Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, ALCINA – Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 25.02.2020

Februar 25, 2020 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

ALCINA –  Georg Friedrich Händel

….. am Anfang war der Zauber …

von Albrecht Schneider

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Aus dem Schatten, den die barocke Figur des Instrumental- und Oratorienkomponist Georg Friedrich Händel mit Alcina auf die musikalische Landschaft legt, tritt der gleichnamige Opernkomponist nicht gerade häufig hervor. Die zu seiner Zeit das musikalische Theater vorzugsweise darstellende Opera seria schätzte den Bühnenzauber durchaus, nutzte also die damaligen technischen Möglichkeiten der Illusionsmaschinerie. Ihre Stoffe rekrutierte sie vorwiegend aus der Mythologie, da in deren hehrem Personal die Souveräne Abziehbilder eigener Großartigkeit zu sehen und zu hören wünschten. Es war der Opera seria als Hofoper aufgegeben, als ästhetischer Verklärungsapparat von Herrschertugenden herhalten zu müssen; in dieser Tradition stand noch Mozart, der mit seiner Oper La Clemenza di Tito, indessen ordentlich honoriert, dem just inthronisierten Kaiser Leopold II zu huldigen hatte. Für die allerletzte ihrer Art mag Benjamin Brittens anlässlich von Elisabeth II Thronbesteigung 1953 geschriebene Krönungsoper Gloriana gelten. Mit ihr wird der jungen Königin Vorgängerin und Namenscousine Elisabeth I freilich weniger strahlend und abgehoben als irdisch schwankend szenisch und musikalisch abgemalt.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Die Inselkönigin und Zauberin Alcina verwandelt die Männer, die es auf ihr verruchtes Eiland verschlagen hat, post festum in wilde Tiere wie auch in allerlei Pflanzen und Gesteinsarten. Woher die drastische Verfahrensweise der Dame rührt, enthüllt die Oper nicht, weswegen es sich trefflich spekulieren lässt, ob ihre Galane sich im Bett womöglich als Taugenichtse erwiesen haben oder sie schlichtweg wie eine prämoderne Radikalfeministin verfährt, die den Männern jene Rollen zuweist, die ihrer Ansicht nach deren Grundausstattung repräsentieren.

Alcina – Georg Friedrich Händel
youtube Trailer Deutsche Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Allein die Gegebenheiten ändern sich entscheidend, als der Ritter Ruggiero dort und bei ihr landet, folglich Herrscherin und Besucher sich heftig ineinander verlieben oder eher: sie sich gegenseitig geradezu verfallen. Im Liebesrausch vergisst sie die ganze Zauberei und er, dass daheim die Braut Bradamante seiner harrt. Mit deren Auftauchen im Reich Alcinas, um den abgängigen Verlobten in die Realität zurückzuholen, setzt die Oper ein. An ihrem Ende hat sie ihn mit viel Plackerei aus der Magierin Liebesbanden befreit und mit den eigenen zu seinem mutmaßlichen Heil gefesselt, zudem sich die Königinschwester Morgana mit dem eingeborenen Inselbewohner Oronte verbunden. Deren Glück kommt nicht so einfach zustande, weil Bramante vorerst als Mann auftritt und sogleich zum Ziel von Orontes Begierde wird. Zu guter Letzt entrinnen alle zusammen dem Herrschaftsgebiet der königlichen Hexe, die nunmehr als ein aller Liebe beraubtes, um alle Macht und alle Magie gebrachtes trostloses Weib samt nichtswürdigem Imperium dem Blick entschwindet.

Dieses äußere Spiel das Irrungen und Wirrungen ist handlungsarm; das Entscheidende vollzieht sich in der Innenwelt aller Beteiligten, die sich freilich öffnet mit rund vierzig Rezitativen und Arien als permanenten Affektentladungen.

