Berlin, Philharmonie, Deutsches Symphonie Orchester und Ingo Metzmacher, IOCO Kritik, 16.02.2019

Philharmonie Berlin © H. Schindler

Philharmonie Berlin © H. Schindler

Deutsches Symphonie Orchester Berlin

DSO und Ingo Metzmacher  in der   Philharmonie Berlin

Olivier Messiaen – Dmitri Schostakowitsch

von Julian Führer

Ingo Metzmacher war von 2007 bis 2010 Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und ist nun für ein anspruchsvolles Programm an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. In der gut besetzten Berliner Philharmonie wurde das Publikum erst mit einem religiös inspirierten Werk konfrontiert, anschließend mit einem, wie es Felix Stephan in der Berliner Morgenpost beschrieb, „65-minütigen Schlag in die Magengrube“.

Olivier Messiaens Trois petites liturgies de la présence divine für Soloklavier, Ondes Martenot, Celesta, Vibraphon, Schlagwerk, 36 Soprane und Streichorchester wurden 1943/1944 komponiert und am 21. April 1945 in Paris uraufgeführt. Die bald nach Kriegsende folgende deutsche Erstaufführung stand unter der Leitung von Günter Wand. Die gesungenen Texte haben religiöse Themen zum Gegenstand und stammen vom Komponisten selbst. Nach eigener Aussage Messiaens war mit dem Text keine wörtliche Aussage intendiert, sondern er wollte vielmehr das Mysterium des (katholischen) Glaubens in Klangfarben gießen. Hierzu bediente er sich der damals gerade modischen Ondes Martenot, eines Instrumentes auf der Basis eines Schwebungssummers und mit einem Umfang von mehreren Oktaven. Nathalie Forget bediente dieses Instrument und zeigte, dass mit diesem Mittel einerseits eine Untermalung eines Klangbildes, andererseits aber auch solistische Momente möglich sind.

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie Orchester © Kai Bienert

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie Orchester © Kai Bienert

Die erste Liturgie, die Antienne de la Conversation intérieure, beginnt mit einem Einsatz der Gesangsstimmen „Mon Jésus, mon silence, restez en moi“. Die musikalischen Situationen werden entwickelt, gegen Ende erfolgt eine Art Reprise. In der Solovioline und im Klavier (Cédric Tiberghien) erklingen Vogelstimmen. Das zweite Stück, Séquence du Verbe, cantique divin folgt eher einer Strophenform mit Variationen. Im Zentrum stehen das Klavier und die jetzt selbständigeren Ondes Martenot (teilweise in erheblicher Lautstärke). Am längsten ist die Psalmodie de l’Ubiquité par amour, die wieder die ABA-Form aus der ersten Liturgie aufweist und in zunächst gesprochenen Textpassagen Anklänge an Hohelied und Apokalypse aufscheinen lässt. Das impressionistische Spiel mit den Klangfarben unterstreicht die französische Tradition, in der Messiaen steht. Die Instrumentierung und die affirmativ vorgetragene Spiritualität könnten bei einer mittelmäßigen Aufführung an musikalische Happenings auf Kirchentagen denken lassen, doch bewegte sich die Darbietung auf hohem Niveau. Der Chor (die Damen des Rundfunkchors Berlin) war etwas kleiner als von Messiaen gefordert, aber der anspruchsvollen Aufgabe voll gewachsen. Ein Werk, das wohl nur in weiten Räumen wie der Philharmonie voll zur Geltung kommt und das auf CD- oder anderen Aufnahmen kaum seine Vielfalt ahnen lässt.

Dmitri Schostakowitsch schrieb insgesamt 15 Symphonien. Die 13. Symphonie op. 113 entstand 1962, also fast zehn Jahre nach Stalins Tod, doch in einer Zeit der Blockkonfrontation. Diese zeithistorischen Bezüge werden bei Schostakowitsch immer wieder zur Interpretation herangezogen; in diesem Fall ist dies vielleicht noch mehr berechtigt als sonst. Dmitri Schostakowitsch vertonte in diesem Werk fünf Gedichte Jewgenij Jewtuschenkos. Dieser kürzlich (2017) verstorbene Dichter war jung zu erheblicher Popularität gelangt und wurde durch Übersetzungen bereits zu Anfang der sechziger Jahre auch in Ost- und Westdeutschland bekannt. Sein Gedicht Babi Jar wurde durch keinen Geringeren als Paul Celan übersetzt. Im September 1941 wurden die Juden der Stadt Kiew von der deutschen Besatzungsmacht aufgefordert, sich zu versammeln. Sie wurden dann in die Babi Jar genannte Schlucht geführt und dort erschossen, über 33 000 innerhalb von 36 Stunden. Zwanzig Jahre später befand sich dort weder ein Denkmal noch auch nur ein Hinweis; im Gegenteil, die Sowjetmacht hatte beschlossen, die Schlucht einzuebnen und an dieser Stelle ein Fußballstadion zu errichten. Schließlich wurde stattdessen ein Staudamm erbaut. Jewtuschenkos Gedicht beginnt mit den Zeilen Es steht kein Denkmal über Babi Jar. Die steile Schlucht mahnt selbst als Grabstein. In mir wächst Angst. Die erste Zeile ist eine direkte Kritik an der latent antisemitischen Haltung der Sowjetmacht, über das Massaker kein Wort zu verlieren. Dmitri Schostakowitsch las das 1961 publizierte Gedicht und meldete sich beim damals noch nicht dreißigjährigen Jewtuschenko mit der Frage, ob er das Gedicht vertonen dürfe. Jewtuschenko glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, bejahte dann aber, woraufhin Schostakowitsch etwas hastig hervorstieß, er sei mit der Vertonung eigentlich schon fertig. Die Uraufführung der Symphonie im Dezember 1962 wäre dann fast geplatzt, weil Jewgeni Mrawinsky aus Angst vor Konsequenzen die Leitung kurzfristig abgab. Der vorgesehene Bassist war zur Hauptprobe ebenfalls nicht mehr zu finden, so dass Kirill Kondraschin am Pult einsprang und mit Witali Gromadski als Solist die Symphonie aus der Taufe hob.

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie-Orchester - hier : Ingo Metzmacher © Kai Bienert

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie-Orchester – hier : Ingo Metzmacher © Kai Bienert

Die Introduktion zum ersten Satz beginnt mit einem leisen Glockenschlag, gestopften Hörnern und einer trauermarschartigen Musik in tiefen Lagen. Nach etwa einer Minute setzt der Chor der Bässe unisono mit der oben zitierten ersten Zeile ein. Der Solist (an diesem Abend Mikhail Petrenko) setzt mit den Worten „Ich fühle mich, als wäre ich selbst ein Jude“ ein. Die Namen Dreyfus und Bialystok verweisen auf Antisemitismus und Pogrome in der Geschichte. Eine Passage versetzt die Zuhörer in die Perspektive der Anne Frank, die sich in ihrem Versteck nach Luft und Liebe sehnt (ein musikalischer Ruhepol mit Celesta). Ein dumpfer Rhythmus im Orchester führt zum Dialog zwischen Chor („Kommt jemand?“) und Solist („Hab keine Angst, nur der Wind, der Frühling naht. Komm her zu mir“). Sich fürchtende Mädchen sind mehrfach in Musik gesetzt worden. In Hänsel und Gretel fürchtet sich Gretel im Wald – doch wo bei Humperdinck in der Märchenoper das Sandmännchen den Kindern die Furcht nimmt, kommt bei Schostakowitsch die Einsatzgruppe der SS. Die menschlichen Stimmen schweigen, das Orchester brüllt in harter Rhythmik, und stärkstes Fortissimo mündet auf einmal in eine Generalpause, in die der Chor leise und resignativ mit den Worten einsetzt: „Über Babi Jar rauscht still das wilde Gras. Die Bäume blicken streng, wie Richter schauen. Das Schweigen hier ist Aufschrei ohne Maß. Mein Haar erbleicht vor namenlosem Grauen.“ Diese Aufteilung zwischen dem scharfen, stellenweise brutal agierenden und zu fast schmerzhaften Lautstärken kommenden Orchester und der menschlichen Stimme als Äußerung der Humanität wurde mustergültig vorgeführt. Während Ingo Metzmacher die volle Bandbreite der Dynamik ausnutzte, gestaltete Mikhail Petrenko die Gesangspartie sehr plastisch, mitfühlend, nie zu laut, aber stets energisch.

