Salzburg, Stiftung Mozarteum, Verschollener Brief von Wolfgang Amadé Mozart, Juni 2018

Juni 13, 2018 by  
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Mozarteum / Armin Brinzing, Leiter der Bibliotheca Mozartiana; Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum; Ulrich Leisinger, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Mozarteum; Rolando Villazón, Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum und Intendant der Mozartwoche © ISM/Martin Hörmandinger

Mozarteum / v. li. Armin Brinzing, Leiter der Bibliotheca Mozartiana; Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum; Ulrich Leisinger, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Mozarteum; Rolando Villazón, Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum und Intendant der Mozartwoche © ISM/Martin Hörmandinger

Stiftung Mozarteum

Verschollener Brief von Wolfgang Amadé Mozart

Die Stiftung Mozarteum Salzburg freut sich über eine der wertvollsten Neuerwerbungen der letzten zehn Jahre: Ein Brief aus der Feder von Wolfgang Amadé Mozart an seinen Freund Anton Stoll aus dem Jahr 1791 gelangte kürzlich – dank der Unterstützung von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann – in die Sammlung von Original-Autographen der Stiftung Mozarteum, der „Bibliotheca Mozartiana“. Zuletzt konnte 2001 ein Originalbrief Mozarts erworben werden.

„Was für ein besonderer Moment und was für ein Glück, dass sich die Eigentümerfamilie dieses besonderen Mozartbriefes direkt an die Stiftung Mozarteum gewandt hat. Danke, dass sie uns vor dem „Auktionsmatch“, bei dem eine gemeinnützige Institution wie die Stiftung Mozarteum schon lange nicht mehr mithalten kann, bewahrt hat. Und was für ein Geschenk, das uns Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann mit der Ankaufsfinanzierung gemacht hat. So können wir Mozarts frivolen Spaß weltweit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen“, erläutert Stiftungs-Präsident Johannes Honsig-Erlenburg.

Mozarteum / Mozartbrief Vorderseite © ISM/Martin Hörmandinger

Mozarteum / Mozartbrief Vorderseite © ISM/Martin Hörmandinger

Rolando Villazón, Mozartwoche-Intendant und offizieller Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum, sagt zur Bedeutung dieser kostbaren Neuerwerbung: „Jeder Brief Mozarts öffnet uns eine neue Tür in die Seele des größten musikalischen Genies aller Zeiten. Einen neuen Brief Mozarts zu entdecken ist, wie eine neue Blume in einem wunderschönen Garten zu finden.“

Mozarts Briefe faszinieren Musikliebhaber ebenso wie Musiker und Wissenschaftler. Sie vermitteln eine Fülle an Informationen über sein Leben, sein Schaffen und sein Denken. In ihnen zeigt sich der Komponist als sehr genau planender und gestaltender Künstler ebenso wie als unglaublich geistreicher und humorvoller, mitunter auch derb scherzender Mensch.

All dies steckt auch in einem auf den ersten Blick unscheinbaren Brief, den der Komponist am 12. Juli 1791, kein halbes Jahr vor seinem Tod, an seinen Kollegen und guten Freund Anton Stoll (1747–1805) in Baden bei Wien schrieb. Mehrere Male hatte Mozart seine Frau Constanze zur Kur nach Baden geschickt, wobei Stoll bei der Suche nach einem passenden Quartier behilflich war. Auch im Juni und Juli 1791 besuchte Constanze das „Antonienbad“, das besonders kostspielig war und daher „nur von Kranken höhern Standes besucht“ wurde, wie es in einer zeitgenössischen Beschreibung heißt.

Mozarteum / Mozartbrief Rückseite © ISM/Martin Hörmandinger

Mozarteum / Mozartbrief Rückseite © ISM/Martin Hörmandinger

Mozart besuchte seine Frau während dieser Zeit mehrere Male und führte bei dieser Gelegenheit in der Badener Pfarrkirche mehrere Werke gemeinsam mit Stoll auf, der dort als Chorregent für die Kirchenmusik verantwortlich war. Eigens für Stoll komponierte Mozart am 17./18. Juni 1791 in Baden eines seiner bekanntesten geistlichen Werke, das Ave verum KV 618, das am Fronleichnamstag des gleichen Jahres (am 23. Juni) in der Badener Pfarrkirche seine Uraufführung erlebte.
Der Inhalt von Mozarts Brief lässt sich sehr knapp und einfach zusammenfassen: Der Komponist bittet den befreundeten Chorregenten Anton Stoll, ihm die Noten zu zwei Werken zu schicken, die man zuvor gemeinsam in Baden in der Kirche aufgeführt hatte. Doch Mozart machte sich große Mühe, diese simple Bitte in ein typisch Mozart’sches Geflecht von Scherzen einzubetten.

