Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Staatsoper mit zwei Ring-Zyklen, Oktober 2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

  Zwei Ring-Zyklus – Oktober 2019

  Inszenierung Guy Cassiers – Musikalische Leitung Daniel Barenboim

Noch vor der Saisoneröffnungspremiere DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR in der Regie von David Bösch und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim am 3. Oktober stehen ab morgen zwei Aufführungszyklen von Wagners Der Ring des Nibelungen auf dem September-Spielplan der Staatsoper Unter den Linden. Alle Vorstellungen werden von Daniel Barenboim dirigiert, es spielt die Staatskapelle Berlin.

Die vom belgischen Theatermacher Guy Cassiers und seinem Team (Enrico Bagnoli, Tim Van Steenbergen und Sidi Larbi Cherkaoui) in Szene gesetzte Ring – Produktion entstand zwischen 2010 und 2013 als Koproduktion der Berliner Staatsoper mit dem Teatro alla Scala di Milano in Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis Antwerpen und wird nun erstmals im sanierten Opernhaus Unter den Linden zu erleben sein.

RING – ZYKLUS I  
DAS RHEINGOLD Sa 7. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 8. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Mi 11. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 15. 9. 2019 16.00 Uhr

Die vier Vorstellungen werden in zwei Zyklen präsentiert: DAS RHEINGOLD am 7. und 21. September, DIE WALKÜRE am 8. und 22. September, SIEGFRIED am 11. und 26. September, GÖTTERDÄMMERUNG am 15. und 29. September 2019.

Zu den Sängerensembles der vier Abende gehören u. a. Michael Volle, Iréne Theorin, Andreas Schager, Waltraud Meier, Falk Struckmann, Simon O’Neill, Anja Kampe, Stephan Rügamer, Ekaterina Gubanova, Anna Larsson, Anna Samuil, Jochen Schmeckenbecher, Roman Trekel und Matti Salminen. Bei GÖTTERDÄMMERUNG singt darüber hinaus der Staatsopernchor.

RING – ZYKLUS II
DAS RHEINGOLD Sa 21. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 22. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Do 26. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 29. 9. 2019 16.00 Uhr

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Apollosaal statt. – Die Wiederaufnahme wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 2019/20: Barocktage, Premieren, Kinderorchester und mehr, IOCO Aktuell, 16.08.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden –   Die  Saison 2019/20

– IOCO stellt vor –

Die Akzente der Berliner Staatsoper Unter den Lindender Spielzeit 2019/20: Sieben Premieren im Großen Haus; das Format LINDEN 21 (zwei Uraufführungen, eine Deutschen Erstaufführung, zwei Wiederaufnahmen); die zweiten BAROCKTAGE vom 1. bis 10. November 2019, mit Fokus auf Scarlatti und Purcell; die 25. Ausgabe der FESTTAGE (4. bis 12. April 2020, mit dem Beginn eines neuen Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ und zyklischer Aufführung sämtlicher Sinfonien von Beethoven). Dazu bietet das Programm 28 wiederaufgenommene Musiktheaterwerke sowie mehr als 70 Konzerte. Insgesamt präsentiert die Staatsoper Unter den Linden 2019/20 über 300 Veranstaltungen, zudem zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus feiert die Staatskapelle Berlin 2020 ihr 450-jähriges Bestehen: Ein Jubiläum, das in den Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 im Fokus stehen wird.

 Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

SIEBEN PREMIEREN – André Heller inszeniert Rosenkavalier

Bei den sieben Premieren der Spielzeit 2019/20 wird es sechs Regie-Hausdebüts geben: Erstmals inszenieren an der Berliner Staatsoper David Bösch, Romeo Castellucci, Damián Szifron, André Heller, David McVicar sowie Vincent Huguet. Die siebte Premiere inszeniert Claus Guth, der damit seine sechste Regiearbeit am Haus zeigt. Bei den Premieren von LINDEN21 werden zudem Letizia Renzini, Pauline Beaulieu und Thom Luz ihr Hausdebüt an der Staatsoper Unter den Linden geben.

Daniel Barenboim wird in der Spielzeit 2019/20 die Eröffnungspremiere von Otto Nicolais DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR am 3. Oktober 2019 in der Regie von David Bösch dirigieren. 1849 an der Berliner Staatsoper (der damaligen Königlichen Hofoper Berlin) uraufgeführt, kehrt das Werk nun mehr als 30 Jahre nach der letzen Inszenierung wieder ans Haus zurück. René Pape gibt als Sir John Falstaff sein Rollendebüt, daneben sind u. a. Michael Volle, Pavol Breslik und Anna Prohaska zu erleben. Das Falstaff-Thema wird sich auch im weiteren Programm wiederfinden, mit der Wiederaufnahme von Verdis FALSTAFF sowie beim I. Abonnementkonzert mit Elgars Symphonischer Studie Falstaff.

Die Zauberflöte2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Der argentinische Filmregisseur Damián Szifron, der mit seinem Film Wild Tales – Jeder dreht mal durch 2015 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, wird in der kommenden Spielzeit sein Opernregiedebüt geben. Gemeinsam mit Daniel Barenboim wird er Camille Saint-Saëns’ SAMSON ET DALILA (24. November 2019) erarbeiten. In den Titelrollen sind Brandon Jovanovich, der damit sein Haus- und Rollendebüt gibt, sowie Elena Garanca zu erleben.

Die FESTTAGE-Premiere, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim, wird am 5. April 2020 Mozarts COSÌ FAN TUTTE sein. Diese Neuproduktion bildet den Auftakt eines Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2020 bis 2022, den Daniel Barenboim gemeinsam mit dem französischen Regisseur Vincent Huguet realisiert. Zum Ensemble zählen Elsa Dreisig (Rollendebüt Fiordiligi), Marianne Crebassa (Rollendebüt Dorabella), Paolo Fanale (Ferrando), Gyula Orendt (Guglielmo), Ferruccio Furlanetto (Don Alfonso) und Barbara Frittoli (Rollendebüt Despina).

