Essen, Aalto Theater, Der Ring an einem Abend – Konzertant, April – Juli 2019

März 21, 2019 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

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Der Ring an einem Abend  – Konzertant

Aalto-Musiktheater entspricht dem Wunsch des Studios Loriot

Das Aalto-Musiktheater wird alle folgenden Vorstellungen von Der Ring an einem Abend als konzertante Aufführung auf die Bühne bringen. Auf Wunsch des Studios Loriot, das über die Aufführungsrechte des Formates Der Ring an einem Abend verfügt, wird die bislang präsentierte und beim Publikum sehr erfolgreiche szenische Einrichtung in dieser Form nicht mehr gezeigt. Orientieren wird sich das Aalto-Theater zukünftig am ursprünglichen Aufführungskonzept, wie es das Nationaltheater Mannheim 1992 erstmals umgesetzt hat.

Freuen darf man sich in der Essener Aufführung daher auch weiterhin auf ein großes Vergnügen mit echtem Humor à la Loriot: Jens Winterstein führt als Sprecher mit Loriots Texten durch das dreieinhalbstündige Wagner-Abenteuer, das den Opern-Giganten Der Ring des Nibelungen mit ungeahnten Erkenntnissen und einem Augenzwinkern näherbringt. Und natürlich werden auch in musikalischer Hinsicht alle Wünsche erfüllt: Unter der Leitung von Robert Jindra sorgen die Essener Philharmoniker in großer Besetzung gemeinsam mit den hervorragenden Solistinnen und Solisten für eine hochkarätige Wagner-Interpretation direkt auf der Bühne.

In dieser Spielzeit folgen noch Vorstellungen am 14. April, 26. Mai, 8. Juni, 5. Juli 2019. Auch in der kommenden Spielzeit wird es ein Wiedersehen mit Wotan, Brünnhilde und Co. geben (Wiederaufnahme am 30. Mai 2020).

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere Francesca da Rimini – Sergej Rachmaninow, 24.03.2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

   Francesca da Rimini  von  Sergej Rachmaninow

Premiere Sonntag, 24. März, 19 Uhr,  weitere Aufführungen 31. März, 18. April 2019

Nach dem fulminanten Erfolg von Tschaikowskys Jolanthe in der vergangenen Spielzeit wird die Tradition konzertanter Opernaufführungen am NTM und die Linie slawisch-russischen Repertoires mit Francesca da Rimini von Sergej Rachmaninow fortgesetzt.

Nationaltheater Mannheim / Astrd Kessler © Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim / Astrd Kessler © Nationaltheater Mannheim

Eine der größten Liebesgeschichten der Weltliteratur wird in Dantes Göttlicher Komödie erzählt: Francesca ist die Frau des Kriegers Lanceotto Malatesta. Sie liebt jedoch dessen jüngeren Bruder Paolo, dem sie ewige Treue geschworen hat. Lanceotto stellt den Liebenden eine Falle und erdolcht schließlich beide. Auf ihrem Weg durch die Hölle begegnen Dante und der Geist Vergils den »verdammten Seelen« von Paolo und Francesca und lauschen ihrem Lied.

In Sergej Rachmaninows einaktiger Oper Francesca da Rimini wird die Geschichte der beiden Liebenden in Form einer Rückblende erzählt, umrahmt von einem Prolog und einem Epilog in der Hölle. Besonders das Orchester wird bei Rachmaninow zum spätromantischen Medium, vom Unaussprechlichen zu sprechen.

Astrid Kessler, die bejubelte Jolanthe, wird auch hier wieder die Titelpartie singen – Premiere ist am Sonntag, 24. März um 19 Uhr im Opernhaus. In der Liebesgeschichte singen Ilya Lapich als Vergils Geist, Juraj Hollý als Dante, Bartosz Urbanowicz als Francescas Ehemann Lanciotto Malatesta und Andreas Hermann als ihr Geliebter Paolo. Der stellvertretende Generalmusikdirektor Benjamin Reiners dirigiert Orchester und Chor des NTM.