Mozart hatte gemeinsam mit Stoll am 10. Juli 1791 in Baden eine seiner Messen aufgeführt (vermutlich die Messe KV 275). Seine Originalpartitur überließ Mozart dem Freund, bat ihn mit diesem Brief jedoch um die Zusendung der eigens angefertigten Stimmen, damit er das Werk auch in Wien aufführen konnte. Dass
Mozart außerdem in seinem letzten Lebensjahr auch noch ein Werk Michael Haydns (1737–1806) aufführte, belegt dessen anhaltende Wertschätzung für seinen ehemaligen Salzburger Kollegen.

Mozart leitet seinen Brief mit einem kurzen „Gedicht“ ein und nennt seinen Freund: „liebster Stoll! / bester knoll! / grösster Schroll!“. Auf den ersten Blick scheinen das nur beliebige Reimwörter zu sein, doch tatsächlich verwendet Mozart seinerzeit geläufige Begriffe, die einen dicken und äußerst groben Menschen bezeichnen. Natürlich war dies nicht ernst gemeint, und als Freund Mozarts musste man in der Lage sein, mit solchen Scherzen umzugehen.

Wolfgang Amadeus Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Auf der zweiten Seite befindet sich ein Schreiben von Mozarts Schüler und Assistenten Franz Xaver Süßmayr (1766–1803), in dem es ebenfalls um die Rücksendung der genannten Noten geht. Doch es handelt sich hier um eine „Fälschung“ – tatsächlich ist auch dieser Text von Mozart geschrieben, der dabei versuchte, Süßmayrs Schrift nachzuahmen. „Süßmayr“ wiederholt Mozarts Bitte und droht unter anderem damit, Stoll werde nichts mehr von der „Opera“ erfahren, an der Mozart gerade arbeite. Gemeint ist damit die Zauberflöte, die zweieinhalb Monate später, am 30. September 1791, in Wien ihre Uraufführung erlebte. Dass Stoll alles zu Mozarts Zufriedenheit erledigte, lässt sich wohl an der Tatsache ablesen, dass der Komponist seinen Freund einige Zeit später zu einer Aufführung der Zauberflöte nach Wien einlud. Die Krönung des kleinen Mozart‘schen Sprachkunstwerks ist schließlich die Datierung im „Scheishäusel den 12. Juli“.

Von Mozart sind nur zwei Briefe an Stoll erhalten geblieben, die auf ein sehr vertrautes, freundschaftliches Verhältnis schließen lassen. Beide befanden sich bisher bei Privatbesitzern; dieser zweite Brief konnte nun dank einer großzügigen Spende von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann von der Stiftung Mozarteum für die „Bibliotheca Mozartiana“ erworben werden. Die Bibliothek der Stiftung verwahrt den größten Teil der Korrespondenz der Familie Mozart, darunter allein fast 200 Originalbriefe Wolfgang Amadé Mozarts. Die Sammlung, zu der auch zahlreiche Musikautographen Mozarts gehören, geht in ihrem Kern auf Geschenke und Vermächtnisse von Mozarts Witwe Constanze sowie seiner beiden Söhne Carl Thomas und vor allem Franz Xaver Wolfgang Mozart zurück.

Originalhandschriften Mozarts und seiner Familie sind im Autographentresor der Stiftung Mozarteum im Mozart-Wohnhaus ausgestellt, der im Rahmen von Spezialführungen – beispielsweise während der jährlichen Mozartwoche – zugänglich ist.

Schon seit mehreren Jahren macht die Stiftung Mozarteum ihre wertvollen historischen Bestände sukzessive online frei zugänglich. So sind alle Briefe Mozarts aus der Sammlung bereits online verfügbar, auch der neu erworbene Brief Mozarts an Stoll wird am 12. Juni über die Website „Bibliotheca Mozartiana digital“ online verfügbar sein (http://digibib.mozarteum.at).

