Berlin, Sopranistin Barbara Krieger im Gespräch, IOCO Interview, 04.08.2019

August 5, 2019 by  
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Barbara Krieger - Sopranistin © Ildiko Kürty

Barbara Krieger – Sopranistin © Ildiko Kürty

Barbara Krieger

Barbara Krieger – Sopranistin 

im Gespräch mit IOCO / Michael Stange:  Gesang, Interpretation, Freude an der Musik, Organisation von Kulturevents

Barbara Krieger, in Wiesbaden geboren und aufgewachsen, ist eine charmante, leidenschaftliche, kluge und zugewandte Künstlerin. Fulminant bewältigt sie italienisches und deutsches Repertoire mit Rollen wie Leonore (Fidelio) Aida, Amelia (Maskenball) Salome, Arabella und Isolde. Hinzu kommt ein umfangreiches Konzert- und Liedrepertoire. Ferner organisiert sie Konzerte, engagiert sich in karitativen Projekten und ist eine profunde Musikkennerin. Breite Medienaufmerksamkeit errang sie unter anderem durch eine CD-Veröffentlichung von Werken gefallener Komponisten des 1. Weltkrieges. In Liedern des englischen Komponisten Cecil Coles überzeugte sie mit lyrischem Klang und inniger Interpretation. Ein großes Ereignis war im vergangenen Jahr ihre Isolde, in einer konzertanten Aufführung des 2. Aktes in Bukarest mit Marius Vlad und Aura Twarowska unter der Leitung Julien Salemkours; ihre Stimme verströmte in der Rundfunkübertragung  unglaubliche Ruhe und Wärme verströmte. Barbara Krieger nahm die Höhen der Begrüßungsszene mit leuchtendem, strahlendem und voluminösem Klang. In allen dramatischen Momenten ruhte die an sich lyrische Stimme in sich. Klangschönheit paarte sich mit brennender Intensität. Barbara Krieger kehrt auch nach ihren dramatischen Ausflügen selbstverständlich in das Konzertrepertoire zurück. So sang sie im Berliner Dom jüngst eine umjubelte Mozart c-Moll Messe.

Im Gespräch  mit IOCO offenbarte Barbara Krieger  ihre bisherige Karriere und künftige Pläne.

  1. Was waren ihre ersten Berührungspunkte mit Musik in der Kindheit und welche musikalischen Erfahrungen haben Sie als Jugendliche gesammelt?

BK: Mein Vater stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Obwohl er kein Berufsmusiker ist, spielt er fünf Instrumente. Als kleines Kind hat er gemeinsam mit mir häufig die Zauberflöte für Kinder unter Karl Böhm gehört. Als ich bei meinem ersten Opernbesuch in der Zauberflöte in Wiesbaden die Arie der Königin der Nacht hörte, bin ich dann peinlicherweise aufgesprungen und habe mitgesungen (ein frühes, peinliches Rollendebüt). Mein Musiklehrer im Gymnasium war auch Kantor in unserer Kantorei. Dort habe ich viel in Messen und Oratorien gesungen, was mir einen Einblick in die Musik der Renaissance bis hin zur Romantik gegeben hat. In der 5. Klasse haben wir die Meistersinger von Nürnberg durchgenommen mit allen Themen und Motiven. Gekrönt wurde das mit einem Opernbesuch und seitdem war mir klar, dass ich Sängerin werden will.

Barbara Krieger - Sopranistin © Chrisian Fritsch

Barbara Krieger – Sopranistin © Chrisian Fritsch

  1. Vor dem Gesangsstudium haben Sie Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaften studiert. Welchen Einfluss hatte das für Sie, wie haben Sie das Studium und erste Schritte in den Beruf erlebt und was hat sich im Karriereverlauf geändert?

BK: Natürlich sagen alle Eltern erst einmal, man müsse etwas vernünftiges Lernen. Das habe ich dann auch gemacht. Mir war aber immer klar, dass ich danach Sängerin werden wollte. Beworben hatte ich mich für das Studium in Paris, Wien und Salzburg und bekam auch von überall Zusagen. Nach meinem ersten Studium fühlte ich mich mit meinen 22 Jahren steinalt, so dass ich mich entschied, nach Salzburg zu gehen. Grund war, dass ich davon ausging, dass dort um 7 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt würden und ich mich dadurch auf das Studium konzentrieren könne und nicht von einer Stadt mit ihren mannigfaltigen Angeboten abgelenkt würde. Mein Gesangsprofessor war Bariton KS Rudolf Knoll, ein sehr guter Lehrer. Für die Vorbereitung auf die Praxis waren die stimmliche Ausbildung und die übrigen Komponente wie Darstellung und derartige Fächer eine gute Grundlage.

