er von der gesamten Sippschaft für tot erklärt, bis er plötzlich total ramponiert erscheint. Er weist seine nun erboste Mutter in die Schranken und macht sich auf, ein neues, selbstbestimmtes Leben zu beginnen.

Benjamin Britten Wort - in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Wort – in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Das Inszenierungsteam um Cordula Däuper hat eine fantastisch bunte Welt geschaffen, in der uns ein schrilles und surreales Arsenal an Figuren und Bildern überwältigt.

Der Bühnenraum wird ausgefüllt von einem riesigen, leicht schräg ansteigenden Tisch, der weit in den Hintergrund verlängert ist und als Spielfläche für das gesamte Stück dient. (Bühnenbild: Friedrich Eggert).  Darauf ist gewissenhaft ein Großmutter-Spitzendeckchen drapiert, auf welchem die Haushälterin Mrs Pike im Zimmermädchen-Look staubsaugt. (Kostüme: Sophie du Vinage). Es herrscht Ordnung und Sauberkeit.

Cordula Däuper tischt humorvoll und detailverliebt ein Kaleidoskop an Stilen und historischen Bezügen vom Barock bis zur Gegenwart auf, das bestens mit Brittens origineller und einfallsreicher Partitur korrespondiert. Die Figuren sind treffend karikiert, teils bis ins Groteske überzeichnet, werden aber in ihrer psychologischen Struktur und Scheinheiligkeit entlarvt.  Denn hinter der Fassade der bürgerlichen Wohlanständigkeit brodelt es gewaltig, tun sich ungeahnte Abgründe auf.

Moralische  Erstarrung, die Angst vor Erneuerung und Erweiterung der fest gefügten Gesellschaftsordnung zwingt die eingeschworene Gemeinde zu sinnentleerten Ritualen, die Opfer fordern. Erst im Bewusstsein von Alberts Tod im 3. Akt blickt man hinter die Fassaden, zeigen die Dorfbewohner Reue und echte Betroffenheit.  Die bunte Zuckerwatten-Welt weicht einer grau -trüben Realität.  (Licht: Damian Chmielarz). Gezeigt wird nun die Tristesse hinter der Idylle. Farblose Häuser senken sich von oben herab, ähneln Brittens Haus in Lowestoft. Ergreifend vereinen sich die neun Stimmen der Akteure zu einem Klagegesang von großer Intensität und echter Trauer.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring hier Ensemble @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring hier Ensemble @ Hans Joerg Michel

Cordula Däuper verkleinert nach Herzenslust ins Miniaturformat  oder vergrößert ins Überdimensionale wie beim Festessen, wenn knallbunte riesige Kuchen, Gläser oder Pommes Teller hereingefahren werden, in denen sich die Honoratioren der Stadt genüsslich suhlen.

Witzige „Verzwergungen“ erfahren der Obstladen von Alberts Mutter, aus welchem sich wie aus dem Kasperle-Theater Albert herauszwängt. Anrührend ist die Szene, wenn sich Alberts Mutter beim vermeintlichen Tod ihres Sohnes  verzweifelt in sein winziges  Kinderbettchen hineinlegt. Wir treffen außerdem  den virtuosen Puppenspieler (Christian Pfütze) wieder, der mit Albert-Marionette die verdoppelten Identitäten respektive dessen alter ego treffend konterkariert und seine geheimen Wünsche und Sehnsüchte sichtbar macht. Am Ende ist es Albert selbst, der die Fäden der Marionette durchschneidet, eine symbolstarke und bewegende Geste.

Fast gruselig taucht immer wieder der monströse Puppenkopf der Mutter auf, eine Art Über-Ich Alberts, das ihm jegliche Sinnenfreuden oder Lebenslust verbietet. Einschüchternd  droht eine riesige Pranke, die den wehrlosen Jungen fest im Griff hat. Unsicher und zweifelnd sieht sich das  Muttersöhnchen im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und Pflichterfüllung, noch unfähig, sich seine Träume und Hoffnungen einzugestehen.

