Wien, Staatsoper Wien, L’incoronazione di Poppea – Gedanken von Olivier Fourés, IOCO Aktuell, 23.05.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

L’INCORONAZIONE DI POPPEA –  Gedanken von Olivier Fourés

„Eine Originalfassung wäre utopisch“

Premiere am 22.5.2021:  Musikalische Leitung Pablo Heras-Casado, Inszenierung Jan Lauwers, Nerone Kate Lindsey, Poppea Slávka Zámecníková, Ottone Xavier Sabata, Ottavia Christina Bock, Seneca Willard White, Virtù / Drusilla Vera-Lotte Boecker


Die Handlung der Oper

Prolog

Fortuna und Virtù, die Göttinnen des Glücks und der Tugend, zanken sich, wer von ihnen die mächtigere ist. Amor, der Gott der Liebe, tritt dazwischen und beansprucht für sich den obersten Rang.

1. Akt
Ottone treibt die Sehnsucht zu Poppea. Als er vor ihrem Haus zwei schlafende Soldaten antrifft, wird ihm klar, dass seine Geliebte schon Besuch hat: Kaiser Nerone ist bei ihr. Die Soldaten erwachen und beschweren sich über Nerones Affären und seinen fahrlässigen Umgang mit der Macht.Nerone verabschiedet sich von Poppea. Ehe er nicht Kaiserin Ottavia verstoßen hat…….


L’incoronazione di Poppea – Gedanken von Olivier Fourés

Olivier Fourés hat gemeinsam mit Pablo Heras-Casado, Dirigent der Produktion an der Wiener Staatsoper, die musikalische Fassung für die Wiener L’incoronazione di Poppea erarbeitet. Hier seine Gedanken zur Oper wie der Produktion,  von der Wiener Staatsoper veröffentlicht:

»Die Zukunft ist nichts als die Folge des Dialogs zwischen Gegenwart und Vergangenheit.«       Paul Morand

Olivier Fourés: Häufig wird behauptet, dass Monteverdis Poppea, uraufgeführt am Teatro S. Giovanni e Paolo in Venedig im Karneval 1642/43 (möglicherweise Ende Januar 1643, wenige Monate vor dem Tod des Komponisten), seine problematischste Oper sei. Wir kennen zwei musikalische Quellen, die erheblich voneinander abweichen: eine venezianische aus dem Jahr 1646 und eine neapolitanische von 1651. Und auch wenn ihre Szenenfolge dem anlässlich der Uraufführung gedruckten Scenario dell’opera reggia intitolata La coronatione di Poppea – welches anhand von Zusammenfassungen der einzelnen Szenen durch die Handlung führt – weitgehend entspricht, so stimmt doch keine der beiden Partituren mit einer der gedruckten Librettofassungen vollkommen überein.

Einführungsmatinee zu L´incoronazione di Poppea
youtube Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Da die musikalischen Quellen posthum erstellt wurden, ist die Annahme berechtigt, dass in ihnen Monteverdis Uraufführungsversion verändert wurde. Dennoch offenbart ihre Gegenüberstellung einen wichtigen gemeinsamen Kernbestand, der vermutlich der Originalversion entspricht, sowie die Tatsache, dass die Poppea schon bei der Uraufführung als Pasticcio aus Kompositionen verschiedener Musiker konzipiert war, zu denen offenbar Francesco Cavalli (Monteverdis Assistent und Hauptkopist der venezianischen Abschrift), Francesco Sacrati oder Benedetto Ferrari zählten; letzterer könnte Autor des berühmten Schlussduetts »Pur ti miro« sein, das erstmals in seinem Pastor Reggio (Venedig, 1640) erschienen war.

Wenn also die authentische Zuschreibung der Kompositionen voller Rätsel bleibt (und für die damalige Zeit keinerlei Bedeutung besaß) und Monteverdi also richtiger als Werkstatt-Leiter oder -Meister anzusehen ist, so sind die echten Probleme einer heutigen Wiedergabe vielmehr mit den musikalischen Quellen verknüpft: die venezianische stellt offenbar eine Cembalo-Stimme dar, sie enthält nur sehr wenige Angaben zu den Orchesterstimmen und umfasst zahlreiche Streichungen und Zusätze; die neapolitanische ist ordentlich kopiert und die Stimmen der Orchester-Ritornelle sind in der Regel ausgeschrieben, aber mehrere Passagen sind unleserlich geworden und in zahlreichen Takten blieben Basslinie oder Textunterlegung unausgeführt. Keine der beiden Quellen bietet eine präzise Instrumentierung.

