Baden-Baden, Festspielhaus, Vier letzte Lieder – Diana Damrau – Valery Gergiev, 09.02.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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  Vier letzte Lieder – Richard Strauss und Valery Gergiev

Sonntag, 9. Februar 2020, 17 Uhr

„Für mich ist Strauss einer der größten Komponisten“

Von der Sophie im Rosenkavalier bis zu Vier letzte Lieder: zur Begeisterung des Publikums gastiert die Sopranistin Diana Damrau gern im Festspielhaus Baden-Baden. Neben ihrer Interpretation von Strauss‘ Vier letzte Lieder steht in dem Konzert am Sonntag, 9. Februar 2020 17 Uhr, die siebte Sinfonie von Anton Bruckner auf dem Programm der Münchner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev.

Festspielhaus Baden-Baden / Münchner Philharmoniker - Valery Gergiev © Andrea Huber

Festspielhaus Baden-Baden / Münchner Philharmoniker – Valery Gergiev © Andrea Huber

„Ich liebte Strauss auf Anhieb. Nicht nur die Musik ist wunderschön, sondern auch die Art und Weise, wie er Worte und Noten kombiniert – und die Psychologie …Strauss war ein Kenner der Stimme. Er gab der Stimme Schwung“, schwärmt die Sopranistin Diana Damrau. Ihre Liebe zu Strauss und seinen Kompositionen überträgt sich auch auf das Publikum: Bereits 2009 eroberte Diana Damrau als Sophie im Rosenkavalier unter dem Dirigat von Christian Thielemann an der Seite von Renée Fleming und Jonas Kaufmann die Herzen des Baden-Badener Publikums. Gleichwohl überzeugt Diana Damrau nicht nur mit Strauss, das Repertoire der weltweit auftretenden Künstlerin ist überaus vielseitig. Die Sängerin ist stets auch offen für Neues – so war sie etwa an Silvester von einer beschwingten Seite zu erleben: Im Konzert der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko überzeugte sie mit ihrer humorvollen Interpretation amerikanischer ‚Hits‘ von Leonard Bernstein. Im Kontrast dazu steht sie aktuell als Juliette in Gounods dramatischer Oper Romeo et Juliette auf der Bühne der Mailänder Scala.

So facettenreich ihr Repertoire, zu den Werken von Richard Strauss kehrt Diana Damrau immer wieder gern zurück: „Die Art, wie Strauss mit der Sopranstimme umgeht, ist eine Freude. Und seine Musik mit meiner Stimme singen zu können, ist wie nach Hause kommen“, sagt die Günzburgerin. Und dafür ist ihr am 9. Februar 2020 ihr das Festspielhaus Baden-Baden wenigstens vorübergehend gern ein Zuhause, begleiten sie ihre Badener Fans auf ihrem musikalischen Weg doch schon seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 2000 an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Münchner Philharmoniker © Hans Engels

Festspielhaus Baden-Baden / Münchner Philharmoniker © Hans Engels

Auch am Pult steht ein dem Publikum alles andere als Unbekannter: Valery Gergiev. Obwohl beide ‚Baden-Baden-Vollprofis‘ dürfen sich die Konzertbesucher am 9. Februar aber dennoch auf eine Premiere freuen: gemeinsam stehen die beiden nämlich das erste Mal auf der Festspielhausbühne. In der zweiten Konzerthälfte interpretiert Valery Gergiev mit den Münchnern Philharmoniker die siebte Sinfonie E-Dur von Anton Bruckner.

Seine 7. Sinfonie widmete Anton Bruckner dem Märchenkönig Ludwig II. – jenem bizarren Monarchen, der sich selbst am liebsten als Schwanenritter Lohengrin porträtieren ließ und Wagners hochfliegende Pläne finanzierte.