Christopher Diffey als Albert Herring mit biederer, mädchenhafter Frisur, Latzhose und Gummistiefeln, zeigt überzeugend die Entwicklung des bis zur Selbstverleugnung angepassten  Jungen zum selbstständig handelnden Individuum, zunächst mit fein gezeichneten lyrischen Tenorfarben. Später, wenn er sein bis dahin ungelebtes Leben im Monolog reflektiert, gibt er der Stimme zunehmend Glanz und Format. Mit kraftvollen und eindringlichen Aufschwüngen lehnt er sich gegen sein vermeintliches Schicksal  auf.

Benjamin Britten Grab in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Grab in Aldeburgh © IOCO

Das Sängerensemble besticht weiterhin durchweg mit vokalen und darstellerischen Glanzleistungen:  Caroline Wenborne gibt der Moralapostelin Lady Billows mit barockem Pomp und royaler Attitüde zweifelhafte Autorität und beherrscht ihre kleinstädtischen Untergebenen mit ihrem voluminösem dramatischem Sopran und exzellenter Bühnenpräsenz.

Das junge Liebespaar Sid und Nancy, quietschbunt und rockig ausstaffiert, verkörpert die Selbstbestimmtheit  einer neuen Generation, die ihre Gefühle auslebt und Einschränkungen nicht akzeptiert. Ilya Lapich mit klar fokussiertem Bariton, der als kluger Schnapsmischer den Stein ins Rollen bringt und Shachar Lavi mit schönem und leicht ansprechenden Sopran, agierten bestens aufeinander abgestimmt.

Florence Pike ist in ihrer moralischen Eilfertigkeit fast noch kompromissloser als Lady Billows, sie wird von Almuth Herbst mit herrlicher Ironie und viel stimmlicher Leuchtkraft ausgestattet.

Estelle Kruger besticht als hibbelige Lehrerin Miss Wordsworth mit funkelnden Koloraturen und herrlich spiessigem Habitus. Den selbstgefälligen, kleinbürgerlichen Bürgermeister Mr. Upfold gestaltet Jonathan Stoughton mit heldentenoraler Durchschlagskraft und klischeehaftem Politiker-Gebaren.

Einmal mehr bestätigt Thomas Jesatko seine Vielseitigkeit. Mit flexiblen und ausladendem Bariton verwandelt er die wolkigen Phrasen des Pfarrers und seine Predigt über die Tugend in puren Wohllaut.

Julia Faylenbogen stattet Alberts Mutter mit satten klangschönen Mezzofarben aus, akzentuiert mit ihrer Resolutheit und wirkt anrührend im Schmerz um den vermeintlichen Verlust ihres Sohnes.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring - hier : Christopher Diffey, Caroline Wenborne, KS. Thomas Jesatko, Almuth Her @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring – hier : Christopher Diffey, Caroline Wenborne, KS. Thomas Jesatko, Almuth Her @ Hans Joerg Michel

Das Dorfestablishment wird komplettiert vom Polizisten Budd, der als erster Albert als Maikönig vorschlägt. Bartosz Urbanovicz rundet die Sängerriege mit schönem und vollem Bass ab. Quirlig und stimmlich tadellos wirbeln Nayun Lea Kim, Alma Ruoqui Sun und Constantin Jacob als Kinder aus dem Dorf über die Bühne.

GMD Alexander Soddy, schließlich,  und die solistisch besetzten Orchestermusiker:  Sie alle musizieren und agieren, dass es eine Freude ist, perfekt gelingt die Harmonie zwischen Bühne und Instrumentalisten, jede Regung der Sänger wird im Orchestergraben  nuanciert beantwortet. Mit schlankem, kammermusikalischen Klang lässt Alexander Soddy Brittens Melodik schillern und versteht sich bestens auf das stilistische Kunterbunt. Die pointenreiche, satirische Tonsprache ist bei ihm in den besten Händen. Humorvoll werden die musikalischen Anspielungen präsentiert, transparent ausgestaltet sind die Rezitative mit der exzellenten Klavierbegleitung, die als geordnetes Chaos eine koordinatorische Meisterleistung darstellen. Die Musiker schwelgen im üppigen Melos, ohne ins Kitschige abzudriften.

Soddy lässt ideale  Klangbilder entstehen. Da hört man pompöse Händel-Anklänge, wenn Lady Billows angekündigt wird, schmettert Marschmusik bei der Wahl zum Maikönig, oder es erklingt ein Fugato, das Ordnung ins Durcheinander bringen will. Mal leuchten üppige Puccini-Kantilenen, dann wieder man freut sich, Wagners Tristan-Motiv erkannt zu haben, wenn Sid den Rum ins Glas mixt. Auch Siegfrieds Hornruf lässt grüssen, der den Anti-Helden Albert strahlend karikiert.

