Mannheim, Musikalische Akademie, 2021/22 – die 243ste Spielzeit, IOCO Aktuell, 19.07.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

Musikalische Akademie Mannheim – Spielzeit 2021/22 

  –  die Historie –  die Gegenwart – selbst-Erwirtschaftungsgrad – 90%

Die Geschichte:  Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim sind Veranstalter einer der ältesten Konzertreihen in Deutschland. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musiker. Achtmal im Jahr präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Rosengartens (Bild).

1778 gründeten Bürger und Musiker Mannheims, orientiert am Pariser Vorbild, eine Académie des amateurs. Sie führte die Konzertreihe der Hofkapelle in eigener Regie weiter, nachdem der Kurfürst Mannheim verlassen hatte. Heute nimmt die Akademie neben den Musikern des Nationaltheater-Orchesters auch Fördermitglieder auf. Ein Kuratorium, besetzt mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, von der Universität und den Hochschulen sowie aus dem musikalischen Leben Mannheims, begleitet und unterstützt die Arbeit des Vorstands der Akademie.

Kulturschaffen in der Eigenverantwortung der Künstler: Das ist in Mannheim Wirklichkeit, und es ist erwiesenermaßen ein erfolgreiches und nachhaltiges Konzept!

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Spielzeit 2021/22  –  Die 243ste Spielzeit seit der Gründung

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. veranstaltet in ihrer 243. Saison acht Doppelkonzerte im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens. Generalmusik-direktor Alexander Soddy dirigiert vier Akademiekonzerte und darf sich gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester auf herausragende Solistinnen und Solisten wie Noa Wildschut, Frank Peter Zimmermann oder Kirill Gerstein freuen. Die Konzerte finden jeweils montags und dienstags um 20 Uhr statt.

»Es liegen eineinhalb fordernde Jahre hinter uns. Auch wenn unser Verein über die Schlief3zeit keinesfalls untätig war -wir hoffen unbedingt, nächste Saison wieder regulär Publikum im grof3en Konzertsaal willkommen heif3en zu dürfen«, kommentierte Fritjof von Gagern, 1. Vorsitzender der Musikalischen Akademie. »Gemeinsam mit dem Mannheimer Rosengarten haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet, das -auf wissenschaftlichen Studien basierend -eine gute und sichere Umsetzung unserer Veranstaltungen ermöglicht. Dazu kommt eine kontinuierlich steigende Impfquote in der Bevölkerung. Insbesondere auch mit Blick auf unser Akademiekonzert am 26. und 27. Juli 2021, das bereits mit einer Saalauslastung von 60 % durchgeführt werden kann, sind wir deshalb sehr zuversichtlich, unsere musikalischen Ideen in der kommenden Spielzeit plan-und programmgemäf3 realisieren zu können. Der Austausch mit dem Publikum hat uns Musikerinnen und Musikern ungemein gefehlt -und mit unseren neuen Programmen möchten wir Lust auf die neue Saison wecken.«

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Die Konzertprogramme hat der Vorsitzende von Gagern gemeinsam mit Generalmusikdirektor Alexander Soddy erarbeitet: Im 1. Akademiekonzert 2021/21 erkundet das im Verein organisierte Orchester die satten Landschaften sowie den königlichen Glanz Britanniens. Neben Ralph Vaughan Williams‘ Fantasia on a Theme by Thomas Tallis und Edward Elgars Symphonie Nr.1 vermag dabei auch Max Bruch in der Schottischen Fantasie mithilfe der virtuos arrangierten Klangfarben von Violine und Harfe eine typisch »schottische« Stimmung zu kreieren. Mit von der Partie ist Noa Wildschut, 20 Jahre jung und viel mehr als nur ein Shootingstar der Klassikszene: Gerühmt für Präzision und einen stets beseelten Geigenton, hat sie Bruchs Werk früh für sich entdeckt.

Frank Peter Zimmermann ist im Rahmen des 2. Akademiekonzerts 2021/22 wieder zu Gast in Mannheim, diesmal mit Bohuslav Martinus Suite concertante. Ergänzt wird dieses violinistische Feuerwerk von Bela Bartoks Rhapsodie Nr. 1; beide Werke erklingen zum ersten Mal bei den Akademiekonzerten. Darüber hinaus kann Sidney Corbetts Viofence and Longing, eine Auftragskomposition der Musikalischen Akademie, endlich aus der Taufe gehoben werden, nachdem das Werk 2019/20 situationsbedingt verschoben werden musste. Viofence and Longing kommuniziert auf besondere Weise mit dem letzten Programmpunkt des Abends: Unter anderem Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 4 diente als Inspiration für Corbetts brandneues Opus. Der amerikanische Komponist ist seit 2006 in Mannheim verwurzelt und fördert als Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Komponistinnen und Komponisten der jungen Generation.