Karten sind ab 12 Euro (ermäßigt 9 Euro) erhältlich.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere Sanssouci, 14.03.2019

März 7, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Premiere »Sanssouci«: Ein gemeinsamer Abend von Oper und Tanz zu Musik von Bach und Händel

Am Donnerstag, 14. März um 19.30 Uhr im Opernhaus

Als gemeinsame Produktion von Oper und Tanz feiert am Donnerstag, 14. März um 19.30 Uhr im Opernhaus der Abend »Sanssouci« Premiere. Er entführt in die Epoche des Barock und lässt Werke der Großmeister Bach und Händel erstrahlen. Als Inspirationsquelle dient dem Choreografen und Mannheimer Tanz-Intendanten Stephan Thoss eine Begegnung J. S. Bachs mit dem preußischen König Friedrich II. auf dessen Schloss Sanssouci.

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Der musikbegeisterte Monarch habe Bach ein kompliziertes musikalisches Thema vorgespielt und ihn gebeten, es sogleich in einer Fuge auszuführen. Bach arbeitete diese »königliche Melodie« zu einer Komposition aus, die später als »Musikalisches Opfer« berühmt wurde. Stephan Thoss entwickelt vor dem Hintergrund dieser historischen Begegnung einen persönlichen Blick auf das musikalische Geschehen, spürt der Leidenschaft in der Innerlichkeit von Bachs Musik nach und stellt ihr Händels monumentale Psalmvertonung »Dixit Dominus (Der Herr sprach)« gegenüber.

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Nikola Hillebrand und Eunju Kwon aus dem Sängerensemble sowie Martiniana Antonie, Koral Güvener und Marcel Brunner – alle drei Mitglieder des Mannheimer Opernstudios – entfalten mit dem fünfstimmigen Chor und dem Mannheimer Tanz-Ensemble Bilder einer Zeit, in der Pracht und Verfall erschreckend nah beieinander lagen. Die musikalische Leitung hat Matthew Toogood.

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / SANSSOUCI © Hans Jörg Michel

Karten sind zu 13 Euro (ermäßigt 9,75 Euro) erhältlich.

Weitere Vorstellungen finden am 16., 22., 29. März, 13., 22. April (Theatertag), 17. Mai, 30. Juni und 3. Juli statt.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Die Liebe zu den drei Orangen – Sergej Prokofjiew, IOCO Kritik, 02.03,2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Die Liebe zu drei Orangen  – Sergei Prokofiew

– Ein Puppenspieler und andere fantastische Gestalten –

 von Uschi Reifenberg

Bühne frei für Sergei Prokofiews satirische Märchenoper Die Liebe zu drei Orangen, zur Zeit eine der originellsten Produktionen am Mannheimer Nationaltheater. Mit der Wiederaufnahme aus dem Jahr 2014 in der Inszenierung der fabelhaften Cordula Däuper, besitzt das Nationaltheater einen langjährigen Publikumsrenner in seinem umfangreichen Repertoire.

Sergei Prokofiews märchenhaftes Werk strotzt vor überraschendem Witz und skurrilen Charakteren. Parodie, Ironie und Groteske treffen auf Fantastisches, Komisches und Irreales und verschmelzen zu einem vielschichtigen und symbolhaften Spektakel, das gleichzeitig einen theaterästhetischen Diskurs thematisiert.

Die Oper geht zurück auf eine Fabel aus der Märchensammlung Pentamerone von Giambattista  Basile aus dem Jahr 1635, die hundert Jahre später der Dichter Carlo Gozzi aufgriff und daraus eine Komödie im Stil der Commedia dell’arte schuf.

Die Liebe zu den drei Orangen  –  Sergej Prokofjiew
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Gozzi wollte die Commedia  dell’arte, die in der Renaissance Ihre Blütezeit erlebte, vor dem Verfall retten, im Gegensatz zu seinem Widersacher Carlo Goldoni, der einen natürlichen bzw naturalistischen Theaterstil einforderte. Mit Gozzi und Goldoni trafen zwei unterschiedliche Positionen aufeinander, zum einen das improvisierte Masken- und Typentheater, zum anderen eine „an den Gedanken der Aufklärung orientierte realistische Wirklichkeitsreflexion“ (Programmheft).

1913 knüpfte der bedeutende russische Regisseur Wsewolod Meyerhold, einer der wichtigsten Vertreter des revolutionären russischen Theaters an Gozzis Ideen vom Theater aus dem Geist der Commedia dell’arte an und arbeitete dessen Stück Die Liebe zu den drei Orangen zu einem szenischen Divertissement um. Meyerhold beeinflusste mit seinen Thesen eines  antinaturalistischen Theaters beispielsweise auch Bertold Brecht, Erwin Piscator, Jerzy Grotowski oder Luigi Pirandello.

