Düsseldorf, Ballett am Rhein, Weltstars choreographieren – T. Tharp, A. Barton, IOCO Aktuell, 25.02.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Twyla Tharp – Aszure Barton

Weltstars choreographieren  –  Ballett am Rhein

Demis Volpi _ Ballettdirektor © IOCO

Demis Volpi _ Ballettdirektor © IOCO

Während die Theater auf die Wiedereröffnung ihrer Spielstätten warten, wird hinter den Kulissen mit allen derzeit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Neustart vorbereitet. Mit striktem Hygienekonzept und einer Aufteilung der 45 Tänzerinnen und Tänzer in Kleingruppen hält Ballettdirektor Demis Volpi seine Compagnie erfolgreich auf Kurs. Auch an seinen vor der Pandemie ausgesprochenen Einladungen für Gastchoreographinnen und –choreographen aus der ganzen Welt hält er fest. Derzeit sind gleich zwei Weltstars zu Gast im Düsseldorfer Balletthaus: Twyla Tharp kreiert für das Ballett am Rhein über ein ausgefeiltes Kamerasystem live aus ihrem Studio in New York die Uraufführung In C, und Aszure Barton studiert vor Ort ihr Stück Come In ein.

Auch wenn es seit November 2020 keine Möglichkeit gibt, vor Publikum aufzutreten, muss für Profitänzer*innen die Probenarbeit weitergehen und das in möglichst großer Bandbreite. Sie brauchen die physischen und auch die mentalen Herausforderungen, die das Einstudieren neuer Techniken und Bewegungsabfolgen mit sich bringt. „Die Tänzer*innen brauchen künstlerischen Input“, sagt Demis Volpi und hält auch deshalb an seiner Entscheidung fest, gerade jetzt ein breites und abwechslungsreiches Repertoire aufzubauen, indem er Choreograph*innen mit den unterschiedlichsten Bewegungssprachen nach Düsseldorf und Duisburg einlädt.

Aszure Barton und das Ballett am Rhein - Proben  © Daniel Senzek

Aszure Barton und das Ballett am Rhein – Proben  © Daniel Senzek

So freut sich die Compagnie derzeit über ein ganz besonderes Staraufgebot im Balletthaus: Per Videoschaltung kreiert die New Yorker Ikone des zeitgenössischen Tanzes Twyla Tharp für 20 Tänzerinnen und Tänzer des Ballett am Rhein das Stück In C zur gleichnamigen Komposition von Terry Riley. Durch das Zusammendenken von klassischem Tanz und Modern Dance entwickelte sie spätestens in den 1970er Jahren eine Art wilde Eleganz, einen zugänglich lässigen und humorvollen Stil, der das Ballett maßgeblich beeinflusste. Nicht nur mit den zahllosen für ihre 1965 gegründete Twyla Tharp Dance Compagnie geschaffenen Arbeiten erreichte sie Weltruhm. Auch für Institutionen wie das American Ballet Theatre, das Ballet de l’Opéra de Paris, The Royal Ballet London, das New York City Ballet, The Boston Ballet, The Martha Graham Dance Company und etliche mehr schuf Twyla Tharp einen unvergleichlichen Schatz an Stücken. Ebenso bilden Broadwayshows und ihre Arbeit mit Filmregisseuren wie Milos Forman an international erfolgreichen Produktionen wie beispielsweise Hair oder Amadeus einen Teil ihres kreativen Lebenswerks.

Mit Come In hat die kanadische Choreographin Aszure Barton eine poetisch leise, aber dringlich nachwirkende Arbeit geschaffen – den Entwurf einer Gesellschaft, die in friedlich spielerischem Miteinander lebt. Die gleichnamige Komposition für Violine und Kammerorchester von Vladmir Martynov, die sie als musikalische Basis gewählt hat, verstärkt den verträumten Charakter der Choreographie. Aszure Barton kreierte unter anderem für das American Ballet Theatre, das Nederlands Dans Theater, das National Ballet of Canada, die Martha Graham Dance Company, das Bayerische Staatsballett und das English National Ballet. 2005 war sie die erste Choreographin in Residence am Baryshnikov Arts Center in New York und schuf dort 2006 Come In für Mikhail Baryshnikov und 12 junge Tänzer.

Auf die Bühnen in Düsseldorf und Duisburg kommen In C und Come In als Doppelabend mit musikalischer Live-Begleitung: Unter der Leitung von Kapellmeisterin Marie Jacquot interpretieren Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker sowie der Duisburger Philharmoniker die Kompositionen von Terry Riley und Vladimir Martynov. In Rileys legendäre Komposition In C, die als Keimzelle der Minimal Music gilt, ist Marie Jacquot am Synthesizer zu erleben.

—| IOCO Aktuell Deutsche Oper am Rhein|—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Baden-Baden, Festspielhaus, Die vier Jahreszeiten – Ballett, IOCO Aktuell, 16.12.2018

Dezember 16, 2018 by  
Filed under Ballett - Tanz, Festspielhaus Baden-Baden, IOCO Aktuell

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

logo_baden_baden

Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

 Mariinsky Ballett in Baden-Baden –  Die vier Jahreszeiten

26. Dezember 2018

Mit einem ungewöhnlichen Programm aus moderner Ballettklassik überrascht das Mariinsky-Ballett am zweiten Weihnachtsfeiertag: auf dem Programm steht Die vier Jahreszeiten, ein Ballett auf die von Max Richter verdichtete Musik Antonio Vivaldis. Die beiden Vorstellungen der vier Jahreszeiten am 26. Dezember 2018, 14 und 19 Uhr, richten sich mit ihrer klaren Struktur, den schönen Bildern und der bekannten Musik auch an Balletteinsteiger, Erstbesucher oder Jugendliche.

