Koblenz, Theater Koblenz, Faust – Oper von Louis Spohr, IOCO Kritik, 29.01.2019

Januar 29, 2019 by  
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Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

FAUST  –  Romantische Oper von Louis Spohr

– Röschen gibt sich Faust hin – Kunigunde wartet auf ihre Rettung –

von Ingo Hamacher

Mit großer Liebe und Aufmerksamkeit für das kleinste Detail hat das Theater Koblenz einen wunderschönen FAUST des eher unbekannten Komponisten Louis Spohr auf die Bühne gebracht und damit ein äußerst lobenswertes Ergebnis erzielt.

Der 1784 geborene Louis Spohr zählte zu den bedeutendsten deutschen Komponisten und gefragtesten Geigenvirtuosen seiner Zeit. Nach seinem Tod 1859 geriet er rasch in Vergessenheit. Bekannt ist Spohr nur noch für sein Nonett für Streicher und Bläser op. 31 – das zum Standartrepertoire gehört. Seine zahlreichen weiteren Kompositionen hingegen, darunter 18 Violinkonzerte, zehn Sinfonien und zehn Opern, werden nur noch selten aufgeführt.

Als Spohr seinen Faust komponierte, war Goethes Faust I zwar schon erschienen, jedoch orientierte sich sein Librettist nicht an diesem Text, sondern an den sehr viel älteren Volkserzählungen zu diesem Stoff, so dass wir einen so ganz anderen Faust erleben, als wir ihn durch Goethe vor Augen haben. Kein alter Mann; kein ungelebtes Leben; kein Weisheitsstreben. Faust hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, und scheint selbst nicht zu wissen wozu. Sinnenlust und Völlerei, die Mephistopheles ihm anbietet, befriedigt ihn jedenfalls nicht.

Es scheint eher die von Mephisto ausgesprochene Kränkung als „Erdenwurm“ zu sein, die ihm die Richtung seines zukünftigen Handelns vorgibt: „Es soll mir Wonne schaffen, Euch zu schlagen mit den Waffen, die mir bietet Eure Macht!

Mit diesen Worten zieht er in einen Kampf gegen den Teufel, den er natürlich am Ende nur verlieren kann. Faust will der Hölle ein Schnippchen schlagen, in dem er die diabolische Macht seines federhütigen Dieners dazu einsetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken und Mephisto damit eine lange Nase zu drehen. Und zu erledigen hat er eine Menge: Da müssen die Armen beschenkt werden. Da ist noch Röschen zu trösten, die sich nach dem Tod ihrer Mutter ganz Faust hingegeben hat. (Später erfahren wir, dass Faust am Tod der Mutter nicht ganz unschuldig ist.) Und schließlich harrt da auch noch die von einem Ritter namens Gulf geraubte Kunigunde der Rettung, die befreit und ihrem versprochenen Hugo zugeführt werden muss.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Hana Lee als Kunigunde, Nico Wouterse als Mephisto, Christoph Plessers als Faus © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Hana Lee als Kunigunde, Nico Wouterse als Mephisto, Christoph Plessers als Faus © Matthias Baus / Theater Koblenz

Wie in romantischen Singspielen üblich, wird aber erst einmal gesellig Platz genommen und ein herziges Trinklied gesungen: „Der Wein erfreut des Menschen Herz“. Das kennt man aus dem Wunschkonzert… Als weitere Komplikation kommt der Goldschmied Franz dazu, der ebenfalls ein Auge auf Röschen geworfen und Fausts durchtriebenes Spiel durchschaut hat: Mit seinen Getreuen stürzt er heran, um Röschen zu befreien.

Faust hat inzwischen seinen eigentlichen Lebenszweck gefunden: Die Liebe und die Ehe mit Röschen! Dumm nur, dass ihm sein Teufelspakt jede Ehe verbietet. „Zerissen sei der schnöde Bund!“, mit diesen Worten löst er die mit Mephisto getroffene Vereinbarung auf, was dieser überraschenderweise auch sofort anzunehmen bereit ist.

Nur hat Faust eben jetzt auch keinerlei übernatürliche Macht mehr, und draußen tobt das Volk heran, den Muttermörder zur Verantwortung zu ziehen. Der Pakt wird also schnell erneuert: „Ich schwör‘ es bei der Hölle ew‘gen Qualen“, und so gelingt die Flucht durch den Schornstein. („Lichter, verlöscht! Mantel, breite dich aus! Haltet euch fest! Oben fahren wir ’naus!“) Die in Gulfs Burg gefangene Kunigunde beweint ihr Schicksal, kann jedoch aus der Gewissheit ihrer treuen Liebe zu Hugo neue Kraft schöpfen.