Das Rheingold – 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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 Daniel Barenboim wird zwei Mal Wagners RING-Tetralogie dirigieren, der in der Regie von Guy Cassiers zum ersten Mal Unter den Linden zu erleben ist, sowie die Wie-deraufnahmen von Verdis FALSTAFF (Januar / Februar 2020) und Bizets CARMEN (März 2020), die in der Regie von Martin Kušej nach neun Jahren wieder zu sehen ist. Im Konzertprogramm wird der Generalmusikdirektor vier Abonnementkonzerte der Staatskapelle Berlin gestalten. Des Weiteren dirigiert er 2019/20 den Zyklus sämtlicher Beethoven-Sinfonien während der FESTTAGE, die Konzerte zum Jahreswechsel und ein Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Paris.

Neben COSÌ FAN TUTTE wird es in der kommenden Spielzeit mit IDOMENEO (22. März 2020) eine weitere Mozart-Neuproduktion geben, dirigiert von Simon Rattle, der diese Oper zu seinen Lieblingswerken zählt. Erstmals arbeitet Rattle dabei mit Regisseur David McVicar zusam-men. Protagonisten sind u. a. Andrew Staples (Idomeneo), Magdalena Kožená (Idamante), Anna Prohaska (Rollendebüt Ilia) und Olga Peretyatko (Rollendebüt Elettra). Ein verstärkter Fokus auf Mozart zeigt sich auch im weiteren Programm mit den Wiederaufnahmen von DIE ZAUBERFLÖTE, DON GIOVANNI, LE NOZZE DI FIGARO sowie im Konzert- und Jugendprogramm.

Der fliegende Holländer2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Mit Richard Strauss’ DER ROSENKAVALIER (9. Februar 2020) wird der Multimedia-künstler André Heller seine erste Oper inszenieren. Die musikalische Leitung übernimmt der Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta. Als Bühnenbildnerin konnte die österrei-chische Malerin Xenia Hausner gewonnen werden. Die Kostüme gestaltet der österreichische Modedesigner Arthur Arbesser. René Pape gibt hierbei sein Rollendebüt als Baron Ochs auf Lerchenau, ihm zur Seite stehen u. a. Camilla Nylund (Feldmarschallin), Michèle Losier (Rollendebüt Octavian), Roman Trekel (Herr von Faninal) und Nadine Sierra (Rollendebüt Sophie).

Dem Komponisten und Dirigenten Richard Strauss, der 20 Jahre als Hofkapellmeister und GMD an der Berliner Hofoper tätig war, ist in der Spielzeit 2019/20 ein Schwerpunkt gewidmet, der sich neben der Neuproduktion von DER ROSENKAVALIER in der Wiederaufnahme von SALOME sowie im Konzertprogramm, insbesondere in der Kammermusik, fortsetzt.

Mit CHOWANSCHTSCHINA von Modest Mussorgsky wird eine Oper des russischen Re-pertoires gespielt, die erstmals seit 1958 wieder an der Staatsoper Unter den Linden Premiere feiert. Vladimir Jurowski, Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und künftiger GMD der Bayerischen Staatsoper, wird mit dieser Neuproduktion sein Hausdebüt geben und die Staatskapelle Berlin zum ersten Mal dirigieren. Regie führt Claus Guth (7. Juni 2020), mit u. a. Mika Kares (Rollendebüt  Fürst Iwan Chowanski), Sergey Skorokhodov (Fürst Andrei Chowanski), John Daszak (Fürst Wassili Golizyn), Vladislav Sulimsky (Bojar Schaklowity), Alexey Tikhomirov (Dosifei), Marina Prudenskaya (Marfa), Andrea Danková (Susanna), Gerhard Siegel (Schreiber) und Anna Samuil (Emma).

Rigoletto 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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BAROCKTAGE – 1. – 10. November 2019

IL PRIMO OMICIDIO von Alessandro Scarlatti ist die BAROCKTAGE-Premiere am 1. November 2019. René Jacobs dirigiert damit seine 27. Neuproduktion am Haus. Diesmal leitet er das belgische Ensemble B’ROCK ORCHESTRA, das erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben ist. Für Regisseur Romeo Castellucci ist es ein Berliner Operndebüt. Zum Ensemble zählen Kristina Hammarström (Caino), Olivia Vermeulen (Abel), Brigitte Christensen (Eva), Thomas Walker (Adamo), Benno Schachtner (Voce di Dio) und Arttu Kataja (Voce di Lucifero). Die Premiere ist eine Koproduktion mit der Opéra national de Paris und dem Teatro Massimo, Palermo. Die BAROCKTAGE finden 2019 vom 1. bis 10. November statt und widmen sich in der zweiten Ausgabe Alessandro Scarlatti und Henry Purcell im Spannungsfeld zwischen dem italie-nischen und dem englischen Barock. Neben der Premiere sind die Wiederaufnahmen von Purcells DIDO & AENEAS und KING ARTHUR zu erleben sowie die LINDEN 21-Uraufführung LOVE, YOU SON OF A BITCH – eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, bei der Werke von Alessandro und Domenico Scarlatti mit Live-Elektronik verschmelzen (Uraufführung: 25. Oktober, weitere Vorstellungen im Oktober sowie während der Barocktage). Das weitere Programm umfasst einen Round table sowie 16 Konzerte, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig den beiden Komponisten Scarlatti und Purcell widmen. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau.