Gewünscht hätte ich mir rückblickend allerdings einen größeren musiktheoretischen Teil, weil mir das Wissen um Struktur und Musiktheorie die Vorbereitung auf die Musik und die Rollen ungemein erleichtert. Das gilt übrigens nicht nur für Sänger. Mein Sohn, zum Beispiel, hat großes Talent für Musik. In der Schule wurde ihm aber nicht einmal vermittelt, was ein Sonatenhauptsatz ist. Gerade die Grundlagen über Werke klassischer Musik und beispielweise die Kenntnis von Liederzyklen wie Schöne Müllerin oder der Winterreise und den theoretischen Aufbau finde ich nicht nur musikalisch, sondern auch sprachgeschichtlich eminent wichtig. Wenn man als Kind diesen Zugang zu den Wurzeln der klassischen Literatur und Musik nicht bekommt, dann wird es schwierig, sich später mit der sogenannten ernsten Musik zu identifizieren und hinein zu finden. Konzerthörer, die wissen, dass beispielsweise in der Exposition das thematische Material vorgestellt wird, können das Wechselspiel der Haupt- und Seitenthemen viel besser verfolgen. Die Konzerterfahrungen können so anhand bekannter Muster besser miterlebt und intensiver genossen werden. Diese Grundlagen kommen mir im heutigen Lehrplan zu kurz.

Nach dem Studium wollte ich dann in die Welt hinaus. Mir schien sinnvoll, mich bei einem Gesangswettbewerb in Mailand, dem renommierten AS.LI.CO. Gesangswettbewerb der Mailänder Scala, anzumelden. Mir war klar, dass die Konkurrenz im italienischen Fach zu groß war und um mich von den Mitbewerberinnen abzusetzen. Deshalb habe ich mich auf Strauss und Wagner konzentriert und dafür einen Preis erhalten. In Folge dessen wurde ich an die Wiener Staatsoper engagiert, was eine große Erfahrung war, weil ich mit phantastischen Kolleginnen wie zum Beispiel Hildegard Behrens oder Rolando Panerai auf der Bühne stand.

Natürlich passieren jungen Sängern die seltsamsten Dinge. Als ich mit 27 für Aida vorsang, bot man mir Elektra an. Das ist selbstverständlich Selbstmord, weil man bei derartigen Experimenten froh sein, kann, wenn man mit 30 Jahren überhaupt noch sprechen kann.

Eine weitere wichtige Erfahrung schon zu Beginn des Studiums war auch, was schief gehen kann und wie wichtig Umsicht und gute Vorbereitung sind. Im ersten Semester war ich für Mozarts C-Dur Messe engagiert und es fand vor dem Konzert nur eine kurze Probe statt. Dort stellte ich dann fest, dass ich die falsche C-Dur Messe gelernt hatte. Das führte natürlich zu einem jämmerlichen Auftritt. Seitdem bin ich immer übervorbereitet und lege großen Wert auf die Rückversicherung durch beispielsweise Werknummern. Ich glaube auch, dass stimmliche Sicherheit und eine intensive Beschäftigung mit und Vorbereitung auf das Werk Grundlage für eine inwendige Gestaltung sind. Zudem bin ich dadurch weitgehend von Lampenfieber verschont, weil ich vor Auftritten durch die Vertrautheit mit der Rolle nicht unsicher bin.

Heute ist eine extrem gute Vorbereitung für die Karriere noch wichtiger. Die Zeiten, in denen Studium und die Fortentwicklung der Partien noch in den Proben stattfanden, sind nach meinem Eindruck wegen den immer knapperen Finanzmitteln vorbei. Bei meiner ersten Salome begann die Probe damit, dass wir gemeinsam mit dem Regisseur den Text der Oper aus einem lasen und uns dann über 8 Wochen das Werk aneigneten. Heute sind wegen des knappen Budgets viel weniger Proben möglich, so dass Sänger und Orchester extrem perfekt vorbereitet sein müssen.

Mir kommt das entgegen, da ich bei Proben häufig ungeduldig bin aber gerade für junge Kolleginnen und Kollegen wäre eine Unterstützung bei Rollenstudium während der Probenzeiten sehr hilfreich für ihre Entwicklung.

Berliner Dom  / hier sang Barbara Krieger Mozarts c-Moll Messe © IOCO

Berliner Dom / hier sang Barbara Krieger Mozarts c-Moll Messe © IOCO

  1. Sowohl im letzten Berliner Konzert mit Mozarts c-Moll Messe als auch in Ihrer Bukarester Isolde wurden Sie für Ihr silbernes, jugendliches Timbre, ihre solide Tiefe, die runde Mittellage und Ihre sicheren Höhen gelobt. Sie verfügen über eine sehr runde ausgeglichene und in allen Registern ansprechende Stimme, die in ihrer technischen Beherrschung an große Sängerinnen der Vergangenheit erinnert. Wie haben Sie das erreicht, hören Sie z. B. alte Platten, wie entwickeln Sie sich weiter und wie haben Sie zum Beispiel die Isolde studiert?

BK: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Gesangscoach! Als etwas erfahrenerer Sänger weiß man sofort, welcher Coach passt und welcher eher nicht. Und das sowohl bei Gesangslehrern, als auch bei Korrepetitoren. Für mich ist das Arbeiten mit Reiner Goldberg perfekt. Nach seiner großen Tenorkarriere ist er heute noch als Lehrer tätig und ist ein begnadeter und liebevoller Pädagoge. Seine technischen Tipps und das Auflockern und Entspannen der Stimme selbst in den kleinsten Pausen und seine übrigen Hinweise haben meine Entwicklung quasi beflügelt. Natürlich lernt man schon früh auf der Atemsäule zu singen und andere technische Grundlagen, aber daran muss man ständig arbeiten und sich fortentwickeln. Deshalb bin ich über die Begegnung mit ihm und seinen Unterricht sehr glücklich. Außerdem verstehen wir uns auch auf menschlicher Ebene sehr gut, lachen viel miteinander und nehmen das Leben nicht zu ernst.