Im 3. Akademiekonzert 2021/22 begibt sich das Nationaltheater-Orchester auf eine Reise nach Russland: Neben Rachmaninows vielgeliebtem Klavierkonzert Nr. 2 erklingt auch Tschaikowskis Symphonie Nr. 4, in der tragische Topoi, von Tschaikowskis Lebensgeschichte inspiriert, gewohnt kunstfertig verarbeitet werden. Die musikalische Leitung unterliegt Jordan de Souza, der als Erster Kapellmeister der Komischen Oper grosses Ansehen erlangt hat. Ihm zur Seite steht ein russischer Kosmopolit: Kirill Gersteins Klavierspiel besticht mit einem unverwechselbar-verjazzten Stil.

Musikalische Akademie – 240 Jahre Konzerte
youtube Trailer mcon Mannheim
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»Mit Worten ihn beschreiben hieße scheitern«, stellte der Künstlerische Beirat der Musikalischen Akademie nach seinem Debüt bei den Akademiekonzerten fest: Rafal Blechacz, zuletzt in der Spielzeit 2017 /18 bei der Musikalischen Akademie zu Gast, kehrt im 4. Akademiekonzert 2021/22 nach Mannheim zurück. Gemeinsam mit dem Dirigenten und Landsmann Michal Nesterowicz widmet er sich dabei einem polnischen Nationalschatz: Frederic Chopins Klavierkonzert Nr. 1. In der Kleinen Suite präsentiert wiederum der Komponist Witold Lutoslawski Polkas und andere Tanzweisen der polnischen Volksfeste. Von diesem Hörabenteuer zum nächsten geht es mit Mendelssohns »schottischer« Symphonie Nr. 3, die den Konzertabend mit wohlgelaunten – und, unter Berücksichtigung der Klarinette, die im Werk einen Dudelsack imitiert, wohl nicht gänzlich ernst gemeinten – Klängen beschließt.

Nicht erst, seitdem die Turangalila-Symphonie vom Mannheimer Publikum im November 2019 mit Begeisterung aufgenommen wurde, steht Olivier Messiaen bei GMD Alexander Soddy hoch im Kurs. Gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester lässt er die farbenprächtige Musik des Franzosen im 5. Akademiekonzert 2021/22 mit L ‚Ascension doch nun erst recht aufs Neue erstrahlen. Daneben steht Anton Bruckners sechste Symphonie – Klangräume, die einer Kathedrale ähneln.

 Im 6.Akademiekonzert 2021/22 stof3en wiederum glitzernde Zauberwelten und Schauerromantik auf die transparente Musik Mozarts: Emmanuel Pahud, Soloflötist der Berliner Philharmoniker, interpretiert Mozarts elegant ausgestaltetes Konzert für Flöte und Orchester Nr.1 in G-Dur. Seinen Einstand bei der Musikalischen Akademie feiert auch Ivan Repusic, der Carl Maria von Webers Ouvertüre zu Oberon sowie Hector Berlioz‘ Symphonie fantastique dirigiert.

Endlich kann auch das Dirigat Roberto Rizzi Brignolis nachgeholt werden: Während sein Schwerpunkt insbesondere auf dem italienischen Repertoire liegt – in der Metropolregion Rhein-Neckar hat sich Rizzi Brignoli durch seine Erfolge mit Giuseppe Verdis II Trovatore am Nationaltheater Mannheim profiliert-, bewegt er sich mit großer Stilsicherheit auch durch die klassische und romantische Epoche. Auf dem Programm des 7. Akademiekonzerts 2021/22 stehen daher Franz Schuberts Ouvertüre zu Die Zauberharfe sowie seine »tragische« vierte Symphonie, dazu gesellt sich Beethovens Eroica.