LINDEN 21 – 2 Uraufführungen

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. 2019/20 wird es dabei zwei Uraufführungen, eine Deutsche Erstaufführung sowie zwei Wiederaufnahmen – USHER von Claude Debussy / Annelies Van Parys in der Regie von Philipp Quesne sowie HIMMELERDE, ein Maskenmusiktheater von Familie Flöz und der Musicbanda Franui – geben.

Die erste LINDEN 21-Produktion der neuen Spielzeit wird am 25. Oktober 2019 im Alten Orchesterprobensaal die Uraufführung von LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, sein. Arbeiten von ihr waren u. a. bei der Biennale Venedig, im Tanzeshus Stockholm, dem Royal Opera House London und der Philharmonie Luxembourg zu sehen.

Obwohl Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger viel über eine kleine Fassung ihrer 1974 uraufgeführten Fernsehoper LA CUBANA diskutierten, kam es vor Henzes Tod 2012 nicht zur Realisierung dieses Projekts. Mit LA PICCOLA CUBANA (Deutsche Erstaufführung: 28. April 2020, Alter Orchesterprobensaal) kommt die kammermusikalische Fassung dieses Werks – um die Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba – in einer Einrichtung von Jobst Liebrecht, unter der musikalischen Leitung von Peter Ruzicka und in der Regie von Pauline Beaulieu erstmals zur Aufführung. LA PICCOLA CUBANA ist eine Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg, wo das Werk Anfang April 2020 uraufgeführt wird.

Thom Luz, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum Theatertreffen eingeladen ist und 2014 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt wurde, ist ein Grenz-gänger zwischen Sprech- und Musiktheater. Gemeinsam mit dem Musiker und Arrangeur Mathias Weibel hat Luz in den letzten Jahren eine Theatersprache entwickelt, die Stille, Bewegung, Text und Musik zu dichten, atmosphärischen Raumkompositionen verbindet. Die 1682 von dem Musiker und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister formulierten Grundlagen zur wohltemperierten Klavierstimmung werden zum Ausganspunkt ihrer ersten Arbeit an der Staatsoper, in der sie sich unter dem Titel WERCKMEISTER HARMONIEN mit dem Schaffen und der Auf lösung von Ordnungen beschäftigen und nach einer Wahrheit im Zweifel suchen, im Raum zwischen den schwarzen und weißen Tasten (Uraufführung: 19. Juni 2020, Apollosaal). Die Produktion findet in Kooperation mit dem Theater Gessnerallee Zürich statt.

Staatsoper für Alle – Auch 2020 – Mit Sonderkonzert zum 450-jährigen Bestehen der Staatskapelle
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JUBILÄUM  – 450 JAHRE STAATSKAPELLE BERLIN

2020 blickt die Staatskapelle Berlin auf ihr bereits 450-jähriges Bestehen zurück. Grund genug dieses Jubiläum im Kalenderjahr 2020 – über die Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 hinweg – zu feiern: Bereits mit den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 wird das Jubiläumsjahr eingeläutet, das zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE im September seinen Höhepunkt findet – u. a. mit Sonderkonzerten wie STAATSOPER FÜR ALLE, dem KONZERT FÜR BERLIN in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und einem großen Geburtstagsfest in der Staatsoper Unter den Linden. Das Jubiläum wird über die Auftritte hinaus mit einer Buchpublikation, einer CD-Edition sowie einer Ausstellung zur Geschichte der Staatskapelle bedacht. Außerdem kommt es im Februar 2020 zum Abschluss der Symposionsreihe 450 Jahre Staatskapelle Berlin.

K O N Z E R T P R O G R A M M

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Program-men – im Opernhaus Unter den Linden sowie in der Philharmonie. Vier Doppeltermine stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die weiteren Abonnementkonzerte werden geleitet von Zubin Mehta, Antonio Pappano, Herbert Blomstedt und Lahav Shani, der beim ersten Abonnementkonzert unter der Leitung von Daniel Barenboim ebenfalls als Solist am Klavier zu erleben ist. Weitere Solistinnen und Solisten sind Lisa Batiashvili (Violine), Martha Argerich ( Klavier), Yuja Wang ( Klavier), Pinchas Zukerman (Violine), Renaud Capuçon (Violine), Christian Schmitt (Orgel) sowie die Mezzosopranistin Elena Garanca. Die Sinfoniekonzerte schlagen dabei immer wieder Querverbindungen zum Opernprogramm, z. B. mit Edward Elgars Symphonischer Studie Falstaff« mit einem Camille Saint-Saëns gewidmeten Programm, mit Modest Mussorgskys Bildern einer Ausstellung sowie mit mehreren Werken von Mozart. Beim VII. Abonnementkonzert kommt Benjamin Attahirs Violinkonzert mit Renaud Capuçon als Auftragswerk der Daniel Barenboim Stiftung zur Uraufführung.

Anlässlich des Beethoven-Jahrs bringen die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim während der FESTTAGE 2020 alle neun Sinfonien Beethovens an vier Terminen zyklisch zur Aufführung. Ergänzt wird das Konzertprogramm durch ein Klavierrecital mit András Schiff, das sich Beethoven und Mozart widmet. Ebenfalls wieder während der FESTTAGE ist das Opernkinderorchester zu erleben. Unter der Leitung von Max Renne spielen die Kinder Auszüge aus den 2019/20-Premieren IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE und SAMSON ET DALILA sowie aus CARMEN.

Die 16 BAROCKTAGE-Konzerte (1. bis 10. November) widmen sich schwerpunktmäßig den Komponisten Scarlatti und Purcell. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, die Scarlattis Oratorium La Vergine addolorata zur Aufführung bringen, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau. Unter der Leitung von Matthias Wilke spielen Mitglieder der Staatskapelle Berlin innerhalb des Festivals zwei Konzerte der Reihe Preußens Hofmusik mit Werken von Purcell.

