Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett am Rhein – Premiere b.40 Morris – Brown – Cunningham – Taylor, 08.06.2019

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

b.40: Ein Fest des Modern Dance im Düsseldorfer Opernhaus

Mit Mark Morris, Trisha Brown, Merce Cunningham und Paul Taylor vereint das Ballett am Rhein vier Meister des American Modern und Postmodern Dance in einem Programm. Sie stehen exemplarisch für eine Revolution der Tanzsprache, die sich von der Unterordnung in die strengen Festlegungen des klassischen Balletts löste und den körperlichen Ausdruck an vorderste Stelle setzte. Auch ihre Offenheit gegenüber anderen Kulturkreisen und der Popkultur war stilbildend. Am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr, hat das Programm Premiere im Opernhaus Düsseldorf.

Deutsche Oper am Rhein / Paul Taylor: Offenbach Overtures – Ensemble © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Paul Taylor: Offenbach Overtures – Ensemble © Gert Weigelt

Über Jahrzehnte prägte eine Reihe von Choreographen mit der Entwicklung ihrer eigenen Stilrichtungen den Modern Dance in den USA. Einer ihrer herausragenden Vertreter ist Merce Cunningham, dessen 100. Geburtstag die Tanzszene auf der ganzen Welt mit der Einstudierung etlicher Stücke gedenkt. Mit „Night Wandering“ beteiligt sich das Ballett am Rhein am Cunningham Centenary und zeigt eine Rarität aus dem Jahr 1958, die seit 1969 bislang nur zweimal an andere Compagnien weitergegeben wurde. Am Klavier ist Alina Bercu zu erleben.

Trisha Brown, die bei Merce Cunningham studierte, gehörte zu den Leitfiguren der Postmoderne. In der von ihr entwickelten Tanztechnik bewegen sich Tänzerinnen und Tänzer in einem imaginierten Raum, den sie in unterschiedlichen Ebenen durchdringen. So bestimmen sich auch in ihrem Stück „Locus“ Raum und Bewegung auf faszinierende Weise wechselseitig.

Mark Morris gehört zu der jüngeren Generation US-amerikanischer Choreographen. Für sein 1995 geschaffenes Stück „Pacific“ ließ er sich von einem Trio für Violine, Violoncello und Klavier des Komponisten Lou Harrison inspirieren. Formen des klassischen Balletts, fernöstliche Einflüsse, eine starke Bodenverbundenheit und große Expressivität verschmelzen bei Morris zu seiner typischen, sehr vielschichtigen Tanzsprache. Franziska Früh (Violine), Doo-Min Kim (Violoncello) und Alina Bercu (Klavier) übernehmen die musikalische Interpretation.

Die „Offenbach Overtures“ aus dem Jahr 1995 zu Operettenklängen von Jacques Offenbach schließlich zeigen Paul Taylor als genauen Beobachter und Meister des tänzerischen Erzählens. Mit viel Humor und großer Musikalität setzt seine Choreographie einen gut gelaunten Schlusspunkt unter ein abwechslungsreiches Ballettprogramm, musikalisch interpretiert von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Francis Patrick Chestnut.


Ballett am Rhein – b.40 Morris / Brown / Cunningham / Taylor

Premiere Sa 08.06.2019, 19.30 Uhr, Opernhaus Düsseldorf

Weitere Vorstellungen Mo 10.06., Mo 24.06., Fr 28.06., So 30.06., Mi 10.07., Fr 12.07.2019

Dauer b.40: ca. 2 ¼ Stunden, zwei Pausen

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballettpremiere b.40, 08.06.02019

April 30, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballettpremiere b.40

am Samstag, 8. Juni 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf:

Mark Morris PACIFIC / Trisha Brown LOCUS TRIO / Merce Cunningham NIGHT WANDERING / Paul Taylor OFFENBACH OVERTURES

die nächste Premiere des Balletts am Rhein, zu der wir Sie sehr herzlich einladen, wird ein Fest des American Modern Dance: Mark Morris, Trisha Brown, Merce Cunningham und Paul Taylor an einem Abend erleben zu können, ist ein europaweit einzigartiges Projekt.