Während er dem Nationaltheater-Orchester bis 2023 als Chefdirigent der Akademiekonzerte verbunden bleibt, neigt sich Alexander Soddys Engagement als Mannheims Generalmusikdirektor dem Ende zu: Das krönende Finale seiner GMD-Zeit feiert die Musikalische Akademie mit Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie. Nomen est omen: Zwei Chöre, die beiden Gastsolistinnen Anne Schwanewilms und Okka von der Damerau sowie das riesig besetzte Orchester sorgen für üppig gefüllte Bühnen.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater-und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

Wirtschaftliche Situation  –  Hoher selbst-Erwirtschaftungsgrad

Ein voller Saal ist überlebenswichtig für die Musikalische Akademie, die sich fast ausschlie~lich über den Verkauf von Eintrittskarten und Abonnements finanziert. Alle laufenden Kosten werden zu 90 % über Ticketeinnahmen gedeckt. Eine direkte Subvention erhält der Verein bislang nicht. Mit diesen Einnahmen müssen u. a. die Miete für den Mozartsaal im Rosengarten sowie Honorare für Gastdirigentinnen und -dirigenten respektive Solistinnen und Solisten bestritten werden. Enorme Anstrengungen der Akademie haben in den letzten Jahren zu einem stetigen Besucheranstieg geführt: Dem Verein gelang es, die Besucherauslastung des Mozartsaals von 71,2 % (Stand Saison 2015/16) auf 88,2 % (Stand nach 4 Konzerten Saison 2019/20)1 zu steigern. Zuletzt durfte die Akademie jährlich 27.000 Besucherinnen und Besucher und 2.700 Abonnentinnen und Abonnenten begrüßen.

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 8. Akademiekonzert – 22. Juni 2021, IOCO Aktuell, 18.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

8. AKADEMIE-KONZERT – Musikalische Akademie – 22. Juni 2021

Das 8. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. findet als Hybrid-Veranstaltung statt: Nicht nur wird das Konzert am 22. Juni 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen; aufgrund sinkender Inzidenzzahlen darf die Akademie zusätzlich 250 Abonnentinnen und Abonnenten im Saal willkommen heißen. Zu Gast ist Weltklasse-Geiger Augustin Hadelich, der unter der Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert präsentieren wird. Zudem darf das Publikum vor Ort und Zuhause auf Strawinskys Dumbarton Oaks sowie Prokofjews erste Symphonie gespannt sein.

IOCO berichtete über das 7. Akademiekonzert – link HIER!

»Als Orchester freuen wir uns selbstverständlich sehr, dass die Ränge im nächsten Konzert nicht gänzlich leer bleiben müssen. So viele tolle Möglichkeiten das Digitale birgt: Die Energie des Publikums hat uns Musikerinnen und Musikern über die Schließzeit ungemein gefehlt«, kommentierte der Akademiepräsident Fritjof von Gagern. »Zugleich ist es sehr bedauernswert, dass bei der Personenbeschränkung in Innenbereichen nicht feiner differenziert wird die im Rosengarten durchgeführte Aerosolstudie hat bereits vor einigen Monaten eindrücklich dargestellt, dass eine Belegung von 50 % des Mozartsaals unter Einhaltung der gängigen Abstands- und Hygieneregeln als vollkommen sicher einzustufen ist. Die 250 verfügbaren Plätze für dieses Konzert haben wir nun unter unseren über 2.000 Abonnentinnen und Abonnenten ausgelost und hoffen, im Rahmen des nachgeholten 2. Akademiekonzerts Ende Juli allen Interessenten ein sanaloges Angebot: machen zu können.«

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Der Livestream beginnt am Dienstag, 22. Juni 2021, 20 Uhr auf

www.musikalische-akademie.de/digital.

Die Liveaufnahme des Konzerts steht bis einschließlich Donnerstag, 24. Juni 2021 auf der Webseite der Musikalischen Akademie zur Verfügung. Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für 15 erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang. 0 zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

Musikalische Akademie – Nationaltheater-Orchester Mannheim e. V.

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 7. Akademiekonzert – Berg, Haydn, Mahler, Schreker, IOCO Kritik, 08.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

7. AKADEMIE-KONZERT  –  Musikalische  Akademie
des Nationaltheater Orchester Mannheim  –
31.5. – 2.6.2021 – livestream aus dem Mannheimer Rosengarten

von Uschi Reifenberg

Allmählich entspannt sich die Corona Situation im Land, erste Öffnungen von Theatern und kulturellen Einrichtungen mit Live Publikum zeigen endlich Licht am Ende des Tunnels.