Den nahenden Gulf, der ihr Freiheit gegen Liebe bietet, weist sie standhaft zurück. Doch Hugo ist nicht fern! Mit seinen Mannen liedertafelt er sich mit „Die Rettung naht, die Rache wacht!“ schon mal in Stimmung. In Begleitung von Faust, der sich seiner Zauberkräfte bedient, gelingt es ihm, Gulf zu überwinden und ihn den Teufeln der Hölle auszuliefern. Kunigunde ist gerettet und erlebt „namenloses Glück“. Fidelio hatte 8 Jahre vorher bei seiner Befreiung noch „namenlose Freude“ empfunden.

Zweiter Akt

Auf dem Blocksberg tanzen die Hexen. Mephisto führt Faust zur Hexe Sycorax, die ihn mit einem Zaubertrank versorgt, der ihn bei den Frauen unwiderstehlich macht. Faust hat einen erneuten Sinneswandel durchlaufen und schreckt vor nichts zurück, um Kunigunde für sich zu gewinnen. Auf Kunigundes Hochzeit mit Hugo treffen alle wieder aufeinander. Röschen, von Franz begleitet, begegnet auf der Suche nach Faust ihre alten Nachbarn.

Gemeinsam sehen sie den Trauungszug von Hugo und Kunigunde, der auch von Faust beobachtet wird. Beim Zusammentreffen schwankt Faust kurz zwischen beiden Geliebten; entscheidet sich dann jedoch für die gerade erst vermählte Kunigunde, die sich dann aufgrund Fausts Zaubertrank auch sofort willenlos in ihn verliebt. Röschen ist schockiert. Hugo fordert zum Duell, dass er natürlich gegen den mit teuflischer Macht ausgestatteten Faust tödlich verliert.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Christoph Plessers, Sieglinde Karges_Eva Krumme, Nico Wouterse, Ulrike Scholz, Christiane Thomas © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Christoph Plessers, Sieglinde Karges_Eva Krumme, Nico Wouterse, Ulrike Scholz, Christiane Thomas © Matthias Baus / Theater Koblenz

Dritter Akt

Mephistopheles, dem Erdenleben überdrüssig, sehnt sich in die Hölle zurück, in die er Faust als Beute mitnehmen will. Dank der Kraft der Hexen ist es Faust gelungen, die Braut des erschlagenen Hugos in der Hochzeitsnacht in sein Bett zu bekommen. Statt Liebesglück musste er jedoch Albtraum-artige Höllenqualen erleiden. Erneut will er den Teufelspakt durchbrechen; Röschen als reines Opfer scheint ihm da als Mittel gerade Recht, für seine Taten einzustehen.

Die vom Liebesbann befreite Kunigunde schwört Rache! Verzweifelt geht Röschen ins Wasser. Sich vor den Konsequenzen seines Handelns fürchtend verweist Faust auf seine guten Taten; wird jedoch vom Teufel an seine „Morde, Gräu‘l und Freveltaten“ erinnert.

Dem Chor der Geister gehören die letzten Worte:

„Die Zeit ist verronnen, dein Maß ist voll!
Der Hölle bezahlst du den Sündenzoll!
Im sausenden Reigen, wirbelnd voran,
Schaffen wir Bahn.
Hölle, frohlocke, wir nahen, wir nah‘n!“

Musikalisch ist die Oper oft triviales Singspiel, klingt jedoch über weite Strecken auch nach Mozart. So hören wir einerseits starke Anklänge an den Steinernen Gast des Don Giovanni, als auch sehr viel Zauberflöte. Nicht nur im Libretto, sondern auch in der Musik begegnet uns manches wieder, was uns an den 14 Jahre älteren Beethoven erinnert. Trotzdem ist die Oper musikalisch interessant, weil Spohr hier bereits ausgeklügelte Leitmotivtechniken, die von Richard Wagner dann weiter verfeinert wurden, verwendet.

Eine rasche Sechzehntelfigur z.B. charakterisiert Faust, sein unstetes, vorwärts strebendes Wesen. Das „Höllenmotiv“ wird gekennzeichnet durch die chromatische Umspielung des Molldreiklanges.

