Halfing, Immling Festival 2019, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 30.07.2019

Juli 30, 2019 by  
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Immling Festival

Immling Festival / Don Giovanni - Anastasia Churakova und Modestas-Sedlevicius © Verena von Kerssenbrock

Immling Festival / Don Giovanni – Anastasia Churakova und Modestas-Sedlevicius © Verena
von Kerssenbrock

Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart

– ungeliebtes Kind wird zum Mörder und Frauenheld –

von Daniela Zimmermann

Das populäre Immling Festival, auf Gut Immling bei Halfing, im bayerischen Chiemgau von Traunstein und Rosenheim gelegen, bietet Kulturliebhabern vom 22.6. – 18.8.2019 in intimer wie liebevoller ländlicher Atmosphäre ein reiches wie vielseitiges Programm: Liederabende, Musical (Shrek), eine Operngala für „Stars von morgen“, große Opernproduktionen und mehr. IOCO besuchte in Immling die Neuinszenierung von  Mozarts Oper Don Giovanni.

1786 schuf Wolfgang Amadeus Mozart  Don Giovanni, gemeinsam mit Lorenzo Da Ponte, welcher nicht nur als gesuchter Librettist bekannt war. Da Ponte begleitete auch, ein wenig passend zur Oper Don Giovanni, der Ruf eines genusssuchenden Lebemannes. Verena von Kerssenbrock inszenierte Don Giovanni für das Immling Festival; sie gestaltete das Bühnenbild relativ einfach aber doch originell: viele Türen, öffnen und schließen sich beständig. Durch diese Türen kommen und gehen in bunten Facetten  Suchende, Versuchende, Verführer.

Immling Festival / Don Giovanni - Ensemble © Verena von Kerssenbrock

Immling Festival / Don Giovanni – Ensemble © Verena
von Kerssenbrock

Don Giovanni ist heute Sinnbild für einen rücksichtslosen Verführers, Draufgänger, dem in grenzenloser Skrupellosikeit moralische Werte fremd sind. Warum, wie wurde Don Giovanni so rücksichtslos, ohne moralische Werte? Mit Beginn der Immlinger Inszenierung zeigt Regisseurin Verena von Kerssenbrock Verwerfungen auf, welche zu Don Giovannis maskuliner Gewaltbereitschaft, zu dessen Rücksichtslosigkeit  führen:   ein ohne Wärme, ohne Werte, ohne Mutterliebe aufgewachsener Mensch. Zur Ouvertüre von Don Giovanni zeigt die Bühne einen roten Stuhl, auf dem eine schwarz gekleidete Frau, die ihr Kind, Giovanni, mal in den Arm nimmt, dann aber wieder grob wegstößt, unnahbar bleibend. Aus solch traumatischer Kindheit entwickelt sich der Mann, welches zum alles verachtenden, rücksichtslosen Don Giovanni erwächst.

Das Operngeschehen in Immling zeigt mit Beginn einen dramatischen Verlauf. Donna Anna entflieht knapp einer Vergewaltigung; ihr herbeieilender Vater, der Komtur wird von Don Giovanni ermordet. Donna Anna und ihr racheschwörender Verlobter Ottavio sind aber nicht allein. Verzweifelt enttäuscht mit ihrem Brautkleid im Arm sucht auch Donna Elvira, Farooz Razavi, ihren treulosen Verlobten, Don Giovanni. Ihr dunkler schöner Sopran passt zu ihrer traurigen und so schändlich unerfüllten Liebe. Don Giovanni, (Modestas Sedlevicius), elegant, großspurig, raffiniert, an der Jacke mit Pelzkragen und an den roten Schuhen zu erkennen, eilt von  Abenteuer zu Abenteuer, während sein Diener Leporello, Ilya Lapich, hilft und dokumentiert per Handy und an Hand von Schuhen die zahlreichen Liebschaften. Ilya Lapich ist ein wunderbarer Komödiant und mit wohltimbriertem Bass ausgestatteter Sänger. So enthüllt Leporello den Hintergrund der Bühne, eine riesige Schuhwand, bestückt mit hunderten  Schuhen in allen Farben und Größen: die Trophäensammlung des Don Giovanni, seines Herrn. Die Ausdruckskraft dieser Schuhwand beschreibt den liebestollen Charakter des Don Giovanni in plastischer Vielfalt.