Für junge Menschen von 6 bis 9 Jahren wird es ein Kinderkonzert mit Mitgliedern der Akademie für Alte Musik geben. Die Konzerte finden im Apollosaal, im Großen Saal sowie im Pierre Boulez Saal statt. Im November 2019 werden die Staatskapelle Berlin und ihr Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mit den vier Sinfonien von Johannes Brahms in der Philharmonie de Paris zu Gast sein.

Bei den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 erklingt Beethovens Sinfonie Nr. 9 unter der Leitung von Daniel Barenboim, mit Elena Stikhina, Marina Prudenskaya, Andreas Schager und René Pape als Solisten sowie mit dem Staatsopernchor. Des Weiteren wird mit Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 450 das Jubiläumsjahr 450 Jahre Staatskapelle Berlin eingeläutet, das 2020 gefeiert wird und zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE seinen Höhepunkt f indet.

Die Staatskapelle Berlin wird unter der musikalischen Leitung von Ilan Volkov die Uraufführung des Staatsballetts von Georg Friedrich Haas’ SYM-PHONIE MMXX in der Choreographie von Sasha Waltz zur Aufführung bringen (Uraufführung: 25. April 2020).

Die zehn Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin widmen sich 2019/20 dem kammermusikalischen Schaffen von Richard Strauss, der mit der Geschichte der Staatskapelle Berlin eng verbunden ist und das Orchester als Hof kapellmeister und GMD weit über 1000 Mal in Oper und Konzert dirigierte. Die selten zu hörenden Kompositionen werden in Beziehung gesetzt zu Werken seiner Zeitgenossen und Vorbilder.

Zu den weiteren Konzerten zählen das Klimakonzert des Orchesters des Wandels, das Adventskonzert mit dem Kinderchor, Konzerte im Pierre Boulez Saal, die Konzertreihe Preußens Hofmusik, die Museumskonzerte im Bode-Museum, Kinderkonzerte, Konzerte mit dem Interna-tionalen Opernstudio und der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin, Chorkonzerte sowie Sonderprogramme mit Gästen.

2019/20 finden Liedrecitals mit u. a. Angela Gheorghiu, Philippe Jaroussky und Renée Fleming im Großen Haus sowie mit Ensemblesolistinnen und -solisten der Staatsoper Unter den Linden im Apollosaal statt.

Le Nozze di Figaro2019/20 dem Spielplan der Staatsoper
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KINDER- UND JUGENDPROGRAMM

Seit Februar 2018 sind 88 Kinder, 7 bis 12 Jahre alt, Mitglied im Opernkinderorchester. In enger Zusammenarbeit mit den Berliner Musikschulen ermöglichen die Staatsoper und die Staatskapelle Berlin damit Kindern eine Teilhabe am professionellen Opernbetrieb und unterstüt-zen sie so in ihrer individuellen Entwicklung. Zweimal monatlich nehmen die Kinder an gemein-samen Stimmproben mit Musikpädagoginnen und -pädagogen, Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle Berlin sowie an Orchesterproben unter der Leitung von Max Renne teil. Unter seiner musikalischen Leitung werden die jungen Musikerinnen und Musiker 2020 in drei Konzerten eine Brücke zum Opernprogramm 2019/20 schlagen, mit Auszügen aus IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE, CARMEN und SAMSON ET DALILA (12. April im Rahmen der FESTTAGE sowie 21. und 26. April 2020).

Das Kinderopernhaus Berlin, das inzwischen in vielen Schulen fest verankert ist, gehört ebenso wie das Opernkinderorchester zum Herzstück der Educationarbeit an der Staatsoper. Im Ursprungsbezirk Lichtenberg, ebenso aber auch in Marzahn und Reinickendorf existieren regionale Zentren, an insgesamt zehn Orten sind Schul-AGs initiiert worden, während in der Staatsoper Unter den Linden seit der Spielzeit 2018/19 die Fäden zusammenlaufen. Insgesamt werden Hunderte von Kindern aus allen Berliner Bezirken erreicht, die zum Teil erstmals mit der Kunstform Oper in Berührung kommen. In der Spielzeit 2019/20 beschäftigt sich das Kinderopernhaus Berlin mit dem jungen Mozart. Unter Anleitung erfahrener Profis aus der Opernwelt erarbeiten die Kinder dabei selbst eine Oper, auf Anregung und unter Verwendung von Mozarts Musik.  Unter dem Titel FINTA MIT FINTEN – DER JUNGE MOZART KOMPONIERT wird diese Produktion am 29. Mai 2020 im Alten Orchesterprobensaal Premiere feiern.

Als Kinderopernproduktion wird SCHNEEWITTCHEN von Wolfgang Mitterer nach Engelbert Humperdinck in der Inszenierung von Constanze Albert wieder zu erleben sein (Wieder-aufnahme: 13. März 2020). In ihrer gemeinsamen Produktion HOMO DEUS beschäftigen sich der Jugendklub und der Jugendchor mit Biotechnik, Cyborgs und künstliche Intelligenz und suchen nach der Absurdität und Poesie in der Welt der Zukunft (Premiere: 15. Mai 2020).

Für die Altersgruppen 3 – 5 Jahre, 6 – 9 Jahre und 10 – 12 Jahre werden Kinderkonzerte angeboten, die ebenfalls in Festivals wie die BAROCKTAGE eingebunden sind. Das weitere Angebot umfasst Workshops, Probenbesuche, die Kompositionswerkstatt, Projekte wie Rhapsody in School oder TUSCH – Theater und Schule, ein Opernreporter-Projekt, den Jugendklub sowie den Jugendchor.

