Dresden, Semperoper, Premiere Carmen – Ballett, 25.01.2019

Januar 16, 2019 by  
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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

  Carmen – Ballett von Johan Inger

– Grausamkeit und Unschuld –

Deutschlandpremiere am 25. Januar 2019

Mit Johan Ingers 2016 mit dem Prix du Benois de la Danse ausgezeichneten Ballett Carmen gibt die Company des Semperoper Ballett am 25. Januar ihre zweite Premiere in der Spielzeit 2018/19. Nach der Madrider Uraufführung in 2015 durch die Compañía Nacional de Danza und einem Gastspiel im schweizerischen Basel im November 2018 findet damit die Deutschlandpremiere von Ingers erstem abendfüllenden Handlungsballett in Dresden statt.

Der schwedische Choreograf orientiert sich in seiner Interpretation der Geschichte von erotischer Leidenschaft, atavistischem Freiheitsdrang und tödlicher Eifersucht weitaus enger an der 1847 erschienenen literarischen Originalvorlage Prosper Mérimées, als es die weltberühmte Oper von Georges Bizet tut. Die der ursprünglichen Novelle immanente Grausamkeit rückt Johan Inger in das Zentrum seiner Choreografie und kreiert eine düstere, psychologisierende Atmosphäre, ohne dabei auf die ekstatisch temperamentvollen Momente von Bizets Musik zu verzichten. Zusätzlich zu den bekannten Opernmotiven ergänzen Themen von Rodion K. Schtschedrin sowie eine eigens in Auftrag gegebene Komposition des Spaniers Marc Álvarez die Vertonung.

Schon früh inspirierte der kraftvoll rhythmische Esprit sowohl der literarischen wie musikalischen Vorlage bedeutsame Choreografen dazu, die Erzählung in reine Bewegung umzusetzen. Nachdem bereits Marius Petipa dreißig Jahre nach Erscheinen der Novelle das Ballett Carmen et son toréro in Madrid herausbrachte, deuteten Künstler wie Roland Petit, John Cranko, Antonio Gades, Mats Ek und Carlos Acosta Carmen immer wieder aufs Neue.

Der Blick Ingers konzentriert sich wie Mérimées Novelle auf den emotionalen Kampf des Protagonisten Don José. Allerdings modernisiert Inger das Drama und verleiht ihm durch seine Transkription in den zeitgenössischen Tanz seine ganz individuelle Lesart. Die von ihm eingefügte Knabenfigur bezeugt die in Leidenschaft und Gewalt eskalierende Handlung mit eigenen Augen und schafft die Verbindung zum Rezipienten: »Diesen Charakter umgibt ein gewisses Geheimnis. Es könnte irgendein Kind oder Don José als Junge sein, es könnte ebenso die junge Michaela oder Carmen oder Don Josés ungeborenes Kind sein. Es könnten auch wir selber sein, deren ursprüngliches Gutsein durch ein grausames Erlebnis verletzt wurde, dass wie eine tiefe Trauer unser Leben und unsere Fähigkeit mit andern zu interagieren für immer negativ beeinflusst hat.« Inger stellt sich mit seiner Interpretation des Stoffes der ungeheuren Aufgabe, mit tänzerischen Mitteln eine Entwicklung beim Zuschauer zu initiieren und über den kindlichen Augenzeugen einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen, der über die erzählerische Intention hinauszielt: »Am Ende stellt sich die Frage, ob das Kind die erlebten Muster wiederholt oder sich weiterentwickelt und verändert.«

Mit Carmen stellt Ballettdirektor Aaron S. Watkin mit seiner Company nach den Einaktern Walking Mad und Empty House eine dritte Arbeit des internationalen Shootingstars Johan Inger in Dresden vor. Im März folgt das Semperoper Ballett im Rahmen seiner ersten Australien- und Singapur-Tournee der Einladung des weltbekannten Adelaide Festivals of Arts, wo die Company am 8., 9. und 10. März mit »Carmen« im Adelaide Festival Theatre zu erleben sein wird.