Meine Rollen habe ich immer gut vorbereitet und bin seit den Verwirrungen bei Mozarts C-Dur Messe noch vorsichtiger geworden. Das hat den Vorteil, dass die Rollen tief sitzen und haften bleiben. Salome habe ich länger nicht gesungen, aber als ich vor kurzem in einem Konzert den Schlussgesang sang, war die Rolle sofort wieder präsent. Ich bin lieber übervorbereitet, als etwas dem Zufall zu überlassen und auf der Bühne die Nerven zu verlieren.

Letztes Jahr kam eine Anfrage für eine Isolde in Venezuela. Daraufhin habe ich mich sofort an das Rollenstudium gemacht und mir die Partie in fünf Monaten erarbeitet. Die unglaubliche Vielfalt und Tiefe der Musik hat sich mir beim Rollenstudium noch mehr offenbart und dadurch konnte ich die Rolle in mir fließen lassen. Ich habe mich jeden Tag 2 Stunden gelernt und mit meinem Korrepetitor studiert.

Erst wenn die Partie für mein Empfinden sitzt, höre ich mir zur Abrundung Aufnahmen an. Ansonsten neige ich dazu sowohl Interpretation als such Fehler zu übernehmen. Zur Isolde in Venezuela ist es dann aufgrund politischer Umstände nicht gekommen. So war ich sehr froh über das Angebot aus Bukarest. Der Konzertsaal des Rundfunks ist wie es Rundfunksäle eben sind akustisch sehr trocken aufgebaut und für die Sänger ist es unglaublich schwer sich selbst zu hören, da die Akustikwände den Schall absorbieren. Das war ein tüchtiger Schreck und eine immense Herausforderung für. Mit Ruhe und absoluter Fokussierung auf technische Details ließ sich das aber dann gut bewältigen. In so einer Situation, ist es wichtig, sich stark zu konzentrieren und über die nötige innere Ruhe zu verfügen. Genau dann ist kein Spielraum für Angst und Panik.

Ein wichtiger Punkt ist auch, wenn es im Leben allgemein mal nicht so gut läuft, sich selbst am Schopf zu packen uns seinem Spiegelbild zuzulächeln, Schwierigkeiten optimistisch anzugehen und mit positiver Energie zu meistern. In meinem Freundeskreis habe ich Menschen, die trotz schwerster Schicksalsschläge eine sprühende Energie und Lebensfreude versprühen, die mich staunen macht und die für mich vorbildlich ist.

Diese Paarung von Disziplin, Konzentration, seriösem Studium, Lebensfreude und das Meistern von Lebenskrisen sind für mich sowohl wichtige Komponenten für das Leben als auch für eine erfüllte Gesangslaufbahn.

Barbara Krieger - Sopranistin hier mit José Cura © Chrisian Fritsch

Barbara Krieger – Sopranistin hier mit José Cura © Chrisian Fritsch

  1. Sie sind auch findig im Erschließen von Unbekanntem. Auf CD haben sie Lieder des im 1. Weltkrieg Gefallenen Cecil Coles eingesungen. Entdecken Sie gern musikalische versunkene Schätze und machen Neues?

BK: Ich bin schon immer wissbegierig und neugierig gewesen und hatte vielfältige Interessen. Meine Urgroßmutter, die 101 wurde, hat mir noch von den Zeiten des Kaiserreichs erzählt. Der 100. Jahrestag des 1. Weltkriegs war mir auch wegen der heutigen politischen Lage wichtig, die große Parallelen zur damaligen Situation in Europa hat.

In Großbritannien und Frankreich wird seinem Ende anders gedacht, als in Deutschland. Für England und Frankreich war der erste Weltkrieg „The Great War“, in Deutschland sind während des zweiten Weltkriegs solch ungeheuerlichen Schrecken passiert, dass die Gräuel des ersten Weltkrieges in unseren Erinnerungen dagegen verblasst sind. England gedenkt der vielen Opfer beider Weltkriege und der umgekommenen Soldaten mit dem Remembrance Day. Als Zeichen dafür wird am 11. November – also dem Tag des Kriegsendes – eine Mohnblume am Revers getragen. Für mich war der hundertste Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs ein wichtiger Anlass, auch einiger dort umgekommener großer Musiker zu gedenken. Das Besondere bei Cecil Coles ist zudem, dass er zutiefst deutsch sozialisiert war. Ab 1908 studierte er Komposition in Stuttgart, war dort an der Oper tätig und kehrte 1914 nach England zurück, um gegen die Deutschen zu kämpfen; und in diesem Krieg umzukommen. Gerade sein Schicksal zeigt die Sinnlosigkeit und Tragik des Krieges. Manche seiner Kompositionen sind völlig vergessen. Vieles sandte er seinem Lehrer Gustav Holst, der es in seinem Büro in Edinburgh auf seinem Aktenschrank verwahrte. Diese Arbeiten sind dann erst vor wenigen Jahren bei Renovierungsarbeiten des Konservatoriums in Edinburgh gefunden worden. So auch die fünf Lieder nach Gedichten von Paul Verlaine. Julien Salemkour hat das dann orchestriert und die Aufnahmen und die Konzerte waren tolle Erfahrungen. Eine vertiefte Entdeckungsreise zu verlorenen Komponisten ist immer interessant aber auch zeitintensiv. Nicht alles ist verlorengegangen, weil es eben des Weitergebens nicht wert war, sondern auch aus anderen, häufig tragischen Gründen.