Welchen Anspruch kann eine Wiederaufführung der Poppea heute stellen? Wenn auch eine Wiederherstellung der »Originalfassung« eindeutig trügerisch und utopisch wäre, laden die Solidität des Librettos und die Qualität und Menge der Musik dennoch dazu ein, diese Oper als Ganzes zum Leben zu erwecken. Man sollte aus der Not eine Tugend machen und sich die besondere Situation zunutze machen – die nur dann stört, wenn man ein musikalisches Werk zwingend als definiertes, erstarrtes und von einem Autor signiertes Endprodukt versteht –, um sich über die Natur (und die Reize) der venezianischen Oper des 17. Jahrhunderts klar zu werden.

Ehe man die Lösung der praktischen Probleme angeht, muss man sich den Kontext klarmachen, in dem die Uraufführung der Poppea stand. In ihrer Eigenschaft als Pasticcio und durch ihre unterschiedlichen Versionen offenbart diese Oper von Beginn an die Elastizität des venezianischen drama in musica. Aus Manuskripten und Zeugnissen späterer Opern von Pallavicino, Ristori oder Vivaldi weiß man, dass es nie zwei identische Vorstellungen gab: Am Tag der Aufführung konnten Zwischenspiele eingefügt werden (als musikalische, theatralische oder getanzte Darbietung, oder auch in Gestalt einer Tombola oder einer Tierausstellung!), um von der Anwesenheit oder Verfügbarkeit bestimmter Künstler oder Persönlichkeiten zu profitieren. Die Zwischenspiele hatten auch das Ziel, die Aufmerksamkeit eines Publikums wachzuhalten, das sich unterhielt, Karten spielte, aß und trank oder die Logen-Vorhänge zugezogen hatte, um der Ruhe zu pflegen. Impresarios, Sänger und Musiker mussten sich also gewandt und flexibel an die sich wandelnden Kontexte anpassen. So erklärt sich auch die Wichtigkeit der Improvisation bei der Interpretation dieser Musik (Poppea enthält einen ciaccona-Bass à la mode, oder passacagli, die das Orchester auffordern »da ballo« zu improvisieren).

Claudio Monteverdi Grabplatte in Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi Grabplatte in Venedig © IOCO

Darüber hinaus muss man sich daran erinnern, dass Monteverdi damals ein ungewöhnlich anerkannter Musiker war (seit 30 Jahren Kapellmeister der Basilika von San Marco). Seine Oper musste also ein außerordentliches Ereignis darstellen, mit all dem Prachtaufwand, der damit verbunden war. Das 1638 eröffnete Theater von San Giovanni e Paolo (auch Grimani genannt) galt als das schönste und komfortabelste Theater der Stadt und muss über weitläufige Räumlichkeiten verfügt haben. Nachdem es 1654 von Carlo Fontana umgebaut wurde, bot es nicht weniger als 900 Zuschauern Platz bei einer Portalbreite von ca. 15 Metern. Diese Dimensionen verlangten nach einer deutlich größeren Orchesterbesetzung, als wir heute allgemein annehmen. Nicht vergessen darf man zudem, dass Monteverdi in San Marco gewohnt war, mit großen Instrumentalensembles zu arbeiten, die er selbst erweiterte und koloristisch bereicherte. So kaufte er beispielsweise 1642 zwei Psalterien (metallisch klingende Zupfinstrumente) oder setzte »violini di rinforzo« ein, zusätzliche Spieler, die bei besonderen Anlässen die Klanggewalt des Orchesters verstärkten. Und wenn man an den Apparat denkt, den Monteverdi in Mantua anlässlich der Uraufführung seines Orfeo eingesetzt hatte (etwa 30 Musiker), in einem klein dimensionierten Theater (dessen szenische Beschränkungen eine Anpassung des Librettos in letzter Minute erzwangen), so dürfte sein Orchester im Grimani kein kleines gewesen sein.

Auch für unsere Neuproduktion der Poppea an der Wiener Staatsoper wollte die überwältigende, facettenreiche und spektakuläre Dimension seiner Musik berücksichtigt sein. Die Instrumentierung wurde inspiriert von der seiner Opern Orfeo und Ulisse, unter Berücksichtigung der Traditionen in San Marco (Einsatz von Psalterien, Raumklangeffekte, violini di rinforzo). Monteverdi war zudem ein großer Kolorist: Den Einsatz sämtlicher Streichinstrument-Familien ergänzte er durch zahlreiche Blas- und Zupfinstrumente, Tasteninstrumente sowie antikes, modernes und sogar exotisches Schlagwerk. Die musikdramatische Struktur unserer Fassung orientiert sich im allgemeinen am Kernbestand beider Versionen, der venezianischen und der neapolitanischen, und macht sich auch ihre Abweichungen zu Nutze: So kann man über einer gleichbleibenden Basslinie zwei unterschiedliche und gleichwohl originale Instrumentierungen genießen, ebenso beide sinfonie, die das Werk eröffnen, so wie auch den musikalischen Höhenflug der letzten, der Hochzeits-Szene, die in der neapolitanischen Version besonders ausgearbeitet ist. Wir profitieren von der evidenten Mitwirkung der Trompeten, indem wir zu Beginn dieser Szene eine Fanfare von Fantini einfügen, so wie es im 17. Jahrhundert gewiss üblich war, als die Trompeter nicht auf den Komponisten angewiesen waren, um ein Ereignis dieser Art musikalisch zu illustrieren.

