München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Vorstellungen bis 5. Juli – für kleines Publikum, 22.06.2020


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

  Aktueller  Spielplan – Vorstellungen bis 5. Juli 2020

Das Staatstheater am Gärtnerplatz spielt seit dem 15. Juni 2020 täglich mehrere Vorstellungen, um die große Nachfrage nach Eintrittskarten befriedigen zu können. Aufgrund des Erfolges wird das Programm um eine Woche verlängert. Ein umfassendes Hygienekonzept sorgt dabei weiterhin für größtmögliche Sicherheit des Publikums.

Vom 30. Juni bis 5. Juli 2020 werden jeweils maximal 75 Besucher letztmalig die Möglichkeit haben, die Perspektive zu wechseln und mit Sitzplätzen auf der Bühne und wunderschönem Blick in den Zuschauersaal einstündige Konzert-Programme aus den Bereichen Oper, Operette und Musical zu erleben.

»Dein ist mein ganzes Herz«, »Lippen schweigen« oder »Gern hab’ ich die Frau’n geküsst« ? Franz Lehárs Melodien gingen und gehen um die Welt. Zum 150. Geburtstag des Komponisten präsentiert das Gärtnerplatztheater unter dem Titel »Freunde, das Leben ist lebenswert« einen Operettenabend rund um den Jubilar: Unter der Musikalischen Leitung von Andreas Kowalewitz erklingen Arien und Ensembles aus den bekanntesten Werken Lehárs, wie »Das Land des Lächelns«, »Paganini«, »Der Zarewitsch« und natürlich »Die lustige Witwe«, sowie einige Raritäten, die es erlauben, sich in die damalige Zeit zu versetzen – und wie Lehár in seiner letzten Operette »Giuditta« zu verkünden: »Freunde, das Leben ist lebenswert!«

Unter dem Titel »Mein Sehnen, mein Wähnen« präsentieren die Solistinnen und Solisten sowie das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter der Leitung von Chefdirigent Anthony Bramall ein etwa einstündiges Konzertprogramm mit den berühmtesten Melodien des Opernrepertoires. Die Zuschauer dürfen sich auf Violetta Valéry und Alfredo Germont, auf Figaro, auf Don Giovanni und Zerlina, auf Linda di Chamounix, auf Don Magnifico und Dandini, auf Rigoletto und Gilda, auf Don Basilio, auf Sarastro und seine Priester, auf Musetta und noch etliche mehr freuen – von Meistern ihres Faches wie Mozart, Rossini oder Verdi zu funkensprühendem musikalischen Leben erweckt.

Das einstündige Galakonzert »Being Alive!« bietet einen bunten Querschnitt durch die Vielfalt des Musicals mit Highlights von »Show Boat«, »The Wizard of Oz« und »Carousel« über
»Annie Get Your Gun«, »West Side Story«, »Hello, Dolly!« und »Company« bis hin zu »Der kleine Horrorladen«, »Jekyll & Hyde«, »Mozart!«, »Avenue Q«, »The Book of Mormon« und noch manchem mehr.

Am 5. Juli präsentieren Musikerinnen und Musiker des Staatstheaters am Gärtnerplatz ein Kammerkonzert mit dem Titel »Durch alle Register«. Bassist Christoph Seidl gibt bei seinem Liederabend am selben Tag Franz Schuberts »Die schöne Müllerin« zum Besten.

Für die letzten drei Wochen der Spielzeit 2019/2020 hat das Gärtnerplatztheater ebenfalls einen neuen Spielplan erarbeitet, der in Kürze veröffentlicht wird. Ab dem 7. Juli werden die Vorstellungen wieder mit der gewohnten Perspektive stattfinden, die aktuell maximal 100 Zuschauer nehmen mit entsprechenden Sicherheitsabständen im Theatersaal Platz.

Detaillierte Informationen zum Spielplan und Preisen sind auf der Website des Gärtnerplatztheaters unter www.gaertnerplatztheater.de zu finden.
Vorverkaufsstart für alle Vorstellungen vom 30. Juni bis 5. Juli 2020 ist der 23. Juni um 10 Uhr. Tickets sind erhältlich unter Tel 089 2185 1960 oder www.gaertnerplatztheater.de.

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Zürich, Opernhaus Zürich, Musik-Festival mit internationalen Künstlern, 04.07. – 12.07.2020

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Finale   Das grosse Musik-Festival zum Abschluss der Saison 2019/20

Erleben Sie endlich wieder Musik live! Nach der Corona-bedingten Schliessung des Opernhauses in den letzten Monaten öffnen wir unsere Türen am Sechseläutenplatz wieder für Sie. Mit der Unterstützung unserer Partner Credit Suisse und UBS veranstalten wir von Samstag, 4. Juli bis Sonntag, 12. Juli das Festival Finale. Noch vor der Sommerpause werden internationale Künstlerpersönlichkeiten auf der Opernbühne die wieder gewonnene Freiheit feiern. Mit vier Liederabenden und fünf Konzerten laden wir Sie bei stark vergünstigten Eintrittspreisen täglich dazu ein, Musik gemeinsam live zu erleben.

Alle Tickets zum Einheitspreis von CHF 50 / CHF 35 können ausschliesslich online unter www.opernhaus.ch oder telefonisch unter +41 44 268 66 66 erworben werden. Aufgrund der reduzierten Platzkapazität durch die Corona-Schutzmassnahmen, ist die Ticketanzahl auf maximal 2 Karten pro Person begrenzt. Für jede Veranstaltung gibt es einen gesonderten Vorverkaufsstart.


Festival-Programm


Samstag 4. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Montag 15. Juni)
Philharmonisches Konzert unter der Leitung von Fabio Luisi 
Programm:
«Metamorphosen» für 23 Solo-Streicher, Es-Dur von Richard Strauss
«Verklärte Nacht», op.4, Fassung für Streichorchester von Arnold Schönberg


Sonntag 5. Juli 2020, 11.15 Uhr
(Vorverkaufsstart: Montag 15. Juni)
Philharmonisches Konzert unter der Leitung von Fabio Luisi 
Programm:
«Metamorphosen» für 23 Solo-Streicher, Es-Dur von Richard Strauss
«Verklärte Nacht», op.4, Fassung für Streichorchester von Arnold Schönberg


Montag 6. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Dienstag 16. Juni)
Liederabend mit Sabine Devieilhe & Benjamin Bernheim 
Carrie-Ann Matheson, Klavier
Programm:
Lieder, Arien und Duetten von Gaetano Donizetti, Jules Massenet, Henri Duparc, Léo Delibes, Jacques Of-fenbach u.a.


Dienstag 7. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Mittwoch 17. Juni)
Liederabend mit Thomas Hampson
Wolfram Rieger, Klavier
Programm:
Lieder von Gustav Mahler (zu seinem 160. Geburtstag), Aaron Copland, John Corigliano, Stephen Foster, Henry Burleigh, Michael Daugherty, Jennifer Higdon u.a.


Mittwoch 8. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Donnerstag 18. Juni)
Liederabend mit Diana Damrau
Xavier de Maistre, Harfe
Programm:
Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Sergei Rachmaninow, Franz Liszt, Reynaldo Hahn, Maurice Ravel, Henriette Renié, Francis Poulenc


Donnerstag 9. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Konzert mit Julie Fuchs und dem Orchestra La Scintilla
Riccardo Minasi, Violine und musikalische Leitung
Programm:
Arien, Ouvertüren und Konzerte von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel


Freitag 10. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Liederabend mit Javier Camarena 
Enrico Maria Cacciari, Klavier
Programm:
Arien von Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini, Giuseppe Verdi, Edouard Lalo


Samstag 11. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Operettengala mit Camilla Nylund und Piotr Becza?a
Philharmonia Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi
Programm:
Arien, Duette und Ouvertüren aus «Die lustige Witwe» und «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár, «Die Fledermaus» von Johann Strauss oder «Gräfin Mariza» von Emmerich Kálmán


Sonntag 12. Juli 2020, 18 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Operettengala mit Camilla Nylund und Piotr Becza?a
Philharmonia Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi
Programm:
Arien, Duette und Ouvertüren aus «Die lustige Witwe» und «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár, «Die Fledermaus» von Johann Strauss oder «Gräfin Mariza» von Emmerich Kálmán

—| Pressemeldung Oper Zürich |—

Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Sonderfahrplan Juni – Juli 2020

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Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

STAATSTHEATER KARLSRUHE stellt „Sonderfahrplan“ vor  70 Veranstaltungen für Publikum bis 25. Juli