Eine andere zeitintensive Beschäftigung mit Musik ist der Liedgesang, der mir sehr viel bedeutet, weil man in dem kleineren Rahmen dem Publikum viel näher ist als auf der Opernbühne. Auch diese absolute transparente Form des Musizierens mag ich sehr.

Geht man aus den üblichen Kulturstätten heraus erschließt sich auch ein neues Publikum.

Viel Spaß hat mir die Wiederentdeckung des Zehlendorfer Primus-Saales gemacht, wo ich einige Jahre Konzerte veranstaltet habe und ich tolle Erfahrungen gesammelt habe.

Barbara Krieger © Martin Lengemann

Barbara Krieger © Martin Lengemann

  1. Sie sind stark engagiert in gemeinnützigen und Kulturprojekten. Zu nennen sind u. a. die Beethoven Aufführungen die Sie ab 2016 mit dem Syrian Expat Philharmonic Orchestra realisiert haben. Ihre Berliner Kammerkonzerte haben Sie ja bereits erwähnt. Was waren das für Erfahrungen und welche Tipps können Sie für derartige Initiativen geben?

BK: Als die Menschen aus dem syrischen Bürgerkrieg flüchteten, war mir klar, dass unter den Geflüchteten natürlich nicht nur Klempner, Schreiner, Ärzte und andere Akademiker waren, sondern auch Musiker. Mit Julien Salemkour entwickelte ich die Idee, sie zu unterstützen und mit dem hiesigen Kulturleben zu vernetzen, d. h. die geflüchteten Musiker beim Abschluss neuer Engagements zu unterstützen, um hier Fuß fassen zu können. Bei vielen ist das gelungen, einige sind sogar Professoren an europäischen Hochschulen geworden. Um die geflüchteten Musiker aufzuspüren, haben wir teilweise mit Hilfe von Musikern des East West Divan Orchesters u. a. über facebook entsprechende Kontakte bekommen und ein Orchester auf die Beine gestellt. Die Idee waren Aufführungen von Beethovens Fidelio und der 9. Sinfonie mit der „Ode an die Freude“, die an Brüderlichkeit beziehungsweise Solidarität gemahnt.

Höhepunkt waren zwei Fidelio Aufführungen im European Solidarity Centre in Gdansk während des Solidarity of Arts Festivals. Polen ist ja nicht gerade dafür berühmt, Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen. Mir waren diese Auftritte daher wichtig. Das alles zu organisieren war anstrengend aber es war und ist ein gelungenes, fröhliches Projekt.

Es war eine tolle Stimmung auf der Werft, wo Solidarnosc und auch die Freiheit Polens begonnnen haben. Toll war auch, dass Lech Walesa beim Konzert war.

Der Saal in Zehlendorf ist so, dass er mit Sofabestuhlung Platz für 450 Menschen bietet. Die Besucher konnten während den Konzerten in lockerer Atmosphäre auch etwas trinken. Um selbst so etwas zu veranstalten braucht einen gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbaren Raum. In jedem Fall ist ein starker Werbepartner notwendig, um Publikum anzuziehen. Entscheidend sind Darbietungen von hoher Qualität, damit die Besucher Konzerte und Atmosphäre und genießen und wiederkommen. Dafür bedarf es eines Netzwerks von Künstlern, um ein Programm zu erstellen oder man muss sich vorher entsprechend umtun. Dieses Herzensprojekt musste ich leider aufgeben, da es so viel Zeit in Anspruch genommen hat, dass ich selbst kaum noch zum Musizieren kam.

So etwas selbst zu organisieren ist ein großer Kraftakt, aber auch ungemein erfüllend. Daher kann ich nur jeden dazu ermuntern – besser im Team – so etwas auf die Beine zu stellen.

  1. Was sind Ihre nächsten Pläne und Projekte und welche Erfahrungen haben Sie noch mit und durch die Musik gemacht?

BK: Besonders große Freude bereitet es mir Menschen durch Musik direkt anzusprechen, ihre Emotionen zu wecken. Bei der von Ihnen angesprochenen Mozart c-Moll Messe beispielsweise war es nach dem Verklingen des letzten Akkordes lange Zeit völlig still, bis dann nach einer gefühlten Ewigkeit der Applaus aufbrandete. In diesem Moment der großen Spannung war mir bewusst, dass wir das Publikum erreicht hatten und zwar mitten ins Herz nicht nur oberflächlich. Ich habe durch die Musik international viele Freunde gewonnen, nicht nur im Kollegenkreis, sondern auch beim Publikum. So habe ich zum Beispiel vor Jahren ein Ehepaar aus Bonn kennengelernt, mit dem ich jetzt gut befreundet bin und die mir zu fast jedem Konzert nachreisen. Ich freue mich immer ungemein, wenn ich die beiden im Zuschauerraum sehe und weiß, dass sie den Abend genießen.