Benjamin Britten Wort - in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Wort – in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Hervorragend alle 12 Musiker des kleinen Orchesters:  Sorin Strimbeanu (Violine 1), Dennis Posin (Violine 2), Clémence Apffel-Gomez (Viola), Fritjof von Gagern (Violoncello), Johannes Dölger (Kontrabass), Robert Lovasich (Flöte), Jean-Jaques Goumaz (Oboe), Martin Jacobs (Klarinette), Antonia Zimmermann (Fagott), Andreas Becker (Horn), Lorenz Behringer (Schlagwerk), Eva Wombacher (Harfe), Elias Corrinth (Klavier).

Ein spaßiger und unterhaltsamer Theaterabend, der dennoch viel Nachdenkliches zu bieten hat. Das begeisterte Publikum spendete viel Applaus

Albert Herring; am Nationaltheater Mannheim; die nächste, letzte Vorstellung der Spielzeit am 28.7.2021;  ausverkauft

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Pat To Yan – Hausautor Nationaltheater, IOCO Personalie, 24.07.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

Pat To Yan – 2021/22 – Hausautor am Nationaltheater Mannheim

Ab der Spielzeit 2021/22 wird der 1975 in Hongkong geborene Autor Pat To Yan als neuer Hausautor am Nationaltheater Mannheim arbeiten. Während seiner Hausautorschaft ist u. a. die Uraufführung seines Opern-Librettos The Damned and the Saved (Komposition: Malin Bång, Musikalische Leitung: Rei Munakata, Regie: Sandra Strunz) geplant. In dem gerade entstehenden Text verhandelt er die Frage, wie bedingungslos Widerstand sein muss. Die Premiere der Koproduktion von Oper und Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim wird am 15. Mai 2022 im Rahmen der »Münchner Biennale« stattfinden, und anschließend am Nationaltheater Mannheim zu sehen sein. Darüber hinaus ist die Uraufführung des dritten Teils seiner Trilogie Posthuman Condition im März 2022 geplant, in dem er die Bedeutung von Leid in der menschlichen Existenz befragt. Pat To Yan wird selbst Regie führen.

Christian Holtzhauer, Schauspielintendant am Nationaltheater Mannheim: »Pat To Yan ist Künstler und Aktivist, der in seinen Texten und in seiner Arbeit als Theatermacher immer wieder mögliche Formen von politischem Widerstand und die vielfältigen Gefährdungen der Demokratie aufgreift. Damit verbunden fragt er zugleich, was den Menschen und vor allem zwischenmenschliche Beziehungen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ausmacht. Ich freue mich sehr auf eine intensive Zusammenarbeit mit Pat To Yan, den wir während seines einjährigen Aufenthalts in Mannheim als Dramatiker, Librettisten und Regisseur kennenlernen dürfen.«

Nationaltheater Mannheim / Pat To Yan, aus Hong Kong stammender Hausautor 2021/22 © Max Zerrahn

Nationaltheater Mannheim / Pat To Yan, aus Hong Kong stammender Hausautor 2021/22 © Max Zerrahn

Pat To Yan studierte Englische Literatur und Soziologie in Hongkong sowie Szenisches Schreiben an der Royal Holloway University of London. Seither arbeitet er als Dramatiker und Lehrbeauftragter sowie Regisseur seiner eigenen aber auch fremder Texte. Er schreibt metaphorisch-gleichnishaft, und verhandelt doch immer konkret die Frage, wie man sich in einem unberechenbaren System behaupten kann. In seinen Texten verschieben sich Realitäts- und Traumebenen und seine Figuren sind Schöpfungen und Variationen von mythologischen Figuren aus Europa und China, wie beispielsweise »die Katze mit einem Loch« oder »der Mann, der Schmerz mitansieht«.

