Baden-Baden, Festspielhaus, Termine Mai bis Juli 2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Termine Mai bis Juli 2020


Samstag, 2. Mai 2020, 18 Uhr  /  Leonidas Kavakos    Violin-Rezital

Leonidas Kavakos spielt Beethoven, Schumann und Brahms. Der griechische Meistergeiger kultiviert den rauen Strich, wenn es der Sache dient. Etwa bei Schumanns Sonaten, diesen Tänzen auf dünnem Eis. Brahms’ Musik ist fast das Gegenteil davon. Sie gleicht einem stabil gebauten Haus, das einer zarten Seele Schutz bietet. Bei Beethoven ist sie schließlich da, die klassische Ausgeglichenheit zwischen Geige und Klavier, Melodie und Motiv. So bietet das Konzert von allem das Beste.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


Sonntag, 3. Mai 2020, 16 Uhr    Montag, 4. Mai 2020, 10 Uhr
Winnetou

Live-Hörspiel mit Musik und Geräuschen für Jugendliche ab zwölf Jahren

Winnetou und Old Shatterhand, bestehen ihr erstes großes Abenteuer. Mit einem richtigen Karl May-Soundtrack. Der wird live gespielt und birgt so manche Überraschung. Willkommen zu einem nicht ganz korrekten Karl-May-Abend, der doch ganz nah am Original bleibt und auch epische Schlachten bietet.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
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Sonntag, 17. Mai 2020, 17 Uhr
Julia Fischer Quartett
Beethoven – Mozart – Brahms

Dass Julia Fischer zu den besten Geigerinnen der Welt zählt, ist längst bekannt. Ähnliches gilt auch für den Starbratschisten Nils Mönkemeyer. Gemeinsam mit den Musikern Alexander Sitkovetsky und Benjamin Nyffenegger bilden beide Künstler ein Streichquartett. Das Programm präsentiert eine Auswahl, die ganz auf die Klassiker setzt. Nach Beethovens „Großer Fuge“ folgt Mozarts berühmtes d-Moll-Quartett. Den Abschluss bildet Brahms, der sein zweites Quartett mit den Tönen f-a-e beginnen lässt: „Frei, aber einsam“.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
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Pfingstfestspiele:
Donnerstag, 28. Mai bis Montag,1. Juni 2020


Donnerstag, 28. Mai 2020, 20 Uhr
Teodor Currentzis IV – SWR Symphonieorchester und musicAeterna Chor
Gabriel Fauré: Requiem

Festspielhaus Baden-Baden / Teodor Currentzis © SWR / Klaus Mellenthin

Festspielhaus Baden-Baden / Teodor Currentzis © SWR /
Klaus Mellenthin

Faurés „Requiem“ ist eine ungewöhnliche Totenmesse – und wird von uns deshalb auch ungewöhnlich aufgeführt. Der französische Spätromantiker Gabriel Fauré ignorierte die strenge Requiem-Tradition, ließ Texte weg und fügte neue hinzu. Seine Musik sollte die Menschen nicht schrecken, sondern trösten. Hier setzt nun Teodor Currentzis an, der musikalische Leiter dieser Pfingstfestspiele. Der Dirigent nimmt die metaphysische Dimension dieser Musik ernst. Er lässt das Requiem szenisch aufführen – in Zusammenarbeit mit dem britischen Künstler und Performer Mat Collishaw.

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Freitag, 29. Mai 2020, 20 Uhr
Eine Nacht im Museum
Sebastian Manz, Klarinette, und vision string quartet

Das erste Kammermusikkonzert dieser Pfingstfestspiele präsentiert Musik des russischen Komponisten Edison Denisov und der polnischen Komponistin Gra?yna Bacewicz. Zum Schluss erklingt Brahms´ berühmtes Klarinettenquintett. Als Spätwerk ist es äußerst verdichtet, gleichzeitig hat sich hier der alte Brahms seelisch geöffnet wie sonst nur selten. Diese Musik geht direkt ins Herz – und wird heute von Sebastian Manz, dem Soloklarinettisten des SWR Symphonieorchesters, und dem Berliner vision string quartet im Museum Frieder Burda gespielt.

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Samstag, 30. Mai 2020, 18 Uhr
Teodor Currentzis V – SWR Symphonieorchester
D. Schostakowitsch: „Leningrader“ Sinfonie

Seit Teodor Currentzis den Chefposten des SWR Symphonieorchesters übernahm, werden die ersten gemeinsamen Konzerte von der Kritik mit Lob überschüttet. Currentzis bevorzugt existenzielle Programme. Für die Pfingstfestspiele wählte er Schostakowitschs „Leningrader“ Sinfonie, die dem Widerstandsgeist der im Zweiten Weltkrieg eingeschlossenen Leningrader Bevölkerung ein Denkmal setzt.

