Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Staatsoper mit zwei Ring-Zyklen, Oktober 2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

  Zwei Ring-Zyklus – Oktober 2019

  Inszenierung Guy Cassiers – Musikalische Leitung Daniel Barenboim

Noch vor der Saisoneröffnungspremiere DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR in der Regie von David Bösch und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim am 3. Oktober stehen ab morgen zwei Aufführungszyklen von Wagners Der Ring des Nibelungen auf dem September-Spielplan der Staatsoper Unter den Linden. Alle Vorstellungen werden von Daniel Barenboim dirigiert, es spielt die Staatskapelle Berlin.

Die vom belgischen Theatermacher Guy Cassiers und seinem Team (Enrico Bagnoli, Tim Van Steenbergen und Sidi Larbi Cherkaoui) in Szene gesetzte Ring – Produktion entstand zwischen 2010 und 2013 als Koproduktion der Berliner Staatsoper mit dem Teatro alla Scala di Milano in Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis Antwerpen und wird nun erstmals im sanierten Opernhaus Unter den Linden zu erleben sein.

RING – ZYKLUS I  
DAS RHEINGOLD Sa 7. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 8. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Mi 11. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 15. 9. 2019 16.00 Uhr

Die vier Vorstellungen werden in zwei Zyklen präsentiert: DAS RHEINGOLD am 7. und 21. September, DIE WALKÜRE am 8. und 22. September, SIEGFRIED am 11. und 26. September, GÖTTERDÄMMERUNG am 15. und 29. September 2019.

Zu den Sängerensembles der vier Abende gehören u. a. Michael Volle, Iréne Theorin, Andreas Schager, Waltraud Meier, Falk Struckmann, Simon O’Neill, Anja Kampe, Stephan Rügamer, Ekaterina Gubanova, Anna Larsson, Anna Samuil, Jochen Schmeckenbecher, Roman Trekel und Matti Salminen. Bei GÖTTERDÄMMERUNG singt darüber hinaus der Staatsopernchor.

RING – ZYKLUS II
DAS RHEINGOLD Sa 21. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 22. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Do 26. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 29. 9. 2019 16.00 Uhr

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Apollosaal statt. – Die Wiederaufnahme wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, 2016/17: Letzte Spielzeit im Notbehelf? IOCO Aktuell, 15.08.2016

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Spielplan 2016/17: Große Namen im Notbehelf

 Bartoli, Kaufmann, Hampson, Nylund, LangLang ….

Eröffnungsfest am 10. September 2016

Staatsoper Berlin / Barenboim - Flim - Spielplan 16/17 © IOCO

Staatsoper Berlin / Barenboim – Flim – Spielplan 16/17 © IOCO

Sieben Jahre Notbehelf, Staatsoper im Schillertheater, so von Jürgen Flimm im April 2016 offiziell verkündet, gehen im Sommer 2017 zu Ende. Die sanierte Staatsoper Unter den Linden soll am 3. Oktober 2017 wieder für den Spielbetrieb geöffnet sein. 108 Premieren, über 2000 Veranstaltungen werden bis Herbst 2017 im Notbehelf Schillertheater gegeben worden sein. Eine Mammutaufgabe für alle in diesem Notbehelf tätigen Menschen. Auffällig, dass große Künstler aus aller Welt ihren Weg nach Berlin, in das lütte Schillertheater gefunden haben. Ein großes Verdienst, nicht nur von Daniel Barenboim und Jürgen Flimm. Alle Mitarbeiter des Hauses, von der Logistik bis zur Beleuchtung haben Großes geleistet.

Anekdotisches 2016/17: Die Staatskapelle Berlin besteht 175 Jahre (Giacomo Meyerbeer damals Generalmusikdirektor), seit 25 Jahren wird sie von Daniel Barenboim geleitet

Die neue Staatsoper Unter den Linden wird vollständig barrierefrei sein, verbesserte Akustik besitzen und mit moderner Logistik den Anforderungen eines modernen Repertoiretheaters besser gerecht werden. 2010 genannte Sanierungskosten der Staatsoper Unter den Linden von € 250 Mio werden, von IOCO geschätzt, auf weit über € 500 Mio gestiegen sein. Die Sanierung der Staatsoper wird damit, wie die Elbphilharmonie Hamburg oder die Oper Köln, zum finanziellen Großdesaster geworden sein. Die Steuerzahler Deutschlands müssen dafür gerade stehen, andere Projekte werden gekürzt werden.