Immling Festival / Don Giovanni - Modestas Sedlevicius und Forooz-Razavi © Verena von Kerssenbrock

Immling Festival / Don Giovanni –
Modestas Sedlevicius und Forooz-Razavi © Verena
von Kerssenbrock

Lussine Levoni ist Donna Anna mit lyrischem sicherem Sopran; Jenish Ysmanov, als ihr Verlobter Don Ottavio, überzeugt stimmlich mit kräftig  warmem Tenor: die von ihm abverlangten Rachegelüste seiner rachedurstigen  Anna sind aber – herrlich dargestellt – nicht sein Ding: Don Ottavio spielt in blauen Jackett lieber Golf als sich mit einer Pistole an Don Giovanni zu rächen.

Und dann die junge Zerlina, (Anastasia Churakova); ein junges Mädchen aus dem Volk, welches sich durch die Avancen des Don Giovanni verehrt fühlt, und diese (er zaubert ein Brautkleid vom Himmel), von schlechtem Gewissen gegenüber Mazetto geplagt, nur zögerlich erwidert. Zerlinas Bräutigam Mazetto, von Simon Duus mit breitem Bass ausgestattet, durschaut durchaus Don Giovannis falsches Spiel und sinnt ebenfalls nach Rache. Letztlich rettet Elviras energisches Eingreifen Zerlina davor, ein weiteres Opfer Don Giovannis zu werden.  Alle Menschen in dieser Oper besitzen so unterschiedliche Charaktere; doch durch ihre Liebes- und Lebensbeziehungen sind sie alle untereinander verbunden. Lorenzo Da Ponte schuf ein wahrhaftig mitreißendes Libretto für Mozarts Oper.

Der Geist des ermordeten Komtur, von Tuncay Kurtoglu eindrucksvoll mit großem Bass dargestellt, bewirkt das Ende von Don Giovanni: er fordert Don Giovanni auf sich zu ändern und sein Handeln zu bereuen. Doch Don Giovanni fehlt jegliche Einsicht für sein rücksichtsloses Tun; trotz der Todesdrohung weigert sich sich zu ändern, zu bereuen. So wird seine folgende Höllenfahrt, sein Tod, zur gerechten Strafe für selbstsüchtiges, unmoralisches , rücksichtsloses Leben.

Darsteller, Inszenierung und Cornelia von Kerssenbrock mit dem Immlinger Festivalorchester begeisterten das Publikum; dessen Beifall wohl weit hinein ins Chiemgau zu hören war.

Don Giovanni wird auf Gut Immling im Rahmen des Festivals an folgenden Terminen gespielt:  27.7., 2.8.; 9.8.2019

—| IOCO Kritik Immling Festival |—

Halfing, Immling Festival, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, 19.07.2019

Juli 15, 2019 by  
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Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni - Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni – Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Premiere mit Schurken-Charme in Immling –  19. Juli 2019

Don Giovanni  –  Wolfgang Amadeus Mozarts

 

Die dritte große Neuinszenierung des diesjährigen Immling Festivals (22. Juni bis 18. August) feiert Premiere am Freitag, 19. Juli um 19 Uhr im Festspielhaus Immling. Unter der musikalischen Leitung von Cornelia von Kerssenbrock spielt das Festivalorchester Immling. Verena von Kerssenbrock setzt Mozarts Don Giovanni in Szene: „Die `Oper aller Opern` ist eine regelrechte Charakterstudie verschiedenster Typen, die alle durch das Thema Liebesbeziehung miteinander verwoben sind. Mozart legte großen Wert auf Emotion und detailliertes Schauspiel, was in seiner Zeit gänzlich unüblich war. Wir können das aber gerade mit diesem Ensemble wunderbar zeichnen. Leporello wird das Publikum in die Machenschaften seines Herrn ziemlich schnell mit hineinziehen. Bei aller Verführung sollten die Zuschauer größte Vorsicht walten lassen, offenbaren sich in unserer Deutung doch auch ganz eigene Sammelleidenschaften…

Immling Festival / Don Giovalnni - Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni – Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von

Zum Werk: Skrupelloser Liebhaber und Mörder – Don Giovanni, der Frauenverführer aus Sevilla, kennt keine moralischen Grenzen und erobert mit brennender Leidenschaft tausende Frauen. Sein Lebensziel ist es, dasjenige weibliche Wesen zu erobern, in welches er gerade verliebt ist – ohne Rücksicht auf Verluste. Doch seine gierige und rastlose Jagd bleibt nicht ohne Konsequenzen. Und am Ende sind sich gebrochene Herzen, gehörnte Ehemänner und entehrte Väter einig: „Fahr zur Hölle!“

Don Giovanni bildet einen Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen. Das Werk sprüht vor Energie und Charme, bewegt sich elegant zwischen der komischen Welt der Opera buffa und der düsteren Sphäre des Dämonischen – und lässt uns tief in die menschliche Seele blicken.