Werke von  –  Alban Berg (1878-1935), Joseph Haydn (1732-1809)
Gustav Mahler (1860-1911), Franz Schreker (1878-1934)

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim konnte auch in ihrem 7. Akademiekonzert wieder mit einem spannenden und klug zusammengestellten Konzertprogramm im Livestream-Format überzeugen, das rundum Freude bereitete.

Auf große Orchesterbesetzungen und entsprechende Literatur muss zur Zeit noch verzichtet werden, einzelne Orchestermusiker und Solisten aus den eigenen Reihen können wieder in Kammerbesetzungen ihre herausragende Qualität unter Beweis stellen.

Darüberhinaus kommt das Publikum in den Genuss, eher selten gespieltes Repertoire in besonderen Konstellationen kennenzulernen.

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

GMD Alexander Soddy hatte mit Joseph Haydn,  Gustav Mahler, Franz Schreker und Alban Berg Komponisten ausgewählt, die eine Klammer setzen von Haydn als Repräsentanten der ersten Wiener Schule bis zu Alban Berg, zur zweiten Wiener Schule im 20. Jahrhundert. Die Werke sind -bis auf Haydns Trompetenkonzert – alle in einem engen Zeitraum, von 1916 bis 1928 entstanden. Diese Komponisten verbindet nicht nur eine gemeinsame Tradition, sie standen auch in engem Kontakt zueinander, inspirierten sich gegenseitig und entwickelten ihre ästhetischen Konzepte weiter. Gleichzeitig verbindet sie Wien als Wirkungsstätte, das in dieser Zeit der Aufbruchsstimmung kulturelles Zentrum und einzigartiger künstlerischer Kristallisationspunkt von Musikern, Malern und Literaten war.

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Als „kleines Denkmal einer großen Liebe“ bezeichnete Alban Bergs seine „Lyrische Suite“ für Streichquartett, von dem er 1928 drei Sätze für Streichorchester bearbeitete. Dieses Stück wurde  zu einem seiner Meisterwerke, voller geheimer Programmatik und opernhafter Bezüge, aufgrund der autobiografischen Verflechtungen, die Berg in dieses Stück hineinwebte. Berg thematisiert seine Liebe zur verheirateten Hannah Fuchs-Robettin, einer Schwester des Dichters Franz Werfels. Das Werk spiegelt die Zerrissenheit von Bergs Seelenzuständen und die Aussichtslosigkeit dieser Beziehung, das Tristan Zitat im letzten Satz des Streichquartetts verweist in tragischer Weise auf die Liebe-Tod Thematik.

Alban Berg verwendet hier die Zwölftontechnik Schönbergs zum ersten Mal und erzielte damit ein Maximum an Dichte und Expressivität. Es entstehen starke Spannungsmomente und  verblüffende, sinnliche Streicher- Klangfarben.

Soddy arbeitete die komplizierten Strukturen dieses atonalen Machwerks sorgfältig heraus,  verblieb jedoch nie im Abstrakten, sondern setzte den hochemotionalen Gehalt dieser Musik frei und erzeugte ein Höchstmaß an Ausdruck. Die rondohaft wiederkehrenden Themen im „Andante amoroso“ erklangen verhalten, mit äußerster Zartheit, die Soddy mit Hingabe zelebrierte.

Das „Allegro misterioso“ geht unter die Haut mit seinen aufregenden Streicher-Spieltechniken, flirrenden, rastlosen  Sechzehntelbewegungen, die eine unterschwellige brodelnde Unruhe transportieren, fast durchweg im piano gehalten. Tragik vermittelt Soddy im „Adagio appassionato“, das als tönendes Abbild eines leidenschaftlichen Liebesdialogs gedacht ist. Schwermütiges Melos in den tiefen Streicherlagen, jähe Aufschwünge, dazwischen einsame Zitate der Solobratsche und -violine. Der Schluss verhaucht ins Leere…

Mit Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur setzte Lukas Zeilinger, Solotrompeter im Nationaltheater Orchester, einen ersten strahlenden Höhepunkt.

Dieses Instrumentalkonzert, das als eines der Standardwerke für Trompete gilt, schrieb Haydn 1786 für die von Anton Weidinger neu erfundene Klappentrompete, welche die frühere Naturtrompete ablöste, mit der man nur die Naturtöne, nicht aber chromatische Töne blasen konnte.