Bruckners Siebte steht aber in noch direkterer Verbindung zum Bayreuther ‚Meister‘. Der bereits 60-jährige Bruckner erlangte mit diesem Werk endlich Ruhm und internationaler Anerkennung; nicht zuletzt dank der Unterstützung von zwei Wagner-Dirigenten: von Arthur Nikisch, der im Dezember 1884 die Leipziger Uraufführung leitete, und Hermann Levi, der die Siebte wenige Monate später in München aufführte und sie „das bedeutendste Werk seit Beethovens Tod“ nannte. Zu besonderer Berühmtheit hat es das Adagio gebracht, in dem Bruckner, wie im vierten Satz des Werkes, die sogenannten „Wagnertuben“ verwendet, die Richard Wagner eigens für den Ring des Nibelungen konstruieren lies. Als Bruckner von Richard Wagners Tod erfuhr, komponierte er einen Klagegesang als zweite Coda, deren Beginn in der Partitur mit einem „x“ markiert ist. Bruckner war tief gläubig, was durch die Orgelanklänge mit ihren registerartigen Klangfarbenwechseln und Choralzitaten unüberhörbar ist. Doch dieser sakrale Raum wird hier erweitert um deutliche Wagner-Anklänge. Sie prägen die Harmonik, aber auch melodische Gesten. Zwei Beispiele aus dem ersten Satz: Dort reckt sich das weitgespannte erste Thema in den Hörnern und Celli empor wie in Wagners „Rheingold“-Vorspiel oder dem „Schwertmotiv“ in der „Walküre“. So bringt die Siebte beide Glaubenswelten Bruckners zusammen: das Fundament seiner streng katholischen Frömmigkeit, aber auch die mystische Erfahrung des Wagner’schen Klangtempels – einer Kunstreligion, die Trost und Erlösung verhieß.

Strauss und die Stimme, besonders die Sopranstimme: Sie hatten ein Komponistenleben lang bestens harmoniert. Klavierlieder und solche, die von vornherein als Orchesterlieder konzipiert gewesen waren, ziehen sich durch Strauss’ Schaffen, begünstigt durch die Tatsache, dass seine Frau Pauline de Aphna eine sehr gute Sopranistin war. Eines der im Festspielhaus erklingenden „Vier letzte Lieder“ ist die Vertonung des Eichendorff-Gedichts „Im Abendrot“. Wie ein Spiegel für die eigene Situation muss Eichendorffs wunderbares Gedicht auf den damals 84-jährigen Komponisten gewirkt haben: „Wir sind durch Not und Freude/ gegangen Hand in Hand…“. Ein alterndes Paar blickt zurück, geborgen in der Natur, Abendstimmung senkt sich herab, zwei Lerchen steigen auf, Schlaf und Todesahnung verbinden sich. „Nachtträumend“ und „wandermüde“ sind die inspirierenden Worte, die großen Linien der Sopranstimme, die blühende Orchestereinleitung und das verlöschende Nachspiel sind wie ein einziges Ausatmen und Abschiednehmen. Dem „Im Abendrot“ vorangestellt sind drei Vertonungen von Gedichten Hermann Hesses. Auf kleinstem Raum schildern auch diese Gedichte einen Lebenszyklus, vom rauschend aufblühenden „Frühling“ zu den Herbstbildern von „September“ und dem feierlichen Hymnus von „Beim Schlafengehen“, in dem Schlaf, Tod und Transzendenz eine Einheit bilden.

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Damrau © Simon Fowler

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Damrau © Simon Fowler

Das Festspielhaus Baden-Baden gehört seit vielen Jahren zu den Bühnen, an denen Diana Damrau immer wieder gern gastiert. 2019 gab sie einen Liederabend mit Xavier de Maistre, 2018 sang sie mit Jonas Kaufmann Wolfs „Italienisches Liederbuch“, 2017 präsentierte sie im Festspielhaus Arien von Meyerbeer, davor sang sie Konstanze und Donna Anna in konzertanten Mozart-Aufführungen. Zu ihren weiteren Festspielhaus-Gastspielen zählt ein auf DVD veröffentlichter „Rosenkavalier“ aus dem Jahr 2009. Diana Damrau gilt als eine der großen Liedinterpretinnen unserer Zeit, begleitet von Helmut Deutsch, Craig Rutenberg oder Xavier de Maistre. Sie eröffnete die Saison 2017/18 des Concertgebouworchesters Amsterdam mit Arien von Mozart. Sie trat unter Daniel Barenboim und Christian Thielemann auf, war in München bei „Klassik am Odeonsplatz“ sowie bei den Salzburger Festspielen zu erleben und sang 2018 „Traviata“ in einer Neuinszenierung an der Met.

