Münster, Theater Münster, BRD-Trilogie – Rainer Werner Fassbinder, IOCO Kritik, 12.10.2019

Oktober 12, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

BRD-Trilogie _  Schauspiel von Rainer Werner Fassbinder

– Geld frisst die Liebe auf –

von Hanns Butterhof

Die jüngere deutsche Vergangenheit vom Nachkrieg bis zum Wirtschaftswunder hat Rainer Werner Fassbinder, ein Großer des Neuen Deutschen Films, in drei seiner Filme grell beleuchtet. Seine BRD-Trilogie mit Die Ehe der Maria Braun (1978), Lola (1981) und Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982) hat das Theater Münster als vierstündiges Schauspiel auf die Bühne gestemmt, um darüber die deutsche Gegenwart besser zu verstehen.

Für das Stück hat Peter Scior einen abstrakten Einheitsraum um das Rund der Drehbühne geschaffen, die sich mit zwei weißen Schalen halb oder ganz umschließen lässt. Was sich dann in dessen Innenraum abspielt, wird per Direkt-Kamera auf die Außenwand übertragen, die als Leinwand auch für Filmzitate aller Art dient. Es wird viel und schön gesungen, live auf der Bühne begleitet von Dominik Hahn, Jürgen Knautz und Martin Speight.

Theater Münster / BRD Trilogie von Rainer Werner Fassbinder - hier :  Maria Braun wird Unternehmerin © Marion Bührle

Theater Münster / BRD Trilogie von Rainer Werner Fassbinder – hier : Maria Braun wird Unternehmerin © Marion Bührle

Die wesentlichen Szenen aus den Filmen finden meist auf dem schmalen Streifen vor der Drehbühne statt. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die Liebe und das Geld. Rose Lohmann entwickelt sich als Maria Braun überzeugend von der liebenden Braut ihres gefallen geglaubten Manns Hermann (Ilja Harjes) zur einer harten Geschäftsfrau, die ihre Liebe in sich verschließt. Ihren GI-Lover erschlägt sie, als Hermann überraschend zurückkehrt. Während er diese Tat auf sich nimmt und dafür ins Gefängnis geht, macht sich Maria für einen Unternehmer und sein Geschäft unentbehrlich. Bei seinem Tod erbt sie die Hälfte seines Besitzes. Als sie erfährt, dass Hermann die andere Hälfte erbt, weil er Maria vertraglich an den Unternehmer abgetreten hatte, erfährt sich die selbstbestimmte Maria als verkauftes Objekt männlicher Verfügung. Die Zeit der Trümmerfrauen-Power ist vorbei.

An dieser Zeit hat Ufa-Star Veronika Voss gar keinen Anteil. Carola von Seckendorff verleiht ihr in schwarzweiß-Optik und Silberkleid (Kostüme: Lili Wanner) eine anrührende Künstlichkeit. Die Enttäuschung über das Ende ihrer Karriere nach den Erfolgen im III. Reich betäubt sie mit Alkohol und Morphium und stirbt schließlich, von einer zynischen Ärztin ausgebeutet, filmreif an ein Hakenkreuz genagelt.

 Theater Münster / BRD-Trilogie von Rainer Werner Fassbinder - hier : Lola, die Bordell-Sängerin, wird zum Wirtschaftswunderkind © Marion Bührle

Theater Münster / BRD-Trilogie von Rainer Werner Fassbinder – hier : Lola, die Bordell-Sängerin, wird zum Wirtschaftswunderkind © Marion Bührle

Als erste der drei Frauen springt die Bordell-Sängerin Lola kopfüber in den Strudel der neuen Zeit des Wirtschaftswunders. Sandra Schreiber spielt sie mitreißend als pfiffige Göre, die nicht auf ihr Herz hört. Sie benützt die Liebe des Baudezernenten von Bohm (Ilja Harjes) bedenkenlos als Hebel, um ihn korrumpierbar zu machen und als seine Frau in die verkommenen „besseren Kreise“ aufzusteigen. Die Gier nach Geld hat das Herz völlig aufgefressen.

Regisseur Frank Behnke entfaltet viel technischen Aufwand, um den Textmengen Leben und dem Ensemble, das sich mit Elan in die vielen Rollen stürzt, Glaubwürdigkeit einzuhauchen. Viele Szenen haben den Charme von Comic-Zeichnungen mit Sprechblasen und werden bei mancher Länge den Eindruck nicht los, dass Film nachgespielt wird.

Das bessere Verständnis der deutschen Gegenwart hält sich nach dem langen Rückblick auf die frühe Bundesrepublik in Grenzen, doch sein nostalgischer Wert ist beträchtlich.

Nach vier Stunden viel Beifall für die dreizehn Schauspieler aller Rollen und die Band.