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Lukas Zeilinger brillierte mit einem schwebenden und warmen Trompetenklang, idealer Technik und viel stilsicherem Feingefühl. Unprätentiös und mit innerer Freude gestaltete er das Thema des ersten Satzes mit seinen Verzierungen und feinen dynamische Abstufungen. Stets spürte er sensibel und mit elastischer Tongebung dem Haydn‘schen Melos nach, in der Kadenz erfreute er mit seinem glasklaren, leichten Ansatz, mühelosen Koloraturen, und strahlenden Spitzentönen. Das NTO und Lukas Zeilinger befanden sich in bestem Dialog, Alexander Soddy sorgte jederzeit für die perfekte klangliche Balance.

Dem  wiegenden Charakter des Andante Themas gab er weichen Schmelz, ließ die Kantilenen schön aufblühen und beeindruckte mit seiner ausgereiften Phrasierungskunst.

Den Rondo- Satz ging er leichtfüßig und tänzerisch an, schwungvolle Läufe, Intervallsprünge und schmetternde Fanfaren setzten im Finalsatz einen virtuosen Schlusspunkt.

In der längeren Umbaupause interviewte die Harfenistin des NTO, Nora von Marschall, den Solisten Lukas Zeilinger und GMD Alexander Soddy, was sich im Online- Format als eine hervorragende Gelegenheit erweist, die Künstler hautnah im Anschluss an ihre Auftritte zu erleben. Das Publikum lernt auf diese Weise „seine“ Musiker näher kennen und erfährt beispielsweise manch interessantes Detail über deren Werdegang oder zukünftige Pläne.      Eine wunderbare Bereicherung der Programmgestaltung.

Gustav MahlersLieder eines fahrenden Gesellen“ in der reduzierten Bearbeitung von Arnold Schönberg von 1920 für Streichquartett, Flöte, Klarinette, Klavier, Harmonium und Schlagwerk, fügt sich perfekt in die Dramaturgie des Konzertabends ein.

Mahler verarbeitet in diesen vier Liedern eine eigene unerfüllte Liebe und schrieb selbst den Text, der an die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ angelehnt ist. In diesen autobiografisch aufgeladenen Liedern sublimiert Mahler nicht nur seine unbewältigten Erfahrungen, sie sind auch eine Huldigung an die Natur, die hier als Gegenwelt und Sehnsuchtsort erscheint. Das Thema des 2. Liedes „Ging heut morgen übers Feld“ verwendete Mahler in seiner 1. Sinfonie, die wenig später entstand. Er überschrieb sie mit „Wie ein Naturlaut“. Die intime Instrumentierung intensiviert die Innenschau des zwischen Hoffnung und Aussichtslosigkeit, Realität und Traum getriebenen Gesellen und wirft ein eher indirektes Licht auf die einzelnen Stationen.

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Der Bariton Thomas Berau, ebenfalls ein renommierter hauseigener Solist, nahm sich den Liedern des unglücklich liebenden Wanderers an und wurde dessen wechselvollen Seelenzuständen mit seiner suggestiven Gestaltungskraft in höchstem Maße gerecht. Mit klarer Diktion und vorbildlicher  Textausdeutung füllte er jede Phrase mit Leben, sein Bariton überzeugt sowohl in den lyrischen Naturbetrachtungen als auch in den heldischen, opernhaften Aufschwüngen.

Beklemmend gerieten im 3. Lied „Ich hab ein glühend Messer in meiner Brust“ die „Oh weh!“ Rufe, hochexpressiv und mit ausladender Gebärde. Stärker könnte der Kontrast nicht sein beim Wechsel von der ersten zur zweiten Strophe „Wenn ich in den Himmel seh“. Hier verleiht Thomas Berau  seiner Stimme zarten Schmelz und Innigkeit, wird die Phrase in matten Klang getaucht, schmerzerfüllt und anrührend.

Die  selten aufgeführte Kammersinfonie von Franz Schreker ist eine wahre Entdeckung. Der österreichische Komponist war vor allem bekannt geworden durch seine Oper „Der ferne Klang“, von 1912. Seine Kammersinfonie für 23 Musiker schrieb er mitten im Ersten Weltkrieg 1916, ein spätromantisch anmutendes Werk voller Farbenreichtum und Klangsinnlichkeit. Schreker war neben Richard Strauss wohl einer der wichtigsten und außergewöhnlichsten Opernkomponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der die Linie von Gustav Mahler fortführte und zwischen Moderne und Tradition vermittelte. Die Nazis verhinderten 1934 seinen weiteren beruflichen Aufstieg, woran er kurze Zeit später zerbrach. Noch 1938 wurde er auf die Liste der verfemten Komponisten gesetzt.

