Zürich, Opernhaus Zürich, 2019/20 – 9 Opernpremieren: Iphigénie, Makropulos, Belshazzar …, IOCO Aktuell, 15.08.2019

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

2019/20 : Operhaus Zürich – 9 Oper-, 3 Ballettpremieren, 17 WA

– IOCO stellt vor –

Das Opernhaus Zürich, früher Stadttheater Zürich, liegt im Zentrum von Zürich, am Sechseläutenplatz. Auf 1.100 Plätzen bietet es ein reiches kulturelles Angebot. 2017/18 besuchten 247.000 Besucher 327 Vorstellungen. Die Auslastungen auf der Hauptbühne der Spielzeit 2017/18  betrugen: Gesamtauslastung: 90.0% (Vorjahr: 85.1%), Auslastung Sparte Oper 88.3% (Vorjahr: 84.7%), Auslastung  Sparte  Ballett Zürich  98.0% (Vorjahr: 89.8%).

Der Spielplan für die Saison 2019/2020 enthält 350 Vorstellungen: Neun Opern-premieren und drei Premieren des Balletts Zürich auf der Hauptbühne sowie siebzehn Wiederaufnahmen des Opernrepertoires und fünf des Balletts bilden das Rückgrat des Hauses. Eine Neuproduktion des Internationalen Opernstudios am Theater Winterthur und eine Neuproduktion aus der Serie Junge Choreografen auf der Studiobühne, neun Konzerte der Philharmonia Zürich und des Spezialensembles Orchestra La Scintilla, sieben Liederabende mit Starsolisten, ein Opernball, der sich zum 20. Mal jährt sowie zahlreiche Angebote für Kinder, junge Erwachsene und Familien sind Teil eines Spielplans. Den Anfang der Saison 2019/20 macht ein grosses Eröffnungsfest und den Abschluss traditionell die Live-Übertragung oper für alle.

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

 PREMIEREN  OPER

Seit über dreissig Jahren ist Cecilia Bartoli dem Opernhaus verbunden. In der Saison 2019/20 steht eine Neuproduktion mit der Ausnahmekünstlerin auf dem Programm. Die Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride liegt in den Händen des Hausherrn Andreas Homoki. Die erste gemeinsame Arbeit der beiden wird von Gianluca Capuano am Pult der Philharmonia Zürich begleitet. Das Opernhaus Zürich hat dem jungen Schweizer Komponisten Stefan Wirth einen Kompositions-auftrag erteilt und kann ab Mai 2020 Girl with a Pearl Earring dem Publikum vorstellen. Die Handlung dieser Uraufführung kreist um die Entstehung eines Gemäldes von Jan Vermeer und basiert auf dem Bestseller von Tracey Chevalier, der mit Scarlett Johansson und Colin Firth verfilmt wurde.

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel - 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel – 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Die hochkarätige Besetzung bringt ein Wiedersehen mit Thomas Hampson als Malerikone. Felicity Palmer, Laura Aikin und die junge Amerikanerin Lauren Snouffer stehen eben-falls für den hohen Anspruch dieses Projektes. Die Eröffnungspremiere der Saison widmet sich einer 337 Jahre alten Femme fatale. In Die Sache Makropulos von Leoš Janácek, wird Evelyn Herlitzius zum ersten Mal in einer Neuproduktion am Opernhaus Zürich zu erleben sein. Dmitri Tcherniakov konnte für die Inszenierung gewonnen werden. Eines der populärsten Werke des Operetten-Repertoires ist Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin. In Zürich unternehmen Annette Dasch und Pavol Breslik einen Ausflug in diese Form des Musiktheaters. Der musikalische Leiter des Abends ist der operettenerfahrene GMD und Intendant der Oper Leipzig Ulf Schirmer. Die Regie übernimmt Jan Philipp Gloger. Das weithin vergessene Genre Operette erlebt zurzeit eine Renaissance und hat auch in Zürich seit der Intendanz von Andreas Homoki ein Zuhause gefunden.