Deutsches Symphonie Orchester / Hier Mikhail Petrenko © Alexandra Bodrova

Deutsches Symphonie Orchester / Hier Mikhail Petrenko © Alexandra Bodrova

Der zweite Satz basiert auf dem Gedicht „Der Witz“. Der sarkastische Unterton, häufig charakteristisch für Schostakowitschs Musik, ist auch in Jewtuschenkos Text präsent: „Der Witz ist ein tapferer Mann“, alle Versuche, ihn zu bändigen oder zu unterdrücken, müssen scheitern, und somit ist der Witz mächtiger als „Zaren, Kaiser, Könige“ – die ausgesprochen humorlosen Generalsekretäre der KPdSU werden nicht genannt (das wäre nicht möglich gewesen), aber der Komponist und der Dichter äußern doch beißende Kritik an den Zuständen.

Im dritten Gedicht „Im Laden“ werden die Frauen thematisiert, die in der Sowjetunion einerseits im Berufsleben standen, andererseits sich um die Familie kümmerten und für die Einkäufe zuständig waren – im realen Sozialismus ein bekanntermaßen schwieriges und freudloses Unterfangen. Ähnlich wie in der Introduktion zur zehnten Symphonie erklingt eine recht lange Introduktion der tiefen Streicher, dann schließt die Solostimme ein, während vorwiegend Bratschen und Celli zu hören sind, die ohne erkennbare Tonart um einzelne Töne kreisen. Der Chor übernimmt eine Art Marsch (der nach wenigen Takten allerdings schon um eine Achtel verschoben wird und ‚eiert‘ – man assoziiert eine sich langsam vorwärtsbewegende Warteschlange. Diese Passage wird später wiederholt. Auffallend ist, dass Schostakowitsch in diesem Satz dem Klavier einen Part zugedacht hat (hauptsächlich Akkorde in diesem hinkenden Marsch): Der Einsatz des Klaviers in der Symphonik hatte in der Sowjetunion Stalins den Vorwurf des Formalismus nach sich gezogen, und Schostakowitsch hatte dem Klavier in der fünften Symphonie eine nachgeordnete Rolle zugedacht und es dann in den nächsten Symphonien nicht mehr verwendet. Dieser dritte Satz ist ein langes Adagio mit stellenweise stark gedehnten Passagen. Im Vergleich zum ersten Satz ist die Thematik vergleichsweise trivial, doch das Leben der Frauen in dieser Situation wird als unnötig freudlos geschildert.

Der vierte Satz „Ängste“ beginnt mit einem Solo der Kontrabasstuba (sich frohend schlängelnd wie im Vorspiel zum zweiten Akt des Siegfried), Schlagwerk und abermals tiefen Streichern. Eine von Schostakowitschs (und Jewtuschenkos) vielen Nebelkerzen ist die Einleitung des Chores (maestoso!), dass man heutzutage keine Angst mehr haben müsse, früher (gemeint ist vordergründig natürlich die Zeit vor der bolschewistischen Revolution) sei das anders gewesen. Die Solostimme führt dann diese Ängste aus: gestopftes Blech und Triller in verschiedenen Instrumentengruppen schildern bedrückend, was das Gedicht beschreibt. Jewtuschenko berichtet in seiner Autobiographie, wie ein anscheinend wohlwollender Spitzel bei einem Telefongespräch mit Schostakowitsch sich in der Telefonleitung einmal laut räusperte, als gefährliche Themen hätten zur Sprache kommen können. Mikhail Petrenkos Gestaltungskunst kann nicht genug gelobt werden; seine Phrasierungen machten die allgegenwärtige Angst unmittelbar erfahrbar.

Auch der letzte Satz mit dem Titel „Karriere“ ist beklemmend, auch wenn die musikalische Grundstimmung eine gänzlich andere ist. Zwei Flöten intonieren in Sechstelketten eine freundliche Melodie im Allegretto, die von den Streichern aufgenommen und weiterentwickelt wird. Die Gesangsstimme präsentiert eine Groteske über die Suche nach der Wahrheit und ihre Probleme, vorderhand am Beispiel Galileis und seines Widerrufs, dann verallgemeinernd über denjenigen, der die Wahrheit verschweigt: „Er hat Familie, ihr versteht…“ Die Melodie der Flöten erklingt nun in den Streichern im Pizzicato. Der Sänger hält das Ideal der Wahrheit hoch, kann es aber nicht erfüllen. „Ich kann Karriere mir erlauben, gerade weil ich nichts dafür getan.“ Der ganze Satz enthält keine Grellheiten, fast tändelnd kommen ein munteres Fagott und am Ende eine Celesta hinzu. Der letzte Satz vor einem längeren Intermezzo lautet: „Vergessen, wer sie diffamierte, doch die es traf, vergisst man nie.“ Es folgt ein längeres verdämmerndes Ausklingen, spielerisch in der Celesta, daneben immer leise werdende Streicher und ein Ende in großer, langanhaltender Stille – der letzte musikalische Impuls allerdings eine Glocke, womit der Bogen zur ersten Note des ersten Satzes geschlagen wird.