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Betrachtung, 08.06.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Die  Meistersinger von Nürnberg

Musikalische Betrachtung mit Detlev Eisinger und Betsy Horne

 

von Ingrid Freiberg

Der Richard-Wagner-Verband International, Ortsverband Wiesbaden e. V., lädt unter Federführung von Prof. Dr. Gustav G. Belz zu einer musikalischen Betrachtung zu Die Meistersinger von Nürnberg, der einzigen komischen Oper Richard Wagners, im Rahmen der Internationalen Maifestspiele in das wunderschöne Foyer des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden ein. Man fühlt sich als willkommener Gast einer Familie und wird – wie viele andere auch – persönlich begrüßt. Die Veranstaltung wird durch zahlreiche Sponsoren, u.a. Reinhard Winkler, der Musica Viva-Maria-Strecker-Daelen-Stiftung und weiteren Spendern ermöglicht. Protagonisten dieses besonderen Abends sind Prof. Detlev Eisinger und Betsy Horne. Sie wurden seit Längerem angekündigt und ungeduldig erwartet.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Prof Detlev Eisinger © Detlev Eisinger

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Prof Detlev Eisinger © Detlev Eisinger

Prof. Detlev Eisinger – unmittelbar und kenntnisreich

Das Publikum möchte mehr über Die Meistersinger von Nürnberg wissen, die am darauffolgenden Abend in einer Gala-Vorstellung mit einer sogenannten „Bayreuther Besetzung“ (Hans Sachs Michael Volle, Eva Betsy Horne, Walther von Stolzing Thomas Blondelle, Sixtus Beckmesser Johannes Martin Kränzle, David Daniel Behle, Veit Pogner Günther Groissböck) aufgeführt werden, und die professionelle künstlerische Arbeit näher kennenlernen, Genaueres über das Werk, über seine historische Wirkung und geistesgeschichtliche Zusammenhänge erfahren, denn dieser Wissenshintergrund erhöht bekanntlich den Hörgenuss! Das ist auch der primäre Anreiz, das Gesprächskonzert von Prof. Eisinger zu besuchen. Er hat das Talent, unmittelbar und kenntnisreich große Werke der Musikgeschichte zu vermitteln. Dem Publikum werden geschichtliche, mythologische, philosophische, musikalische sowie politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich gemacht. Im Laufe des Abends gelingt es ihm, die genaue Konstruktion des Werkes, den Hintergrund des Komponisten, die Komposition und deren Einbettung in stilistische Epochen zu erfassen.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Foyer © Sven-Helge Czichy

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Foyer © Sven-Helge Czichy

Eisinger gibt Anregungen, der Musik kundig zuzuhören, zu verstehen, was sie ausdrückt und den Text richtig aufzunehmen. Nur, wer wirklich versteht, was Wagner geschrieben hat, braucht nichts hineinzudeuten. Er versteht es, komplizierte Zusammenhänge so zu erklären, dass man dafür nicht Musikwissenschaft studiert haben muss. Tonartencharakteristiken, doppelte Punktierungen und prägnante Leitmotive werden besonders hörbar, wenn Eisinger ein Leitmotiv Wagners mit einer Melodie eines anderen bedeutenden Komponisten vergleicht: mit Bach, Beethoven, Brahms und anderen Werken Wagners. Seine Musikbeispiele – die er bisweilen auch singt – lassen tief und genussreich in das Werk eintauchen. Er „erfühlt“ die Musik auf der Basis einer umfangreichen und soliden Kenntnis von Musik und deren Interpretationen. Dabei berücksichtigt er, dass sich der Zuhörer nicht in einem musikwissenschaftlichen oder historischen Vortrag befinden möchte, so interessant diese Gebiete auch sind. Emotional öffnet er die Türen zum Verständnis der Musik in lockerem Gesprächston. Er öffnet sein Herz, sein Gefühlsleben und bringt seine eigenen Ideen und Gedanken zum Werk ein. Dabei ist es sein Anliegen, dem sporadischen Konzertbesucher, dem musikalisch Begeisterten wie auch dem Grenzgänger einen direkten Zugang zur Komposition zu ermöglichen, ohne ihn zu überfordern. Für den musikalischen Kenner tritt als weitere reizvolle Komponente hinzu, zu hören, welche Assoziationen und Gedanken Eisinger zu dem jeweiligen Werk hat. So ist sein Gesprächskonzert in Form einer Klavier-Matinee ein publikumswirksamer Erfolg.

„In Anerkennung seines großen, unermüdlichen und jahrzehntelangen Einsatzes für das Schaffen Richard Wagners“ wurde ihm der „Pro Musica Viva-Preis“ der Maria Strecker-Daelen-Stiftung verliehen. Mittlerweile gibt es von seinen Einführungen zu allen großen Bühnenwerken Wagners auch CDs (www.musicom.de).

Leichtfüßig zum Vorspiel

In Wiesbaden bestens bekannt, gibt es schon „Bravorufe“ als Prof. Detlev Eisinger leichtfüßig die Treppe des Foyers zum Flügel herunterspringt, um mit dem Vorspiel Meistersinger zu brillieren. Mit Fug und Recht ist das Vorspiel mit dem Attribut der Ambivalenz zu charakterisieren. Trefflich arbeitet Eisinger die vielen musikalischen Aromen dieser Musik heraus. Das zeigt sich zu Beginn im groben Marschthema, welches zugleich Kontrapunkt im besten Sinne ist: Ton gegen Ton. Gelehrtheit und Banalität treffen aufeinander. Die nachfolgenden Achtelsequenzen sind bestens dazu angetan, den feierlichen Klang auszubilden und die Simplizität eines Spielwerks anzudeuten. In dieses Reich des absurd Feierlichen gehören auch die übertrieben breiten Schlusskadenzen. Wagner bringt es fertig, die gegensätzlichen Charaktere zu mischen und sich ihrer meisterlich anzunehmen. Diese Mixtur produziert nationale Aktualität und nationale Identität. Das Klavier-Solo von Eisinger besticht mit virtuosen Läufen, schnelle Arpeggios untermalen wundervolle Melodielinien.