Die oft fehlende Orchestration haben wir aus den Instrumentalstimmen entwickelt, dabei gleichfalls verschiedenen historischen Traditionen folgend: Harmonisierung der Basslinie, Entwicklung der Ritornelle, Wiederholungen eines Themas mit verkürzten Notenwerten (was beide Quellen auch vorführen), Schaffung obligater Instrumentalparts zu rezitativischen Passagen, Zuordnung von colla parte-Instrumentalstimmen, deskriptive Effekte sowie Ausgestaltung des Continuo unter Berücksichtigung der Akustik der Staatsoper.

Wie der ehemalige Staatsoperndirektor Gustav Mahler sagte: „Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers.“ Wenn die Manuskripte der Poppea wie Skelette anmuten, möge man sich in Erinnerung rufen, dass bereits die italienischen Komponisten selbst ihre Partituren als »scheletri« bezeichneten, denen man Fleisch und Geist hinzufügen und Leben einhauchen müsse. Sie hatten ein erhöhtes Bewusstsein davon, dass Musik nur über den Umweg ihrer Interpretation existiert und dass eine kompositorische Idee gewiss originell, instruktiv und stimulierend sein muss, ihre Kommunikation jedoch ebenso entscheidend ist. Die venezianische Schule von Gabrieli bis Vivaldi, Treffpunkt sakraler, profaner, volkstümlicher, choreographischer oder theoretischer Traditionen, hat zwei Jahrhunderte lang Europa fasziniert, weil es hier wichtiger war, musikalische Wunder zu ermöglichen, als sie zu formalisieren. Die Devise der Academia degli Incogniti (deren Mitglied Monteverdi war) lautete Ex Ignoto Notus („Das Wissen erwächst aus dem Unwissen“) und ihr Emblem war der Nil (ein antiker Fluss, dessen Quelle unbekannt war und der die Ebenen fruchtbar machte). Ebenso laden uns die Geheimnisse der Poppea ein, Fragen zu stellen, zu forschen und Gegenwart und Vergangenheit zu beobachten, um schließlich festzustellen, dass sie uns weniger fremd sind, als wir glauben.

Olivier Fourés

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—


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Wien, Wiener Staatsoper, Ab 19. Mai – 6 Premieren und viel mehr, IOCO Aktuell, 29.04.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

CARMEN, TOSCA und viel mehr : 6 Premieren ab 19. Mai 2021

Wiedereröffnung mit begeisterndem Spielplan

Fast ein halbes Jahr ist die Wiener Staatsoper nun schon geschlossen – die längste Periode seit der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit wurde stets weitergearbeitet, geprobt, einstudiert und zahlreiche Vorstellungen konnten für TV, Streaming und Radio herausgebracht werden, zuletzt die hochkarätig besetzte Premiere der ParsifalNeuproduktion unter Musikdirektor Philippe Jordan, IOCO link dazu HIER!. Dank der Kooperation mit dem ORF und dem eigenen Streaming-Kanal wurden auf diese Weise bisher weltweit mehr als fünf Millionen Kontakte erreicht.

Entsprechend der Ankündigung der österreichischen Bundesregierung und vorausgesetzt, dass die Maßnahmen der Stadt Wien es zulassen, wird das Haus am Ring nun am 19. Mai 2021 endlich wieder für seine Besucherinnen und Besucher öffnen. In den sechs Wochen bis zum Ende der Saison wird die Staatsoper dem Publikum sechs Premieren bieten.

Zum einen können zwei der Premierenproduktionen dieser Spielzeit, die nur für Kameras und Mikrofone gespielt wurden bzw. werden, nun auch vor Publikum gezeigt werden: Calixto Bieitos Produktion von Carmen sowie Faust in der Inszenierung von Frank Castorf.

Einführungsmatinee zu Faust der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Neben diesen beiden nachgeholten Premieren werden bis Ende Juni insgesamt noch vier weitere Premieren auf die Bühne gebracht: L’incoronazione di Poppea – der Auftakt der geplanten Monteverdi-Trilogie –, Macbeth in der Regie von Barrie Kosky mit Anna Netrebko als Lady Macbeth, der Ballett-Dreiteiler Tänze Bilder Sinfonien mit der Uraufführung von Martin Schläpfers Sinfonie Nr. 15 sowie Der Barbier für Kinder, die erste Kinderopern-Produktion, die in der neuen Direktion auf der Bühne im großen Haus zu sehen sein wird.