Meine nächsten Pläne sind breit gefächert:  Die Isolde in Bukarest war ein großer Erfolg und nächstes Jahr werden wir dort Schönbergs Erwartung machen. Demnächst steht ein Abend mit Grieg Liedern an. Im Sommer, d. h. am 31. August 2019 nehme ich an einem Open-Air-Konzert in Dresden mit René Pape und Peter Seiffert teil. Im Herbst mache in Stuttgart ein Mozart Requiem, in Berlin ein Verdi Requiem, eine Missa Solemnis und bin auch in Verhandlungen für eine Fidelio Leonore im Beethoven Jahr 2020.

—| IOCO Interview |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Herbstfestspiele Baden-Baden, 2018, 23.11. – 02.12.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Herbstfestspiele Baden-Baden 2018

Offenbach trifft Beethoven in Baden-Baden

Die Baden-Badener Herbstfestspiele 2018 (23. November bis 2. Dezember) feiern zwei Komponisten, die auf den ersten Blick wenig verbindet: Ludwig van Beethoven und Jacques Offenbach. An beide Genies wird in Kürze erinnert – Offenbachs 200. Geburtstag wird 2019 begangen, und das große Beethoven-Jahr (250. Geburtstag) steht 2020 an. Ihre Visionen veränderten die Musikwelt: Ludwig van Beethoven definierte sowohl die Sonatenform neu und schuf Sinfonien, die zum Kern des menschlichen Kulturerbes zählen, während Jacques Offenbach die Operette und eben auch die Oper zu neuen Höhen führte – mal gesellschaftlich bissig, mal psychologisch tiefgründig. Große Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit interpretieren zentrale Werke dieser Komponisten zwischen dem 23. November und dem 1. Dezember 2018 im Festspielhaus Baden-Baden.

Sonderkonzert mit Anna Netrebko – 29.11.2018

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Im Mittelpunkt der Baden-Badener Herbstfestspiele steht eine konzertante Aufführung der Oper Hoffmanns Erzählungen (Les contes d’Hoffmann) unter der Leitung des französischen Dirigenten Marc Minkowski. Am Sonntag, 25. November, um 17 Uhr versammeln sich dazu Stars wie Olga Peretyatko (Sopran), Luca Pisaroni (Bariton) und Charles Castronovo (Tenor) sowie der Philharmonia Chor Wien und Les Musiciens du Louvre in Baden-Baden. Bei dieser Aufführung sollte das Wort „konzertant“ allerdings nicht zu ernst genommen werden. Marc Minkowski und die Sänger planen, die turbulente Handlung auch durchaus bewegt auf die größte deutsche Opernbühne zu bringen, so dass das Publikum nicht nur die wunderbare Musik dieser Oper genießen kann, sondern auch ihre leicht skurrile Handlung leichter nachvollzieht. Offenbachs einzige Oper zählt zu den intelligentesten Kompositionen der Romantik, wenngleich sie durch Offenbachs Faible für die Operette lange Zeit nicht ernst genommen wurde. Marc Minkowski, der sich als Könner und Kenner im Bereich der historischen Aufführungspraxis viele Meriten verdient hat, möchte das allein schon durch die berühmte „Barcarole“ bekannte Werk durchaus neu befragen.

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Schließlich galt Offenbach wie Beethoven als Komponist, der bekannte Grenzen überschritt und das Publikum seiner Zeit dadurch vor so manches Rätsel stellte, es aber auch brillant unterhielt. Minkowski, zurzeit Opernchef in Bordeaux, bringt zur Baden-Badener Aufführung sein famoses Spezialensemble Les Musiciens du Louvre mit. Die Solisten sind in Baden-Baden wohlbekannt. Olga Peretyatko brillierte hier sowohl als Adina in „L’elisir d’amore“ wie als Violetta in „La traviata“. Charles Castronovo war als Faust in Boitos „Mefistofele“ zu hören und sang die Titelpartie in Charles Gounods „Faust“ unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Luca Pisaroni ist in Baden-Baden als Leporello unvergessen – gab aber auch schon einige Konzerte mit seinem Schwiegervater Thomas Hampson.

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

[Von Janine Jansen wurden verschiedene Aufnahmen bei der Decca Classics veröffentlicht.]

Eroica und Missa solemnis
Ludwig van Beethovens dritte Sinfonie, die Eroica wird zum Auftakt der Herbstfestspiele am 23. November 2018, um 20 Uhr vom Swedish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding aufgeführt. Im gleichen Konzert interpretiert die niederländische Geigerin Janine Jansen das Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg. Und nachdem Sir András Schiff am Freitag, 30. November 2018 das erste Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer gespielt hat, leitet der belgische Beethoven-Experte Jan Caeyers am Samstag, 1. Dezember 2018, um 18 Uhr die Missa solemnis aus Beethovens Feder. Caeyers gilt als intimer Kenner des Beethoven-Ouvres und schrieb das viel beachtete Buch „Beethoven: Der einsame Revolutionär“. Auf seine  Interpretationen ist das Konzertpublikum in Baden-Baden besonders gespannt, gründete Caeyers doch extra für seine Lesart der Musik des in Bonn geborenen Komponisten (1770-1827) ein eigenes Orchester: Le Concert Olympique.