Für die letzte Spielzeit 2016/17 im Schillertheater sind die Akzente der Staatsoper auf acht Premieren auf der großen Bühne, fünf in der Werkstatt, sowie ein Abschiedsprojekt Schillertheater im nebenan gelegenen Café Keese. Dazu kommen 20 Musiktheaterwerke aus dem Repertoire, mehr als 80 Konzerte, die 22. Ausgabe der FESTTAGE sowie zum 7. Mal INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater. Insgesamt über 280 Veranstaltungen plus Projekte der Jungen Staatsoper.

PREMIEREN…:  3. Oktober 2016  Fidelio, Regie Harry Kupfer

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit am 3. Oktober 2016 ist eine Neuproduktion von Ludwig van Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und in der Regie von Harry Kupfer, der erstmals seit 15 Jahren wieder an der Berliner Staatsoper inszeniert. Die künstlerische Zusammenarbeit von Harry Kupfer und Daniel Barenboim begann 1992 mit Parsifal, es folgten bis 2001 neun weitere gemeinsame Wagner-Neuproduktionen. Den bisherigen Höhepunkt der gemeinsamen Zusammenarbeit bildete die Aufführung des Wagner-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2002.

 Georges Bizet © IOCO

Georges Bizet © IOCO

Daniel Barenboim dirigiert Richard Strauss’ Elektra, die letzte Operninszenierung von Patrice Chéreau, die nun als Koproduktion mit u. a. der Mailänder Scala, der Met Opera und Aix-en-Provence erstmals in Berlin zu sehen sein wird, mit u. a. Evelyn Herlitzius in der Titelpartie. Gemeinsam mit Wim Wenders, der damit sein Opernregiedebüt gibt, erarbeitet Daniel Barenboim Georges Bizets Les pêcheurs de perles | Die Perlenfischer.

Café Keese © IOCO

Café Keese © IOCO

Zu den weiteren Premieren der Spielzeit 2016/17 zählen Jürgen Flimms Inszenierung von Giacomo Puccinis Manon Lescaut, eine Koproduktion mit dem Mikhailovsky Theater Sankt Petersburg (ML: Mikhail Tatarnikov) und Hector Berlioz’ La damnation de Faust, inszeniert von Monty Python-Mitbegründer Terry Gilliam und dirigiert von Sir Simon Rattle. Magdalena Kozena begleitet Ehemann Rattle auch in dieser Produktion, hier in der Partie der Marguerite. Sven-Eric Bechtolf  deutet Henry Purcells King Arthur mit Sängern und Schauspielern neu, musikalisch geleitet von René Jacobs, der damit seine 24. Produktion an der Staatsoper realisiert. Erstmals in Berlin zu sehen ist die Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart von Wolfgang Rihms Jakob Lenz in der Regie von Andrea Breth mit Georg Nigl in der Titelpartie (ML: Franck Ollu). Die FESTTAGE-Premiere 2017 ist Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten, inszeniert von Claus Guth und musikalisch geleitet vom Ehrendirigenten der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta.
Im Rahmen von INFEKTION! gestalten Jürgen Flimm und Isabel Ostermann darüber hinaus einen Musiktheaterabend unter dem Titel Ort der Sehnsucht im Café Keese in der Bismarckstraße 108, mit Sängern des Staatsopernchors, Musikern, Tänzern und Schauspielern.

Wolfgang A Mozart © IOCO

Wolfgang A Mozart © IOCO

Daniel Barenboim wird 2016/17 neben den drei Premieren bei Giuseppe Verdis Macbeth mit Plácido Domingo in der Titelrolle sowie bei Richard Wagners Parsifal als FESTTAGE-Wiederaufnahme am Pult der Staatskapelle Berlin zu erleben sein. Vier Wiederaufnahmen von Inszenierungen von Jürgen Flimm stehen mit Glucks Orfeo ed Euridice, Mozarts Le nozze di Figaro, Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno und der Werkstatt-Produktion »Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen« auf dem Programm. Weitere Highlights aus dem Repertoire sind u. a. Janáceks Katja Kabanowa mit Simon Rattle am Pult, Wagners Tannhäuser, geleitet von Simone Young, und Puccinis Tosca mit Angela Gheorghiu in der Titelpartie.

Zu den großen Sängerpersönlichkeiten der kommenden Spielzeit gehören u. a. Cecilia Bartoli, Piotr Beczala, Johan Botha, Ildebrando D’Arcangelo, Plácido Domingo, Burkhard Fritz, Angela Gheorghiu, Thomas Hampson, Evelyn Herlitzius, Jonas Kaufmann, Wolfgang Koch, Magdalena Kožená, Christopher Maltman, Waltraud Meier, Liudmyla Monastyrska, Georg Nigl, Camilla Nylund, René Pape, Olga Peretyatko, Adrianne Pieczonka, Anna Prohaska, Dorothea Röschmann, Matti Salminen, Fabio Sartori, Andreas Schager, Erwin Schrott, Falk Struckmann, Iréne Theorin, Michael Volle und Eva-Maria Westbroek.

Berliner DOM © IOCO

Berliner DOM © IOCO

KONZERTE:   16 große Sinfoniekonzerte

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Programmen in der Philharmonie und im Konzerthaus. Zehn von ihnen stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim, der 2016/17 seit 25 Jahren an der Spitze des Orchesters steht. Die weiteren großen Orchesterkonzerte werden geleitet von Paavo JärviZubin Mehta und Lahav Shani. Als Solisten sind Lang Lang, Radu Lupu, Piotr Anderszewski (Klavier), Lisa Batiashvili (Violine) sowie die Sopranistin Julia Kleiter, Tenor Benjamin Bernheim und Bass René Pape zu erleben.

Einen besonderen Auftakt bildet das I. Abonnementkonzert in Zusammenarbeit mit dem Musikfest Berlin, bei dem Edward Elgars monumentales Oratorium The Dream of Gerontius unter der Leitung von Daniel Barenboim zur Aufführung gelangt, mit den Gesangssolisten Sarah Connolly, Jonas Kaufmann und Thomas Hampson, der Staatskapelle Berlin und über 200 beteiligten Sängern des Staatsopernchors, des Konzert- und Jugendchors der Staatsoper und des RIAS Kammerchors.

Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

Mezzosopranistin Cecilia Bartoli wird bei einem Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn aufführen. Die FESTTAGE umfassen ein Konzert der Wiener Philharmoniker (mit einem Mozart-Schönberg-Programm), zwei Konzerte der Staatskapelle Berlin mit den Solisten Anne-Sophie Mutter und Radu Lupu sowie ein Duo Recital mit Martha Argerich und Daniel Barenboim. Die Konzerte zum Jahreswechsel setzen 2016/17 einen besonderen Akzent mit einem gemeinsamen Programm von Violinistin Lisa Batiashvili, Trompeter Till Brönner, Daniel Barenboim, der Staatskapelle Berlin sowie dem Till Brönner Orchestra. Unter der Leitung von Simone Young findet eine Wagner-Gala statt, bei der u. a. Waltraud Meier, Camilla Nylund, Anne Schwanewilms, Johan Botha, Burkhard Fritz, Wolfgang Koch, René Pape sowie der Staatsopernchor zu erleben sind.

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden - Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden – Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Im neuen Pierre Boulez Saal steht ein Zyklus mit sämtlichen Schubert-Sinfonien, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, auf dem Programm.  Darüber hinaus werden ein Weihnachtskonzert mit dem Kinderchor der Staatsoper und der Staatskapelle, »Klimakonzerte« des »Orchester des Wandels«, Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle und ihren Gästen im Bode-Museum und im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters stattfinden. Das Gläserne Foyer ist überdies der Ort für Liedrecitals mit Solisten des Hauses, für Kinderkonzerte sowie für das zweite Symposion 450 Jahre Staatskapelle Berlin. Die Konzertreihe Preußens Hofmusik ist an einer neuen Spielstätte, dem Weißen Saal im Schloss Charlottenburg, angesiedelt.
Alle Konzerttermine der Staatskapelle Berlin finden Sie nun auf einen Blick auf der neuen Website des Orchesters, die seit heute unter www.staatskapelle-berlin.de online ist.

STAATSKAPELLE BERLIN ON TOUR

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim setzen 2016/17 ihre intensive Beschäftigung mit Anton Bruckner fort und bringen den Zyklus aller Bruckner-Sinfonien sowohl in der Pariser Philharmonie (in drei Etappen von September 2016 bis September 2017) als auch in der New Yorker Carnegie Hall (16. bis 29. Januar 2017) zur Aufführung. Weitere Gastspiele führen das Orchester und ihren Generalmusikdirektor im Rahmen der Proms nach London, zum Lucerne Festival, in den Wiener Musikverein sowie in die neue Elbphilharmonie Hamburg.

WERKSTATT:  Uraufführung  Comeback von Oscar Strasnoy

Die Werkstatt wird 2016/17 mit einer Uraufführung von Oscar Strasnoys Comeback nach einem Libretto von Christoph Hein eröffnet. Zu den weiteren Premieren zählen La Douce nach einer Dostojewski-Novelle von Emmanuel Nunes, Nicola Sanis Il tempo sospeso del volo, eine Kammeroper über die Geschichte des Mafia-Jägers Giovanni Falcone, sowie Aribert Reimanns Die Gespenstersonate nach dem Drama von Strindberg.
Die Junge Staatsoper ist u. a. mit dem vom Jugendclub und Jugendchor der Staatsoper gestalteten Musiktheaterprojekt »Ouropera« in der Werkstatt präsent.

Den Beginn der neuen Spielzeit feiert die Berliner Staatsoper am 10. September 2016 wieder mit einem Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Dazu laden wir Sie schon jetzt ganz herzlich ein!

Das komplette Programm der Spielzeit 2016/17 mit weiteren Informationen zur neuen Saison finden Sie ab sofort unter www.staatsoper-berlin.de.

 

—| Pressemeldung Staatsoper im Schillertheater |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Premiere Boris Godunow von Modest Mussorgsky, 25.03.2016

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Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Boris Godunow  von  Modest Mussorgski (1839 – 1881)

  Nach der »Dramatischen Chronik« von Alexander Puschkin
Uraufführung der Fassung von 1872: 1874 in St. Petersburg
In Russisch mit deutschen Übertiteln, Kooperation mit Staatstheater Darmstadt
Premiere: 25.3.2016, 28.3.2016, 3.4.2016, 8.4.2016, 24.4.2016, 9.7.2016
Wiesbaden / Staatstheater - Boris Godunow © Markus Kaesler

Wiesbaden / Staatstheater – Boris Godunow © Markus Kaesler

Das Streben nach Macht ist ebenso zeitlos wie politische Morde und die Verschleierung der Verant-wortlichkeiten. So beschrieb Modest Mussorgski auch Sinn und Ziel seiner Arbeit als Entdeckung des »Vergangenen im Gegenwärtigen«. In Boris Godunow schildert der ebenso geniale wie lebensuntüchtige Komponist die Machtkämpfe um die Nachfolge Zar Iwans des Schrecklichen. Parallel lässt er das Psychogramm eines schuldbeladenen Herrschers und das großartig gestaltete Panorama eines Volkes ablaufen, das diesen erst verehrt, zunehmend unter ihm leidet und schließlich gegen ihn aufbegehrt. Doch die ersehnte befreiende Wirkung bleibt auch nach dem Untergang des Herrschers aus. Stattdessen pflastern die Leichen von Schuldigen und Unschuldigen den Weg der Geschichte, und das Wechselspiel der Mächtigen, dessen bedrückend aktuelle Gegenwärtigkeit sich nicht verdrängen lassen kann, setzt sich fort.

Erstmals schließen sich die Opernsparten der Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden bei diesem Monumentalwerk zu einer echten künstlerischen Kooperation zusammen. Auf beiden Bühnen steht das russische Volk, verkörpert durch die Chöre beider Theater, in einer Stärke von fast 100 Personen. Nach der Darmstädter Premiere im Frühjahr 2015 wird die Produktion nun mit zusätzlich inszeniertem Polen-Bild sowie in weitgehend neuer Besetzung und eigener musikalischer Einstudierung in Wiesbaden gezeigt. PMdHStW

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Köln, Oper Köln, Premiere Parsifal: Karfreitagszauber und Lichtorgel, IOCO Kritik, 29.03.2013

April 2, 2013 by  
Filed under Kritiken, Oper Köln

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Oper Köln

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Bühnenweihfestspiel mit Projektionen und Artistik

Die Uraufführung der Oper Parsifal fand am 26. Juli 1882 statt, nur sieben Monate vor Richard Wagners Tod. Bereits 1845 lernte Wagner den Parzeval-Mythos des Wolfram von Eschenbach (1165 – 1220) kennen, wonach am Karfreitag des Jahres 848 der Ritter Parzeval zur Gralsburg kam, deren König wurde und danach mit seinen Gralsrittern für Recht und Tugenden kämpfte. Zahllose Legenden ranken sich seither um Parzeval, den heiligen Gral,  die Gralsburg und Gralsritter.
Richard Wagner verwandelte den mittelalterlichen Mythos durch dichterische sowie kompositorische Kraft mit Schaffung des Parsifal, als des erlösenden „Reinen Tor“, der  Kundry,  mit der Fußwaschung wie der  Erlösung durch Mitleid in einen eigenen, pseudoreligiösen aber auch transzendent tiefgründigen Parsifal. Nur noch angelehnt an den alten Parzeval-Mythos.     
Zur Osterzeit beherrscht dieses Musikdrama Richard Wagners alle großen Bühnen der Welt: Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, Bayerische Staatsoper, Oper Frankfurt, Berliner Staatsoper: Überall Parsifal, so auch 2013. Parsifal am Karfreitag zu erleben, in vielen Bundesländern nicht erlaubt, besitzt für eingefleischte  Wagnerianer zusätzlichen Stellenwert. Die Premiere des Parsifal am Karfreitag 2013 drückt eine zauberhafte Reverenz der Oper Köln vor Richard Wagner und seiner Kultgemeinde aus.
Die Oper am Dom, Interimspielstätte der Oper Köln, stellt mit ihren eingeschränkten technischen Möglichkeiten jeden klassischen Parsifal-Regieansatz vor unlösbare Aufgaben. Der spanische Regisseur Carlus Padrissa, zusammen mit der vom Straßentheater kommenden katalanischen Truppe La Fura dels Baus, entwickelte denn eine aufwendige Inszenierung in der er  fehlende Bühnentiefe, -technik und Kulissen durch zahlreiche, Zuschauerraum wie Bühne umfassende  Projektionen, Comic-Strips, Akrobatik und  Lichteffekte ersetzt. Moderne Kommunikation, Mittel und Medien sind Padrissas ungewöhnlicher Zugang zu Parsifal: „Signale und Strömungen übertragen sich auf alle“ so Padrissa. Alle sind Teil seiner Gralsgemeinschaft, Zuschauer, Ensemble, Passanten. Auf der Bühne selbst wird eine hohe, von 90 vermummten Gralsrittern besetzte, beweg- und  teilbare Kuppel zur Kernkulisse der Inszenierung.
Bereits das Vorspiel des ersten Aufzugs, welches die musikalischen Schlüssel zum Werk (Keuschheit, Weihe, Geheimnis, Inbrunst) festlegt, wird von drei schwarz-weiße Videoprojektionen (Autorennunfall, tödlicher Sturz, Selbstmord) begleitet. Zusätzlich zu diesen Projektionen schweben vier Menschen über der Bühne. Durchgängiger Handlungsstrang der folgenden Inszenierung  werden die urchristliche Brotteilung und die meist in Hintergrund befindliche Gralskuppel mit seinen Gralsrittern. Gurnemanz, als prophetischer Erzähler und Schöpfer knetet das Brot im ersten Aufzug, backt es und teilt es zum Ende des dritten Aufzuges mittels der Gralsritter mit den Theater-Besuchern. Diese zentralen Handlungsstränge werden durch zahlreiche, teils spektakuläre wie verwirrende Projektionen und Bilderfluten begleitet: Wenn die Gralsritter, „Zum letzten Liebesmahle, gerüstet für den Tag“ singend,  die Gesichter mystisch von unten beschienen durch den Zuschauerraum „pilgern“, wenn der unsichtbare Titurel in Form von Richard Wagners Konterfei wabernd auf die Bühne projiziert wird, wenn Amfortas über dem Gral (Bild) schwebt, während sich dessen Inhalt „wagnergetreu“ purpurn färbt. Das Vorspiel zum zweiten Aufzug wird erneut von einer Videoprojektion begleitet: Fünf Männer rasen, in Buster Keaton-Manier Klingsors verstörte Welt andeutend, in einem Auto eine Straße entlang. Szenisch wie technisch mitreißend im zweiten Aufzug der in wechselnde Leuchtfarben gehüllte Zaubergarten (Bild), aus dem die Blumenmädchen  mit ihrem „Komm! Komm! Holder Knabe! Lass mich dir blühenParsifal zu verführen suchen. Zum Vorspiel des dritten Aufzugs – überraschend – werden keine Videoprojektionen gezeigt, sondern Gurnemanz, wie er die geformten Brotteige in einen riesigen Feuerofen führt. So wird auch der dritte Aufzug zu einer auf das Erlösungsmotiv zentrierte Inszenierung der Moderne; mit packenden wie irritierenden Videos,  Projektionen und vielen Bild-gewordenen Wortspielen („Der Mensch ist das Seil zwischen Tier und Übermensch“). Parsifal, gesuchter Erlöser erscheint wahrhaftig als Lichtgestalt; mit Speer und in einem von zahllosen Strahlern leuchtenden Gewand. Für jedermann sehr plakativ erkennbar: Das gute Ende naht. Der durch Parsifal zurückgewonnene Speer versinkt im Gral. 110 Gralsritter und Ensemble erschallen:  „Höchsten Heiles Wunder! Erlösung dem Erlöser“. Das Karfreitag-Bühnenweihfestspiel endet in Ergriffenheit.

Markus Stenz führte das Gürzenich-Orchester Köln sehr geschlossen, wenn auch zunächst übertrieben schleppend, um später die Tempi erdenschwer gelassen doch flüssiger gleiten zu lassen. Fein und weich strahlten die Hölzer, auch die Bleche verschreckten nicht. Dynamisch und  lebendig die Streicher.  Die 110 Personen umfassenden Chöre der Oper Köln, oft  quer über den ganzen Zuschauerraum verteilt  und von Andrew Ollivant perfekt „eingestellt“,  vermitteln wahrhaftig wie eindringlich Parsifalschen Karfreitagszauber. Das Sängerensemble bewältigt die anspruchsvollen Partien meist ohne Fehl und Tadel. Marco Jentzsch meistert den Parsifal mit strahlkräftig, gut geformter, breiter Tenorstimme und zahlreich folgenden Bravorufen. Die leicht metallen klingende Stimme zeigte bis zum Ende kein Zeichen von Ermüdung. Dies gilt allerdings auch für den seit nahezu 40 Jahren Köln- wie Wagner-erprobten Matti Salminen, welcher der mörderisch großen Partie des Gurnemanz  mit immer noch voluminösem Bass und absoluter Textsicherheit große Bühnenpräsenz verleiht. Dalia Schaechter überzeugte als Kundry in ihrer permanent zwischen Lyrik wie Dramatik driftenden Partie  darstellerisch und mit sicher-sattem Mezzo. Auch der Wiener Staatsoper-erfahrene Boaz Daniel bestand sein Rollendebüt als Amfortas und als gestandener Klingsor mit wohl-timbrierten Bass-Bariton und guter Textverständlichkeit. Eine spezielle Eigenheit der Oper am Dom stimuliert den Zugang Richard Wagners Werk zusätzlich: Der komplexe Operntext wird für Jedermann bequem lesbar links wie rechts der Bühne projiziert. Durch die Nähe von Text zu Bühnenhandlung öffnet sich in Köln ein Laien wie Profis selten erlebtes Verständnis für Wagners Gesamtkunstwerk.
Oper Köln / Parsifal Premierenfeier mit M. Jentzsch und M. Salminen © IOCO

Oper Köln / Parsifal Premierenfeier mit M. Jentzsch und M. Salminen © IOCO

Die Inszenierung von Carlus Padrissa in Köln geht nicht die gewohnten Wege betulicher Wagner-Schwere. Packende wie irritierende Videos, Projektionen, Bild-gewordene Wortspiele, Bühnenakrobatik begleiten dort Richard Wagners Mystik-durchdrungene Bühnenweihfestspiel-Visionen. Das Publikum nahm es gelassen, positiv. Viel, wenn auch nicht tosender Beifall. Alles sehr karfreitagsgerecht.  IOCO / Viktor Jarosch / 1. April 2013.
Weitere Parsifal Vorstellungen:  1. April, 5. April, 11. April, 14. April 2013
—| Pressemeldung Oper Köln |—
 

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