Der russische Dirigent Valery Gergiev ist ein enger Freund des Festspielhaus Baden-Baden. Mit seinem Dirigat wurde Deutschlands größtes Opernhaus 1998 offiziell eröffnet. In der Saison 2003/2004 produzierten Baden-Baden und St. Petersburg gemeinsam die Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Diese Produktion reiste danach erfolgreich um den gesamten Erdball. In Moskau geboren, studierte Valery Gergiev zunächst Dirigieren bei Ilya Musin am Leningrader Konservatorium. Seit mehr als zwei Jahrzehnten leitet er nun das legendäre Mariinsky Theater in St. Petersburg, das in dieser Zeit zu einer der wichtigsten Pflegestätten der russischen Opernkultur aufgestiegen ist. Mit den Münchner Philharmonikern verbindet Valery Gergiev seit 2011 eine intensivere Zusammenarbeit, seit der Spielzeit 2015/16 ist ihr Chefdirigent.

Seit ihrer Gründung 1893 bereichern die Münchner Philharmoniker unter renommierten Dirigenten das musikalische Leben Münchens. Gustav Mahler dirigierte das Orchester bei den Uraufführungen seiner Vierten und Achten Sinfonie. 1979 leitete Sergiu Celibidache seine erste Konzertserie bei den Münchner Philharmonikern und wurde zum Generalmusikdirektor ernannt. Die legendären Bruckner-Konzerte unter seiner Leitung trugen wesentlich zum internationalen Ruf des Orchesters bei. Von 1999 bis 2004 war James Levine Chefdirigent des Orchesters, ihm folgte Christian Thielemann und pflegte in seiner Amtszeit die Münchner Bruckner-Tradition ebenso wie das klassisch-romantische Repertoire. An der Oos waren die Münchner Philharmoniker vor allem in spektakulären Opernaufführungen zu Gast: in Strauss’ Rosenkavalier und Elektra und in Boitos Mefistofele unter Stefan Soltesz.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Münchner Philharmoniker – Valery Gergiev, IOCO kritik, 23.01.2020

Januar 23, 2020 by  
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Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

Münchner Philharmoniker – Valery Gergiev

Martyrium versus Liebesrausch

von Michael Stange

Mit Deutschlands Norden verbindet Valery Gergiev seit dem Auftritt beim Schleswig-Holstein Musikfestival 1989 ein enges Band. Seine regelmäßigen Gastspiele mit den Münchner Philharmonikern sind Höhepunkte der Saison und teilweise auf dem YouTube Kanal der Elbphilharmonie verfügbar.

Münchner Philharmoniker – fulminant – Debussy und Wagner

Zum Jahreseinstand 2020 wählten Orchester und Chef zwei Kompositionen, die die Themen Sehnsucht, Liebe, Sehnsucht und Tod umkreisen.

Valery Gergiev demonstrierte auch an diesem Abend, warum er einen der weltweit gefragtesten Dirigenten ist. Sein immenses Konzert und Opernrepertoire präsentiert er stets außerhalb jeglicher Routine. Seine Interpretationen wandeln sich auch bei häufig musizierten Werken. Immenses Einfühlungsvermögen paart er mit der Fähigkeit, dem Orchester seine Visionen zu vermitteln, so dass gemeinsam faszinierende Interpretationen entstehenden, deren Ausdruckspalette und Tiefe konventionelle Konzert- und Opernerlebnisse weit überstrahlen. So unterschiedlichen Komponisten wie Wagner, Verdi, Mahler, Strauss, Berlioz, Beethoven, Bruckner und die russischen Tonsetzer gestaltet er in Oper und Konzert mit immensem Musikalität und berstender Energie.

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker - hier die Solisten © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker – hier die Solisten © Daniel Dittus

Im ersten Teil erklangen Kompositionen Claude Debussys zu Gabriele d’Annunzios Theaterstück Le martyre de Saint Sébastien. Es stellt die Geschichte des römischen Zenturios und Christen Sebastian dar, der vom römischen Kaisers Diokletian begehrt wird und Kämpfer für den christlichen Glauben ist. Da er den Verführungsversuchen des Kaisers widersteht, wird Sebastian von ihm zum Tode verurteilt, an einen Lorbeerbaum gebunden und mit Pfeilen getötet.