Deutsche Oper am Rhein / Ballettpremiere b.40 © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Ballettpremiere b.40 © Gert Weigelt

Für ein Werk wie „Pacific“ mit seinem fließenden, formbewussten Tanzstil wird Mark Morris nicht zu Unrecht als „Mozart des Modern Dance“ gefeiert. Trisha Brown gehörte zu den Leitfiguren der Postmoderne. In ihrem Ballett „Locus Trio“ konstituieren sich Raum und Bewegung auf faszinierende Weise wechselseitig. Eine ergreifende Wanderung zweier Menschen durch eine nordische Landschaft schuf Cunningham mit „Night Wandering“, dessen Neueinstudierung durch das Ballett am Rhein auch Teil des weltweit gefeierten Merce Cunningham Centennial zum 100. Geburtstag des Choreographen ist. Paul Taylor schließlich entlarvt in seinen „Offenbach Overtures“ Ballettkonventionen und so manche menschliche Verhaltensweise und sorgt damit für einen wunderbar witzigen Ausklang.


PACIFIC Mark Morris
Man bezeichnet ihn als „Mozart des Modern Dance“ und die New York Times sprach kürzlich von einem der „bedeutendsten lebenden Choreographen“. Die meisten seiner Werke kreierte Mark Morris für seine in New York ansässige Mark Morris Dance Group, die seit ihrer Gründung 1980 seine unverwechselbare Handschrift trägt. In Europa dagegen macht sich der geniale Tanzschöpfer seit seinem von Gérard Mortier in Auftrag gegebenen Händel-Pasticcio „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ eher rar. Umso größer ist die Sensation, dass das Ballett am Rhein nun in seinem dem Modern Dance gewidmeten Programm b.40 erstmals ein Ballett des Amerikaners präsentieren kann. „Pacific“ – entstanden 1995 für das San Francisco Ballet – ist eine luzide Verbindung von Mark Morris’ fließendem und zugleich äußerst formbewussten Tanzstil mit der Musik von Lou Harrison.

MUSIK 3. und 4. Satz aus dem Trio für Violine, Violoncello und Klavier von Lou Harrison

CHOREOGRAPHIE : Mark Morris
KOSTÜME : Martin Pakledinaz
LICHT : James F. Ingalls
EINSTUDIERUNG : Tina Fehlandt
VIOLINE : Franziska Früh
VIOLONCELLO : Doo-Min Kim
KLAVIER : Alina Bercu


LOCUS TRIO Trisha Brown
Trisha Brown gehörte zu den Leitfiguren des amerikanischen Post Modern Dance. Im Denken mit Merce Cunningham verwandt, ging sie doch ihre ganz eigenen Wege mit einem Tanz, der sich von alltäglichen Bewegungen, experimenteller Musik und Kunst inspirieren ließ und immer wieder ein Thema fokussierte: die Schwerkraft. In ihrer 1975 entstandenen Choreographie „Locus Trio“ imaginierte Trisha Brown ein auf dem Boden markiertes Quadrat als dreidimensionale Form. 26 Punkte an den sechs Seiten des Würfels sowie ein 27. in seinem Mittelpunkt werden den Buchstaben des Alphabets zugeordnet und mit einem einfachen biographischen Statement verbunden. Der Raum bleibt nicht nur passive Umgebung für den sich in der Stille entfaltenden Tanz, sondern wird zu einem „Locus“, einem geometrischen Ort, der die Kinesphäre der Tänzer ebenso definiert wie die Architektur der Choreographie. Auf faszinierende Weise konstituieren sich Raum und Bewegung wechselseitig.

Ein Neueinstudierungs-Projekt der Trisha Brown Dance Company mit dem Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

CHOREOGRAPHIE : Trisha Brown
EINSTUDIERUNG : Diane Madden


NIGHT WANDERING Merce Cunningham
Mit „Night Wandering“ erweitert das Ballett am Rhein sein Repertoire um ein einzigartiges Stück des post-modernen Choreographen Merce Cunningham. Durch die Arbeit mit Zufallsprozessen entwickelte der Amerikaner im Laufe seiner Karriere eine unverwechselbare Handschrift, die auf klaren Linien und abstrakten Bildern beruht. Der Tanz an sich, aber auch unbewusst und zufällig aus Bewegung abgeleitete Geschichten stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Die Uraufführung von „Night Wandering“ fand 1958 im Königlichen Theater von Stockholm statt, getanzt von Cunningham selbst und Carolyn Brown zu Musik des schwedischen Komponisten Bo Nilsson. Auf der Bühne bewegen sich zwei Gestalten in einer dunklen, „verschneiten“ Szenerie. Still und konzentriert, eine geheimnisvolle Sprache sprechend, begeben sie sich in ein Spiel der Begegnung und Verführung … Eine ergreifende Wanderung zweier Menschen durch eine schier unendliche nordische Landschaft.

MUSIK „Bewegungen“, „Quantitäten“ und „Schlagfiguren“ von Bo Nilsson

CHOREOGRAPHIE : Merce Cunningham
KOSTÜME : Robert Rauschenberg
LICHT : Beverly Emmons
EINSTUDIERUNG : Julie Cunningham
REKONSTRUKTION KOSTÜME : Stefanie C. Salm
KLAVIER : Alina Bercu


OFFENBACH OVERTURES Paul Taylor
Bis heute leitet Paul Taylor, der nicht nur den Modern Dance entscheidend geprägt, sondern auch immer wieder Brücken zum klassischen Ballett geschlagen hat, seine 1955 gegründete Company Paul Taylor‘s American Modern Dance. In seinem vielfältigen Œuvre zeigt er sich als genau beobachtender Dramatiker, Komiker, Humanist, Psychologe, Soziologe, Geschichtenerzähler – mal voller Romantik, mal voller Satire, manchmal nicht mehr als ein Feuerwerk an furiosen Bewegungen entfachend, dann wieder die Finger in die offenen Wunden unserer Zeit legend. In „Offenbach Overtures“ nimmt der New Yorker Starchoreograph nicht nur Ballettkonventionen auf den Arm, sondern entlarvt auch so manche menschliche Verhaltensweise. Ein herrlich witziger Ausklang für das American Modern Dance-Programm b.40.

MUSIK Ouvertüre „La Grande Duchesse de Gérolstein“, Ouvertüre „Barbe-Bleue“, „American Eagle Waltz“, Ouvertüre „Die Rheinnixen“ sowie Galopp aus „Flocons de Neige“ von Jacques Offenbach

CHOREOGRAPHIE : Paul Taylor
MUSIKALISCHE LEITUNG : Patrick Francis Chestnut / David Chestnut
BÜHNE & KOSTÜME : Santo Loquasto
LICHT : Jennifer Tipton
EINSTUDIERUNG : Richard Chen See
ORCHESTER : Düsseldorfer Symphoniker

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Münster, Westfälisches Landesmuseum, Bauhaus – Als die Bilder tanzen lernten, IOCO Kritik, 27.11.2018

November 28, 2018 by  
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 Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene. © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster

Westfälisches Landesmuseum feiert – 100 Jahre Bauhaus

– Als die Bilder tanzen lernten –

Von Hanns Butterhof

Bauhaus, das sind weiße kubische Häuser, funktionale Möbel und schickes Design. Dass das nicht alles ist, sondern dass Bauhaus ein interdisziplinäres Labor für Licht- und Bewegungs-Experimente war und auch in diesem Sinne heute noch weiter wirkt, lässt die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung im Westfälischen Landesmuseum Münster eindrucksvoll sinnfällig werden.

Die Ausstellung kommt etwas früh, entstand doch das Staatliche Bauhaus in Weimar erst am 12. April 1919 mit Walter Gropius (1883 – 1969) als erstem Direktor und Namensgeber der Schule. Unter politischem Druck zog es 1925 nach Dessau um, wo die NSDAP nach gewonnener Gemeindewahl 1932 seine Schließung durchsetzte. Im gleichen Jahr wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin verlegt, aber schon 1933 endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

In sechs Räumen im zweiten Stock des Museums ermöglicht die Ausstellung nun mit 150 Objekten von 50 Künstlern einen umfassenden Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der nach Amerika emigrierten Bauhäusler zu amerikanischen Künstlern. Der formale Schwerpunkt liegt auf den Licht- und Bewegungs-Experimenten. Die ergaben sich aus dem programmatischen Anspruch des Bauhauses, die herkömmlichen Gattungsgrenzen zwischen der bildenden, der angewandten und der darstellenden Kunst zu sprengen. Damit öffnete sich der Weg für Licht- und kinetische Kunst, für den Experimental-Film wie auch für Tanz und Performance mit unübersehbaren Wirkungen bis ins Heute.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round #2 © Hanns Butterhof

Ein Beleg für diese fortdauernde Wirkung empfängt die Besucher bereits beim Eintritt in die Ausstellung. Den ersten Raum beherrscht leise klappernd ein Karussell mit bunten Blechfiguren, das wie eine Kombination von Blechspielzeug und Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge anmutet. Dieses von Marcel Dzama 2018 geschaffene Werk Merry go round #2 (Foto) ist kein unmittelbares Bauhaus-Produkt, bezieht sich aber direkt auf Entwurfszeichnungen für Figuren von Oskar Schlemmer (1888 – 1943) zum Ballett Spielzeug von 1928 und von Wassily Kandinsky (1866 – 1944) für Szenen zu dem Klavierstück Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski (1839 – 1881), die im gleichen Raum zu sehen sind. Als charakteristisch erweisen sich die geometrischen Formen und damit die Entindividualisierung sowie das Spiel mit den je nach Beleuchtung wechselnden Farben. Die Lust, statt Bilder anderes zu gestalten, ist unübersehbar.

