Baden-Baden, Festspielhaus, Sehnsucht nach dem Miteinander, Festspiel-Saison 2020/2021

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Baden-Badener Festspiel-Saison 2020/2021

Sehnsucht nach dem Miteinander

Baden-Badener Festspiel-Saison 2020/2021 mit fünf Festivals, sieben Opern, Residenzorchestern aus Berlin, New York, St. Petersburg, München und Stuttgart –Intendant setzt auf die Macht der Musik und des Miteinanders.

Baden-Badens Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa ist fest davon überzeugt, dass Menschen schon bald wieder in großer Zahl gemeinsam Musik genießen werden können. Sein neues Programm der Saison 2020/2021 stellt er deshalb unter das Motto „Sehnsucht nach dem Miteinander“. Der Vorverkauf dazu beginnt heute (16. März 2020).

„Auch wenn wir derzeit noch von der Corona-Pandemie gebremst werden: Ich möchte mit dem neuen Programm Mut machen und positiv in die Zukunft blicken.“ Das Publikum, die Freunde und Förderer des Festspielhauses bittet Benedikt Stampa:Buchen Sie schon jetzt für die neue Saison und stellen Sie sich an die Seite so vieler wunderbarer Künstlerinnen und Künstler. Gemeinsames Musikerleben stärkt unsere Gesellschaft. Wir spüren gerade in der Corona-Krise schmerzhaft, wie sehr wir Konzerte, Opernabende und Ballett-Aufführungen vermissen. In ihnen schlummern seelische Abwehrkräfte.“

Fünf Festivals und sieben Opern

Fünf Festivals prägen das Saisonprogramm des Festspielhauses Baden-Baden 2020/2021.Sieben Opern, davon vier szenische Produktionen, bilden das Rückgrat der neuen Spielzeit“, so der Intendant. Sein zweites Baden-Badener Programm schärft zudem die Profile der einzelnen Baden-Badener Festspiele und beschäftigt sich wieder intensiv mit der Musikgeschichte des „Sehnsuchtsortes“ Baden-Baden. Die Opern Salome von Richard Strauss und Mazeppa von Peter I. Tschaikowsky werden in Baden-Baden neu inszeniert. Die Saison 2020/2021 beginnt am 20. September 2020. Sir Simon Rattle dirigiert Béla Bartóks Opern-Thriller Herzog Blaubarts Burg in einer konzertanten Aufführung.

Salome  –  neu inszeniert von Philipp Stölzl

„Die Herbstfestspiele 2020 werden mit der Neuinszenierung Salome von Regisseur Philipp Stölzl deutlich aufgewertet“, so Benedikt Stampa. Residenzorchester dieses Festivals (vom 28. November bis zum 6. Dezember 2020) sind die Münchner Philharmoniker, die neben ihrem Einsatz im Orchestergraben auch zwei Konzerte unter der Leitung ihres Chefdirigenten Valery Gergiev und eines mit Thomas Hengelbrock geben werden. Als Salome debütiert Evgenia Muraveva in Baden-Baden. Im Ensemble dieser Oper sind zudem Evelyn Herlitzius (Herodias), Michael Volle (Jochanaan) und Andrei Popov (Herodes).

Osterfestspiele 2012 – Mit den Berliner Philharmoniker 

Im Rahmen der Osterfestspiele 2021 mit den Berliner Philharmonikern dirigiert Kirill Petrenko die Tschaikowsky-Oper Mazeppa und leitet die konzertante Aufführung der Oper Francesca da Rimini von Sergei Rachmaninow. Die Neuinszenierung Mazeppa erarbeitet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov. Zu den Solisten der Oper zählen Olga Peretyatko (Maria), Ekaterina Semenchuk (Ljubow), Vladislav Sulimsky (Mazeppa) und Dmitry Ulyanov (Kotschubei). Um Tschaikowskys intensiver Auseinandersetzung mit den Werken Wolfgang Amadeus Mozarts nachzuspüren interpretiert Kirill Petrenko zudem am 29. März und am Karfreitag (2. April) dessen Requiem. Im Theater Baden-Baden entsteht im Rahmen der Osterfestspiele eine Neuinszenierung des Mozart-Singspiels „Zaide“.

Kameliendame –  von John Neumeier

Gleich zweimal kommt das Hamburg Ballett John Neumeier in der Spielzeit 2020/2021 nach Baden-Baden – im Herbst 2020 sowie zu Pfingsten 2021. Die schon traditionellen Ballett-Tage zu Beginn der Saison bringen dann John Neumeiers Nachtstücke und seinen Klassiker Die Kameliendame mit Musik von Frédéric Chopin. Sowohl im Herbst als auch zu Pfingsten lädt John Neumeier zu einer Ballettwerkstatt ein.

  Pfingstfestspiele 2021  – Hamburg Ballett – SWR Symphonieorchester

Zu den Pfingstfestspielen 2021 mit dem SWR Symphonieorchester kehren das Hamburg Ballett und John Neumeier zurück an die Oos. „Ich freue mich sehr auf Oliver Messiaens ‚Turangalîla‘-Sinfonie“, sagt Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa, denn „sie gehört zur DNA des SWR Symphonieorchesters und wurde von John Neumeier kongenial choreografiert.“ Werke des französischen Komponisten Messiaen sowie Gegenüberstellungen mit Kompositionen von Ravel, Wagner und Strawinsky prägen diese zweite Ausgabe der Festspiele im Zeichen der klassischen Moderne.

Mariinsky Ballett in den Winterfestspielen

Neben dem Hamburg Ballett John Neumeier bleibt das Mariinsky Ballett eine weitere feste Größe in Baden-Baden. Über die Weihnachtstage 2020 zeigt die Compagnie, deren Wurzeln im 18. Jahrhundert liegen, die Handlungsballette „Schwanensee“ und „Romeo und Julia“. In einer neu konzipierten Ballett-Gala am Zweiten Weihnachtstag tanzt die Compagnie Werke von Mikhail Fokine, Jerome Robbins und Marius Petipa. Die Residenz des Mariinsky Balletts firmiert unter dem Titel Winterfestspiele. „Auch dieses Festival möchte ich in den Folgejahren weiter profilieren“, so Intendant Benedikt Stampa, der zum Jahreswechsel Gastgeber des ARD-Silvesterkonzerts ist. Am 31.12.2020 leitet Teodor Currentzis das SWR Symphonieorchester. Auf dem Programm stehen Tschaikowskys Violinkonzert, die „Feuervogel“-Suite von Igor Strawinsky sowie Maurice Ravels „Boléro“.

Brahms mit Hengelbrock und Nézet-Séguin

Nach dem Erfolg der ersten Mikro-Festivals der Saison 2019/2020 hat das Festspielhaus Baden-Baden den Dirigenten Thomas Hengelbrock eingeladen, mit mehreren Ensembles im Herbst 2020 zentrale Werke von Johannes Brahms („Ein Deutsches Requiem“, „Ungarische Tänze“, Chormusik) und Johann Strauß zu interpretieren. Den Programm-Schwerpunkt Johannes Brahms greift im Sommer 2021 Yannick Nézet-Séguin auf. Er beginnt mit den Sinfonien 1 und 2 sowie dem 2. Klavierkonzert einen Brahms-Zyklus, der in den Folgejahren fortgesetzt werden soll. Musikalische Partner sind hier das Chamber Orchestra of Europe sowie die Solisten Andreas Ottensamer (Klarinette) und Yuja Wang (Klavier).

MET-Orchester erstmals wieder in Europa

Mit dem ersten Gastspiel des Orchesters der Metropolitan Opera New York seit fast 20 Jahren eröffnet Benedikt Stampa die Sommerfestspiele 2021 in Baden-Baden. „Yannick Nézet-Séguin möchte mit mir gern die Baden-Badener Musikgeschichte lebendig werden lassen“, sagt Benedikt Stampa, der den neuen Musikdirektor der MET auch als Liedbegleiter präsentiert. Am 2. Juli 2021 interpretieren der kanadische Dirigent und die Sopranistin Joyce DiDonato im Festspielhaus Baden-Baden Schuberts Winterreise zum Auftakt des Festivals. Dem Liederabend folgen Orchesterkonzerte, in denen Werke von Richard Strauss, Richard Wagner und Hector Berlioz im Mittelpunkt stehen. Berlioz dirigierte zu Lebzeiten häufig in Baden-Baden und schrieb hier auch Teile seiner Oper „Die Trojaner“. Auszüge daraus dirigiert Yannick Nézet-Séguin am 3. Juli 2021.

Zwei Aufführungen der Oper „Tosca“ und zwei Konzerte des Orchesters des Mariinsky Theaters beenden die Saison 2020/2021 im Festspielhaus Baden-Baden. Die Inszenierung der Puccini-Oper entstand 2007 in St. Petersburg und wird von Ensemble, Chor und Orchester des Mariinsky Theaters aufgeführt. In zwei Konzerten dirigiert Valery Gergiev zudem das Orchester des Mariinsky Theaters.

Stars der Oper in Konzerten

Die Liste großer Künstler-Namen, die 2020/2021 in Baden-Baden Konzerte und Opernaufführungen gestalten werden, ist lang. Intendant Benedikt Stampa heißt Cecilia Bartoli mit zwei halb-szenischen Aufführungen der Rossini-Oper La Cenerentola (6./8.11.2020) ebenso willkommen wie Diana Damrau, die gemeinsam mit Nicolas Testé am 4.12.2020 den Abend „Royal Affairs – Kings and Queens of Opera“ mitbringen wird. Auch Elena Garanca (14.11.2020), Sonya Yoncheva (12.6.2021) und Plácido Domingo (6.3.2021) werden erwartet.

Entertainment herzlich willkommen

Explizit wies Intendant Benedikt Stampa darauf hin, dass das Festspielhaus Baden-Baden auch Jazz, Pop und Musical ein guter Gastgeber sein möchte. „Ich freue mich in der Saison 2020/2021 auf eine neue Ausgabe des SWR3 New Pop Festivals, auf den modernen Klassiker ‚Stomp‘ und eine Serie des Musicals Ich war noch niemals in New York (13. bis 18.4.2021)“, so Benedikt Stampa.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Der Nussknacker – Mariinsky- Residenz, 25. & 26.12.2019

Dezember 11, 2019 by  
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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Mariinsky- Residenz 21. bis 27. Dezember 2019
„Der Nussknacker“

25. Dezember 2019, 17 Uhr
26. Dezember 2019, 14 und 19 Uhr 2019

„Der Nussknacker“ – mit dem Ballettklassiker für die ganze Familie versüßen Mariinsky Ballett und – Orchester den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag

Zwischen dem weihnachtlichen Familienfest und den Träumen eines heranwachsenden Mädchens findet sich im „Nussknacker“ das gesamte Spektrum russischer Tanzkunst: wilde Pantomimen, Charaktertänze im spanischen oder orientalischen Stil, der große Schneeflockenwalzer und ein virtuoser Grand Pas de deux für das liebende Paar. Die im Festspielhaus Baden-Baden am 25. (17 Uhr) und 26. Dezember (14 und 19 Uhr) dargebotene Fassung des Mariinsky Balletts entstand 1934 und zeigt das Märchenballett in einer der schönsten unter den traditionellen Fassungen – als einen schönen Kindertraum, die letzte Reise ins Land der Süßigkeiten vor dem Erwachsenwerden.

Festspielhaus Baden - Baden / Der Nussknacker Maria Khoreva (Mascha) & Kimin Kim (Prince) in The Nutcracker by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden – Baden / Der Nussknacker Maria Khoreva (Mascha) & Kimin Kim (Prince) in The Nutcracker by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Fast sämtliche große Ballettklassiker wurden einst im St. Petersburger Marientheater uraufgeführt, so auch „Der Nussknacker“, nach der Partitur von Peter Tschaikowsky. Das Ballett über eine zubeißende Holzfigur dürfte tatsächlich das berühmteste klassische Tanzstück der Welt sein, zwischen Advent und Weihnachten steht „Der Nussknacker“ bei praktisch allen großen Ballettkompanien auf dem Spielplan. Das Märchen über Spielzeug und Schneeflocken zählt insbesondere im angloamerikanischen Teil der Ballettwelt zu den unverzichtbaren Tophits, in den USA wird im Dezember nichts anderes getanzt. Durch den „Nussknacker“ lernen die meisten Kinder das Ballett und den Spitzentanz kennen – aus dem großbürgerlichen Biedermeier-Deutschland, wo E.T.A. Hoffmanns geheimnisvolle Novelle von „Nussknacker und Mausekönig“ spielt, gelangte die Geschichte via Frankreich ins zaristische St. Petersburg und beglückte dann als Weihnachtsballett die ganze Welt.

In Hoffmanns Erzählung verliebt sich die junge Marie (im Russischen Mascha) in ihr Weihnachtsgeschenk, einen geschnitzten Nussknacker, den sie von ihrem geheimnisvollen Patenonkel Drosselmeier bekommen hat. Schlag zwölf in der Weihnachtsnacht wird das Spielzeug im Hause Stahlbaum lebendig, Marie kämpft mit ihrem Helden gegen den Mäusekönig und versinkt in einem Fiebertraum, nach dessen Ende schließlich der Nussknacker in der Gestalt von Drosselmeiers hübschem Neffen um ihre Hand anhält, um sie in sein Süßigkeitenreich zu entführen. Die 1816 erschienene Novelle war in Russland in einer französischen Bearbeitung von Alexandre Dumas dem Älteren bekannt. Marius Petipa, der Erste Ballettmeister des Zaren, straffte gemeinsam mit seinem Intendanten am Mariinsky-Theater die komplizierte Handlung so lange, bis sie ins zeitgenössische Schema der „Ballet-Féerie“, des fantastischen Ballettmärchens passte. Peter Tschaikowsky wurde mit der Partitur beauftragt, die Uraufführung fand am Nikolaustag des Jahres 1892 statt.

Im ersten Akt dominieren Erzählung, Pantomime und weihnachtliche Ausstattung, während der zweite, praktisch handlungslose Teil ein großes, virtuoses Divertissement ist, wo von Charaktertänzen im orientalischen oder spanischen Stil über große Ensembles bis zum abschließenden Pas de deux nur noch getanzt wird. Tschaikowsky schrieb eine seiner schönsten Ballettmusiken für den „Nussknacker“, mit großen romantischen Aufschwüngen und geheimnisvollen Klangfarben wie der neu erfundenen Celesta oder einem wortlos singenden Kinderchor, der den verschneiten Märchenwald ins Magische entrückt.

Als Marius Petipa zu Probenbeginn erkrankte, übernahm sein zweiter Ballettmeister Lew Iwanow die Choreografie. Er ließ 60 Ballerinen als Schneeflocken einen Walzer tanzen, ihr Kopfputz bestand aus unzähligen kleinen, weißen Wattebällchen. Anders als etwa bei „Dornröschen“ wurde nur wenig originales Schrittmaterial des „Nussknackers“ bis heute überliefert, das meiste empfanden nachfolgende Ballettmeister und Choreografen nach der traditionellen Überlieferung. So gibt es verschiedene Versionen für den Schluss, manchmal erwacht Mascha aus ihrem Traum, manchmal bleibt sie im Märchenland bei ihrem Prinzen. 1934 inszenierte der sowjetische Choreograf Vassily Vainonen im damaligen Leningrad jenen neuen „Nussknacker“, der bis heute im Mariinsky-Theater gezeigt wird. Er ließ Mascha von einer erwachsenen Ballerina tanzen, die uns ein Mädchen im Aufbruch zum Erwachsenwerden zeigt, das hier noch einmal seinen Kinderträumen nachhängt. Vainonen rückte die geschrittene, Pantomime-lastige Ballett-Féerie ein großes Stück weiter in Richtung ernsthaftes Ballett und zeigt vor allem am Ende des ersten Aktes die aufblühende Liebe zwischen Mascha und ihrem verwandelten Prinzen als fließend-romantischen Pas de deux. Den zweiten Akt beließ er als großes Fest des Tanzes.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Balanchines Ballettschmuckstück Jewels, 27.12.2019