 Anna Netrebkos Sonderkonzert ergänzt prominent besetztes Festival.
Das vor kurzem angesetzte Sonderkonzert mit Anna Netrebko und weiteren Opernstars ergänzt das Programm der Herbstfestspiele am Donnerstag, 29. November 2018 um 20 Uhr. Anna Netrebko (Sopran), Yusif Eyvazov (Tenor), Dolora Zajick (Mezzosopran) und Elchin Azizov (Bariton) werden von der Baden-Badener Philharmonie begleitet. Noch gibt es Tickets.

Kammermusik rundet das Programm ab
Aus Baden-Baden nicht mehr wegzudenken sind junge internationale Künstlerinnen und Künstler, die im „Rising Star“-Programm der Organisation ECHO (European Concert Hall Organisation) erste Schritte auf den ganz großen Podien machen. Am Montag, 26. November um 19 Uhr gastiert der „Rising- Star“ und katalonische Bariton Josep-Ramon Olivé bei einem „Konzert hinter den Kulissen“ im Festspielhaus. Besucher des Konzerts erhalten auch eine Eintrittskarte zur aktuellen Ausstellung „Die Brücke“ im Museum Frieder Burda, in dessen Rahmen der Künstler ursprünglich auftreten sollte. ECHO-Rising Star Kian Soltani (Violoncello) spielt mit Freunden und Verwandten am Mittwoch, 28. November 2018 um 20 Uhr europäische und persische Musik im Rahmen eines „Entdeckerkonzertes“ im Festspielhaus Baden-Baden. Das letzte Konzert der Herbstfestspiele 2018 ist eine Sonntags-Matinee. Am 2. Dezember um 11 Uhr spielen Jean-Guihen Queyras (Violoncello) und Alexandre Tharaud (Klavier) Werke von Bach, Scarlatti und Brahm


PROGRAMM 
Herbstfestspiele
23. November – 2. Dezember 2018
Programmübersicht

Freitag, 23. November 2018, 20 Uhr
Daniel Harding: Eroica –  Janine Jansen & Swedish Symphony Radio Orchestra
Daniel Harding, Dirigent,  Janine Jansen, Violine
Swedish Radio Symphony Orchestra

Programm:
Hector Berlioz
Ouvertüre „Chasse royal et orage“ aus Les Troyens
Alban Berg
Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“
Ludwig van Beethoven
„Eroica“ Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

Samstag, 24. November 2018, 18 Uhr
Les Musiciens du Louvre
Marc Minkowski, Dirigent
Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy
„Die Hebriden“ Ouvertüre h-Moll op. 26
„Schottische“ Sinfonie a-Moll op. 56
„Italienische“ Sinfonie A-Dur op. 90

Sonntag, 25. November 2018, 17 Uhr 
Offenbach: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN  –  Konzertante Oper
Marc Minkowski, Musikalische Leitung
Charles Castronovo, Hoffmann
Olga Peretyatko, Olympia, Giulietta, Antonia, Stella
Luca Pisaroni, Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Dr. Miracle
Aude Extremo, La Muse, Nicklausse
Mathias Vidal, Andrés, Cochenille, Pitichinaccio, Frantz
Aurelia Legay, Stimme von Antonias Mutter
Marc Mauillon, Hermann, Schlémil
Jean Vincent Blot, Luther, Crespel
Christophe Mortagne, Nathanaél, Spalanzani
Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh)
Les Musiciens du Louvre

Montag, 26. November 2018, 19 Uhr
Konzert hinter den Kulissen – Lieder und Texte passend zum Expressionismus der „Brücke“- Zeit
Josep-Ramon Olivé, Bariton
Jordi Armengol, Klavier
Programm:
Lieder aus Katalonien von Robert Gehrhard, Eduard Toldra u. a.
Ort NEU: Festspielhaus Baden-Baden

Mittwoch, 28. November 2018, 20 Uhr
Kian Soltani & Shiraz Ensemble – Klassische europäische und persische Musik
Kian Soltani Violoncello, Kamantsche
Shiraz Ensemble:
Khorso Soltani Ney, Duduk
Farshad Soltani Kamantsche, Setar
Sepideh Raissadat Gesang
Fardjam Derakhshani Tar
Mohamad Ghavihelm Tombak, Da

SONDERKONZERT 
Donnerstag, 29. November 2018, 20 Uhr
Arien, Duette und Ensembles aus Opern von Giuseppe Verdi
Mazza . Netrebko . Zajick . Eyvazov . Azizov
Michelangelo Mazza Dirigent
Anna Netrebko Sopran
Dolora Zajick Mezzosopran
Yusif Eyvazov Tenor
Elchin Azizov Bariton
Philharmonie Baden-Baden


