Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett am Rhein in Taiwan, März 2019

Februar 14, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballett am Rhein tanzt in Taiwan

Mit Martin Schläpfers Choreographie „7“ zu Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-Moll folgt das Ballett am Rhein vom 2. bis zum 10. März 2019 einer Einladung nach Taiwan. Die erste Station macht die preisgekrönte Compagnie im National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, dem weltweit größten Zentrum für darstellende Künste, das erst vor wenigen Monaten eröffnet wurde. Danach führt die Reise nach Taichung in das ebenfalls hochmoderne National Taichung Theatre. Musikalisch begleitet wird die Compagnie vom Taipei Symphony Orchestra unter der Leitung von Wen-Pin Chien.7“ ist eines der meist gefragten Stücke aus dem Repertoire des Balletts am Rhein: Es war unter anderem bereits in Moskau, München, Edinburgh und Bilbao zu erleben.

Deutsche Oper am Rhein / Martin Schläpfer: 7 – Marlúcia do Amaral, Bruno Narnhammer © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Martin Schläpfer: 7 – Marlúcia do Amaral, Bruno Narnhammer © Gert Weigelt

Der Terminplan für das Ballett am Rhein und seinen Chef-Choreographen ist bei ihrem Gastspiel in Taiwan eng getaktet: Neben vier Vorstellungen in zwei der modernsten Spielstätten der Welt und den dazu gehörigen Trainings und Proben stehen für die Compagnie eine Masterclass und ein Workshop mit dem international renommierten Cloud Gate Dance Theater in Taipeh auf dem Programm. Auch eine Podiumsdiskussion zwischen Martin Schläpfer und Lin Hwai-min, der 1973 das Cloud Gate Dance Theater als erstes modernes Ballett in Taiwan gründete und es bis heute leitet, ist Teil des Programms. Ein absoluter Glücksfall in Sachen Timing, zieht sich der charismatische Gründer der weltweit für ihre gelungene Mischung aus Ballett, Tai-Chi, Martial Arts und fernöstlicher Poesie gefeierten Compagnie zum Ende des Jahres aus deren Leitung zurück.

Martin Schläpfers Stücke indes sind geprägt von dessen kontinuierlicher Weiterentwicklung klassischer Ballettformen und seinem schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum. Für sein Ballett auf Mahlers 7. Sinfonie folgte Schläpfer einer seit vielen Jahren immer weiter entwickelten Dramaturgie der collagenhaften Verknüpfung verschiedener Bilder. Wie ein roter Faden zieht sich durch „7“ die Suche nach Heimat, ein Thema, das auch mit der Geschichte Taiwans eng verknüpft ist und große Aktualität besitzt.


„7“ im National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying
www.npac-weiwuying.org: Sa 02.03., 19.30 Uhr | So 03.03., 14.30 Uhr

„7“ im National Taichung Theatre (NTT)
www.npac-ntt.org: Sa 09.03., 14.30 Uhr | So 10.03., 14.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Schwanensee – Ballett Martin Schläpfer, IOCO Kritik, 04.07.2018

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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

SCHWANENSEE  –  Peter I. Tschaikowsky

Tod im Schwanensee

Von Hanns Butterhof

Martin Schläpfer, der schweizer Chef des Düsseldorfer Balletts am Rhein, hat mit b.36, Schwanensee nur im Untertitel, sein erstes Handlungsballett choreographiert. Er bezeichnet es als Uraufführung, wozu ihn berechtigt, dass er sich stark an die musikalische Originalversion Peter I. Tschaikowskys der Jahre 1875 bis 1877 hält, vor allem aber, weil er die Geschichte der Erlösung einer verzauberten Prinzessin durch die Liebe eines Prinzen psychologisch ausdeutet und choreographisch neu erzählt.