Der Komponist Sergei Prokofiew, als Musiker immer am Puls der Zeit, begegnete 1917 Meyerhold und beschloss, aus besagtem Stück eine Oper zu schaffen. Als Avantgardist wandte er sich bewusst gegen die Opernkonventionen des späten 19. Jahrhunderts mit ihrer Mystik und ihrem romantischen Pathos Wagnerscher Prägung. Die Liebe zu drei Orangen reizte Prokofiew nicht nur aufgrund seiner Mischung aus Scherz und Satire, sondern auch „wegen seiner szenischen Wirksamkeit“ (Prokofiew).

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen © Hans Joerg Michel

1918 verließ Prokofiew nach der Oktoberrevolution Russland und reiste in die USA, wo er von der Chicagoer Oper den Auftrag erhielt, ein Werk zu komponieren. Er bearbeitete Meyerholds Text als Libretto, versah es mit Bühnenanweisungen und beendete die Komposition 1919. Zwei Jahre später erfolgte die Uraufführung an der Oper Chicago mit großem Erfolg und läutete damit auch einen Richtungswechsel des modernen Musiktheaters ein.

Träger der märchenhaften Musikkomödie ist das farbenreiche Orchester, welches jede szenische Aktion bis ins feinste Detail hörbar macht. In atemlosen Tempo wechseln rhythmische, instrumentale und harmonische Einfälle. Dissonanzen und bohrende Motorik, spezielle Klangeffekte, filmmusikartige Schnitte, bizarre Charakterisierungen und leitmotivische Floskeln sorgen für Hochspannung. Auf Arien oder Ensembles wird bewusst verzichtet zugunsten eines deklamatorischen Gesangstils.

Der Verschmelzung von Surrealem und Realem sowie dem Ineinandergreifen der verschiedenen Schichten entsprechen die drei verwobenen Handlungsebenen der Oper, nämlich die Personen aus dem Märchen (Prinz, Truffaldino...), die der unterirdischen Mächte (Zauberer)  und die der Sonderlinge. Das sind die widerstreitenden Fraktionen, von denen jeder die eigene Vorliebe auf dem Theater verwirklicht sehen möchte, die Tragiker, die Komiker, die Lyriker, die Hohlköpfe, allesamt vom Komponisten geistreich karikiert.

Die Vermischung der Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum wird bereits vor Beginn des eigentlichen Stückes erfahrbar, wenn sich schwarz gekleidete Akteure auf der offenen Bühne einfinden und das Theaterpublikum spiegeln.

Bühnenbildner Ralf Zeger hat das Halbrund eines Amphitheaters geschaffen mit ansteigenden Treppensitzen, in dessen manegenartiger Mitte ein kleines Puppentheater steht. Der Chor, bzw das Publikum nimmt nach und nach auf den Stufen Platz und separiert sich in die erwähnten fünf Fraktionen, die immer wieder in das Geschehen eingreifen, kommentieren oder je nach Handlungsverlauf ihre eigenen Interessen einfordern.

Regisseurin Cordula Däuper beeindruckt mit einem Feuerwerk an Ideen, Puppentheater, Märchenspiel, Zirkusnummer, Commedia dell‘arte, alles gewürzt mit viel Situationskomik. Punktgenau werden die Figuren geführt, die unterschiedlichen Ebenen der Handlung präzise herausgearbeitet. Däuper bereichert ihre kunstvolle Inszenierung durch die eingefügte Figur des Puppenspielers, der alle Puppen auch selbst angefertigt hat und sie bespielt, sowohl die menschenähnlichen Marionetten als auch die riesige furchteinflössende Monsterpuppe der Zauberin Fata Morgana, die nebelumwabert, mit blutroten Glutaugen und riesigen Schaufelhänden für Gruseleffekte sorgt. Ein genialer Kunstgriff ist, einige Sänger durch Puppen zu verdoppeln, was einerseits Distanz schafft, aber auch die Gleichzeitigkeit verschiedener Bedeutungsebenen erlaubt. Das geschieht immer in perfekter Kongruenz mit den musikalischen Abläufen.

Der Puppenspieler kündigt die Aufführung von Goethes Faust an, beginnend mit dem „Vorspiel auf dem Theater“, aber die lächerliche Gruppe setzt das Stück Die Liebe zu drei Orangen durch. Das Puppentheater wird seitlich platziert, das Spiel kann beginnen.

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen - hier :  Bartosz Urbanowicz als der Zauberer Celio © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen – hier :  Bartosz Urbanowicz als der Zauberer Celio © Hans Joerg Michel

Der König ist untröstlich, dass sein einziger Sohn, der Prinz, an schwer zu behandelnden seltsamen Symptomen leidet, und in diesem Zustand nicht die Regierungsgeschäfte zu übernehmen imstande ist. “Hypochondriotische Verschleimung“ diagnostiziert der Arzt dem Prinz, den man als Marionette im Krankenbett liegen sieht. Die traurige Prinz-Puppe leidet so täuschend echt, dass man vor Mitleid zerfließen möchte. Als alleiniges Heilmittel gegen Dekadenz, Depression, Antriebslosigkeit, Deprivation, um nur einige der Symptome zu nennen, soll das Lachen als befreiendes Heilmittel zum Einsatz kommen. Der „richtige“ Prinz im Schlafanzug entpuppt sich als heilloser Hypochonder. Er jammert und greint und zieht seinen ganzen Hofstaat mit in sein Elend. Der König befiehlt den Spaßmacher Truffaldino als geeignete Therapiemaßnahme herbei. Dieser – ganz im Stil der Commedia dell‘arte ausstaffiert, versucht sein Bestes, aber vergebens. Ein königliches Fest, als Spassbad ausgerichtet, garantiertes Lachen inbegriffen, soll Abhilfe schaffen.

Allerlei skurrile Gestalten tummeln sich in diesem bizarren Panoptikum, eine dämonische Zauberin, ein Windgeist, ein Spaßmacher, eine maskuline Köchin mit riesiger Kelle und attraktive durstige Prinzessinen, die Orangen entsteigen. Die Figuren hat die Kostümbildnerin Sophie du Vinage in spektakuläre leuchtend bunte Kostüme gesteckt, mal im Commedia-Stil, mal in schrillem Haute Couture Outfit oder einfach nur  märchenhaft-fantasievoll verkleidet.

Um den Thron und gegen den Prinzen streiten auch Clarice, der zwielichtige Leander, sowie die Sklavin Smeralda, denen die dämonische Zauberin Fata Morgana zur Seite steht. Auf der Seite der Guten für Prinz und König kämpfen der Magier Tschelio, Farfallone, der Windgeist, Pantalone und natürlich der Harlekino alias Truffaldino.

Auf dem Fest des Königs verliert Fata Morgana bei einem Streit mit Truffaldino ihren Rock und steht in der Unterhose da, was endlich dem Prinzen das befreiendste Gelächter entlockt, das je für die Opernbühne komponiert wurde. Schadenfreude ist eben die schönste Freude! Aber Fata Morgana wäre nicht die Zauberin, für die sie berüchtigt ist, würde sie diese Schmach auf sich sitzen lassen. Sie schleudert dem Prinzen einen Fluch entgegen, er müsse sich in drei Orangen verlieben, und sich sofort auf die Suche nach ihnen machen. Tatsächlich beginnt der Prinz sich nach den Orangen zu verzehren und zieht mit Truffaldino von dannen. Sie werden vom Windgeist mit Sturmfrisur zur furchtbaren Köchin mit der alles vernichtenden Kelle geblasen, die über die drei Orangen wacht. Wie das umgesetzt wird, zeigt die beeindruckende Bühnentechnik des Opernhauses, ein weiterer schöner Effekt epischen Theaters.

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen - hier :   Michael Pietsch als Puppenspieler, Jelena Kordic als verruchte Smeralda © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen – hier :   Michael Pietsch als Puppenspieler, Jelena Kordic als verruchte Smeralda © Hans Joerg Michel

Die Köchin, eine hünenhafte, Bass- singende Matrone mit roten Haaren und überdimensionalem Kochlöffel kann überlistet werden und der Prinz entführt die Objekte seiner Begierde. Als die Orangen geöffnet werden, entsteigen den beiden ersten Früchten zunächst winzige Püppchen, die kurz vor dem Verdursten stehen, dann zwei wunderschöne Prinzessinnen, denen aber nicht mehr zu helfen ist. Es kommt wie es im Märchen kommen muss. In die dritte Prinzessin, Ninetta, verliebt sich der Prinz sogleich und will sie heiraten.