Die Meistersinger von Nürnberg  –  Richard Wagner
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Wagners werkwitzige Komödie

Die Meistersinger sind Wagners werkwitzige Komödie, die sich bei näherer Betrachtung als eines seiner sprachlich tiefsinnigsten und dramaturgisch ausgereiftesten Werke entpuppt. Es befasst sich mit dem unversöhnlichen Gegensatz zwischen Genie und handwerksmäßiger Routine. Die Ironie ist in der Musik leicht zu erkennen. Der Meistergesang wird von Wagner degradiert, besonders in seinen späteren Auswüchsen. Es geht ihm darum, diese lieblose Art zu bekämpfen. Wagner teilt hiermit einen Seitenhieb auf die Kritiker aus, speziell auf die, die Kritik um der Kritik willen ausüben. Auch liegt im Werk seine Sehnsucht nach einem friedlichen Ort, der später für ihn Bayreuth werden sollte.

Leitmotivik, Diatonik, Kontrapunktik nach barockem Muster, Chromatik, schweratmende Synkopen und Kunsttradition werden von Eisinger beleuchtet. Besonders berührt seine Interpretation des Preisliedes, ein hinreißend schwungvolles Lied von Frühling und Liebe „Fanget an, so rief der Lenz in den Wald, das laut es ihn durchhallt und wie in fernen Wellen der Hall von dannen flieht, von weit her naht ein Schwellen, das mächtig näher zieht… Die selige Morgentraum-Deutweise, sei sie genannt zu des Meisters Preise“.

Eisinger äußert, dass es Wagner mit der Hochhaltung der deutschen Kunst nur um das Kulturelle, nicht aber um das Nationale geht. Aus diesem Blickwinkel heraus sind auch die letzten Verse von Hans Sachs zu interpretieren: „Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister und gebt ihr ihrem Wirken Gunst, zerging im Dunst das heil‘ge Römische Reich, uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst“, das heißt, selbst, wenn das Heilige Deutsche Reich – der Staat – zerstört werden würde, so bliebe immer noch die Kunst…

Betsy Horne steigert die Vorfreude

 Betsy Horne © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Betsy Horne © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Obwohl die europaweit verpflichtete Betsy Horne die Eva in den Meistersingern schon am kommenden Abend singen wird, und einen Tag zuvor als Elisabeth in Tannhäuser überzeugte, glänzt sie mit ihrem klaren jugendlichen Sopran, gut durchgeformt in allen Lagen, ausgestattet mit der Fähigkeit zur dynamischen und farblichen Differenzierung mit der Arie aus den Meistersingern:O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann! Wie ich dir Edlem lohnen kann! Was ohne deine Liebe, was wär ich ohne dich…“

Mit ihrem empathischen Vortrag von Treibhaus, dem 4. Gedicht des Gedichtszyklus von Mathilde Wesendonck, den sie Richard Wagner während seiner Asyl-Zeit in Zürich überreichte, wird die Vorfreude auf den kommenden Abend noch gesteigert. Ihr samtweicher Sopran ist geradezu prädestiniert für dieses Lied und die Rolle der Eva. Betsy Horne ist auf dem Weg zu einer ganz großen Karriere…

Die dankbaren Zuhörer applaudieren herzlich für ein unterhaltsames Gesamtpaket aus Musik und Wissen.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

München, Bayerische Staatsoper, Die Meistersinger von Nürnberg – Ein Vergleich, IOCO Kritik, 24.09.2018

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Die Meistersinger von Nürnberg Richard Wagner
Bayreuther Festspiele – Bayerische Staatsoper

– Ein Vergleich von Unvergleichlichem –
– Die Meistersinger von Nürnberg – Bayreuth 2018 und München –

Von Hans-Günter Melchior

– Bayreuther Festspiele 2018: Musikalische Leitung: Philippe Jordan, Inszenierung: Barrie Kosky, Bühne: Rebecca Ringst
– Bayerische Staatsoper: Musikalische Leitung: Kirill Petrenko, Inszenierung: David Bösch, Bühne: Patrick Bannwart

Die Meistersinger von Nürnberg
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„Wollt Ihr nach Regeln messen, was nicht Eurer Regeln Lauf…“ (Sachs)
„Oho! Von Finken und Meisen lerntet Ihr Meisterweisen?“    (Beckmesser)

Kunstreligion – Was für ein Wort

Bayreuth hebt Wagners Werk in die Sphäre des Mythischen und Religiösen. Es wird zum Gegenstand der Anbetung –; wodurch der Kritik Grenzen gesetzt sind. Das Heilige rührt man so wenig mit schmutzigen Fingern wie mit schmutzigen Wörtern an.

Man muss dort gewesen, um es zu spüren. Über dem Kultort liegt ein Schleier des Geheimnisses. Gleich wird sich etwas ereignen, das sich dem gewöhnlichen Begreifen entzieht. Gewachsene Tradition, die sich gleichsam selbst verklärt, Engel schweben über der festlich gestimmten Menge, unsichtbare Wesen summen die Melodien, die drinnen in Kürze wie aus den Poren des heiligen Hauses dringen…

Und dann dies. Regisseur Barrie Kosky wartet mit einer Inszenierung auf, die von Beginn an eines beweisen will: Wagner war ein furchtbarer Antisemit und die Meistersinger sind eine Ausgeburt dieses antisemitischen Geistes, der seinen unmittelbaren Ausdruck im Schicksal des armen Beckmesser findet.