Freitag, 30. November 2018, 20 Uhr
Sir András Schiff & Budapest Festival Orchestra
Ivan Fischer dirigiert Dvorak und Beethoven
Ivan Fischer, Dirigent
Sir András Schiff, Klavier
Budapest Festival Orchestra
Antonin Dvorák
Legende op. 59/6
Slawischer Tanz op. 46/5
Opušteny „Der verlassene Liebhaber“ aus Vier Chorlieder op. 29/4
Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
Antonin Dvorák
Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 60


Samstag, 1. Dezember 2018, 18 Uhr
Beethoven: Missa solemnis
Jan Caeyers, Dirigent
Malin Hartelius, Sopran
Dame Sarah Connolly, Mezzosopran
Steve Davislim, Tenor
Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton

Arnold Schönberg Chor (Leitung: Erwin Ortner) Seite 7 von 7
Le Concert Olympique
Ludwig van Beethoven
Missa solemnis D-Dur op. 123

Sonntag, 2. Dezember 2018, 11 Uhr
Jean-Guihen Queyras & Alexandre Tharaud  –  Sonntags-Matinee
Jean-Guihen Queyras, Violoncello
Alexandre Tharaud, Klavier
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 2 d–Moll BWV 1008 für Violoncello solo
Domenico Scarlatti
Auswahl der Klaviersonaten:
Sonate K64, Sonate K132, Sonate K3, Sonate K514, Sonate K481
Johannes Brahms
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-Moll op. 38

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Wuppertal, Historische Stadthalle, Saisonauftakt mit Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 05.09.2015

September 7, 2015 by  
Filed under Kritiken, Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen

Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

Wuppertaler Sinfoniker, Chor und Kamioka in Höchstform

5. September 2015 20 Uhr: In einem der schönsten Konzerthäuser Deutschlands, der spektakulären Historischen Stadthalle Wuppertal. Kein Fremder würde hinter der so brav lautenden Baubeschreibung ein  Konzerthaus vermuten, dessen innere Architektur zu den schönsten Deutschlands zählt. Wegen seiner guten Akustik ist die Stadthalle unter Musikern international sehr beliebt. Zur Blütezeit Wuppertals in 1900 erbaut, bietet es 1500 Plätze und oft außergewöhnliche kulturelle Ereignisse. So auch am 5. September 2015. Allerdings erst nach der offiziellen Eröffnung der Spielzeit 2015/16 durch Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (1955), in der dieser auch den kommenden Wechsel in der Leitung von Oper und Sinfonieorchesters ansprach. Die Entscheidung zur Nachfolge des scheidenden Toshiyuki Kamioka, so Jung, werde voraussichtlich bis März 2016 fallen.

Doch dann beherrschten Sinfonieorchester Wuppertal und sein Dirigent Toshiyuki Kamioka mit Ludwig van Beethoven das „Konzerthaus“ und seine sprachlosen Besucher. Die neun Sinfonien Beethovens, ewig gegenwärtiges Weltkulturerbe, fordert Musikwissenschaftler in aller Welt beständig zu analytischen Herausforderung und Gegenüberstellungen. Die von Intendant Kamioka gewählte Saisoneröffnung 2015/16 mit der 1800 entandenen 1. Sinfonie C-Dur und der 9. Sinfonie d-Moll (1825)  war ebenso aufwendig wie musikalisch anspruchsvoll und begeisternd. Ein gelungener Saisonbeginn, welcher auch Zugereisten wie uns von IOCO mehr Lust auf Wuppertaler Kultur macht.

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Der Uraufführung der Sinfonie Nr. 1 C-Dur am 2. April 1800  in der Wiener Hofburg  war nur ein mäßiger Erfolg. Doch Beethoven spricht das Wiener Publikum an, indem er die Komposition – noch – an populäre Komponisten wie Haydn und Mozart anlehnt; auch die Jupitersinfonie klingt ein wenig durch. Doch, obwohl nur in einem Jahr komponiert, vieles ist kühn darin, unterschied Beethoven schon damals von großen „Kollegen“; so entwickelt er in dieser Sinfonie die Haupttonart C-dur ungewohnt spät. Und so ist die Sinfonie Nr. 1 C-Dur  kompositorischer Beginn der  Sinfonien des Weltgeistes Ludwig van Beethoven; für Jahrzehnte bleibt sie beliebteste Sinfonie Beethovens. Dies änderte sich mit Beginn des 20. Jh.: Beethoven war in der öffentlichen Wertung zu einem überirdischen Musik-Titan avanciert. Seine 1. Sinfonie wollte einem Weltgeist nicht zu recht passen, sie verlor ihre Popularität.