Spohr geht im Faust über die schlichte Verwendung und Wiederkehr von thematischem Material hinaus und leuchtet Motive in unterschiedlichen harmonischen Zusammenhängen aus. Die Uraufführung wurde denn auch von niemand geringerem als Carl Maria von Weber geleitet, der sich später in seinem Freischütz ausdrücklich auf die dramatischen Passagen der Oper Faust von Spohr beruft. Lobend schreibt er zur Prager Uraufführung 1816: „Glücklich und richtig berechnet gehen einige Melodien wie leise Fäden durch das Ganze und halten es geistig zusammen.“

Über ein halbes Jahrhundert konnte sich Faust auf der Bühne behaupten, verschwand jedoch danach rasch aus dem Repertoire. Dennoch bleibt das Werk ein Meilenstein in der Geschichte des Musiktheaters und gilt, neben E.T.A. Hoffmanns Undine und Carl Maria von Webers Freischütz, als erste deutsche romantische Oper.

Die Koblenzer Inszenierung nimmt  mit

Inszenierung und Bühne: Michiel Dijkema, Kostüme: Alexandra Pitz, Dramaturgie: Rüdiger Schillig

Sie beschränkt sich darauf, eine schöne Inszenierung zu zeigen, wie sie auch vor fast 200 Jahren hätte aussehen können. Vor nachtschwarzem Rundhorizont mit angedeuteten Wolken wird auf leerer Einheitsbühne mit nur wenigen Möbeln und Gegenständen der jeweilige Handlungsort der häufig wechselnden Szenen angedeutet. In erfrischender Schlichtheit wird das Stück zur Diskussion gestellt; die wunderschönen Kostüme bilden das mittelalterliche Handlungsgeschehen entsprechend ab.

Die bonbonfarbenen Gewänder unterstreichen das Märchenhafte der Handlung: Faust ist von Kopf bis Fuß rot, Mephisto grün. Röschen hell- und Franz dunkelblau. Kunigunde gelb (zur Hochzeit weis wie Hugo), Gulf schwarz und die Hexen lila (mit jeweils 12 Brüsten). Und ein über 40 Köpfe zählender Chor trägt dunkle Gewänder und schreckerregende Teufelsmasken.

Da es sich um eine deutschsprachige Oper handelt, wurde auf eine Übertitelung des Textes verzichtet. Die Sänger orientierten sich jedoch leider eher an der Melodielinie als an der Artikulation, so dass der Text über weite Passagen nicht zu verstehen war. Glücklicherweise wurde im Programmheft das vollständige Libretto abgedruckt, so dass man sich wenigstens im Nachgang einzelne Handlungszusammenhänge erschließen kann.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Sebastian Haake, Peter Rembold, Christoph Plessers, Marco Kilian, Junho Lee © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Sebastian Haake, Peter Rembold, Christoph Plessers, Marco Kilian, Junho Lee © Matthias Baus / Theater Koblenz

Von Daniel Spogis, der die musikalische Leitung des Abends hatte, hätte man sich etwas mehr Mut zur Interpretation des Stückes gewünscht. Ohne erkennbare Leidenschaft arbeitet er sich taktschlagend durch die Partitur. Eher nicht geglückt waren die Umbaupausen zu den häufigen Szenenwechseln innerhalb der einzelnen Akten.

Da die verschiedenen Handlungsorte der dreizehn verschiedenen Bilder nur durch zwei bis drei Gegenstände angedeutet wurden, hätte man besser fliegende Umbauten bei offenem Vorhang vorgenommen, als jedes Mal den Vorhang zu senken, das Saallicht einzuschalten, nach 30 sekündigen Umbauten das Saallicht wieder zu löschen, die Musik nach Freigabe durch den Inspizienten erneut zu beginnen und den Vorhang wieder aufzuziehen. In dem doch etwas handlungsarmen und manchmal auch etwas blutleeren Stück entstanden dadurch weitere Längen, die vermeidbar gewesen wären.

Gesanglich überzeugten alle Sänger, wobei die beiden Soprane Hana Lee und Anna Karmasin die stärksten Stimmen des Abends waren. Die männlichen Hauptrollen, Mephistopheles und Faust, waren etwas ungleich besetzt, da Christoph Plessers als Faust nicht ganz an Kraft und Stimmstärke seines niederländischen Kollegen Nico Wouterse als Mephitopheles heran reichte.

Insgesamt ist dem Theater Koblenz mit FAUST vom Louis Spohr ein sehr interessanter und gelungener Abend geglückt, der mit entsprechend großem Beifall gewürdigt wurde. Ovationen für die Hauptpartien und das Produktionsteam.