Zur Ausgestaltung des Lebens des Protagonisten der – wie Wagners Parsifal – dem Glauben durch seine Aufopferung stärken will, hat sich Debussy auch in dieser Komposition völlig von Wagners Klangbild gelöst und eine eigene Tonsprache entwickelt. Neben der Verwendung von Elementen alter Kirchenmusik setzte er impressionistische Farben und leuchtende Töne. Poetische Prosa, Reinheit und Intimität des religiösen Gefühls verschmelzen zu einer musikalischen Ausleuchtung von d’Annuzios Drama. Die Orchesterstücke gehen in ihrer Wirkung weit über eine die Handlung begleitende Bühnenmusik hinaus. Vier Sätze untermalen die Handlung des Dramas. Im ersten Satz „La cour des lys“ (Der Lilienhof) wird die Folterung von zwei Christen mit glühenden Kohlen behandelt. Dort dominieren die Holzbläser und an gregorianische Gesänge Akkordbündel. Der zweite Satz „Danse extatique“ (Ekstatischer Tanz) untermalt das göttliche Wunder des Tanzes Sebastians auf glühenden Kohlen und beschreibt auch einen nicht wieder herunterfallenden Bogenpfeil, der in den Himmel geschossen wurde. Ekstatisch verkündete eine Trompetenhymne die Erscheinung von sieben Engeln. La passion (Die Passion Christi) schildert Sebastians Schmerz und das Todesurteil des Kaisers und vereint Dramatik und schmerzverzerrte Dissonanzen. Le bon pasteur (Der gute Hirte) beschreibt den Vollzug des Urteils. Den von Pfeilen durchbohrten Sebastian überkommt bei der Erscheinung Christis die Vision seiner selbst als guter Hirte. Der bebende Orchestergrund wird im Finale zum flirrenden Klang furchtloser Erlösung.

Debussys fein strukturierte Komposition ist voll sehnender Instrumentenführung ohne Orchesterwogen Drama, Spannung, So beschreibt er Leid, Entrückung und Tod. Sein Werk beschreibt Sebastians Weg mit dynamischen, rauschhaften Spannungen ohne Pathos. Delikate, subtile Momente stehen neben verhaltenen Ausbrüchen.

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker - hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker – hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Den Münchner Philharmonikern ist Debussy nicht fremd. Schon die Dirigentenlegende Sergiu Celibidache setzte ihn vor drei Jahrzehnten häufig auf seine Programme und gerade er war ein Meister der Orchesterfarben. Dieses Erbe und die Tradition eines auf gegenseitigem Zuhören basierenden Orchesterspiels machen die Münchner Philharmoniker zu idealen Interpreten dieser selten gehörten Komposition. Den Streichern gelingt ein mit emotional, brillanter Klang aus einem Guss. Gemischt mit der schwelgerischen Dichte der Holbläser und den oft markerschütternden Klängen der Blechbläser entspann sich im ganzen Stück eine Atmosphäre von fröhlicher Leichtigkeit bis zu größtem Leid

Die orchestral wechselnden Höhepunkte und die wirkungsvollen Kontraste der Komposition wurden so bestechend herausgestellt. Gergiev und die Musiker sponnen die Elbphilharmonie mit Debussys Mischung aus Barock, mittelalterlicher Mysterien und impressionistischen Klangfarben ein. Mit subtiler Feinsinnigkeit und dramatischem Aplomb legten sie die musikalischen Strukturen und die klangliche Raffinesse Debussy offen.

Der zweite Teil brachte den 2. Akt von Wagners Tristan und Isolde. Valery Gergiev ist in seinen Opernaufführungen oft ein Stürmer, der die Handlung mit raschen Tempi und packenden Momenten vorantreibt. Im Hamburger Konzert präsentierte eine tiefere Auslotung der lyrischen Momente und des symphonischen. Überbordende Dramatik und Leidenschaft erklang in wogenden Orchesterfluten mit atemberaubender Wucht. Schon im Vorspiel offenbarte er, dass manches von Debussys Instrumentation eine Weiterentwicklung von Wagners Tonsprache war.

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker - hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker – hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Bei der Umsetzung dieser Klangvision spielte neben Orchester und Ensemble auch die ausgezeichnete Akustik der Elbphilharmonie gestaltende Karten.