Carmen,  Ballett in zwei Akten von Johan Inger, interpretiert vom Semperoper Ballett mit Musik von Georges Bizet, Rodion Schtschedrin und Marc Álvarez, gespielt von der Sächsischen Staatskapelle Dresden (und vom Tonträger) unter der Musikalischen Leitung von Manuel Coves.

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Semperoper – Förderstiftung

Premiere am 25. Januar 2019,  Weitere Vorstellungen am 27. Januar und 10., 16., 24. Februar 2019

Werkeinführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Schwanensee – Ballett Martin Schläpfer, IOCO Kritik, 04.07.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

SCHWANENSEE  –  Peter I. Tschaikowsky

Tod im Schwanensee

Von Hanns Butterhof

Martin Schläpfer, der schweizer Chef des Düsseldorfer Balletts am Rhein, hat mit b.36, Schwanensee nur im Untertitel, sein erstes Handlungsballett choreographiert. Er bezeichnet es als Uraufführung, wozu ihn berechtigt, dass er sich stark an die musikalische Originalversion Peter I. Tschaikowskys der Jahre 1875 bis 1877 hält, vor allem aber, weil er die Geschichte der Erlösung einer verzauberten Prinzessin durch die Liebe eines Prinzen psychologisch ausdeutet und choreographisch neu erzählt.

Schläpfer unterwirft  Schwanensee  einer Psychoanalyse

Schläpfer will Schwanensee als durchgehende und psychologisch schlüssige Handlung choreographieren und verzichtet auf Märchenhaftes, Pomp und nur schöne Ballett-Szenen, die keine eigene Handlung haben. Dies gelingt schlüssig, indem Prinz Siegfried und sein ödipaler Mutterkonflikt ins Zentrum der Inszenierung rückt. Aber als Märchen ließe es sich einfacher erzählen.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Marcos Menha, Mitte als Siegfried und seine Freunde © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Marcos Menha, Mitte als Siegfried und seine Freunde © Gert Weigelt

Der Konflikt bricht aus, als Siegfried volljährig wird. Marcos Menha zeichnet ihn als lebensfrohen jungen Mann. Im Festsaal des Adelshofs, den Ausstatter Florian Etti mit übergroßen leeren Bilderrahmen in Petersburger Hängung als ambivalenten Tribut an den Ort der Uraufführung gestaltet hat, amüsiert sich Siegfried mit weiten Sprüngen mit seinen Freunden. Er verschmäht aber auch den Tanz mit einer Schönen aus dem Volk nicht, das zwanglos mit von der Partie ist. Als ihm seine strenge Mutter (Virginia Segarra Vidal) anweist, anderntags auf dem Geburtstags-Ball eine Braut zu wählen, bricht Siegfried zusammen.

Hier geht es um mehr als einen Abschied von der unbeschwerten Jugendzeit, es ist vor allem ein Abschied von Siegfrieds ödipaler Liebe zu seiner Mutter. Die hat sich offenbar dem Zeremonienmeister (Chidozie Nzerem) zugewandt, der mit energisch klarer Gestik das Regiment führt.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Marlúcia do Amaral als Odette und Marcos Menha als Siegfried © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Marlúcia do Amaral als Odette und Marcos Menha als Siegfried © Gert Weigelt

Lässt man sich auf die Psychologisierung des Schwanensees ein, sind von da ab alle Geschehnisse Phantasmagorien Siegfrieds, der den Hof verlassen hat, um sich in den Schwanensee zu stürzen. Enttäuscht bestraft er seine ihm untreue Mutter, in dem er sie als eine böse Hexe (Young Soon Hue) imaginiert, und bewahrt doch seine Liebe zu ihr, indem er sie durch eine liebreizende Frau, Odette (Marlúca do Amaral) ersetzt; sie steht unter dem Schutz ihres Großvaters (Boris Randzio); als Vater der Mutter schützt er somit Siegfrieds Liebe zu dieser.

Das ist schlüssig und es wird in bezaubernden Bildern ausgetanzt, wie Odette Siegfried erst vorsichtig, wie zerbrechlich auf Spitze umkreist, sich immer wieder Zuversicht beim still im Hintergrund bleibenden Großvater abholt, bis sie und Siegfried sich schließlich in einem verliebten Walzer finden. Da kniet Siegfried nieder und schwört ihr ewige Liebe, stürmisch von weiß und schwarz gekleideten Schwanen-Frauen umkreist.

Der Gedanke an den Ball zur Brautwahl kann da nur ein Albtraum sein. Alle, auch Siegfried und seine Mutter, sind schwarz gekleidet. Sie weist ihn an, sich aus den Tänzerinnen eine Braut zu wählen, doch immer schneller wendet sich Siegfried von einer Kandidatin nach der anderen ab und bittet seine Mutter kniefällig um Nachsicht. Doch als sie ihn immer wieder mit keinen Widerspruch duldender Geste aufs Parkett zurückschickt, erscheint sie ihm wieder als die böse Stiefmutter Odettes, die ihm insektenartig mit krummen Spinnenfingern, ihrer Tochter Odile (Camille Andriot) als eine Braut unterschieben will, die nicht die richtige ist.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee - hier : Young Soon Hue als Odile und Schwanenfrauen © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – hier : Young Soon Hue als Odile und Schwanenfrauen © Gert Weigelt

Odile kann nicht seine Liebe sein. Ihr perfekter Tanz ist kühl, stets sucht sie Augenkontakt mit dem arrogant auftretenden Rotbart (Sonny Locsin), dem Helfer und Begleiter ihrer Mutter. Als ihr Siegfried nach einer kurzen Irritation doch ewige Treue schwört, lächelt sie triumphierend. Siegfried führt sie als seine Wahl seiner Mutter zu, die der Zeremonienmeister beruhigend in ihren Sessel drückt. Zu spät erkennt Siegfried seinen Verrat und bricht zusammen.

Den See vor Augen spiegeln die Schwanenfrauen Siegfrieds und Odettes Unglück. Mit hängenden Armen umringen sie hilfesuchend den Großvater. Odette fliegt ihm, Pirouetten drehend, noch einmal an den Hals, wird aber von der Stiefmutter getötet. Damit ist auch die Ersatzphantasie Siegfrieds am Ende. Er nimmt die Tote auf die Arme und geht seinen Weg zu Ende – wohl in den Tod im Schwanensee.

Das alles ist viel Kopf, aber eine Möglichkeit, Schwanensee heutig zu verstehen. Ohne Märchenhaftes, Mythologisches oder Archetypisches zu bemühen erlaubt dieser Zugriff eine in sich schlüssige, wenn auch komplizierte Erzählung. Sie nimmt von den Gefühlen Siegfrieds ihren Ausgang und erreicht nach einem mit prätentiösen Generalpausen eher zähen ersten Teil auch mit der Unterstützung der Düsseldorfer Symphoniker unter dem einfühlsamen Dirigat Aziz Shokhakimovs die Gefühle des Publikums. Die Striche, die Schläpfer in Musik und Tanz vornimmt, sind nicht unerheblich, betreffen sie doch neben den Nationaltänzen im dritten Akt vor allem die weißen Akte I und II mit den Tänzen der Schwanenfrauen, auf denen ein großer Teil der Beliebtheit von Schwanensee beruht. Doch wer nicht etwas der 1895er-Fassung von Marius Petipa und Lew Iwanow Ähnliches erwartet, sondern sich auf Schläpfers b.36/Schwanensee eingelassen hat, konnte in der Oper am Rhein einem wunderbar getanzten Ballettabend beiwohnen.

b.36 Schwanensee, Ballett am Rhein, weitere Vorstellungen 8.7.; 11.7.; 12.7.; 15.7.2018 (alle Vorstellungen ausverkauft); 15.9.; 16.9.2018 und mehr. 28.9.2018:  Premiere Schwanensee im Theater Duisburg 28.9.2018 und mehr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Baden Baden, Festspielhaus, Weihnachtsgastspiel – Mariinsky Balletts, 21. bis 27.12.2017

November 24, 2017 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Mariinsky Ballett  im  Festspielhaus

21. bis 27. Dezember 2017

Das Mariinsky Ballett tanzt über die Weihnachtstage im Festspielhaus Baden-Baden. Erstmals wird in Baden-Baden dann das Ballett Paquita von Marius Petipa in einer Rekonstruktion zu sehen sein. Das Orchester des Mariinsky Theaters begleitet daneben auch die Ballette Romeo und Julia sowie Der Nussknacker live. Üppige Ausstattungen, historische Kostüme: zu Weihnachten werden Ballett-Träume in Baden-Baden wahr. Über 200 Künstlerinnen und Künstler reisen am 19.12. an. Die Vorstellungen sind vom 21. bis 27.12. zu sehen.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Liebe auf Zehenspitzen
Das Mariinsky Ballett kommt mit großen russischen Handlungsballetten wie Der Nussknacker, Romeo und Julia und Paquita über Weihnachten ins Festspielhaus Baden-Baden. Begleitet wird die Compagnie live vom Orchester des Mariinsky Theaters.

Zu Weihnachten 2017 wird ein weiteres Kapitel einer langen Partnerschaft zwischen dem weltbekannten Ballett aus St. Petersburg und dem Festspielhaus an der Oos geschrieben. Tanz-Fans aus aller Welt reisen vom 21. bis 27. Dezember an, um die „Russische Saison“  im winterlichen Schwarzwald zu genießen. Die Wiederentdeckung „Paquita“ gilt dabei als der Geheimtipp der Saison.

Begleitet wird das Gastspiel vom Orchester des Mariinsky Theaters, was für den besonderen Glanz dieser in großen historischen Bühnenbildern schwelgenden Aufführungen sorgt.

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Die reine Lehre
In Sachen Spitzentanz wird in St. Petersburg die reine Lehre gepflegt. Von der Pike auf trainieren Jungen und Mädchen noch immer das klassische russische Ballett, das seit seiner Blütezeit um 1900 zu den meist geschätzten Kulturgütern des Landes zählt.

Egal, ob die Schneeflocken in Der Nussknacker tanzen oder Romeo und Julia innig verschlungen niedersinken: Grundlage ist noch immer, was an Eliteschulen wie der Waganowa-Akademie wie vor 100 Jahren unterrichtet wird – präzise Technik, gepaart mit einem Ausdruck, der bis in die letzten Reihen der größten Theatersäle der Welt verstanden wird.


Paquita


Festspielhaus Baden -Baden / Paquita - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Paquita – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Wiederentdeckung „Paquita“
Seit 1999 kommt das Mariinsky Ballett nun regelmäßig nach Baden-Baden. Um die Weihnachtszeit stehen dann die abendfüllenden Klassiker auf dem Programm. Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser und Mariinsky-Ballett-Chef Yuri Fateev vereinbaren dazu für jedes Jahr ein Stück, das in Baden-Baden noch nicht zu sehen war. 2017 heißt dieses Stück „Paquita“ (23./27.12. 2017,19 Uhr) und wurde von St. Petersburgs Ballett-Ikone Marius Petipa geschaffen. Er ist der Vater solcher Ballette wie „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“ – seine Choreografien werden daher gehegt und gepflegt.

Die Geschichte von Paquita ist die ewige Geschichte vom Aschenputtel, das seinen Prinzen findet. Paquita wurde als Kind entführt und spürt deshalb bei all ihrem Liebreiz eine ständige Leere im Herzen. Aufgewachsen ist sie beim fahrenden Volk und verliebt sich nun in einen schmucken, unerreichbaren Adligen: Als Film wäre das die schönste Hollywood-Romanze. Ein Aschenputtel, das gerne tanzt, ein rätselhaftes Medaillon, eine politische Intrige – schon im 19. Jahrhundert erzählten sich die Menschen die gleichen Geschichten wie heute, damals machten sie eben prunkvolle, teure Ballette daraus.


Der Nussknacker


Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Märchenhaftes Konfitürenburg
Unverändert märchenhaft ist „Der Nussknacker“ (25./26.12.2017, 18/14/19 Uhr), den Marius Petipa zur Musik von Peter I. Tschaikowsky schuf. Nur das Bühnenbild wurde in den 1930er Jahren erneuert, und so sieht das noch immer faszinierte Publikum durch diesen „Nussknacker“ noch immer das Original hindurchblinzeln. Die große Weihnachtsszene zu Beginn ist ebenso verträumt entrückt wie der märchenhafte Tanz der Schneeflocken im berühmten „Weißen Akt“. Und wenn Klara und ihr Prinz nach Konfitürenburg einziehen, ist die Märchen-Herrlichkeit perfekt.


Romeo und Julia


Festspielhaus Baden -Baden /Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Shakespeare ohne Worte
Sergej Prokofjew komponierte seine Ballettmusik zu „Romeo und Julia“ 1935/1936 eigentlich als Schauspielmusik. In Leningrad (St. Petersburg) nutzte man diese Musik jedoch, um ein Ballett zu produzieren, das noch heute unverändert auf dem Spielplan steht und zu den besten Ballettproduktionen weltweit gehört.

Shakespeares Liebesdrama wird in mächtigen Bildern und ausdrucksstarken Pas de deux erzählt – wenngleich der Tanz jedes Wort überflüssig macht. Ballett in historisch-imposanter Ausstattung, das große Orchester des Mariinsky Theaters und ein über 80-köpfiges Corps des Ballet – das Mariinsky Ballett beschert uns üppige Ballett-Weihnachten in Baden-Baden.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett am Rhein: b.29 George Balanchine: Mozartiana, 23.09.2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballett am Rhein: b.29
George Balanchine: Mozartiana
Martin Schläpfer: Konzert für Orchester
Jerome Robbins: The Concert
Premiere im Opernhaus Düsseldorf: Samstag, 23. September 2017, 19.30 Uhr

George Balanchine: Mozartiana
Wenn sich zu Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem „Ave verum corpus“ in einer Instrumentierung durch den Russen Peter I. Tschaikowsky der Vorhang hebt, so liegt – wie der schwarze Tüll über dem weißen Tutu der Ballerina – ein Schleier von eigentümlicher Melancholie und ein Hauch von Vergänglichkeit über der Szene. Begleitet von vier Mädchen zelebriert eine Tänzerin eine innige Andacht. Ihre schlichten Gebetshaltungen und sehnsuchtsvollen Gesten sind von einer Musikalität, als würde sie die Klänge im Moment des Tanzens erschaffen und den Raum erst öffnen für das, was folgt: ein lebensvolles, höchst virtuoses, aber auch elegantes Tanzfest für zwei weitere Tänzer und ein Corps de ballet aus vier Frauen.

Mit der Musik Tschaikowskys nahm George Balanchines (1904–1983) Begeisterung für die Ballettkunst ihren Anfang, als er selbst als kleiner Junge in einer St. Petersburger „Dornröschen“-Aufführung den Cupido spielte. Tschaikowsky blieb ihm neben Strawinsky der bedeutendste Ballettkomponist. Seine Musik begleitete Balanchine über sein gesamtes Schaffen bis hin zu seiner „Mozartiana“ – eines seiner letzten Werke, entstanden 1981 zur Eröffnung des Tschaikowsky-Festivals im New York State Theater auf die gleichnamige Orchestersuite des Komponisten.