Dezember 6, 2019 by  
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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Funkelnde Facetten höchster Tanzkunst – Balanchines Ballettschmuckstück „Jewels“

Zum Finale seiner diesjährigen Residenz zeigt das Mariinsky Ballett Balanchines prachtvolles Ballett „Jewels“. Mit dem funkelnden Dreiteiler in den Juwelen-Farben Smaradgrün, Rubinrot und Diamant beenden das Mariinsky Ballett und –Orchester am 27. Dezember 2019 um 19 Uhr, ihr diesjähriges Gastspiel an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Die Idee zu „Jewels“ entstand, so geht die Legende, bei einem Spaziergang des Choreografen vor den Schaufenstern des berühmten New Yorker Juweliers Van Cleef & Arpels. „Emeralds“, „Rubies“ und „Diamonds“ heißen die drei Teile des Werkes, sie funkeln mit unzähligen Strass-Kristallen auf den Kostümen in Smaragdgrün, Rubinrot und im klaren Weiß der Diamanten. George Balanchine zeigt damit die drei großen Traditionen des klassischen Balletts: den französischen, romantischen Stil, der in langen Tutu-Röcken zu Musik von Gabriel Fauré getanzt wird, dann die amerikanische Neoklassik, die zu jazzigen Rhythmen von Igor Strawinsky frech die Hüften kippt, und schließlich den russischen Klassizismus, der zu Tschaikowskys dritter Symphonie in einer prachtvollen Polonaise des Corps de ballet triumphiert. Abstrakt und doch voller sprechender Bilder ist „Jewels“ das erste abendfüllende Ballett überhaupt, das den Tanz zu seinem Thema macht: Die wunderbaren Tänzer des Mariinsky-Balletts zeigen den Weg des klassischen Tanzes von Paris über St. Petersburg nach New York.

