Wien, Wiener Staatsoper, Staatsoper trauert – Marcello Giordani, 05.10.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Wiener Staatsoper trauert  –  Marcello Giordani

Die Wiener Staatsoper trauert um den italienischen Tenor Marcello Giordani, der am Samstag, 5. Oktober 2019 zuhause in Augusta (Provinz Syrakus, Sizilien) im Alter von 56 Jahren einem Herzinfarkt erlegen ist. Die Staatsoperngemeinschaft drückt seiner Frau und den beiden Kindern ihre aufrichtige Anteilnahme aus.

Der 1963 in Augusta, Sizilien, geborene Marcello Giordani gewann 1986 den Gesangswettbewerb in Spoleto und debütierte im selben Jahr ebendort als Rigoletto-Herzog. Er avancierte bald zu einem der international gefragtesten Tenöre seines Fachs mit Auftritten an den bedeutendsten Häusern der Welt, so an der Mailänder Scala, der New Yorker Met, dem Royal Opera House Covent Garden in London, an der Pariser Oper, in San Francisco, Chicago, Barcelona, an der Dresdner Semperoper, der Arena di Verona u. v. a. m. A

n der Wiener Staatsoper gab Giordani bereits 1992 sein Debüt als Sänger im Rosenkavalier, es folgten Hauptpartien u. a. in I puritani, Rigoletto, La traviata, La Bohème, Roméo et Juliette, La forza del destino oder Aida. 2016 gab er seine Staatsopern-Rollendebüts als Calaf in Turandot und als Des Grieux an der Seite Anna Netrebkos in Manon Lescaut. Insgesamt gestaltete Marcello Giordani 14 verschiedene Partien in 72 Vorstellungen im Haus am Ring. Sein letzter Auftritt auf dieser Bühne war Radames (Aida) am 2. Oktober 2016. Marcello Giordani war auch sehr um den Sängernachwuchs bemüht: 2010 gründete er die Marcello Giordani Foundation mit dem Ziel, junge Sängerinnen und Sänger zu Beginn ihrer professionellen Karriere zu unterstützen; 2011 fand der erste Marcello Giordani Gesangswettbewerb auf Sizilien statt.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Rendsburg, Stadttheater Rendsburg, Manon Lescaut – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 27.05.2019

Stadttheater Rendsburg © Stadttheater Rendsburg

Stadttheater Rendsburg © Stadttheater Rendsburg

Schleswig-Holsteinisches Landestheater

Manon Lescaut  –  Giacomo Puccini

Puccini entspannt – An einem Nachmittag

von Hartmut Kühnel

Geschätzte 150 Zuschauer verliefen sich an diesem Sonntagnachmittag (Vorstellungsbeginn 16 Uhr) im Rendsburger Stadttheater. Das ist schon frustrierend für diejenigen, die da auf der Bühne und im Orchestergraben ihre Arbeit machen. Aber sie ließen es sich zumindest nicht anmerken und gingen mit einem Engagement zu Werke, als sei das Haus bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und die Anwesenden dankten es ihnen am Ende mit lang anhaltendem Applaus.

Das 1901 eröffnete Stadttheater Rendsburg ist mit seinen gut 500 Plätzen zwar nicht groß, aber es ist mit seiner in historisierendem Stil erbauten Fassade und dem großen Foyer mit bemalten Fenstern in 1. Rang ein wahres Schmuckstück, das sich erfreulicherweise auch noch in hervorragendem Zustand befindet – und die ganz sicher nicht von 1901 stammenden Toiletten bieten deutlich mehr Platz als in der Elbphilharmonie.

Stadttheater Rendburg / Manon Lescaut - hier : mit Chul-Hyun Kim als Renato des Grieux  © Thore Nilsson

Stadttheater Rendburg / Manon Lescaut – hier : mit Chul-Hyun Kim als Renato des Grieux © Thore Nilsson

Seit Mitte der 70er ist das Stadttheater Rendsburg Teil des Landestheaters Schleswig-Holstein, zu dem auch die Theater in Husum, Ithehoe, Schleswig sowie diverse andere Spielstätten gehören. Das Musiktheater hat seinen Hauptsitz in Flensburg, gastiert aber mit einigen (nicht allen) Produktionen auch anderweitig, die Bühnenbilder müssen also nicht nur überall passen, sondern auch relativ einfach transportabel sein, obendrein ist auf die jeweils vorhandene – oder aus Sicht eines die Gegebenheiten der Hamburgischen Staatsoper gewohnten Besuchers manchmal eher auch nicht vorhandene – Bühnentechnik Rücksicht zu nehmen; aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch und „einfach“ kann zwar mitunter schwierig sein, mit ein bisschen Einfallsreichtum und langer Theaterpraxis aber auch sehr wirkungsvoll.

Insofern waren der Regie führende Generalintendant Peter Grisebach mitsamt Ausstatter Michele Lorenzini denkbar simpel zu Werke gegangen; ein Halbrund ansteigender Podeste (als wolle man einen Konzertchor auf der Bühne postieren) dient als Grundaufbau, ein großes, in Falten gelegtes Tuch darüber, dahinter ein Rundhorizont mit Himmel und Wolken, fertig! Die jeweiligen Handlungsorte der ersten drei Akte sind mit ebenso sparsamen Mitteln angedeutet, im letzten Akt reicht allein rotes Licht. Die Kostüme springen ein bisschen durch die Zeiten, vom 18. Jh. des Abbé Prevost im 2. Akt über eine ganze Menge 19. Jh. bis zum in seiner Uniform ziemlich modern aussehenden Schiffskapitän. Aber sie verleihen Personen und Handlung die jeweils passende Atmosphäre und sorgen zusammen mit der Personenführung dafür, dass hier durchgehend eine glaubhafte Geschichte erzählt wird. Allerdings eine, die vielleicht besser „Die Tragödie des Renato des Grieux“ heißen müsste, was durchaus Sinn macht, wenn man weiß, dass der 1731 erschienene Roman des Abbé Prevost, der Puccini als Vorlage diente, eben nicht mit Manons Tod endet sondern eher mit „und die Moral von der Geschicht“, denn der Überlebende des Grieux wird aufgefunden und zurück in ein „sittlicheres“ Leben geführt.

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut  - hier :  v.l.: Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut – hier : v.l.: Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Er ist es, der nach und nach seine gesamten moralischen Grundsätze für eine Frau über Bord wirft, die selbst keine Moral hat, denn sie verrät die Liebe von des Grieux für den Luxus genauso gewissenlos wie sie danach Gerontes Großzügikeit für den erotischen Genuss verrät – aber die Klunkern müssen natürlich trotzdem mit…..

Die pure Lebensgier dieser Figur ist mir noch in keiner Inszenierung so deutlich geworden. Vielleicht auch, weil genau dies von Anna Schoeck grandios ausgespielt wird, nachdem sie im ersten Akt noch die Schüchterne war um am Ende als Liebende zu sterben. Das ist wunderbar wandlungsfähig gestaltet und mit einer schon ziemlich dramatischen Stimme (sie hat hier auch schon Senta gesungen), der neben kraftvollen Passagen und voluminösen Spitzentönen auch schöne Pianobögen zur Verfügung stehen, ebenso gesungen. Sicher, es ist vom Klang her eher eine deutsche Stimme und die italienische Diktion ist nicht wirklich idiomatisch, aber das schmälert die Gesamtleistung nicht. Und natürlich kann man sich den extra Sprachcoach hier auch nicht leisten, noch viel weniger die zusätzliche Sopranistin für das italienische Fach (die ja deswegen nicht zwangsläufig besser singen würde). Und die Bandbreite, die gerade viele Sänger der kleinen Häuser draufhaben und draufhaben müssen, macht es ja auch wieder interessant.