Richard Wagner Denkmal in ..... © IOCO / TThielemann

Riesiges Richard Wagner Denkmal in . © IOCO / TThielemann

Andreas Schager bewies, dass er der heute führende Interpret des Tristan ist. Bei seinem Eintreten kostete Gergiev die gesamte Orchestermacht aus. Dem blieb der Sänger nichts schuldig. Sein Ruf „Isolde, Geliebte…“ kam vollklingend metallisch mit glänzender Höhe kometenhaft in den Saal. Das Liebesduett kostete er mit zarten Piani und schwelgerischen Stimmfarben aus. Die belcantesce Textbehandlung und die Fähigkeit, seine Stimme mit einer das Gesungene mit einer Stimmfarbe zu unterlegen, die im Ausdruck koloriert ohne an Klangschönheit einzubüßen, ist eine einzigartige Gabe. Als er bei „Wohin nun Tristan scheidet“ Isolde auffordert ihm ins Totenreich zu folgen verschattet er die Stimme derart, dass man meint, er Stünde dort bereits. Selten, dass stimmliche Meisterschaft und Rollenidentifikation in so glückhafter Weise zusammenklingen. Martina Serafins Isolde paarte Aplomb mit Attacke. Yulia Matochkina sang eine Brangäne von stimmschöner Eindringlichkeit und Poesie. Auf ihre sonore Tiefe schloss sich eine prächtige Mittellage an, die in eine leuchtende, glühende und ungemein klangschöne Höhe gipfelte. Mikhail Petrenko war ein ausdrucksstarker König Marke mit kernig, klangvollem Bass und prachtvoller Gestaltung. Miljenko Turk gab einen stimmgewaltigen Kurwenal mit strahlendem Bariton und dramatischem Einsatz.

Der seidige Glanz der Streicher, die Farben der Holzbläser und die zwischen verhaltener Begleitung und auftrumpfenden Tosen variierenden Blechbläser boten einen Wagner der Extraklasse. Wie ein Maler auf seiner Palette mischt Gergiev raffinierteste Farben, ließ die Musik fein abgestuft ineinander übergehen und hob Melodielinien filigran hervor.

Eine Wagner Sternstunde in Hamburg

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

München, Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev bleibt Chefdirigent bis 2025, IOCO Aktuell, 20.02.2018

Münchner Philharmoniker

Kulturreferat München -Münchner Philharmoniker / OB Reiter, Gergiev, Kueppers, Mueller ©Landeshauptstadt München, Michael Nagy

Kulturreferat München -Münchner Philharmoniker / OB Reiter, Gergiev, Kueppers, Mueller ©Landeshauptstadt München, Michael Nagy

Kulturreferat

Münchner Philharmoniker

Valery Gergiev – Chefdirigent  bis 2025

Der Münchner Stadtrat hat in seiner heutigen Sitzung entschieden, den Vertrag mit dem
amtierenden Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker Valery Gergiev (*2.5.1953 in Moskau) um fünf Jahre zu verlängern. Damit bleibt Maestro Gergiev bis zum Ende der Saison 2024/2025 Chefdirigent des Orchesters der Stadt. Er hat diese Position bereits seit der Saison 2015/2016 inne.

Intendant Paul Müller und Orchestervorstand Matthias Ambrosius äußern sich zur Vertragsverlängerung wie folgt: Intendant Paul Müller: „Die heutige Entscheidung des Stadtrats zur Vertragsverlängerung unseres Chefdirigenten Valery Gergievs bis 2025 ist richtungsweisend: sie ist künstlerisch zwingend, um die internationale Präsenz auf höchstem Niveau und in Verbindung mit einer umfassenden medialen Wahrnehmung weiterzuentwickeln und um die Interimsspielstätte ab 2020 zu gestalten, gerade auch für ein jüngeres Publikum, das andere Ansprüche und Bedürfnisse haben wird. Wir freuen uns auf die nächsten Jahre!“

Matthias Ambrosius, Sprecher des Orchstervorstandes:  „Die ganz große Mehrheit des Orchesters hat sich die Fortführung der Zusammenarbeit mit Valery Gergiev gewünscht. Er steht für Kontinuität in der künstlerischen Arbeit auf höchstem Niveau. Mit ihm erleben wir bei der Arbeit einen Partner, für den die gemeinsame Arbeit am Orchesterklang an oberster Stelle steht.