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Die Ausstattung greift die Farben der teuren Schmucksteine auf, sowohl auf den  Hintergrundprospekten wie in den Kostümen, die mit Myriaden funkelnder Strasssteine besetzt sind. George Balanchine aber, der Georgier, der noch am Ballett des Zarenhofes tanzen lernte, der mit den Ballets Russes die Avantgarde nach Europa brachte und schließlich New York zum Zentrum der Ballettmoderne machte, er legte so viel mehr in die drei Teile als nur die Farben Grün, Rot und Weiß. „Jewels“ zeigt die großen Epochen der Ballettgeschichte, es verfolgt, lose angelehnt an Balanchines biografischen Weg, das Ballett von seinen Ursprüngen in der französischen Romantik über den russischen Klassizismus bis zur amerikanischen, jazzigen Moderne.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Im ersten Teil „Emeralds“ tragen die Tänzerinnen die langen Tuturöcke des romantischen Balletts, getanzt wird zu Musik von Gabriel Fauré, zu Ausschnitten aus seinen Schauspielmusiken „Pelléas et Mélisande“ und „Shylock“. Der fließende Stil und das rein weibliche Corps de ballet erinnern an die zarten, schwebenden Wesen des romantischen Balletts, gleichzeitig huldigt Balanchine der Eleganz der Franzosen. Die Bilder und die Jagdhörner in Faurés elegischer Musik evozieren verzauberte Wälder, Nymphen, einsame Prinzessinnen und ihre Kavaliere.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Frech kippt danach „Rubies“ die Hüften nach vorne, die Ballerina fällt in einen Cakewalk und ihr Partner liefert sich mit seinen Freunden eine flotte Jagd, selbstbewusst thront eine Amazone über den Männern. Ironisch, flott und sexy ist der rote Mittelteil mit seinem kantigen Charme und seiner Broadway- Sinnlichkeit eine Liebeserklärung an das jazzige Amerika. „Rubies“ enthält das modernste Bewegungsvokabular der drei Stücke, passend zu den starken, synkopierten Rhythmen von Igor Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester. Die Kleidung der Tänzer ist rot, die Tutus sind auf die Kürze von Miniröcken geschrumpft.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Im majestätischen „Diamonds“ schließlich lässt George Balanchine den Glanz  des imperialen St. Petersburger Balletts von Marius Petipa wiederauferstehen, wozu natürlich Musik von Peter Tschaikowsky gehört. Zu dessen Dritter Sinfonie, genannt „Die Polnische“, steht ein stolzes Solistenpaar im Mittelpunkt, das rein klassisch choreografierte Stück endet mit einer prächtigen Polonaise des gesamten Ensembles. Die Damen tragen die geschmückten Tellertutus, die man aus „Dornröschen“ oder „Schwanensee“ kennt, „Diamonds“ führt auch die russische Ensemble-Hiercharchie in Vollendung vor, mit der Primaballerina als Königin des Abends. Natürlich liebt man in St. Petersburg diesen letzten Teil besonders, beschließt doch die russische Klassik triumphierend den Abend. Balanchine choreografierte alle drei einzelnen Stücke in seinem bekannten neoklassischen Stil, variierte aber die Bewegungen in Details und näherte sich so der Romantik, der jazzigen Moderne und der akademischen Klassik. Prisma- Formationen oder Reihungen wie eine Edelsteinkette zeigen das Juwelen-Thema auch direkt in den Schrittfolgen. Der Dreiklang der Farben, vom sanften Schein der Smaragde über das dunkle Feuer der Rubine bis zum strahlenden Glanz der Diamanten, spiegelt sich in der Ballett-Geografie ihres Choreografen: „Emeralds“ steht für Paris, „Rubies“ für New York und „Diamonds“ für St. Petersburg. „Jewels“ entstand 1967 mitten im Kalten Krieg und symbolisierte mit seinen drei Kulturen und drei Ballettschulen auch eine Entente Cordiale, eine getanzte Völkerverständigung. Das Mariinsky-Ballett übernahm das Stück 1999, sehr früh nach der Öffnung seiner zuvor stark sowjetisch geprägten Ballettästhetik. Seitdem gehört der Balanchine-Klassiker fest zum Repertoire der St. Petersburger Kompanie.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

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Baden-Baden, Festspielhaus, Die vier Jahreszeiten – Ballett, IOCO Aktuell, 16.12.2018

Dezember 16, 2018 by  
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 Mariinsky Ballett in Baden-Baden –  Die vier Jahreszeiten

26. Dezember 2018

Mit einem ungewöhnlichen Programm aus moderner Ballettklassik überrascht das Mariinsky-Ballett am zweiten Weihnachtsfeiertag: auf dem Programm steht Die vier Jahreszeiten, ein Ballett auf die von Max Richter verdichtete Musik Antonio Vivaldis. Die beiden Vorstellungen der vier Jahreszeiten am 26. Dezember 2018, 14 und 19 Uhr, richten sich mit ihrer klaren Struktur, den schönen Bildern und der bekannten Musik auch an Balletteinsteiger, Erstbesucher oder Jugendliche.

Anton Pimonov und Ilya Zhivoi sind zwei der jungen Choreographen, die in der St. Petersburger Kompanie kontinuierlich gefördert werden; beide gingen aus den „Junge Choreographen“-Workshops hervor, die dort alljährlich dazu beitragen sollen, kreative Kräfte in den eigenen Reihen zu entdecken.