Andor Weininger (1899 – 1986) trieb diese Gedanken weiter und entwarf eine mechanische Bühnenrevue, in der die menschlichen Akteure ganz durch mechanisch bewegte Farbflächen ersetzt wurden. Die theoretische Voraussetzung dafür war die Annahme, dass das Zusammenspiel von Bewegung, Licht, Farbe, Form und Ton auf die Zuschauer ohne jedes spezielle Vorwissen wirken würde – und um die ging es ja unmittelbar nach dem Zusammenbruch der feudalen, auch ästhetischen Vorherrschaft.

UNKNOWN TERRITORIES – Tanz-Theater am Theater Münster mit den Grundintentionen des Baushaus – IOCO-Bericht HIER!

Von daher ist es nur ein kleiner Schritt zu einer das klassische Ballett ablösenden Tanz-Kunst, die im zweiten Raum der Ausstellung mit Schwarzweiß-Fotografien und Videos dokumentiert wird. Auch hier ist die Tendenz deutlich, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken. Am Black Mountain College in North Carolina, an dem der 1933 nach Amerika emigrierte Bauhäusler Josef Albers (1888 – 1976) das Programm der künstlerischen Ausbildung verantwortete, setzte vor allem Xanti Schawinsky (1904 – 1979) die Bühnenarbeit des Bauhauses fort. Er inspirierte Merce Cunningham (1919 – 2009) und Robert Rauschenberg (1925 – 2008), die mit dem experimentellen Komponisten John Cage (1912 – 1992) dem Tanz wesentliche Impulse zur Entwicklung der Performance gaben; in ihr wird auf die Wiedergabe einer Erzählung verzichtet und stattdessen auf vorgefundene Materialien und Alltagsgegenstände in der Umwelt reagiert. Auf fünf Monitoren kreiseln nun abstrakte kubische Figuren, führen Taxis ein Ballett auf und kontrastieren Musik-Tanz-Collagen von Merce Cunningham und John Cage mit der ernsthaft konventionellen Präsentation durch den Fernseh-Ansager.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Auf verschiedene Weisen zeigt sich so die allgemeine Tendenz des Bauhauses, sich auf möglichst keine traditionellen Bildungs-Inhalte einzulassen und voraussetzungslose ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen. Ideal erwies sich dazu das populäre Medium Film, in dem etwa Walter Ruttmann (1887 – 1941) und Viking Eggeling (1888 – 1976) abstrakte Linien und Formen in Bewegung setzten. Völlig mechanisch arbeitet das in einem eigenen Raum aufgestellte Prunkstück der Ausstellung, der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy (1895 – 1946). Die automatisierte Skulptur dreht sich, von einem Motor bewegt, um sich selbst und wirft bewegte Licht- und Schattenprojektionen ihrer Einzelteile an die Wand; Licht und Bewegung werden zum alleinigen, etwas merkwürdig selbstgenügsamen Inhalt.

Ähnlich, aber in der Verwendung von Motiven aus Bildern von Paul Klee (1879 -1940) populärer, sind Farbenlichtspiele von Ludwig Hirschfeld-Mack (1893 – 1965), für deren Projektionen auf die Leinwand eine erstaunlich detaillierte Reihe von Partituren zu sehen ist.

Die Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie und dem absoluten, abstrakten Film, denen weitere Räume gewidmet sind, dürfte für die Produzenten interessanter als das Resultat für die Betrachter gewesen sein. So zeigt der Film von Oskar Fischinger (1900 – 1967) Komposition in Blau das Ballett ein- und mehrfarbiger Klötzchen, Platten und Kugeln zu einer erstaunlich unmodernen Operettenmusik.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Ein Raum ist Josef Albers und seiner Wirkung auf die Op-Art gewidmet. Die ausgestellten Werke sind meist stark leuchtende, geometrische Figuren, die zu flimmern und sich kaleidoskopisch zu bewegen scheinen. Was sich hier noch meistens im Rahmen hält, entgrenzt sich im Folgeraum. Da modellieren Hannes Beckmann (1909 – 1977) oder Lillian Florsheim (1896 – 1988) feinstofflich mit Licht wie es Bildhauer handfester mit Ton tun. Die Bilder tanzen schließlich selbst aus dem Rahmen.

Die Ausstellung feiert das Bauhaus, und das ist für eine Jubiläumsausstellung nicht ungewöhnlich. Doch hätte der wissenschaftlich aufwendige, sorgfältig die Schwerpunkte beschreibende Katalog die Grundannahmen der Bauhaustheorie auch kritisch befragen können, statt sie nur billigend hinzunehmen. Welchen Gewinn hat die Entgrenzung der künstlerischen Gattungen erbracht und wie wäre er messbar? Welchen Beitrag hat das Bauhaus zu dem geleistet, was als Unwirtlichkeit unserer Städte beschrieben wird? Und wie steht es mit dem Anspruch, ein nicht ästhetisch vorgebildetes Publikum unmittelbar anzusprechen, angesichts der breiten Kluft zwischen einer Elite der Vor- und den Nicht-Vorgebildeten?

Dass das Bauhaus auch heute noch seine Fruchtbarkeit entfaltet, zeigt eine durch das Landesmuseum angeregte Tanzaufführung im Theater Münster. Dort hat Hans Henning Paar, der das TanzTheaterMünster leitet, in seinem Stück Unknown Territories vor allem der Maxime des Bauhauses Rechnung getragen, die herkömmlichen Gattungsgrenzen der Kunst zu sprengen. Der Sprache, dem Bühnenbild mit Videoeinspielungen und Sound räumt er nahezu gleichen Rang wie dem Tanz seines 12-köpfigen Ensembles ein. Paar bezieht sich zudem auf die Bauhaus-Tendenz, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken.

In kleinerem Rahmen führen die Choreographen Matthias Markstein und Isaak Spencer die eigens zur Ausstellung entworfene Tanzperformance MESH an acht Terminen im Foyer des Landesmuseums auf.

Der Katalog zur Ausstellung (deutsch oder englisch) ist im Kerber Verlag Bielefeld erschienen. Die Museumsausgabe kostet 27 €.

Die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung endet am 10.3.2019 im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster. Weitere Informationen unter www.bauhaus-amerika.de

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Mitteilung des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, 28.11.2019:  Aufgrund der großen Nachfrage werden ab sofort mehr öffentliche Kunstgespräche in der Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung (bis 10.3.2019) angeboten. Von Donnerstag bis Sonntag können Kunstinteressierte nun zwischen verschiedenen Angeboten wählen.

„Wir kommen den Wünschen der Besucherinnen und Besuchern sehr gern nach“, äußert sich Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und betont: „Gemeinsam sieht man einfach mehr.“ Deshalb bietet das Museum samstags ab 16 Uhr und sonntags ab 11 Uhr auch kurze Spotlight-Rundgänge zur Bauhausbühne, zur Lichtkunst und zu den Fotoexperimenten an. Zudem gibt es regelmäßig einstündige Überblicke über das experimentelle Schaffen von den über 50 Künstlerinnen und Künstlern, zu denen Josef und Anni Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Xanti Schawinsky und László Moholy-Nagy zählen. Die einstündigen Rundgänge finden donnerstags um 16.30 Uhr, freitags um 16.00 und um 17.00 Uhr sowie samstags und sonntags um 14.00 und um 15.15 Uhr statt. Die Teilnahme ist mit einer gültigen Eintrittskarte kostenfrei. Die Teilnahmetickets sind 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung an der Museumskasse erhältlich.

Kinder von sechs bis zehn Jahren können darüber hinaus beim Bildschönen Samstag einen kreativen Zugang zum Bauhaus entdecken. Neben dem Ausstellungsbesuch steht hier die eigene künstlerische Praxis im Atelier im Fokus. Hier geht es beispielsweise um die bewegte Bühne, das Schwarzlichttheater oder analoge Fotoverfahren. Die Inhalte wechseln wöchentlich. Eine Anmeldung im Besucherservice ist immer bis zum vorherigen Freitag um 12 Uhr möglich.

Alle Themen und Zeiten sind unter http://www.bauhaus-amerika.de aufgeführt. Für telefonische Fragen steht der Besucherservice unter Telefon 0251 5907-201 zur Verfügung.

—| IOCO Kritik Landesmuseum Münster |—