Mit einem „Sonderfahrplan“ meldet sich das STAATSTHEATER bereits in dieser Spielzeit zurück beim Publikum. Bis einschließlich 25. Juli werden 70 Veranstaltungen bis maximal 100 Teilnehmer*innen in unterschiedlichen Formaten für Kulturliebhaber*innen verwirklicht. Auslöser ist die seit 1. Juni in Kraft getretene Verordnung, die den sechs Sparten OPER, BALLETT, SCHAUSPIEL, KONZERT, VOLKSTHEATER und JUNGES STAATSTHEATER Veranstaltungen mit bis zu 100 Zuschauer*innen im Theaterbereich erlaubt. „Wir sind wieder da! Uns geht es nun darum, das Entstehen von Theater erlebbar zu machen und auch den Blick hinter die Kulissen frei zu geben. Viele der Veranstaltungen sind interessant für Groß und Klein und sind bei freiem Eintritt“, bekräftigte Peter Spuhler, Generalintendant am BADISCHEN STAATSTHEATER. Den „Sonderfahrplan“ stellte er gemeinsam mit seinem Team bei einem Pressegespräch am 9. Juni in der NANCY-HALLE vor. Optimistisch blicke das Theater auf den Herbst und arbeitet bereits jetzt an neuen Aufführungen, die dann Premiere haben sollen.

Staatstheater Karlsruhe / Staatsschauspieler Timo Tank, Opernsängerin Christina Niessen, Schauspielerin Lisa Schlegel, Tänzerin Francesca Berruto und Orchestermusiker Raimund Schmitz melden sich zurück – mit dem „Sonderfahrplan“ des STAATSTHEATERS © Chris Frühe/ Badisches Staatstheater

Staatstheater Karlsruhe / Staatsschauspieler Timo Tank, Opernsängerin Christina Niessen, Schauspielerin Lisa Schlegel, Tänzerin Francesca Berruto und Orchestermusiker Raimund Schmitz melden sich zurück – mit dem „Sonderfahrplan“ des STAATSTHEATERS © Chris Frühe/ Badisches Staatstheater

Im Anschluss daran gab es erste Einblicke in die Proben des Ensembles zu Carmen unter der Leitung von Schauspieldirektorin Anna Bergmann. Vom 12. Juni bis zum 25. Juli wird das STAATSTHEATER nahezu täglich neue Formate für kleinere Publikumsgruppen ausprobieren: „Unser Fokus ist dabei, alle Menschen der Karlsruher Stadtgesellschaft teilhaben zu lassen. Unser Angebot ist für alle da: Schon Dreijährige können etwa mit Feder & Plumps Fliegen lernen und einen Audio-Spaziergang durch die Stadt machen. Lunchkonzerte, Stadtgespräche, die Werk-Statt-Oper, Tanz-Workshops – kleine künstlerische Ersatzformate aus allen Sparten geben einen Einblick hinter die Kulissen und in die laufende Probenarbeit. Audio-Spaziergänge und ein Kulturpfad laden ein, Karlsruhe neu zu entdecken – durch die Augen der Theaterfiguren – oder mit Live-Auftritten von Sänger*innen und Tänzer*innen. Wir freuen uns auf unser Publikum schon jetzt und in der Spielzeit 2020/21“, fasste Spuhler die Zielsetzung zusammen. Die stellvertretende Operndirektorin Dr. Rebekah Rota, die stellvertretende Schauspieldirektorin Anna Haas, Ballettmanager Florian König, Orchesterdirektorin Dorothea Becker sowie Volkstheaterleiterin Stefanie Heiner präsentierten die geplanten Sonderformate.

Gleich dreimal steht auch der scheidende Generalmusikdirektor Justin Brown im Mittelpunkt des Programms: In einem Kammerkonzert am 27. Juni ist er im GROSSEN HAUS selbst am Klavier zu erleben. Am 28. Juni feiert die Erfolgsproduktion Wahnfried am Uraufführungsort online eine Streaming-Premiere und wird als Public Viewing mit einer Live-Einführung von Generalintendant Peter Spuhler im MITTLEREN FOYER übertragen. Virtuell musizieren in einem großangelegten Filmprojekt die STAATSKAPELLE, STAATSOPERNCHOR und Mitglieder der OPER unter der Leitung von Justin Brown Beethovens Chorfantasie, die am 11. Juli online auf den Kanälen des STAATSTHEATERS Premiere feiert.