Schläpfer unterwirft  Schwanensee  einer Psychoanalyse

Schläpfer will Schwanensee als durchgehende und psychologisch schlüssige Handlung choreographieren und verzichtet auf Märchenhaftes, Pomp und nur schöne Ballett-Szenen, die keine eigene Handlung haben. Dies gelingt schlüssig, indem Prinz Siegfried und sein ödipaler Mutterkonflikt ins Zentrum der Inszenierung rückt. Aber als Märchen ließe es sich einfacher erzählen.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Marcos Menha, Mitte als Siegfried und seine Freunde © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Marcos Menha, Mitte als Siegfried und seine Freunde © Gert Weigelt

Der Konflikt bricht aus, als Siegfried volljährig wird. Marcos Menha zeichnet ihn als lebensfrohen jungen Mann. Im Festsaal des Adelshofs, den Ausstatter Florian Etti mit übergroßen leeren Bilderrahmen in Petersburger Hängung als ambivalenten Tribut an den Ort der Uraufführung gestaltet hat, amüsiert sich Siegfried mit weiten Sprüngen mit seinen Freunden. Er verschmäht aber auch den Tanz mit einer Schönen aus dem Volk nicht, das zwanglos mit von der Partie ist. Als ihm seine strenge Mutter (Virginia Segarra Vidal) anweist, anderntags auf dem Geburtstags-Ball eine Braut zu wählen, bricht Siegfried zusammen.

Hier geht es um mehr als einen Abschied von der unbeschwerten Jugendzeit, es ist vor allem ein Abschied von Siegfrieds ödipaler Liebe zu seiner Mutter. Die hat sich offenbar dem Zeremonienmeister (Chidozie Nzerem) zugewandt, der mit energisch klarer Gestik das Regiment führt.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Marlúcia do Amaral als Odette und Marcos Menha als Siegfried © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Marlúcia do Amaral als Odette und Marcos Menha als Siegfried © Gert Weigelt

Lässt man sich auf die Psychologisierung des Schwanensees ein, sind von da ab alle Geschehnisse Phantasmagorien Siegfrieds, der den Hof verlassen hat, um sich in den Schwanensee zu stürzen. Enttäuscht bestraft er seine ihm untreue Mutter, in dem er sie als eine böse Hexe (Young Soon Hue) imaginiert, und bewahrt doch seine Liebe zu ihr, indem er sie durch eine liebreizende Frau, Odette (Marlúca do Amaral) ersetzt; sie steht unter dem Schutz ihres Großvaters (Boris Randzio); als Vater der Mutter schützt er somit Siegfrieds Liebe zu dieser.

Das ist schlüssig und es wird in bezaubernden Bildern ausgetanzt, wie Odette Siegfried erst vorsichtig, wie zerbrechlich auf Spitze umkreist, sich immer wieder Zuversicht beim still im Hintergrund bleibenden Großvater abholt, bis sie und Siegfried sich schließlich in einem verliebten Walzer finden. Da kniet Siegfried nieder und schwört ihr ewige Liebe, stürmisch von weiß und schwarz gekleideten Schwanen-Frauen umkreist.

Der Gedanke an den Ball zur Brautwahl kann da nur ein Albtraum sein. Alle, auch Siegfried und seine Mutter, sind schwarz gekleidet. Sie weist ihn an, sich aus den Tänzerinnen eine Braut zu wählen, doch immer schneller wendet sich Siegfried von einer Kandidatin nach der anderen ab und bittet seine Mutter kniefällig um Nachsicht. Doch als sie ihn immer wieder mit keinen Widerspruch duldender Geste aufs Parkett zurückschickt, erscheint sie ihm wieder als die böse Stiefmutter Odettes, die ihm insektenartig mit krummen Spinnenfingern, ihrer Tochter Odile (Camille Andriot) als eine Braut unterschieben will, die nicht die richtige ist.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Young Soon Hue als Odile und Schwanenfrauen © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Young Soon Hue als Odile und Schwanenfrauen © Gert Weigelt

Odile kann nicht seine Liebe sein. Ihr perfekter Tanz ist kühl, stets sucht sie Augenkontakt mit dem arrogant auftretenden Rotbart (Sonny Locsin), dem Helfer und Begleiter ihrer Mutter. Als ihr Siegfried nach einer kurzen Irritation doch ewige Treue schwört, lächelt sie triumphierend. Siegfried führt sie als seine Wahl seiner Mutter zu, die der Zeremonienmeister beruhigend in ihren Sessel drückt. Zu spät erkennt Siegfried seinen Verrat und bricht zusammen.

Den See vor Augen spiegeln die Schwanenfrauen Siegfrieds und Odettes Unglück. Mit hängenden Armen umringen sie hilfesuchend den Großvater. Odette fliegt ihm, Pirouetten drehend, noch einmal an den Hals, wird aber von der Stiefmutter getötet. Damit ist auch die Ersatzphantasie Siegfrieds am Ende. Er nimmt die Tote auf die Arme und geht seinen Weg zu Ende – wohl in den Tod im Schwanensee.

Das alles ist viel Kopf, aber eine Möglichkeit, Schwanensee heutig zu verstehen. Ohne Märchenhaftes, Mythologisches oder Archetypisches zu bemühen erlaubt dieser Zugriff eine in sich schlüssige, wenn auch komplizierte Erzählung. Sie nimmt von den Gefühlen Siegfrieds ihren Ausgang und erreicht nach einem mit prätentiösen Generalpausen eher zähen ersten Teil auch mit der Unterstützung der Düsseldorfer Symphoniker unter dem einfühlsamen Dirigat Aziz Shokhakimovs die Gefühle des Publikums. Die Striche, die Schläpfer in Musik und Tanz vornimmt, sind nicht unerheblich, betreffen sie doch neben den Nationaltänzen im dritten Akt vor allem die weißen Akte I und II mit den Tänzen der Schwanenfrauen, auf denen ein großer Teil der Beliebtheit von Schwanensee beruht. Doch wer nicht etwas der 1895er-Fassung von Marius Petipa und Lew Iwanow Ähnliches erwartet, sondern sich auf Schläpfers b.36/Schwanensee eingelassen hat, konnte in der Oper am Rhein einem wunderbar getanzten Ballettabend beiwohnen.

b.36 Schwanensee, Ballett am Rhein, weitere Vorstellungen 8.7.; 11.7.; 12.7.; 15.7.2018 (alle Vorstellungen ausverkauft); 15.9.; 16.9.2018 und mehr. 28.9.2018:  Premiere Schwanensee im Theater Duisburg 28.9.2018 und mehr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere  Schwanensee – Martin Schläpfer 08.05.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus  © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballett Schwanensee – Premiere – Uraufführung

8. Juni 2018 – 19.30 Uhr

Seit seiner Uraufführung 1877 am Moskauer Bolschoi-Theater hat Schwanensee, das berühmte Ballett zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, zahlreiche Deutungen erfahren. Mit den charakterstarken Tänzerpersönlichkeiten des Balletts am Rhein zeigt Martin Schläpfer nun seine Lesart des Klassikers. In seiner hochexpressiven Tanzsprache erzählt er eine märchenhafte Geschichte über das Erwachsenwerden und entführt in eine Welt, „in der Geister und Unerklärbares noch nicht als Hirngespinste gelten“. Musikalisch begleiten die Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober die Compagnie. Florian Etti hat die Bühne und die Kostüme gestaltet, Stefan Bolliger ist für das Lichtdesign verantwortlich.

In den Hauptrollen sind bei der Premiere Marcos Menha als Siegfried, Marlúcia do Amaral als Odette, Camille Andriot als Odile, Monique Janotta als Siegfrieds Mutter, Chidozie Nzerem als Zeremonienmeister, Alexandre Simões als Benno, Young Soon Hue als Stiefmutter, Sonny Locsin als Rotbart und Boris Randzio als Großvater zu erleben. Weitere Informationen zur Besetzung  und sämtliche Aufführungstermine finden Sie auf der DOR Website.

Die Vorstellungen von Schwanensee am 11.7. und am 12.7. werden von WDR/arte aufgezeichnet.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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