Die Meistersinger von Nürnberg – Bayreuth 2018
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Schon der Beginn. Wagner alias Hans Sachs erwartet mit seiner Familie den jüdischen Dirigenten Levi, der zu spät kommt, was man ungnädig vermerkt. Schrittweise wächst die Szene in die Meistersingerhandlung hinein.

Ihren Gipfel erreicht die Intention des Regisseurs nach der Prügelszene im 2. Aufzug: eine überdimensionale, fast den gesamten Bühnenraum ausfüllende Judenmaske, die menschenferne Nazi-Vorstellung vom Juden darstellend, soll die ganze sich an einem Wehrlosen austobende Ideologie der bürgerlichen Gesellschaft ins übergrelle Rampenlicht rücken. Während der geschundene Beckmesser am Bühnenrand um sein Leben ringt.

Dies alles führt direkt, so die Regie, hierin prinzipiell nicht falsch liegend, in die deutsche Katastrophe. Im 3. Aufzug wird die Festwiese durch den Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse von 1945-1949 ersetzt.

(Ganz nebenbei: ein schlechteres Beispiel für historische Gerechtigkeit hätte man kaum wählen können: die Nürnberger Prozesse brachen mit  wichtigen Prinzipien der – nicht nur internationalen – Rechtsordnung. Hier nur die am schwersten wiegenden:

– Ankläger und Richter dürfen nicht identisch sein. Die Siegermächte waren jedoch Ankläger und Richter zugleich.

– Es wurde gegen den Grundsatz nulla poena sine lege: keine Strafe ohne Gesetz, verstoßen. Die Straftatbestände, auf denen die Urteile fußten, bestanden zum Teil noch nicht zur Zeit der Tatbegehungen (sogen. Ex-post-Argumentation; genug)).

Venedig / Richard Wagner Domizil © IOCO

Venedig / Richard Wagner Domizil © IOCO

Mit einem Satz: diese Inszenierung kommt über ihre Obsessionen nicht hinaus und verfehlt damit den eigentlichen Inhalt der Oper: die Kunstdiskussion, die Versöhnung von Form und Inhalt oder wie Wagner selbst meinte: die Versöhnung von „Pedanterie und Poesie“.

Über die Bayreuther Besetzung und Aufführung (Sachs: Michael Volle; Stolzing: Klaus Florian Vogt; Eva: Emily Magee; David: Daniel Behle; Pogner: Günther Groissböck; Beckmesser: Johannes Martin Kränzle;  alle sind gesanglich über jede Kritik erhaben. Das Dirigat von Philippe Jordan war allerdings dem des Kirill Petrenko deutlich unterlegen) wurde in den Medien ausführlich berichtet. Es wird darauf Bezug genommen. Hier geht es um eine grundsätzliche Kritik an der Grundauffassung des Werkes.

Nun ist unumstritten, dass Wagner ein übler Antisemit war. Unumstritten ist auch, dass Rassismus und Antisemitismus zu den Geißeln der Menschheit gehören, die zu furchtbarsten Verbrechen der Geschichte führten und entschlossen bekämpft werden müssen.

Dennoch sind die Meistersinger kein antisemitisches Werk. Als ob es so einfach wäre: dass ein Mensch mit bedenklichem, ja schlechtem Charakter auch schlechte (antisemitische) und moralisch bedenkliche Werke schreiben müsse. Und ein guter Mensch eben gute Werke. Nein und abermals nein, es ist eine Binse: auch ein schlechter Mensch kann gute Werke komponieren oder schreiben. Und die Meistersinger sind ein höchst bemerkenswertes, hervorragendes Werk, das den Kunstgedanken textlich und musikalisch mit einer Gründlichkeit behandelt (geradezu beackert), die in der Musikgeschichte ihresgleichen sucht.

Dies zu verdeutlichen gelingt der Aufführung in München beispielhaft.  Ein Vergleich sei gewagt, obwohl jede Aufführung für sich steht und den Anspruch auf Anerkennung als Kunstwerk eigener Art erhebt, das sich grundsätzlich Vergleichen entzieht.

Bayerische Staatsoper München / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper München / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Während in Bayreuth Vieles dem dominierenden Vorwurf des Antisemitismus geopfert wird, entfaltet die Inszenierung in München den ganzen Reichtum des Werkes mit spielerischer Leichtigkeit. Wagners Jonglieren mit den verschiedenen Stilen etwa: in der Nachtwächtermelodie, beim Gemeindegesang, der musikalischen Turbulenz in der Prügelszene, im fast atonal-modern anmutenden Gesang Beckmessers. Das alles wird aufgelöst in einer temporeichen, unaufdringlich und humorvoll daherkommenden Handlung, die sich nie in gewissen Längen der Partitur verliert:

In David Böschs Inszenierung fahren die Requisiten unseres täglichen Lebens, PKW, Kombis, eine Werkstatt auf Rädern, Mopeds und dergleichen mitten in unsere Wirklichkeit hinein. Eine aus der Katharinenkirche herauskommende Prozession zieht singend durch die Straße.

Im zweiten Aufzug dann Sachsens fahrbare Werkstatt. Mehrstöckige Häuser mit Balkonen und heraushängender Wäsche säumen die Szene. Man ist mitten in einer Stadt von heute und kann verstehen, dass Beckmessers nächtliches Ständchen an Eva die Anwohner nervt.

Auf einer Art Boxring messen sich dann im Schlussbild Beckmesser und Walther von Stolzing. Darüber flimmern Videos, die auf die Idolatrie unserer Tage, die Verehrung von Fußballstars und Sternchen hinweisen, Pokale werden geschwenkt und die Meistersinger werden auf der Festwiese vorgestellt wie die Spieler einer Fußballelf zu Beginn einer Fernsehübertragung: starr die Gesichter, die Arme verschränkend. Oktoberfeststimmung, Bayerisches. Und als Hans Sachs am Ende zu seinem pathetischen Lob der deutschen Kunst anhebt, verschwiemelt sich das Szenenbild, wird undeutlich und schemenhaft, auf den Videos sieht man aufgerissene Mäuler neben geschwenkten Pokalen –, das sind höchst sinnvolle und geradezu wohltuende Verfremdungen, die das Pathos der Textvorlage als Massenhysterie entlarven.