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Fabio Luisi, Piotr Beczala und Camilla Nylund werden im Rahmen einer Operettengala Arien und Duette von Lehár, Kálmán, Stolz und Strauss im Juni 2020 zu Gehör bringen. Eine Mischung aus Wiener Operettenheiterkeit und melancholischer Abschiedsstimmung ist die letzte gemeinsame Arbeit von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal Arabella. Julia Kleiter, Julie Fuchs und Josef Wagner debütieren als Arabella, Zdenka und Mandryka. Die Inszenierung der Liebes- / Gesellschaftskomödie besorgt Robert Carsen. Um die raffinierten Orchesterklänge und schwungvollen Wiener Walzer kümmert sich der GMD des Hauses Fabio Luisi persönlich. Die Abschlussproduktion der kommenden Saison ist gleichzeitig die erste gemeinsame Zürcher Arbeit von Fabio Luisi mit dem Regisseur Calixto Bieito. Verdis selten gespielte Oper I vespri siciliani wird im Rahmen der Festspiele Zürich im Juni 2020 Premiere feiern. Maria Agresta und Quinn Kelsey, der sein Rollendebüt begeht, singen die Hauptpartien dieser tragischen Liebesgeschichte im Milieu sizilianischer Widerstandskämpfer.

Nabucco – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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Ein Wiedersehen mit Christof Loy gibt es bei der Neuinszenierung von Donizettis Don Pasquale. In der Titelpartie wird Johannes Martin Kränzle wieder in Zürich zu sehen sein. Julie Fuchs gibt die gewiefte junge Witwe Norina und Edgardo Rocha den Neffen des alten Herrn. Enrique Mazzola kümmert sich um die musikalische Seite dieses Meisterwerks der komischen Oper. Sebastian Baumgarten wird Händels Oratorium Belshazzar mit Jakub Józef Orlinski, der mit seinem Rollendebüt auch zum ersten Mal am Opernhaus Zürich arbeitet, und Layla Claire in Szene setzen. Der Händel-Experte Laurence Cummings steht dafür am Pult des Orchestra La Scintilla.

Für das Opernhaus Zürich ist die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Musiktheater und das Ballett ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Im November 2019 wird Coraline von Marc-Anthony Turnage als Familienoper ihren Weg auf die Zürcher Bühne finden. Die Geschichte um ein Mädchen, das in zwei Welten lebt wurde bereits erfolgreich verfilmt. Mit Joseph Haydns Il mondo della luna präsentieren sich im April 2020 die jungen Nachwuchssänger des Internationalen Opernstudios unter der Regie des jungen Japaners Tomo Sugao am Theater Winterthur.

WIEDERAUFNAHMEN – OPER

Weitere Höhepunkte am Opernhaus Zürich sind auch die zahlreichen Wiederaufnahmen mit herausragenden Besetzungen. Ans Opernhaus Zürich kehren zurück: Juan Diego Flórez, der als Rodolfo sein Rollendebüt in La bohème geben wird. Cecilia Bartoli und Javier Camarena, die wieder gemeinsam in La cenerentola auf der Zürcher Bühne stehen. Ein weiteres Rollendebüt wird Benjamin Bruns als Max im Freischütz feiern. Piotr Beczala, der im vergangenen Sommer sehr erfolgreich in der Bayreuther Neuproduktion den Lohengrin kurzfristig übernahm, wird im Juni 2020 in der Zürcher Inszenierung gemeinsam mit Elza van den Heever zu sehen sein. Christian Gerhaher und Gun-Brit Barkmin sind im Wozzeck das tragische Paar. Saimir Pirgu ist Faust, Anita Hartig Marguerite und Ildebrando d`Arcangelo Méphistophélès in Gounods Vertonung von Goethes Menschheitsdrama. Luca Pisaroni und Jane Archibald werden in «Don Giovanni» wieder zu Gast sein. Ein weiteres Epochalwerk des Opernrepertoires wird von Catherine Naglestad (Abigaille), Dalibor Jenis (Nabucco) und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) bestritten. Plácido Domingo erfüllt sich einen Wunsch und singt für seine Zürcher Fans in einer einmaligen Galavorstellung von Verdis Nabucco die Titelpartie. Zum ersten Mal am Opernhaus Zürich zu Gast sind Andreas Schager als Florestan und Wolfgang Koch als Don Pizzaro. Sie werden zusammen mit Anja Kampe in Fidelio zu erleben sein. Kwang-chul Youn gibt den Heinrich in Wagners Lohengrin  und Jacquelyn Wagner die Agathe im Freischütz. Kristina Mkhitaryan und Liparit Avetisyan begehen als Violetta Valéry und Alfredo Germont ihr Hausdebüt. Am Pult der Philharmonia Zürich, werden bekannte und neue Gesichter zu sehen sein. Der GMD Fabio Luisi widmet sich in der kommenden Saison dem Verdi-Repertoire und dirigiert sein Orchester bei den Wiederaufnahmen von Nabucco und La traviata. Für Wagners Lohengrin konn-te abermals Simone Young gewonnen werden. Ebenfalls im deutschen Repertoire zu Hause ist Axel Kober, der Webers Freischütz interpretieren wird. In den Händen von Markus Poschner liegt Beethovens Fidelio. Für Alban Bergs Wozzeck wird Hartmut Haenchen zum ersten Mal im Zürcher Graben stehen. Ebenfalls zum ersten Mal am Opernhaus Zürich ist Ryan Mc Adams mit Gounods Faust. Um Mozarts Don Giovanni kümmert sich Riccardo Minasi und um Puccinis La bohème Marco Armiliato. Für Rossinis La cenerentola zeichnet Gianluca Capuano verantwortlich. Für die Erfolgsinszenierung des regierungskritischen russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov Così fan tutte steht Ottavio Dantone am Pult der Philharmonia Zürich.

Cosi fan tutte – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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 BALLETT ZÜRICH

Die Ballettsaison 2019/20 wird, wie schon fast traditionell, mit einer Uraufführung von Ballettdirektor Christian Spuck eröffnet. Zum ersten Mal kommt Helmut Lachenmanns Musiktheater Das Mädchen mit den Schwefelhölzern nach dem todtraurigen Märchen von Hans Christian Andersen als Ballett auf die Bühne. Die Neuproduktion und zugleich auch Schweizer Erstaufführung verbindet Tanz, Bilder und Gesang mit Lachenmanns faszinierender Musik und macht selbst den Zuschauerraum des Opernhauses zum Klangraum. Mehrere Werke von William Forsythe hat das Ballett Zürich bereits auf die Bühne gebracht und feiert den amerikanischen Choreografen nun mit einem eigenen Abend. Schlicht «Forsythe» heißt die Hommage und beinhaltet drei wegweisende Werke des Erneuerers des Tanzes: The Second Detail, Approximate Sonata in der Pariser Neufassung von 2016 und «One Flat Thing, reproduced». Im Rahmen des Ballettabends Walking Mad kehrt auch Hans van Manen, mit seinem vom Nederlands Dans Theater uraufgeführten Werk «Kleines Requiem», nach Zürich zurück. Ebenfalls vom NDT uraufgeführt wurde das titelgebende Stück von Johan Inger, zum berühmten «Boléro» von Maurice Ravel tanzt das Ballett Zürich zum ersten Mal ein Werk des schwedischen Choreografen.

Einen ganzen Abend voller neuer Werke bringt die Serie Junge Choreografen, in deren Rahmen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts die künstlerische Verantwortung für ihre eigenen Choreografien übernehmen. Wiederaufgenommen werden mit «Messa da Requiem» und «Nussknacker und Mausekönig» zwei Produktionen von Christian Spuck, der Doppelabend «Emergence» mit Choreografien von Crystal Pite und dem Choreografenduo Sol León & Paul Lightfoot, das Ballett Faust von Edward Clug sowie der Abend des Junior Balletts mit «Kreationen» von Filipe Portugal, Louis Stiens und Goyo Montero.

Hänsel und Gretel – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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KONZERTE, LIEDERABENDE UND EXTRAS

Die Philharmonia Zürich und das Spezialensemble Orchestra La Scintilla werden sich auch in dieser Saison außerhalb des Orchestergrabens präsentieren. Die Eröffnung der Philharmonischen Saison findet mit dem Violinisten Leonidas Kavakos unter der Leitung des Generalmusikdirektors Fabio Luisi und Werken von Beethoven und Wagner statt. Der begonnene Beethoven-Zyklus mit der italienischen Pianistin Beatrice Rana wird von Fabio Luisi mit zwei Konzerten fortgeführt. Gianandrea Noseda, der das Amt des Zürcher GMDs ab der Saison 2021/22 übernehmen wird, wird für ein Konzert mit Werken von Schubert, Tschaikowski und Mendelssohn in Zürich gastieren. Für ein Programm mit Werken von Mahler und Mozart steht Manfred Honeck am Pult der Philharmonia Zürich. Der Experte für historisch informierte Aufführungspraxis Riccardo Minasi wird sich ganz dem Orchestra La Scintilla widmen. Die Programme der vier Konzerte reichen von Haydns «Schöpfung» über Werke von Jan Dismans Zelenka und einem Konzert zum Thema Echos. Für Händels Wassermusik ist Lars Ulrik Mortensen Gast der Scintilla. In der Spielzeit 2019/20 präsentiert das Opernhaus Zürich wieder Liederabende mit Starssolisten: Angela Gheorghiu, Pretty Yende, Krassimira Stoyanova, Stéphanie D’Oustrac, Benjamin Bernheim, Christof Fischesser sowie Julia Kleiter und Michael Nagy, die gemeinsam einen Abend bestreiten.