Informationen zur Neuinszenierung vo Don Giovanni:

Musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock
Inszenierung und Bühnenbild: Verena von Kerssenbrock
Kostüme: Sanna Dembowski
Lichtdesign: Arndt Sellentin
Dramaturgie: Florian Maier

Festivalchor Immling
Festivalorchester Immling
Don Giovanni: Modestas Sedlevi?ius
Der Komtur: Tuncay Kurto?lu
Donna Anna: Lussine Levoni
Don Ottavio: Jenish Ysmanov
Donna Elvira: Forooz Razavi
Leporello: Ilya Lapich
Masetto: Simon Duus
Zerlina: Anastasia Churakova


Interview mit Modestas Sedlevi?ius


„Mozarts Musik fließt aus mir heraus“

Modestas Sedlevi?ius – der Don Giovanni in Immling 2019

Stimmfach: Bariton. Geboren 1987 in Kaunas/Litauen. Studierte Chemie mit Abschluss Bachelor und begann parallel seine Gesangsausbildung. Modestas Sedlevi?ius spielte in Immling u.a. den Orpheus in der Immlinger Inszenierung von Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ 2017 und 2018. In diesem Jahr ist er als Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper beim Immling Festival zu sehen. Premiere ist am 19. Juli um 19 Uhr im Festspielhaus.

Beim Internationalen Gesangswettbewerb Immling haben Sie 2017 neben dem 3. Preis auch den Preis für die beste Interpretation einer Mozart-Arie erhalten. Mozart verzeiht ja bekanntlich keine Fehler. Was bedeutet Ihnen Mozart?

Ich habe eine Mozart-Arie aus „Cosi fan tutte“ gesungen, „Rivolgete a lui lo sguardo“ – eine sehr lange, aber schöne Arie mit vielen Nuancen. Mozart hatte sie in der Oper gestrichen und durch eine kürzere ersetzt. Ich habe sie dennoch gewählt, denn mit dieser Arie kann ein Sänger gut spielen. Mozart ist für mich ein sehr cleverer Komponist. Seine Musik bietet mir an, wie ich singen muss, dann fließt seine Musik einfach aus mir heraus. Ich liebe es, Mozart zu singen. Deshalb freue ich mich besonders darauf, in diesem Jahr in Immling den Don Giovanni zu interpretieren.

Apropos Don Giovanni: Skrupelloser Frauen-Liebhaber und Mörder. Was reizt Sie an Ihrer neuen Rolle in Immling?

Die Rolle des Don Giovanni beinhaltet viele Rezitative, ein Gesang der ja dem Sprechen angenähert ist. Die Rolle ist eine Herausforderung, weil ich sprechen, singen und schauspielern muss. Ich kann dem Publikum viele Geschichten erzählen.

Was ist das für eine Figur, der Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper?

Don Giovanni stellt vieles dar – das kommt auf die Inszenierung an.

Zum einen kann ihn die Inszenierung als schlechten Menschen zeigen, einen problembeladenen Jäger. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, einen Mittelweg zu finden, ihm eine schwierige Kindheit zu attestieren, so dass alle seine Eroberungen sozusagen als Mutterersatz zu betrachten sind. Auch eine positive Darstellung ist denkbar. Dann liebt er einfach – im Sinne dieses Wortes – alle Frauen gleichermaßen. Egal ob sie groß oder klein, dick oder dünn, gebildet oder nicht gebildet sind. Don Giovanni liebt sie einfach.

Was zieht Sie nach Immling?

Ich mag die Umgebung, ich mag das Kulturhotel Endorfer Hof mit all seinen Räumlichkeiten. Der Endorfer Hof bietet mir die Möglichkeit, jeden Tag in einem Raum mit Klavier zu üben.

