Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Otello – Giuseppe Verdi, 15.11.2018

November 2, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Otello  –  Giuseppe Verdi

Inszenierung Michael Thalheimer

Premiere am 15. November im Theater Duisburg: Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18.00 Uhr mit Gespräch und Probenbesuch

Am Donnerstag, 15. November, um 19.30 Uhr ist Premiere im Theater Duisburg: Die Deutsche Oper am Rhein bringt Giuseppe Verdis Oper Otello in der Inszenierung von Michael Thalheimer auf die Bühne. Gerade in Duisburg ist der vielfach ausgezeichnete Theaterregisseur eine bekannte Größe: Sieben seiner Schauspiel-Inszenierungen waren seit 2003 bei den Duisburger Akzenten vertreten, zuletzt Die Perser (2018) in einem Gastspiel des Wiener Burgtheaters und Penthesilea (2017) in einer Aufführung des Schauspiels Frankfurt. Nun stellt sich Michael Thalheimer erstmals mit einer Opernproduktion im Theater Duisburg vor. IOCO berichtete kürzlich über eine Thalheimer Inszenierung am Wiener Burgtheater:  Glaube liebe Hoffnung von Ödön von Horvath.

Deutsche Oper am Rhein / Otello - Zoran Todorovic (Otello) und der Chor der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Otello – Zoran Todorovic (Otello) und der Chor der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Otello, General der Republik von Venedig, ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als der Fähnrich Jago sein vernichtendes Werk beginnt. Er beneidet Otello um alles, was er nicht besitzt: seine Macht, sein Charisma und seine Liebe zu Desdemona. Doch er erkennt, dass Otello kein strahlender Held, sondern ein in sich gefangenen ist, verwundbar durch den Stachel der Eifersucht – ein Gift das ihm jede Kontrolle entzieht. Am Ende tötet Otello Desdemona, den einzigen Menschen, der ihn aufrichtig liebt, als müsste er sich damit von seinen Ängsten, Zwängen und Selbstzweifeln befreien.

In einer hochkonzentrierten, abstrakten Bildsprache schärft Michael Thalheimer den Blick für die Psychologie, Emotionalität und Körperlichkeit der Figuren und setzt das Eifersuchtsdrama unter geradezu atemlose Spannung. Ein schwarzer Bühnenraum mit wenigen Requisiten und minimalistischen Lichteffekten genügt Thalheimer, um aus dem Dunkel in Otellos Psyche einen dramatischen Sog zu entwickeln. Große Erfolge feierte seine mit Henrik Ahr (Bühnenbild), Michaela Barth (Kostüme) und Stefan Bolliger (Licht) entwickelte Inszenierung bereits in Antwerpen, Gent und Düsseldorf.

Im Theater Duisburg übernimmt Antonino Fogliani die musikalische Leitung der Duisburger Philharmoniker und des neu besetzten Sänger­ensembles: Gustavo Porta, ein Spezialist für die großen italienischen Tenor­partien, ist Otello. Simon Neal, der in Düsseldorf zuletzt als Wotan gefeiert wurde, verkörpert Otellos Gegenspieler Jago. Brigitta Kele, Ensemblemitglied von 2012 bis 2016, kehrt als Desdemona an den Rhein zurück.

In der Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18 Uhr geben Antonino Fogliani, Gustavo Porta und Simon Neal im Gespräch mit Chefdramaturgin Hella Bartnig Einblick in die Produktion, bevor die Besucher im Theater Duisburg den ersten Teil der Bühnenorchesterprobe miterleben dürfen. Der Eintritt ist frei.

Otello im Theater Duisburg: Do 15.11., 19.30 Uhr (Premiere) / Di 20.11., 19.30 Uhr / Fr 23.11., 19.30 Uhr   Sa 01.12., 19.30 Uhr / So 09.12., 15.00 Uhr / Mi 12.12., 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan November und Dezember 2018

Oktober 18, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de


Oper und Ballett am Rhein im November und Dezember 2018


Fr 02.11. – 18.00 Uhr
Theater Duisburg
Opernfoyer
Opernwerkstatt zur Premiere von „Otello“

Im Gespräch mit Ensemblemitgliedern gibt Chefdramaturgin Hella Bartnig Einblick in die Produktion und die Gelegenheit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.


Sa 03.11. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf Rangfoyer
Wiederaufnahme: „La Cenerentola“
Gioacchino Rossinis charmante Version des Märchens vom Aschenputtel besticht durch ihre temperamentvolle Musik und überbordende Lebensfreude. Der Opernmagier Jean-Pierre Ponnelle hat ihr mit seiner witzigen und eleganten Inszenierung ein unsterbliches Denkmal gesetzt.


So 04.11. – 11.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Rangfoyer
Symphoniker im Foyer:
Aus Böhmen, Ungarn und England

Dem 2. Klavierquintett A-Dur op. 81 von Antonin Dvo?ák, – einem Highlight der Kammermusik – stellen Solisten der Düsseldorfer Symphoniker Ernst von Dohnányis Serenade op. 10 gegenüber, ein Streichtrio voller Spielfreude und Fantasie. Anna Harvey, die neue Mezzosopranistin im Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, unternimmt mit „Three Songs“ von Frank Bridge einen Ausflug nach England.


Do 15.11. – 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE: „Otello“ von Giuseppe Verdi

In einer hochkonzentrierten, abstrakten Bildsprache schärft der vielfach ausge­zeichnete Theaterregisseur Michael Thalheimer den Blick für die Psychologie, Emotionalität und Körperlichkeit der Figuren und setzt das Eifersuchtsdrama unter geradezu atemlose Spannung. Große Erfolge feierte seine Inszenierung bereits in Antwerpen, Gent und Düsseldorf. Mit neuer Sängerbesetzung feiert sie Premiere in Duisburg.


Sa 17.11. – 19.30 Uhr Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:
„Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Oper über den Frauenverführer, Herzensbrecher, Womanizer. Wer ihm begegnet, wittert Gefahr, doch auch die verführerische Chance, sich von Konventionen zu befreien und Neues zu wagen. Die Inszenierung von Karoline Gruber unter der musikalischen Leitung von Antonino Fogliani.


Sa 17.11. – 18.00 Uhr
Theater Duisburg
Sternstunden der Oper: DRK-Gala 2018

Benefiz-Gala zu Gunsten des Deutschen Roten Kreuzes in Duisburg mit Solisten der Deutschen Oper am Rhein, dem Kinderchor am Rhein und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Lukas Beikircher.


Fr 23.11. – 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE: Ballett am Rhein – b.37:
Robert Binet: „New World“ / Natalia Horecna: „The Way Ever Lasting“ / Remus ?uchean?: „Fantaisies“

Drei Uraufführungen bestimmen das Programm b.37: Robert Binet gehört zu den  meistumworbenen Nachwuchstalenten der Szene. Zu Musik von Nico Muhly verbindet er in „New World“ Geschichten über die Entstehung des Universums mit unserer Realität. Nach ihrem beeindruckenden Düsseldorf-Debut mit „Wounded Angel“ vor zwei Jahren geht es Natalia Horecna in „The Way Ever Lasting“ um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse, Falsch und Richtig. Remus ?uchean? sieht in den „Fantaisies“ zu Martin?s 6. Sinfonie einen sommernächtlichen Traum voller phantastischer Wesen und Dunkelheiten. Jean-Michaël Lavoie dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.


Di 27.11. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:
„Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Bilderrausch und Bühnenzauber: Nach ihrem Welterfolg mit Mozarts „Zauberflöte“ ist die zweite Opernproduktion der britischen Theatergruppe „1927“ wieder in Düsseldorf zu sehen: In Igor Stravinskys Ballett „Petruschka“ und Maurice Ravels Kurzoper „L’Enfant et les Sortilèges“ verschmelzen Bühnenaktion, Akrobatik und handgezeichnete Animationen mit den Gesangs- und Orchesterstimmen.


Fr 30.11. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Hänsel und Gretel“
Die Märchenoper für die Weihnachtszeit!


Di 04.12. – 18.00 Uhr
Theater Duisburg
Opernwerkstatt zur Premiere „Die Fledermaus“
Im Gespräch mit dem Regieteam gibt Chefdramaturgin Hella Bartnig Einblick in die Operettenproduktion und Gelegenheit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.


Sa 08.12. – 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn)
„Die Fledermaus“, das Glanzstück der Operette, neu inszeniert von Axel Köhler. Mit einem Bühnenbild und Kostümen von Frank Philipp Schlößmann, musikalisch geleitet von Benjamin Reiners.


So 09.12. – 11.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf Rangfoyer
Uni goes Opera
Die schönsten Liebesszenen der Opernliteratur, präsentiert von Orchester und Chor der Heinrich-Heine-Universität sowie Solisten der Deutschen Oper am Rhein.


Di 11.12. – 19.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Weihnachten mit Freunden
Konzert für den Freundeskreis und alle Opernfreunde mit Solisten aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein und den Duisburger Philharmonikern.


Do 13.12. – 18.00 Uhr Opernhaus Düsseldorf
Rangfoyer
Opernwerkstatt zur Premiere von „Maria Stuarda“
Dramaturgin Anna Grundmeier spricht mit Ensemblemitgliedern über die Produktion und lädt zum Probenbesuch ein. Der Eintritt ist frei.


Fr 14.12. – 18.00 Uhr
Theater Duisburg
Wiederaufnahme: „Hänsel und Gretel“
Die Märchenoper für die Vorweihnachtszeit!


So 16.12. – 11.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Weihnachten in Lied und Wort

Die Matinee mit Liedern und Texten zur Weihnachtszeit ist beim Publikum inzwischen so beliebt, dass sie vom Foyer in den großen Zuschauersaal umzieht. Solisten der Deutschen Oper am Rhein präsentieren ein stimmungsvolles Liedprogramm, Operndirektor Stephen Harrison begleitet sie am Flügel. Die Texte interpretiert der bekannte Schauspieler Stefan Wilkening.


Mi 19.12. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Maria Stuarda“ von Gaetano Donizetti

Das dramatische Kräftemessen zweier Königinnen, die sich im wirklichen Leben nie begegnet sind: Adela Zaharia ist die schottische Königin Maria Stuarda, der Maria Kataeva als Elisabetta I. gegenüber steht. Die Inszenierung von Guy Joosten wird von Antonino Fogliani musikalisch geleitet.


Mo 31.12. – 19.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Silvestergala mit dem Ballett am Rhein

Silvester wird im Opernhaus getanzt: Eigens für diesen besonderen Abend haben die beiden Direktoren des Balletts am Rhein, Martin Schläpfer und Remus ?uchean?, ein Programm aus Klassikern der Compagnie sowie zwei Miniaturen, die noch nie im Opernhaus Düsseldorf zu sehen waren, zusammengestellt: Martin Schläpfers Wien-Ballett „Marsch, Walzer, Polka“ sowie Jerome Robbins’ „The Concert“ aus den 1950er Jahren – eines der witzigsten Stücke der Tanzgeschichte – treffen auf den romantischen Pas de deux „Romanze“ und das Trio „Mönche und Nonne“. Christoph Altstaedt kehrt ans Pult der Düsseldorfer Symphoniker zurück, am Klavier ist der junge israelische Pianist Matan Porat zu erleben.

Karten und weitere Informationen sind erhältlich im Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211.89 25 211), an der Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203.283 62 100) sowie online über www.operamrhein.de.

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Wien, Burgtheater, Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth, IOCO Kritik, 12.10.2018

Oktober 13, 2018 by  
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Burgtheater Wien © Georg Soulek / Burgtheater

Burgtheater Wien © Georg Soulek / Burgtheater

Burgtheater Wien

Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth

–  Fiktion oder Wirklichkeit: Alles nur im Auge des Betrachters ? –

Von Viktor Jarosch

Ödon von Horváth Grabstätte in Wien © IOCO

Ödon von Horváth Grabstätte in Wien © IOCO

Ödön (Edmund – ung.) von Horváth (1901 – 1938) entstammt einer österreichich-ungarischen Diplomatenfamilie und lebte nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Doppelmonarchie zumeist in Wien und Murnau. Glaube Liebe Hoffnung war sein neuntes Drama, welches er gemeinsam mit dem Gerichtsreporter Lukas Kristl 1932 schrieb. Kristl beklagte sich seinerzeit bei  Horvath, daß Dramatiker immer nur über große Kapitalverbrechen schreiben, niemals über  kleine Verbrechen, denen man landauf-landab begegnet, oft  durch  Unwissenheit ausgelöst, doch mit  dramatischen Folgen für das Leben vieler Menschen. Die Protagonisten in Glaube Liebe Hoffnung, Elisabeth, den Schupo, Frau Amtsgerichtsrat, den Oberinspektor: ihre Schicksale sind real, hat Kristl persönlich erlebt. Mit Ödön von Horváth schuf Kristl das Drama Glaube Liebe Hoffnung.

Horváth sucht in seinen sozialpolitischen Werken die „Demaskierung des Bewusstseins“: der von Totalitarismus und Kriegen zerrissenen menschlichen Einzelschicksale;  von verarmten Kleinbürgern, Frauen in patriarchalischer Unterdrückung und einer sozial entmündigten  Gesellschaft.  Aggressive, gefühlskalte  aber reale Minderwertigkeitsgefühle von Mittel- und Unterschicht, in engstem Miteinander gelebte Gefühlskälte wird mit eigener Sprache, „Ur-Wienerisch“, konterkariert er: Gewohnte, gelegentlich artifizielle Umgangssprache von Mittel- und Unterschicht paart Horváth mit eigener, leerer Dialogsprache und schafft grausam schräg wie abstrus wirkende Synthesen. In Horváths  Welt, in einer gedanken- wie rücksichtslosen Gesellschaft überleben Banditen, Scharlatane und  Adabeis  gut; Schwache dagegen werden zerrieben.

Ödön von Horvath, von den Nationalsozialisten verfolgt,  von einem fallenden Ast 1938 in Paris erschlagen, zeigt in Glaube  Liebe Hoffnung, dass Tiefgründiges, Lächerliches wie Brutales oft nur einen kleinen Spalt breit getrennt leben: höchst aktuell in unserer heutigen, von wie vielen Gesellschaftsschichten über  iPad, Facebook, Twitter und Co. so intensiv wie rücksichtslos getriebenen Kommunikationswelle. Der Untertitel des Stückes  „Ein Totentanz in fünf Bilder“ konterkariert erste, im Titel Glaube Liebe Hoffnung aufkeimende  Lebensfreude.

Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth
Youtube Trailer  des Burgtheater Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Handlung: Glaube Liebe Hoffnung zeichnet das Schicksal der jungen, hoffnungsfrohen Elisabeth, welche unbedingt für ihr Dasein arbeiten möchte; in ihrem gelernten Gewerbe Mieder, Hüftgürtel. Doch sie benötigt dafür einen kostenpflichtigen Wandergewerbeschein;  das für den Kauf erforderliche Geld versucht sie, durch den Verkauf ihres Leichnams schon zu Lebzeiten beim Anatomischen Institut zu erlangen; dies misslingt, doch der  Präparator des Instituts verliebt sich, leiht Elisabeth das notwendige Geld. Als er erfährt, dass Elisabeth „sein“ Geld nicht zur Bezahlung des Wandergewerbescheines verwendete sondern zur Bezahlung einer Vorstrafe, um dann der Wandergewerbeschein zu kaufen verlässt er Elisabeth ..

Regisseur Michael Thalheimer, am Berliner Ensemble derzeit beruflich zu Hause, inszeniert Glaube Liebe Hoffnung am Burgtheater. Mit zahlreichen, erfolgreichen  Inszenierungen, ua.  Elektra, Die Perser, ist Thalheimer in Wien wie am Burgtheater bestens etabliert.  Die Bühne im Burgtheater prägt ein breiter, riesiger Trichter (Bühne Olaf Altmann), der über der  leeren, fahl beleuchteten  Bühnenmitte endet: ein greller, schmaler Lichtstrahl aus dem Trichter-Ende leuchtet grell auf die unter ihm agierende „Menschheit“, auf  ausgespuckte Unterschichten.  Elisabeth (Andrea Wenzl) erscheint  dort in gleissendem Lichtkegel in hellem Sommerkleid; sie ist menschliche Lichtgestalt.

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung - hier : Merlin Sandmeyer als Schupo, Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung – hier : Merlin Sandmeyer als Schupo, Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Elisabeth zieht im Lichtkegel langsam ihre Lippen nach und erklärt der   unsichtbaren Umwelt wie dem Publikum  jung, naiv in Horvartschen Metaphern ihr Verhalten: „Im Oktober werden es acht Monate, dass ich abgebaut worden bin … Die letzte Brosche ist versetzt… Aber ich habe den Kopf nicht hängen lassen.“ Elisabeth bleibt stets lebensbejahendes Wesen; die raue herzlose Gleichgültigkeit ihrer Umgebung nimmt sie nicht wahr. Ein Schupo (Merlin Sandmeyer), erster Vertreter der unsozialen Wirklichkeit,  erscheint hinter ihr in verdrehter Motorik,  riecht an ihren Körper als wäre sie ein fremdes Wesen: Verdrehtes, Unsoziales ist die Realität des Schupos. Elisabeth in ihrer Menschlichkeit wird in der Realität des Schupo zum „Unmensch“, zum Außenseiter.

Der expressionistische Regieansatz Michael Thalheimers macht Ödön von Horváths Postulat, „möglichst rücksichtslos gegen Dummheit und Lüge zu sein“, mit der ersten Szene sichtbar: Elisabeth, von Andrea Wenzl  mit filigraner Dominanz vorgetragen, bleibt immer starke Frau, stets menschlich: „es kann doch auch weniger ungerecht zugehen“.. Bis zu ihrem Tod ist sie stets Mensch, der „den Kopf nicht hängen läßt“ und ist damit doch allzeit Außenseiter. Denn die Gesellschaft, in ihren banalen, rohen Verformungen, ist die herrschende Realität, welche Elisabeth letztlich tötet. Ödön von Horváth, ist bei aller Schrägheit der Sprache in seinen Werken immer kritisch; nichts hält er von “Juxspiegelbilder, parodiert nicht“.

Die reale Gesellschaft, die Umwelt von Elisabeth, jede Person wird  im Burgtheater in plakativer oft surrealer Optik überzeichnet: zunächst im Anatomischen Institut, wo Oberpräparator (Branko Samarovski), Präparator (Falk Rockstroh) und Vizepräparator (Marcus Kiepe) in blutverschmierten Fleischerschürzen grölend lachen, Tauben füttern oder sich in tiefstem Wienerisch anbrüllen: „Drinnen liegen die Finger und die Gurgeln nur so herum, daß es eine wahre Freud ist! Tuns die beiden Herzen und die halberte Milz gefälligst in die Schublad! Kreuzkruzifix, ist das aber eine Schlamperei!“. So plakatieren auch alle anderen Figuren ihre Gesellschaft, die Realität, das vermeintlich „Normale“: In detailreicher Optik und Sprache sind sie fühlbare Gegenspieler von Elisabeth: Irene Prantl (Christiane von Poelnitz), die bizarre Wäscheverkäuferin; der in Selbstmitleid vergehende Amtsgerichtsrat (Peter Mantic); Der Baron mit dem Trauerflor (Robert Reinagl); Eltz (Daniel Jesch), welcher Elisabeth eher nebenbei vergewaltigt.

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung - hier : Falk Rockstroh (Präparator), Branko Samarovski (Oberpräparator), Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung – hier : Falk Rockstroh (Präparator), Branko Samarovski (Oberpräparator), Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Elisabeth stirbt, verhungert, von Menschen umgeben, inmitten der Gesellschaft; ihre letzten Worte: „aber ich lasse den Kopf nicht hängen“. Der Schupo wühlt eine Blume aus der Hosentasche und wirft sie beiläufig auf die Tote. Gefühlsloses, hohles Verhalten hatte sich zum letzten Mal gezeigt.

Die fünf Bilder des „Totentanzes“ werden ebenso plakativ wie Spannung aufbauend getrennt: in düsterer Beleuchtung marschiert in großer Zahl uniformiert und gleichförmig die Weltgemeinschaft über die Bühne, alles niederreißend, was sich in den Weg stellt; begleitet von der stampfenden Rockmusik Led Zeppelins, Deep Purple, Janis Joplins.

Das ergreifende Geschehen auf der Bühne weicht zum Ende großem Zuspruch: Regisseur Michael Thalheimer, Bühne Olaf Altmann, Kostüme Katrin Lea Tag wie die die Darsteller auf der Bühne werden gefeiert: Andrea Wenzl polarisierte, gestaltete Menschlichkeit in filigraner Feinheit, während Schupo, Präparator, Prantl und das Ensemble in schwarzer Parodie in brillanter Personenführung Ecken und Kanten der realen wie tumben Gesellschaft spiegeln.

Das Burgtheater besitzt mit dieser Inszenierung von Glaube Liebe Hoffnung eine zeitgemäße wie anspruchsvolle Produktion. 1.340 Besucher im ausverkauften Burgtheater zollten ausdauernd großen Beifall, der bei Andrea Wenzl als Elisabeth in Jubel überging.

Burgtheater Wien / Zum Premierenbeifall das Ensemble von Glaube Liebe Hoffnung © IOCO

Burgtheater Wien / Zum Premierenbeifall das Ensemble von Glaube Liebe Hoffnung © IOCO

Glaube Liebe Hoffnung von Ödön von Horváth am Burgtheater Wien; weitere Vorstellungen am 14.10.; 27.10.; 11.11.; 15.11. 25.11.; 30.11.2018; weitere Termine folgen

—| IOCO Kritik Burgtheater Wien |—

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