Schauplatz ist nicht mehr die sinnenbetörende aber unselige „Insel des Barock“, sondern Strandbar und Hotelterrasse als Tummelplätze des heutigen Hedonismus’. In einem derartigen mondänen Milieu vermutet die Regisseurin Lotte de Beer die Sozialisation ihrer negativen Heldin und verortet sie auf Dauer auch deswegen dort, weil dieser Raum es ihr ermöglicht, allen destruktiven Gelüsten ungestört zu frönen, bis, ja, bis sie eben in glühender Liebe zu diesem Mann entbrennt und schließlich metaphorisch selbst darin verbrennt.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Beniamin Pop als Melisso, Elena Sancho Pereg als Morgana, Andrés Sulbarán als Oronte. © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Beniamin Pop als Melisso, Elena Sancho Pereg als Morgana, Andrés Sulbarán als Oronte. © Jochen Quast

Kunstgerecht und überzeugend hat die Regie vereint mit Christof Hetzer (Bühne), Jorine van Beek (Kostüm) und Alex Brok (Licht) die alte Geschichte einer Femme fatale, ein Habitus, der auf dem Theater und in der Literatur unausweichlich ins Verderben führt, in eine gleichsam bebilderte, also auch sichtbare Herzenssprache übertragen. Solcher das Schöpfungswunder Mann bedrohender und bisweilen geradezu auffressender Frauen werden die Herren im wahren Sinn des Wortes nur Herr mittels Gewalt: Schwert, Scheiterhaufen, Beil, Messer sind die gängigen Techniken, sofern sich nicht sogar der Meeresboden öffnet und sie verschlingt. Was jedoch kaum Wunder nimmt, da derartige Frauengestalten Jahrtausende hindurch in Männerhirnen geboren wurden.

Mitarbeit am Schicksal der negativen Heldin Alcina leisten in in diesem Magnetfeld der Leidenschaften, sich gegenseitig anziehend und wieder abstoßend, der wenig ritterliche, zunächst liebesblinde wie liebestaube Ruggiero, seine unbeirrbare und resolute Braut Bradamante, die von Hose zu Hose schwirrende Alcinaschwester Morgana und als deren letzte Zuflucht der gelegentlich intrigante Oronte.

Alcina Regisseurin Lotte de Beer © IOCO

Alcina Regisseurin Lotte de Beer © IOCO

Die vier von der Stimme her grandiosen Künstlerinnen und von der Erscheinung her bezaubernden (kein fauler Zauber!) Frauen singen sich allesamt wahrlich die Seele aus dem Leib. Davon unberührt dürfte kein Gemüt aus dem Opernhaus in die Nacht hinausgewandert sein. Der Sopranisten Jacquelyn Wagner Töne reflektieren alle Gemütszustände der Alcina: vom Hochgefühl der Liebe bis zur Verzweiflung der Zwölfachteltaktklage: „Mi restano le lagrime – Mir bleiben nur die Tränen“. Man ist hier geneigt mitzuweinen. Mit ihrem „Verdi prati, selve amene – Grüne Wiesen, liebliche Wälder“ singt die Mezzosopranistin Maria Kataeva ein bisschen Frühlingsahnung ins Halbrund des Opernhauses, eindrücklich und makellos gestaltet sie die Hosenrolle des Ruggiero (Die Partie hatte einst der Tenor Fritz Wunderlich in einer CD Aufnahme übernommen). Die Koloraturketten eines „Vorrei vendicarmi – Ich möchte mich rächen“ der tatkräftigen Bradamante (Wallis Giunta) klingen unheilschwanger nicht allein in den Ohren des wankelmütigen und verhexten Heiratskandidaten, sondern ebenso in denen des Auditoriums. Ihn mahnt mit dunkler Männerstimme „Pensa a chi – Denke an sie“ der bradamantische Leibwächter Melisso (Beniamin Pop), indessen der unberechenbaren Oronte (André Sulbarán) ihn mit „Semplicetto! a donna credi – Einfaltspinsel! du vertraust einer Frau“ angiftet. In des maulenden Patrons Herz glaubt die flatterhafte Morgana der Shira Patchornik (aus Wiesbaden für die erkrankte Elena Sancho Pergel bravurös eingesprungen), sich mit melancholischen Tönen „Credete al mio dolore – Glaubt mir meinen Schmerz“ neuerlich einschleichen zu können.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Wallis Giunta als Bradamante, Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Wallis Giunta als Bradamante, Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Zum Ende des dreiaktigen Dramma per Musica, nachdem der Knabe Oberto (Maria Carla Pino Cury) die Zauberin mit „Barbara – Unmenschliche“ niedergesungen hat und dessen in einen Löwen verwunschener Vater in seine Originalgestalt zurückkehren durfte, finden die drei Hauptaktricen Alcina, Ruggiero und Bradamante sich – eine Rarität in der Opera seria – zu einem Terzett zusammen, um ordentlich miteinander zu hadern. Schließlich ist es ein Chor – auf der barocken Opernbühne ebenfalls nicht oft anzutreffen –, der mit >Ogni mal si cangia in bene – Alles Böse wandelt sich in Gutes< das Publikum wieder mit der realen und bedauerlicherweise nur gelegentlich zauberhaften Welt versöhnt.

Für die Dacapoarien braucht es einen langen Atem. Die in Larghettobögen wie attackierenden Perioden auskomponierten Affekte, lyrisch oder dramatisch formuliert, verlangen neben einer überzeugenden Darbietung Händelscher Musiksprache zudem Empathie der Künstlerinnen für ihre Figuren, damit sie lebendig, damit aus Noten Menschen werden. Regie und Gesang gelangen zu einer grandiosen Darstellung gemeinsam mit der rund dreißig Instrumentalisten zählenden, auf den angehobenen Orchestergraben platzierten Neuen Düsseldorfer Hofmusik. Das Ensemble, historischer Aufführungspraxis verpflichtet und darum mit Darmsaiten, nachgebauten Blasinstrumenten und Theorbe (Basslaute) aufspielend, schafft einen satten und stets transparenten Klangraum, in dem vernehmbar alle Vokalisten sich bestens aufgehoben wissen, und der einen Schwarm Besucher derart verzückt, um – leider – in die Arien hineinzuklatschen. Ein Extrabravo verdient sich die Continuogruppe.

GMD Axel Kober, aus Hamburg nach einem Dirigat von Verdis Falstaff zurück und problemlos aus der Sphäre einer Commedia lirica des späten Neunzehnten Jahrhunderts in die einer Opera seria des frühen Achtzehnten wechselnd, führt mit formenden Händen die Musiker durch die mal gewichtige mal beschwingte, mal düstere und mal lichtere Partitur, jeder ihrer Stimmen wird Gehör geschenkt; gemessen und wieder sprudelnd wie ein Fluss strömt und tanzt die Musik vorüber. Abermals begeistert eine Aufführung, die bloßlegt, wie genial Händel das antiquierte Opernmodell aus Schema und Konvention herauskomponiert hat, und es ist einzigartig, was für ein Stück quicklebendigen Theaters das Orchester, der Dirigent und besonders die brillante Künstlerschar aller Arten aus dem Werk miteinander zu machen verstehen.  Angemessen großer Applaus.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Alcina – Georg Friedrich Händel, 14.02.2020

Januar 10, 2020 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

  Zauberoper Alcina – Georg Friedrich Händel – an der Rheinoper

Neuinszenierung von Lotte de Beer

Premiere 14. Februar 2020

Nach der Erfolgsproduktion Xerxes widmet sich die Deutsche Oper am Rhein in dieser Spielzeit wieder einer Oper von Georg Friedrich Händel und feiert am Freitag, 14. Februar, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf die Premiere von Alcina.

Die Zauberin Alcina herrscht über eine Insel der Lüste. Mit betörenden Sirenengesängen zieht sie Männer in ihren Bann, verführt und verwandelt sie, wenn sie ihrer überdrüssig ist, in Steine, Pflanzen oder Tiere. Auch Ruggiero verliebt sich in die geheimnisvolle Fremde, doch seine Verlobte Bradamante macht sich auf den Weg, ihn zu finden …

Deutsche Oper am Rhein / Alcina - Elena Sancho Pereg (Morgana) und Maria Kataeva (Ruggiero) © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Alcina – Elena Sancho Pereg (Morgana) und Maria Kataeva (Ruggiero) © Andreas Endermann

Die Regisseurin Lotte de Beer – erstmals an der Deutschen Oper am Rhein zu Gast – interessiert sich für die Psychologie hinter der Magie und Sinnlichkeit der Zauberoper Alcina, in der fast alle Charaktere Liebe mit Geltung, Besitz und narzisstischem Verlangen verwechseln. Die Niederländerin arbeitet im Team mit dem Bühnen­bildner Christof Hetzer, der Kostümbildnerin Jorine van Beek, dem Lichtdesigner Alex Brok und den Videokünstlern von fettFilm.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Generalmusikdirektor Axel Kober freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Barock-Spezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik und ein von starken Frauen angeführtes Sängerensemble: Jacquelyn Wagner, die das Publikum in Düsseldorf schon als Arabella, Desdemona und Feldmarschallin begeisterte, gibt ihr Rollendebüt als Alcina, die Mezzosopranistin Wallis Giunta gastiert als Bradamante in Düsseldorf. Maria Kataeva, die 2019 bei Operalia in Prag den zweiten Preis und den Publikumspreis gewann, debütiert als Ruggiero, Elena Sancho Pereg als Morgana. Andrés Sulbarán spielt Oronte, Beniamin Pop den Melisso.