Und vor allem widerfährt Beckmesser Gerechtigkeit: sein Schicksal als „ewig Scheiternder, von der Natur Benachteiligter“ rührt an. Im Schlussbild sinkt er mit einer Pistole in der Hand wie ein Suizidopfer nieder. Ob er sich erschossen hat, wurde für den Rezensenten nicht deutlich, es liegt aber nahe, seine Absicht ist erkennbar. Oder es ist die einzige Alternative.

Natürlich kann man den übereifrigen Merker als eine von einem Antisemiten überzeichnete Karikatur des Juden ansehen. Insbesondere die Verballhornung des Preisliedes hat etwas Mitleidloses, gnadenlos Radebrechendes, so überdeutlich und – genaugenommen nicht besonders überzeugend – verkehrt und unsinnig ist der Text. Und so chancenlos von vornherein, er hätte so gut sein können wie er nur wollte –, es hätte ihm ohnehin nicht geholfen, Eva mochte diesen Mann nicht, da sie nunmal Stolzing liebte.

Bayerische Staatsoper München / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Wolfgang Koch als Sachs, Jonas Kaufmann als Stolzing, Sara Jakubiak als Eva © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper München / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Wolfgang Koch als Sachs, Jonas Kaufmann als Stolzing, Sara Jakubiak als Eva © Wilfried Hoesl

Aber Beckmesser ist mehr als nur der Glücklose und querulatorisch Erbärmliche. Er steht für den regelbesessenen Pedanten in der Kunst. Als einer, dessen Fähigkeiten sich unkünstlerisch in der Regelbeachtung erschöpfen. Ohne Beckmesser käme jedoch Hans Sachs nicht zu seiner Geltung als Kunstlehrer.

Die Gegnerschaft Sachsens zu Beckmesser ist keineswegs jedoch dialektisch. Auch Sachs hält an der Form fest, sie ist für ihn nur nicht das Ganze. Kein Inhalt ohne Form. Ohne Form wäre die Kunst nichts als Chaos, zielloses Suchen, das in der Verzweiflung eines bindungslosen Nichts endet. Sachs lehrt das Genie Stolzing, die Form oder hier: die Regel zu beachten, seinem Preislied die Fassung eines in sich geschlossenen Kunstwerks zu geben. Und schließlich auch die Meister – um ihrer zugegeben nur gutgemeinten, aber letztlich im sturen Regelwerk hängenbleibenden Kunstliebe willen  – nicht zu verachten. Kunstliebhaber müssen keine Künstler sein. Aber sie müssen den Text, den ihnen die Kunst unterbreitet, verstehen. Anhand der Form, Schritt für Schritt zum Inhalt voransschreitend.

Das Ensemble der Aufführung in München ist hervorragend besetzt. Eine Starbesetzung. Wolfgang Koch (Foto) strahlt mit seinem sonoren Bass und seiner Präsenz Autorität aus. Nicht anders Georg Zeppenfeld als Veit Pogner. Das ist höchstes Niveau, gepaart mit einer profunden Erfahrung, die auf den großen Bühnen der Welt, nicht zuletzt in Bayreuth, gesammelt wurde. Ein Höhepunkt Zeppenfelds Auftritt im 1. Aufzug.

Daniel Kirchs Tenor –, er verkörperte Walther von Stolzing –, ist geschmeidig und klar, sein Spiel ist modern, er ist ein smarter junger Mann, weniger arrogant als es Wagners Text nahelegt, sehr nahe am Weltverständnis der Jugend, mit einem Wort: cool. Der Beckmesser von Markus Eiche ist tragisch-komisch, nicht ohne Würde. Da ist David, von Daniel Behle schon eher ans Schnippische herangespielt, ein kerniger Tenor, nicht ohne Eleganz, ein Lehrjunge, dem man abnimmt, dass er selbst dem Meister Paroli zu bieten vermag.

Auch die Frauenrollen sind glänzend besetzt. Spritzig und einfühlsam die Eva von Julia Kleiter, warm der Sopran von Claudia Mahnke als Magdalene. Ein wunderbar schunkelndes und augenzwinkerndes, die Köpfe zusammensteckendes Frauenpaar.

Und erst der Dirigent. Man möchte Trauer im Gedanken daran tragen, dass Kirill Petrenko München verlässt. Kommen Sie bitte ab zu wieder, Maestro!

Petrenko versteht es, die seelischen Vorgänge der Handlung bis in die Nuancen mit dem grandiosen Bayerischen Staatsorchester musikalisch nachzuzeichnen. Jeder Vorgang auf der Bühne erhält erst durch die Musik Sinn und Zusammenhang. Erregend schön besonders  der orchestrale Tumult, den er in der Prügelszene des 2. Aufzugs entfacht. Das ist nicht nur Wagner, da ist ein ganzes Stück Petrenko dabei. Eine ans Wahnwitzige herandirigierte Tonvielfalt, ein das Chaos nicht scheuendes Getöse, modern und alt zugleich, verwirrend und so aufregend, dass man als Zuhörer unwirklich mitdirigierend im Tönegewirr herumfingerte. Ist das schon atonal oder – wie Martin Geck meint –  an „die hetzerischen Chöre der Volksmenge aus Bachs Passionen“ erinnernd? Es ist auf jeden Fall Petrenko und fesselnd.

Ich bitte um Verzeihung: in München gefiel es mir besser.

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

 

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