Im Rahmen des 8th Hong Kong Theatre Libre 2015 wurde sein Stück Bis ans Ende ihrer Tage als bestes Stück ausgezeichnet und beim EMW Festival of Hong Kong Repertory Theatre auf Kantonesisch uraufgeführt. 2018 wurde es am Münchner Residenztheater in seiner Europäischen Erstaufführung gezeigt. Seither schreibt Pat To Yan seine Texte überwiegend auf Englisch. 2016 gründete er das freie Produktionslabel »Reframe Theatre«, mit dem er bis heute zusammenarbeitet. 2017/18 realisierte den immersiven Theaterabend »Flow of Time« im Hongkong Fringe Club.

Mit seinem Stück Eine kurze Chronik des künftigen China wurde er 2016 zum Berliner Stückemarkt eingeladen – als bislang erster prämierter chinesischer Theatertext überhaupt: »Das Stück widersetzt sich einer linearen narrativen Dramaturgie und arbeitet in sehr verdichtet poetischen Verflechtungen die grausamen Phantasmen einer gegenwärtigen Gesellschaft der Ungleichzeitigkeiten heraus, die zu jedem Rückfall in die Barbarei bereit ist – ob es nun um staatlich organisierten Organraub geht oder um gedungene Mörder. Ein Stück, in dem die Möglichkeit des Verwechselns von Realität und Traum so naheliegend scheint, dass uns ihre Mächtigkeit schaudern macht. Was, wenn sich diese Albträume längst vernetzt haben und gegen unsere Zukünfte antreten?« (Kathrin Röggla, Jurorin). Der Text wurde als erster Teil einer Trilogie im Frühjahr 2021 am Saarländischen Staatstheater (Regie: Moritz Schönecker) uraufgeführt. Mit Eine posthumane Geschichte hat Pat To Yan mittlerweile sein zweites Stück aus der Serie Posthuman Journey geschrieben, in der er erforscht, was Menschsein heute und in der Zukunft bedeuten kann. Es wurde im April 2021 am Schauspiel Frankfurt (Regie: Jessica Glause) uraufgeführt.

Das beeindruckende Hong Kong Culture Center / Heimat von Pat To Yan © IOCO

Das beeindruckende Hong Kong Culture Center / Heimat von Pat To Yan © IOCO

Lesenswertes von und über Pat To Yan auf der Seite des Suhrkamp Verlags:
Pat To Yan: Widerstand und seine Schatten
Eva Behrendt & Pat To Yan – Ein Gespräch über die Rolle Chinas heute und in naher Zukunft, den Hongkonger Widerstand und ein Theaterstück, das tief in der interkulturellen Tradition Hongkongs wurzelt: »Antigone und die weiße Knochenfrau«

Zur Hausautor*innenschaft am Nationaltheater Mannheim:

Erst im April dieses Jahres setzte der Verein der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim ein wichtiges Signal und erhöhte das jährliche Stipendium für die Hausautor*innen des Nationaltheaters in zwei Schritten. In der aktuellen Spielzeit stieg die Förderung von zuletzt 6.000 € auf 9.000 €. Mit Beginn der Spielzeit 2021/22 wird sie 12.000 € betragen, wodurch sich die ursprüngliche Fördersumme verdoppelt. Zusätzlich zu dem durch den Verein der Freunde und Förderer finanzierten Stipendium, über das der oder die ausgewählte Autor*in frei verfügen kann, stellt das Schauspiel des Nationaltheaters eine Wohnung, übernimmt Reisekosten und finanziert einen Stückauftrag.

Ermöglicht wird der Aufenthalt des Hausautors durch die freundliche Unterstützung der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e. V.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Alexander Soddy – verlässt 2022 das NTM, 27.05.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

Alexander Soddy – verlässt das NTM Ende 2022

Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim, verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2021/2022, um sich national und international neuen künstlerischen Herausforderungen zu stellen. Die Findungskommission, die mit seiner Nachfolge betraut ist, musste aufgrund der Pandemie ihre Arbeit aussetzen und hat diese vor Kurzem wieder aufnehmen können, sodass zur Spielzeit 2023/2024 ein*e Nachfolger*in gefunden sein wird.