 Wuppertal Stadthalle © Lars Langemeier

Wuppertal Stadthalle ©   Lars Langemeier

 Die Komposition der 9. Sinfonie dauerte dagegen zehn Jahre. Seit 1815 komponierte Beethoven an Themen, aus welchen letzlich die 9. Sinfonie entstand. Kompositions-anlass war letztendlich ein Auftrag der Londoner Philharmonic Society, welche ihn 1817 bat, zwei Sinfonien zu schreiben. Die Uraufführung der 9. Sinfonie fand nicht in London sondern in Wien statt, der Stadt in der er schon sehr gebrechlich lebte. Die Uraufführung   am 7. Mai 1824 im Kärntnertortheater bietet bis heute Raum für zahllose Anekdoten: . Neben der Neunten wurde noch die Ouvertüre zu Die Weihe des Hauses und Teile der Missa Solemnis aufgeführt. Die musikalische Leitung hatte der Kapellmeister Michael Umlauf. Der inzwischen taube Beethoven trotzdem darauf bestanden, die Neunte selbst zu dirigieren. Auf Programmheften wurde als eine Art Nebendirigent angekündigt mit den Worten. Die Musiker richteten sich allerdings nicht nach Beethoven, welcher neben Dirigent Umlauf wild fuchtelte: Hoch empor streckend, tief zur Erde kauernd… Beethoven war aufgeregt. Doch die Neunte wurde zum Erfolg, das Publikum feierte Beethoven.

Bis heute besitzt Beethovens 9. Sinfonie d-Moll ihren herausragenden Platz auch in der realen Welt: Wiedervereinigungsfeier 1989, Aufführung bei zahllosen Staatsakten, seit 1972 Europahymne,  UNESCO Weltkulturerbe: Mit ihrer Ode an die Freude im vierten Satz tönt sie aus zahllosen Handys, bekannt und populär. In dessen Interpretation setzt immer der Dirigent die entscheidenden, oft leider auch gewagte Akzente:

Oper Wuppertal_Intendant Toshiyuki Kamioka © IOCO

Oper Wuppertal_Intendant Toshiyuki Kamioka © IOCO

Toshiyuki Kamioka strukturierte Beethovens Musik transparent und in perfekten Tempi;  von den Wuppertaler Sinfonikern wie dem riesigen Chor bekam er was er forderte, wenn auch gelegentlich eindringlich eingefordert. Die klangliche Balance zwischen Bläsern und Streichern gelang wunderbar, die Gefahr eines Klangbreis mied Kamioka durch große Sensibilität. Die schwierigen Koloraturen der Primgeigen in der Neunten wirkten virtuos sanft, nicht wie exekutierte Fingerübungen. Wunderbar, wie sphrärenhaft sensibel  Kamioka den 3. Satz der Neunten ausklingen und den dramatischen 4. Satz begann. Auch bewahrte Kamioka durch strenge Beachtung der Tempo-Dramaturgie melodische Ausdruckskraft und klassische Interpretation. Die Solisten, Sopranistin Dorothea Brandt, Mezzo Judith Braun, Tenor Marcel Reijans und Bassbariton Olafur Sigurdarson überzeugten in ihren Soli. Großartig, präzise und warm der 150 Sänger unfassende Chor,  welcher stimmlich erstaunlich differenziert und mit prägnant artikulierten Passagen von hoher Eindringlichkeit den Besucher überraschte.

25 Minuten lauter, stehender Beifall war die Bestätigung  für den mitreißend gelungenen Saisonstart in Wuppertal. Vielversprechend besonders für Intendant Kamioka, welcher in seinem letzten Jahr in einer armen Stadt mit radikalen Kostenvorgaben und anderem  kämpfen muss. Wird alles gut, was gut beginnt?  IOCO / Viktor Jarosch / 06.09.2015

 

Dresden, Staatskapelle Dresden, Gedenkkonzert: Christian Thielemann dirigiert das Mozart-Requiem, 13./14.02.2013

Februar 13, 2013 by  
Filed under Pressemeldung, Sächsische Staatskapelle

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden © Matthias Creutziger

Gedenkkonzert der Sächsischen Staatskapelle:

Christian Thielemann dirigiert das Mozart-Requiem

 

Seit 1951 führt die Sächsische Staatskapelle Dresden jeweils am 13. und 14. Februar ein Gedenkkonzert auf und erinnert damit an die Zerstörung Dresdens kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Rudolf Kempe dirigierte damals Verdis Messa de Requiem und begründete damit eine Tradition, die bis heute Bestand hat.
 
Nach dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms im Februar 2003 und Ludwig van Beethovens Missa solemnis im Februar 2010 dirigiert Christian Thielemann in seiner ersten Saison als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in den Gedenkkonzerten das Werk, das als Inbegriff der großen Requiem-Vertonungen in der abendländischen Musikgeschichte gilt: das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart. Als Solisten wirken mit: Genia Kühmeier (Sopran), Christa Mayer (Alt), Daniel Behle (Tenor) und Alastair Miles (Bass). Die Chorpartie wird traditionell vom Sächsischen Staatsopernchor Dresden übernommen.
 
Das Konzert am 13. Februar wird ab 20.05 live auf MDR Figaro gesendet.
 
7. Symphoniekonzert
Zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945
Mittwoch, 13. Februar 2013, 20 Uhr
Donnerstag, 14. Februar 2013, 20 Uhr
Semperoper Dresden
 
Wolfgang Amadeus Mozart
Requiem d-Moll KV 626
Fassung von Franz Xaver Süßmayr
 
Christian Thielemann Dirigent
Genia Kühmeier Sopran
Christa Mayer Alt
Daniel Behle Tenor
Alastair Miles Bass
Sächsischer Staatsopernchor Dresden
Einstudierung: Pablo Assante
 
 
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