Für den Zeitraum vom 19. bis 25. Mai musste der Spielplan entsprechend den neuen Gegebenheiten leicht überarbeitet werden. Neben den zwei Faust-Vorstellungen wird auch zwei Mal Tosca mit Sonya Yoncheva in der Titelrolle sowie Piotr Beczala als Mario Cavaradossi zu sehen sein. Statt des Schließtages am 1. Juni findet ein Liederabend von Diana Damrau statt.

Die kommende Spielzeit 2021/22 wird am 3. Juni auf der Bühne des Hauses am Ring, ebenfalls vor Publikum, präsentiert. Alle Details dazu werden gesondert bekanntgegeben.

Der Kartenverkauf für sämtliche Vorstellungen ab 19. Mai bis Saisonende 30. Juni startet heute, Mittwoch ab 12.00 Uhr. Karten sind aktuell online über die Website der Wiener Staatsoper sowie telefonisch unter +43 1 513 513 buchbar. Mit Beendigung des harten Lockdowns in Wien ab 3. Mai sind auch die Bundestheaterkassen für den Kartenverkauf geöffnet.

Einführungsmatinee zu Carmen der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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DER SPIELPLAN AB 19. MAI 2021

19. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
FAUST – PREMIERE VOR PUBLIKUM
Musikalische Leitung Bertrand de Billy
Inszenierung Frank Castorf
Doktor Faust Juan Diego Flórez
Marguerite Nicole Car
Méphistophélès Adam Palka
Valentin Étienne Dupuis

20. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
SUITE OF DANCES – NEUEINSTUDIERUNG
Glass Pieces (Jerome Robbins)
Duo Concertant (George Balanchine)
A Suite of Dances (Jerome Robbins) – Erstaufführung an der Wiener Staatsoper
The Concert (Jerome Robbins)
Musikalische Leitung Benjamin Pope
Wiener Staatsballett

21. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
TOSCA
Musikalische Leitung Axel Kober
Inszenierung Margarethe Wallmann
Floria Tosca Sonya Yoncheva
Mario Cavaradossi Piotr Beczala
Baron Scarpia Ambrogio Maestri

Einführung von Intendant Bogdan Roscic zu L’INCORONAZIONE DI POPPEA der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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22. Mai 2021, 18.30 Uhr
L’INCORONAZIONE DI POPPEA – PREMIERE
Musikalische Leitung Pablo Heras-Casado
Inszenierung Jan Lauwers
Nerone Kate Lindsey
Poppea Slávka Zámecníková
Ottone Xavier Sabata
Ottavia Christina Bock
Seneca Willard White
Virtù / Drusilla Vera-Lotte Boecker
23. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
FAUST
Besetzung wie am 19. Mai

24. Mai 2021, 11.00 Uhr (Programmänderung)
DER BARBIER FÜR KINDER – PREMIERE
Musikalische Leitung Markus Henn
Inszenierung Grischa Asagaroff
Graf Almaviva Josh Lovell
Rosina Patricia Nolz
Figaro Stefan Astakhov
Ambrogio Andy Hallwaxx

24. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
TOSCA
Besetzung wie am 21. Mai

25. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
SUITE OF DANCES
siehe 20. Mai

Ab dem 26. Mai wird der geplante Spielplan wieder aufgenommen, beginnend mit

Georges Bizet Paris © IOCO

Georges Bizet Grabstätte Paris © IOCO

26. Mai 2021, 18.30 Uhr
CARMEN – PREMIERE VOR PUBLIKUM
Musikalische Leitung Andrés Orozco-Estrada
Inszenierung Calixto Bieito
Carmen Michèle Losier
Don José Dmytro Popov
Escamillo Erwin Schrott
Micaëla Vera-Lotte Boecker

Details zum weiteren Spielplan und Beginnzeiten sowie die vollständigen Besetzungen finden Sie auf der Website der Wiener Staatsoper, am 1. Juni kommt es zu folgender Änderung:

1. Juni 2021, 20.00 Uhr (anstelle eines Schließtages)
Liederabend DIANA DAMRAU

AUSBLICK AUF DEN WEITEREN SPIELPLAN

Bis zum Ende dieser Spielzeit stehen noch zwei weitere Premieren auf dem Programm der Wiener Staatsoper:

10. Juni 2021, 18.30 Uhr
MACBETH – PREMIERE
Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Barrie Kosky
Macbeth Luca Salsi
Banquo Roberto Tagliavini
Lady Macbeth Anna Netrebko
Macduff Freddie De Tommaso

26. Juni 2021, 19.00 Uhr
TÄNZE BILDER SINFONIEN – PREMIERE
Symphony in Three Movements (George Balanchine)
Pictures at an Exhibition (Alexei Ratmansky)
Sinfonie Nr. 15 (Martin Schläpfer) – Uraufführung
Musikalische Leitung Robert Reimer
Wiener Staatsballett

Einführung zuHans Neuenfels Einführung zu Die Entführung aus dem Serai der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Weitere Programmhighlights

 Die Entführung aus dem Serail (Premiere im Oktober 2020) mit Antonello Manacorda am Dirigentenpult und mit Brenda Rae, Emanuela von Frankenberg, Regula Mühlemann, Stella Roberts, Daniel Behle, Christian Natter, Michael Laurenz, Ludwig Blochberger, Goran Juric, Andreas Grötzinger und Christian Nickel;

Der Rosenkavalier unter Philippe Jordan u. a. mit Martina Serafin, Jennifer Holloway, Louise Alder, Albert Pesendorfer und Adrian Eröd;

Lohengrin u. a. mit Klaus Florian Vogt, Kwangchul Youn, Sara Jakubiak, Johan Reuter, Tanja Ariane Baumgartner und Cornelius Meister am Dirigentenpult

Elektra unter Franz Welser-Möst und u. a. mit Michaela Schuster, Aušrine Stundyte, Camilla Nylund, Jörg Schneider und Derek Welton.

Alle Vorstellungstermine und Besetzungen finden Sie online unter www.wiener-staatsoper.at.

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—


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Frankfurt, Oper Frankfurt, Oper Frankfurt zuhause, April 2020

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt zuhause

Nach der Veröffentlichung, dass die Einschränkungen für Opernhäuser und Theater im Rahmen der Corona-Krise doch länger zu dauern scheinen als von Vielen erhofft, startet die Oper Frankfurt auf ihrer Website unter www.oper-frankfurt.de/zuhause ein Programm für ihr Publikum, das in diesen Tagen nicht auf Oper verzichten will: „Oper Frankfurt zuhause“ präsentiert Opernaufführungen, „Wohnzimmerkonzerte“, Talkrunden und Programme für Kinder auf dem digitalen Weg. Anbei erste Termine:


Oper Frankfurt / Xerxes Gaëlle Arquez (Xerxes) © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Xerxes Gaëlle Arquez (Xerxes) © Barbara Aumueller

Samstag, 18. April 2020, 20.30 Uhr

Xerxes

Dieses Werk gehört zu Georg Friedrich Händels beliebtesten Opern und feierte am 8. Januar 2017 in der Sicht von Regisseur Tilmann Köhler Premiere an der Oper Frankfurt. Am Pult des Opern- und Museumsorchesters stand Constantinos Carydis, zu den Solisten gehörten Gaëlle Arquez in der Titelpartie sowie u.a. Lawrence Zazzo (Arsamene), Elizabeth Sutphen (Romilda), Louise Alder (Atalanta) und Tanja Ariane Baumgartner (Amastre). Die vom DVD-Label Unitel aufzeichnete Produktion wird nun über die Website der Oper Frankfurt vom 18. April um 20.30 Uhr bis 20. April um die gleiche Zeit zu sehen sein.


Dienstag, 21. April 2020, 20.30 Uhr

„Wohnzimmerkonzert“ mit Liviu Holender

Seit der Spielzeit 2019/20 gehört der junge österreichische Bariton zum Ensemble der Oper Frankfurt. Live aus seiner Wiener Wohnung gibt er nun ein Konzert mit bekannten und unbekannten Melodien aus den Genres Lied, Oper und Musical. Dabei begleitet er sich selbst am Klavier und wird tatkräftig von seiner Familie unterstützt. Das „Wohnzimmerkonzert“ wird live auf der Facebook-Seite der Oper Frankfurt (https://www.facebook.com/Oper-Frankfurt-107804884207164/?modal=admin_todo_tour ) gestreamt. Im Anschluss ist das Video des Konzerts auch auf der Webseite der Oper Frankfurt sowie auf YouTube und Instagram zu finden.


Donnerstag, 23. April 2020, 20.30 Uhr

Talk zu Inferno

Die Uraufführung der Oper von Lucia Ronchetti war als Koproduktion von Oper und Schauspiel Frankfurt für den kommenden Samstag geplant. Nun ist sie um ein Jahr auf Juni 2021 verschoben worden. In einem Werkstattgespräch geben die Komponistin, der Dirigent Tito Ceccherini sowie die beiden Dramaturg*innen Konrad Kuhn (Oper) und Ursula Thinnes (Schauspiel) Auskunft darüber, was bisher geschah und welche Arbeit noch aussteht, nachdem der Entstehungsprozess seit 10. März unterbrochen wurde.


Sonntag, 26. April 2020, 11.00 Uhr

Oper für Kinder

Diese Reihe ist einer der Dauerbrenner im Programm der Oper Frankfurt. Kaum hat der Vorverkauf begonnen, sind stets (fast) alle Vorstellungen der Reihe ausverkauft. Hier haben nun Kinder ab 6 Jahren und ihre (Groß-) Eltern ohne langes Anstehen an der Kasse die Chance, die Probe zu einer Produktion dieser beliebten, von Dramaturgin Deborah Einspieler und Puppenspieler Thomas Korte entwickelten Serie mitzuerleben.

Nähere Informationen unter www.oper-frankfurt.de/zuhause. Hier werden baldmöglichst auch weitere Termine innerhalb dieses Formats angekündigt.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—


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Frankfurt, Oper Frankfurt, The Medium – Satyricon, IOCO Kritik, 27.07.2019

Juli 27, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Oper, Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

The Medium – Gian Carlo Menotti : Satyricon – Bruno Maderna

 – Erstaufführungen der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot –

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Ein Ort, der Theatergeschichte geschrieben hat, bietet den passenden Raum für zwei jeweils gut einstündige Opernwerke: The Medium von Gian Carlo Menotti und Satyricon von Bruno Maderna sind erstmals zusammen zu hören und zugleich auch Frankfurter Erstaufführungen. Menotti (1911-2007) und Maderna (1920-1973) waren Zeitgenossen und doch unterscheiden sich ihre Kompositionsweisen und Werke erheblich. Auch in der Thematik gehen diese beiden Komponisten mit italienischen Wurzeln getrennte Wege.

 Oper Frankfurt / The Medium - hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Das Bockenheimer Depot verfügt über den kleinen, keineswegs weniger bedeutenden, dafür aber intimen Rahmen. Das Depot, das im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt, ist ein Relikt aus vergangenen Tagen: ein Betriebshof und Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt. Entstanden ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1900, um die elektrifizierten Straßenbahnen beherbergen zu können, doch 1966 war damit Schluss. Nach diversen Nutzungen – so auch von Zirkus Roncalli 1986 – musste nach dem Opernbrand von 1987 das Schauspielhaus, das seine Bühne der Oper zur Verfügung stellte, ins Bockenheimer Depot ausweichen. Der Umbau in ein Theater mit etwa 400 Sitzplätzen rechnete sich langfristig, denn von 1985 bis 2004 residierte dort das legendäre Theater am Turm –  kurz TAT. Dieses musste seinen angestammten Platz am Eschenheimer Turm, der ihm auch den Namen eintrug, verlassen – und mit ihm ging auch ein Stück Frankfurter und deutsche Theatergeschichte verloren. Bis heute nutzen sowohl das Schauspiel- als auch das Opernhaus der Städtischen Bühnen diesen ungewöhnlichen Theaterraum. Und ein weiterer Großer der Frankfurter Theatergeschichte gehört dazu: William Forsythe, der dem Ballett Frankfurt zunächst als künstlerischer Direktor und dann als Intendant zwei Jahrzehnte bis 2004 vorstand, gab bis 2015 mit seiner Forsythe Company dort regelmäßig Ballettvorstellungen Die Nachfolgekompanie gastiert noch heute im Bockenheimer Depot.

Oper Frankfurt / The Medium - hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

In The Medium sehen wir einen dunklen Raum, rechts mit einer Treppe zu einer Tür nach oben führend. Links steht der Tisch für anstehende spiritistische Sitzung bereit. Es ist ein klaustrophobischer Ort, es gibt zwar Türen links und oben, aber sie bieten keinen Ausweg – zumindest nicht für die Bewohner, wie sich später zeigen wird, stattdessen wird alles noch düsterer werden. Die Séance verspricht den Besuchern Kontakt zu ihren zu früh Verstorbenen herzustellen. Da sind das Ehepaar Gobineau, das über den Tod ihres kleinen Sohnes nach all den Jahren nicht hinwegkommen ist, und Mrs. Nolan, die eine fast schon erwachsene Tochter verloren hat. Aber auch die Bewohner dieses okkulten Ortes tragen ihre Päckchen: Madame Flora – Meredith Arwady – ist eine Wucht und die zentrale Figur dieser Oper – trinkt, ist unbeherrscht und kann brutal werden; wie sie das darstellt und mit allen Facetten ihrer Stimme operiert – von beinahe nicht geglaubter Sanftheit bis zu scharfen Tönen – ist sie der Höhepunkt des Abends. Insbesondere gegen ihren stummen „Ziehsohn“ Toby richtet sich ihre Wut und auch hier gilt: großartig gespielt von Marek Löcker. Monica, die Tochter und von Louise Alder als liebenswürdige Antifigur zu ihrer Bühnenmutter dargestellt, versucht den Ausgleich zwischen beiden. Sie mag Toby, und sie gibt ihm die Wärme, die er sucht, aber sie wird ihn nicht retten können. Ihre Figur und ihre berührende glockenklare Stimme sind nicht nur dramaturgisch, sondern auch musikalisch der Kontrast zu Madame Flora und ihrem schroffen Wesen.

Während die Gobineaus schon erfahrene Teilnehmer sind, ist Mrs. Nolan unsicher, ob der Kontakt zu ihrer toten Tochter gelingen kann und ihr Frieden bringen wird. Die Sitzung beginnt wie immer: Der Kontakt zum kleinen Sohn der Gobineaus erfolgt sofort, und auch Mrs. Nolan, skeptisch und etwas irritiert über die Aussagen ihrer Tochter, scheint überzeugt. Bis Madame Flora vermeintlich von einer unsichtbaren Hand berührt wird. Jetzt kippt alles. Die Séance-Teilnehmer werden nach Hause geschickt, Toby für die mysteriöse Hand verantwortlich gemacht. Wie eine Furie wütet diese Frau, die doch alles im Griff zu haben schien, und tappt in ihre eigene Falle. Als sie erneut kommen, will sie ihnen vorführen, dass das alles nur Tricks waren: Monica ist über einen Spiegel als die tote Tochter Mrs. Nolans erschienen, auch die Gobineaus habe sie nur betrogen. Doch sie glauben ihr die Wahrheit nicht. Sie trinkt, hetzt gegen Toby, am Ende ist ihre Wut sein Tod: Er erhängt sich und baumelt vom angedeuteten Dachboden, wohin er sich immer vor ihr geflüchtet hat, herunter. Ein ausgezeichnetes Sängerensemble, das fein aufeinander abgestimmt ist: Barbara Zechmeister und Dietrich Volle sind ein bewährtes Team, das die Eltern eines toten Kindes bis in jedes Detail sehr gut spielen und singen. Kelsey Lauritano beeindruckt mit schöner Stimme und ebenso versiertem Spiel. Louise Alder ist der Halt bzw. der optimistische Teil, der Hoffnung aufzeigt, so dass man geneigt wäre zu glauben, es wird noch eine Wendung zum guten Ende geben. Marek Löckers Rolle ist zwar stumm, aber seine Präsenz ist so grandios, dass er allen ein ebenbürtiger Partner ist. Und natürlich die alles umwerfende Meredith Arwady,: wie wenige andere ist sie in der Lage von Zärtlichkeit – in Stimme und Haltung – zu Wut und Aggression zu wechseln.

Hans Walter Richter zeigt ein stimmiges Kammerspiel, indem sich das Drama langsam abzeichnet und am Ende fürchterlich kulminiert. Ihm zur Seite stehen: der Bühnenbildner Kaspar Glarner, die Kostümbildnerin Cornelia Schmidt und Jan Hartmann, der für das entsprechende Licht sorgte. Ein rundes, gelungenes Werk zu dem das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der souveränen Leitung von Kapellmeister Nikolai Petersen hervorragend beiträgt. Belohnt wurde nicht nur das Regieteam, sondern auch das Sängerensemble mit großem Applaus; Meredith Arwady ist die überragende Sängerin des Abends, die vom Publikum dafür begeistert gefeiert wurde.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Der Raum ist bei Satyricon geweitet, alles ist offen und scheinbar heiter, heller, ein wahres optisches Kontrastprogramm zu The Medium. Auch musikalisch – die Leitung hat Simone di Felice übernommen – bietet es eine andere Klangwelt. Es ist eine musikalische Collage, die kräftig aus der Musikliteratur zitiert – von Tschaikowski bis Wagner, ebenso Tango und Jazz. Aber, wie Simone di Felice im Gespräch mit der Regisseurin Nelly Danker im Programmheft erläutert: „In ihren vielen kleinen Fragmenten ist die Musik absolut als eine italienische erkennbar. Für Maderna sind Instrumente wie Stimmen in einem Dialog, sie sprechen und streiten miteinander, wie Personen.

Tatsächlich findet ein ständiger „Dialog“ nicht nur der Instrumente, sondern auch der Protagonisten statt, den nachzuvollziehen aufgrund des überbordenden Bühnengeschehens und der gleichzeitigen Aktionen nicht unbedingt erleichtert wird. Bei Satyricon handelt es sich um ein Werk, das in unterschiedlicher Fassung bzw. Folge der sechzehn verschiedenen Szenen aufgeführt werden kann und soll. In fünf Sprachen wird das Gastmahl des Trimalchio gefeiert, eine Episode aus dem in Latein verfassten Romanfragment Satyricon von Petronius Arbiter aus dem 1. Jahrhundert zu Zeiten Kaiser Neros. Trimalchio, ein ehemaliger Sklave, ist zur Reichtum gekommen und gibt wieder eine Party, allerdings soll auf dieser seine eigene Beerdigung und sein letzter Wille verkündet und gefeiert werden. Natürlich kann das nur schrill und überzogen sein, und so lässt die Regisseurin Nelly Danker ein Laufband hinter der rechts stehenden Halbtreppe ständig neue Präsente auffahren, die kaum alle sinnvoll genutzt werden können – außer den Protz des Gastgebers zu demonstrieren. So wie auch die links freistehende Badewanne eher Lustspielen als ihrem eigentlichen Zweck dient. Überhaupt ist die Akrobatik ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Inszenierung: Scintillas Gesang ist ebenso artistisch wie ihre körperlichen Verrenkungen, einer Trapezkünstlerin gleich hängt sie im und am weißen von der Decke baumelnden Tuch. Die weiteren Gäste dieser makabren Feier sind Habinnas, ihr Gatte, sowie Criside und Eumolpus. Auch die Sklaven Niceros, Philargyros und Cairo sind nur Staffage, einzig da, ihren Herren zufrieden zu stellen und dabei auch die Attacken seiner Frau Fortunata abzumildern. Da es kein richtig oder falsch bei diesem Werk gibt, ist Flexibilität von Musikern und Mitwirkenden gefordert. Simone di Felice, seit 2017/18 Kapellmeister an der Oper Frankfurt, bringt es präzise auf den Punkt: „Das ist wie beim Festessen einer italienischen Familie. Drei Stunden lang sprechen alle laut durcheinander, und keiner hört zu. Es gibt eigentlich keinen Dialog, sondern viele Monologe gleichzeitig und trotzdem haben am Ende alle eine gute Zeit – meistens.“  Leider hat das die Regisseurin allzu sehr beherzigt, so dass das Stück eher disparat wirkt und im optischen Overkill untergeht. Mehr Schein als Sein hat sie ihren Figuren – insbesondere dem Gastgeber Trimalchio bescheinigt –, so dass alles nur Oberfläche bleibt, von der von ihr beschriebenen „bissigen Gesellschaftssatire“ Bruno Madernas ist wenig zu spüren. Schade, denn sie hätte durch eine stringentere Erzählweise genau das zeigen können.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Die Leistung aller Mitwirkenden kann gar nicht genug gelobt werden, das Publikum sah es ähnlich und belohnte die Mitwirkenden mit großem Applaus. Allen voran Peter Marsh als Trimalchio, der nicht nur mit den verschiedenen Sprachen hantieren muss, sondern musikalisch als ein mit Halbwissen um sich werfender in Gold gekleideter Gockel auftritt – mit großen Witz stattet er diesen über alle Epochen und Zeiten immer wiederkehrenden Zeitgenossen aus. Susanne Gritschneders eher geerdete oder berechnende Fortunata bildet einen schönen Kontrast dazu. Ambur Braid ist Scintilla, ihr zynisch angehauchter Mann Habinnas wird von Theo Lebow verkörpert. Criside, von Karen Vuong, und Eumolpus, von Mikolai Trabka, sind das andere Gästeehepaar. Die drei Sklaven werden von Kamil Mrozowski, Michael Gross und Manuel Gaubatz dargestellt. Unter Simone di Felice spielt ein fabelhaft aufgelegtes Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Für Bühnenbild zeichnet Kaspar Glarner, für Kostüme Cornelia Schmidt, für Licht Jan Hartmann und für Video Sami Bill verantwortlich.

Die Verschränkung der Stücke wirkt durchaus interessant, am Ende jedoch kann man sich nicht erwehren, nach der Sinnhaftigkeit der Verknüpfung zu fragen. Nichts verbindet sie, weder musikalisch noch inhaltlich – am ehesten noch, dass sie ein jeweils spezifisches gesellschaftliches Miteinander porträtieren und musikalisch erklingen lassen. Vielleicht hätte man beide Werke einer einzigen regieführenden Person überlassen sollen, so zerbröselte der Abend nach dem packenden ersten Teil zwar etwas, entwickelt aber insgesamt eine spannende, inspirierende Nachwirkung.

The Medium – Satyricon:  weitere Aufführungen im Bockenheimer Depot zur Zeit nicht auf dem Spielplan der Oper Frankfurt

 

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—


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