Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, AIDA – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 02.03.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

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Opéra Royal de Wallonie-Liège

AIDA – Giuseppe Verdi

 150.000 Goldfranken „überzeugten“ Verdi,  dies große Werk  zu schaffen

von Ingo Hamacher

Mehrfach war er vom regierenden Khediven Ismail Pascha gebeten worden, eine Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ zu schreiben, aber Verdi hatte immer abgelehnt. Eine Repräsentations- und Prunkoper im Stil einer Grand Opéra mit Massenszenen, Balletteinlage und einem Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft, den klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit, interessierten ihn nicht mehr.

AIDA  –  Giuseppe Verdi
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Nach Don Carlo, dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte er nur noch seine Muttersprache vertonen. Verdi interessierte  Erzählungen menschlicher Konflikte; wollte Opern über Schicksale und Charaktere schreiben.

Erst, als ihm der in Kairo lebende französische Ägyptologe Auguste Mariette, Begründer der Denkmalpflege in Ägypten und des Ägyptischen Museums in Kairo, sein Libretto über eine im Alten Ägypten spielende Oper namens AIDA zuspielen ließ, erwachte Verdis Interesse. Möglicherweise hat auch der Hinweis geholfen, dass das Projekt alternativ an Richard Wagner oder Charles Gounod übergeben würde, falls Verdi nicht zusagen würde. Verdi forderte und bekam für die Komposition 150.000 Goldfranken; das bis dahin höchste Honorar für einen Komponisten. Die Uraufführung von AIDA fand am  24. Dezember 1871 statt, im Khedivial-Opernhaus in Kairo. Die Handlung spielt in  Memphis und Theben zur Zeit der Herrschaft der Pharaonen.

AIDA in Lüttich  –  So hätte wohl auch Verdi AIDA gewollt

Für das Bühnenorchester beim Triumphmarsch wurden von Verdi eigene Trompeten, die sogenannten AIDA-Trompeten, als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. Die Handlung ist nicht historisch, sondern fiktiv und berichtet von menschlichen Konflikten, die in vielen Opern Verdis das Wichtigste sind, immer ohne Happy End. Die Wirkung der Oper steht und fällt mit der ägyptischen bzw. ägyptisierenden Ausstattung; dies war so von Beginn an von Mariette und Verdi konzipiert.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Historische Genauigkeit der Handlung war nicht angestrebt, dagegen aber sehr wohl historische Genauigkeit in der Ausstattung. Auch die Musik sollte ägyptisch klingen, aber u?ber den Originalklang war nichts in Erfahrung zu bringen. Das die liturgischen Gesänge des Stückes als mit der Zeit der Oper stimmig erlebt werden, liegt an der Harfenbegleitung, der Chromatik der Melodik und dem monodischen und antiphonischen Gesang der Priester in der Art des Kirchengesangs von Palaestrina.

Die Tänze sind im ‚alla Turca’-Stil geschrieben, den z.B. auch Mozart für die Andeutung von „Orient“ benutzte. Besonders „ägyptisch“ klingt das Vorspiel zum dritten Akt, das eine tropische Sommernacht beschreibt. Zirpende Violinen; Flöten imitieren Vogelstimmen. Mit dem Triumphmarsch in seiner Oper Aida schuf Verdi einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und ein vor Trompeten-Fanfaren nur so strotzendes Stück opulenter Bühnenmusik.

Aber Aida endet nicht mit einem bombastischen fortissimo Finale, sondern verhaucht in einem vierfachen pianissimo. Spätere Theater verschoben den Schwerpunkt von der von Verdi komponierten Tragödie von Individuen zu einer pompösen Ägypten-Revue. Aida gehört zu den erfolgreichsten großen Opern des 19. Jahrhunderts.

Stefano Mazzonis di Pralafera, Intendant der Lütticher Opéra Royal de Wallonie-Liège und Regisseur der Produktion, greift Verdis ursprüngliche Idee eines ägyptischen Seelendramas wieder auf und inszeniert das Stück als Kammerspiel. Die Bühne gehört den leisen Tönen; den Beziehungen; den Emotionen. Es braucht nicht viel, um eine AIDA glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Man muss es nur richtig machen. Stefano Mazzonis di Pralafera und sein Team haben alles richtig gemacht.

Am Pult: Speranza Scappucci, eine 45-jährige italienische Dirigentin und Pianistin, die nach internationaler Tätigkeit im September 2017 Paolo Arrivabendi als Chefdirigent der Opéra Royal de Wallonie abgelöst hat. Scappucci spürt in ihrem Dirigat die Feinheiten der Partitur auf und lässt den Abend mit zart geführter Hand zu einem musikalischen Erlebnis werden.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

1. Akt

In einem schlichten, dunklen, von einer großen zentralen goldenen Horus-Statue dominierten Bühnenbild (Bühne: Jean-Guy Lecat) führt uns das Produktionsteam (Kostüme: Fernand Ruiz; Licht: Franco Marri; Choreographie: Michèle Anne De Mey; Chor: Pierre Iodice) in eine antikisierende Welt.

Zur von Radames als Kavantine gesungene Romanze „Celeste Aida“ (Himmlische Aida) erscheint Aida in einer stummen Partie auf der Bühne, so dass der Tenor die Arie nicht wie üblich in den Zuschauerraum brüllt, sondern seiner Geliebten zärtlich zuflüstern kann.

RADAMÈS: Gianluca Terranova: Der 48-jährige Römer ist international gefragten Tenor, der durch seine Leichtigkeit in der Höhe und durch große Bühnenpräsenz besticht.

Aida, Tochter des äthiopischen Königs, muss als Sklavin am ägyptischen Hof leben. Sie ist unsterblich in Radames verliebt. AIDA: Elaine Alvarez Die aus Kuba stammende international tätige US-amerikanische Sopranistin wird in dieser Spielzeit in Lüttich noch einmal, und zwar in der Titelrolle von Anna Bolena zu hören sein. Als Ägypten von den feindlichen Äthiopiern überfallen wird, wird Radames zum Heeresführer gegen die Äthiopier bestimmt. Er freut sich auf diese Aufgabe, hofft er doch, nach einem erfolgreichen Feldzug Aida heiraten zu können.

Amneris, die Tochter des Pharao, liebt den Feldherrn Radames ebenfalls und wirbt um seine Gunst. AMNERIS: Nino Surguladze: Die 41-jährige georgische Mezzosopranistin, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist stimmschön sowohl weltweit, als auch häufig in Deutschland zu erleben.

Radames rückt nach einer feierlichen Zeremonie mit den Truppen aus. Aida leidet an ihrer Ambivalenz zwischen der Liebe zu ihrer Heimat und zu Radames.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Luca Dall’Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

2. Akt

Die säulenartigen Mauertürme, die die Bühne bisher strukturiert haben, werden bei offenem Vorhang um 180 Grad gedreht, und fügen sich nun zu einem farbenprächtigen, reich ausgestatteten Palastinneren. Das Heer der Ägypter konnte gegen die Äthiopier siegen. Amneris entlockt Aida ihr Liebesgeheimnis, indem sie ihr erzählt, Radames sei in der Schlacht umgekommen. An Aidas emotionalen Reaktion erkennt Amneris ihre Rivalin. Sie befiehlt ihr, sie als Sklavin zum geplanten Triumphfest zu begleiten.

Ein Teil des Bühnenbodens wird in die Höhe gefahren, so daß auf der Unterbühne der große Chor sichtbar wird, bereit für den Triumphmarsch. So dezent das Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège bisher auch geführt wurde: Hier gibt es zusammen mit dem großen Chor des Hauses alles!

Bei stark zurückhaltendem Bühnengeschehen (Soldaten und tierköpfige ägyptische Gottheiten ziehen nacheinander an der Chorempore vorbei) wird der Triumphmarsch vor allem ein musikalisches Erlebnis. Der ägyptische König, gesungen von Luciano Montanaro, einem italienischen Bass, der ebenfalls in dieser Spielzeit in Anna Bolena zu erleben sein wird, nimmt seine siegreichen Soldaten feierlich in Empfang. Auf seinen Befehl hin werden die Gefangenen vorgeführt. Unter ihnen ist der äthiopische König, Aidas Vater, Amonasro.

AMONASRO: Lionel Lhote: Der belgische Bariton unterrichtet neben seinen internationalen Gesangsauftritten seit September 2015 an dem Königlichen Konservatorium in Brüssel. Als Lohn für seinen erfolgreichen Feldzug soll Radames auf Wunsch des Königs dessen Tochter Amneris heiraten und nach dessen Tod selbst König von Ägypten werden; er selbst bittet jedoch erst einmal um die Freilassung der Gefangenen.

3. Akt

Grüne Pflanzenspaliere verweisen auf einen neuen Handlungsort. Aida wartet in der Nacht heimlich an Nilufer auf Radames. Doch vorher erscheint Aidas Vater, Amonasro: Er möchte seine Tochter dazu bewegen, Radames das Geheimnis zu entlocken, auf welchem Weg eine Flucht gelingen würde. Aida ist im Zwiespalt. Radames erscheint und Amonasro versteckt sich. Aida erfragt die Möglickkeit einer gemeinsamen Flucht; Radames nennt die Napataschlucht.

Triumphierend tritt Amonasro nun aus dem Hintergrund hervor und offenbart seine wahre Identität als äthiopischer König. Radames erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten und sich dadurch entehrt hat. Amneris, die die Szene belauschte, tritt hervor und bezichtigt Radames des Verrats. Amonasro und Aida fliehen, Radames lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

4. Akt

Amneris ist verzweifelt und fühlt sich zwischen Wut und Liebe hin- und hergerissen. Sie möchte Radames retten und lässt ihn vorführen. Sie versucht ihn vergeblich zu überreden, sich vor Gericht zu verteidigen, um sein Leben zu retten. Radames geht davon aus, Amneris habe Aida getötet, weshalb er den Tod wählt. Erneut hebt sich der Bühnenboden und gibt den Blick auf das unterirdische Gefängnis frei. Man hört die Anklage der Priester; Radames jedoch schweigt. Er wird dazu verurteilt, in den Räumen unter dem Altar der Göttin lebendig begraben zu werden. Während Radames in seine Todeszelle hinab steigt, vernimmt er einen Seufzen.

Er sieht einen Schatten und erkennt Aida, die sich bei Tagesanbruch in die Krypta geschlichen hat, um mit ihm zu sterben. Gemeinsam nehmen die beiden Geliebten gelassen und verklärt Abschied von der Welt und versinken im Bühenboden.

In den weiteren Rollen:
RAMFIS, Oberpriester: Luca Dall’Amico, ein vielversprechender junger italienischer Bass, der an allen großen Häusern singt.

OBERPRISTERIN, Sopran: Tineke Van Ingelgem?Die Belgierin ist bekannt für ihr schauspielerisches Talent kombiniert mit einer hellen und kräftigen Stimme. Eine perfekte Besetzung für starke Frauenrollen.???BOTE: Maxime Melnik, geb. 1994, ist ein junger belgischer Tenor aus Charleroi.

Verdienter und lange anhaltender Applaus, rythmisches Klatschen, Jubel für die Solisten, ‚Ooohs‘ und ‚Aaahs‘ für die musikalische Leitung und Ovationen für das Produktionsteam beenden den erfolgreichen Abend.   So hätte Verdi es gewollt!

AIDA  im  Opéra Royal de Wallonie-Liège; die  weiteren Termine 03.03. (15:00); 05.03.; 07.03.; 09.03.; 10.03. (15:00); 12.03.; 14.03.2019

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Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Faust – Charles Gounod, IOCO Kritik, 29.01.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

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Opéra Royal de Wallonie-Liège

FAUST (Margarethe)  –  Charles Gounod

Margarethe – „Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“

von Ingo Hamacher

22 bekannte FAUST – Opern bestehen in der Musikgeschichte. FAUST von Charles Gounod ist davon die berühmteste. Uraufführung am 19. März 1859 im Théâtre-Lyrique, Paris. In Deutschland wird Gounods FAUST meist als MARGARETHE aufgeführt. 1883 wurde die Metropolitan Opera, New York mit diesem Werk eröffnet.


„Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“ – Diesen Ausruf Margarethes im 4. Akt auf dem Gipfel ihrer Leiden, hat Stefano Poda als Thema seiner Lütticher FAUST-Inszenierung aufgegriffen, und platziert einen 10 Meter hohen und 2 Meter breiten eisernen Ring in die Mitte des Bühnengeschehens.

Um die ästhetische Einheit seiner Arbeiten für das Musiktheater zu gewährleisten, zeichnet der Italiener Stefano Poda (*1973) stets für die Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht und auch Choreographie verantwortlich, was seinen Inszenierungen ein ganz eigenes, gesamtkünstlerisches Gepräge verleiht. Dreh- und Schwenkbar wird dieser riesige Ring immer neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnen, und so in größter Schlichtheit eine geradezu festspielwürdige Aufführung ermöglichen.

FAUST (Margarethe) –  Charles Gounod
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Der Bühnenboden ist kreisförmig mit deutschsprachigen Textauszügen des Goetheschen FAUST beschrieben, und wirkt wie ein Zauberbuch. Im Hintergrund und an den Seiten großblöckiges weißes Mauerwerk, dass bei Bedarf angehoben werden kann um dahinter schwarze Mauern zu zeigen.

Akt 1

Faust ist verzweifelt. Seine Bibliothek ist nichts mehr als ein riesiger Haufen Altpapier. Dutzende von Stundengläsern, deren Sand gnadenlos verrieselt, erinnert ihn daran, dass auch seine Zeit abläuft. Was er bisher nicht geschafft hat, wird ihm wohl nicht mehr gelingen. Er will sein Leben beenden; sieht er doch kaum auf mehr als auf ein ungelebtes Leben zurück. Wissenschaft und Glauben verfluchend, ruft er den Teufel an. Prompt erscheint dieser auch. Das Angebot ist verlockend: Als Gegenleistung für Jugend und Liebe soll er seine Seele verschreiben. Faust willigt ein.

Die anspruchsvolle Partie des FAUST wird von Marc Laho gesungen. Der 54 jährige belgische Tenor, der in Lüttich und Italien Gesang studiert hat und in weit über 30 Rollen auf zahlreichen internationalen Bühnen zu hören ist, singt einen großartigen Faust. Daran ändert auch nichts, dass er sich auf dem Höhepunkt der berühmten Kavatine „Salut! De meure chaste et pure“ („Hallo! Vom keuschen und reinem Morgen“) völlig versingt und lediglich einen schrillen, kaum zu ertragenen Ton herausbringt. Das Publikum reagiert mit verständnisvollem Gelächter. Die Partie ist schwierig, und Sänger sind auch nur Menschen. Versungen, aber nicht vertan, wird die Gesamtleistung der Arie mit reichlichem Applaus (!) belohnt.

Ildebrando D’Arcangelo, ein 50 jähriger italienischer Bass-Bariton, der weltweit vor allem klassische Rollen singt, ist erstmalig in Lüttich zu erleben. Er singt den Méphistophélès mit einer nachtschwärze, das seine Herkunft aus der Hölle auch akustisch mehr als glaubhaft wird.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 2

Wir wissen: In der Stadt herrscht Trubel. Bürger feiern; Soldaten ziehen in den Krieg. Sehen können wir auf der Einheitsbühne den seine Position veränderten Eisenring und eine große Menschenmenge in Einheitskostümen. Männer in roten Anzügen, Frauen in gleichfarbigen Kleidern, jedoch mit schwarzen Hüten. Valentin, Bruder von Margarethe, vertraut seine Schwester seinem Freund Siebel an, da er selbst in den Krieg ziehen muss. Mephisto gesellt sich zu ihnen und gibt ein Lied zum Besten: Er weissagt Valentin und dessen Freund einen frühen Tod, Siebel aber, dass jede Blume in seiner Hand verwelken werde.

Valentin: Lionel Lhote – Der belgische Barintion, der in Mons und in Brüssel studiert hat, singt seit vielen Jahren große Partien im französisch- und deutschsprachigen Raum. In der laufenden Spielzeit wird er in Lüttich noch in AIDA von Verdi zu erleben sein. Na‘ama Goldman, israelischer Mezzosopran, singt die Hosenrolle des Siebel. Goldman ist seit 2011 festes Mitglied der Israeli Opera, tritt jedoch auch regelmäßig auf den internationalen Bühnen auf.

Nach allerlei Zauberkunststücken merken die Umstehenden, dass der Teufel seine Hand im Spiel hat und gehen fort. Faust wünscht sich von Mephisto, Margarethe zu sehen. Faust spricht Margarethe an und bittet, sie begleiten zu dürfen, während Mephisto Siebel, der das Mädchen ebenfalls liebt, wegdrängt. Faust wird zunächst von Margarethe abgewiesen, bleibt aber wie verzaubert zurück.

Margarethe: Anna-Catherine Gillet – Der 44-jährige belgische Sopran ist bereits in jungen Jahren von der Königlichen Oper der Wallonie-Liege entdeckt und ins Hausensemble aufgenommen worden. Von hier aus hat sie sich die großen Rollen und die großen Bühnen ersungen, wobei sie einen besonderen Bezug zum französischen Repertoire des 19. Jahrhundert hat. Gillet hat schönes dunkelblondes, langes Haar und entspricht vom Typ exakt dem, wie sich ein Deutscher eine Margarete vorstellt. Warum sie die Rolle mit einer pariserischen schwarzen Kurzhaarfrisur singt, wird wohl das Geheimnis des französischen Regisseurs bleiben.

Akt 3

Der eiserne Ring beherbergt inzwischen in seinem Inneren zwei abgestorbene, weiße Baumskelette. Eiserne Kugeln mit deutschsprachiger Beschriftung deuten tiefergehende Geheimnisse an, die zu entschlüsseln den Sterblichen nicht gegeben ist. Siebel bringt Margarethe Blumen, die ständig welken, bis er sie mit Weihwasser benetzt. Mephisto führt Faust vor Margarethes Wohnung und stellt ein Kästchen Juwelen vor die Tür.

Als das Mädchen von der Kirche zurückkehrt und die Kostbarkeiten sieht, sind Siebels Blumen (hier in Form eines reich besetzten Blumenmantels) rasch vergessen. Marguerite probiert die prächtigen Juwelen an und verliebt sich in sie. Dem musikalischen Höhepunkt der Oper, die „Juwelenarie“ wird Anna-Catherine Gillet in vollem Umfang gerecht, wofür sie mit verdientem Applaus und Ovationen gefeiert wird. Faust und Mephisto kommen wieder und gehen mit den Frauen in den Garten. Mephisto flirtet mit Marthe, der er berichtet, dass ihr Mann tot ist. Marthe wird stimmschön von der belgischen Mezzosopranistin Angélique Noldus gesungen. Faust findet Gelegenheit, Margarethe seine Liebe zu gestehen. Von der Reinheit des Mädchens beeindruckt, will Faust fliehen. Mephisto hält ihn zurück und führt ihn in die Nähe ihres Zimmers, wo er sie sehnsüchtig singen hört. Faust kann sich nicht mehr zurückhalten und stürzt in die Arme der Geliebten. Mephisto eilt triumphierend davon.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 4

Faust hat Margarethe, die ein Kind erwartet, verlassen. Das Mädchen wird von allen verspottet, nur Siebel steht ihr bei. In der Kirche sucht sie Trost im Gebet. Eine Scheibe hatte sich wie eine Schablone hinter den aufgerichteten Eisenring geschoben, und ließ das lichtdurchflutende Kreuzzeichen als letztes Zeichen der Hoffnung aufscheinen. Aber Mephisto, die Stimme ihres Gewissens, lässt ihr auch hier keine Ruhe. Margarethe bricht ohnmächtig zusammen. Valentin kehrt mit seinen Kameraden zurück. Sie tragen bodenlange Soldatenmäntel und Dornenkronen als Zeichen des durchlittenen Leides. Margarethes Zustand bleibt ihm nicht lange verborgen, auch Siebel kann ihn nicht beruhigen.

Mephisto singt eine anzügliche Serenade, zu der zehn schwarz gekleidete, ebenfalls schwangere Frauen die Bühne betreten. Nacheinander lässt Mephisto die Luftballons, die unter den Gewändern versteckt die Schwangerschaften andeuten, unter höhnischem Gelächter zerplatzen. Faust will Margarethe sehen; Valentin stürzt davon.

Er wird von Faust, dessen Degen Mephisto lenkt, getötet. Während Faust und Mephisto fliehen, verflucht Valentin vor allen nun in Schwarz gekleideten Menschen sterbend seine Schwester, die von Siebel weggeführt wird.

Akt 5

Mephisto führt Faust zum Hexensabbat und der Walpurgisnacht auf den Brocken. Ein berauschendes Bacchanal wird von nackten Männern und Frauen getanzt, die von Kopf bis Fuß mit eisengrauer Farbe angemalt sind. Faust erscheint eine Vision Gretchens, die im Kerker ihre Hinrichtung erwartet, weil sie im Wahn ihr Kind getötet hat. Faust drängt Mephisto, seine Geliebte zu retten; beide eilen davon. Margarethe liegt phantasierend und von Gesichtern gequält auf dem Boden; an dem riesigen Einsenring abgespannte Seile deuten die Kerkerstäbe an. Die Stimme Fausts weckt das Mädchen, das ihn freudig begrüsst.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier D'ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier D’ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Beide erinnern sich der vergangenen schönen Tage und ihrer Liebe, doch Margarethe kann Faust nicht mehr folgen und fleht Gott um Erbarmen an. Vergebens sind Fausts Bitten. Margarethe wendet sich schaudernd von ihm und Mephisto ab. Sie sinkt tot zu Boden. Mephistos »Gerichtet« beantwortet der Himmel mit »Gerettet«. Weitere gesanglichen Höhepunkte: Abschiedsarie Valentins, das Rondo Mephistos und der Chor der Soldaten wurden ebenfalls großartig gesungen.

Langanhaltender Applaus für eine äußerst gelungene Vorstellung – Ovationen für die großartige Leistung von Stefano Poda

Für Lütticher Verhältnisse, die ihren Schwerpunkt auf klassische Inszenierungen im klassischen Dekor setzten, ein ungewöhnlich modern inszeniertes Werk. Es handelt sich hier um eine Übernahme aus dem Theatro Regio Torino in Zusammenarbeit mit der Opéra de Lausanne und der New Israeli Opera de Tel Aviv.

Musikalische Leitung: Patrick Davin. Der 1962 geborene Belgier hat mit zahlreichen großen Regisseuren und Komponisten zusammen gearbeitet, und führt das Orchester durch alle Feinheiten der Partitur. Inszenierung, Bühne, Kostüme, Choreographie und Beleuchtung: Stefano Poda, Choreinstudierung: Pierre Iodice, Orchester, Chor und Technik:, Opéra Royal de Wallonie-Liège

FAUST von Charles Gounod an der Opéra Royal de Wallonie-Liège:  Die weiteren Termine in Lüttich: 25.01.; 27.01.; 29.01.; 31.01.; 02.02.2019.  Im Palais des Beaux-Arts de Charleroi wird das Stück am 08.02.2019 zu sehen sein.

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