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Münster, Theater Münster, Alcina von G. F. Händel, IOCO Kritik, 14.3.2017

März 17, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

„Lob der leichtherzigen Liebe“

Alcina: Händels Zauberoper rätselhaft und gefällig

VON HANNS BUTTERHOF

Theater Münster / Alcina - Henrike Jacob hat frühere Liebhaber in Tiere verwandelt © Oliver Berg

Theater Münster / Alcina – Henrike Jacob hat frühere Liebhaber in Tiere verwandelt © Oliver Berg

Nur gute zwei Stunden dauert Händels Zauberoper Alcina an Münsters Großem Haus. Ohne Chor, Ballett und Nebenfiguren wird der Blick frei auf das Beziehungsgefüge der handelnden Personen, die in Liebe, Lust und Eifersucht miteinander verstrickt sind.

Regisseur Sebastian Ritschel macht es dem Publikum nicht leicht, sich zurechtzufinden. Wichtige Informationen über die Ausgangslage fehlen, und auch die Absicht der Inszenierung bleibt undeutlich. So muss sich jeder das vor allem innere Geschehen aus den intensiv langen monologischen Arien zusammensetzen.

Alcina (Henrike Jacob) erscheint in ihren Arien nicht als kriminelle Erotomanin, obwohl sie einmal auf der Hinterbühne mit ihren verflossenen, wie in Trance agierenden Liebhabern im Bett zu sehen ist. Aber ihren Liebes- und Treueschwüren zu ihrem gegenwärtigen Lover Ruggiero (Lisa Wedekind) muss man nicht trauen. Erst als sie glühend vergeblich um ihn kämpft, wird ihre Liebe glaubhaft. Da verliert sie ihren Zauber und ist statt dämonisch böse nur mitleidserregend.

Theater Münster / Alcina - Henrike Jacob - Ihre Zauberkraft schmilzt © Oliver Berg

Theater Münster / Alcina – Henrike Jacob – Ihre Zauberkraft schmilzt © Oliver Berg

Ruggieros verblendete Liebe zu ihr trägt anfangs noch deutliche Züge der Selbstzufriedenheit. Er verlässt Alcina für seine Verlobte Bradamante (Charlotte Quadt), die ihn mit ihrem Begleiter Melisso (Filippo Bettoschi) im Namen von  Ehre, Pflicht und Mitleid aus Alcinas Reich heimholen möchte. Seine Zustimmung hört sich weniger nach erfüllter Liebe als nach Flucht vor der fordernd auflodernden Liebe Alcinas an.

Das einzige wirklich glückliche Paar der Oper sind Alcinas Schwester Morgana (Eva Bauchmüller) und Oronte (Youn-Seong Shim), der trotz ihrer blitzartigen Verliebtheit in den als Mann verkleideten Bradamante an seiner Liebe festhält. Ihr fesselndes Geheimnis ist, dass sie so spontan bleibt und nicht in einengender Konventionalität erstarrt.

So hat Morgana die am wenigsten dramatischen, aber weich fließenden Arien, die Eva Bauchmüller mit nahezu flowerpowerlich gelöstem Sopran singt. Als ob Händel der leichtherzigen Liebe huldigen und die Angst der Männer vor tiefer fraulicher Liebe offenlegen wollte.

Theater Münster / Alcina - Morgana und Oronte © Oliver Berg

Theater Münster / Alcina – Morgana und Oronte © Oliver Berg

Wieso sich diese Variationen von Liebe in einem frostig schönen Palast mit Wänden aus Eis (Bühne: Markus Meyer) abspielen, bleibt wie manches andere rätselhaft. Aber es schmilzt zauberhaft schön, als Alcinas Liebe dramatisch aufglüht und ihr Reich vergeht.

