Baden bei Wien, Stadttheater Baden, Die geschiedene Frau – Leo Fall, IOCO Kritik, 30.01.2019

Januar 29, 2019 by  
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Bühne Baden

Baden bei Wien Stadttheater © IOCO

Baden bei Wien – Das Stadttheater am Abend © IOCO – Kultur im Netz

 Die geschiedene Frau –  Leo Fall

–  Oder: Was man macht, wenn es weder Ehe noch Scheidung gibt  –

von Marcus Haimerl

„Freiheit und Gefangenschaft“ ist das Motto der aktuellen Spielzeit der Bühne Baden. Was kann zu diesem Thema besser passen als die selten gespielte Operette Die geschiedene Frau von Leo Fall?

Die 1908 in Wien uraufgeführte Operette gilt als durchwegs modern, gab es doch zur Zeit der Entstehung in Österreich keine Zivilehe und somit auch keine Scheidung. Aus diesem Grund lassen Leo Fall und sein Textdichter Viktor Léon die Handlung in den liberalen Niederlanden spielen.

Stadttheater Baden bei Wien / Die geschiedene Frau © Christian Husar

Stadttheater Baden bei Wien / Die geschiedene Frau © Christian Husar

Die Operette, die auch Bekanntheit durch die sehr freie Verfilmung Georg Jacobys aus dem Jahr 1953 mit Marika Rökk und Johannes Heesters erlangte, beginnt gleich mit dem Scheidungsprozess des Ehepaars van Lyseweghe. Jana will sich von ihrem Ehemann Karel scheiden lassen, da dieser sein Schlafwagenabteil im Expresszug von Nizza nach Amsterdam mit einer fremden Dame geteilt hat. Dieser beteuert seine Unschuld. Aus Höflichkeit wollte er sein Abteil überlassen, aus Unaufmerksamkeit des Schaffners Scrop wurde die Tür jedoch von außen verschlossen. Die besagte Dame, Gonda van der Loo, tritt als Zeugin auf und bestätigt die Unschuld Karels. Da sich diese jedoch prinzipiell zur freien Liebe bekennt und zudem allen Männern im Gerichtssaal den Kopf verdreht, sieht das Gericht den Seitensprung bestätigt. Der Gerichtspräsident Lucas van Deesteldonck spricht die Scheidung aus und übernimmt aus aufkeimender Liebe zu Gonda die Geldstrafe, zu der er sie selbst verurteilt hat.

Karel möchte Gonda heiraten, um seine gesellschaftliche Stellung wieder herstellen zu können. Auch der entlassene Schlafwagenschaffner Scrop hofft auf eine Legalisierung der Beziehung, denn so könnte er seinen Job wiederbekommen. In diese Geburtstagsfeier für Gonda platzt unangemeldet Karels geschiedene Frau Jana. Ihr korrekter Vater Pieter te Bakkenskjil, Chef der Schlafwagengesellschaft, hat seinen Besuch angekündigt. Noch ahnt niemand, dass dieser zur gleichen Zeit, ebenfalls in diesem Nachtzug, ein Techtelmechtel mit Adeline, der Verlobten des Schlafwagenschaffners hatte. Um Gonda eifersüchtig zu machen und so ihre Liebe zu gewinnen, wirbt der Gerichtspräsident um Jana, woraufhin sich Karel für Gonda entscheidet, obwohl ihm diese gleichgültig ist.

Der Gerichtspräsident hat alle Beteiligten zur Kirmes in Makkum gelockt, wo sich nach altem Brauch viele Paare trauen lassen. Der Fehltritt von Janas würdigem Vater wird offenbar und als Karel erfährt, dass Gerichtspräsident Lucas van Deesteldonck nur um Janas Hand anhielt, um Gonda eifersüchtig zu machen, finden Jana und Karel zusammen und einer gemeinsamen Hochzeit der beiden Paare steht nichts mehr im Wege.

Stadttheater Baden bei Wien / Die geschiedene Frau © Christian Husar

Stadttheater Baden bei Wien / Die geschiedene Frau © Christian Husar

Leonard Prinsloo, der sich auch für die Choreografie verantwortlich zeigt, inszeniert Leo Falls Operette rasant und mit viel Humor im etwas surrealen, an Salvador Dalí erinnernden, Bühnenbild von Su Pitzek. Der Gerichtssaal, bestehend aus schrägen Holzpaneelen mutet bedrohlich an, das Haus Karels mit seinen trapezförmigen, zerfließenden Fenstern wirkt wiederum fast traumhaft. Die sehr klassischen Kostüme von Mareile von Stritzky und die weiß bemalten Gesichter der Darsteller vermitteln das Gefühl einer alten Filmproduktion.

Mit der hervorragenden Besetzung war man in Baden auch musikalisch auf der sicheren Seite. Oliver Ostermann am Pult des Orchesters der Bühne Baden setzte nicht nur Leo Falls komplexe Partitur hervorragend um, sondern sorgte auch für eine gehörige Portion Schwung. Die Schweizer Sopranistin Maya Boog, die vergangenen Sommer bereits als Hanna Glawari in der Lustigen Witwe in Baden reüssierte, zieht auch in Leo Falls Operette alle Register ihrer Kunst. Der slowenische Tenor Matjaž Stopinšek verfügt über eine wunderschöne Strahlkraft in der Höhe und überzeugt auch darstellerisch in der Partie des Karel von Lyssweghe. Auf ebenso hohem Niveau agiert Martha Hirschmann als makellose Gonda van der Loo, mit ihrem schönen, warmen Mezzo und klarer Höhe.

Mit Charme und Witz verkörpert Artur Ortens den Gerichtspräsident Lucas van Deesteldonck. Als Schlafwagenconducteur Scrop begeistert Robert R. Herzl das Publikum. Mit einer gehörigen Portion Slapstick und Körpereinsatz verleiht er der Partie auch charakterliche Tiefe, wenn er seine Verlobte Adeline (herrlich: Gabriele Kridl) beim Fremdgehen ertappt und in Folge verlässt. Aber auch die kleineren Rollen sind gut besetzt: Thomas Malik und Sylvia Rieser als witziges Fischerehepaar Willem und Martje, dem wunderbaren Peter Horak als Janas Vater Pieter te Bakkenskjil, Franz Josef Koepp als Rechtsanwalt, Florian Resetarits und Jan Walter als Gerichtsbeisitzer und Robert Kolar und Robert Sadil als Sachverständige.

Auch wenn die Thematik von Leo Falls Operette mittlerweile an Brisanz verloren hat, gelang der Bühne Baden dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werk wieder erfolgreich aufzuführen. Die Künstler und das Leading Team wurden vom begeisterten Publikum entsprechend bejubelt.

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Baden bei Wien, Stadttheater, Die Lustige Witwe – Franz Lehár, 23.06.2018

Juni 11, 2018 by  
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Bühne Baden

Baden bei Wien Stadttheater © IOCO

Baden bei Wien Stadttheater am Abend © IOCO – Kultur im Netz

DIE LUSTIGE WITWE  –  Franz Lehár

Eine starke Frau lässt sich von Geld nicht den Charakter verderben

Premiere: 23. Juni 2018, 19.00 Uhr, Sommerarena, weitere Vorstellungen 24.6.; 30.6.; 1.7.; 7.7.; 8.7.2018 und mehr

Zum 70. Todestag Franz Lehárs spielt die Bühne Baden sin der Sommerarena ihr Opus Magnum. Die Wirrnisse rund um eine selbstbewusste, starke Frau und die erotischen und politischen Anspielungen der Zeit machten die Operette zu einer der populärsten Stücke dieses Genres.  „Auch heute noch gibt es Situationen, in denen sich private und politische Ebenen  überschneiden. Die sich daraus ergebenden Spannungsfelder sind Stoff für großartige Geschichten“, ist Michael Schilhan, Regisseur und Intendant des Grazer Kinder-und Jugendtheaters Next Liberty, sicher.

In der Badener Aufführung wird Michael Schilhan Regie führen. Die musikalische  Leitung hat Franz Josef Breznik inne. Die Hauptrollen sind mit Maya Boog und  Reinhard Alessandri besetzt.

Handlung:  Der pontevedrinische Gesandte in Paris, Baron Mirko Zeta, erwartet die millionenschwere Witwe Hanna Glawari: Die Witwe soll einen pontevedrinischen Landsmann ehelichen, um den Bankrott ihres Landes abzuwenden. Die Wahl Baron Zetas fällt auf Graf Danilo.

Als Danilo in der Witwe seine Jugendliebe wiedererkennt, die er einst aus Standesgründen nicht heiraten durfte, nimmt er Abstand von seinem Auftrag. In Hanna flammt die alte Liebe zu Danilo wieder auf. Sie will seine Zurückhaltung brechen, indem sie ihre Verlobung mit Camille de Rossillon verkündet. Danilo reagiert mit Eifersucht.

Stadttheater Baden / Die Lustige Witwe hier Maya Boog als Hanna Glawari © Lukas Beck

Stadttheater Baden / Die Lustige Witwe hier Maya Boog ist Hanna Glawari © Lukas Beck

Unterdessen hat Baron Zeta beschlossen, sich scheiden zu lassen und aus patriotischer Pflicht Hanna zu heiraten. Doch als er erfährt, dass diese im Falle einer Wiederverheiratung ihr Vermögen verliert, zieht er seinen Antrag zurück. Danilo wittert sein Chance: Um eine arme Hanna darf er werben. Danilo gesteht Hanna nun endlich seine Liebe, worauf Hanna erklärt, dass ihre Millionen bei einer Heirat in den Besitz ihres Mannes übergehen.     „Lippen schweigen, ’s flüstern Geigen.“

Franz Josef Breznik – Musikalische Leitung, Michael Schilhan – Inszenierung, Alexia Redl, Ausstattung, Natalie Holtom, Choreographie,

Besetzung: Maya BoogHanna Glawari, Reinhard Alessandri – Graf Danilo Danilowitsch, Wolfgang Gerold, Baron Mirko Zeta, Martha Hirschmann, Valencienne, seine Frau, Gustavo Quaresma, Camille de Rossillon, Sven Hjörleifsson, Camille de Rossillon, 29. 7., 5. + 11. 8., János Mischuretz, Njegus, Paul Schmitzberger, Kromov, Michaela Mock, Olga, seine Frau, Thomas Zisterer, Vicomte Cascada, Beppo Binder,

—| Pressemeldung Bühne Baden |—

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