—| Pressemeldung Mozarteum Salzburg |—

Essen, Philharmonie Essen, Liederabend Christiane Karg – Frauenliebe und –Leben, IOCO Kritik, 05.02.2016

Februar 9, 2016 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Christiane Karg © Gisela Schenker

Philharmonie Essen / Christiane Karg © Gisela Schenker

Liederabend “Frauenliebe und  –leben“

Christiane Karg, Sopran – Roger Vignoles, Klavier, 05.02.2016

Sie hat einen Sopran, der auf Anhieb gefällt und das durch bemerkenswerte Attribute. Die Stimme ist schön, schlank und von erlesener Farbe. Mit dieser Farbe weiß sie wunderbare Stimmungen zu erzeugen. Feinste Schattierungen erfreuen ebenso, wie die klare Diktion. Großen Wert legt die Sopranistin auf sauber artikulierte Vokale und sorgsame Behandlung der Konsonanten. Dies ist schon fast ein wenig old-fashioned, aber wunderbar zu hören.

Diese Eloge des Schreibers gilt der jungen deutschen Sängerin Christiane Karg, die am Salzburger Mozarteum studierte und inzwischen internationale Verpflichtungen, sei es in London, Mailand, Wien, Berlin und Dresden, hat. Neben ihren Opernverpflichtungen widmet sie sich intensiv dem Liedschaffen und dem Konzertrepertoire.

Alle diese eingangs erwähnten Vorzüge ließ sie auch an diesem Abend in der Essener Philharmonie einfließen, in ein Lied-Programm, das geradezu prädestiniert dafür war. Sie sang Lieder von Robert und Clara Schumann, sowie von Johannes Brahms, die alle mit dem Liebesleben der Frauen zu tun haben. Man hörte Lieder auf romantische Texte von Chamisso, Geibel, Heine, Brentano Eichendorff, Rückert und anderen.

Sie begann mit dem Lied Widmung aus dem Zyklus Myrten von Robert Schumann, auf einen Text von Friedrich Rückert. Es wurde ein sehr schöner Einstieg in das nachfolgende Programm.

Christiane Karg sang nun vier Lieder von Clara Schumann. Es sind sehr melodische Gesänge in schlichter musikalischer Sprache. Die Sängerin bestach mit exzellenter Textverständlichkeit und feinster musikalischer Gestaltung.

Nach der Pause wurde der Zyklus Frauenliebe und –Leben zum Höhepunkt des Abends. Ein großer Wurf ist dieser Zyklus auf  Dichtungen von Chamisso. Robert Schumann brauchte, man kann es kaum glauben, nur zwei Tage für die Komposition, die 1840 entstand. Die Chamisso-Texte behandeln  das Leben einer Frau in all seinen Abschnitten.

Die Sopranistin vermittelte feinfühlig und fernab jeglicher Larmoyanz  die verschiedensten Lebensabschnitte und Situationen einer Frau und ihrer Gefühlswelt. Wieder bestechen in Karg’s Vortrag die Textverständlichkeit und ihre Gesangskultur, die sie mit feinsten farblichen Abstufungen stützt.

Besonders stark gerieten der Sängerin die Lieder An meinem Herzen, an meiner Brust, sowie das Schlusslied Nun hast Du mir den ersten Schmerz getan durch die jubelnde Emphase in dem einen, und die schmerzliche Resignation in dem anderen.

Mit großem Ton und emotional aufgeladen sang die Sopranistin nun Schumanns wildes dramatisches Melodram Die Löwenbraut auf den überschwänglichen Text von Adalbert von Chamisso. Das war großes “Theater“, das Christiane Karg mit dramatischem Impetus und stimmlicher Emphase vermittelte.

Wien / Johannes Brahms © IOCO

Wien / Johannes Brahms © IOCO

Acht Lieder von Johannes Brahms beendeten das Programm. Von ewiger Liebe handeln sie, von Liebesstürmen und Leidenschaft. Die Texte, unter anderen von  Brentano und Eichendorff,  sind voll des romantischen Überschwangs. Sie sind manchmal konträr zu der gelegentlichen Kühle von Brahms` Musiksprache.

Christiane Karg wusste traumwandlerisch die verschiedenen Stimmungen vokal wiederzugeben. Auch bei diesen Liedern verstand man jedes Wort.

Einen wunderbaren Begleiter hatte die Sopranistin in Roger Vignoles. Der Engländer ist ein gefragter Begleiter, hält Meisterklassen ab und hat alle Sänger von Rang und Namen subtil begleitet. So auch an diesem Abend mit Christiane Karg. Eine Partnerschaft, die das gleiche Gefühl für die Musik ausdrückt, in einem Aufeinanderhorchen und einem gegenseitiges Nehmen und Geben.