Festspielhaus Baden-Baden / Die vier Jahreszeiten - Ballett von Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Die vier Jahreszeiten – Ballett von Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Der junge Choreograph Ilya Zhivoi, ein geborener St. Petersburger und Halbsolist beim Mariinsky-Ballett, wählte Max Richters Bearbeitung von Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten, eine „Rekomposition“ der vier ikonischen, weltbekannten Violinkonzerte des Meisters der Barockmusik. Richter, in Hameln geboren und in England aufgewachsen, gilt inzwischen als Kult-Komponist des modernen Crossover zwischen Klassik, Elektronik und Minimal Music. Er schuf 2012 mit „Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons einen echten Tophit, der damals nicht nur zeitweilig zwischen Lady Gaga und Adele die Hitparade bei iTunes anführte, sondern seitdem auch bei internationalen Choreographen höchst begehrt ist. Die Bearbeitung spielt mit dem Tempo von Vivaldis Musik, legt manchmal subtile elektronische Klänge oder Loops der Minimal Music unter die bekannten Melodien, verbindet sozusagen analog mit digital. Vivaldis Original bleibt dabei aber immer erkennbar.

Ganz bewusst greift Ilya Zhivois Ballett die Struktur und Thematik der vier Konzerte auf, die ein frühes Beispiel für Programmmusik sind. Der Choreograph zeigt nicht nur die wechselnden Jahreszeiten, etwa mit grünen Hecken, einer lauen Sommernacht, Herbstfarben oder Eisbergen, sondern auch den Zyklus des Lebens und den Lebensweg eines Paares: das Erwachen der Liebe, den ersten Streit und das daraus erwachsende Vertrauen, die Hochzeit und den Lebensabend. Die Beziehung entwickelt sich in vier großen Pas de deux, die jeweils zum langsamen Mittelsatz eines Konzertes getanzt werden. Begleitet wird das zentrale Paar von vier weiteren Paaren, die zu Gefährten und Freunden oder auch zu choreographischen Spiegelbildern und Vervielfachungen der beiden Hauptpersonen werden. Zhivois choreographische Sprache ist klassisch, getanzt wird auf Spitze, aber nicht in den kompliziert-erhabenen Tricks und Verästelungen des rein akademischen Vokabulars, sondern in einem freieren, schwungvollen, der Neoklassik angenäherten Stil.

Antonio Vivaldi - Denkmal in Wien © IOCO

Antonio Vivaldi – hier sein Denkmal in Wien © IOCO

Vor den Vier Jahreszeiten steht Anton Pimonovs kurzes Ballett The cat on the tree, das trotz des fröhlichen Titels abstrakt ausfällt. Der Titel bezieht sich auf einen Song von Nico Muhly und Teitur Lassen. Der moderne amerikanische Komponist und der Sänger/Songwriter von den Faröer Inseln vertonten vor zehn Jahren die Kommentare, die Menschen unter Youtube-Filmen hinterlassen haben – dabei entstanden poetische oder auch skurrile Songs über alltägliche Situationen. Choreograph Anton Pimonov, der ebenfalls Tänzer beim Mariinsky war und heute als stellvertretender Ballettdirektor das Theater in Jekaterinburg leitet, wählte einige von ihnen aus und schuf in hellen Grautönen ein Stück für drei Paare. Dessen lichtblitzende Optik erinnert zwar an William Forsythes Dekonstruktionen, der Bewegungsduktus aber bleibt doch stärker beim klassischen Ballett und mischt es mit punktuellen modernen Anreicherungen auf. Auch hier werden innige Pas de deux getanzt, aber die Beziehungen sind, genau wie die Ästhetik, moderner. Das Programm bietet also gleichzeitig einen leicht zugänglichen Einstieg ins klassisch-moderne Ballett und einen Einblick in die Entwicklung der zeitgenössischen Ballettchoreographie Russlands.

Das Mariinsky Ballett zählt neben dem Bolschoi Ballett zum Besten, was der klassische russische Tanz zu bieten hat. Unter dem Namen Kirov entwickelte sich das einst kaiserliche Ballett St. Petersburgs zum kulturellen Exportartikel Nummer Eins der Sowjetunion. Tanz-Stars wie Rudolf Nurejew, Natalia Makarowa und Mikhail Baryshnikov gelangten durch die Compagnie zu Weltruhm und setzten ihre Karrieren dann als Stars in den USA und Westeuropa fort

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