Vollständige Besetzung: Mephistopheles: Nico Wouterse, niederländischer Bassbariton, sei 2016 festes Ensemblemitglied, Faust: Christoph Plessers, belgischer Bariton, Graf Hugo: Tobias Haaks, Tenor und neues Ensemblemitglied, Kunigunde: Hana Lee, koreanischer Sopran, seit 2009 in Kolenz, Röschen: Anna Karmasin, Sopran aus München und Gast für diese Produktion, Gulf: Jongmin Lim, koreanischer Bass, ebenfalls seit 2009 im Haus, Franz: Junho Lee, koreanischer Tenor, seit 2012 Ensemblemitglied, Wohlhaldt: Sebastian Haake, der aus Karlsruhe stammende Tenor ist häufiger Gast in Koblenz Wagner: Dirk Eicher ist seit 2002 am Theater Koblenz als erster Chortenor engagiert Moor: Marco Kilian, seit 1992 erster Chorbass mit Soloverpflichtung, Kaylinger: Peter Rembold, Bariton im Opernchor des Theaters Koblenz, Sycorax: Christiane Thomas, seit 2002 Sopran im Opernchor, Drei Hexen: Eva Krumme, Sieglinde Karges, Ulrike Scholz, Ein Knappe Hugos: Samuel Kremer

Faust von Louis Spohr am Theater Koblenz; die weiteren Vorstellungen 26.1.; 31.1.; 4.2.; 6.2.; 13.2.; 17.2.; 19.3.2019

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Koblenz, Theater Koblenz, Noch beste Plätze für DIE FLEDERMAUS, 09.01.2014

Januar 6, 2014 by  
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Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die weltbekannte Operette DIE FLEDERMAUS

Am Donnerstag, den 09. Januar 2014 im Theater Koblenz

DIE FLEDERMAUS  von Johann Strauss
 
Musikalische Leitung: Enrico Delamboye
Inszenierung: Cordula Däuper
Choreografie: Steffen Fuchs
Bühnenbild: Ralph Zeger
Kostüme: Sophie du Vinage
Dramaturgie: Mark Schachtsiek
 
Mit: Christine Buhne, Sieglinde Coudert, Hana Lee/Alexandra Scherrmann, Irina Marinas, Monica Mascus/Haruna Yamazaki, Takako Masuda, Michèle Silvestrini, Michael Hamlett, Michael Heim/Michael Mrosek, Juraj Holly, Marco Kilian, Junho Lee, Jona Mues, Christoph Plessers, Reinhard Riecke, Johannes Wollrab
 
Opernchor, Ballettensemble, Statisterie
Staatsorchester Rheinische Philharmonie
 
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Koblenz, Theater Koblenz, Rigoletto – Liebe, Lust auf dem Karussell, IOCO Kritik, 27.04.2013

April 29, 2013 by  
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Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ José Manuel Sánchez, Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ José Manuel Sánchez, Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Liebe und Lust auf dem Karussell

Premiere  Rigoletto  im Theater Koblenz

Die Geschichte der Oper, die zunächst La Maledizion (Der Fluch) heißen sollte, handelt von dem Hofnarren Rigoletto und seiner von ihm vergötterten Tochter Gilda, die er verzweifelt vor den Nachstellungen seines Dienstherrn, des leichtlebigen Herzogs von Mantua, zu schützen sucht.

Während Gilda dem Liebeswerben des Herzogs naiven Glauben schenkt, geht es diesem nur um ständig neue erotische Beziehungen, mit denen er sich in seiner berühmten Arie Questa o quella.. brüstet. In dem Versuch seine Tochter zu retten, scheitert Rigoletto, da Gilda ihr Herz an den zügellosen Herzog verliert und sich am Ende der Oper sogar für ihn töten lässt. Damit erfüllt sich der schreckliche Fluch des Grafen Monterone, den Rigoletto einst vor der ganzen Hofgesellschaft verspottet hat. So muss der Vater, seine sterbende Tochter in den Armen, erkennen, dass er selber für ihren Tod verantwortlich ist.

Rigoletto“, „Il Trovatore“, und „La Traviata“ nannte man die „Erfolgstrias“ aus den Jahren 1851 – 53, die den Weltruhm des Komponisten Giuseppe Verdi  begründete.