Franz Schreker ist ohne Zweifel ein Meister der Instrumentierung. Alexander Soddy und das Nationaltheater Orchester tauchten in die erotisch aufgeladene Musik Schrekers ein, die mit ihrem umarmenden Klang betörende Stimmungen evozierte.

Soddy kontrollierte mit idealer Balance die verführerischen Klangbilder und ließ magische Momente entstehen. Die Orchestermusiker setzten solistische Glanzpunkte, wunderbare Flöten- und Oboensoli kontrastierten mit süffigen Streicherwogen, die fast hypnotische Wirkung entfalteten. Hinreißend die Farbwerte von Klavier, Harfe, Celesta und Harmonium.

Ein hochemotionales Hörerlebnis aus dem Rosengarten von Mannheim!

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 6. Akademiekonzert – Mozart und Mendelssohn, IOCO Aktuell, 04.04.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE

6. Akademiekonzert 2020/21  –  Mozart und Mendelssohn

Das 6. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. wird am 12. April 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen. Der reduzierten Besetzungsgröße geschuldet, präsentiert der Verein statt desgeplanten Bruckner-Abends ein Konzertprogramm mit Mozarts 29. Symphonie, Jacques Iberts Divertissement und Mendelssohns Italienischer. Antonello Manacorda kann infolge situationsbedingter Terminverschiebungen nicht in Mannheim gastieren. Die musikalische Leitung des 6. Akademiekonzerts übernimmt stattdessen Jader Bignamini.

Bignaminis eindrucksvolle Vita lässt erahnen, weshalb der Dirigent als Shootingstar der internationalen Opernszene gehandelt wird: Gebürtig aus dem italienischen Crema, begann seine musikalische Karriere als Klarinettist des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, dessen Generalmusikdirektor er später wurde. Dirigate an weltweit renommierten Häusern folgten – ob Wien, München, New York oder Rom, wo er für Verdis La Traviata 2015 mit Größen wie Sofia Coppola zusammenarbeitete. Seit 2020/21 ist Bignamini Direktor des Detroit Symphony Orchestra, wo er jüngst in digitalen Premieren Puccini und Tschaikowski auf die Bühne brachte.

NTM Nationaltheater - Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

NTM Nationaltheater – Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

Mozarts Symphonie Nr. 29 in A-Dur, 1774 in Salzburg entstanden, läutet den Konzertabend ein. Ob im getragenen Menuetto oder dem finalen Allegro con  spirito: Heute wie damals überrascht Mozart mit genialischen Einfällen – maßvoll im Ausdruck, und doch voller Leidenschaft! Jacques Ibert, geboren ins Zeitalter der glühenden Pariser „Belle Époque“, verschreibt sich im Divertissement wiederum ganz offen dem Rausch: Das Werk prägen Jazz- und Tanzrhythmen, die eine typische Zwanziger-Jahre-Metropole vor dem inneren Auge aufblitzen lassen; auch Einflüsse der Stummfilmmusik finden Einzug in die vor Pointen sprühende Komposition. Die Italienische, schließlich, Mendelssohns vierte Symphonie, präsentiert sich als dahinstürmendes Meisterwerk, das – zwischen Rom und Neapel zu Papier gebracht – auf eine Italienreise von unzähmbarer Schönheit entführt. Der Livestream beginnt am Montag, 12. April 2021, 20 Uhr auf

—  www.musikalische-akademie.de/digital – link HIER! —

und ist dort zu erleben bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr.

Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für15€ erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang.0€ zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen – nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

  Die Historie der  Musikalische Akademie  

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. sind seit 242 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

6. Akademiekonzert  2020/21

Live aus dem Rosengarten Mannheim
Montag, 12. April 2021, 20 Uhr

www.musikalische-akademie.de/digital

Die Liveaufnahme des Konzerts kann bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr online abgerufen werden

Jader  Bignamini  Dirigent,  Nationaltheater-Orchester Mannheim

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)  Symphonie Nr. 29 A-Dur KV 201
Jacques Ibert (1890–1962)  Divertissement
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)  Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90,  Italienische

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie |—


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