Außerdem bietet mir Herr Intendant Baumann genau die Rollen an, die ich interpretieren möchte. Ich kann mir im Moment nichts Besseres vorstellen, als den Don Giovanni zu singen.


Weitere Informationen:

Don Giovanni, der Frauenverführer aus Sevilla, kennt keine moralischen Grenzen und erobert mit brennender Leidenschaft tausende Frauen. Seine gierige und rastlose Jagd bleibt jedoch nicht ohne Konsequenzen…

„Don Giovanni“ bildet einen Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen. Das Werk sprüht vor Energie und Charme, bewegt sich elegant zwischen der komischen Welt der Opera buffa und der düsteren Sphäre des Dämonischen – und lässt uns tief in die menschliche Seele blicken.

Musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock
Inszenierung und Bühnenbild: Verena von Kerssenbrock
Kostüme: Sanna Dembowski
Lichtdesign: Arndt Sellentin
Dramaturgie: Florian Maier

Festivalchor Immling
Festivalorchester Immling

Don Giovanni: Modestas Sedlevi?ius
Der Komtur: Tuncay Kurto?lu
Donna Anna: Lussine Levoni
Don Ottavio: Jenish Ysmanov
Donna Elvira: Forooz Razavi
Leporello: Ilya Lapich
Masetto: Simon Duus
Zerlina: Anastasia Churakova

Veranstaltungsort: Festspielhaus

Werkeinführung
mit Festival-Dramaturg Florian Maier

Einzigartig in Immling: Die Werkeinführung „open air“ im idyllischen Apfelgarten neben dem Festspielhaus. Jeweils 60 Minuten vor Beginn jeder Opernvorstellung führt Dramaturg Florian Maier in die Besonderheiten der Immlinger Inszenierungen ein.

Alle Aufführungstermine auf einen Blick:
Fr. 19.7.2019 | 19.00 Uhr (Premiere)
Fr. 2.8.2019 | 19.00 Uhr
Sa. 27.7.2019 | 18.00 Uhr (mit Verleihung Pocci-Preis)
Fr. 9.8.2019 | 19.00 Uhr

Spielplan und Tickets unter www.immling.de oder Tel. 08055 – 9034 0.

—| Pressemeldung Immling Festival |—

Immling, Immling Festival 2018, Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck, IOCO Kritik, 07.08.2018

August 7, 2018 by  
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Gut Immling

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck

– Opernfestival auf Gut Immling –

Von Daniela Zimmermann

Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787)  und Rainieri de Calzabigi (Libretto) entlehnten ihr Werk, Orpheus und Eurydike, der griechischen Mythologie. Der thrakische Sänger Orpheus möchte seine geliebte Eurydike durch betörenden Gesang der Unterwelt entreißen. 1762 in Wien mit dem Altkastraten Gaitano Guadagni als Orpheus uraufgeführt folgt Gluck in seiner Komposition dieser „Reformoper“ der Dramaturgie des Libretto. So gibt bereits die dreiteilige Arienszene im ersten Akt der Oper Stimmungen und Gefühle der Handlung für die damalige Zeit noch ungewohnt emotional und berührend wieder. Während bis dahin Rezitative weniger gefühlsstark meist nur vom Generalbass begleitet wurden, folgt in Orpheus und Eurydike den Rezitativen das ganze Orchester, mit all seinen Instrumenten den Aussagen des Librettos.

Ludwig Baumann versetzt als Regisseur seine Inszenierung das vorbarocke Stück in unsere jetzige Zeit; strukturiert es mit psychologisch analytischer Aura. 2017 war Premiere, 2018 Wiederaufnahme im Rahmen des IMMLING FESTIVAL.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Die Sopranistin Maryna Zubko ist nicht nur eine hinreissende Eurydike aber auch veritable Konzertpianistin; so wurde die Oper um eine persönliche Zugabe erweitert. Alles beginnt mit einem unerwarteten wie fröhlichen Hauskonzert: Eurydike (Maryna Zubko) am Klavier spielt Claire de lune;  Orpheus (Modestas Sedlevicius) singt lyrisch ergreifend Schubertsleise flehen meine Lieder“. Ein glückliches Paar, in ihrer geliebten Musik vereint. Doch dann hüstelt Eurydike und stirbt. Gluck bringt in seinem Werk den antiken Mythos der ewigen Liebe zum Ausdruckt. Orpheus und Eurydike gleichen so ihrem italienischen Pendant, Romeo und Julia.