Bis es allerdings soweit ist, wird Ninetta erst noch in eine Ratte verwandelt, die man als Marionette bereits im ersten Akt bewundern durfte. Das Gute siegt, Ninetta wird wieder in ein hübsches Mädchen zurückverwandelt, die bösen Mächte werden verbannt und es kann Hochzeit im Königreich gefeiert werden. Ende gut, alles gut!

Der farbenfrohen, tempo- und effektreichen Szene entspricht das NTM Orchester unter der Leitung seines Dirigenten Matthew Toogood in idealer Weise. Den immens schwierigen Anforderungen der Partitur wird Toogood in jedem Moment gerecht und versteht es  darüberhinaus, alle Energien des hochmotiviert aufspielenden Klangkörpers zu entfesseln. Beeindruckend die präzisen und virtuosen Kapriolen der Holzbläser, die stringent peitschende Rhythmik, die genüsslich ausgestalteten Dissonanzen. Toogood lässt gekonnt den nötigen Raum für die Entfaltung von Kantilenen, um danach sofort wieder in den unerbittlichen Duktus der Prokofievschen Motorik zu wechseln. Dabei behält er in jeder Zeit die Kontrolle über die aktionsreichen Abfolgen von Orchester, Chor und Sänger.

Sung Ha verlieh dem Kreuz-König sowohl royale Würde als auch glaubhafte Verzweiflung über die Melancholie seines Sohnes und überzeugte in jedem Moment mit seinem prachtvollen weichen Bass. Juraj Holly war als Prinz mit nuancenreichem, tragfähigem Tenor nicht nur umwerfend komisch, er gestaltete auch die Entwicklung vom labilen Weichei zur selbstbestimmt liebenden Persönlichkeit mit großer Ausdruckskraft.

Als lustige Figur Truffaldino war Raphael Wittmer mit lebendigem Spiel, komödiantischem Eifer und viel tenoralen Glanzpunkten eine Idealbesetzung. Die Wandlungsfähigkeit von Thomas Jesatko ist immer wieder staunenswert. Den zwielichtigen  Leander stattete er mit baritonaler Belkanto-Dämonie aus, und gab der Figur auch ausreichend kriminelle Energie. Nikola Diskic sang den Pantalone mit klangschönem Bariton und Profilschärfe, als Zauberer Celio zog Bartosz Urbanowicz alle darstellerischen Register und überzeugte mit kultivieren Basstiefen.

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen - hier :  Natalija Cantrak als Prinzessin Ninetta, Puppenspieler Michael Pietsch, Juraj Holly als Prinz © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Liebe zu den drei Orangen – hier : Natalija Cantrak als Prinzessin Ninetta, Puppenspieler Michael Pietsch, Juraj Holly als Prinz © Hans Joerg Michel

Die imposante Köchin von Patrik Zielke schwang ihren Kochlöffel bedrohlich wie einen Hammer, faszinierte aber auch mit heldischem Bass. Der Windgeist Farfarello von Ilya Lapich war stimmlich als auch darstellerisch absolut rollendeckend. Die Damenriege stand den Herren lediglich zahlenmäßig nach. Sorgte das Erscheinen der Riesenpuppe Fata Morgana für Gänsehauteffekt, so fand Ludovica Bello als Double zu ihrer dämonisch-suggestiven Darstellung mühelos auch die nötigen dramatischen Spitzentöne. Julia Faylenbogen war als Kontrahentin Clarice ideal im Spiel und wartete mit satten Mezzo- Farben auf, ebenso gefiel Jelena Kordic als verruchte Smeralda.

Die zarte Orangen Prinzessin Ninetta wurde von Natalija Cantrak mit silbernen Sopran Spitzen ausgestattet, auch Julia Müller-Wolthuis und Gudrun Hermanns als verdurstende Prinzessinen gaben ihren kleinen Rollen anrührende Innerlichkeit. Viel Applaus für Michael Pietsch, der als Puppenspieler von Anfang bis zum Ende alle Fäden in der Hand hielt. Hervorragend der von Danis Juris einstudierte Chor, dem nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch eine Hauptrolle zukam!

Jubel und Begeisterung im ausverkauften Opernhaus, vor allem auch von den jüngeren Zuschauern.

Die Liebe zu den drei Orangen im NTM:  Die  Termine der laufenden Spielzeit 2.3.; 21.3.2019

 

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