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Durch die Besonderheit, dass das Nationaltheater Mannheim seine*n Generalmusikdirektor*in traditionell der Musikalischen Akademie zur Verfügung stellt, gilt es in der Spielzeit 2022/2023 diese Lücke zu schließen, um eine exzellente und kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Daher haben der Akademievorstand gemeinsam mit der Opernintendanz die Idee entwickelt, Alexander Soddy zu bitten, in der genannten Saison als »Chefdirigent der Akademiekonzerte« zu fungieren. Kulturbürgermeister Michael Grötsch: »Es freut mich, dass es dem Nationaltheater gelungen ist, Alexander Soddy für eine weitere Spielzeit als Chefdirigent zu verpflichten. So bleibt der Stadt Mannheim für zwei weitere Jahre ein hervorragender Musiker und Dirigent erhalten, der in den letzten Jahren den Klang des Orchesters entscheidend mitgeprägt hat. Zudem erhält Soddy durch das Angebot nicht nur künstlerisch eine große Wertschätzung, sondern es zeigt auch, wie eng er mit dem Haus und seinem Ensemble verbunden ist.«

NTM – 2016 Generalmusikdirektor Alexander Soddy – stellt sich vor
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Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim: »Ich kann bereits heute sagen, dass für mich die Jahre in Mannheim ein ganz entscheidender, wenn nicht der entscheidende Moment in meinem künstlerischen Werdegang sind. Die gemeinsame Arbeit mit diesem hochmotivierten engagierten Orchester war eine einzigartige Gelegenheit für uns alle, uns weiterzuentwickeln und an den großen Aufgaben des Repertoires zu wachsen. Richard Wagner sagt in seinem Rheingold „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt“. Das gilt im Grunde für jeden, der künstlerisch tätig ist, für ein Orchester ebenso wie für den musikalischen Leiter. Die Entwicklung des letzten Jahres hat noch deutlicher gezeigt, dass wir die gemeinsame Arbeit zu einem Moment beenden, wo es am Schönsten ist. Sicher ist vieles Stückwerk geblieben, sicher konnte so manches schön Geplante nicht umgesetzt werden. Umso schöner ist es nun, dass wir im Konzertbereich die gemeinsame Arbeit noch ein weiteres Jahr fortsetzen können und vielleicht einiges abgerundet werden kann, was wir uns zu Beginn der Zusammenarbeit vorgenommen haben.«

Fritjof von Gagern, Akademiepräsident und Solocellist im Orchester betont: »Dass Alexander Soddy der Musikalischen Akademie nach Auslaufen seines Vertrags 2021/22 eine weitere Saison als Chefdirigent verbunden bleibt, könnte uns nicht glücklicher stimmen. Er ist ein kluger und empathischer Dirigent mit vortrefflichen Instinkten: Gemeinsam konnten wir einen Orchesterklang gestalten, der unseren Idealvorstellungen als Klangkörper voll und ganz entspricht.«    Auch Albrecht Puhlmann, Opernintendant, schließt sich dem an und ergänzt: »Ich schätze Alexander Soddy und seine Arbeit sehr, daher freue ich mich besonders darüber, dass wir ihn für eine weitere Saison als Chefdirigenten der Akademiekonzerte gewinnen konnten. So bleibt er auch uns in der Oper als wichtiger künstlerischer Gesprächspartner erhalten.«

Alexander Soddy –  Biografie

Der britische Dirigent Alexander Soddy, *1982 in Oxford, ist seit der Spielzeit 2016/17 Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim. Dessen programmatischen Schwerpunkt im klassischen deutschen und italienischen Opernrepertoire (Die Meistersinger von Nürnberg, Aida, Die Frau ohne Schatten u. v. a.) erweiterte er konsequent. Beispielhaft seien die überregional gefeierten Neuinszenierungen von Pelléas et Mélisande und Peter Grimes genannt. Sein Mannheimer Engagement führt er über seine Zeit als Generalmusikdirektor als Chefdirigent der Akademiekonzerte bis 2022/23 fort. Des Weiteren nimmt er zahlreiche Konzertverpflichtungen in Deutschland, Asien, der UK, der USA sowie der Schweiz wahr. Sein Debüt am Covent Garden ist geplant.