Die Inszenierung auf Gut Immling verkörpert nicht mehr griechischen Mythos sondern Jetztzeit, das Heute. Mit der Beerdigung der geliebten Eurydike setzt Glucks Oper ein. Der Sarg wird auf die Bühne durch den Mittelgang getragen, begleitet von den Trauergästen gleich Chor: eindrucks- wie ausdrucksvoll. Der Chor unterlegt die Handlung  in gesanglichem wie darstellerischem Ausdruck. Eurydikes Bilder im Hintergrund verstärken die ergreifenden Empfindungen während der Trauerfeier.

Orpheus bleibt in tiefer Trauer zurück und fällt in Depressionen und Phantasien. Den Verlust der geliebten Eurydike will und kann er nicht akzeptieren. So begibt er sich zu psychotherapeutischer Behandlung in eine Geistesheilanstalt. Eine Zwangsjacke spiegelt Eingeengte wider, der Gedanken, des Wesens. Amor (Rachel Croach, Sopran) tritt als Psychoanalytiker auf und verleiht die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Eurydike. Er darf ins Schattenreich vordringen, um sich Eurydike zurückzuholen, allerdings mit Auflagen.

Gut Immling – Orpheus und Eurydike – youtube Trailer
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Diese Szenen spielen sich zumeist im Hörsaal der Psychatrie ab. Der Festvalchor unterlegt die Handlung stimmlich wie darstellerisch: in weiß als Mitkranke oder als tote Unterweltbewohner oder als aktives Personal der Klinik. Dazu interpretieren Zombies tanzend  den seelischen traurigen Zustand der Patienten. Choreographie Andrea, Robert und Tanja Honner.

Zur pathologischen Aufarbeitung muss Orpheus seine Eurydike wiedersehen: Sie wird aus einem Todesschlaf gerissen; der lebenden Welt schon entrückt muss sie sich wieder mit den Gefühlen des Lebens auseinander setzen. Ihre Wiedersehensfreude mit Orpheus ist überschwänglich. Orpheus´ Schmerz gegenüber seinen bestehenden Auflagen, die sie nicht kennt, sind letztlich so groß, dass Orpheus dem nicht mehr gewachsen ist und versagt. Eurydike stirbt ein zweites Mal.

„Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden  als wenn wir lieben, niemals hilfloser, als unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.“ Sigmund Freud.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Amor schreitet als Psychotherapeutin nun ein. Orpheus verkraftet einen weiteren Tod seiner Eurydike nicht und versucht sich das Leben zu nehmen, um im Tod mit ihr vereint zu sein. Diese absolute Treue Orpheus´ belohnt Amor, denn Trauer und Verzweiflung sind nun pathologisch aufgearbeitet: Orpheus darf Eurydike in die Arme fallen und verlässt die Psychiatrie als geheilt verlassen.

Es gehört zum Charisma von Gut Immling, junge Sänger zu fördern, zu protegieren und ihnen eine künstlerische Plattform zu geben. Alle drei Solisten (Orpheus, Eurydike, Amor) sind Gewinner des Lions Gesangswettbewerb. Der helle, warme Bariton von Modestas Sedlevicius als Orpheus gab Gefühle, Leidenschaft und Verzweiflung ergreifend wieder. Doch ebenfalls überzeugend sicher und voller Emotionen waren auch Maryna Zubko als Euridyke und  Rachel Croach als Amor.

Evan Alexis Christ  leitete das kleine Festivalorchester Immling sensibel, filigran. Die Basis bildet ein Kammerorchester aus Tiflis, ergänzt durch internationale Instrumentalisten. Musikalisch einfach stark und spannend.

Gut Immling mit seinen Opernproduktionen, seinen Konzerte ist etwas besondere: Hier vereinigen sich Natur und Musik. Es ist eine besondere Atmosphäre; geprägt von der herrlichen Landschaft des Chiemgaus, einem naturverbundenen Festspielhaus und  künstlerisch hohem Niveau. Das Immling Festival  wurde so inzwischen zum populären „Geheimtipp“, um anspruchsvolle Kultur in unverbrochener Natur zu erleben und zu genießen.

—| IOCO Kritik Gut Immling |—