Theater Koblenz / Rigoletto / Tae-Oun Chung, Michael Mrosek, José Manuel Sánchez, Junho Lee, Herrenchor © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Tae-Oun Chung, Michael Mrosek, José Manuel Sánchez, Junho Lee, Herrenchor © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Bei der Premiere in Koblenz am 27.April 2013 ging`s rund. Alle drei Akte der bekannten Geschichte um Leidenschaft, Betrug und Rache, spielten auf einem sich drehenden Zirkuskarussell, welches im Laufe des Abends mit unterschiedlichen Figuren neu bestückt wurde. Eine Kulisse für den ewigen Konflikt zwischen Verdorbenheit und Unschuld.

Bei den Gewändern der Protagonisten und dem Hofgefolge ließ die Kostümbildnerin ihrer Fantasie freien Lauf. Freitzeitgarderobe und Fantasiekostüme wurden teils durch mittelalterlichen Requisiten ergänzt. Konzeption und Inszenierung lagen in den Händen von Gabriele Wiesmüller, das Bühnenbild gestaltete Kathrine von Hellermann und die Kostüme Yvette Schuster.

Das Theater Koblenz präsentierte sich mit einem bemerkenswert gut besetzten Sänger-Ensemble mit schönen und tragfähigen Stimmen, bis hin zu den kleineren Rollen.

Theater Koblenz / Rigoletto/ Michael Mrosek © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ Michael Mrosek © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Titelpartie sang Michael Mrosek. Trotz angekündigter, leichter Indisposition, glänzte er an diesem Abend mit wütenden Ausbrüchen, verzweifelter Klage, und allem, was einem Rigoletto ein unverwechselbares Profil gibt. Er imponierte mit seinem hellen, metallischen Bariton, einer kompakten Höhe, leidenschaftlicher Hingabe und nuancenreichem Spiel.

Theater Koblenz / Rigoletto / José Manuel Sánchez © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / José Manuel Sánchez © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Herausragend José Manuel Sánchez, der mit Leichtigkeit in der Stimmführung und mühelos strahlender Höhe sein Rollendebut als Herzog von Mantua gab.  Er verkörperte in Figur und Darstellung perfekt die Rolle des Verführers und unterstrich dies mit seinem schön timbrierten, elastischen Belcanto. Absolut souverän waren seine zärtlich-intimen Töne im großen Duett (E Il Sol Dell’anima..“) mit Gaseul Son als Gilda und in der Arie (Parmi veder le lagrime..“ ) im zweiten Akt. Sein schöner Tenor mit hellem Strahlglanz, sicherte ihm die Begeisterung des Koblenzer Publikums. Ein Auftakt für eine große Karriere.

Eine stimmlich und musikalisch gleichermaßen beglückende Glanzleistung bot Gaseul Son als Gilda. Bei ihr vereinigten sich mädchenhafte Ausstrahlung, mit einer tragenden Stimme, einer müheloser Höhe und guten Koloraturen.

Ks. Hans-Otto Weiß gab dem Monterone ein markantes Profil. Sein Fluch, vorzüglich mit profunden Basstönen gesungen, war eindrucksvoll und überzeugend.

Jongmin Lim gab der Partie des Sparafucile mit seinem mächtigen Bass beeindruckende Intensität. Seine sängerisch-darstellerische Ausdrucksskala enthielt Leidenschaft und kompromisslose dämonische Tiefe. Bemerkenswert auch Monica Mascus als verführerische Maddalena.

Die Comprimari, Christoph Plessers (Marullo), Junho Lee (Borsa), Tae-Oun Chung(Graf von Ceprano), Haruna Yamazaki (Gräfin von Ceprano), Marco Kilian (Schließer), Malwina Makala (Page der Herzogin), konnten ihre sängerischen Möglichkeiten gut entfalten und unterstrichen das gute künstlerische Niveau des Theater Koblenz.

Leslie Suganandarajah am Pult des Staatsorchesters der Rheinischen Philharmonie lieferte eine solide Leistung. Seine Interpretation war einfühlsam und musikalisch präzise. Er war für die Sänger stets eine gute Stütze, ließ Ihnen viel Raum und begleitete sie mit viel Umsicht.  Ein besonders großes Lob gebührt dem von Bernhard Ott sorgsam einstudierten, stimmkräftigen und musikalisch perfekt singenden Chor (mit Zusatzchor).

Dieser neue Rigoletto bringt dem Theater Koblenz einen großen Publikumserfolg. Für Sänger und Orchester gab es entsprechend großen Beifall und viele Bravi.

Kommende Vorstellungen: 29.04.2013 | 08.05.2013 | 11.05.2013 | 13.05.2013 | 16.05.2013  |  26.05.2013 | 04.06.2013 | 14.06.2013 | 23.06.2013,

IOCO / KK / 27.04.2013

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