In vergangenen Saisons hatte Alexander Soddy regelmäßig Dirigate an der Bayerischen Staatsoper München (Die Zauberflöte, La Bohème) und der Staatsoper Unter den Linden, Berlin (Die Zauberflöte, La Bohème, Der Freischütz). Nach seinem erfolgreichen Debüt (»l Barbiere di Siviglia) dirigierte er diese Saison die Wiener Staatsoper mit Elektra, Salome und kehrt im Juni mit Carmen zurück. An der Metropolitan Opera konnte er 2017 mit La Bohème große Erfolge feiern. In der nächsten Saison präsentiert er ebenda Madama Butterfly. Weitere Gastengagements führten ihn an die Royal Swedish Opera Stockholm (La Bohème, Madama Butterfly), die Semperoper Dresden (Der Freischütz) und an die English National Opera in London (A Midsummer Night’s Dream). 2014/15 erfolgte sein Debüt an der Oper Frankfurt und Oper Köln. Mit Werken von Schönberg und Martin kehrt er im Herbst 2021 an die Oper Frankfurt zurück und mit Fidelio an die Staatsoper Berlin.

Alexander Soddy wurde in im Dezember 1982 Oxford geboren und erhielt seine Ausbildung an der Royal Academy of Music sowie der Cambridge University. Nach seinem Abschluss 2004 wurde er Repetitor und Kapellmeister am National Opera Studio in London. Von 2010 bis 2012 war er als Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper engagiert; von 2013 bis 2016 war er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 6. Akademiekonzert – Mozart und Mendelssohn, IOCO Aktuell, 04.04.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE

6. Akademiekonzert 2020/21  –  Mozart und Mendelssohn

Das 6. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. wird am 12. April 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen. Der reduzierten Besetzungsgröße geschuldet, präsentiert der Verein statt desgeplanten Bruckner-Abends ein Konzertprogramm mit Mozarts 29. Symphonie, Jacques Iberts Divertissement und Mendelssohns Italienischer. Antonello Manacorda kann infolge situationsbedingter Terminverschiebungen nicht in Mannheim gastieren. Die musikalische Leitung des 6. Akademiekonzerts übernimmt stattdessen Jader Bignamini.

Bignaminis eindrucksvolle Vita lässt erahnen, weshalb der Dirigent als Shootingstar der internationalen Opernszene gehandelt wird: Gebürtig aus dem italienischen Crema, begann seine musikalische Karriere als Klarinettist des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, dessen Generalmusikdirektor er später wurde. Dirigate an weltweit renommierten Häusern folgten – ob Wien, München, New York oder Rom, wo er für Verdis La Traviata 2015 mit Größen wie Sofia Coppola zusammenarbeitete. Seit 2020/21 ist Bignamini Direktor des Detroit Symphony Orchestra, wo er jüngst in digitalen Premieren Puccini und Tschaikowski auf die Bühne brachte.

NTM Nationaltheater - Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

NTM Nationaltheater – Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

Mozarts Symphonie Nr. 29 in A-Dur, 1774 in Salzburg entstanden, läutet den Konzertabend ein. Ob im getragenen Menuetto oder dem finalen Allegro con  spirito: Heute wie damals überrascht Mozart mit genialischen Einfällen – maßvoll im Ausdruck, und doch voller Leidenschaft! Jacques Ibert, geboren ins Zeitalter der glühenden Pariser „Belle Époque“, verschreibt sich im Divertissement wiederum ganz offen dem Rausch: Das Werk prägen Jazz- und Tanzrhythmen, die eine typische Zwanziger-Jahre-Metropole vor dem inneren Auge aufblitzen lassen; auch Einflüsse der Stummfilmmusik finden Einzug in die vor Pointen sprühende Komposition. Die Italienische, schließlich, Mendelssohns vierte Symphonie, präsentiert sich als dahinstürmendes Meisterwerk, das – zwischen Rom und Neapel zu Papier gebracht – auf eine Italienreise von unzähmbarer Schönheit entführt. Der Livestream beginnt am Montag, 12. April 2021, 20 Uhr auf

—  www.musikalische-akademie.de/digital – link HIER! —

und ist dort zu erleben bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr.

Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für15€ erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang.0€ zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen – nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

  Die Historie der  Musikalische Akademie  

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. sind seit 242 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

6. Akademiekonzert  2020/21

Live aus dem Rosengarten Mannheim
Montag, 12. April 2021, 20 Uhr

www.musikalische-akademie.de/digital

Die Liveaufnahme des Konzerts kann bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr online abgerufen werden

Jader  Bignamini  Dirigent,  Nationaltheater-Orchester Mannheim

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)  Symphonie Nr. 29 A-Dur KV 201
Jacques Ibert (1890–1962)  Divertissement
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)  Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90,  Italienische

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie |—


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