Anton Pimonov und Ilya Zhivoi sind zwei der jungen Choreographen, die in der St. Petersburger Kompanie kontinuierlich gefördert werden; beide gingen aus den „Junge Choreographen“-Workshops hervor, die dort alljährlich dazu beitragen sollen, kreative Kräfte in den eigenen Reihen zu entdecken.

Festspielhaus Baden-Baden / Die vier Jahreszeiten - Ballett von Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Die vier Jahreszeiten – Ballett von Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Der junge Choreograph Ilya Zhivoi, ein geborener St. Petersburger und Halbsolist beim Mariinsky-Ballett, wählte Max Richters Bearbeitung von Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten, eine „Rekomposition“ der vier ikonischen, weltbekannten Violinkonzerte des Meisters der Barockmusik. Richter, in Hameln geboren und in England aufgewachsen, gilt inzwischen als Kult-Komponist des modernen Crossover zwischen Klassik, Elektronik und Minimal Music. Er schuf 2012 mit „Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons einen echten Tophit, der damals nicht nur zeitweilig zwischen Lady Gaga und Adele die Hitparade bei iTunes anführte, sondern seitdem auch bei internationalen Choreographen höchst begehrt ist. Die Bearbeitung spielt mit dem Tempo von Vivaldis Musik, legt manchmal subtile elektronische Klänge oder Loops der Minimal Music unter die bekannten Melodien, verbindet sozusagen analog mit digital. Vivaldis Original bleibt dabei aber immer erkennbar.

Ganz bewusst greift Ilya Zhivois Ballett die Struktur und Thematik der vier Konzerte auf, die ein frühes Beispiel für Programmmusik sind. Der Choreograph zeigt nicht nur die wechselnden Jahreszeiten, etwa mit grünen Hecken, einer lauen Sommernacht, Herbstfarben oder Eisbergen, sondern auch den Zyklus des Lebens und den Lebensweg eines Paares: das Erwachen der Liebe, den ersten Streit und das daraus erwachsende Vertrauen, die Hochzeit und den Lebensabend. Die Beziehung entwickelt sich in vier großen Pas de deux, die jeweils zum langsamen Mittelsatz eines Konzertes getanzt werden. Begleitet wird das zentrale Paar von vier weiteren Paaren, die zu Gefährten und Freunden oder auch zu choreographischen Spiegelbildern und Vervielfachungen der beiden Hauptpersonen werden. Zhivois choreographische Sprache ist klassisch, getanzt wird auf Spitze, aber nicht in den kompliziert-erhabenen Tricks und Verästelungen des rein akademischen Vokabulars, sondern in einem freieren, schwungvollen, der Neoklassik angenäherten Stil.

Antonio Vivaldi - Denkmal in Wien © IOCO

Antonio Vivaldi – hier sein Denkmal in Wien © IOCO

Vor den Vier Jahreszeiten steht Anton Pimonovs kurzes Ballett The cat on the tree, das trotz des fröhlichen Titels abstrakt ausfällt. Der Titel bezieht sich auf einen Song von Nico Muhly und Teitur Lassen. Der moderne amerikanische Komponist und der Sänger/Songwriter von den Faröer Inseln vertonten vor zehn Jahren die Kommentare, die Menschen unter Youtube-Filmen hinterlassen haben – dabei entstanden poetische oder auch skurrile Songs über alltägliche Situationen. Choreograph Anton Pimonov, der ebenfalls Tänzer beim Mariinsky war und heute als stellvertretender Ballettdirektor das Theater in Jekaterinburg leitet, wählte einige von ihnen aus und schuf in hellen Grautönen ein Stück für drei Paare. Dessen lichtblitzende Optik erinnert zwar an William Forsythes Dekonstruktionen, der Bewegungsduktus aber bleibt doch stärker beim klassischen Ballett und mischt es mit punktuellen modernen Anreicherungen auf. Auch hier werden innige Pas de deux getanzt, aber die Beziehungen sind, genau wie die Ästhetik, moderner. Das Programm bietet also gleichzeitig einen leicht zugänglichen Einstieg ins klassisch-moderne Ballett und einen Einblick in die Entwicklung der zeitgenössischen Ballettchoreographie Russlands.

Das Mariinsky Ballett zählt neben dem Bolschoi Ballett zum Besten, was der klassische russische Tanz zu bieten hat. Unter dem Namen Kirov entwickelte sich das einst kaiserliche Ballett St. Petersburgs zum kulturellen Exportartikel Nummer Eins der Sowjetunion. Tanz-Stars wie Rudolf Nurejew, Natalia Makarowa und Mikhail Baryshnikov gelangten durch die Compagnie zu Weltruhm und setzten ihre Karrieren dann als Stars in den USA und Westeuropa fort

—| IOCO Aktuell Festspielhaus Baden-Baden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung