Künstler, Opern, Konzerte im Corona-Jahr 2020 – über Ländergrenzen, IOCO-Essay, 07.02.2021

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Opera House Lviv / Lemberg, Ukraine © Opera House Lviv

Opera House Lviv / Lemberg, Ukraine © Opera House Lviv

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  Künstler, Opern, Konzerte im Corona-Jahr 2020

Über Ländergrenzen hinweg – eine Bewertung

von Adelina Yefimenko

Das vergangene Jahr 2020 war für die Opernwelt weitgehend digital. Die Unterbrechung der Festivals in Bayreuth, Lyon, München u.a. wurde teilweise durch die Salzburger Festspiele ausgeglichen, die im Sommer trotz der Gefahr des Virus anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens stattfanden. Online-Premieren, das Eintauchen in die Bühnen- und Klangillusion von Opernsendungen, digitale Konferenzen und Videokonzerte ersetzten oft die physische Präsenz und  interessante Gespräche mit Künstlern. 2020 wird man an die Jahrestage von A. Caldara, L. v. Beethoven, M. Beresowski (M. Berezovsky), M. Ravel, I. Pizzetti, B. Lyatoshynsky, E. Varèse und vielen anderen Komponisten erinnert. Es gab viele Veranstaltungen, und so erwuchs die Motivation, diejenigen Musiker zu ehren, die mit ihrer Kunst dieses Jahr für das Publikum doch interessant und faszinierend gemacht haben, trotz beschwerlicher Arbeitsbedingungen, Quarantänebeschränkungen, halb leerer Hallen, Gebührenverlusten und fast täglichen Covid-Tests.

  • Adelina Yefimenko, Autorin dieses Berichts, Professorin, lehrt als Musikwissenschaftlerin an der Nationalen M.-V.-Lysenko-Musikakademie Lviv (Lemberg) und der Ukrainischen Freie Universität München (UFU)

Jeder Künstler*in kultiviert „menschlich, allzu menschliche“ Hoffnungen auf Anerkennung und Bewunderung durch das Publikum, hofft auf Applaus, Applaus, Applaus! Ach, wie Applaus dies Jahr vermisst wurde! Aber neue Namen, Ereignisse und Artefakte bleiben nicht im Schatten, sie werden nicht zu einer Durchlaufseite des Pandemiejahres. Die Bewertung der Musikwissenschaftlerin Adelina Yefimenko, auch IOCO – Autorin, würdigt die herausragenden Phänomene des Jahres 2020, erhebt jedoch wie jede Bewertung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist nur eine subjektive Erfahrung des Erlebten und Gehörten sowie ein wichtiges Ergebnis des vergangenen Jahres und ein Dank an die Künstler*innen für ihre Arbeit. 

The Claguers © The Claguers

The Claquers © The Claquers

MEDIA Aufbruch des Jahres 2020   

Ukraine – The Claquers. Die Internetplattform https://theclaquers.com/ junger ukrainischer Musikkritiker*innen (Stas Nevmerzhytsky, Lisa Sirenko, Dzvenislava Safyan, Oleksandr Ostrovskyi) informiert umgehend und provoziert, wie sie es ausdrückten, eine kritische Sicht auf klassische Musik in der Ukraine und darüber hinaus. Die jungen Musikkritiker drangen schnell in den Informationsraum der Ukraine ein „und nicht nur das“ (die Texte werden zweisprachig veröffentlicht – Ukrainisch, Englisch). Sie zeichneten sich in der Zone der aufregenden Kommunikation mit prominentenMusiker*innen, Musikwissenschaftler*innen, und Komponisten*innen aus – Valentin Silvestrov, Leonid Hrabovsky, Nina Gerasymova-Persydska, Alexander Shchetynsky, Alla Zagaykevych, Mykola Kovalinas, Zoltan Almashi, Andrey Merkhel, Roman Grygoriv, Illia Razumeiko. Musikwissenschaftler beleuchten und diskutieren künstlerische Themen, die alle Musiker*innen interessieren und betreffen „und nicht nur das“: https://theclaquers.com/

Deutschland  –  www.ioco.de, ist ein überregionales, deutschsprachiges Internet-Portal, welches mit über 30 Korrespondenten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, von Hamburg bis Graz, von Aachen bis Berlin und durch seine IOCO Kultur community bei Facebook (über 2.700 Mitglieder) die vielseitig, breite Kultur unserer Region, unseres Lebens abbilden möchte. Schwerpunkt von IOCO sind die Theaterproduktionen, Sprech- und Musiktheater und Festspiele, so die Bayreuther Festspiele, die Salzburger Festspiele, die Festspiele der Arena di Verona. Doch IOCO sucht nicht allein die „ernste“ Kultur; auch Shows oder Varieté-Theater, so die großartigen Shows im Berliner Friedrichstadtpalast, aber auch der emotionsreiche Pariser Park-Friedhof Père Lachaise, wo den Besucher das Grab von Gioacchino Rossini  kurz hinter dem Eingang „begrüßt“, werden gerne besprochen. Die IOCO-Serien über Kunst und Künstler bilden einen interessanten Rahmen: Gerade endete eine spannende 4-teilige Serie über Geschichte und Hintergründe der Kunstfigur La Barbe-Bleue, Blaubart. Eine 6-teilige IOCO-Serie über Salome folgt in Kürze. CD-, DVD-, Buchbesprechungen sind auch Teil des IOCO Alltags. IOCO (Latein „ich spiele“ – geschützter Name) möchte durch sein Internet Portal www.ioco.de und in seiner Facebook IOCO Kultur community die Vielfalt unseres Lebens abbilden, vom düsteren Alltag bis zur inspirierend belebenden Bühnenkultur; doch – dem tieferen Wortsinn von IOCO folgend – schwebt über IOCO immer ein positiver, frohsinniger Ton.  https://www.ioco.de/

IOCO - Kultur im Netz © IOCO

IOCO – Kultur im Netz © IOCO

 MUSIKALISCHE RARITÄTEN des Jahres 2020

Ukraine – Musica sacra Ukraina: die Partes Dimension besteht in der Erinnerung an eine der ersten Forscherinnen der alten orthodoxen kirchlichen Tradition des Partes-Gesangs Prof. Dr. Nina Gerasimova-Persidskaya. Das Team der Open Opera Ukraine hat die ukrainische Barockmusik konsequent erforscht. Im Jahr 2020 wurde ein Partes-Labor eingerichtet, zehn Partes-Konzerte von Mykola Diletsky und drei Konzerte anonymer Autoren des 18. Jahrhunderts wurden aufgeführt und aufgezeichnet. Eine Website und eine Audio-CD wurden erstellt. Die Projektleiter sind die Programmdirektorin Anna Gadetska, die wissenschaftliche Beraterin, ukrainische Partesforscherin Yevgeniya Ignatenko und die künstlerische Leiterin Nataliia Khmilevska. So das Team von Musica sacra Ukraina: Partes Dimension habe eine Plattform entwickelt, für die Interaktion von Wissenschaftlern, Musikern, Kulturmanagern und Kuratoren, deren gemeinsame Aktivitäten bei der Präsentation von Partes Singing das Interesse und die gebührende Aufmerksamkeit für diese Musik fördern. Die wissenschaftliche Arbeit solle in das umgewandelt werden, was die Zuhörer hören werden – fasst Yevgeniya Ignatenko zusammen, die seit mehr als zwanzig Jahren über Partes forscht. Beispiele des Partes-Gesangs sind auf der Web-Sites Musica sacra Ukraine siehe Link: http://lab.openopera.com.ua/

Musica sacra Ukraina © Open Opera Ukraine

Musica sacra Ukraina © Open Opera Ukraine

  Carlo il Calvo –  Nicola Antonio Porpora

Deutschland –  Carlo il Calvo, eine selten gespielte Opernproduktion im Jahr 2020 beim Bayreuth Baroque Opera Festival: mit Franco Fagioli, Julia Lezhneva und dem künstlerischen Leiter des Festivals Max Emanuel Cencic (Countertenor) in der Hauptrolle des Lottario. Die Oper wurde zum ersten Mal seit 300 Jahren im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth (Foto oben) aufgeführt, das kürzlich nach der Restaurierung eröffnet worden ist. (Regie: Max Emanuel Cencic, Musikalische Leitung: George Petrou). Cencic faszinierte in seiner neuen Interpretation der verwirrenden Geschichte Karls des Kahlen, des Enkels Karls des Großen. Die Geschichte ist absolut verrückt, eine Art Telenovela, in der die Familie um das Erbe kämpft. Der Haupterbe ist ein kleiner Junge, der von seinem Halbbruder entführt wird, um ihn zu töten. Die Mutter ist verzweifelt. Mit einem Wort, eine verrückte Geschichte.

Carlo il Calvo – Nicola Antonio Porpora  – im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth
youtube Trailer Niels U. Kristiansen
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 III. WELTPREMIEREN DES JAHRES 2020 – Ukraine

Zum ersten Mal wurden in Lviv (Lemberg) Werke von Stefania Turkevych (offiziell als erste ukrainische Komponistin anerkannt) im Zusammenhang mit der Rückgabe des verlorenen Erbes an die Ukraine aufgeführt. Die Aufführung einer Reihe unbekannter Werke von Stefania Turkevych wurde durch das Studium der Manuskripte des Künstlers möglich, das der ukrainischen Musikwissenschaftlerin Prof. Stefania Pavlyshyn zu verdanken ist. Und, wie die moderne ukrainische Komponistin Bohdana Frolyak, Autorin der neue Redaktion der Kinderoper Zar Oh oder Oksanas Herz, feststellte, haben Pavlo und Larysa Hunka großartige Arbeit geleistet, um das Werk der Komponistin in die Ukraine zurückzubringen. Der ukrainisch-britische Bariton und seine Gattin Larysa digitalisierten das gesamte Archiv von Stefania Turkevych und präsentierten es in Lemberg. Die Reihe der Weltpremieren im Jahr 2020 umfasste u.a.: Die erste Symphonie von Stefania Turkevych (1937) wurde im Rahmen des Kulturprojekts Ukrainian Live Classic (Präsentation der klassischen Musik der Ukraine / erste ukrainische mobile Anwendung, Förderung ukrainischer Klassiker im globalen Aspekt) aufgeführt.

Stefania Turkevychs © Orgelsaal von Lviv

Stefania Turkevychs © Orgelsaal von Lviv

Die ukrainische Live-Strategie wurde in fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen dem Orgelsaal von Lviv, dem Collegium Management und dem Galizischen Musik Verein (Galician Music Socety (Leitung: Taras Demko) mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKS) entwickelt. Die erste Symphonie Stefania Turkevychs, aufgeführt vom Ukrainian Festival Orchestra, Dirigent Ivan Ostapovych.

Die Kinderoper Zar Oh, oder Oksanas Herz (1960) fand auf der Bühne des Stanislav-Lyudkevych-Konzertsaals statt (Lviv National MyroslavSkorykPhilharmonic). Die Oper wartete 60 Jahre auf ihre Aufführung. Mitwirkende: Instrumentalensemble des Lviv National Philharmonic Symphony Orchestra, 8 Solisten, Kinder- und Jugendkammerchor Zhayvir und Ballettschultheater L.Stage, Dirigent: Serhiy Khorovets, Regisseur: Oleh Oneshchak. Das Projekt wurde mit Unterstützung des Wettbewerbs Lviv 2020 – Fokus auf Kultur durchgeführt.  Aufzeichnung der Oper Zar Oh, oder Oksanas Herz – siehe den folgenden Film

Kinderoper – Zar Oh, oder Oksanas Herz – im Lemberg aufgeführt
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Das Ballett Hands or The Girl with the Withered Hands (Das Mädchen mit den verdorrten Händen, 1957, Bristol) wurde im Rahmen des Projekts Symphonie-Premieren des Orgelsaals von Lviv mit Unterstützung der öffentlichen Organisation Collegium Management und mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKF) Der Regisseur der Aktion ist Taras Demko. Art Director und Dirigent – Ivan Ostapovich.

Ballett _ Hands or The Girl with the Withered Hands © Lviv Opera _ Orgelsaal LViv

Ballett _ Hands or The Girl with the Withered Hands © Lviv Opera _ Orgelsaal LViv

Zum ersten Mal wurden in Kyjiw drei Sinfonien des bedeutenden ukrainischen Komponisten Maksym Berezovsky (1745-1777) im Zusammenhang mit der Rückgabe des verlorenen Erbes an die Ukraine aufgeführt. Das Konzert leitete der ukrainische weltweit bekannte Dirigent Kirill Karabitz anlässlich Berezovskys 275.-Jubiläum. Vor einigen Jahren stellte die Musikwissenschaftlerin Larisa Ivchenko die Hypothese auf, dass die Manuskripte der Sinfonien Nr. 11 und Nr. 13 aus den Archiven des Fürsten Rasumowsky in der Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine von Maksym Berezovsky sind (signiert als Beresciollo). Kirill Karabitz fand die vollständigen Originalpartituren dieser Sinfonien im Nationalarchiv Paris, brachte sie nach Kyjiw und studierte sie mit Musikern des Nationalen Kammerensembles Kyiv Soloists ein. Das Konzert mit Berezovskys Sinfonien fand am 31.12.2020 in einer der schönsten Kirchen des ukrainischen Barock-Stils statt, der St.-Andreas-Kirche, die zu den Meisterwerken der ukrainischen Baukunst des 18. Jahrhunderts und in der sogenannten Tentativliste der UNESCO als nominierte Welterbestätte eingetragen ist. Das Konzert #Berezovsky275 wurde in der Ukraine zum historischen Ereignis des Jahres 2020.

#Berezovsky275  – Konzert
youtube Trailer Kirill Karabitz
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IV. FESTIVAL & KONZERT 2020    –  Deutschland

Bayreuth Baroque – das erste Bayreuth Baroque Opera Festival im 1748 erbauten Markgräflichen Opernhaus Bayreuth. Das Opernhaus gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde 2018 komplett renoviert. Der künstlerische Leiter des Festivals Max Emanuel Cencic ist ein herausragender Opernsänger und Countertenor. Neben Solokonzerten der Stars Joyce DiDonato, Vivica Genaux, des Gambisten und Historikers Jordi Savall, der Accademia Bizantina und der Bratschistin Delphine Galou gipfelt das Festival in den Opern Antonio Porporas Carlo il Calvo und Leonardo Vincis Gismondo, Rè die Polonia. In der Oper Gismondo, Rè die Polonia, basierend auf der historischen Geschichte von Sigismund II. – König und Großfürst von Polen-Litauen, der Unterzeichnung der Lubliner Union zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen, wurde Otton von dem ukrainischen Kontertenor Yuri Minenko In beiden Opernproduktionen des Festivals sang Max Emanuel Cencic in der Titelrolle. Das {oh!} Orkiestra Historyczna! leitete die polnische Dirigentin Martyna Pastuszka. Das Festivalprogramm.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

IV. FESTIVAL & KONZERT 2020    –   Ukraine

Pro et Contra. Die Bühne für neue Musik ist eine Konzertreihe, die das zehntägige Festival Contrasts mit regelmäßigen Projekten das ganze Jahr über fortsetzt. Pro et Contra, die Bühne der neuen Musik wird ausgezeichnet für ihre Aufführung des Melodramas für Gesang und Instrumentalensemble Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg 21 (1912). Die Übersetzung ins Ukrainische des französischen Gedichtzyklus von Albert Giraud (1884), in der freien deutschen Übertragung von Otto Erich Hartleben, (1892) – Maxim Rymar (2020). Mitwirkende: Liliya Nikitchuk (Mezzo-Sopran) – Gesang, Maksym Rymar – Cello, Natalya Kozhushko-Maksymiv – Flöte & Piccoloflöte, Taras Hamar – Klarinette & Bassklarinette, Iryna Kirchanova – Klavier, Olena Kravets – Geige, Serhiy Havryliuk – Bratsche, Roman Kreslenko – Dirigent, Kurator der Konzertreihe Pro et Contra Bohdan Sehin; Philharmonie-Direktor – Volodymyr Syvokhip. Siehe link HIER!:

V. JUBILÄUM 2020 – Fest trotzt Covid

Das Jahr 2020 wird als Pandemie-Krise tragisch in die Geschichte der Menschheit eingehen. Es lohnt nicht, darüber nachzudenken, warum Covid-19 zu einem für wichtige Jahrestage so ungünstigen Zeitpunkt ausbrach. Die beiden Festivalstädte Lviv (Lemberg) und Salzburg hatten jedoch keine Angst vor dem Virus und feierten ihr Jubiläum auf brillante Weise. Wahrscheinlich haben die Seelen von Wolfgang Amadeus Mozart – der Vater und Franz Xaver Mozart – der Sohn die Jubiläumsfeiern, die Künstler und die Öffentlichkeit unter ihre Schirmherrschaft genommen. Die Feierlichkeiten waren bezaubernd, alle blieben gesund.

Ukraine – Der 120. Jahrestag der Nationalen Akademischen Oper und des Balletttheaters Solomiya Krushelnytska

Das Informationsportal der Oper von Lemberg berichtete: „Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein festliches Grand-Konzert. Die Produzenten der Aktion – Regisseur Vasyl Vovkun, Dirigent Ivan Cherednichenko, Chorleiter Vadym Yatsenko haben das Programm so zusammengestellt, dass sie die wichtigsten historischen Premieren in der 120-jährigen Geschichte der Lemberger Oper widerspiegeln. Von der Grundsteinlegung für den Bau des Theaters, während der Pilgerchor aus Richard Wagners Oper Tannhäuser erklang, bis zur jüngsten Premiere der Volk-Oper des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten Yevhen Stankovychs Wenn der Farn blüht – ein zweistündiger musikalischer Ausflug überwand die Zeit malte die wichtigsten Ereignisse auf die Bühne. Das Musikprogramm wurde durch interessante Fakten aus der Geschichte der Lemberger Oper ergänzt, die von den Gastgebern – dem Regisseur der Aktion Vasyl Vovkun und den Solisten der Lemberger Bühne – Liudmyla Ostash und Daryna Lytovchenko geteilt wurden. Schöne visuelle Projektionen, Bild- und Lichtdesign dekorierten pathetisch die Bühne (Dmitry Tsyperdyuk). Es erklangen die berühmtesten Fragmente aus Faust von Charles Gounod, Manon von Jules Massenet, Manru von Jan Paderewski, Madame Butterfly und La Boheme von Giacomo Puccini, Il trovatore von Giuseppe Verdi, Lohengrin von Richard Wagner. Zu den Programm-Perlen zählten die Arien und Ouvertüren aus den ukrainischen Opern Bogdan Khmelnytsky von Kostiantin Dankevych, Das gestohlene Glück von Julij Mejtus, Moses von Myroslav Skoryk, Die Goldene Krone von Boris Lyatoshynsky, Wenn der Farn blüht von Yevhen Stankovych. Neben den ukrainischen Kammersängern der LvivOpera (Olesia Bubela, Daryna Lytovchenko, Liubov Kachala, Liudmyla Ostash, Liudmyla Savchyk, (Sopran), Tetiana Vakhnovska (Mezzosopran), Oleh Lanovyi, Roman Trokhymuk (Tenöre), Roman Strakhov, Orest Sydir (Baritone), Yurii Trytsetskyi (Bass) –nahmen im (am) Konzert viele Gastsänger aus Europa teil: die Solisten der Nationaloper der Ukraine Valentyn Dytiuk (Tenor) und Serhii Magera (Bass), ukrainische Koloratursopranistin, Gastsolistin der Metropolitan Oper, Pariser Oper, Züricher Oper u.a. Olga Kulchynska.

 Österreich –  100 Jahre Salzburger Festspiele 

Die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, und Intendant Markus Hinterhäuser haben ihr Bestes getan, um diese „rein österreichische“ musikalisch-theatralische, luxuriös modische Kreation Salzburgs, einer Weltbühne, zum wichtigsten Datum ihres Lebens zu machen. Zwei Opernpremieren – Elektra von Richard Strauss und Cosi fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart – waren die einzigen Aufführungen, die stattfanden. Das Programm wurde gekürzt. Von den für 2020 geplanten Produktionen fanden Mozarts Zauberflöte, Puccinis Tosca, Mussorgskys Boris Godunov und Don Giovanni in der Version von Romeo Castellucci nicht statt. Unter den Raritäten wurden aus dem Programm Intolleranza von Luigi Nono, Neither von Morton Feldman Die verbleibenden Aufführungen im Programm reichten jedoch für die Salzburger Festspiele aus, um ihr 100-jähriges gebührend zu feiern

Cosi fan tutte Wolfgang Amadeus Mozart. 100 Jahre Salzburger Festspiele – Mozart als Erfolgsgarantie: Eine Besprechung zu Cosi hier  von Adelina Yefimenko / IOCO !

Cosi fan Tutte – Salzburger Festspiele 2020
youtube Trailer Salzburger Festspiele
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VI. SÄNGERIN DES JAHRES 2020

Ukraine –  Sofia Soloviy, Sopran – für die Hauptrolle Rusalka in Antonin Dvoraks Oper Rusalka im Theater St.Gallen (Regie: Vera Nemirova, Musikalische Leitung: Modestas Pitrenas / Stéphane Fromageot); für ihr Debüt als Rusalka an der Wiener Staatsoper (Regie: SvenEric Bechtolf, Dirigent: Tomáš Hanus); für die Hauptrolle Jane Seymour in Donizettis Anna Bolena (Regie: Stefano Mazzonis di Pralafera, Regie: Giampaolo Bisanti) in der Opéra Royal de Wallonie (Lüttich, Belgien), in der Royal Opera House Muscat (Maskat, Oman), sowie für die Aufführung der Werke ukrainischer Komponisten bei der Konzertpräsentation Your Taras Schewtschenko in der Lviv National Philharmonic unter Beteiligung des Lviv State Academic Male Choir Dudaryk (Chorleiter: Dmytro Katsal) und des Academic Symphony Orchestra vor Lviv National Philharmonic (Direktor und Dirigent: Volodymyr Syvokhip). Im Konzert Your Taras Schewtschenko sang Sofia Soloviy Werke von Mikola Lysenko und Yakiv Stepovy. Aufzeichnung der Konzertpräsentation – siehe Link HIER!:

Sofia Soloviy © Bruno Severini

Sofia Soloviy © Bruno Severini

Außerhalb des italienischen Repertoires trat Sofia Soloviy in Europa erfolgreich in den Rollen von Vitellia und Elettra (La Clemenza di Tito und Idomeneo von W. A. Mozart), in den Sopranstimmen Elias von F. Mendelssohn u.a. auf. Zum Repertoire gehört auch Elsa (Wagners Lohengrin). Das moderne Konzert- und Kammergesangsrepertoire der Sängerin umfasst Werke von Krzysztof Penderecki bis Yuri Laniuk sowie eine Vielzahl ukrainischer Sololieder. Sofia Soloviy ist davon überzeugt, dass cantilena belcanto in jedem Repertoire eine endlose Melodie ist, die mit dem Herzen gesungen werden soll.

Italien, Frankreich  –  Lea Desandre (MezzoSopran) – für die Rolle von Page Urban in Giacomo Meyerbeers Les Huguenots an der Grand Théâtre de Genève (Regie: Jossi Wieler, Sergio Morabito, Musikalische Leitung: Marc Minkowski); für die Rolle von Despina in Mozarts Così fan tutte (Regie: Christoph Loy, Musikalische Leitung: Joana Mallwitz, Salzburger Festspiele), für die Rolle der Priesterin Diana, Schäferin, Jägerin in der Oper Hippolyte et Aricie Jean-Philippe Rameaus (Inszenierung von François Roussillon et Associés der Pariser Opéra Comique am11. 2020, Regie: Jeanne Candel, Musikalische Leitung: Raphael Pishon); für die Kammerkonzerte mit Les Arts Florissants unter der Leitung von William Christie.

Presseberichte: Eine junge schlanke Schönheit in einem roten Faltenrock verursachte einen Blitzschlag mit ihrer charmanten Stimme wie eine Bergquelle. Die Luftkoloratur der jungen Französin Lea Desandre wurde zu einem unvergesslichen Auftakt des Opernabends.

Die junge Sängerin arbeitet mit dem Ensemble Les Arts Florissants von William Christie, den Festivals für Alte Musik von Innsbruck und Aix-en-Provence zusammen. In der Victoires de la Musique Classique-Bewertung wurde sie als Vokalfund von 2017 ausgezeichnet. Im Jahr 2020 spielte sie neben Produktionen von Così fan tutte und Les Huguenots die Rollen von Rosina (Rossinis Il barbiere di Siviglia), Annio (Mozarts La clemenza di Tito), Sesto (Händels Giulio Cesare in Egitto) u.a. Sie gab die Konzerte mit dem berühmten Lautenspieler Thomas Dunford und seinem Ensemble Jupiter.

ArtsFloWinter  #1: Lambert, Couperin, d’Ambruys, Matteis, Eccles @ La Grange
youtube Trailer Les Arts Florissants
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VII. SÄNGER DES JAHRES 2020

Ukraine  –  Bohdan Volkov (Tenor) – für die Rolle von Ferrando in Mozarts Così fan tutte (Regie: Christoph Loy, Musikalische Leitung: Joana Mallwitz (100 Jahre der Salzburger Festspiele) und Lensky in der Tschajkowskijs Oper Eugene Onegin (Regie: Dmitri Tschernjakov, Dirigent: Tomáš Hanus). Absolvent des R.Glier Kyiv Institute of Music (Ukraine). Er arbeitet regelmäßig mit Dmitri Tschernjakov zusammen: Die Verlobung im Kloster (Antonio) von Sergei Prokofjew an der Berliner Staatsoper, The Tale of Tsar Saltan von N. RimskyKorsakov (Tsarevich Gvidon) am Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel. Im Jahr 2021 soll Bohdan Volkov sein Debüt als Fenton in der Neuproduktion Falstaff an der Bayerischen Staatsoper.

Eugen Onegin – Bohdan Volkov als Lensky
youtube Trailer nexie aden
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Die Oper Eugene Onegin mit Bohdan Volkov als Lensky (Regie: Dmitri Tschernjakov, Regie: Tomáš Hanus)

Deutschland   –  Vincent Wolfsteiner (Tenor) – für die Aufführung von Tristan in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde (Frankfurter Oper ( link HIER) unter der Regie von Katharina Thoma unter der Direktion von Sebastian Weigle) und von Herodes in der Oper Salome von Richard Strauss in der Berliner Staatsoper Unter den Linden unter der Regie von Hans Neuenfels und der Direktion von Thomas Guggeis). Einer der führenden Tenöre des Wagner-Strauss-Repertoires: er sang in Bayreuth, Berlin, Frankfurt, Massachusetts, New York, Florida, Nürnberg, Hannover, Freiburg und der National Taichung Theater (Taiwan). Darüber hinaus umfasst das Repertoire des Sängers alle führenden Tenorstimmen: Andrea Chénier, Othello, Kalaf, Siegmund und Siegfried, Eric in Fliegender Holländer, Lohengrin, Peter Grimes, Bacchus in Ariadne auf Naxos. Das Interview der Autorin mit  Vincent Wolfsteiner  – siehe IOCO  Link HIER!:

Vincent Wolfsteiner © Ludwig Olah

Vincent Wolfsteiner © Ludwig Olah

Frankfurt, Oper Frankfurt, Vincent Wolfsteiner, Tenor – im Gespräch, IOCO Aktuell, 11.02.2020

VIII. DIRIGENTIN DES JAHRES 2020

Deutschland  –  Joana Mallwitz – für die Musikalische Leitung und hervorragende Interpretation von Mozart Oper Così fan tutte zum 100. Jahre der Salzburger Festspiele. Die neue Mozart-Interpretation von Joana Mallwitz wird als brillantes Beispiel für die Mitautorschaft von Mozart-Mallwitz-Loy in die Geschichte eingehen. Kritiker lobten die Interpretation von Joanna Mallwitz als „Höhepunkt des modernen Verständnisses von Mozarts Stil, ein herausragender Moment der Salzburger Festspiele, als Herzstück dieser Produktion, als raffinierte Eleganz und unendliche Energie des Pulses der Musik“. Ihr Dirigat wurde als „Sternstunde in Sachen Mozart-Interpretation“ (von Friedemann Leipold, BR-Klassik) wahrgenommen. Sie war wirklich phänomenal in ihrer Selbstverständlichkeit, mit der sie Mozarts musikalischen Kosmos interpretiert. Die Wiener Philharmoniker unter der Leitung der brillanten Dirigentin des 21. Jahrhunderts sind nicht nur das Hauptereignis, sondern ein einzigartiges Ereignis von Salzburg 2020. Die Tatsache, dass das 100-jährige Jubiläum von einer der besten Interpretationen von Mozart der letzten Jahre geprägt war, ist ein gutes Zeichen, das Hoffnung und Vertrauen in den erfolgreichen Abschluss und die weitere Entfaltung des außergewöhnlichen Festivals gibt, das seine Geschichte mit großen Künstlern schreibt.

Joanna Mallwitz wurde auch zur Dirigentin des Jahres 2020 für ihre Interpretation von Beethoven und Schubert gekürt. In diesem Jahr startete sie mit dem Staatstheater Nürnberg eine Reihe von selbstgeschaffenen Videotouren zur 6. Symphonie in F-Dur, Pastorale und zur 7. Symphonie in A-Dur von Ludwig van Beethoven (zum 250. Jahrestag) auf BR-KLASSIK. Die bildeten zusammen mit der Interpretation von Franz Schuberts letzter Großer Symphonie in C-Dur mit dem Berliner Konzerthausorchester den speziellen Inhalt der Sendung „Reingehört!“, die live auf den Websites rbbKultur und dem Konzerthaus Berlin sowie im rbb Fernsehen übertragen wurde.

Joanna Mallwitz © Lutz Edelhoff

Joanna Mallwitz © Lutz Edelhoff

Joanna Mallwitz war die jüngste Dirigentin und Musikdirektorin des Theater Erfurt und Nürnberg. Die Fachzeitschrift Opernwelt zeichnete sie als Dirigentin des Jahres 2019 aus. Im Jahr 2020 wurde Joanna Mallwitz mit dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Videotouren und Interpretationen der Beethovens und Schuberts Symphonien – siehe den Links:

 

Joanna Mallwitz mit „Ihrem“ Rundgang durch die „Pastorale“
youtube Trailer BR – Klassik
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IX. DIRIGENT DES JAHRES 2020

Ukraine –  Kirill Karabits (Kyrylo Karabyz) – für die Suche nach Partituren und die Rückgabe des verlorenen musikalischen Erbes an die Ukraine, insbesondere für die Suche nach Partituren von Maksym Berezovsky Symphonien (ein Konzert zum 275. Jahrestag der Geburt des ukrainischen Genies – Autor der ersten ukrainischen Symphonie, erster ukrainischen Oper (Demofonte), Chorkonzerte, Sonaten für Violine und Cembalo usw.). Auszug aus dem Interview Yefimenko – Karabits: „Es gibt eine interessante Hypothese von Larisa Ivchenko über einen Fund von Manuskripten von Symphonien Nr. 11 und Nr. 13, unterzeichnet von einem Beresciollo (Berezovsky). Die Musikwissenschaftlerin verweist auf den Ort der Aufbewahrung einzelner Seiten dieser Symphonien in der Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine mit Anweisungen zum Ort der Veröffentlichung – Paris und Lyon (Simphonie Periodique? ?iu Stromenti Composte del Signor Beresciolo ? XI. – A Paris: chez Mr De La Chevardiere, aux Adresses Ordinaires; A Lyon: Les Freres Le Goux). Die russische Forscherin Aljoschina bestätigt diese Hypothese und analysiert diese Beispiele als frühe russische Symphonien. Wenn diese Symphonien tatsächlich aus der Feder von Berezovsky stammen, wo wirst Du diese Werke zuerst aufführen?“

Kyryll Karabyts © Kyryll Karabyts

Kyryll Karabyts © Kyryll Karabyts

Der Titel des Dirigent des Jahres 2020 wird dem Kirill Karabits (Kyrylo Karabyz) auch für die Musikalische Leitung einer pandemie-adaptierten Produktion Mussorgskys Oper Boris Godunov an der Zürcher Oper (Regie: Barrie Kosky) verliehen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Opernproduktion hat Zürich ein hochmodernes Soundsystem wie digitale Kinogeräte erfolgreich getestet. Die technische Unterstützung der Aufführung – 60 Mikrofone im Proberaum, 100 Monitore im Auditorium des Theaters, synchronisierter Ton, der mit Lichtgeschwindigkeit virtuell über Glasfaserkabel an das Opernhaus geliefert wurde – all dies garantierte eine perfekte Verbindung und eine koordinierte Klangqualität. Der Dirigent leitet das Orchester und den Chor nicht aus dem Orchestergraben, sondern aus dem Proberaum in der Nähe des Opernhauses. Nur die Solisten traten auf der Bühne auf. Die Produktion wurde von Kritikern hochgelobt und vom Publikum feierlich bejubelt.

Kirill Karabits dirigiert Boris Godunow
youtube Trailer Opernhaus Zürich
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X. REGISSEURIN DES JAHRES 2020

Deutschland  –  Vera Nemirova – für die Inszenierung der Oper Fidelio. Im Jahr 2020 war die Produktion dem 250-jährigen Jubiläum von Ludwig van Beethoven und der Eröffnung des Gebäudes der Prager Staatsoper nach dreijähriger Restaurierung am 5. Januar 2020 gewidmet. Auf derselben Bühne wurde am 21. November 1814 unter der Leitung von Carl Maria von Weber die erste Prager Inszenierung von Fidelio aufgeführt, die den europäischen Triumph von Beethovens Opus Magnum ankurbelte (Berlin und Weimar 1815, Pesth – heute Budapest – und Kassel 1816, St. Petersburg 1818 und 1819, Wien 1822, Dresden 1823). Die Regisseurin arbeitet seit 2018 mit dem Musikdirektor der Prager Staatsoper Andreas Sebastian Weiser Vera Nemirova erhielt auch den Titel der Regisseurin des Jahres 2020 für eine scharf psychologische Inszenierung der Oper Rusalka von Antonín Dvo?ák in St. Gallen, die das aktuelle Thema „Inklusion und Künstler“ aufwirft. Das Stück wurde im Oktober 2019 uraufgeführt und im Jahr 2020 bis zur Ankündigung der globalen Sperrung fortgesetzt. Die Titelrolle Rusalka (die Meerjungfrau) in dieser Produktion sang Sofia Soloviy.

Vera Nemirova © Lutz Edelhoff

Vera Nemirova © Lutz Edelhoff

Die gebürtige Bulgarin Vera Nemirova lebt in Berlin und ist ein gern gesehener Gast in vielen europäischen Opernhäusern: in den Wiener, Berliner, Hamburger Staatsopern, der Bonner Oper, im Magdeburger und Weimarer Theater, in der Bukarester Nationaloper, der Grazer Oper, der Luzerner Oper. Die Regisseurin gilt als eine der besten Interpretinnen von Wagners Werken, darunter Der Ring des Nibelungen (Frankfurter Oper, 2010-2012) und Die Meistersinger von Nürnberg (Erfurt, Weimar, Regie in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Dirigenten Kirill Karabits, 2016).

XI. REGISSEUR DES JAHRES 2020

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

Deutschland  –  Tobias Kratzer – für die Inszenierung der Oper Fidelio am Royal Opera House in London. Die Oper wurde einige Tage vor der Ankündigung der weltweiten Sperrung Covid19 (1. März 2020) uraufgeführt. Fidelio sollte am 17. März live übertragen werden. Führende Kinos auf der ganzen Welt bereiteten sich auf diese Veranstaltung vor. Gleichzeitig sollten die Produktionen auf DVD aufgenommen werden. Leider sind diese Pläne nicht verwirklicht worden, aber die Aufzeichnung der Generalprobe, die am 26. Juli 2020 auf der BBC ausgestrahlt wurde, ist erhalten geblieben. In Großbritannien kann die Aufzeichnung 9 Monate lang kostenlos angesehen werden. Hier ist ein Auszug aus der Presse: „Die Freude, den 250. Jahrestag der Geburt eines Genies zu feiern, wird durch einen einzigen göttlichen Funken (Freude, schöner Götterfunken) entzündet“.  Tobias Kratzers Fidelio flammte wieder auf – nach seiner genialen (kein Kompliment, sondern eine objektive Einschätzung) und unübertroffenen Regie von Wagners Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen 2019. Meine Auszeichnung für Tobias Kratzer als Regisseur des Jahres ist weder neu noch originell. Der Regisseur hat laut einer Umfrage unter 50 verschiedenen unabhängigen Journalisten und Musikkritikern bereits zweimal den Titel Der beste Regisseur 2020 des beliebten Hochglanzmagazins Oper! und den Titel Regisseur des Jahres 2020 des professionellen deutschen Opernmagazins Opernwelt gewonnen.

Ich vermeide grundsätzlich Superlative wie „höchste“ oder „beste“ bei der Nominierung und Aufzeichnungen. Während des Pandemiejahres scheiterten viele Produktionen, darunter Opernpremieren vieler sehr guter Regisseure wie David Bösch, Dmitri Tcherniakov, Martin Kušej, Claus Guth, Axel Ranisch, Tatjana Gürbaca und Katie Mitchell.

Krzysztof Warlikowski und Barrie Kosky haben es in diesem Jahr geschafft, auf dem Höhepunkt der modernen Opernregie zu bleiben. Höhepunkte des Jahres 2020 waren Warlikowskis Inszenierung von Elektra von Richard Strauss zu 100. Jahre der Salzburger Festspiele unter der musikalischen Leitung von Franz WelserMöst und Barrie Koskys Inszenierung von Boris Godunov von Modest Mussorgski an der Zürcher Oper unter der Leitung von Kirill Karabits. Die Inszenierung von Katie Mitchell im Jahr 2020 war leider zum ersten Mal enttäuschend. Trotz ihrer großartigen und unumstrittenen Regiebegabung war ihre JudithKonzert für Orchester / Herzog Blaubarts Burg auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper eine alarmierende Botschaft des radikalen Feminismus der Polizistin Judith, welche die von Herzog Blaubart ermordeten Frauen rettet, aber den Blaubart selbst, ohne Gerichtsverfahren, ermodet. Das symbolische Mysterien-Drama von Béla Bartók hat Katie Mitchell in ihrem Opern-Thriller wie zu dem Filmspiel Kill the Maniac heruntergestuft. Ich werde die Arbeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin weiterhin mit Interesse verfolgen, denn die Inszenierungen der Opern Written on Skin, Lessons in Love and Violance von George Benjamin u.a. sind ihre großen Regie-Leistungen.

Fidelio – Tobias Kratzer: Der Regisseur des Jahres über die Inszenierung des Fidelio in London am 30.10.2020.

Kirill Fidelio am Royal Opera House, Regie Tobias Kratzer; hier „Mir ist so wunderbar“ mit  Forsythe, Davidsen, Zeppenfeld, Tritschler

youtube Trailer Royal Opera House
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Und Misserfolge sowie Erfolge auf dem Weg zu einer langfristigen kreativen Bildung sind flüchtig, wenn sich der Künstler der sozialen Auswirkungen von Kunst auf Menschen bewusst ist.

Tobias Kratzer hat meine Aufmerksamkeit mit der Produktion von Fidelio erschüttert, nicht nur, weil 2020 ein Jubiläumsjahr war, das beethovensche. Der Regisseur gab zu: „Es geht um das Prinzip Leonore. Es geht mir um das Grundmuster, wie funktioniert eine Gesellschaft, wie kriegt man eine Gesellschaft zum Handeln. Also es ist ja immer einer, der startet, das kann ‚Fridays For Future‘ sein oder der Arabische Frühling. Das braucht sozusagen einen Funken, und daraus kann eine Bewegung entstehen, die plötzlich größer wird als die Figur, die es gestartet hat.“  Deshalb ist es so wichtig, dass sich sein „Bild des Publikums“ weiterentwickelt: Die passive Masse der Zuschauer des sakralen Dramas erhält so etwas wie einen „Durchbruch des Bewusstseins“.

—| IOCO Essay |—


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Bayreuth, Reichshof Kulturbühne, Sonnenflammen – Oper von Siegfried Wagner, IOCO Kritik, 13.09.2020

September 13, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Reichshof Kulturbühne

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Reichshof Bayreuth @ Hasenstein

Reichshof Bayreuth @ Hasenstein

Reichshof Kulturbühne

Sonnenflammen – Szenische Vision einer Oper von Siegfried Wagner

– Ein Tanz auf dem Vulkan –

von  Karin Hasenstein

Bayreuth im August – das heißt für die Rezensentin normalerweise Richard-Wagner-Festspiele. So sollte es auch 2020 sein, jedoch machte ein kleines Virus diese Pläne jäh zunichte.

Nach Oberfranken sollte es trotzdem gehen, denn eine Saison ohne Bayreuth ist zwar möglich, aber irgendwie sinnlos. Die Stadt hat ja auch neben Richard Wagner und den Festspielen einiges mehr zu bieten. Dafür sollte nun endlich einmal genug Zeit sein.
Umso größer die Freude, als durch einen Mitwirkenden, Steven Scheschareg, die Aufführung von Siegfried Wagners Oper Sonnenflammen angekündigt wurde. Also doch, auch 2020 Wagner live in Bayreuth!

Im Gegensatz zum Vater Richard Wagner hatte sich die Rezensentin mit dem Oeuvre des Sohnes Siegfried noch nicht näher auseinandergesetzt. Warum also nicht jetzt? Der Vorstellungstermin passte perfekt in den geplanten Aufenthalt und so wurde kurzerhand ein Besuch für IOCO daraus.

Am 15.08.2020 war es also soweit. Eine herkömmliche Einführung konnte Corona bedingt ebenfalls nicht stattfinden. Die Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft e.V. Bayreuth hat jedoch eine umfangreiche und sehr detaillierte Ausstellung erarbeitet, die in der Stadtbibliothek Bayreuth gezeigt wird. Hiermit können sich die Besucher schon einen sehr guten ersten Überblick über das Werk und seine Entstehung verschaffen. Weitere Informationen sind dem ansprechend gestalteten großformatigen Programmheft zu entnehmen.
Da die Werke des Wagner-Sohnes Siegfried doch eher selten auf deutschen Bühnen zu erleben sind, muss zunächst etwas zum Inhalt gesagt werden.

Handlung/ Synopse

Die Handlung der Oper Sonnenflammen spielt in Byzanz zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte des Ritter Fridolin. Die Handlung beginnt am Hofe des Kaisers von Byzanz. Der Text entstammt dem „Siegfried Wagner Opernführer, Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft, Bayreuth“.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Erster Akt

1. Die byzantinische Hofgesellschaft amüsiert sich über die Armut des Volkes. Die Hungrigen raufen sich um Almosen. Kaiser Alexios entreisst einem lahmen Bettler die Krücken. Der Bettler flucht den Frevlern und selbst Fridolin, der ihm aufhelfen will, da der Ritter als Gast des Hofes zu den Herrschenden gehört.
Fridolins Liebe zu Iris bleibt unerfüllt. Iris stört es, dass der Ritter sein Kreuzzuggelübde nicht einhält; ihre Liebe kann nur Bewunderung für einen Mann sein; wäre Fridolin fort, so würde sie ihn lieben.
2. Der Hofnarr Gomella hat beim Diebstahl versehentlich eine Vase mit Rosenöl zerbrochen. Der Duft verrät den Dieb, der sich vor Alexios jedoch geschickt zu verteidigen weiß. Wenn der Narr ihm seine Tochter Iris gefügig macht, will der Kaiser auf die Bestrafung Gomellas verzichten.
Gomella sucht nach einem Ausweg. Er schreibt einen Brief an die Kaiserin, den Iris ihr übergeben soll.
So erfährt die Kaiserin vom Vorhaben ihres Gatten.
3. Ein Kreuzritterheer aus Franken macht am Hofe Station. Gottfried, einer der Ritter, versucht Fridolin den Kreuzzug als »Raufen-Taufen-Saufen« schmackhaft zu machen.
4. Gomella ist skeptisch; er befürchtet, Brandstiftung sei die eigentliche Absicht des Besuchs der Kreuzritter. Anstelle von Iris will er dem Kaiser die Dirne Eunoe unterschieben.
5. Eunoe wird für das Rendezvous verlarvt und im Park versteckt, um im entscheidenden Moment Iris‘ Rolle einzunehmen. Eustachia, die alte Dienerin der Kaiserin Irene, beobachtet verborgen das Geschehen.
6. Alexios wünscht sich von Iris einen Erben, da der Thronfolger ein krankes, degeneriertes Kind ist. Er schenkt Iris eine Halskette, die Iris Eunoe zunächst verweigert, als die Sklavin im Dunkeln ihre Stelle einnimmt. Die Leidenschaft des Kaisers hat in Iris ungeahnte Empfindungen geweckt, und einen Moment lang ist sie bereit, sich selbst Alexios hinzugeben. Im Abgehen fühlt sie sich beobachtet und glaubt, im Gebüsch Fridolins Augen zu entdecken.

Zweiter Akt

1. Eustachia berichtet der Kaiserin, was sie gesehen und belauscht hat. Irene befallen in ihrer unerwiderten Liebe zum Kaiser Selbstmord-Gedanken. Entgegen klerikaler Doktrin glaubt auch Eustachia an das Recht des Individuums, über sein Leben frei entscheiden zu dürfen.
2. Iris sucht Schutz bei der Kaiserin: Alexios hat offensichtlich mit Eunoe ein neues Treffen vereinbart, und Iris flieht nun gleichermaßen vor dem Kaiser wie vor Fridolins wilder Eifersucht. Sie gesteht der Kaiserin ihre Liebe zu dem Traumbild eines die Dekadenz vernichtenden Draufgängers – der Fridolin leider nicht ist.
3. Fridolin will Iris zur Rede stellen. Die Kaiserin fordert ihn auf, ihr und Iris beim Sticken zu helfen.
4. Auch der hinzukommende Kaiser hilft beim Aufwickeln der Fäden, um so mit Iris sprechen zu können. Er verlangt, sie solle beim Fest die ihr geschenkte Halskette tragen.
5. Iris verweigert Fridolin die Antwort auf seine Fragen nach Alexios.
6. Beim Festakt lässt Alexios Iris auf der linken Seite seines Thrones Platz nehmen. Mit Hohn empfängt er den venezianischen Gesandten, und die Hofgesellschaft stimmt in den Spott mit ein. Als der Gesandte mit Krieg droht, ernennt Alexios Fridolin gegen dessen Willen zum Feldherrn. Der Bruder des Kaisers plant ein Attentat auf Alexios, das während eines Tanzspieles (»Die Rache von Artemis an Iphis«) ausgeführt werden soll. Gomella, zwar bestochen, um zu schweigen, hat den Kaiser über den Putsch-Versuch informiert. So misslingt das Attentat, über dessen vermeintliches Gelingen sich Fridolin zu früh offen freut. Der Konspirateur soll mit den Attentätern hingerichtet werden, doch die Kaiserin lässt ihm den Tipp geben, sich wahnsinnig zu stellen. Alexios durchschaut Fridolins Wahnsinn, aber er geht darauf ein, ihn als zweiten Hofnarren zu akzeptieren. Zum Zeichen seiner neuen Stellung wird Fridolin das Haupt geschoren.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Dritter Akt

1. Die Narren Gomella und Fridolin müssen gemeinsam Alexios schmeicheln und ihn belustigen.
2. Eustachia meldet Alexios, dass sich die Kaiserin mitsamt dem Kind ertränkt hat. Der Kaiser befiehlt, diese Nachricht bis zum Ende der Festlichkeiten geheim zu halten und ein Unwohlsein der Herrscherin vorzutäuschen.
3. Ein Wahrsager kündet den Weltuntergang an. Fridolin lässt sich aus der Hand lesen, er werde sich noch vor dem Ende selbst umbringen. Albrecht, Fridolins Vater, ist dem Sohn nachgereist, um ihn heimzuholen: Fridolins Frau hat dem untreuen Ritter verziehen. Fridolin gesteht, dass er den Kreuzzug noch gar nicht angetreten, sein Gelübde gebrochen hat. Gomella reißt ihm den Turban vom Kopf, mit dem Fridolin sein geschorenes Haupt vor dem Vater verbergen wollte, und verrät Albrecht die Zusammenhänge. Der Vater verflucht Fridolin.
4. Das Treffen mit dem Vater hat in Fridolin die Erinnerung an die Heimat geweckt. Er will nicht länger ehrlos im Dienst des Hofes stehen: der Tod scheint ihm der einzige Ausweg.
5. Auf der Terrasse des Schlosses werden im Zuge des Festes Puppen des französischen Königs, des deutschen Kaisers, des Papstes und des venezianischen Dogen Dandolo verbrannt. Die tote Kaiserin erscheint Alexios und weckt in ihm die Ahnung, dass sich ihm nicht Iris, sondern Eunoe hingegeben habe. Fridolin ersticht sich auf dem Höhepunkt des Festes. Ein Bote meldet Brandstiftung und den Angriff der Kreuzritter. Alexios zieht den Feinden entgegen. Alles sucht entsetzt zu fliehen, und auch Gomella kann entkommen. Iris legt dem sterbenden Fridolin eine seiner abgeschnittenen Locken aufs Haupt. Dem Sterbenden gesteht sie ihre Liebe. Die ohnmächtige Iris wird aus den Flammen gerettet; Fridolins Leiche liegt verlassen in den Trümmern des untergehenden Kaiserreiches.

Beim ersten Lesen die Handlung nicht verstanden? Macht nichts! Vieles erschließt sich im Verlauf der Oper; manches auch nicht.

Die beiden Vorstellungen von Sonnenflammen fanden in Bayreuth am 15. und 16. August 2020 leider nicht wie geplant im Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus statt, sondern, bedingt durch die Corona-Auflagen, im Reichshof Kulturbühne, einem ehemaligen Konzert- und Lichtspielhaus. https://www.reichshof-bayreuth.de/

Dabei haben die Veranstalter sehr charmant für die Einhaltung der Auflagen gesorgt. So waren z.B. die freien Reihen mit aufgespannten Regenschirmchen blockiert, die freizuhaltenden Sitze mit gelben Schleifen zugebunden.
Die obligatorischen Mund-Nasen-Schutze durften am Platz abgenommen werden und Zuschauer und Mitwirkende durften einander nicht begegnen.
So hätten in dem großzügigen Zuschauerraum 100 Besucher Platz; die waren es am Abend des 15. August jedoch nicht einmal. Die Auslastung lag vielleicht bei 60 bis 70 %, was angesichts der moderaten Preise und des geringen Angebotes an Live-Opern-Aufführungen mehr als schade ist, zumal bei einem so selten gespielten Bühnenwerk.
Auf der linken Saalseite war eine große Projektionsfläche für die deutschen und englischen Übertitel angebracht, die leider auch nur von Besuchern auf der linken Seite gelesen werden konnten, ohne eine Genickstarre zu riskieren. Hier wäre eine Lösung in der Saalmitte bzw. über der Bühne erquicklicher gewesen.

Die Bühne selbst bot ausreichend Spielfläche für die 13 Solisten. Über Traversen war ein Beleuchtungssystem angebracht worden, das die Szene gut ausgeleuchtet hat. Ein leistungsstarkes Soundsystem verbreitete den Klang des (ebenfalls Corona bedingten) Digitalen Orchesters gut im Raum. Dadurch, dass der Dirigent Ulrich Leykam dieses digitale Orchester vor einer virtuellen Partitur dirigierte, funktionierte dieser Aspekt der Vorstellung erstaunlich gut. Die Klangqualität war gut und sauber, so dass das Digitale Orchester eine akzeptable Lösung in Coronazeiten darstellt. Natürlich kann es niemals an ein live spielendes Orchester aus „echten“ Musikern herankommen, geschweige denn eine Live-Atmosphäre vermitteln. Es bildete jedoch eine sehr gute Klanggrundlage für die Solistinnen und Solisten.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Welche Musik hat also der Siegfried Wagner da geschrieben?
Die Sonnenflammen (Siegfried Wagners achte Oper) sind 1912 entstanden und 1918 in Darmstadt uraufgeführt worden.
Die Oper erzählt die Geschichte eines gestrandeten Deserteurs im untergehenden Kaiserreich Byzanz. Der Stoff spiegelt die Stimmung in Deutschland zur Entstehungszeit als Tanz auf dem Vulkan wider. Hierbei sind Parallelen zur Gegenwart durchaus beabsichtigt. Irisierende Klangflächen, rhythmisch packende und anspruchsvolle Ensembles und Kantilenen voller Leidenschaft sind kennzeichnend für die Tonsprache Siegfried Wagners.

Es steht außer Zweifel, dass das handwerklich sehr gute Arbeit ist, dass Siegfried Wagner ein fähiger Komponist war. Aber obwohl er zahlenmäßig mit 17 Bühnenwerken den Vater überholt hat, erreicht er ihn kompositorisch in seinem Genie nicht. Vieles erinnert dennoch an den berühmten Vater, z.B. die Art, wie Siegfried seine Ensembles anlegt. Da ist ein bisschen Meistersinger zu hören, ein bisschen Tannhäuser, aber auch vom Stil her ein bisschen Mozart, dann wilde Anklänge an Strauss, Schreker oder Zemlinsky. Es ist eine ganz und gar spannungsreiche, harmonische, melodische Musik, ausgesprochen lautmalerisch und bebildernd. Manchmal denkt man, dass er für die Entstehungszeit fast etwas konservativ, gar rückschrittig gearbeitet hat. Ihm fehlte es ein bisschen an Mut oder Experimentierfreude, vieles bleibt im Ansatz stecken, wird nicht konsequent weiterentwickelt. Dennoch erfreut die Musik über große Strecken, ist schwelgerisch, üppig und hochromantisch, ein typisches Produkt des fin-de-siècle.
Die Orchestrierung ist wieder stark romantisch geprägt.