„Unser Serviceteam freut sich, wieder für Sie da sein zu können und Sie im Haus begrüßen zu dürfen“, sagte Johannes Graf-Hauber, Geschäftsführender Direktor. Mo-Fr von 10.00-18.00 Uhr, Sa von 10.0013.00 Uhr ist der Kartenservice zu den üblichen Öffnungszeiten wieder erreichbar. Der Vorverkauf für den „Sonderfahrplan“ startet sofort. Die Platzkapazitäten der Veranstaltungen variieren und sind begrenzt. Tickets können beim Kartenservice telefonisch unter 0721933333 oder auf der Webseite gebucht werden. Einige der Veranstaltungen sind kostenpflichtig. Für viele der anderen Gratis Angebote kann gespendet werden: www.staatstheater.karlsruhe.de

Staatstheater Karlsruhe / Einblicke in die konkrete Probenarbeit: Szenenausschnitt aus Carmen (Frida Österberg, Thomas Volle) von Anna Bergmann © Chris Frühe/ Badisches Staatstheater

Staatstheater Karlsruhe / Einblicke in die konkrete Probenarbeit: Szenenausschnitt aus Carmen (Frida Österberg, Thomas Volle) von Anna Bergmann © Chris Frühe/ Badisches Staatstheater

Einige Formate im Überblick:  30 Probeneinblicke und öffentliche Trainings gibt es für: Carmen (SCHAUSPIEL), Die große Hitparade, Die lustige Witwe, Die neuen Todsünden, EuropaS, Gabriel, Katzelmacher, Be on Pointe!, Ballettbaukasten sowie Chorproben vom STAATSOPERNCHOR und einen Probeneinblick vom STAATSBALLETT. Sieben kurze Lunchkonzerte im GROSSEN HAUS organisiert die BADISCHE STAATSKAPELLE jeweils um 12.30 Uhr in unterschiedlichen Besetzungen.

—| Pressemeldung Badisches Staatstheater Karlsruhe |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Maifestspiele: Fliegende Holländer – Arabella, IOCO Kritik, 26.05.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Internationale Maifestspiele 2020

Der fliegende Holländer – Arabella

  Gabriela Scherer, Michael Volle, Julia Okruashvili 

 

von Ingrid Freiberg

Die Aufregung ist riesig!

Seit 14. März 2020 hatte das Hessische Staatstheater Wiesbaden Corona bedingt schließen müssen. Die Internationalen Maifestspiele 2020 schienen nicht mehr realisierbar! Doch durch das Engagement der Verantwortlichen, hier ist im besonderen Intendant Uwe Eric Laufenberg zu erwähnen, und strenge Einhaltung der Hygienevorschriften geschah ein Wunder, an das niemand mehr geglaubt hatte. Dementsprechend klopften die Herzen des ausgehungerten Publikums, Phantasien waren angeregt: Richard Wagner und Richard Strauss nur mit Klavierbegleitung? Wie werden die Akteure, auf die sich alle gefreut haben, agieren? Wie werden sich die Einschränkungen auswirken? Die Opernbesucher sitzen nur in jeder zweiten Reihe, in der belegten Reihe werden je drei Plätze freigelassen. Ist überhaupt ein Theatererlebnis möglich?

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der fliegende Hollaender - Arabella hier Gabriela Scherer und Michael Volle © Andreas Etter

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der fliegende Hollaender – Arabella hier Gabriela Scherer und Michael Volle © Andreas Etter

Der Abend beginnt überraschend: Die Ouvertüre des Fliegenden Holländer erklingt vom Band – mit guter Tonqualität – eine Einspielung des Sächsischen Staatsorchesters Dresden. Nach einigen Sekunden gelingt es, sich auf die Musik des großen Meisters einzulassen, sich ihr hinzugeben, die Anspannung lässt nach, man ist wieder im Theater angekommen! Der Vorhang, auf dem Meereswellen zu erkennen sind, öffnet sich und das schon legendäre blutrote Segelschiff, das in der Inszenierung von Michiel Dijkema (2020) während des Matrosenchors „Steuermann, lass die Wacht! Steuermann, her zu uns! Ho! He! Je! Ha…“ als Geisterschiff über die ersten sechs Zuschauerreihen hinwegsegelt, steht nun querseits auf der Bühne, Kanonen und Kanonenkugeln sind zu sehen, die Segel ändern situationsbedingt ihre Farbe.

