Dresden, Kulturpalast, London Philharmonic Orchestra – Vladimir Jurowski – Jan Vogler, IOCO Kritik, 20.11.2019

November 19, 2019 by  
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Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

  London Philharmonic Orchestra – Vladimir Jurowski – Jan Vogler

Britten – Mahler – Zweites Dresdner Palastkonzert

von Thomas Thielemann

Vieles verbindet das Dresdner Musikleben mit der Dirigentendynastie Jurowski. Der 1945 als Sohn des Komponisten Wladimir Jurowski (1915-1972) geborene Mikhail Wladimirowitsch war seit 1988 Gastdirigent der Semperoper und wäre fast Bürger der Stadt geworden. So aber rief Berlin und Mikhail begrenzte seine Verbindungen zur Stadt mit zahlreichen Gastdirigaten bei der Staatskapelle, der Dresdner Philharmonie und bei den Gohrischer Schostakowitsch-Festtagen. Sein älterer Sohn Vladimir (geboren 1972) nahm 1990 ein Studium an der hiesigen Musikhochschule Carl-Maria-von-Weber unter anderem bei Colin Davis auf, folgte aber dann der Familie. Als Dreißigjähriger debütierte er 2002 mit großem Erfolg mit Pendereckis Oper Der Teufel von London an der Semperoper und ist seit dem als Gastdirigent der Staatskapelle mit außergewöhnlichen Programmen ein Erfolgsgarant. Bei seinen Gastdirigaten im Semperbau war Vladimir Jurowski fast ausschließlich mit den wenig populären schwierigeren Aufgaben betraut gewesen. Erinnert sei hier an Lera Auerbachs Dresdner Requiem im Jahre 2012, an das 11. Symphoniekonzert 2015 mit Werken von Sofia Gubaidulina, Tanjew und Skrjabin, an das 6. Symphoniekonzert 2017 mit Kompositionen von Zemlinski, Schulhoff und Martin? sowie das diesjährige 10. Symphoniekonzert mit den Sommernachtsträumen Henzes und Mendelssohns mit der etwas flippigen Isabel Karajan. Letztere hatte es Jurovski doch etwas schwer gemacht, sein Konzept durchzusetzen.

 Vladimir Jurowski @ Oliver Killig

Vladimir Jurowski @ Oliver Killig

Am 17. November 2019 kam er mit seinem London Philharmonic Orchestra in den Konzertsaal des Kulturpalast von Dresden, um  im Rahmen der Palastkonzerte mit Jan Vogler die Cello-Symphonie op. 68 von Benjamin Britten und Gustav Mahlers fünfte Symphonie zu spielen. Seit Jan Vogler 2007 das Orchester von Kurt Masur übernahm, ist er der Chefdirigent des 1932 gegründeten Klangkörpers.

Benjamin Britten © IOCO

Benjamin Britten © IOCO

Der bedeutende englische Komponist Edward Benjamin Britten (1913-1976) war 1963 von seinem Freund, dem russischen Cellisten, Dirigenten und Humanisten Mstislaw Rostropowitsch (1927-2007), gebeten worden, ihm ein Cellokonzert zu schreiben. Wegen seiner Symphonie-typischen Struktur mit vier Sätzen wird die Komposition üblicherweise als „Symphonie für Cello und Orchester op. 68“ bezeichnet. Erklärt wird diese außergewöhnliche Struktur mit den Umständen, dass sich der erklärte Pazifist und Kriegsdienstverweigerer Britten in den 1960er Jahren mit den Schrecken und Leiden des zweiten Weltkriegs auseinandergesetzt hatte, aber mit seinem bekanntesten Werk War Requiem 1961 unter dem Eindruck des „Kalten Krieges“ noch nicht zum Abschluss seines Anliegens gekommen war.

Mit dem Rostropowitsch zugeeigneten Cellokonzert widmete er sich nochmals den Problemen von Krieg und Frieden. In drei Sätzen, schnell majestätisch-sehr schnell unruhig-langsam, zeichnete er mit der Cello-Komposition mittels düsterer Klangfarben eine Reise vom Dunkeln ins Licht. Wie Nebelschwaden  sind die Cello-Passagen in den Klangteppich eingelagert. Mit einer dem Adagio unmittelbar angeschlossenen langen Kadenz, die wie eine Klammer von den drei trostlosen Sätzen zum hoffnungsvollen Finale überleitet, ist gleichsam organisch die komplexe symphonische Struktur entstanden. Die Komposition ist Brittens größte symphonische Arbeit und ist vor allem von seiner Freundschaft zu Rostropowitsch geprägt. Orchester und Solist agieren auf Augenhöhe. Britten verzichtete auf ein avantgardistisches Klangbild und greift vor allem auf Barockformen zurück.

Jurowski gelingt es, mit dem Orchester lebendig in die Klangwelt des Komponisten einzutauchen und eine überzeugende Deutung der Anti-Kriegs-Komposition Brittens vorzulegen. Dazu besonders aufregend der Klang von Jan Voglers Castelbarco-Fau-Cello von 1707 aus der Werkstatt von Antonio Stradivari (ca 1644-1737), wenn Solist und Orchester besonders im Adagio eine trostlose Landschaft zaubern. Nach der brillanten Kadenz von Jan Vogler wird der Beginn des Finalsatzes von einem grandiosen Trompetenthema, grandios gespielt vom Solo-Trompeter der Londoner  Paul Beniston dominiert.  Auffällig waren der massive Einsatz des präzis gespielten Schlagzeugs und dessen ungewöhnliche Kombinationen mit dem Cello. Für mich war eine höchst aktuelle Auslegung der Gedanken Brittens geboten worden.

 Vladimir Jurowski und das London Philharmonic Orchestra @ Oliver Killig

Vladimir Jurowski und das London Philharmonic Orchestra @ Oliver Killig

Im zweiten Teil des Konzertes brachten Jurowski mit den Londoner Philharmonikern die fünfte Symphonie von Gustav Mahler zu Gehör. Nun waren es gerade zwei Monate her, dass wir Mahlers Werk mit der Staatskapelle unter der Leitung von Daniele Gatti und in der doch kleineren Semperoper hören durften. Da war ein wunderbarer Vergleich zwischen den Orchestern, den unterschiedlichen Temperamenten der Dirigenten und der unterschiedlichen Klangentfaltung in beiden Sälen, möglich.

Nahezu auf Anhieb fiel der gravierend unterschiedliche Orchesterklang auf. Hört man doch oft Klagen, die Orchester würden zunehmend austauschbar klingen. Aber gegenüber dem weichen Klang der „Wunderharfe“ hörte sich das London Philharmonic Orchestra fast etwas ruppig an. Besonders bemerkt man die Unterschiede bei der Qualität der Streicher und der leichten Überfrachtung der Blechbläser bei den Londonern.

Unterschiede der Mahlerdeutung waren besonders deutlich beim Adagietto zu spüren. Gatti war bei seiner Interpretation bemüht gewesen, die Hörerwartungen insbesondere des Abonnenten-Publikums von der Verwendung der Mahler-Melodie in Viscontis „Tod in Venedig“ abzulenken. So blieb in der Erinnerung an das Gatti-Konzert, dass das Adagietto zum Teil zarter, zum Teil aber deutlich prononcierter dargeboten wurde. Jurovski ließ den Ohrwurm nach einer selten langen Satzpause gefälliger ohne Ecken und Kanten durchspielen. Beim Dirigat fiel vor allem Jurovskis Sinn für Balance, rhythmische Präzision und die technische Sicherheit auf, wie er die dramatische Form der komplexen Partitur mit straffen Ansagen bewältigte. Gatti hatte dagegen die Dresdner doch etwas an der „langen Leine“ laufen lassen.

Die Diskussion bezüglich einer eventuellen Übersiedelung der Staatskapelle in den größeren Konzertsaal des Kulturpalastes ist inzwischen zugunsten der Bestandslösung ausgestanden. Die Mahlersymphonie hörte sich bei allen Unterschieden der beiden Spielansätze im Kulturpalast präsentabler an und kam im Semperbau intimer und weniger „Welttheater-mäßig“ zur Geltung. Deshalb wäre es auch interessant, das Britten-Cellokonzert einmal im engeren Rahmen der Semperoper erleben zu können.

Das Konzert war bis auf wenige Plätze ausverkauft. Aus dem inzwischen selteneren festlichen Outfit der Besucher und der intensiven Nutzung des Caterings konnte man auf das typische Musikfestspielpublikum schließen. Entsprechend intensiv setzte der Beifall unmittelbar nach den letzten Takten der Musik ein und ging fast unmittelbar in stehende Ovationen über.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—

München, Bayerische Staatsoper München, STAATSOPER.TV: Ballet HELDEN, 01.06.2013

Mai 22, 2013 by  
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Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Terence Kohlers „Helden“ live und kostenlos auf Staatsoper.TV

 
Am 01. Juni 2013 präsentiert das Bayerische Staatsballett Terence Kohlers Kreation Helden als zweiten Ballett Live-Stream und bereits achte Übertragung der Saison auf STAATSOPER.TV.
 
Zum Auftakt der BallettFestwoche 2013 kreierte der australische Choreograph Terence Kohler im Bühnendesign der bildenden Künstlerin rosalie und mit der tongewaltigen Musik von Lera Auerbach und Alfred Schnittke sein auf dem Mythos von Prometheus und Epimetheus basierendes Werk mit dem Ensemble des Staatsballetts.
Kohler schickt seine Helden auf die Reise in die Gegenwart, transportiert den ursprünglichen Konflikt der Brüder in die voranschreitende Technologisierung unserer Zeit und sucht nach einer hoffnungsvollen Lösung für die Zukunft in der Vernunft des Menschen.
Myron Romanul hat die musikalische Leitung des Bayerischen Staatsorchesters, dessen Besetzung für die ausladende Orchestrierung von Lera Auerbachs Kompositionen unter anderem um eine singende Säge und ein Theremin erweitert wurde.
In den Hauptpartien des Prometheus und Epimetheus werden Karen Azatyan und Wlademir Faccioni, als Athena Parthenos und Pandora Séverine Ferrolier und Mai Kono zu sehen sein.
 
Beginn der audiovisuellen Live-Übertragung ist um 19.30 Uhr auf www.staatsoper.de/tv.
 
STAATSOPER.TV
Als erstes internationales Opernhaus präsentiert die Bayerische Staatsoper mit STAATSOPER.TV in der Saison 2012/13 eine Auswahl von acht Opernproduktionen und zwei Ballettvorstellungen live und kostenlos im Internet. Die Übertragungen sind für die Zuschauer wie immer kostenlos. Helden ist bereits die achte Vorstellung in dieser Saison. Darauf folgen bis Ende Juli noch die Vorstellungen der Opernfestspiele 2013 Il trovatore und Boris Godunow.
 
Helden
Live-Stream
Sa 01. Juni 2013, 19.30 Uhr
www.staatsoper.de/tv
 
—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

München, Bayerische Staatsoper München, BallettFestwoche 2013, ab 21.04.2013

April 19, 2013 by  
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Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

BallettFestwoche 2013

 
Ab dem 21. April steht das Nationaltheater wieder für eine Woche ganz im Zeichen des Tanzes: Die diesjährige BallettFestwoche eröffnet die Uraufführung von Terence Kohlers Helden, die zweite abendfüllende Kreation des australischen Choreographen für das Bayerische Staatsballett. Die Musik zu diesem ’sinfonischen Ballett mit Handlung‘ stellte Terence Kohler aus Werken von Alfred Schnittke und der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach zusammen. Raum, Objekte und Kostüme entwarf die Künstlerin rosalie. Die musikalische Leitung hat Myron Romanul.
 
Neben dieser Uraufführung zeigt das Bayerische Staatsballett außerdem wieder John Neumeiers Illusionen – wie Schwanensee und die beiden Mehrteiler Steps & Times sowie Forever Young. Die 11. Folge der Terpsichore-Gala am 26. April ist der Solistin Lucia Lacarra gewidmet. 
 
Das Programm der BallettFestwoche
 
 
—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

München, Bayerische Staatsoper München, Uraufführung HELDEN, 21.04.2013

April 13, 2013 by  
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Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Uraufführung „Helden“

 
Am 21. April eröffnet Terence Kohlers Helden die diesjährige BallettFestwoche. Es ist das vierte Auftragswerk und die zweite abendfüllende Kreation des australischen Choreographen für das Bayerische Staatsballett.
 
Helden ist ein umfassendes Thema, das Kohler zunächst konzentriert auf die Kontroverse zwischen Epimetheus, der der Mythologie nach den Tieren ihre vielfältigen Eigenschaften verlieh, und Prometheus, der den Menschen das Feuer und damit die Kultur bringt. Gleichzeitig öffnet er ihnen damit die Schleusen der Macht, die sie vernünftig und zum Nutzen der Menschheit gebrauchen, aber auch als Wahn ihrer Allmacht gegen sich selbst richten können. Terence Kohler verlängert diese Herausforderung an die Vernunft und die Einsicht des Menschen ins Hier und Jetzt, transportiert den ursprünglichen Konflikt der Mythologie in die voranschreitende Technologisierung der modernen Welt und sucht nach der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Prometheus (Lukás Slavicky) wird auf seiner Reise begleitet von Athena Parthenos (Emma Barrowman), Epimetheus (Ilia Sarkisov) von Pandora (Katherina Markowskaja).
 
Die Musik zu diesem ’sinfonischen Ballett mit Handlung‘ stellte Terence Kohler aus Werken von Alfred Schnittke und der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach zusammen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Choreographen eigene Kompositionen für seine Kreation bearbeitete. Raum, Objekte und Kostüme entwarf die Stuttgarter Künstlerin rosalie. Die musikalische Leitung des Bayerischen Staatsorchesters hat Myron Romanul.
 
Uraufführung So 21.04.13, 19.30 Uhr
 
Weitere Vorstellungen:
Sa 27.04.13, 19.30 Uhr
Fr 10.05.13, 19.30 Uhr 
Fr 31.05.13, 20.00 Uhr 
Sa 01.06.13, 19.30 Uhr, Live auf www.staatsoper.de/tv
So 07.07.13, 19.30 Uhr 
Nationaltheater 
 
 
 
—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

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