Der Moskauer Uraufführung folgte scharfe Kritik der Obrigkeit an Jewtuschenko und Schostakowitsch, Änderungen des Textes wurden verlangt, die Prawda vermeldete die Uraufführung mit nur drei Zeilen, und das Werk verschwand für Jahre von der Bildfläche. Erst seit 1991 gibt es in Babi Jar ein Mahnmal. Schostakowitsch soll zwei Tage im Jahr besonders begangen haben, einmal den Tag der Uraufführung seiner ersten Symphonie und einmal den Tag der Vollendung der 13. Symphonie. Dieses wichtige Werk wird zur Zeit etwas häufiger gespielt (in diesem Monat zum Beispiel noch in Hamburg und in Leipzig), es sollte einen Stammplatz im Repertoire erhalten. An diesem Abend wirkte die Symphonie trotz ihrer teils sehr konkreten zeithistorischen Bezüge wesentlich zeitloser als die überzeitlich angelegten Liturgies Olivier Messiaens. Für beide Werke war die hellhörige Philharmonie, in der man jedes Pianissimo (und jedes Husten) in größter Klarheit hört, perfekt. Dieser Saal meistert breite Klangmassen ebenso wie atemberaubend leise Stellen. Ein Abend, an dem Ort, Werkauswahl und Ausführende perfekt zusammenpassten.

—| IOCO Kritik Deutsches Symphonie Orchester Berlin |—

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-Baden, Verdi: Requiem, 04.07.2014

Juli 2, 2014 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

„Libera me“

Giuseppe Verdi  –  Messa da Requiem

Valery Gergiev und seine Ensembles,  Fr | 04. Juli 2014, 20:00 Uhr

„Rette mich!“, das war die Keimzelle für Verdis Requiem. Durch ein mit anderen italienischen Musikschaffenden komponiertes Requiem auf Rossini war Verdi nach 30 Jahren wieder in Kontakt mit geistlicher Musik gekommen. Sein Betrag: „Libera me“. Dafür hat er sich auch bei sich selbst bedient – nämlich bei Don Carlo. Valery Gergiev dirigiert beides bei den Sommerfestspielen.

Als Opernkomponisten interessierte Verdi vornehmlich die musikalische Darstellung des leidenden Menschen – mit all seinen Ängsten vor dem Tod und all seiner Hoffnung auf Befreiung und Erlösung; und spätestens im „Lacrymosa“ sind dann die Bereiche des wirklichen Musiktheaters erreicht. Das Stück basiert nämlich auf der Klagemusik König Philipps um den ermordeten Marquis von Posa aus einem später wieder gestrichenen Duett aus „Don Carlo“; zuvor erinnert die Musik zudem deutlich an die Gewitterszene aus Rigoletto. Wie in seinen Opern fand Verdi auch im Requiem zu einer mitreißenden, gestenreichen Tonsprache, die letztlich keine Transzendenz anstrebt. Der italienische Musikkritiker Massimo Mila bezeichnete das Stück deshalb auch als „Requiem ante mortem“, dessen Musik keine Aussöhnung mit dem Tod suche oder Trost spenden wolle, sondern zu einem bewussteren Leben im Diesseits mahne.

Valery Gergiev präsentiert am 4. Juli 2014 mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem ein ebenso monumentales wie emotionales Werk, das seinen Anfang als Pasticcio im Gedenken an den Tod Gioachino Rossinis nahm: „Die angesehensten italienischen Komponisten“, so Verdis Idee, sollten ohne Honorar gemeinsam „eine Totenmesse komponieren“, die „in San Petronio zu Bologna“, Rossinis „wahrer musikalischer Heimat“, ein einziges Mal aufgeführt werden solle. Das Projekt, von dem Verdi den letzten Teil komponierte, scheiterte. Als dann am 22. Mai 1873 der Schriftsteller Alessandro Manzoni verstarb, beschloss der Agnostiker Verdi, den bedeutendsten Vertreter der italienischen Romantik mit einer Vertonung des gesamten Messtextes zu ehren – unter Verwendung des bereits komponierten „Libera me“.