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Zu Valery Gergiev: 1953 in Moskau geboren, in Nord-Ossetien aufgewachsen, hängt dem mit der russischen Nomenklatura teilweise störend gut vernetzten Valery Abisalovich Gergiev der Ruf an, betörenden Klangfarbenzauber zu schaffen, aber auch, akribische Arbeit nicht sonderlich zu schätzen. Die deutsche Sprache gehört auch heute nicht zu seinen Stärken. Gergiev ist unter anderem auch General Manager des Mariinsky Theater in St. Petersburg, Dirigent des London Symphony Orchestra, und Künstlerischer Leiter des „Weiße Nächte-Festival“ in St.Petersburg.

—| Pressemeldung Münchner Philharmoniker |—

 

München, Münchner Philharmoniker, Zubin Mehta + Faschingskonzert, IOCO Kritik, 08.03.2017

März 11, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Münchner Symphoniker

Philharmonie Im Gasteig © Gasteig München GmbH / Matthias Schönhofer

Philharmonie Im Gasteig © Gasteig München GmbH / Matthias Schönhofer

Faschingskonzert mit  den Münchner Philharmoniker

Von  Daniela Zimmermann

Ein Faschingskonzert mit österreichisch wienerisch-ungarischem Flair und Charme. Zubin Mehta als fast Österreicher, dirigierte dieses Programm mit den dazugehörigen typisch wienerischen Walzer Raffinessen, die man eben nur in Wien erlernt. Er als Träger des Ehrenringes der Wiener Philharmoniker und als der Dirigent, der 5x das Neujahrskonzert dirigiert hat, ist in der Wiener Musik zu Hause.

Zubin Metha beginnt das Konzert mit der Ouvertüre zu Nozze di Figarro. Dort spielt die Maskerade die ausschlaggebende Rolle und so passt dieser fröhliche und temperamentvolle Beginn zu diesem speziellen Konzert. Julian Rachlin spielt die Geige in Mozarts Violinkonzert Nr.3 G-Dur KV 216. Die Sologeige dialogisiert sehr einfühlsam mit den unterschiedlichsten EinzeIinstrumenten und Instrumentengruppen. Im 3. Satz gibt es auch hier eine unerwartete Maskerade.

Eine freche kleine Melodie schiebt sich dort ein, wo sie gar nicht hingehört. Julian Rachlin in Litauen geboren und in Wien musikalisch aufgewachsen, gehört zu den erfolgreichsten, jungen Geigern unserer Zeit. Schon mit 14 Jahren wurde er bei der Eurovision in Amsterdam als Young Musician of the Year ausgezeichnet. Und bis heute  Ist er der jüngste Solist, der je mit den Wiener Philharmonikern gespielt hat. Julian Rachlin spielt sehr differenziert. Auffallend seine leise, zarte sehr einfühlsame  Bogenführung. Sein Spiel berührt durch des Geigenspiels. Julian Rachlin spielt eine Stradivari aus dem Jahre 1704. In dem anschließenden Liebesleid und Liebesfreud  kommt seine Wiener Schule zum Ausdruck. Den Walzer und den Ländler spielt er  mit so viel Schmiss, dass man wirklich an einen Wiener Stehgeiger des alten Wiens  erinnert wird.

Michael Ziehrer © IOCO

Michael Ziehrer © IOCO

Für beste Stimmung sorgten die Märsche von Michael Ziehrer und Julius Fucik. Die Bläser und die Schlagzeuger des Philharmonischen Orchesters waren ganz in Ihrem Element. Uns die Zuhörer sehr begeistert. Das Gasteig war ausverkauft bis auf den letzten Platz.  Weiter ging es mit dem ganzen Orchester und der Israelischen Sopranistin Chen Reiss. In dem stimmlich sehr hoch angelegten Frühlingserwachen wirkte sie angestrengt, Während sie bei den weiteren Liedern aus der Fledermaus mit ungarischem Akzent stimmlich überzeugte und verdienten Applaus bekam.  Und dann Johann Strauß Sohn mit der Annen Polka und dem Kaiserwalzer und den Zugaben, es war wie im Neujahrskonzert, ganz wundervoll. Eine ganz besondere Rosenmontag Stimmung.

—| IOCO Kritik Münchner Symphoniker |—

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