Wie schade, dass nur wenige Besucher gekommen waren. Der große Saal war nicht einmal zur Hälfte gefüllt.  Diejenigen, die gekommen waren, zeigten sich begeistert und erklatschten sich zwei Zugaben. Ein Lied von Mahler und die Seelen tröstende “Mondnacht“  von Schumann.

IOCO / UGK / 05.02.2016

—| IOCO Kritik Philharmonie Essen |—

Essen, Philharmonie Essen, Alisa Weilerstein begeistert am Violoncello, 13.04.2014

April 11, 2014 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © SvenLorenz

Philharmonie Essen © SvenLorenz

Ivor Bolton & Mozarteum Orchester Salzburg

 
So 13.4.2014 | 17:00 Uhr | Alfried Krupp Saal
 
Alisa Weilerstein, Violoncello
Mozarteum Orchester Salzburg
Ivor Bolton, Dirigent
 
Alisa Weilersteins beruflicher Weg schien früh vorgezeichnet: Der Vater der amerikanischen Cellistin ist erster Geiger beim Cleveland Quartet, ihre Mutter Pianistin. Ihr außergewöhnliches Talent erkannten u. a. Paavo Järvi und Daniel Barenboim, die sie fortan förderten. Barenboim, stets auf der Suche nach exzellenten Nachwuchsmusikern, lud die junge Cellistin 2012 ein, das Elgar-Konzert mit der Staatskapelle Berlin aufzunehmen. In Essen ist Alisa Weilerstein mit dem Cellokonzert von Robert Schumann zu erleben, einem Spätwerk, das Strenge und rhapsodische Freizügigkeit gleichermaßen verlangt. Ivor Bolton dirigiert das Mozarteumorchester aus Salzburg, das er 2014 genau zehn Jahre als Chefdirigent leitet. Neben zwei Mendelssohn-Ouvertüren erklingt auch die selten zu hörende Erstfassung von Schumanns vierter Sinfonie.
 
Felix Mendelssohn Bartholdy
“Die Hebriden” – Konzertouvertüre h-Moll, op. 26
Robert Schumann
Konzert a-Moll für Violoncello und Orchester, op. 129
Felix Mendelssohn Bartholdy
“Ruy Blas”- Konzertouvertüre, op. 95
Robert Schumann
Sinfonie Nr. 4 d-Moll, op. 120 (Erstfassung)
 
—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Brandenburg, Brandenburger Theater, DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN nominiert, 10./11.03.2014

März 7, 2014 by  
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Theater Brandenburg

Jugendtheater erhält internationale Beachtung

 

Mit der Erfolgsinszenierung „Die Geschichte vom Soldaten“ kann das Jugendtheater Brandenburg nun schon zum zweiten Mal international auf sich aufmerksam machen. Die Crossover- Produktion ist für den diesjährigen PAPAGENO AWARD nominiert, dem internationalen Jugendtheaterpreis der Reiman Akademie. Mit dem „PAPAGENO AWARD” werden herausragende schauspielerische Leistungen jugendlicher Schauspieler im Alter von 12 bis 21 Jahren gewürdigt. Neben der gesamten Inszenierung sind weiterhin nominiert: Daniel Fuhrmann (Bester Hauptdarsteller), Fritz Schulze (Bester Nebendarsteller) und Lisa Marquart (Beste Nebendarstellerin). Am 29. März 2014 werden sie im Mozarteum in Salzburg die Gruppe um Christiane Ziehl vertreten und dem großen Preis entgegenfiebern. Der PAPAGENO AWARD ist die höchste Auszeichnung für Jugendtheater mit jugendlichen Protagonisten. Mit ihm soll der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden, dass es viele junge Menschen gibt, die sich vorbildlich in die Schaffung von Kunst einbringen. Demnach soll er ein Licht auf die Leistungen der jungen Schauspieler und auf die wertvolle Arbeit aller Jugend-Theatermacher werfen.

 
Weitere Aufführungstermine der Cross-Over-Produktion des Jugendtheaters mit Mitgliedern der Brandenburger Symphoniker „Die Geschichte vom Soldaten“:
Montag,  10. März 2014 um 19.30 Uhr
Dienstag, 11. März 2014 um 19.30 Uhr
Studiobühne 
 
—| Pressemeldung Brandenburger Theater |—

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