Das Requiem ist Verdis beste Oper. Diese Zuspitzung ist so falsch nicht. Bei der Komposition des Werkes kam Verdi seine lebenslange Beschäftigung mit dem Theater durchaus zupass, konnte er so seine Fähigkeit, jedem Text Leben einzuhauchen, auf das mittelalterliche Kirchenlatein anwenden. Kleine Komponisten werden da schnell liturgisch-akademisch. In diesem Requiem hingegen meint man Othello und Aida sterben zu hören – die Musik klingt so lebendig wie in Verdis besten Opernszenen.

Valery Gergiev Dirigent
Solisten, Orchester und Chor des Mariinsky-Theaters
Sopran Victoria Yastrebova
Tenor Sergey Semishkur
Mezzosopran Yulia Matochkina
Bass Mikhail Petrenko

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-Baden, DON CARLO, 03./05.07.2014

Juni 30, 2014 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

 DON CARLO von Giuseppe Verdi

nach dem gleichnamigen Trauerspiel von Friedrich Schiller.
Eine Inszenierung des Mariinsky-Theaters

Do | 03. Juli 2014, 18:00 UhrSa | 05. Juli 2014, 18:00 Uhr

Don Carlos gilt nicht als Vorbild in Sachen kluger Heiratspolitik. Das haben die Österreicher weit besser verstanden. Die Oper Don Carlos ist eher ein Leitfaden, wie Liebe zwischen die Räder von Macht und Politik geraten kann. Verdi komponierte das Werk 1865 bis 1867 in Paris. Damals hat es fast die Bühne gesprengt. Valery Gergiev wagt es und bringt seine Fassung mit nach Baden-Baden.

In dem Drama steht die königliche Familie Spaniens bis zum Zerreißen unter Druck. Denn der Infant Don Carlo liebt Elisabeth von Valois, die sein Vater, König Philipp von Spanien, aus politischen Gründen heiratet. Anlässlich des Aufstandes der protestantischen Niederlande gegen die katholische spanische Fremdherrschaft rebelliert Don Carlo offen gegen den Vater und wird ausgerechnet von seinem besten Freund, dem Marquis von Posa, entwaffnet; eine Intrige der eifersüchtigen Prinzessin Eboli tut ihr übriges. Obwohl sich der Marquis von Posa am Ende für Don Carlo opfert, gibt es am Ende nur einen Sieger, nämlich den die Staatsräson verkörpernden katholischen Großinquisitor, dessen repressivem Schattenregime sich auch die Mitglieder der königlichen Familie beugen müssen.

Die Inszenierung von Verdis Meisterwerk, das in luxuriösen und historisch korrekten Kostümen von Cristian Taraborrelli und Angela Buscemi präsentiert wird, übernimmt der Italiener Giorgio Barberio Corsetti, der mit dem Europäischen Theaterpreis für „Neue Theaterrealitäten“ ausgezeichnet wurde und unter anderem Direktor des Theaterprogramms der Biennale Venedig war. Es singen Chor und Solisten des Mariinsky-Theaters: Philip II singt Ildar Abdrazakov am 3. Und Evgeny Nikitin am 5. Juli, die Titelrolle übernimmt Yong Lee für beide Aufführungen. Rodrigo wird von Vladzislav Sulimski gesungen, der Großinquisitor von Sergey Aleksashkin am 3. Juli und von Mikhail Patrenko am 5. Juli, Elisabeth de Valois von Victoria Yastrebova am 3. Juli und von Anna Markarova am 5. Juli und die Rolle der Prinzessin Eboli übernimmt Ekaterina Gubanova. Das Ensemble hat seine herausragende Qualität auch in Baden-Baden schon viele Male unter Beweis gestellt.

