Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere OTELLO DARF NICHT PLATZEN!, 01.09.2019

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

OTELLO DARF NICHT PLATZEN! Das Musical
Brad Carroll / Peter Sham

Premiere So. 01.09.19, 19:30 Uhr, Stadttheater

Musical nach der Komödie von Ken Ludwig // Buch und Gesangstexte von Peter
Sham // Musik von Brad Carroll // Deutsch von Roman Hinze

Musikalische Leitung William Ward Murta Inszenierung Thomas Winter Bühne und Kostüme Ulv Jakobsen Choreografie Dominik Büttner Dramaturgie Jón Philipp von Linden Mit Dirk Audehm, Yun-Geun Choi, Mark Coles, Michaela Duhme, Christin Enke-Mollnar, Joshua Farrier, Patricia Forbes, Krzysztof Gornowicz, Jonas Hein, Navina Heyne, Franziska Hösli, Evelina Quilichini, Carlos Horacio Rivas, Roberta Valentini, Jeannine Michèle Wacker; Bielefelder Opernchor, Bielefelder Philharmoniker

Theaterdirektor Saunders ist verzweifelt: Das Opernhaus Cleveland fiebert einer Galavorstellung von Verdis Otello entgegen, die Theatergilde rotiert seit Wochen wegen des Festbanketts, der Saal ist lange ausverkauft, selbst Präsident Roosevelt hat sich angekündigt (wir schreiben 1934)! Als endlich der große Tag da ist, fehlt der wichtigste Gast: Startenor Tito Merelli. Was tun? Souffleur und Regieassistent Max ist bereit, einzuspringen, aber niemand darf etwas davon merken. Zwar taucht der vermisste Gast doch noch auf, hat auch sein Originalkostüm dabei, fällt aber nach einem handfesten Streit mit seiner Frau mithilfe von Beruhigungsmitteln in einen derart tiefen Schlaf, dass er die Vorstellung buchstäblich verschläft. Max brilliert als Otello, der Skandal ist abgewendet, das Publikum tobt – doch die Show hinter der Bühne geht jetzt erst richtig los, da diverse weibliche Mitglieder des Hauses die Chance auf ein Schäferstündchen mit dem Startenor durchaus nutzen wollen und Merelli selbst nicht nur aufgewacht ist, sondern sich ebenfalls in sein Otello-Kostüm geworfen hat …

Ken Ludwig schrieb 1986 die Komödie Otello darf nicht platzen als Schauspiel und landete damit seinen bisher größten Erfolg. Peter Sham und Brad Carroll, zwei Broadway-Autoren der jüngeren Generation, waren 2004 überraschenderweise die ersten, die auf die Idee kamen, ein Musical daraus zu machen. Was naheliegend war, schließlich lässt sich eine Komödie über die Oper und ihre Lieblings-Klischees mithilfe von Musik, Orchester, SängerInnen und Chor noch viel authentischer und spritziger erzählen.

Mit Jonas Hein (Max Garber) und Joshua Farrier (Tito Merelli) treffen ein Musical und ein Operntenor am Theater Bielefeld aufeinander, hochkarätig flankiert von Dirk Audehm (bekannt aus My Fair Lady), Jeannine Michèle Wacker (Daddy Langbein), Roberta Valentini (Das Molekül, City of Angels, Jekyll & Hyde u.v.a.m.) und Navina Heyne (Bonnie & Clyde) sowie dem überaus spielfreudigen Bielefelder Opernchor. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von William Ward Murta. Mit Thomas Winter (Inszenierung), Ulv Jakobsen (Bühne und Kostüme) sowie Dominik Büttner (Choreografie) ist ein Regieteam am Start, das der Komödie das richtige Timing, den nötigen »Drive« und jede Menge Charme zu verleihen imstande ist.

MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music, Hochzeit mit Hindernissen, Avenue Q, Frühlings Erwachen (Spring Awakening), My Fair Lady und Lazarus. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala-Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals: 1987 M … wie Marilyn
und sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote), das 2004 sehr erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 folgte ebenso erfolgreich die Uraufführung von The Birds of Alfred Hitchcock und in der Spielzeit 2016/17 die Uraufführung von Das Molekül, für das er in fünf Kategorien beim Deutschen Musical-Theaterpreis nominiert und mit dem von New England Biolabs (NEB) ausgelobten »Passion in Science Award 2019« in der Kategorie »Arts & Creativity« ausgezeichnet wurde.

INSZENIERUNG
Thomas Winter war Sänger der Kölner Soulfunk Band Upstairs bevor er von 1995 bis 1999 an der Folkwang Hochschule Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studierte. 1997 gewann er den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang (Musical, Chanson, Song). Von 1999 bis 2001 war er fest als Schauspieler am Theater Heilbronn und von 2001 bis 2005 am Staatstheater Oldenburg engagiert.
Seit 2005 arbeitet er als freier Schauspieler, war in Film- und Fernsehproduktionen wie Das Duo, SOKO München oder Der Baader-Meinhof-Komplex zu sehen und spielte unter anderem am Theater Bielefeld, im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, am Theater Münster, in der Bar jeder Vernunft in Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein und am Nationaltheater Mannheim.
Darüber hinaus ist er als Regisseur tätig und inszeniert u. a. an der Oper Chemnitz, am Volkstheater Rostock, am Theater Konstanz und am Theater Bielefeld, wo er auch seit 2011 die Spielstätte Loft künstlerisch betreut. Am Bielefelder Theater inszenierte er u. a. mit großem Erfolg City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano, Hochzeit mit Hindernissen, Das Molekül und My Fair Lady.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ulv Jakobsen wurde 1962 in Berlin-Pankow geboren. Er absolvierte sein Design- und Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und machte 1993 sein Diplom. 1992 war er Assistent bei Robert Wilson. Jakobsen war an über 80 Produktionen als Bühnen- und Kostümbildner an verschiedenen Theatern beteiligt. Darunter das Nationaltheater Lubljana (Slowenien), das Deutsche Theater Berlin, das Staatstheater Schwerin und das Theatret Vårt in Norwegen. Darüber hinaus arbeitete Jakobsen als Theater- und Filmautor in Schwerin, Bremerhaven und für den Kinofilm Die Datsche (2003). Seine Theaterplakate wurden mehrfach ausgezeichnet und fanden Aufnahme in staatliche und private Sammlungen. Am Theater Bielefeld war Ulv Jakobsen an den Musicalproduktionen City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano, Das Molekül und My Fair Lady als Bühnen- und Kostümbildner beteiligt.

CHOREOGRAFIE
Dominik Büttner studierte Schauspiel, Gesang und Tanz in Wien und sammelte bereits als Balletteleve erste Bühnenerfahrungen an der Wiener Staatsoper und an der Volksoper. Es folgten zahlreiche Engagements als Musicaldarsteller und Schauspieler, u. a. am Theater an der Wien, Theater des Westens Berlin, Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Karlsruhe, Bad Hersfelder Festspiele, Oper Kiel, Stadttheater Ingolstadt, Komödie Düsseldorf, Apollo Theater Stuttgart, Theater 11 Zürich und bei der Japan-Tournee von Elisabeth der Vereinigten Bühnen Wien. Dabei arbeitete er beispielsweise mit Helmut Baumann, Jürg Burth, Stefan Huber, Melissa King, Kim Duddy, Bernd Mottl, Otto Pichler, Harry Kupfer, Dennis Callahan, Werner Sobotka und Roman Polanski zusammen. Außerdem spielte er Rollen in TV-Produktionen von ZDF, NDR, WDR und im Kinofilm Polly Blue Eyes. Inzwischen ist er vermehrt auch als Choreograf und/oder Regisseur tätig, u. a. am Theater Bielefeld, Theater für Niedersachsen Hildesheim, den Schauspielbühnen Stuttgart, Stadttheater Ingolstadt, Tipi am Kanzleramt Berlin sowie für Theaterprojekte und Produktionen in Namibia, Russland, der Türkei und den USA. Daneben hat er einen Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin im Studiengang Musical und war Gastdozent an der University of Namibia und der University of North Carolina/USA.

BESETZUNG
Henry Saunders Dirk Audehm
Bernie Guter, Inspizient Carlos Horacio Rivas
Max Garber, Assistent Jonas Hein
Anna 1 (Dame der Operngilde) Evelina Quilichini
Anna 2 (Dame der Operngilde) Franziska Hösli
Anna 3 (Dame der Operngilde) Michaela Duhme
Diana Divane, Operndiva Navina Heyne
Maggie Saunders, Henrys Tochter Jeannine Michèle Wacker
Tito Merelli, Startenor Joshua Farrier
Maria Merelli, seine Frau Roberta Valentini
Bürgermeister von Cleveland Paata Tsivtsivadze
Harry, Liftboy Vladimir Lortkipanidze
Mickey, Polizist Krzysztof Gornowicz
Joe, auch Polizist Mark Coles

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Musicalpremiere: Me and My Girl, 20.11.2010, IOCO-Kritik, 26.11.2010

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Me and  my Girl  –  Musical  von Noel Gay

Kurzweil im Theater Mönchengladbach

Sprudelnde Fröhlichkeit im ausverkauften Theater Mönchengladbach: Premiere des Erfolgs – Musicals  Me and My Girl, Musik von Noel Gay, Buch und Gesangstexte von Arthur Rose und Douglas Furber.  Die Geschichte von Me and My Girl ist so erfolgreich wie schräg.  Am 17. Dezember 1937  im Victoria Palace Theater in London uraufgeführt,  wurde das Musical  über Nacht unerwartet populär.  So populär, daß es  1939  im BBC Hörfunk „live“ übertragen wurde. Die erste live-Übertragung eines Musicals überhaupt. Der damalige britische König George VI. und  Königin Elizabeth (Queen Mum) liebten das Stück und besuchten es wiederholt.  Während 1940  deutsche Luftangriffe über London und anderen britischen  Städten tobten entwickelte sich Me and My Girl und der Lambeth Walk,  englisch-skurril,  zu einem akustischen Widerstandssymbol. Bis 1941 war  Me and My Girl  1.646 Mal ensuite aufgeführt worden,  als  deutsche Flieger das Victoria Palace Theater zerstörten.  Der damals auch in Deutschland populär gewordene  Lambeth Walk wurde als jüdisches Machwerk verboten: So die  Reichskulturkammer„.  Mit der Zerstörung des Victoria Palace Theater verschwand auch   Me and my Girl  für Jahrzehnte aus den Spielplänen der Musiktheater. Erst 1985 brachte der Verleger Richard Armitrage,  Sohn von Noel Gay,  das Musical erfolgreich  zurück auf die Bühnen der Welt.

 

Me and My Girl ist urtypisch Britisch.  Mentalität und  Cockney-Jargon des Londoner Arbeiterbezirks  Lambeth  trifft auf die upper-class Noblesse des edlen Mayfair und Hareford Bill Snibson aus Lambeth,  mehr vertraut mit Gelegenheitsjobs und  Taschendiebstahl,  erfährt überraschend, daß er Millionenerbe eines Earls in Hareford wurde. Das Erbe darf Bill  jedoch erst nach ausreichender Würdigung  einer „standesadäquaten“ Befähigung übernehmen. Auch Bills  Lambeth-Girl Sally passt nicht so richtig in die geplante Erbfolge. Und schon beginnt ein musikalisch angefeuertes Erziehungsprogramm durch die  sehr noble Tante Maria,  Herzogin von Dene, inmitten der überdrehten Earl-Familie und  Cockney -schwätzenden Lambeth Faktoten. Wobei Bill Snibson auch erklärt,  das die Bewohner von Lambeth anders gehen als die von Mayfair: Die Geburt des Lambeth-Walk. Die thematische Nähe von Me and My Girl zu  My Fair Lady von Frederick Loewe ist unübersehbar. Zur Einstimmung ein Youtube-video  der  erfolgreichen Londoner Inszenierung:  Der Lambeth Walk mit Robert Lindsay   im breitesten Cockney-Englisch.  Hauptakteur Robert Lindsay erhielt für seine Rolle 1985 den begehrten  Laurence Olivier Award  als bester Darsteller in einem Musical.

Wie war die Premiere in Mönchengladbach:   Im Interimstheater  TiN  wird  jede Aufführung zu einem höchst ungewöhnlichen Gewaltakt für Theaterleitung,  Künstler, Dramaturgen und Techniker.  Die grosse Besetzung von  Me and My Girl  stellt  weitere Herausforderungen:  277  Kostüme wurden für die vielen Szenen des  Musical geschneidert.  Die Räumlichkeiten verlangten vom Ensemble artistische Fähigkeiten beim Garderobenwechsel. Und das  Ergebnis:  Die Premiere von Me and My Girl im TiN in Mönchengladbach war ein umwerfender Erfolg. Für die Alten wie für die  ebenso zahlreichen jüngeren Besucher. Die Inszenierung von Georg Köhl wie Bühnenbild und Kostüme von Peter Werner  machten  die räumlichen Einschränkungen des TiN  fast vergessen.  Bewegliche Trennwände mit weichen Jugendstil- oder kargen Fabrikmauer-Motiven  vermitteln unaufgeregt wie plastisch den Gegensatz von Mayfair und Lambeth. Die Vielfalt der Kostüme in einer subtilen und behenden  Choreographie von David Harland  garantiert  über den ganzen Abend bleibende Spannung.  Die deutschen Sprechdialoge waren der Mayfair-  oder Lambeth-Herkunft der Protagonisten  gut angepasst („pack ihn in den Trabbi, Pappi“; „Liebe ist etwas für die Mittelklasse“ etc).  Die szenischen Abläufe befanden sich in ständigen Bewegungsprozessen. Mit schauspielerischer Höchstleistung, schmissigen Tanzeinlagen, swingenden Klängen und schrulligen Gesangsnummern. Ein grosses Kompliment dem ganzen Ensemble: Luis Lay, als  Bill Snibson Dreh- und Angelpunkt des Stückes, überzeugte  durch komödiantische  und tänzerische Präsenz.  Gesanglich wie schauspielerisch herausragend  Gabriela Kuhn als Sally Smith.  Johanna Lindinger als Maria, Herzogin von Dene als strenge Erzieherin schien direkt aus Windsor Castle importiert. Sir John Tremayne, von Franz-Jürgen Zigelski, interpretierte im Schottenrock bestens  die manirierte Mayfair-Noblesse. Während  Peter Lüthke als Sir Jasper Tring  in einer dankbaren Rollstuhl-Partie englischen  Slapstick  vom Feinsten bot. Aber auch Isabelle Razawi als  Lady Jaqueline Carstone mit ihrem arbeitsscheuen Verehrer  Gerald Bolingbroke, alias Markus Heinrich waren hervorragend besetzt.  Frank Valentin als Butler Charles  in penetranter Verschrobenheit stets zentral,  präsent.  Bemerkenswert auch die klare, gut verständliche Sprache des Ensemble. Die Tanzeinlagen und besonders der  Lambeth-Walk ein Augen- und Ohrenschmaus. Die Niederrheinischen Sinfoniker unter Kenneth Duryea brachten die musikalischen Highlights stimmig  zu den zahlreichen Szenenwechseln  von Mayfair nach Lambeth.

Zu dieser Produktion und dem Premieren-Abend von Me and My Girl  darf man den  Vereinigten Bühnen Krefeld und Mönchengladbach  gratulieren: Volles Haus, viel junges Publikum, riesiger Jubel für Regie, Ensemble und Musiker. Eine fröhlich persiflierende Inszenierung, ein Paket voll Heiterkeit. Eine Produktion, eine Premiere, die dringend am 27.11./4.12./8.12.2010  und danach zum Besuch ins TiN nach Mönchengladbach und – ab 2011 – ins Theater Krefeld einlädt.

IOCO – Team / VJ / 22.11.2010

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—