Ewige Qual bis hin zu einem heißen Kuss

Die Frist ist um“, wenn auch nicht nach sieben Jahren wie für den Holländer, sondern nach unerträglich langen 70 Tagen für das Publikum. Die Stimme von Michael Volle, dessen umfangreiches Repertoire von Mozart, Bach, Carl Maria von Weber, Tschaikowski, Humperdinck über Wagner, Verdi, Puccini, Strauss, Pfitzner, Debussy, Lehár zu Britten, Berg und Henze reicht, ist mit dieser Arie zu hören. Vom ersten Ton an lässt seine Stimme aufhorchen und zieht alle in ihren Bann. Sein warmer dunkler Bariton erzählt von der ewigen Qual, der Sehnsucht eines Untoten: „nirgends findet er ein Grab! Niemals den Tod!“

„Johohohe! Johohohe! Johohohe! Johohe!“ Gabriela Scherer singt „Sentas Ballade“ souverän, anrührend mit Seele in der Stimme. Sie begeistert mit der Reinheit ihrer Gesangslinie, einer herrlich samtenen Tiefe, warmer, expressiver Mittellage und mühelos erreichten Spitzentönen. Das nachfolgende „Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten“ überzeugt und überrascht durch intensives Spiel – bis hin zu einem heißen Kuss – zwischen den unglücklich Liebenden. Möglich wird das, weil die beiden Sänger miteinander verheiratet sind… Ihre Vertrautheit ist spürbar, ihre verzweifelte Hinneigung zueinander wird in kultivierten Tönen schmerzhaft erzählt. Michael Volles markanter Bariton ist völlig unangestrengt, wunderbar leicht, sauber in der Diktion und voller Hingabe. Eindrucksvoll und überzeugend sein „Welch‘ holder Klang im nächtigen Gewühl! Du bist ein Engel! Eines Engel’s Liebe Verworf’ne selbst zu trösten weiss! Ach, wenn Erlösung mir zu hoffen bliebe, All-Ewiger, durch diese sei’s!“

Was diese wunderbaren Künstler zu leisten vermögen, zeigt die Programmgestaltung: Nach Holländer ist die lyrische Komödie Arabella, die den Glanz des nostalgischen Wien einfängt und einen Hauch Operette ins 21. Jahrhundert hinüberweht, zu vernehmen.  Der Schwierigkeitsgrad könnte kaum höher sein… Als der Vorhang sich hebt, ist eine riesige weiße Freitreppe und ein großes champagnerfarben glitzerndes Sofa zu sehen, Requisiten aus der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg aus dem Jahre 2018. „Sie woll’n mich heiraten“ – mit dieser Arie haben viele weltberühmte Sopranistinnen wie Elisabeth Schwarzkopf, Anneliese Rothenberg und Lisa della Casa brilliert. Gabriela Scherer reiht sich als Arabella in diesen illustren Kreis ein. Mit Nuancenreichtum und leidenschaftlicher Hingabe singt Michael Volle den Mandryka. Noch spürbarer als zuvor überzeugen die beiden Ausnahmestimmen im Duett „Kann Ihr Diener im Hof zum Brunnen gehen und mir ein Glas recht frisches Wasser bringen dort hinauf? Sie agieren, ohne den Spannungsbogen der Melodie auch nur für eine Sekunde zu unterbrechen, nur Stimme, jedes Wort mit seiner Bedeutung, warm und leidenschaftlich. Und dass sie auch ungebremst agieren können, sich umarmen und küssen dürfen, erhöht den Genuss! Es ist eine wahre Wonne…

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der fliegende Hollaender - Arabella hier Pianistin Julia Okruashvili © Andreas Etter

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der fliegende Hollaender – Arabella hier Pianistin Julia Okruashvili © Andreas Etter

Schier unglaublich  – die Pianistin Julia Okruashvili

Ihr Spiel ist voller Lebendigkeit, Hingabe und Emotion. Gekonnt weiß Julia Okruashvili die klanglichen Fähigkeiten ihres Instruments einzusetzen, jeder Ton ist durchleuchtet, der Tastendruck differenziert gestaltet. Sensibel, aufmerksam und mit großer Energie begleitet sie die Sänger.

Das Publikum seufzt vor Wonne

Obwohl nur 200 Personen ins Theater durften, erreicht der frenetische Applaus eine ungeheure Dezibelzahl. Nach zahlreichen Vorhängen und nicht nachlassenden Beifallsbekundungen entschließen sich Gabriela Scherer und Michael Volle dazu, eine Zugabe zu geben. Schon bei den ersten Takten seufzt das Publikum vor Wonne: „Lippen schweigen“ aus der Operette „Die Lustige Witwe“ von Franz Lehár rundet den historischen Abend ab.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

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