BRD-Trilogie am Theater Münster; die nächsten Termine: 17., 19. und 22., jeweils um 19.00 Uhr, am 20. um 18.00 und am 27. um 15.00 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Ulm, Theater Ulm, 7. Kammerkonzert – Ernest Chausson und Gabriel Fauré , 31.03.2019

März 27, 2019 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Rollenspiele«: Kammerkonzert zu zwei innovativen Komponisten

Am Sonntag, 31. März 2019, ab 19.30 Uhr laden Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm im Foyer des Theaters Ulm herzlich ein zum 7. Kammerkonzert. Thematische Klammer des Abends sind »Rollenspiele«.

Auf dem Programm stehen Werke von Ernest Chausson und Gabriel Fauré.

Kein Virtuosenkonzert, sondern großangelegte Kammermusik mit wechselnden Rollen kennzeichnen Ernest Chaussons »Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett«, D-Dur, op. 21: Mal als Duo Violine-Klavier, dann Klavierquintett, auch als Ripieno Orchester und opernhafter Chor fungiert das Streichquartett. Keine der Stimmen ist auf eine bestimmte Rolle festgelegt.

Ergänzt wird das Programm durch Faurés »Klavierquintett«, op. 89, das von verinnerlichter Melancholie geprägt ist. Gabriel Fauré ist eine einzigartige Erscheinung in der französischen Musikgeschichte: Obwohl er zu den erlauchten Zirkeln der Pariser Komponisten-Elite gehört, Tendenzen seiner Epoche mit aufgreift und auch vorantreibt, gehört er keiner Gruppe an, vertritt keine Schule. Verinnerlichung, Emotion, Intimität, Leichtigkeit und Eleganz spielen in seiner Musik eine große Rolle, aber auch Innovation und die Überwindung von Regeln und Mustern.

Es musizieren Tamás Füzesi (Solo-Violine), Giovanni Piana (Klavier), Chiao-Yin Chang (Violine), Constantin Micu (Violine), Maria Braun (Viola) und Stephanie De Secondi (Violoncello).

—| Pressemeldung Theater Ulm |—

Ulm, Theater Ulm, 10. Kammerkonzert am 1.07.2018

Juni 26, 2018 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

10. Kammerkonzert am 1. Juli

Am Sonntag, den 1. Juli präsentiert das „Miriam Streichtrio“ – Lieske Deij (Violine), Maria Braun (Viola) und Anne Schumacher (Violoncello) – im Foyer des Theaters Ulm Werke von Hans Krása, Sofia Asgatowna Gubaidulina und Wolfgang Amadeus Mozart. Das 10. Kammerkonzert dieser Spielzeiz beginnt um 19.30 Uhr.

Eine perfekte Streicherfamilie muss nicht immer 4-köpfig sein. Das Streichtrio ist kein reduziertes Streichquartett, sondern eine faszinierend eigenständige Gattung. Zudem ist die Zahl Drei eine magische Zahl. Und magisch sind die Klangwelten Hans Krásas und Sofia Gubaidulinas zweifellos – nicht weniger als jene von Wolfgang Amadeus Mozart.

—| Pressemeldung Theater Ulm |—

Leipzig, Oper Leipzig, 9. KAMMERKONZERT, 29.06.2014

Juni 27, 2014 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

Mendelssohn Bartholdy, Mahler und Fauré kammermusikalisch

Das 9. KAMMERKONZERT mit drei Klavierquartetten im Theaterfoyer

Auf dem Programm des 9. KAMMERKONZERTs am Sonntag, dem 29. Juni 2014, um 11 Uhr im Foyer stehen drei Klavierquartette – von Felix Mendelssohn Bartholdy das KLAVIERQUARTETT, C-MOLL, OP. 1, von Gustav Mahler ein KLAVIERQUARTETT-SATZ, A-MOLL sowie von Gabriel Fauré das KLAVIERQUARTETT, C-MOLL, OP. 15. Es spielen Nils Arne Schneider (Violine), Maria Braun (Viola), Stephanie de Secondi a.G. (Violoncello) und Fedele Antonicelli a.G. (Klavier).

Es sind klingende Versprechen von Teenagern: In dem KLAVIERQUARTETT OP. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy und dem frühen KLAVIERQUARTETT-SATZ von Gustav Mahler, 12- bzw. 16-jährig komponiert, kündigen sich schon Vorformulierungen ihrer großen Kompositionen an. Mendelssohn Bartholdy, früh gefördert und zur Reife gelangt, bildet mit Robert Schumann und Johannes Brahms die Wurzeln für Gustav Mahlers und Gabriel Faurés Werke. Fauré strebte mit seinem KLAVIERQUARTETT OP. 15 nach einem französischen Profil im Kammermusikschaffen. Tänzerisch, atemlos und dennoch luftig, mit dorischen Anklängen, kündigt sich der Impressionismus an.

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

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