Eine große Streicherbesetzung bildet die Basis, dazu viel tiefes Blech. Das nachromantische Orchester entfaltet dabei eine impressionistische Klangfarbenpalette.
Die Musik ist nie sinfonisch, sondern immer szenisch konzipiert. Dennoch gibt es, wie bei Richard Wagner, keine Nummern, sondern eine Art endlose Melodie. Die Oper läuft zweieinhalb Stunden (hier ohne Pause) von der Ouvertüre bis zur letzten Szene durch. Es gibt auch eine Reihe von Leitmotiven, die den handelnden Figuren zugeordnet werden können und bereits in der etwa 10-minütigen Ouvertüre vorgestellt werden, der Schwerpunkt liegt jedoch in der musikalischen Beschwörung der byzantinischen Welt, der die raue Tonsprache des Ritters Fridolin entgegenstellt wird.

Das Bühnenbild (Robert Pflanz) ist sehr reduziert. Das einzige Element auf der Bühne sind portable Säulen aus farbigen Poolnudeln, die mal seitlich stehend platziert sind und den Palast andeuten, in anderen Szenen von den Darstellern umgestellt oder hingelegt werden. Diese Aktionen sind nicht immer ganz nachvollziehbar, können aber auch als eine Art Choreographie verstanden werden. Den vorgesehenen Ballettpart übernehmen jeweils sechs der Sängerinnen und Sänger. Wichtiger als die „Möblierung“ der Bühne ist hier ohnehin die Videoprojektion (ebenfalls Robert Pflanz).

Zu Beginn sehen wir eine Stummfilm-Projektion mit Szenen aus den eingeblendeten Jahren 1048 – 1423 – 1920. Das Jahr 1048 fällt in die Amtszeit von Kaiser Konstantin IX (1042 bis 1055), 1423 besetzte Murad II das venezianisch dominierte Tessaloniki und (1918 bis) 1920 wurde Konstantinopel (oder Istanbul) von den militärischen Truppen des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland, der Französischen Republik und des Königreichs Italien besetzt. In Darmstadt wurde 1920 Siegfried Wagners Oper Sonnenflammen uraufgeführt.

Zur Ouvertüre wird ein Wald auf die Leinwand projiziert. Das passt zum Streicherteppich und zum tiefen Blech.
Wir sind in Byzanz, das Video zeigt ein Paar, einen Ring, offenbar wird gerade ein Antrag gemacht. Die Musik steigert sich, das Tempo zieht an, die Stimmung wird dramatischer. Es sind der Ritter Fridolin und Iris (auf der Leinwand wird ein Auge, eine Iris, dargestellt.) Die Dramatik der Situation wird mit dem „Tanz auf dem Vulkan“ angedeutet. Allmählich wird die Musik wieder ruhiger.
Die tiefen Bläser werden durch eine Flöte und sanftere Streicherlinien abgelöst. Wir sehen auf der Leinwand eine Seeschlacht mit vielen Toten, anscheinend eine Vision des Kaisers. Dementsprechend ändert sich die Stimmung der Musik, sie wird düsterer, bedrohlicher.
Es schließen sich Naturbilder an und die Musik wird ruhiger. Über allem erscheint das dreifache Bild der Geliebten.

Die nächste Szene ist mit „Byzanz“ übertitelt.
Ein Bettler erscheint auf der Szene (großartig mit viel Spielfreude dargestellt von Steven Scheschareg). Ein Bild von Byzanz überlagert das Porträt von Iris.
Es entspinnt sich ein Dialog zwischen Iris und Fridolin über den Kaiser, er nennt sie „Ehefrau des Mörders“. Der Hofnarr Gomella kommt hinzu. Aufgrund des tragischen Todes des ursprünglich vorgesehenen Darstellers teilten sich Dirk Mestmacher (Spiel) und William Wallace (Gesang) die Rolle des Gomella. Dieses gelang beiden so gut, dass das Publikum dadurch keinen Nachteil erlitten hat. Mestmacher bewegte komplett textsynchron die Lippen, sein engagiertes Spiel auf der Bühne und Wallace‘ ausdruckstarker Gesang (mit minimalem Akzent) von der Seite vereinten sich so zu einem runden Ganzen.
Der Narr hat eine Flasche Rosenöl gestohlen, was der Kaiser kommentiert: „Zu mir aus Liebe wird er zum Diebe“. Da sind sie wieder, die wagnerschen Libretti. Die Musik zur Rede des Kaisers ist schwelgerisch, pompös, eben kaiserlich, mit viel Schlagwerk unterlegt.

Die nächste Projektion zeigt den „Sensenmann“ zum Text „Geripp“.
Die Projektion wechselt wieder zum Schriftzug „Byzanz“, kombiniert mit einem Atommodell-Symbol. Das Atommodell ist die Idee vom Aufbau und der Form der Atome. Bereits im Altertum gab es die Atomhypothese, nach welcher die Atome als die unteilbaren und unveränderlichen Grundbausteine aller materiellen Stoffe angesehen wurden.
Dazu singt der Kaiser die Worte „Saugt euch nur Wonne aus dieser Sonne“.
Weiter geht es mit dem Bild einer Friedenstaube vor dem Hintergrund Byzanz.
Zum kurzen Zwischenspiel erscheinen drei Frauen und die Kaiserin auf der Bühne.
Die Kaiserin liest einen Brief und die ganze Szene sowie die Musik erinnern ein wenig an Richard Strauss.

Sonnenflammen zur Uraufführung 1920 @ Hasenstein

Sonnenflammen zur Uraufführung 1920 @ Hasenstein

Der wegen der Corona-Auflagen auf sechs Damen und sechs Herren reduzierte Chor tritt auf, zum Teil noch hinter dem Vorhang verborgen. Dieser Auftritt hat etwas vom Griechischen Chor. Der Chor war in der griechischen Antike zunächst die Bezeichnung für einen umgrenzten Tanzplatz. Später war es das Wort für den Rundtanz selbst, vor allem den mit Gesang verbundenen und bei festlichen Anlässen zu Ehren einer Gottheit aufgeführten Reigen. Später ging dann die Bezeichnung auf die Gruppe der Tanzenden und Singenden über, die im Drama als Begleiter der Handlung mitwirken. Der Griechische Chor hat mithin immer kommentierende Wirkung.

Eine neue Projektion in Form eines Kreuzfahrtschiffes erscheint. Hier liegt die Analogie des Kreuzzuges zur Kreuzfahrt nahe. Fridolin soll ja mit den Kreuzfahrern ziehen. Sechs Soldaten (Herrenchor) verdeutlichen Fridolin, was er da tun soll: „Raufen, Taufen, Saufen!“
Eunoe erscheint mit einer Larve, hier fast unvermeidbar mit einer Mund-Nasen-Bedeckung. „Der Tod“ wird hier als Coronavirus-Projektion dargestellt. Hoffentlich kommt’s nicht so schlimm…
Der Kaiser (Uli Bützer mit warmem, schön timbrierten Bariton) beklagt, dass seine Frau ihm keinen gesunden Erben schenken kann. Er liebt Iris. Diese ist entschlossen, ihren Vater zu retten.
Die Larve soll ihr Gesicht verhüllen und er soll sie nicht lüften. So soll die List nicht auffallen, dass in Wahrheit Eunoe als Iris zum Kaiser geht. Was in den Gemächern des Kaisers geschieht, wird durch Kopulationsbilder angedeutet. Damit sind wir nach ca. 65 Minuten am Ende des Ersten Teils angekommen.

Den Zweiten Teil eröffnet die Figur des Winzers, der seine Reben anpreist.
Alexander Geiger erfreut mit seinem lyrischen schlank geführten Tenor. Gerne hätte man noch mehr von ihm gehört. Die Stimme ist hell timbriert und doch kraftvoll über dem Orchester.
Die Kaiserin beklagt ihr Schicksal, das Kind robbt auf die Bühne (Kinderdarsteller, leider nicht namentlich genannt). Der Klagegesang der Kaiserin ist reich instrumentiert, mit großem romantischen Orchester. Auch hier wird wieder deutlich, wie gekonnt Siegfried Wagner die Instrumentengruppen einsetzt, was für ein fähiger Komponist er war und wie er mit Stimmungen spielen konnte.
Die nächste Projektion lässt erahnen, dass es zu einer dramatischen Wendung kommen wird, wir sehen wieder Byzanz, das Kind der Kaiserin und Blut…
Dier Schaffnerin Eustachia (eindrucksvoll mit großer dramatischer Stimme: Maarja Purga) erscheint und berichtet, die Kaiserin habe sich mit ihrem Kind ertränkt. Iris klagt daraufhin den Kaiser an. Der fragt sie, ob sie Fridolin liebt, ihre Antwort fällt nicht klar aus, „Ja!“ und „Nein!“.
Die Kaiserin strickt, Iris wickelt ihr Knäuel ab. Fridolin verlangt „Iris, steh mir Rede!“
Es folgt ein Terzett im Dreiertakt zwischen der Kaiserin, Iris und Fridolin. Dieser hilft Iris, die Wolle zu wickeln. Auf der Leinwand erscheint die Projektion eines Spinnentiers. Jetzt wickelt auch der Kaiser mit am Knäuel. Es entwickeln sich auch musikalisch Parallelen zwischen Fridolin, der Kaiserin, dem Kaiser und Iris. Dieses musikalische Ensemble steht denen des Richard Wagner in nichts nach, Erinnerungen an das Quintett in der Schusterstube der Meistersinger oder an den Tannhäuser werden wach. Da wird klar, wo Siegfried Wagner gelernt hat.

Fridolin stellt Iris drei Fragen, aber sie antwortet nicht.
An dieser Stelle denkt man, Giorgio Valenta könnte auch einen guten Siegfried abgeben. Seine dynamische Stimme hat etwas strahlend Heldentenorales.
Fridolin schaut durch eine Videobrille, als könne er dort die Antworten auf seine Fragen finden.
Nun erscheint wieder der Hofnarr Gomella und beklagt die zerbrochene Flasche, „Verflixtes Rosenöl!“. Die Konstellation Hofnarr – Tochter erinnert etwas an Rigoletto.
Der Gesandte Venedigs tritt auf und das „Ensemble Dandolo“ erklingt, leider nicht immer ganz zusammen.
Fridolin erhält ein Schwert, der Kaiser fragt „Wo bleibt der Tanz?“ und das hier eigentlich vorgesehene Ballett wird durch die Sänger mit einer kleinen Choreografie angedeutet. Die Tänzerinnen tragen Kostüme im Leopardenmuster, was dem Ganzen eine leicht absurde Note verleiht. Eunoe und Fridolin werden gefesselt. Ein Joker wird auf die Leinwand projiziert. Es läuft einfach nicht gut für Fridolin: „Oder singen Te Deum die Schwarzbeschwanzten? Sterben soll ich? Wonne am Leben, am Leben, am Licht!“
Auf die Frage „Schere oder Schwert?“ lautet seine Antwort „Ich wähle Schere!“, worauf ein Tanz der Scheren folgt. Schließlich schneiden diese Fridolin seine langen Locken ab. Fridolin ist nun der neue Narr, erniedrigt mit blutig kahlgeschorenem Kopf. Der Kaiser fragt ihn „Mein neues Närrchen, wie fühlst du dich?“ Der Narr antwortet „Leben, nur leben, denn tot kann man lang genug sein!“
Der Winzer singt von der Seite kommentierend „Fern von ihr. Ach weh!“
Damit endet der Zweite TAkt.

Zum Zwischenspiel erfolgt der Umbau auf offener Bühne.

Dritter Teil

Auf der Leinwand erscheint wieder eine Scherenprojektion sowie eine Guillotine, dazu ein Joker, der Narr.  Als Kontrast dazu erstrahlt die Sonne über Byzanz.

Narr, Kaiser und Fridolin treten auf. Der Narr singt „List, Lust und Laster-lüsternes lockendes Leuchten“ – ja, da ist er wieder, die Wagner’sche Alliteration. Diese Textzeile könnte so auch im Rheingold stehen. Im Video sehen wir kämpfende Widder, sie stehen wohl für den Narr und den „neuen“ Narr, Fridolin. Der Kaiser liest einen Brief. Die Schaffnerin bringt die Nachricht, dass sich die Kaiserin mit dem Kind ertränkt hat.
Die Schaffnerin singt weiter: „Wie lange vergönnst du Strenger denn uns, das süße Sonnenlicht noch zu sehen?“
Der Wahrsager prognostiziert daraufhin den bevorstehenden Weltuntergang. (Sehr ausdruckstark mit guter Bühnenpräsenz und schön timbrierter Stimme: Steven Scheschareg).
Eine Projektion zeigt das Kreuzfahrtschiff AIDA. Fridolin mit Turban und Albrecht, sein Vater, singen „Leicht segelnd glitt unser Schiff…“ und das Bild wechselt zu einem Atomkraftwerk mit dem Aufkleber „Atomkraft Ja bitte!“ Scheschareg deklamiert mit warmem wohlklingenden Baritontimbre, untermalt von Bläser-Triolen, die auch wieder von Richard Wagner stammen könnten, „Gepriesen sei die Sonne“. Auf die Frage nach der Kreuzfahrt, „die du gelobtest“ antwortet er „Ich brach das Gelübde. Ich war nicht dort. Ich säumte hier.“
Daraufhin reißt ihm der Narr den Turban herunter. Hier offenbart sich nun ein Vater-Sohn-Konflikt (Richard – Siegfried?) und zu einer erneuten Scheren-Projektion erklingt „Locken lockernde Schere“ und Albrecht verkündet „So nimm deines Vaters Fluch!“ Die Scheren verschwinden, dafür sehen wir Flammen über einem Scheiterhaufen. Der Vater legt ihm nahe „Drein stürze dich und rette deine Ehre. Sonst Weh dir! Weh!“

Im Angesicht einer neuen Byzanz-Projektion beklagt der Narr erneut „Verdammtes Rosenöl, an allem bist du Schuld.“ Er beteuert gegenüber Fridolin: „Iris liebt dich, nur dich!“ Es erscheinen Naturbilder, ein Wald.
„Heimat entrückte, seh ich dich wieder!“ Heimat, süße Klänge, Wehmut weichende Klänge. Weckt ihr die Reue tief aus der Brust? Mit einer Virtual-Reality-Brille hat er eine Vision seiner Heimat. Bambi, Kühe, Wald.
Fast schon zynisch muten diese an angesichts des Elends, das Fridolin durchlebt. „Oh Bilder zarten Entzückens…“ seine Visionen entschwinden.

Endgültig absurd wird es, als der BärenmarkeBär erscheint und Iris als Pop-Art-Ikone im Stile Andy Warhols eingeblendet wird. Diese wird wiederum von Bildern des Vaters überblendet. Zu „Eitles Sonnenstreben“ wird wieder das Atommodell eingeblendet.

Mitglieder des Chores tanzen um Fridolin. Auf der Bühne steht eine große Kiste, im Hintergrund erblüht ein Atompilz, dazu riesige Sonneneruptionen. Sechs Tänzer bewegen sich dazu in grotesken Kostümen zu einer wilden Choreographie. Die begleitende Projektion zeigt eine Art Tanz auf dem Vulkan, ein wildes Weltuntergangs-Szenario. Nicht mit letzter Sicherheit ist zu sagen, ob auch Szenen einer Bücherverbrennung gezeigt werden.
Der Chor singt „Auf, ins Feuer, ihn auch wälzt!“
„Das Autodafé, mein Papst, tu weh.“
König, Kaiser und Duce brennen im Feuer.
Der Kaiser fragt „Wer entsteigt der Flut?“
Die Kaiserin antwortet „Kennst du mich nicht? Tanz doch, oder bist du krank?“ Sie klagt ihn an „Eunoe hast du beglückt. Kennst du nicht dein Weib?“
Zu den Worten „Heil, Fridolin, Heil!“ werden weitere Weltuntergangsszenen gezeigt. „Zeit! Wie wollt ihr sie nutzen? Jubelnd und tanzend!“
„Und wie haltet ihr’s mit Gott?“
„Seht her, wie ein Franke sie ehrt!“ Zu diesen Worten tötet er sich selbst.

Ein Tagesschausprecher wird eingeblendet. Der Narr flieht. Fridolin sing „Gottfried, Du? Geh hin, grüß den Vater! Heil im Tode!“  Alles geht in Flammen auf, erneute Explosionen und Atompilze künden von der Apokalypse.  Iris beteuert dennoch „Treu ohne Wanken“ (eine Anspielung an Senta?), Fridolin fleht sie an „Rette dich, entflieh dem Feuer!“

Doch es ist zu spät. „Die Sonne, ihre Flammen, sie haben mich versengt! Vater! Vater! Verzeih deinem Sohn. Rettet Iris! Du erstickst! Weh, weh…“

Die letzten Eindrücke:  Byzanz, das Atom, das Weltall… ..Ende.

Die Sonnenflammen sind für die Rezensentin durchaus eine Entdeckung, auf jeden Fall in musikalischer Hinsicht. Die zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer werden zu keiner Zeit lang. Die Musik ist angenehm, gefällig, sehr lautmalerisch, erzählend, die Komposition ist handwerklich gut gemacht, die Orchestrierung nachromantisch schwelgerisch. Die Geschichte hingegen ist schon sehr gewöhnungsbedürftig und schwer in einen anderen Kontext zu übersetzen. Dennoch lassen sich Parallelen zu untergehenden Kulturen oder Reichen ziehen, wie hier ja immer wieder in Form der Video-Einspielungen geschehen.
Die Sänger zeigen an diesem Abend durchgängig gute bis sehr gute und überzeugende Leistungen.

Es ist dieser Oper zu wünschen, dass sich auch andere Bühnen ihrer annehmen und sie etwas aus ihrem Schattendasein befreien. Hierfür gilt dem Regieteam um Peter P. Pachl und dem ppp Musiktheater sowie der Siegfried-Wagner-Gesellschaft der ausdrückliche Dank der Rezensentin.

Sonnenflammen – Oper von Siegfried Wagner

aufgeführt am 15.8.2020 in Bayreuth, Reichshof Kulturbühne

Musikalische Leitung  (digitales Orchester) Ulrich Leykam
Inszenierung Peter P. Pachl
Bühnenbild, Videos Robert Pflanz
Kostüm Design Christian Bruns
Licht Design Günther Neumann
Dramaturgie, Organisation Achim Bahr

Kaiser Alexios –  Uli Bützer
Kaiserin Irene –  Rebecca Broberg
Fridolin, ein fränkischer Ritter –  Giorgio Valenta
Albrecht, dessen Vater –  Steven Scheschareg
Gomella – Dirk Mestmacher (Spiel)  –  William Wallace (Gesang)
Iris, dessen Tochter –   Julia Reznik
Eustachia, Schaffnerin  –   Maarja Purga

Ritter Gottfried –  Robert Fendl
Ein Bettler, Ein Wahrsager –  Steven Scheschareg
Der Gesandte Venedigs –  Robert Fendl
Eunoe-   Xenia Galanova
Ein Bote –  Reuben Scott
Ein Winzer –  Alexander Geiger
Erste Tanz-Deuterin / Artemis –  Rafaela Fernandes
Zweite Tanz-Deuterin / Phila –  Xenia Galanova
Dritte Tanz-Deuterin / Iphis –  Angelika Muchitsch
Hofdame, Mänade –  Anna Ihrig

Erster Verschwörer/ Apollon-Priester 1 Reuben Scott
Zweiter Verschwörer/ Apollon-Priester 2 Di Guan
Ein Sklave Reuben Scott
Ein Diener Luca Micheli
Der behinderte Infant NN (Kinderdarsteller)

Das Digitale Orchester
Ein Solo-Vokalsextett Damen
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Bayreuth, Siegfried Wagner – sein Leben und seine Werke, IOCO Interview, 24.03.2020

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Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Siegfried Wagner  – Leben und  Werke

 IOCO Interview  mit  Peter P. Pachl – Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft e.V., ISWG, Bayreuth

von Christian Biskup

Wahn! Wahn! Überall Wahn!  –  Und eine Leidenschaft…

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Am 6. Juni 1869 ging ein großer Wunsch von Richard und Cosima Wagner in Erfüllung: sie bekamen als drittes Kind endlich den lang ersehnten männlichen Erben: Siegfried Helferich Richard Wagner, der Sohn des Meisters Richard Wagner ward geboren, die Bayreuther Festspiele für eine weitere Generation gesichert. Doch Siegfried war viel mehr als Fortführer der Festspieltradition. Vierzehn Opern, darunter Der Bärenhäuter – erfolgreichste Oper des Jahres 1899 – eine langsame Abkehr der Cosima-Wagner-Tradition, zahlreiche Dirigate in der ganzen Welt zeichneten das künstlerisch reiche Leben von  Siegfried Wagner als er am 4. August 1930 in Bayreuth starb – inmitten von mit Arturo Toscanini betriebenen Tannhäuser Proben. Siegfried, Frau  Winifred Wagner (*1897 in Hastings, England – 1980 in Überlingen) und die enge Verbindung beider zu Adolf Hitler, blockierte nach dem Tod von Siegfried Wagner die Aufführung seiner Werke. Heute, jedoch nur langsam, werden die Werke Siegfried Wagner – Manifeste für Weltoffenheit und Toleranz – wiederentdeckt.

Peter P Pachl - Siegfried Wagner Gesellschaft Bayreuth © Peter P Pachl

Peter P Pachl – Siegfried Wagner Gesellschaft Bayreuth © Peter P Pachl

Peter P. Pachl ist Mitbegründer und Vize-Präsident.der Internationalen Siegfried Wagner-Gesellschaft (ISWG).  Geboren 1953 in Bayreuth, ist er großer Verfechter für das Werk des Meistersohns. IOCO-Korrespondent Christian Biskup (CB) sprach mit Peter P. Pachl (PPP) über die ISWG, Siegfried Wagner und Schwierigkeiten, die mit dem Einsatz für dessen Werke verbunden waren.

CB: Herr Pachl, Sie sind Regisseur, Publizist, Universitätsdozent, Professor und Autor – sie schrieben – abgesehen von Zdenko von Krafts tendenziöser Biografie – die erste Biografie von Siegfried Wagner nach 1945. Und wenn man Ihre Aktivitäten für den Komponisten, den Meistersohn Siegfried Wagner betrachtet, so kommt man schnell zu der Frage: warum denn ausgerechnet er?

PPP: Das ist die Frage, ja? Das ist natürlich eine sehr individuelle Frage und liegt sehr an mir. Ich denke, das Schöne bei großen Kunstwerken und bei großen Künstlern ist, dass es viele Zugänge, unterschiedliche Ambitionen und Verwandtschaften gibt. Bei mir ist tatsächlich der Punkt, dass ich mich von Klein-auf immer sehr für die Outlaws interessiert habe, für jene, die aus irgendwelchen Gründen verfemt sind, in der Schublade gehalten wurden. Besonders auch dann, als ich die Möglichkeit hatte, diese bisherige Schwärmerei des Heranwachsenden, tatsächlich beruflich in die Tat umzusetzen. Und das habe ich dann auch gemacht. Für verfemte Komponisten wie Alexander Zemlinsky, Franz Schreker, Anton Urspruch, Erich Jaques Wolff um nur einige Komponisten zu nennen, setzte ich mich und habe ich mich nachhaltig immer wieder eingesetzt. In diese Kategorie gehört auch Siegfried Wagner, der von der eigenen Familie unterdrückt wurde. Zunächst dadurch, dass die Werke nicht gespielt werden durften, wie auch dadurch – was ich am eigenen Leib wahrnehmen musste – dass man überhaupt nicht an diese Werke herankam. Es bedeutete ein großes Glück, den einen oder anderen Klavierauszug in einem Antiquariat, die eine oder andere Partitur in einer Universitätsbibliothek zu entdecken. Aber an den Großteil der Kompositionen kam man gar nicht heran. Und eine weiterer Punkt der Verfemung Siegfried Wagners war, dass bereits in dessen Jugend und im weiteren Leben des Komponisten die Unterdrückung, das Zurechtbiegen, das ihn In-einem-anderen-Licht-erscheinen-lassen begonnen hat.

Siegfried Wagner, Bayreuth © Christian Biskup

Siegfried Wagner, Bayreuth © Christian Biskup

CB: Ich nehme aber auch an, dass Sie die Musik von Siegfried Wagner sehr schätzen?

PPP: Ja, das ist richtig. Aber erstmal gab es keine Musik, es gab zum Anfang meiner Interesses schlicht keine Noten.. Wie kam ich dann darauf? Ich bin ich Bayreuth geboren. Mein Vater hat mir ermöglicht, schon als Zehnjähriger die Bayreuther Festspiele zu besuchen. Das waren Zeiten, in denen es im Festspielhaus nicht nur freie Plätze, sondern bei den damals nicht so goutierten Werken wie bei Der fliegende Holländer oder Parsifal sogar freie Reihen gab.

Ich hatte das große Glück, von meinen Eltern jedes Jahr mit in die Festspielaufführungen genommen zu werden. Und dabei besuchte ich mit meinen Eltern mal die Eule, die Lieblingskünstlerkneipe Siegfried Wagners. Damals hingen dort noch sehr viele der Stassen-Pastellzeichnungen zu seinen Opern. Ich konnte diese Szenen damals in Bayreuth, welches auch einseitig auf Richard Wagner fixiert war, nicht zuordnen und fragte meinen Vater, was das denn sei. Er antwortete: „Das sind die Opern Siegfried Wagners, die spielt man jetzt nicht, aber das kommt auch mal wieder.“ Und das war für mich der Schlüsselsatz.

Ich hatte ziemlich schnell alle Werke Richard Wagners von Rienzi, später auch von den Feen und der Hochzeit auswendig gelernt und dachte mir: Gott-bewahre, wenn ich jetzt noch so einen Kosmos auswendig lernen muss. Ich beruhigte mich selbst, indem ich mir sagte, ich würde mich informieren und mir zunächst einmal etwas von Siegfried Wagner anhören muss. Im Jahr 1969, seinem 100. Geburtstag, würde es ja mehrere Theater geben, die Opern von ihm spielen werden – und da fahr ich dann hin und mache mir selbst ein Bild und einen Klangeindruck: dachte ich! Ich hatte damals, als Gymnasiast, die Zeitschrift Oper und Konzert abonniert und jeden Monat gesucht: nichts von Siegfried Wagner. Und dann wollte es der Zufall, dass es doch das ein oder andere Konzert gab, in der Zeitschrift nicht verzeichnet. Eines dieser Konzerte war in Hof in Nordbayern, wohin meine Eltern – mit mir im alter von drei Jahren – hinzogen. Dort stand am 14. Februar 1969 das Violinkonzert von Siegfried Wagner auf dem Programm – und von diesem Klangerlebnis war ich richtiggehend hin und weg.

Siegfried Wagner – Violinkonzert
youtube Video von gioiellidellamusica
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CB: Tatsächlich scheinen ihre positiven Ansichten auch immer mehr in der Musikwelt anzukommen. Die Aufführungen von Werken Siegfried Wagners mehren sich, längst vergriffene Notenausgaben erfahren einen Neusatz, so seine teils unveröffentlichten Lieder aber auch seine Erfolgsoper Der Bärenhäuter.

PPP: Die Partitur des Bärenhäuter ist ein Reprint. Jedoch seit dem vergangenen Jahr – von der Öffentlichkeit noch kaum bemerkt – begann die Arbeit an einer kritischen Gesamtausgabe der Werke Siegfried Wagners. Angefangen wurde und wird mit jenen Werken, die nachfolgend zur Aufführung anstehen. Der erste Band An Allem ist Hütchen Schuld! ist eine sehr gute und insbesondere fehlerfreie Edition von Ulrich Leykam. Das Aufführungsmaterial war für die Orchestermusiker sehr gut spielbar, was auch der Dirigent David Robert Coleman bestätigte. Diese Neu-Edition soll das Gesamtwerk umfassen. Der nächste, schon fertig gesetzte Band ist Sonnenflammen für kommenden Sommer und dann folgt eine Neuausgabe der Oper Rainulf und Adelasia, obgleich diese vor knapp zwei Dezennien überhaupt zum ersten Mal erschienen war.

CB: Wie ging das Ganze überhaupt los, die Sache mit Siegfried Wagner und der ISWG?

PPP: Es war und ist das erklärte Ziel der ISWG, Siegfried Wagner populär zu machen, die Werke zur Aufführung zu bringen. Das ist – und zwar in der erste Linie die Bühnenwerke – auch das in der Satzung festgeschriebene Ziel. Nun war es aber so: 1972 gründeten sieben für eine Vereinsgründung erforderliche Mitglieder – vor allem junge Studenten in meinem Alter und ein paar ältere Bayreuth-Besucher, die zwar Siegfried Wagner auch nicht mehr persönlich erlebt hatten, aber denen er als Komponist noch ein Begriff war – die Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft als eingetragenen Verein. Gleich darauf erfolgte von Winifred Wagner ein Brief an alle Wagner-Verbände, es möge niemand diesem Verein beitreten, denn es sei eine Gesellschaft, die von der Familie nicht gewünscht würde.

Für Winifred Wagner war Hauptstein des Anstoßes das Wort „Internationale“. Und entsprechend willfährig reagierte ihr Klientel und wir hatten es entsprechend schwer. Gleichwohl hat uns das nicht gekümmert. Es wäre natürlich schön, eine große Mitgliederzahl zu erreichen, aber darum ging es der ISWG nie, sondern darum, möglichst effektiv etwas zu erschaffen, etwas zu bewegen. Eine besondere Schwierigkeit stellte die Tatsache dar, dass Winifred Wagner – als Rechte-Inhaberin – keine Aufführungserlaubnis erteilen wollte. Dann gab es aber doch eine glückliche Entwicklung: Otto Daube, ein junger Freund Siegfried Wagners und zu dessen Lebzeiten auch einer der ersten Siegfried-Wagner Biografen, hatte uns empfohlen, uns an Friedelind Wagner zu wenden, denn diese sei die erklärte Lieblingstochter Siegfried Wagners gewesen. Tatsächlich war Friedelind bereit, Mitglied und Präsidentin zu werden – und so erfolgte ein erster Aufschwung für die ISWG. Friedelind Wagner stand jedoch vor demselben Problem, was Opernaufführungen angeht, wie auch wir. Aber sie hat als Erste das Aufführungsverbot durchbrochen, und zwar mit dem englischen Dirigenten Leslie Head, der – wie so Viele vor ihm, auf die Idee gekommen war, Siegfried Wagner zu spielen.

Hätte Wieland Wagner 1969 noch gelebt, so hätte er seinen Plan, zum hundertsten Geburtstag seines Vaters eine Oper von ihm auf ganz neue Weise zu inszenieren – er hatte ja eine ganze Reihe von Siegfried Wagner bereits als ganz junger Künstler realisiert – wahrgemacht, aber da war er ja schon drei Jahre tot. Häufiger wollten Dirigenten und Regisseure gern eine Oper Siegfried Wagners realisieren. Weil Winifred Wagner vom Verlag Max Brockhaus mit Ende des Krieges das gesamte Aufführungsmaterial nach Bayreuth geholt hatte, mussten sich alle Interessenten an Winifred wenden. Und Winifred Wagner schrieb stets zurück: „Lassen Sie das, Sie tun uns und sich damit keinen Gefallen“. Und dann haben es die meisten schon gelassen. Und wer dann aber zäher war und weiterfragte, dem schrieb sie, es sei ja eine ehrenvolle Absicht, aber das Aufführungsmaterial sei im Krieg verloren gegangen. Das war eine Lüge, denn sie hatte das gesamte Notenmaterial in Stellagen ordentlich sortiert, in einem eigenen Trakt des Siegfried-Wagner-Hauses untergebracht. So erging es auch als Leslie Head bei seiner Anfrage für London. Da Friedelind die Rolle der Mita als eine Idealpartie für ihre Freundin Hanne Lore Kuhse empfand, hatte sie Leslie Head empfohlen, er solle den Friedensengel machen. Und Der Friedensengel war jenes Werk, über welches der ansonsten zu wenig Aussagen geneigte Biograph Zdenko von Kraft berichtet, dass Winifred Wagner es am wenigsten mochte.

Leslie Head erhielt, wie immer, die Antwort: „Sie tun uns und sich damit keinen Gefallen, lassen Sie das!“ Doch sie schrieb – immer in Absprache mit Friedelind Wagner – dass er die Oper trotzdem gerne einstudieren und aufführen würde. „Kein Material mehr vorhanden!“, so die Antwort Winifreds. Und dann ein Trick, wie er wohl nur Friedelind Wagner einfallen konnte. Head schrieb: „Das macht nichts, wir haben eine Partitur, wir stellen das Material eben selbst neu her.“ Darüber hat Winifred einen solchen Schreck bekommen, denn sie dachte: „Um Gottes Willen, wenn die das tatsächlich drucken, dann verbreiten sie es, und dann haben sie die Rechte, und so weiter.“ Deshalb antwortete sie, sie hätte das Aufführungsmaterial doch gefunden und sie wäre bereit, es für eine einmalige Aufführung – aber nur konzertant – bereitzustellen. So kam es immerhin zu dieser Aufführung, und damit war das Eis ein allererstes Mal gebrochen. Und wenn man das Eis einmal bricht, dann kann man es auch ein anderes Mal brechen. Während ich in London nicht so aktiv in die Vorbereitungen involviert war, haben wir es auf dieser Schiene dann in Deutschland fortgeführt und die Opern Sternengebot und Sonnenflammen in Wiesbaden konzertant zur Aufführung gebracht, später auch Schwarzschwanenreich in Solingen und Herzog Wildfang in München.

Sonneflammen - Oper von Siegfried Wagner © Christian Biskup

Sonneflammen – Oper von Siegfried Wagner © Christian Biskup

CB: Wenn man auf die umfassende Homepage der Gesellschaft blickt, so fallen zwei große Termine ins Auge. Am 30. Juli und 2. August sowie 15. und 16. August sollen die SW Opern Sonnenflammen (Foto oben, 1918 in Darmstadt uraufgeführt. Konzertante  Wiederaufführung 1979 in Wiesbaden und 2002 im Opernhaus Halle) und Rainulf und Adelasia szenisch in Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth während der Festspielzeit aufgeführt werden. Kommen neben den Richard-Wagner-Festspielen nun auch Siegfried-Wagner-Festspiele nach Bayreuth?

PPP: Das ist sicherlich Ansichtssache. Eigentlich kann man sagen, sie sind schon da. 2014 kam Katharina Wagner auf mich zu und sagte, man müsse doch über den Schatten der Eltern springen, und wir sollten in Bayreuth auf einer zweiten Schiene die Opern Siegfried Wagners vorstellen – so wie sie bereits im Richard Wagner-Gedenkjahr die drei Jugendopern Richard Wagners in Bayreuth als Gastspiele realisiert hat. Damals stand allerdings die Idee an, dass die Stadthalle in Bayreuth umgebaut würde, und das Markgräfliche Opernhaus war bereits im Zuge der Restaurierungen geschlossen. Dessen Wiedereröffnung hat sich dann jedoch einige Jahre länger hingezogen, mit Wasserschaden und all den Verzögerungen, die bei öffentlichen Bauten so gerne passieren.

Und so wurde der für uns erstmögliche Termin das Jahr 2019, was eben auch – leider muss man sagen – das Gedenkjahr des 150. Geburtstages von Siegfried Wagners war. Denn für viele war damit das Thema Siegfried Wagner sozusagen abgehakt: „Jaja, jetzt hatte er einen runden Geburtstag, da gab mal eine Oper von Siegfried Wagner“. Und das war eben von vornherein nicht so geplant! Es war – bereits fünf Jahre früher – gedacht, dass es jedes Jahr zwei Opern geben sollte, die in Zusammenarbeit mit Opernhäusern produziert werden, so wie das für die Jugendopern Richard Wagners zusammen mit der Oper Leipzig realisiert worden war; und diese Opern sollten dann sowohl in Bayreuth als auch im jeweiligen Opernhaus weiter gespielt werden. Auf dieser Schiene erfolgt nun spät, aber doch die szenische Uraufführung von Rainulf und Adelasia an jenem Ort, an dem Siegfried Wagner im Jahre 1194, die Handlung lokalisiert hat, nämlich in Reggio Calabria. Reggio Calabria produziert diese Oper und bringt sie dort open-air zur Uraufführung. Diese Produktion geht dann auch für zwei Gastspiele nach Bayreuth, am 30.7 und 2.8. – das sind die von Katharina Wagner gewählten Nicht-Premieren-Tage im ersten großen Zyklus. Mitte August folgt Sonnenflammen, was im tschechischen Karlovy Vary mit den Karlsbader Symphonikern erarbeitet wird, die im Vorjahr – zu unserer großen Freude – An Allem ist Hütchen Schuld! so schön begleitet haben, dass jene Besucher, die den Vergleich hatte sagten, es sei noch besser gewesen als zuvor mit den Bochumer Symphonikern.

CB: Sonnenflammen hat mit irisierenden Klängen und dem weltzerstörenden Feuer am Ende schon ein wenig Schrekersche Fin de siecle-Stimmung. Rainulf und Adelasia hingegen ist eine historische Tragödie zur Zeit Kaiser Heinrich VI. Warum ausgerechnet diese beiden Opern?

PPP: Wie soll man mit der neuen Reihe in Bayreuth beginnen – mit Opus 1 anfangen oder mit Opus 18, oder man kombiniert zwei Werke aus unterschiedlichen Entstehungsphasen? Das Spannende ist, dass die Opern Siegfried Wagners ja alle miteinander verzahnt sind, auf einander Bezug nehmen. Die beiden Werke dieses Sommers haben mit den 20er Jahren zu tun, deren Retrospektive ein Säkulum später, mit dem Jahr 2020 eingeläutet werden. Genau vor 100 Jahren, im Jahre 1920, begann Siegfried Wagner Rainulf und Adelasia zu komponieren, und noch bevor Arnold Schönberg seine Zwölftontheorie veröffentlicht hatte, hat Siegfried Wagner hier ganz bewusst – in einem Stück das von Hypnose und neuen Erkenntniswegen handelt – mit Zwölftonreihen gearbeitet, wie Eckart Kröplin dies anlässlich eines Symposiums in Bad Urach erstmals nachgewiesen hat. Kein Wunder also, dass Arnold Schönberg Siegfried Wagner so hoch geschätzt hat; denn das bekannte er ja 1913 schon mit den Ausspruch, dass Siegfried Wagner ein größerer und bedeutenderer Künstler sei, als viele, die jetzt sehr berühmt sind. Dies ist einer der Gründe für die Fokussierung auf Rainulf und Adelasia. Der andere ist, dass ebenfalls im Jahre 1920 Siegfried Wagner erstmals eine Oper von sich selbst inszeniert hat. Das war Sonnenflammen in Dresden an der Sächsischen Staatsoper; Franz Stassen war sein Ausstatter, Richard Tauber sang den Fridolin und Heldentenor Fritz Vogelstrom den Gomella. Eine damals äußerst ungewöhnliche Aufführung bis in jene Besetzung hinein, die der Komponist als sein eigener Regiesseur gewählt hat. 1920 ist der Angelpunkt – und natürlich gibt es auch diverse innere Zusammenhänge zwischen diesen beiden Opern.

CB: Wie werden die Aufführungen denn finanziert? Ist die Siegfried-Wagner-Gesellschaft so erfolgreich, dass die Opern, die nicht nur ein großes Orchester sondern auch erstklassige Sänger benötigen, nur aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden kann?

PPP: Ja, das wäre schön, da wären wir bei jenem Punkt, den wir früher angesprochen haben: wenn wir so viele Mitglieder hätten… Die Finanzierung ist natürlich genau der schwierige und problematische Punkt – wie kann man etwas realisieren ohne dazu die Mittel zu haben? Natürlich nur mit Hilfe von Förderung, die wir ja im Vorjahr von der Stadt Bayreuth, der Oberfranken-Stiftung und vom Kulturfonds Bayern bekommen haben, wenn auch in geringerem Umfang als beantragt und eigentlich geplant. Deshalb gabs Vorjahr statt einem Sinfoniekonzert ein Konzert mit Klavierbegleitung und ein paar Kammermusikwerken, als ein Überbnlick über das Schaffen, das wir in den kommenden Sommern vorstellen wollen. Die Finanzierung erscheint in diesem Jahr noch schwieriger. Unser Vorhaben steht, was die Finanzierung angeht, in der Tat auf sehr wackeligen Beinen. Selbstredend sind Anträge gestellt sind, aber die Zusage wird teilweise erst relativ spät im Jahr entschieden. Das ist natürlich die Crux solcher Anträge im Kunstbereich. Wenn man erst anfangen würde, zu planen wenn die Anträge genehmigt sind, dann gäbe es keine Sänger und keine Räumlichkeiten mehr und man müsste es aus diesen Gründen lassen.

Also gilt es, sozusagen ins kalte Wasser zu springen und den Glauben nicht zu verlieren. Wir wollen bis 2025 alle Opern Siegfried Wagners in Bayreuth in dieser Reihe einmal vorgestellt haben und Siegfried Wagner in Bayreuth so zu einem Faktum machen. Dazu braucht man langen Atem. Realisieren können wir diese Aufführungen – so auch im Vorjahr – nur, indem wir mit dem pianopianissimo-musiktheater zusammenarbeiten. Dieses wurde 1980 auf Empfehlung von August Everding in München gegründet um jenseits gewerkschaftlicher Zwänge und jenseits großer Budgets im Opernbereich Unmögliches doch möglich zu machen. Und das pianopianissimo-musiktheater-ensemble hat – das kann man an den CD- und DVD-Aufnahmen mehrerer Opern Siegfried Wagners auch überprüfen – immer wieder bewiesen, dass man auch großartige (und sonst viel teurerer) Künstler gewinnen kann, die hier aus künstlerischer Begeisterung und Freude an der Sache nur für eine Aufwandsentschädigung arbeiten – jenseits der Gagen, die sie sonst an Opernhäusern zurecht erhalten.

Festspielleiter Siegfried Wagner, links, in Bayreuth © Chrisitan Biskup

Festspielleiter Siegfried Wagner, mittig, in Bayreuth © Chrisitan Biskup

CB: Ist das auch der Grund, weshalb keine Deutschen Orchester, sondern das Karlsbader Sinfonieorchester und das Orchestra Filharmonica della Calabria die Ausführenden sind?

PPP:  Jein. Es waren lange Zeit die Nürnberger Sinfoniker im Gespräch und sogar bereits in der Planung. Diese haben u.a. auch schon den „Kobold“ gespielt. Und sie standen auch in der Diskussion für die im vergangenem Jahr erfolgte Aufführung von An Allem ist Hütchen Schuld!. Die Italiener wollten ursprünglich mit diesem Siegfried Wagner -erfahrenen Orchester aus Deutschland zusammenarbeiten, und es gab bereits konkrete Planungen. Aber es ist auch spannend, wenn dieses Werk nicht nur vom Chor aus Reggio Calabria und einer vornehmlich italienischen Sänger*innen-Mannschaft, sondern eben auch vom dortigen Orchester interpretiert wird – zumal es ein sehr gutes Orchester ist, das Filippo Arlia dort leitet.

CB: Für die Aufführungen wurde das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ausgewählt. Warum ausgerechnet das Haus, das Richard Wagner aufgrund seiner geringen Größe abgelehnt hat? Wie kann man sich die Inszenierung vorstellen und wo wird insbesondere das Orchester untergebracht?

PPP: Letzteres wird von Fall zu Fall unterschiedlich gelöst werden. Die ISWG wartet natürlich auch auf den Umbau der Stadthalle, die dann Friedrichsforum heißen und als weitere Bühne zur Verfügung stehen wird. Daneben wird vielleicht auch immer wieder das Markgräfliche Opernhaus eine Bühne sein, wie sie es schon zu Lebzeiten des Komponisten bei Gastspielen war. Das berühmteste dieser Gastspiele mit Opern Siegfried Wagners dort war 1944 Wieland Wagners Inszenierung von An Allem ist Hütchen Schuld!, aus Altenburg. Für die Positionierung des Orchesters kann man letztlich verschiedene Lösungen wählen. Wir haben bei An Allem ist Hütchen Schuld!, (siehe Video unten) das Orchester hinter die Bühne gesetzt. Wir haben das in Bochum in einer viel größeren Location, dem Auditorium Maximum der Ruhr-Universität, so praktiziert. Die Bühne war zu ebener Erde, und dann dahinter das Orchester. Deshalb haben wir in Bayreuth das Orchester ebenfalls auf der Bühne gesetzt und haben davor, auf Bühne und Vorbühne, also auf zwei Ebenen, gespielt. Und in diesem Jahr wird es so sein, dass das Orchester vor der Bühne sitzt.

iswg,

An Allem ist ein Hütchen Schuld – Märchenoper von Siegfried Wagner
youtube Video von Peter P Pachl – Siegfried Wagner Gesellschaft
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CB: Im August 2019 wurde im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth Siegfried Wagners Märchenoper An Allem ist Hütchen Schuld!  anlässlich den Jubiläumsjahres aufgeführt. Wie waren die Resonanzen?

PPP: Die Resonanzen kann man im Pressespiegel des nächsten ISWG-Mitteilungsblatts im nächsten Sommer nachlesen. Bei Kritiken geht es doch darum, dass sie ein Werk zur Diskussion stellen und das Gespräch darüber evozieren. Die berühmte Anekdote von Bertolt Brecht, der nach der Uraufführung seiner Mutter Courage das Telegramm erhalten hatte, Mutter Courage – großer Erfolg“ und daraufhin zurücktelegrafierte, man möge es sofort absetzen, zeigt, wie wichtig die Reibung/Auseinandersetzung des Publikums mit der aktualisierten Spielvorlage ist. Ein Pro und Contra hat es seltsamerweise in Bayreuth sehr viel stärker als für die zugrunde liegende Bochumer Produktion gegeben. In Hagen hingegen hat die Produktion von An Allem ist Hütchen Schuld! den erstaunlichen Fall ausgelöst, dass wirklich ein halbes Hundert ausschließlich begeisterte Kritiken erschienen sind. Doch das hat der Oper letztlich auch nicht geholfen. Vielleicht hat Brecht recht, dass die Spaltung des Publikums, die der Meinungen und der Medien, einfach die bessere Ausgangslage für einen Autor und für sein Werk sind.

CB: Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass die Familie Wagner nicht sehr bestrebt war, das Werk Siegfried Wagners aufzuführen. Winifred, seine Frau, sprach ein Aufführungsverbot un sprach sich mit Sohn Wolfgang gegen die Gründung der ISWG aus. Nur Tochter Friedelind war angetan und wurde sogar Präsidentin der Gesellschaft. Wie erklären Sie sich diese starke Abneigung der Familie?

PPP: Die Zu- und Abneigung auf Seiten der Familie Wagner kann man nicht über einen Kamm scheren. Bei Winifred ist da ein sehr starker psychologische Ansatz zur Deutung nötig, aber auch wichtig und erforderlich. Ich denke, es war eine Art von Revanche an ihrem toten Ehemann, insbesondere dafür, dass sie Leitung der Festspiele nur für so lange erhalten hat, bis sie sich wieder verheiraten würde. Zwar hat sie dieses Testament mitunterschrieben. Aber erst dann ist ihr klar geworden, sie darf nicht wieder heiraten, wenn sie Festspielleiterin sein will. Und das wollte sie sein! Wie kann man sich an Einem rächen, der tot ist? Eigentlich nur, indem man versucht dessen Werk verstummen zu lassen. Dies war aber sehr schwierig, denn in den Dreißigerjahren gab es sehr viele Regie- und Dirigierschüler von Siegfried Wagner, die es sich nicht haben nehmen lassen, Siegfried Wagners Werke aufzuführen. Deshalb blieb Winifred nur die Möglichkeit, die Noten zu sich zu holen, damit niemand mehr sie aufführen konnte. Bei den Söhnen: Wieland Wagner hat sich immer in erster Linie als Sohn eines Komponisten verstanden und dann erst als Enkel. Aber er kam an die Leitung der Festspiele in einer Zeit, wo es galt, erst einmal Richard Wagner wieder durchzusetzen, zu „entnazifizieren“.

Bei Wolfgang Wagner war es wiederum anders. Er hat in der Zeit des Dritten Reichs sehr viel Negatives, auch Dinge, die nur unter vorgehaltener Hand über seinen Vater erzählt wurden, aufgenommen. Er hatte ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und das offenbarte sich dann auch in seinem erklärten Desinteresse für dessen Werk. Denn dieses ist ein Manifest ist für eine liberale und antimilitaristische Haltung, ein Bekenntnis zum Außenseitertum und zu ungewöhnlichen gesellschaftlichen Lösungen, bis zur Forderung der Beseitigung gängiger Moral und Gesetzgebung. Und dann kam bei Wolfgang Wagner eine weitere Überzeugung hinzu: „Es ist schlimm genug, dass es Beethoven und Mozart gibt, für die Geld ausgegeben wird, das Geld sollte alles für Richard Wagner ausgegeben werden. Wir können uns doch in der eigenen Familie keine Konkurrenz machen!“ Das war seine ehrliche Meinung.

CB: Aber heute steht die Familie Wagner den Plänen der ISWG offen gegenüber?

PPP: Die Familie ist groß… Festspielleiterin Prof. Katharina Wagner ist wirklich sehr offen. Zu meiner großen Freude hat sie sich sehr begeistert über die von ihr besuchte Bayreuther Aufführung des „Hütchen“ geäußert, nicht nur uns gegenüber sondern auch in der Öffentlichkeit.

CB: Wissen Sie schon, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll?

PPP: Auch da haben wir natürlich schon Pläne geschmiedet. Wir wollen erneut eine ausländische Bühne, ein ausländisches Orchester, die diese Oper dann im Repertoire weiterspielt, gewinnen. Wir wollen wieder zwei Werke haben, die offen miteinander korrespondieren (denn in einer versteckteren Weise tun sie dies ohnehin immer durch die identischen musikalischen Themen), die aber darüber hinaus auch thematische Zusammenhänge aufweisen, wie in diesem Jahr Fremdheit vs. Integration.

Es gibt hierfür schon Vorgespräche, einen Plan A und einen Plan B – aber noch in der Werkstatt.

CB: Das klingt spannend! Vielen Dank für dieses hochinteressante Interview!

—| IOCO Interview |—


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München, Bayerische Schlösserverwaltung, Bayreuther Residenztage , 17.-29. 04.2018

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Markgräfliches Opernhaus,Bayreuth, / Fassade - Foto: Feuerpfeil Verlag, © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus,Bayreuth, / Fassade – Foto: Feuerpfeil Verlag, © Bayerische Schlösserverwaltung

Bayerische Schlösserverwaltung

Barocke „Special Effects“- Nachbauten von Theatereffektmaschinen anlässlich der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses

Donner, Wind und Regen ? in der heutigen Theatertechnik meist Produkte von Soundmaschinen ? waren im Barock noch reinste „Handarbeit“. Doch auch zu Zeiten der Markgrafen musste auf keine sinnliche Erfahrung verzichtet werden, ermöglichten doch die verschiedenen Maschinen grollenden Donner, heulenden Wind und prasselnden Regen in der gewünschten Intensität.

Zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses und den Bayreuther Residenztagen 2018 bauen die Handwerker der Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth mit dem Theaterexperten Klaus-Dieter Reus Theatereffektmaschinen nach barockem Vorbild in originaler Größe und voll funktionsfähig nach. Diese können und sollen dann auch direkt vom Zuschauer bedient und erlebt werden, was im Rahmen einiger Vorführungen während der Residenztage möglich sein wird.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild - Foto: Achim Bunz © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild – Foto: Achim Bunz © Bayerische Schlösserverwaltung

Zu bestaunen gibt es eine Wind- und eine Donnermaschine nach den Originalen im Drottningholmer Schlosstheater und eine Regenmaschine nach dem Vorbild des Ostankino Theaters in Moskau. Die Maschinen von beachtlicher Größe ? die Regenmaschine ist ca. zwei Meter hoch ? produzieren mit einfachen, aber phantasievollen Mitteln die akustischen Illusionen, welche das Theater zum Leben erwecken. So entstehen die Windgeräusche durch ein über einen Zylinder gespanntes Segeltuch und die bei Bewegung entstehende Reibung. Donner wird durch Holzbrocken imitiert, die durch einen Holzkasten rollen, und  Regen durch herabfallende Erbsen in einem mit Blechlamellen versehenen Schacht.

Der Rohbau der Donnermaschine ist bereits fertig, die Fertigung der anderen Maschinen in vollem Gange. „Wir tüfteln gerade noch an den Donnerbrocken – für einen möglichst reibungslosen und effektvollen Donner!“, erklärt Ingo Berens von der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Erleben lassen sich die Maschinen an den beiden Wochenenden der Bayreuther Residenztage vom 17. ? 29. April 2018 in einstündigen Vorführungen auf der Bühne des Markgräflichen Theaters für 8,- Euro inkl. Eintritt in das Opernhaus, Besucher unter 18 Jahren sind kostenfrei. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 pro Vorführung beschränkt, eine telefonische Anmeldung ist ab dem 1. März unter 0921 7596922 möglich.

Alle Informationen zu den Bayreuther Residenztagen 2018  finden Sie unter www.bayreuth-wilhelmine.de

Die Bayerische Schlösserverwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich über fünf Millionen Besucher aus aller Welt an.

—| Pressemeldung Bayerische Schlösserverwaltung |—


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