Hannover, Staatsoper Hannover, Richard Strauss – Also sprach Zarathustra, IOCO Kritik, 21.02.2020

Februar 21, 2020 by  
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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 Also sprach Zarathustra – Richard Strauss

– Zwischen Philosophie und Bergweltpanorama –

von Christian Biskup

Die Anfangstakte stehen in ihrer Berühmtheit sicher nicht der von Beethovens 5. Sinfonie oder Wagners Walkürenritt nach. Ob bei den Simpsons, dem Außerirdischen Alf, bei 2001:Odyssee im Weltraum oder in Willi Wonkas Schokoladenfabrik, das Hauptmotiv des Werkes ist stets Ausdruck erhabener, wichtiger Momente – Der Beginn von Richards Strauss‘ sinfonischer Dichtung Also sprach Zarathustra ist Kult, und so steht auch das 5. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover in der Staatsoper kurz und knapp unter diesem Motto.

Staatsoper Hannover / Solist Lukas Vondracek © Irene Kim

Staatsoper Hannover / Solist Lukas Vondracek © Irene Kim

Am Beginn des Konzertes stand jedoch das dritte Klavierkonzert Sergei Rachmaninovs auf dem Programm. 1909 komponiert, erlangte es zwar nicht die überbordende Beliebtheit des zweiten Konzerts, doch ist es – nicht zuletzt aufgrund der Anfangstakte – ein regelmäßiges und geschätztes Repertoirestück, welches begeistern kann. Zudem hält es angeblich den Rekord für die meisten Noten pro Sekunde in einem Klavierkonzert. Als Solist für das Konzert konnte der tschechische Pianist Lukáš Vondrácek gewonnen werden. Geboren 1986, gewann er mit eben jenem Konzert 2016 den Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb und ist spätestens seitdem auf den Konzertpodien der Welt ein gern gesehener Gast – so auch in Hannover!

Die berühmten, an ein russisches Volkslied gemahnenden Anfangstakte waren ein Genuss. Vom ersten Augenblick an offenbart Vondrácek seine lyrische Stärke. Weich und silberklar ausgespielt, auf ein Minimum an Lautstärke zurückgenommen, entfaltet das Thema – wunderbar dezent vom Orchester begleitet – unmittelbar seine melancholische Wirkung. Auch im weiteren Verlauf, zeigt Vondrácek seine perfekte Klaviertechnik. Die virtuosen Kniffe, die Rachmaninov in seinem Werk eingebaut hat, sind schon eine Herausforderungen, besonders in der Kadenz. Doch ob rasante Läufe, wuchtig akkordisches Spiel oder Tastenrepititionen – es wird mit Bravour gemeistert. Dabei verliert sich Vondrácek jedoch nicht in bloßer Lautstärke – seine gestaltenden lyrischen Linien blicken stets durch, so besonders im schwermütig anmutenden zweiten Satz, dessen Wirkung nur durch das teils sehr lautstarke Niedertreten des Dämpferpedals gemindert wird. Attaca wird das strahlende Finale eingeleitet. Rhythmisch mitreißend und klar akzentuiert führt Vondrácek den Satz hin zum breiten, schmachtenden Höhepunkt, der mit seinen Rubati auch im Zusammenspiel mit dem Orchester hervorragend gelang. Nach den letzten Schlussakkorden brach ein Beifallssturm für den Pianisten hervor, der erst nach zwei Zugaben vom Publikum entlassen wurde. Herausragend war dabei seine Interpretation von Debussy’s Prelude „La Cathédrale Engloutie“. Sein fein differenziertes Spiel und die empfindsamen Dynamikabstufungen ließen Debussys Werk zu einer farbenprächtigen Klangmagie werden – erneut viel Beifall.

Staatsoper Hannover / Niedersächsisches Staatsorchester Hannover © Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover / Niedersächsisches Staatsorchester Hannover © Staatsoper Hannover

Die Dirigentin Xian Zhang erwies sich schon bei dem Klavierkonzert als Glücksgriff für den Abend – klare Zeichengebung, ein dynamisch ungemein ausgewogenes Begleiten und die organische Gestaltung der Übergänge ließen in ihr eine erfahrene Orchesterleiterin erahnen, die in Deutschland noch nicht so präsent ist. Dabei weist die sympathische Musikerin bereits eine beachtliche Karriere auf. Protege von Lorin Maazel, 2005-2007 Music Director beim Sioux City Orchestra, 2009-2016 Direktorin des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, aktuell Leiterin des New Jersey Symphony Orchestras sowie erste Gastdirigentin des BBC National Orchestra of Wales, mehrere Auftritte bei den BBC Proms, sowie Gastdirigate bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Nun also Hannover – mit Richard Strauss‘ sinfonischer Dichtung Also sprach Zarathustra. Vertonter Nietzsche? Ob und wie es Strauss gelungen ist, Nietzsches dichterisch-philosophisches Werk adäquat zu vertonen – darüber scheiden sich die Geister. Cosima Wagner schrieb sogar an Strauss:Ich hatte den Titel Ihrer symphonischen Dichtung für einen Zeitungsscherz gehalten“. Dass es sich um großartige Musik handelt, darüber war man sich in Hannover hingegen einig!

Staatsoper Hannover / Dirigentin Xian Zhang © B Ealovega

Staatsoper Hannover / Dirigentin Xian Zhang © B Ealovega

Den berühmten Sonnenaufgang nahm Zhang flott, klangvoll, aber ähnlich wie bei Strauss‘ eigenen Aufnahmen ohne das ganz große Pathos. Den packt sie in das religiös anmutende „Von den Hinterweltlern“, welches sie schwelgerisch und gedehnt ausmusizieren lässt. In welch großen Bogen sie das Orchester, bis zu dem klangmächtigen erneuten Ausbruch des Anfangs- bzw. Natur-motivs führt, ist beeindruckend. Stets bemühmt um einen transparenten Orchesterklang, gelingt es bei den knapp 100 Musikern dennoch nicht immer jedes Motiv prägnant hervorzuholen. Sichtlich genießend und mit zahlreichen Rubati versehen, lässt Zhang das Tanzlied erklingen, welches solitisch hervorragend vom Konzertmeister Gabriel Adorjan gestaltet wurde. Bayrische Gemütlichkeit, Alpenpanorama entsteht unwillkürlich vor dem geistigen Auge des Zuhörers. Sehr überzeugend der Schluss – ganz verhaucht, wie ein Klang aus weiter Ferne, geradezu transzendent lässt Zhang das Monumentalwerk in seiner harmonischen Zweideutigkeit aushauchen.

Nach einem Moment der Stille tosender Applaus für die energiegeladene Dirigentin und das Orchester im mit 1200 Plätzen nahezu ausverkaufte Haus.

—| IOCO Kritik Staatsoper Hannover |—

Rudolstadt, Theater Rudolstadt, 225 Jahre Theater Rudolstadt, September 2018

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Theater Rudolstadt

225 Jahre  Theater Rudolstadt

Buntes Theaterfest, Filmkomödie „Schtonk!“, Starpianist und mehr

1793, vor 225 Jahren, öffneten sich während des Vogelschießens erstmals die Türen der Komödie am Anger in Rudolstadt. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe ließ während der ersten Spielzeiten seine Truppe aus Weimar in der Saalestadt gastieren und versorgte das Publikum mit dem Neuesten und Aufregendsten, was das Theater seinerzeit zu bieten hatte. Mit Beginn dieser Saison gilt es, diese 225-jährige Geschichte des Theaters Rudolstadt zu feiern!

Theater Rudolstadt / Theater fest © Friederike Lüdde

Theater Rudolstadt / Theater fest © Friederike Lüdde

Am 9. September lädt das Theater ab 15 Uhr zu einem großen Eröffnungsfest unter freiem Himmel in den Park auf dem Platz der OdF ein. „Geschichte wird gemacht – es geht voran“ lautet der Slogan für einen bunten Nachmittag mit Programm auf mehreren Bühnen, bei dem es auch ein Wiedersehen mit bekannten Persönlichkeiten aus 225 Jahren Rudolstädter Theatergeschichte geben wird. Platzkonzerte der Thüringer Symphoniker, lustige Showeinlagen der Schauspieler, eine Versteigerung, Kinderschminken und mehr versprechen Spiel, Spaß und Unterhaltung für Groß und Klein. Auch für Speis und Trank ist gesorgt. „Rampenfieber III“ heißt es dann am Abend um 19.30 Uhr im Stadthaus. In einer einmaligen, improvisierten wie überraschenden Show offenbaren die Theatermitarbeiter ihre versteckten Talente oder geheimen Leidenschaften, welche sonst auf keiner Bühne Platz haben.

Theater Rudolstadt / Schtonk mit Seidensticker und Ostberg © Lisa Stern

Theater Rudolstadt / Schtonk mit Seidensticker und Ostberg © Lisa Stern

Schtonk!, die gefeierte deutsche Filmkomödie von Helmut Dietl und Ulrich Limmer, eröffnet am 22. September im Theater im Stadthaus den Premierenreigen. 1992 kam die Satire über den Skandal um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher in der Hamburger Illustrierten Stern mit Stars wie Uwe Ochsenknecht und Götz George in die Kinos und wurde für den Oscar nominiert. Das Theater Rudolstadt bringt die Komödie als eines der ersten Häuser auf die große Bühne. Regie führt Reiner Heise (bekannt von „Es war nicht die Fünfte, es war die Neunte“). In den Hauptrollen spielen Markus Seidensticker und Marcus Ostberg.

Theater Rudolstadt / 1. Sinfonie KonzertLukas Vondracek © Irene Kim

Theater Rudolstadt / 1. Sinfonie Konzert Lukas Vondracek © Irene Kim

Eine Woche später gibt es beim 1. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker am 28. und 29. September im Meininger Hof Saalfeld die Virtuosität und Ausdruckskraft des Weltklassepianisten Lukás Vondrácek zu bestaunen. Der gebürtige Tscheche, der 2003 als 16-Jähriger bereits in der Carnegie Hall in New York zu hören war, gewann 2016 den Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel, einer der Höhepunkte seiner glanzvollen Karriere. Im Meininger Hof Saalfeld interpretiert er das 3. Klavierkonzert d-Moll von Rachmaninow, das sogenannte „Elefantenkonzert“, mit welchem er in Brüssel Jury und Publikum gleichermaßen euphorisierte.

Neben diesen Höhepunkten stehen im September bereits weitere Aufführungen an. Ob Kinderliederkonzerte für die Kleinsten, „3käsehoch“, ein „Klassik Open Air“ in Bad Blankenburg, die beliebte Rateshow „MMM-Was bin ich?“ oder die erste Schminkkasten-Premiere „Der dressierte Mann“ – der erste Theatermonat gibt den Auftakt für eine vielfältige Jubiläumssaison mit nicht weniger als insgesamt 22 Premieren, 8 Sinfoniekonzerten und unzähligen weiteren Veranstaltungen.

Der Eintritt für das Theaterfest ist frei. Für alle anderen Veranstaltungen sind Karten an den üblichen Vorverkaufsstellen und telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

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