Hellerau, Festspielhaus Hellerau, Porträtkonzert – Aribert Reimann, IOCO Kritik, 22.11.2019

Festspielhaus Hellerau © Samira Hiam Kabbara

Festspielhaus Hellerau © Samira Hiam Kabbara

Sächsische Staatskapelle Dresden
Festspielhaus Hellerau

Capell-Compositeur  Aribert Reimann  –  Portraitkonzert

 kapelle 21 – Robert Oberaigner – Aribert Reimann

von Thomas Thielemann

Der Berliner Komponist Aribert Reimann (geboren 1936) gehört mit seinem breitgefächerten Schaffen zu den produktivsten Komponisten der Gegenwart. In der  Saison 2019/20 ist Aribert Reimann der Capell-Compositeur der Staatskapelle Dresden. Inzwischen traditionell, wurde ihm im Festspielhaus Hellerau ein Porträtkonzert – Abend gewidmet.

Der Konzertabend wurde von der kapelle 21, einer Gruppe meist jüngerer Musiker der  Staatskapelle Dresden, gestaltet. Das von Robert Oberaigner gemeinsam mit dem Komponisten ausgewählte  Programm konzentrierte das „Nachschaffen Reimanns“ zum Schwerpunkt des Porträts.

Aribert Reimann / Capell-Compositeur der Staatskapelle Dresden © Markenfotografie

Aribert Reimann / Capell-Compositeur der Staatskapelle Dresden © Markenfotografie

In drei Blöcken waren Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Franz Schubert mit Kompositionen und Bearbeitungen unseres Zeitgenossen kombiniert. Am Beginn jeden Blockes spielten Instrumentalisten ein „Solo“ aus der Werkstatt Reimanns, so Stephan Pätzold  ein „Solo für Viola“, Norbert Anger ein „Solo für Violoncello“ und Céline Moinet ein „Solo für Oboe“ aus der Schaffenszeit zwischen 1981 bis 2001.

Mit einer Bearbeitung für Sopran und Streichquartett von acht Liedern und einem Fragment nach Gedichten von Heinrich Heine setzte sich 1996 Reimann mit dem Werk „   oder sollte es Tod bedeuten?“ von Mendelssohn Bartholdy auseinander. Die Sopranisten Carolina Ullrich vom Ensemble der Semperoper sicherte gemeinsam mit dem Streichquartett der kapelle 21 Robert Lis, Kay Mitscherling, Holger Grohs und Friedwart Christian Dittmann mit einer wunderbaren Darbietung die Aufmerksamkeit der Zuhörer im gut ausgebuchten Saal des Festspielhauses. Gleichsam als Gegenstück folgte das Mendelssohnsche Streichquartett  e-Moll op. 44/2.

Festspielhaus Hellerau / Portraitkonzert Aribert Reimann - hier :  Schellenberger und Anger © Markenfotografie

Festspielhaus Hellerau / Portraitkonzert Aribert Reimann – hier : Schellenberger und Anger © Markenfotografie

Mit einer interessanten Instrumentierung der „Fantasiestücke“ Robert Schumanns für Klarinette, Flöte, Harfe und zwei Bratschen von 2007 überraschten Robert Oberaigner, Rozália Szabó, Johanna Schellenberger, Michael Horwath und Marie-Annick Caron das Publikum. Sein besonderes Verhältnis zu Robert Schumann erläuterte Aribert Reimann mit sehr persönlichen Ausführungen, ergänzt mit Details seiner vorfahrlichen Beziehungen zu Robert Schumanns Endenicher Arzt Dr. Richarz, sowie der Erläuterung, wie er 2006 in den Besitz von Schumanns Krankenakte gekommen ist. Diesen bewegenden Ereignissen verdanken wir auch  ReimannsAdagio-zum Gedenken an Robert Schumann“ aus dem Jahre 2006, von der Streicherformation  Tibor Gyenge, Lukas Stepp, Michael Horwarth und Titus Maak berührend vorgetragen.

Reimanns subtile Näherung an Franz Schubert verdanken wir die „Nocturnos für Violoncello und Harfe“ und die „Metamorphosen über ein Menuett  von Franz Schubert (D 600) für zehn Instrumente“. Unter der musikalischen Leitung von Petr Popelka spielten Bernhard Kury (Flöte), Volker Hanemann (Oboe), Christian Dollfuß (Klarinette), Thomas Eberhardt (Fagott), Zoltán Mácsai (Horn), Michael Schmid, Emanuel Held (Violinen), Marie-Annick Caron (Viola), Titus Maack (Violoncello) und Martin Knauer (Kontrabass).

Festspielhaus Hellerau / kapelle 21 © Markenfotografie

Festspielhaus Hellerau / kapelle 21 © Markenfotografie

War die erste Probe Reimannscher Musik, der „neun Miniaturen nach Gedichten von Paul Casal“ im vierten Symphoniekonzert der Staatskapelle noch recht differenziert aufgenommen worden, so erwiesen sich die Verehrer Reimanns und die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle Dresden recht aufgeschlossen und

begeistert. Die Musiker der kapelle 21 stellten mit ihren Darbietungen unter Beweis, dass sie ansonsten Mitglieder eines des weltbesten Klangkörpers sind und professionell in allen Musikformen wirken können.

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