Am 21. September 2019 veranstaltet das Opernhaus nach der Sommerpause das traditionelle Eröffnungsfest. Im ganzen Haus getanzt wird wieder beim Opernball am 14. März 2020. Die Benefizgala feiert dann ihr 20jähriges Bestehen. oper für alle auf dem Sechseläutenplatz findet am 13. Juni 2020 mit der Live-Übertragung der Mozart-Oper Don Giovanni statt

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Wien, Wiener Staatsoper, La sonnambula von Vincenco Bellini, 07.01.2017

Januar 6, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

La sonnambula von Vincenco Bellini

  Mit Daniela Fally und KS Juan  Diego Flórez

KS Juan Diego Flórez, der zuletzt als Überraschungsgast des Prinzen Orlofsky in der Silvestervorstellung der Fledermaus vom Publikum bejubelt wurde, kehrt am Samstag, 7. Jänner 2017 als Elvino in Vincenzo Bellinis La sonnambula zurück an die Wiener Staatsoper. In der Wiederaufnahme wird er seinen 20. Auftritt in dieser Partie im Haus am Ring absolvieren und mit der dritten und letzten Vorstellung dieser Serie am 13. Jänner sogar seinen Geburtstag auf der Staatsopernbühne feiern.

An der Seite von KS Juan Diego Flórez gibt Daniela Fally ihr Rollendebüt als Amina, außerdem sind zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper Luca Pisaroni als Graf Rodolfo, Rosie Aldridge als Teresa, Maria Nazarova als Lisa und Manuel Walser als Alessio zu erleben. Guillermo García Calvo dirigiert erstmals La sonnambula im Haus am Ring.

7.  Januar 2017, Reprisen: 10. und 13. Jänner

Die Vorstellung am 13. Jänner wird via WIENER STAATSOPER live at home
weltweit live in HD übertragen: www.staatsoperlive.com.    PMWSto

 

Salzburg, Salzburger Festspiele, Don Giovanni im Haus für Mozart, IOCO Kritik, 06.09.2016

September 6, 2016 by  
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Salzburger Festspiele

Don Giovanni in Salzburg: Ildebrando D’Arcangelo ist der überzeugend liebestolle Don Giovanni, vor nichts Halt machend, vor nichts Respekt habend. Als verführerischer Südländer mit kräftigem Bassbariton (die Champagnerarie gelingt mit Bravour), präziser und leidenschaftlicher Darstellung, umgarnt“

Salzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas KolarikSalzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas Kolarik

Salzburger Festspiele

 Don Giovanni:   „Der Teufel ist immer und überall“

 Salzburger Festspiele 2016

Salzburg / Salzburger Festspiele - Don Giovanni 2016 © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Salzburger Festspiele – Don Giovanni 2016 © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Don Giovanni, die erste Oper der Triologie des Musikgenie Wolfgang A. Mozart mit dem unendlich lebenserfahrenen Lorenzo Da Ponte entstand 1786. Lorenzo Da Pontes eigene Vita ist der Schlüssel zum alle Normen der Zeit brechenden Libretto des Don Giovanni: 1749 als Kind jüdischer Eltern nahe Venedig geboren; zum katholischen Glauben konvertiert, 1770 in Venedig zum Priester geweiht, Professor für Literatur in Treviso. Eine von vielen  Liebesaffären führte in ein Mordkomplott, weshalb Da Ponte Italien verlassen musste. Ab 1782 erfolgreicher Librettist in Wien, 1793 Impressario am King’s Theater in London. 1834 starb Da Ponte mit 89 Jahren in New York, als Buchhändler.

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Da Ponte kannte gesellschaftliche Stände, moralische Werte seiner Zeit und deren Bruchstellen allzu gut, letztere hat er oft selbst genutzt. Da Ponte war zeitweilig der lebende Don Giovanni. Seine Lebenserfahrungen brachte er ein in seine Opern mit Mozart.  Streng waren die ständischen Vorgaben der Zeit mit denen Don Giovanni so radikal bricht. Lorenzo Da Ponte und Mozart zusammen hatten den Mut, Erfahrung und künstlerischen Genius, dies lasziv sinnliche wie diabolische Thema in ihrem Don Giovanni bleibend für die Weltbühne zu bereiten.