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut - hier  : v.l.: Kai-Moritz von Blanckenburg, Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut – hier : v.l.: Kai-Moritz von Blanckenburg, Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Das beste Italienisch kommt – wie inzwischen häufiger wenn kein Muttersprachler dabei ist – aus Korea. Der Tenor Chul-Hyun Kim steht erst seit ein paar Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten und hat bisher vorwiegend Lyrisches gesungen, etlichen Mozart, leichteres italienisches Fach und von Puccini Rinuccio und Rodolfo. Also keiner, der den in Teilen doch deutlich dramatischeren des Grieux mit seiner dafür auch noch extrem hell timbrierten Stimme mal so eben rein über das Material aus dem Ärmel schütteln kann. Aber WIE er ihn singt ist schlichtweg faszinierend. Das Organ sitzt durchgehend perfekt und kann, wenn nötig, ohne zu forcieren so fokussiert werden, dass es in den entsprechenden Passagen eine Durchschlagskraft hat, die man ihm nach dem verhalten gestalteten Beginn nicht zugetraut hätte. Dazu ein tolles Legato, einen langen Atem und sichere Höhen – was will man mehr! Obendrein ist er ein überzeugend verzweifelt Liebender und widerlegt zudem das häufig anzutreffende Vorurteil, dass Asiaten keine Mimik hätten.

Auch nicht rein über das Material prunken konnten GMD Peter Sommerer (der das Theater mit Ende der Spielzeit verlässt) und das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester. Wie spielt man Manon Lescaut mit etwa 35 Musikern? Schon Harfe und Pauken müssen außerhalb des Mini-Grabens platziert werden, bei den Streichern gibt es gerade mal 2 Celli und 2 Kontrabässe, mehr geht nicht! Aber es funktioniert! Keine Spur von „Schmalspur-Puccini“. Und obendrein noch differenziert und mit ordentlich Schwung, bravo!

Bei den anderen Partien (Lescaut / Marian Müller, Geronte de Ravoir / Markus Wessiack, Edmondo / Christopher Hutchinson, Wirt & Kommandant / In-Tack Liem, Musiker / Eva Eiter, Tanzmeister & Laternenanzünder / Fabian Christen, Sergeant / Dmitri Metkin) ging besonders im ersten Akt doch die ein oder andere Phrase im Orchesterklang unter. Ob das an mangelndem Volumen, einem eventuell doch etwas zu lauten Orchester oder schlicht der Akustik des Hauses auf meinem Platz lag, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall wurde durchweg sauber und bombensicher studiert gesungen und überzeugend gespielt; auch am SH-Landestheater müssen kleine Rollen aus dem Chor besetzt werden, der als solcher (samt Extrachor) im ersten und dritten Akt erfreulich homogen klang, ohne störend herausfallende Einzelstimmen (Einstudierung Bernd Stepputtis)

Manon Lescaut am Landestheater Schleswig-Holstein: die beiden letzten Aufführungen am 4.6. und 8.6.2019  19 Uhr 30 im Stadttheater Flensburg.

—| IOCO Kritik Schleswig-Holsteinisches Landestheater |—

Zürich, Opernhaus Zürich, Premiere Manon – Piotr Beczala, 07.04.2019

März 22, 2019 by  
Filed under Oper, Opernhaus Zürich, Premieren, Pressemeldung

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

  Manon – Jules Massenet
So, 07. April 2019, 19 Uhr

Die nächste Premiere des Opernhaus Zürich wartet am 7. April 2019 mit einer Traumbesetzung auf. In der Neuproduktion von Jules Massenets Manon, die seit über 30 Jahren nicht mehr in Zürich zu sehen war, feiert der Shootingstar Elsa Dreisig ihr Rollendebüt in der Titelpartie. Manons Liebhaber Des Grieux, wird von Piotr Beczala verkörpert. Marco Armiliato leitet die Philharmonia Zürich. Für die Inszenierung zeichnet der holländische Regisseur Floris Visser verantwortlich.

Die Geschichte dreht sich um den Aufstieg und Fall der jungen Manon: von Kopf bis Fuss auf Liebe und Luxus eingestellt, versucht sie für sich ein besseres Leben zu erreichen. Bei dem Versuch geht sie am Ende doch zu Grunde.

Einführungsmatinee i : Am Sonntag, 24. März um 11.15 Uhr im Bernhard Theater. Das Produktionsteam um Regisseur Floris Visser sowie die Solisten Elsa Dreisig und Piotr Beczala geben im Gespräch mit Dramaturgin Kathrin Brunner Auskunft über ihre Arbeit an Massenets Oper.


Am 7. April 2019 feiern wir die Premiere unserer Neuproduktion von Massenets Oper Manon in der Inszenierung von Floris Visser und mit Elsa Dreisig und Piotr Beczala in den Hauptpartien. Unheilvolle Liebe erleben Sie auch im Geistermärchen Giselle, getanzt vom Ballett Zürich ab dem 11. April. Sie wollten schon immer einmal wissen, wie das Leben eines Spitzenschuhs aussieht? Wir verraten es Ihnen in der neuesten Episode von Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Als Mrs. Lovett war Angelika Kirchschlager im Dezember in Sweeney Todd zu erleben; am 1. April zeigt sie sich mit einem Liederabend wieder von einer anderen Seite. In unserer Konzertreihe spielt das Orchestra La Scintilla unter Riccardo Minasi die berühmten Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und vier weniger bekannte «Jahreszeiten» von Giuseppe Verdi. Und am 27. April begrüssen wir das Gastspiel Eine Frau, die weiss, was sie will! aus der Komischen Oper Berlin auf unserer Bühne.


Manon
Oper in fünf Akten und sechs Bildern von Jules Massenet (1842-1912)
Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gille
nach einer Vorlage von Abbé Prévost

Musikalische Leitung Marco Armiliato Inszenierung Floris Visser Bühnenbild und Kostüme Dieuweke van Reij Choreografie Pim Veulings Lichtgestaltung Alex Brok Choreinstudierung Ernst Raffelsberger Dramaturgie Kathrin Brunner

Manon Lescaut : Elsa Dreisig
Le Chevalier des Grieux : Piotr Beczala
Lescaut : Yuriy Yurchuk
Le Comte des Grieux : Alastair Miles
Guillot de Morfontaine : Eric Huchet
De Brétigny : Marc Scoffoni
Poussette : Yuliia Zasimova
Javotte : Natalia Tanasii
Rosette : Deniz Uzun
L’Hôtelier : Cheyne Davidson
Deux Gardes : Jamez McCorkle , Omer Kobiljak
Le Portier du Séminaire, Un Sergent : Henri Bernard Guizirian
La Servante : Caroline Fuss
Premier Joueur : Omer Kobiljak
Deuxième Joueur : Juan Etchepareborda
Tänzer : Tänzerinnen und Tänzer
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich

—| Pressemeldung Oper Zürich |—

Osnabrück, Theater am Domhof, Spielplan 2016/17: Von Mozart bis Houellebecq, IOCO Aktuell, 31.05.2016

Juni 1, 2016 by  
Filed under IOCO Aktuell, Musical, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Spielplan 2016/17: Mozart, Büchner, Schirach, Gogol….

Zwischen Aufklärung und Unterhaltung

 Osnabrück / Auch 2016-17 wieder: My fair Lady © Joerg Landsberg

Osnabrück / Auch 2016-17 wieder: My fair Lady © Joerg Landsberg

Das Theater der Stadt Osnabrück in Niedersachsen ist ein Fünf-Sparten Haus für Konzert, Schauspiel, Musik- und Tanztheater wie Junges Theater.  Das Theater am Domhof hat 642 Plätze und eine schöne Jugendstilfassade. 1909 wurde es mit Shakespeares Julius Caesar eröffnet. Das kleine Haus mit knapp 100 Plätzen, das emma-theater, liegt dicht vor der Stadtmauer mit dem Heeger-Tor. Es zeigt meist experimentelle oder aktuelle Stücke von häufig jüngeren Autoren.  Von Hanns Butterhof

Im Dezember 2015 wurden die Städtischen Bühnen Osnabrück mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. In der Preisvergabe heißt es: „Den Städtischen Bühnen Osnabrück gelingt es auf beeindruckende Weise, mit allen Sparten gleichermaßen ein qualitativ bemerkenswertes und stringentes Programm zu gestalten. Nachhaltige Autorenförderung steht hier ebenso im Zentrum wie ein ambitioniertes Musiktheater, das sich selten gespielten und zeitgenössischen Opern öffnet...“

Osnabrück / Theater Intendant Ralf Waldschmidt © Marek Kruszewski

Osnabrück / Theater Intendant Ralf Waldschmidt © Marek Kruszewski

Das Osnabrücker Theater versteht Intendant Dr. Ralf Waldschmidt als Ort lebendiger Diskussion, nicht als hehren Kunsttempel. Bei der Vorstellung der neuen Spielzeit 2016/17 mit prallen 28 Premieren und 10 Wiederaufnahmen betont er die gesellschaftliche Verpflichtung, die sich für das „Theater in der Friedensstadt“ ergibt. Doch kommt auch die Unterhaltung im neuen Programm nicht zu kurz.

Die „Kernthemen“  Menschenrechte, Toleranz und Fortführung des „Projekts Aufklärung“ finden ihren Platz am deutlichsten in der Schauspielsparte. Dominique Schnizer, der neue leitende  Schauspielregisseur, positioniert daher Lessings Toleranz-Drama Nathan der Weise zentral und flankiert es  mit Georg Büchners Dantons Tod und von Schirachs Terror. Das konkretisiert die Lessingsche Aufklärungsidee historisch, und mit Michel Houellebecqs  Unterwerfung wird ihr aktueller Stand provokant beleuchtet.

 Osnabrück / Theater GMD Andreas Hotz © Marek Kruszewski

Osnabrück / Theater GMD Andreas Hotz © Marek Kruszewski

Doch ist auch viel Komödie im Programm. Sie reicht von Nicolai Gogols Klassiker Der Revisor über eine deutschsprachige Erstaufführung von Das Lächeln einer Sommernacht des eher als Regisseur düsterer gesellschaftskritischer Filme bekannten Ingmar Bergmann bis hin zu Lutz Hübners boulevarderprobtem Stück Frau Müller muss weg.

Im Musiktheater stellt Generalmusikdirektor Andreas Hotz Mozarts Oper Die Zauberflöte unter das große Thema „Aufklärung“, insofern Mozart die humanitären Fragen der Zeit stelle. Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe und Giacomo Puccinis Oper Manon Lescaut  entziehen sich dieser Zuordnung eher wie auch das als witzig und schrill angekündigte Musical The Addams Family von Andrew Lippa.

 Osnabrück / Theater: Die Physiker auch in 2016/17 © Marek Kruszewski

Osnabrück / Theater: Die Physiker auch in 2016/17 © Marek Kruszewski

Mit Ausgrabungen wie der Braunfels-Oper Die Vögel oder Manfred Gurlitts  Soldaten hatte das Musiktheater bisher eine äußerst glückliche Hand. Gespannt darf man daher auf Das Lied der Nacht von Hans Gál sein. Die 1930 erfolgreich uraufgeführte Oper wurde danach zusammen mit ihrem ins Exil gegangenen Komponisten vergessen.

Das Konzertangebot ist von Johann Sebastian Bach bis Mikis Theodorakis breit gefächert, die Schlosskonzerte Haydn Plus stellen jeweils Joseph Haydn einem weiteren Komponisten spannend gegenüber.

Osnabrück / Theater - TRI-ANGLE Prelude © Jörg Landsberg

Osnabrück / Theater – TRI-ANGLE Prelude © Jörg Landsberg

Interessant dürfte auch das werden, was der Künstlerische Leiter der Dance Company Theater Osnabrück, Mauro de Candia, aus dem Ballett Schwanensee macht. Denn zur Life-Musik Tschaikowskys, versichert de Candia, wird es keinen Spitzentanz geben. Zudem arbeitet de Candia für einen einst von Mary Wigman choreografierten Totentanz wie beim spektakulären Sacre du Printemps wieder mit Marco Goecke zusammen; das sehr hermetische Projekt Biografia del Corpo führt er mit Rafaële Giovanola weiter.

Insgesamt dürfte der vielseitige Spielplan das intakte Verhältnis von Stadt und Bürgern zu ihrem Theater Osnabrück stärken, das mit relativ geringem Budget Hervorragendes leistet, wofür es zu Recht mit dem „Theaterpreis des Bundes“ ausgezeichnet wurde.  IOCO /  Hanns Butterhof / 31.05.2016

 

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

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