Fasziniert vom menschlichen Körper und der immer weiteren Erforschung seiner tänzerischen Möglichkeiten hat Balanchine insbesondere mit seinen Werken aus den 1950er Jahren den klassischen Tanz bis an seine Grenzen geführt und für seine Zeit auf radikale Weise weitergedacht. In „Mozartiana“ spricht dagegen ein Künstler zu uns, der im hohen Alter noch einmal zu seinen Wurzeln zurückkehrt: zu Marius Petipa und der großen Petersburger Balletttradition. Den Glauben an den Wert, das Potential und jene überwältigende Schönheit, die sich im klassischen Ballett finden kann, hatte Balanchine nie verloren – auch davon erzählt seine „Mozartiana“.

In Kooperation mit der Akademie des Tanzes an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, Leitung: Prof. Birgit Keil MUSIK Suite Nr. 4 G-Dur op. 61 „Mozartiana“ von Peter I. Tschaikowsky CHOREOGRAPHIE George Balanchine MUSIKALISCHE LEITUNG Wen-Pin Chien KOSTÜME Rouben Ter-Arutunian LICHT Franz- Xaver Schaffer CHOREOGRAPHISCHE EINSTUDIERUNG Joysanne Sidimus ORCHESTER Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker

Martin Schläpfer: Konzert für Orchester
Mit der Choreographie „Konzert für Orchester“ für sein gesamtes Tänzerensemble zur gleichnamigen Komposition von Witold Lutos?awski zeigt Martin Schläpfer Zerrbilder einer Welt, die in Schieflage geraten ist. Er stellt die Frage: Wie verhält sich der Mensch, wenn das kostbare Leben nicht sicher ist, alles aus den Fugen gerät und das Unheil droht? Alle Bewegung durchzieht eine unermessliche Spannung und Kraft: Sprünge, die sich scheinbar nicht vom Boden heben dürfen, Spitzentanz, wie mit Spatenstichen die Erde aufbrechend, ekstatisch schüttelnde Anklänge an archaische Rituale. Immer wieder sind es große Gruppen, die in neoklassischen Formationen rastlos vorwärtsdrängen.

Eine „Liebeserklärung“ an den großen instrumentalen Klangkörper schuf Witold Lutos?awski mit seinem „Konzert für Orchester“, mit dem sich der Meister der polnischen Moderne an Béla Bartóks berühmtes Vorbild anlehnte. Diese Komposition, die ihn 1954 auf einen Schlag berühmt gemacht hatte, ist sein einziges großangelegtes Werk, in dem er sich mit einem folkloristisch getönten Neoklassizismus auseinandersetzt und zugleich das letzte seiner frühen Schaffensperiode, in welchem er noch auf dieser Basis komponiert. „Diese Komposition ist von einer Wucht und Tiefe und einer nuancenreichen Farbvielfalt in der Instrumentierung – und hat auch großes dramatisches und menschlich-dramaturgisches Potential“, so Martin Schläpfer über seine Musikwahl zu diesem im Oktober 2016 im Theater Duisburg uraufgeführten Ballett.

Seine fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit führte Martin Schläpfer mit dem Bühnen- und Kostümbildner Florian Etti fort, der mit aus den Angeln gehobenen, scharfkantigen Kulissen und Kostümen aus glänzend-festem, abwehrendem Material der Choreographie die passende optische Atmosphäre verleiht.
In Programm b.29 positioniert zwischen George Balanchine und Jerome Robbins erscheint „Konzert für Orchester“ aber auch wie ein rebellischer Kontrapunkt zu den beiden Meistern des neoklassischen Balletts. „Man staunt über Schläpfers Fantasie, die keine Wiederholung zulässt. Radikaler ist er geworden, noch dramatischer und vor allem theatraler“, schrieb Bettina Trouwborst im K.West-Magazin über die Uraufführung.