Sven Erik Bechtolf inszenierte den Don Giovanni für die Salzburger Festspiele bereits 2014; nur mit mäßigem Zuspruch. Vielleicht waren es Akustik und Bühnentechnik der Felsenreitschule. 2016 wurde diese Inszenierung wieder aufgenommen. Doch im Haus für Mozart und mit größerem Zuspruch. Um 1920, in einem edel getäfelten Hotel (Bühne Rolf Glittenberg) findet die Handlung mit wenigen Bühnenbildern statt: An einer Lobby-Bar sitzend oder einen dominantem Treppenaufgang zu erotischen Zimmern führend. Der Chor übernimmt sowohl die Rollen des Hotelpersonals als auch der Gäste. Auf der Treppe ist viel Bewegung, Wirrwarr, Handlung; gelassen wie hektisch geht es dort hinauf und hinunter. Abgedunkeltes Licht deutet frivoles Ambiente im Hotel an. Regisseur Bechtolf versteigt sich in seiner Inszenierung in ein übersexualisiertes Welt-Dogma. Sein merkwürdig fixiertes Credo im Programmheft sagt: Da uns nichts mehr heilig ist, ist uns auch nichts unheilig“. Erkenntnis, Veränderung oder Erlösung, die Triebfedern Mozarts und Da Pontes, finden sich in seinem Don Giovanni nicht. Als  allgegewärtige Inkarnation des Bösen trägt Don Giovanni in der Bechtolf  Inszenierung beständig ein Teufelskäppchen mit sich herum. Skurril. Selbst nach Don Giovannis Feuertod, unter den geläuterten wie erstarrt stehenden  Protagonisten, sucht wieder ein Teufelchen nach Opfern.

Salzburg / Don Giovanni 2016 - Leporello und Don Giovanni © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Don Giovanni 2016 – Leporello und Don Giovanni © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Ildebrando D’Arcangelo ist der überzeugend liebestolle Don Giovanni, vor nichts Halt machend, vor nichts Respekt habend. Als verführerischer Südländer mit kräftigem Bassbariton (die Champagnerarie gelingt mit Bravour), präziser und leidenschaftlicher Darstellung, umgarnt Don Giovanni im Schlangenmantel. Außer Donna Anna (Carmela Remigio), auch da sind Zweifel, kann Don Giovanni keine Frau widerstehen. Ihr Vater, Commendatore (Alain Coulombe) wird Zeuge des Tete-à-Tete Don Giovannis mit seiner Tochter. Mit der Kraft Don Giovannis, der das Messer in der Hand Donna Annas führt, ersticht er/sie den Commendatore. Die Teufelskappen Don Giovannis  symbolisieren etwas penetrant die Nähe zur Infamie zur Unterwelt.

Salzburg / Don Giovanni 2016 - Valentina Nafornita als Zerlina © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Don Giovanni 2016 – Valentina Nafornita als Zerlina © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Luca Pisaroni, als Leporello mit wohltimbrierten Bassbariton, harmoniert optisch wie stimmlich mit seinem  Herrn und Meister. In diesem Hotel geht es lebendig zu, es wird nie langweilig. Das Brautpaar Zerlina (Valentina Narfonita) und Masetto (Jurii Samoilov) gehören auch zum Personal. Don Giovanni läßt sich auch diese junge Braut Zerlina nicht entgehen. Valentina Narfonita, überzeugt als eine zauberhafte Zerlina, bildhübsch und stimmlich. Zerlina besänftigt ihren misstrauischen, mit kultiviertem Tenor singenden Masetto.   Carmela Remigio als Donna Anna ergänzt das wunderbare Ensemble  durch weichen lyrischem Sopran. Ihr Verlobter Don Ottavio (Paolo Fanale) verspricht mit lyrischer Timbre zu rächen. Zwischen allen Machenschaften der Hochzeitsgesellschaft nutzt Don Giovanni jede Gelegenheit, Gier und Vergnügen zu befriedigen.  Alain Coulombe gibt dem rächenden Komtur / Steinernen Gast mit schwerem Bass höchst eindrucksvolle Stimme und Statur. Don Giovanni  vollführt seine Höllenfahrt bei gleißendem Rotlicht. Um, im Sinne des Bechtolfs, als symbolisches Teufelchen im letzten Bild unter erstarrten Protagonisten nach neuen Opfern für das „ewig Böse“ zu suchen.

Musikalisch begleiten die Wiener Philharmoniker mit dem jungen Dirigenten Alain Altinoglu mit einfühlsamem, frischem Tempo, aber auch mit der notwendigen Dynamik durch diese bedeutende Mozart/Da Ponte-Oper. Der Applaus des Premieren-Publikums für Ensemble und Dirigat war einhellig und eindrucksvoll.   IOCO / Daniela Zimmermann / 31.08.2016

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