Welch eine Oper! Welche Wucht entfaltet sie, welche Konflikte! Alles ist da: eine fast schon antike Unnachgiebigkeit des Schicksals, das jeden Protagonisten in seinen persönlichen Abgrund treibt; verbotene, quälende Liebe; Freundschaft, Verrat, Einsamkeit und immer wieder auch: Würde. Die Würde der Frauen und Männer, die jede und jeder für sich im Recht sind und die anderen dennoch unablässig nur Unrecht zufügen. Erhitzt und vermenschlicht wird das Ganze durch eine Musik, die hoch melodisch und düster ist, die tröstet und antreibt. Das Mariinsky-Ensemble setzt mit dem Werk seine lange Verdi-Tradition fort und Valery Gergiev besitzt ein großartiges Gespür für die gewaltigen Bogen dieser Musik.

Valery Gergiev Dirigent
Giorgio Barberio Corsetti Regie
Giogio Barberio Corsetti, Cristian Taraborrelli Bühne
Cristian Taraborrelli, Angela Buscemi Kostüme
Fabrice Kebour Lichtdesign

Solisten, Orchester und Chor des Mariinsky-Theaters

Mit:
Philip II: Ildar Abdrazakov (3. Juli), Evgeny Nikitin (5. Juli)
Don Carlo: Yong Lee
Rodrigo: Vladzislav Sulimski
Großinquisitor: Sergey Aleksashkin (3. Juli), Mikhail Petrenko (5. Juli)
Elisabeth de Valois: Victoria Yastrebova (03. Juli), Anna Markarova (5. Juli)
Princess Eboli: Ekaterina Gubanova
Ein Mönch: Vladimir Felyauer
Tebaldo: Marina Aleshonkova
Der Graf von Lerma: Andrey Zorin
Königlicher Herold: Mikhail Makarov
Himmlische Stimme: Anastasia Kalagina

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Premiere GÖTTERDÄMMERUNG, 03.03.2013

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Götterdämmerung   von Richard Wagner:

Daniel Barenboim und eine großartige Sängerriege präsentieren »Ring«-Finale an der Staatsoper

 
Die Premiere von Richard Wagners Götterdämmerung am 3. März und die anschließenden drei »Ring«-Zyklen versprechen zu einem Höhepunkt des Wagner-Jahres 2013 zu werden. Daniel Barenboim, führender Wagner-Dirigent der Gegenwart, leitet die Staats­kapelle Berlin. Neben dem Staatsopernchor singt ein Weltklasse-Ensemble um Iréne Theorin, Ian Storey, Mikhail Petrenko, Marina Poplavskaya, Marina Prudenskaja und Johannes Martin Kränzle. Die Inszenierung und das Bühnenbild besorgen Guy Cassiers und sein künstlerisches Team, zu dem auch der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui gehört.
 
Richard Wagners Götterdämmerung hat an der Berliner Staatsoper eine lange Tradition. Seine Erst­aufführung erlebte das Werk in der Berliner Hofoper am 27. September 1888 unter der musika­lischen Leitung von Joseph Sucher. Seither gab es immer wieder Neuinszenierungen: 1905 unter Karl Muck, 1913 unter Leo Blech, 1929 erneut unter Blech, 1934 unter Wilhelm Furtwängler, 1957 unter Franz Konwitschny und Ende 1995 unter Daniel Barenboim.
 
Die neueste Deutung von Wagners Tetralogie, 2010 als Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano und in Kooperation mit dem Toneelhuis Antwerpen begonnen, wird mit der Neu­inszenierung der Götterdämmerung komplettiert und ist dann im Rahmen der österlichen FESTTAGE der Berliner Staatsoper erstmals in zyklischer Folge zu erleben (Das Rheingold am 23. März, Die Walküre am 24. März, Siegfried am 27. März, Götterdämmerung am 31. März). Zu den Solisten gehören neben den bereits genannten u.a. René Pape, Ekaterina Gubanova, Waltraud Meier, Lance Ryan, Anna Larsson und Christopher Ventris. Die weiteren »Ring«-Zyklen ab dem 4. und 13. April sind bereits ausverkauft.
 
Premiere am 3. März 2013 um 16 Uhr
Weitere Vorstellungen am 6. und 10. März – sowie im Rahmen der drei folgenden »Ring«-Zyklen am 31. März (FESTTAGE), 10. und 21. April 2013
Staatsoper im Schiller Theater
Werkeinführungen 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
—| Pressemeldung Staatsoper im Schillertheater |—

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