MUSIK Konzert für Orchester von Witold Lutos?awski CHOREOGRAPHIE Martin Schläpfer MUSIKALISCHE LEITUNG Wen-Pin Chien BÜHNE & KOSTÜME Florian Etti LICHT Franz-Xaver Schaffer ORCHESTER Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker

Jerome Robbins: The Concert
Zu den Freuden eines Konzertbesuchs gehört die Möglichkeit, sich als Zuhörer ganz in der Musik zu verlieren und die Gedanken schweifen zu lassen. Bilder, die vorm geistigen Auge entstehen, werden durch die Musik gelenkt und Träume und Fantasien angeregt. In „The Concert (or The Perils of Everybody)“ stellt Jerome Robbins (1918–1998) den Konzertflügel auf die Bühne und lässt das Ballett als Publikum zum Konzert antanzen. Was sich dann entwickelt, ist eine geradezu irrwitzige Folge von tänzerischen Pannen, Slapstick-artigen Nummern, aber auch ein raffiniertes Fantasiespiel mit den Sehnsüchten und Wünschen der Zuhörer der romantischen Klaviermusik.

Während der Pianist in geradezu heiliger Ernsthaftigkeit berühmte Préludes, Walzer und Balladen Frédéric Chopins interpretiert, nimmt Robbins nicht nur die wunderlichen Typen des Publikums und ihre Einbildungskraft, sondern auch das Ballett selbst aufs Korn: Eine besonders strebsame Ballerina jagt mit aufbrausendem Temperament ihren schüchternen Tanzpartner über die Bühne. Sechs verwirrte Ballerinen versuchen verzweifelt, ihre Schritte und Posen in perfekten Einklang zu bringen. Wirbeln die Finger des Pianisten dann virtuos über die Tasten, werden sie wie Möbelstücke über die Bühne manövriert. Während bei Chopin die Tropfen perlen, erinnert die Bühne an einen tristen Regentag auf den belebten Straßen von New York. Und wenn in der Musik die Dramatik steigt, schleicht der frustrierte Ehemann mit Mordgelüsten um die gelangweilte Ehefrau.

Schließlich schwirrt und flattert das gesamte Ensemble wie ein Insektenschwarm über die Bühne und Robbins führt diese hinreißende Liebeserklärung an alle Unarten der Ballettwelt in ein wirbelndes Finale. Jerome Robbins zählte nicht nur neben George Balanchine zu den wichtigsten Größen der amerikanischen Ballettgeschichte des 20. Jahrhunderts, sondern verlieh auch dem Musical-Tanz mit Werken wie „West Side Story“ oder „Fiddler on the Roof“ eine neue, wegweisende Bedeutung. Mit „The Concert“ kreierte er 1956 ein Meisterwerk, das mit seiner umwerfenden Komik und seinem Humor ein Solitär des Ballettrepertoires ist und bis heute das Publikum zu begeistern versteht. So schrieb Heiner Frost in den Niederrhein Nachrichten über die Ballett am Rhein-Premiere im Oktober 2016 im Theater Duisburg: „Eine solche Liebeserklärung an den Tanz wie Robbins’ Chopin hat man lange nicht erlebt. Eine derart kurzweilige Vorlesung über das Herz des Ballettes auch nicht.“

MUSIK Polonaisen, Préludes, Berceusen, Walzer, Mazurkas und Balladen von Frédéric Chopin in einer Orchestrierung von Clare Grundman CHOREOGRAPHIE Jerome Robbins MUSIKALISCHE LEITUNG Wen- Pin Chien BÜHNE Saul Steinberg KOSTÜME Irene Sharaff LICHT Jennifer Tipton LICHTUMSETZUNG Kévin Briard CHOREOGRAPHISCHE EINSTUDIERUNG Ben Huys KLAVIER Matan Porat ORCHESTER Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker Ballettwerkstatt im Opernhaus Düsseldorf: Mittwoch, 20. September 2017, 18.00 Uhr, Eintritt frei

Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf: Sa 23.09. 19.30 Uhr (Premiere) / So 01.10. 18.30 Uhr / Di 03.10. 18.30 Uhr / Fr 06.10. 19.30 Uhr / Sa 07.10. 19.30 Uhr / Do 19.10. 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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