Das Sinfonieorchester unter Attilio Cremonesi spielt eher verhalten wie zu einem Konzert bei Hofe. Es begleitet und trägt die Sängerinnen und Sänger mehr, als dass es deren Gefühlslagen noch einmal kräftig ausmalt. Vor allem Henrike Jacob erhält für ihre etwas kühl angelegte Alcina viel Beifall, gleich gefolgt von Eva Bauchmüller und Charlotte Quadt, deren Mezzo etwas schwach für einen überzeugenden Bradamante ist. Applaus auch für Youn-Seong Shim, der mit warmem Tenor seine Koloraturen ebenso meistert wie der Bariton Filippo Bettosci seine einzige Arie als mahnender Melisso.

Alcina im Theater Münster: Weitere Vorstellungen 31.3. und 12.4.2017 jeweils 19.30 Uhr, 9.4.2017 15.00 und 23.4.2017 19.00 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

Cottbus, Staatstheater Cottbus, Premiere: ALCINA von Georg Friedrich Händel, 14.03.2015

cottbus.jpg 
Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

 ALCINA von Georg Friedrich Händel

Unbekannter Librettist nach Ludovico Ariost
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln und deutschen Rezitativen

PREMIERE Samstag, 14. März 2015, weitere Vorstellungen:

In einem Elysium, einem Reich der großen Glücksverheißung, regiert Alcina, eine faszinierend schöne, reiche und mächtige Frau. Die einen nennen sie Fürstin, andere gar Zauberin, so groß ist ihre Wirkung auf Männer. Zuletzt verfiel ihr der junge Ruggiero, dem aber auch sie in besitzergreifender Liebe verfallen ist. Ruggiero hat allen Willen und alle Erinnerung verloren. Auch seine Verlobte Bradamante, die ihn verzweifelt sucht, kennt er nicht mehr. Wenn Bradamante ihn nun findet, beginnt ein Befreiungskampf auf Leben und Tod, denn Alcina bringt jeden Eindringling, der sich ihr nicht unterwirft, mit tödlichem Zauber um.

Grab Georg Friederich Händel im Westminster Abbey London © IOCO

Grab Georg Friederich Händel im Westminster Abbey London © IOCO

Die Musik dieses 1735 in London uraufgeführten Spätwerkes Alcina gehört zum Schönsten, was Georg Friedrich Händel je komponiert hat. Sie erweist zugleich auch die große psychologische Meisterschaft dieses Giganten der oft verkannten Musikdramatik des Barock.

Musikalische Leitung Ivo Hentschel, Regie Sam Brown
Bühne Simon Holdsworth, Kostüme Ilona Karas, Choreinstudierung Christian Georgi
Choreographie Rachel Lopez de la Nieta, Dramaturgie Klaus-Edgar Wichmann
Regieassistenz AnnaLisa Canton, Musikalische Assistenz Frank Bernard, Christian Georgi, Bo-Kyoung Kim, André Cipowicz, Andreas Simon

BESETZUNG:
Alcina, eine Zauberin Laila Salome Fischer
Ruggiero, ein Ritter Alexander Geller
Morgana, Alcinas Schwester Debra Stanley
Bradamante, Ruggieros Braut, verkleidet als ihr eigener Bruder Ricciardo Marlene Lichtenberg
Oberto, Sohn des Paladins Astolfo, auf der Suche nach seinem Vater Jeannette Wernecke
Oronte, Heerführer Alcinas, Geliebter Morganas Matthias Bleidorn, Dirk Kleinke
Melisso, Bradamantes Vertrauter Ingo Witzke, Jörn E. Werner

Damen, Pagen, Dienerinnen, junge Ritter, Zauberwesen,, Geister der Unterwelt Damen und Herren des Opernchores und des Ballettensembles

Es spielt das Philharmonische Orchester.

Premiere 14. März 2015;  Weitere Vorstellungen:
22.03.2015, Sonntag, 19:00 Uhr, 02.04.2015, Donnerstag, 19:30 Uhr, 14.04.2015, Dienstag, 19:30 Uhr, 01.05.2015, Freitag, 19:30 Uhr, 03.06.2015, Mittwoch, 19:30 Uhr

—| Pressemeldung Staatstheater Cottbus |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung