Malmö, Malmö Opera, Falstaff – tappt in die Digitale Welt, IOCO Kritik, 10.11.2020

November 9, 2020 by  
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Malmö Opera © Werner Nystrand

Malmö Opera © Werner Nystrand

Malmö Opera

Malmö Opera – die kommenden streaming Termine zu Falstaff : HIER

Falstaff –  tappt in die Digitale Welt

Lotte de Beer – inszeniert Giuseppe Verdis Oper in der Malmö Opera
IOCO erlebte die Produktion per Livestream

von Thomas Thielemann

Während im Rest Europas die Opernhäuser regelrecht erstarrt sind, konnten im Opernhaus des schwedischen Malmö fünfzig Besucher die Premiere einer Lotte-de-Beer-Inszenierung von Guiseppe Verdis Falstaff erleben. Uns blieb vergönnt, diese Premiere als Livestream des Hauses zu erleben.

Dem Vernehmen nach, war auch bei der Erarbeitung der Inszenierung nicht alles glatt gegangen: der Versuch, dass „Shakespeares Falstaff in George Orwells Farm der Tiere gelangt“  ließ sich trotz intensiver Bemühung nicht schlüssig umsetzen. So musste die niederländische Regisseurin Lotte de Beer mit dem Österreicher Bühnen- und Kostümbildner Christof Hetzer  innerhalb zweier Monate ein völlig neues Konzept auf die Bühne bringen.     Wo aber liegt das Problem?

Falstaff – tappt in die digitale Welt
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Der schlitzohrige, plumpe, grobe und dicke Säufer und Weiberheld in Shakespeares Drama Heinrich der IV. Teil 1 nannte sich ursprünglich Sir Oldcastle, was dem Dramatiker eine Auseinandersetzung mit einem späteren Verwandten der historischen Persönlichkeit (1378-1417) brachte. Der nun Sir John Falstaff benannte, taucht in vier Stücken Shakespeares auf: den beiden Heinrich IV.-Historien (1596/97), den Lustigen Weibern von Windsor sowie in Heinrich V. (1599), da allerdings nur sterbend und in der Erinnerung seiner einstigen Kumpanen.

Um seine Aufgaben als Ritter scherte er sich kaum. Vor allem trinkend und den Frauen nachstellend, ist er weder ein Held, noch ein Antiheld und keine tragische Figur in seiner derben Komik. Mit seiner scheinbaren Funktionslosigkeit ist Falstaff nach Hamlet die meistkommentierte Figur der Shakespeare-Stücke. Fast ebenbürtig steht der übergewichtige, trunksüchtige, Rauf- und Weiberheld neben Hamlet, einer Figur, die wie kaum eine andere in der Literaturgeschichte den zweifelnden, verzweifelnden modernen Menschen repräsentiert.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Misha Kiria als Falstaff © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Misha Kiria als Falstaff © Jonas Persson

Nachdem sich bereits Carl Ditters von Dittersdorf 1796, Antonio Saleri 1799, Michael William Balfe 1838, Otto Nikolai 1849 und Adolphe Adam 1856 am Falstaff-Stoff mit unterschiedlichem Erfolg versucht hatten, wollte Guiseppe Verdi sich mit einem heiteren Alterswerk an Shakespeares Vorlagen versuchen. Sein Librettist Arrigo Boito orientierte sich ebenfalls an The Merry Wives of Windsor, schnitt Teile der Handlung ab und schränkte die Anzahl der Charaktere des Spiels. Vor allem gab er mit der Einfügung von Passagen aus Heinrich IV. dem Charakter Falstaffs mehr Tiefe und Substanz. Aber auch Anklänge an Boccaccios Dekameron (auch Il Decamerone) und Fiorentinos l Pecerone sind im Libretto zu finden. Wichtig blieb für die Erarbeitung des Librettos, dass im Verlauf der Oper dem Charakter Falstaffs, seiner Selbstzufriedenheit und erhabenen Selbstgefälligkeit, kein Schaden zugefügt werden dürfe. Das gilt natürlich auch für die Inszenierungen des Alterswerkes Verdis:

Lotte de Beer stößt den Ritter trotzdem erbarmungslos in ein Fernsehstudio unserer Welt der zu-nehmenden Digitalisierung und entwickelt aus diesem Ansatz feinstes Regietheater.

Zunächst gelang es Falstaff, den modernen Rechtsstaat für seine Zwecke zu nutzen, muss aber, ob der gefallenen Börsenkurse akzeptieren, dass er pleite ist. Seine gleichlautenden Nachrichten an die Damen Alice Ford und Meg Page wurden natürlich per Mail expediert. Die Verabredung zu den Racheakten erfolgte (fast) zeitgemäß per Telefon, denn das Smartphone spielte bei den Anspielungen auf die moderne Kommunikation keine Rolle. Mag das an der Handy-Affinität der Protagonisten liegen? Für mich wäre das eine wunderbare Gelegenheit gewesen, auf die zerstörende Wirkung der mobilen Möglichkeiten unserer Tage auf den persönlichen Umgang anzuspielen.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Jaquelin Wagner als Alice Ford © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Jaquelin Wagner als Alice Ford © Jonas Persson

Fenton surft am Laptop und es entwickelte sich, nach dem Intermezzo im Büro des Falstaff, ein Feuerwerk von Regieeinfällen der Lotte de Beer und des Bühnen- und Kostümbildners Christof Hetzer. Da wurden die Möglichkeiten moderner Videotechnik auf das Verschwenderischste genutzt. Da wurde mit Grünwand-Einsatz, Überblendungen, der Einbeziehung der Kameratechnik in die Szene, sowie grüngekleidete Requisiten reichende Helfer und vieles mehr, bei einer hervorragenden Personalführung von Gail Skrela Hetzer, geboten. Fast muss man sich entscheiden, ob man der Musik oder den Bühnenaktionen folgen mochte. Man konnte durchaus lachen, aber wenn man in der Pause über das erlebte nicht nachdachte, wäre etwas falsch gewesen.

Dagegen kommt der lyrisch-bezaubernd angelegte dritte Akt konventioneller, geordneter daher und könnte den konservativen Opernbesucher fast versöhnen, wobei die Handlung allerdings hart an der Diskriminierung der Minderheit Falstaff schrammt.

Die Musikalische Leitung des deutsch-amerikanischen Dirigenten Steven Sloane  musste sich zwangsläufig auf das Bühnengeschehen, die Sängerbegleitung konzentrieren, stellte dabei eine perfekte Verbindung zum recht beeindruckenden Orchester her. Dabei scheute er nicht gelegentliches Krachen und Scharwenzeln des Orchesterklangs zuzulassen, aber ohne dass gelegentlich Musiker hervorblitzten.

Der Falstaff des georgischen Bariton Misha Kiria war für mich eine Entdeckung. Mit seiner schwerelos strömenden wundervollen Stimme und seiner Körperfülle vermochte er die Bühnenfigur als komplexen rücksichtslosen, glücklosen prolligen Zeitgenossen darzustellen. Ein Komödiant, der die Szene zu beherrschen wusste.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Sehoon Moon als Fenton © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Sehoon Moon als Fenton © Jonas Persson

Bei derartiger massiver Bühnenpräsenz half nur ein Damen-Trio, das durchaus die Hosen anhat, aber auch weibliche Schwäche zeigen kann. Die in Berlin lebende Amerikanerin Jaquelyn Wagner sang mit in der Höhe klarem und elegantem Sopran die Alice Ford. Dabei zeigte sie auch ihre Freude an komödiantischer Darstellung. Sanft und flink kam die vom Libretto etwas benachteiligte Meg Page der Schwedin Mathilda Paulsson mit ihrem schönen etwas hohen Mezzosopran daher. Die Altistin Maria Streijffert komplettierte die intrigante Damenriege mit einer beeindruckend virtuos gesungenen und präsent gespielten Frau Quickly.

Sein Debüt am Hause gab der türkische Bariton Orhan Yildiz als Ford. Besonders mit seinem fast rasend vorgetragenem Monolog im zweiten Akt wusste er zu beeindrucken. Das Dienerpaar Bardolfo und Pistola, verkörpert von dem heimischen Tenor Jonas Duran und dem Bass Nils Gustén, komplettierte erfrischend Szene und Klangbild. Das grandiose Ensemble ergänzte wundervoll aufgeregt der Schwede Niklas Björling Rygert mit seinem eleganten Tenor.

Einen darstellerisch-virtuosen Volltreffer landete das junge Liebespaar. Die aus Australien nach Malmö gekommene Alexandra Floot vermittelte mit jugendlich leichter zart ausschwingender Stimme und engagiertem Spiel ihre schwer umkämpfte Liebe, aber auch ihre Freude an den Intrigen. Ihr zur Seite konnte der Koreaner Sehoon Moon als Fenton mit anmutsvoll- kraftvollem Tenor das Paar ergänzen.  Ein nur kleiner Chor rundete das Klangbild aus dem Hintergrund ab.

Der naturgemäß magere Beifall der fünfzig Besucher konnte der schlüssigen Inszenierung und prachtvollen Aufführung nicht gerecht werden. Bleibt zu hoffen, dass in der „Nach-Corona-Zeit“ sich eine Gelegenheit zum Malmö-Besuch ergibt.

Falstaff an der Malmö Opera, die weiteren livestream Termine: 11.11.; 14.11.; 20.11.; 22.11.; 25.11.2020 und mehr  link HIER!

—| IOCO Kritik Malmö Opera |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, ALCINA – Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 25.02.2020

Februar 25, 2020 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

ALCINA –  Georg Friedrich Händel

….. am Anfang war der Zauber …

von Albrecht Schneider

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Aus dem Schatten, den die barocke Figur des Instrumental- und Oratorienkomponist Georg Friedrich Händel mit Alcina auf die musikalische Landschaft legt, tritt der gleichnamige Opernkomponist nicht gerade häufig hervor. Die zu seiner Zeit das musikalische Theater vorzugsweise darstellende Opera seria schätzte den Bühnenzauber durchaus, nutzte also die damaligen technischen Möglichkeiten der Illusionsmaschinerie. Ihre Stoffe rekrutierte sie vorwiegend aus der Mythologie, da in deren hehrem Personal die Souveräne Abziehbilder eigener Großartigkeit zu sehen und zu hören wünschten. Es war der Opera seria als Hofoper aufgegeben, als ästhetischer Verklärungsapparat von Herrschertugenden herhalten zu müssen; in dieser Tradition stand noch Mozart, der mit seiner Oper La Clemenza di Tito, indessen ordentlich honoriert, dem just inthronisierten Kaiser Leopold II zu huldigen hatte. Für die allerletzte ihrer Art mag Benjamin Brittens anlässlich von Elisabeth II Thronbesteigung 1953 geschriebene Krönungsoper Gloriana gelten. Mit ihr wird der jungen Königin Vorgängerin und Namenscousine Elisabeth I freilich weniger strahlend und abgehoben als irdisch schwankend szenisch und musikalisch abgemalt.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Die Inselkönigin und Zauberin Alcina verwandelt die Männer, die es auf ihr verruchtes Eiland verschlagen hat, post festum in wilde Tiere wie auch in allerlei Pflanzen und Gesteinsarten. Woher die drastische Verfahrensweise der Dame rührt, enthüllt die Oper nicht, weswegen es sich trefflich spekulieren lässt, ob ihre Galane sich im Bett womöglich als Taugenichtse erwiesen haben oder sie schlichtweg wie eine prämoderne Radikalfeministin verfährt, die den Männern jene Rollen zuweist, die ihrer Ansicht nach deren Grundausstattung repräsentieren.

Alcina – Georg Friedrich Händel
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Allein die Gegebenheiten ändern sich entscheidend, als der Ritter Ruggiero dort und bei ihr landet, folglich Herrscherin und Besucher sich heftig ineinander verlieben oder eher: sie sich gegenseitig geradezu verfallen. Im Liebesrausch vergisst sie die ganze Zauberei und er, dass daheim die Braut Bradamante seiner harrt. Mit deren Auftauchen im Reich Alcinas, um den abgängigen Verlobten in die Realität zurückzuholen, setzt die Oper ein. An ihrem Ende hat sie ihn mit viel Plackerei aus der Magierin Liebesbanden befreit und mit den eigenen zu seinem mutmaßlichen Heil gefesselt, zudem sich die Königinschwester Morgana mit dem eingeborenen Inselbewohner Oronte verbunden. Deren Glück kommt nicht so einfach zustande, weil Bramante vorerst als Mann auftritt und sogleich zum Ziel von Orontes Begierde wird. Zu guter Letzt entrinnen alle zusammen dem Herrschaftsgebiet der königlichen Hexe, die nunmehr als ein aller Liebe beraubtes, um alle Macht und alle Magie gebrachtes trostloses Weib samt nichtswürdigem Imperium dem Blick entschwindet.

Dieses äußere Spiel das Irrungen und Wirrungen ist handlungsarm; das Entscheidende vollzieht sich in der Innenwelt aller Beteiligten, die sich freilich öffnet mit rund vierzig Rezitativen und Arien als permanenten Affektentladungen.

Schauplatz ist nicht mehr die sinnenbetörende aber unselige „Insel des Barock“, sondern Strandbar und Hotelterrasse als Tummelplätze des heutigen Hedonismus’. In einem derartigen mondänen Milieu vermutet die Regisseurin Lotte de Beer die Sozialisation ihrer negativen Heldin und verortet sie auf Dauer auch deswegen dort, weil dieser Raum es ihr ermöglicht, allen destruktiven Gelüsten ungestört zu frönen, bis, ja, bis sie eben in glühender Liebe zu diesem Mann entbrennt und schließlich metaphorisch selbst darin verbrennt.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Beniamin Pop als Melisso, Elena Sancho Pereg als Morgana, Andrés Sulbarán als Oronte. © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Beniamin Pop als Melisso, Elena Sancho Pereg als Morgana, Andrés Sulbarán als Oronte. © Jochen Quast

Kunstgerecht und überzeugend hat die Regie vereint mit Christof Hetzer (Bühne), Jorine van Beek (Kostüm) und Alex Brok (Licht) die alte Geschichte einer Femme fatale, ein Habitus, der auf dem Theater und in der Literatur unausweichlich ins Verderben führt, in eine gleichsam bebilderte, also auch sichtbare Herzenssprache übertragen. Solcher das Schöpfungswunder Mann bedrohender und bisweilen geradezu auffressender Frauen werden die Herren im wahren Sinn des Wortes nur Herr mittels Gewalt: Schwert, Scheiterhaufen, Beil, Messer sind die gängigen Techniken, sofern sich nicht sogar der Meeresboden öffnet und sie verschlingt. Was jedoch kaum Wunder nimmt, da derartige Frauengestalten Jahrtausende hindurch in Männerhirnen geboren wurden.

Mitarbeit am Schicksal der negativen Heldin Alcina leisten in in diesem Magnetfeld der Leidenschaften, sich gegenseitig anziehend und wieder abstoßend, der wenig ritterliche, zunächst liebesblinde wie liebestaube Ruggiero, seine unbeirrbare und resolute Braut Bradamante, die von Hose zu Hose schwirrende Alcinaschwester Morgana und als deren letzte Zuflucht der gelegentlich intrigante Oronte.

Alcina Regisseurin Lotte de Beer © IOCO

Alcina Regisseurin Lotte de Beer © IOCO

Die vier von der Stimme her grandiosen Künstlerinnen und von der Erscheinung her bezaubernden (kein fauler Zauber!) Frauen singen sich allesamt wahrlich die Seele aus dem Leib. Davon unberührt dürfte kein Gemüt aus dem Opernhaus in die Nacht hinausgewandert sein. Der Sopranisten Jacquelyn Wagner Töne reflektieren alle Gemütszustände der Alcina: vom Hochgefühl der Liebe bis zur Verzweiflung der Zwölfachteltaktklage: „Mi restano le lagrime – Mir bleiben nur die Tränen“. Man ist hier geneigt mitzuweinen. Mit ihrem „Verdi prati, selve amene – Grüne Wiesen, liebliche Wälder“ singt die Mezzosopranistin Maria Kataeva ein bisschen Frühlingsahnung ins Halbrund des Opernhauses, eindrücklich und makellos gestaltet sie die Hosenrolle des Ruggiero (Die Partie hatte einst der Tenor Fritz Wunderlich in einer CD Aufnahme übernommen). Die Koloraturketten eines „Vorrei vendicarmi – Ich möchte mich rächen“ der tatkräftigen Bradamante (Wallis Giunta) klingen unheilschwanger nicht allein in den Ohren des wankelmütigen und verhexten Heiratskandidaten, sondern ebenso in denen des Auditoriums. Ihn mahnt mit dunkler Männerstimme „Pensa a chi – Denke an sie“ der bradamantische Leibwächter Melisso (Beniamin Pop), indessen der unberechenbaren Oronte (André Sulbarán) ihn mit „Semplicetto! a donna credi – Einfaltspinsel! du vertraust einer Frau“ angiftet. In des maulenden Patrons Herz glaubt die flatterhafte Morgana der Shira Patchornik (aus Wiesbaden für die erkrankte Elena Sancho Pergel bravurös eingesprungen), sich mit melancholischen Tönen „Credete al mio dolore – Glaubt mir meinen Schmerz“ neuerlich einschleichen zu können.

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA - hier : Wallis Giunta als Bradamante, Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / ALCINA – hier : Wallis Giunta als Bradamante, Maria Kataeva als Ruggiero, Jacquelyn Wagner als Alcina © Jochen Quast

Zum Ende des dreiaktigen Dramma per Musica, nachdem der Knabe Oberto (Maria Carla Pino Cury) die Zauberin mit „Barbara – Unmenschliche“ niedergesungen hat und dessen in einen Löwen verwunschener Vater in seine Originalgestalt zurückkehren durfte, finden die drei Hauptaktricen Alcina, Ruggiero und Bradamante sich – eine Rarität in der Opera seria – zu einem Terzett zusammen, um ordentlich miteinander zu hadern. Schließlich ist es ein Chor – auf der barocken Opernbühne ebenfalls nicht oft anzutreffen –, der mit >Ogni mal si cangia in bene – Alles Böse wandelt sich in Gutes< das Publikum wieder mit der realen und bedauerlicherweise nur gelegentlich zauberhaften Welt versöhnt.

Für die Dacapoarien braucht es einen langen Atem. Die in Larghettobögen wie attackierenden Perioden auskomponierten Affekte, lyrisch oder dramatisch formuliert, verlangen neben einer überzeugenden Darbietung Händelscher Musiksprache zudem Empathie der Künstlerinnen für ihre Figuren, damit sie lebendig, damit aus Noten Menschen werden. Regie und Gesang gelangen zu einer grandiosen Darstellung gemeinsam mit der rund dreißig Instrumentalisten zählenden, auf den angehobenen Orchestergraben platzierten Neuen Düsseldorfer Hofmusik. Das Ensemble, historischer Aufführungspraxis verpflichtet und darum mit Darmsaiten, nachgebauten Blasinstrumenten und Theorbe (Basslaute) aufspielend, schafft einen satten und stets transparenten Klangraum, in dem vernehmbar alle Vokalisten sich bestens aufgehoben wissen, und der einen Schwarm Besucher derart verzückt, um – leider – in die Arien hineinzuklatschen. Ein Extrabravo verdient sich die Continuogruppe.

GMD Axel Kober, aus Hamburg nach einem Dirigat von Verdis Falstaff zurück und problemlos aus der Sphäre einer Commedia lirica des späten Neunzehnten Jahrhunderts in die einer Opera seria des frühen Achtzehnten wechselnd, führt mit formenden Händen die Musiker durch die mal gewichtige mal beschwingte, mal düstere und mal lichtere Partitur, jeder ihrer Stimmen wird Gehör geschenkt; gemessen und wieder sprudelnd wie ein Fluss strömt und tanzt die Musik vorüber. Abermals begeistert eine Aufführung, die bloßlegt, wie genial Händel das antiquierte Opernmodell aus Schema und Konvention herauskomponiert hat, und es ist einzigartig, was für ein Stück quicklebendigen Theaters das Orchester, der Dirigent und besonders die brillante Künstlerschar aller Arten aus dem Werk miteinander zu machen verstehen.  Angemessen großer Applaus.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Alcina, 14.02.2020

Februar 11, 2020 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Lotte de Beer inszeniert Händels Zauberoper „Alcina“
In der Barockoper dreht sich alles um die Liebe – und das, was sie nicht ist.

Am Freitag, 14. Februar, dem Valentinstag, ist Premiere im Opernhaus Düsseldorf. Generalmusikdirektor Axel Kober dirigiert die Neue Düsseldorfer Hofmusik.

Dass die sogenannte Alte Musik erstaunlich jung und frisch wirken kann, hat die Deutsche Oper am Rhein zuletzt mit Georg Friedrich Händels Oper „Xerxes“ bewiesen. Am Freitag, 14. Februar, um 19.30 Uhr bringt sie wieder eine Barockoper auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses: Dann hat Händels Zauberoper „Alcina“ Premiere. Die Neue Düsseldorfer Hofmusik, Spezialisten für Alte Musik und den Originalklang der Barockmusik, lässt das Pendel zwischen vorwärtstreibender Dynamik und tief schürfenden Emotionen weit ausschlagen. Generalmusikdirektor Axel Kober leitet das Orchester und ein von starken Frauen angeführtes Sängerensemble: Jacquelyn Wagner, die das Publikum in Düsseldorf schon als Arabella, Desdemona und Feldmarschallin begeisterte, gibt ihr Rollendebüt als Alcina, die Mezzosopranistin Wallis Giunta gastiert als Bradamante in Düsseldorf. Ensemblemitglied Maria Kataeva, die 2019 bei Operalia in Prag den zweiten Preis und den Publikumspreis gewann, debütiert als Ruggiero, Elena Sancho Pereg als Morgana.

Deutsche Oper am Rhein / Alcina © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / Alcina © Jochen Quast

Die Zauberin Alcina herrscht über eine Insel der Lüste. Mit betörenden Sirenengesängen zieht sie Männer in ihren Bann, verführt und verwandelt sie, wenn sie ihrer überdrüssig geworden ist. Auch Ruggiero verliebt sich in die geheimnisvolle Fremde, doch seine Verlobte Bradamante macht sich auf den Weg, ihn zu finden.

Die Regisseurin Lotte de Beer – erstmals an der Deutschen Oper am Rhein zu Gast und gerade zum zweiten Mal für den International Opera Award nominiert – interessiert sich für die Psychologie hinter der Magie und Sinnlichkeit der Zauberoper: „Auf Alcinas Zauberinsel behaupten alle, von der Liebe angetrieben zu sein und verwechseln sie dabei mit Macht, Besitz und Eifersucht – mit allem, was Liebe eigentlich nicht ist. Alcina, die alle unterdrückt, hat vielleicht selbst ein Trauma in der Liebe erlitten. Allein Bradamante, die auf die Insel kommt, um ihren Verlobten Ruggiero aus den zärtlichen Fängen der Zauberin zu befreien, steht für die echte, aufrichtige Liebe. Sie lässt Alcinas Macht zerbrechen – ihr Zauberreich zerfällt.“ Die szenische Umsetzung gestaltet die Niederländerin zusammen mit dem Bühnen­bildner Christof Hetzer, der Kostüm­bildnerin Jorine van Beek, dem Lichtdesigner Alex Brok und den Videokünstlern von fettFilm.

Der „Alcina“-Premiere am Valentinstag (Fr 14.02. – 19.30 Uhr) folgen bis zum 1. März sechs weitere Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf: So 16.02. – 18.30 Uhr / Mi 19.02. – 19.30 Uhr / Sa 22.02. – 19.30 Uhr / Mi 26.02. – 19.30 Uhr / Fr 28.02. – 19.30 Uhr / So 01.03. – 15.00 Uhr

Tickets: Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211.89 25 211), Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203. 283 62 100) und online über www.operamrhein.de

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Alcina – Georg Friedrich Händel, 14.02.2020

Januar 10, 2020 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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  Zauberoper Alcina – Georg Friedrich Händel – an der Rheinoper

Neuinszenierung von Lotte de Beer

Premiere 14. Februar 2020

Nach der Erfolgsproduktion Xerxes widmet sich die Deutsche Oper am Rhein in dieser Spielzeit wieder einer Oper von Georg Friedrich Händel und feiert am Freitag, 14. Februar, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf die Premiere von Alcina.

Die Zauberin Alcina herrscht über eine Insel der Lüste. Mit betörenden Sirenengesängen zieht sie Männer in ihren Bann, verführt und verwandelt sie, wenn sie ihrer überdrüssig ist, in Steine, Pflanzen oder Tiere. Auch Ruggiero verliebt sich in die geheimnisvolle Fremde, doch seine Verlobte Bradamante macht sich auf den Weg, ihn zu finden …

Deutsche Oper am Rhein / Alcina - Elena Sancho Pereg (Morgana) und Maria Kataeva (Ruggiero) © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Alcina – Elena Sancho Pereg (Morgana) und Maria Kataeva (Ruggiero) © Andreas Endermann

Die Regisseurin Lotte de Beer – erstmals an der Deutschen Oper am Rhein zu Gast – interessiert sich für die Psychologie hinter der Magie und Sinnlichkeit der Zauberoper Alcina, in der fast alle Charaktere Liebe mit Geltung, Besitz und narzisstischem Verlangen verwechseln. Die Niederländerin arbeitet im Team mit dem Bühnen­bildner Christof Hetzer, der Kostümbildnerin Jorine van Beek, dem Lichtdesigner Alex Brok und den Videokünstlern von fettFilm.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Generalmusikdirektor Axel Kober freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Barock-Spezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik und ein von starken Frauen angeführtes Sängerensemble: Jacquelyn Wagner, die das Publikum in Düsseldorf schon als Arabella, Desdemona und Feldmarschallin begeisterte, gibt ihr Rollendebüt als Alcina, die Mezzosopranistin Wallis Giunta gastiert als Bradamante in Düsseldorf. Maria Kataeva, die 2019 bei Operalia in Prag den zweiten Preis und den Publikumspreis gewann, debütiert als Ruggiero, Elena Sancho Pereg als Morgana. Andrés Sulbarán spielt Oronte, Beniamin Pop den Melisso.

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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