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Samstag, 30. Mai 2020, 22 Uhr
Festspiel–Late-Lounge im Brenners Park-Hotel
Sebastian Manz und Musiker des SWR Symphonieorchesters

Sebastian Manz ist nicht nur Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters, sondern auch ein experimentierfreudiger Grenzgänger. Heute Abend lädt er mit Kolleginnen und Kollegen zu einem etwas anderen Konzert ins Brenners Park-Hotel ein. Die Künstler sind ganz nah an den Zuhörern und spielen eine Musik, die in keine Schublade passt. Oder wo würden Sie die „Dschungelbuch- Ouvertüre“ und ein Techno-Medley einordnen? Die Musiker brauchen keine Verstärker – und spielen doch mit der Musik, die auch in Clubs und Folk-Kneipen funktioniert. Achtung: Sehr begrenztes Platzangebot, Kaminhalle, Brenners Park-Hotel.

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Sonntag, 31. Mai 2020, 11 Uhr
Kit Armstrong und Musiker des SWR Symphonieorchesters
Festspiel-Matinee im Weinbrennersaal, Kurhaus

Die großen Konzerte dieser Pfingstfestspiele kreisen um ein Thema: das Requiem. Das gilt auch für dieses Kammermusikkonzert. Schostakowitschs achtes Streichquartett ist eine vorweggenommene Totenklage auf sich selbst, worauf auch die auskomponierten Initialen d-s-c-h hinweisen. Der Brendel-Schüler Kit Armstrong und die Musiker des SWR Symphonieorchesters haben dem Werk das große f-Moll-Quintett von Johannes Brahms gegenübergestellt. Veranstaltungsort: Weinbrennersaal, Kurhaus.

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Sonntag, 31. Mai 2020, 18 Uhr
Teodor Currentzis VI
G. Verdi: Messa da Requiem

Teodor Currentzis und sein Ensemble musicAeterna knüpfen an die Interpretation des Verdi-Requiems aus den vergangenen Jahren an. Wir sind gespannt, wie der Dirigent der Stunde das Meisterwerk angeht und lassen seine Lesart „pur“ auf uns wirken.

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Montag, 1. Juni 2020, 11 Uhr
Antoine Tamestit und Cédric Tiberghien
Festspiel-Matinee

Teodor Currentzis wollte ihn unbedingt bei seinen ersten Pfingstfestspielen dabeihaben. Und so gestaltet der französische Star-Bratschist Antoine Tamestit sein erstes Kammermusikkonzert im Festspielhaus. Tamestit und der Pianist Cédric Tiberghien haben die bedeutendsten Bratschenwerke überhaupt mitgebracht: Je eine Sonate von Brahms und Schostakowitsch, die beide zu dem melancholischen Spätwerk der Komponisten zählen. Dazu das ergreifende „Lachrymae“ von Benjamin Britten – und das wunderschöne Lied von John Dowland, auf das Brittens „Lachrymae“ zurückgeht.

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Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr
New York Gypsy All-Stars
Die Stadt der 1000 Groves

In den politischen Umbrüchen der letzten Jahre ist das Leben in Osteuropa für die Mitglieder der Sinti und Roma nicht einfacher geworden. Also machten sich die Begabtesten auf die Reise mit dem Ziel, das alle Gypsy-Musiker anstreben: Amerika! Hier hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Gypsy-Szene etabliert. Und so treffen bei den New York Gypsy All-Stars osteuropäische Roma-Traditionen auf Einflüsse aus der indischen und der lateinamerikanischen Musik und natürlich auch auf den Jazz. Die Herkunft der Bandmitglieder spiegelt sich in dieser Musik ebenso wider wie die kulturelle Vielfalt ihrer gemeinsamen Wahlheimat New York.

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Sonntag, 14. Juni 2020, 16 Uhr
Virtuosen an der Marimba: The Wave Quartet
Klang und Körper

Es ist die Mischung aus Musikalität und Körperbeherrschung, die Marimba- und Percussion-Konzerte für das Publikum so faszinierend machen. Eines der berühmtesten Ensembles ist das Wave Quartet – in seinem aktuellen Konzert erklingen Tangos sowie Ausschnitte aus der Oper „Carmen“.

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Samstag, 20. Juni 2020, 18 Uhr
Ich küsse Ihre Hand, Madame!
Tonfilmschlager mit Natalie und Matthias Karl

Natalie und Matthias Karl singen Schlager aus den frühen Tonfilm-Jahren. Viele Melodien wurden zu Ohrwürmern einer Generation, die ins Kino ging, weil die Realität nicht zum Lachen war. Nun hebt das Orchester wieder an zu Klassikern wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Ungeküsst sollst Du nicht schlafen gehen“.

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Sonntag, 21. Juni 2020, 11 Uhr
Beatrice Rana
Sonntags-Matinee mit Italiens führender Pianistin

In den Matineen stellen wir gern junge Künstler vor, denen wir eine große Zukunft zutrauen – oder aber solche, die im Ausland längst Karriere gemacht haben, in Deutschland jedoch noch zu wenig bekannt sind. Beatrice Rana ist so ein Fall. Trotz ihres jugendlichen Alters gilt sie längst als die führende Pianistin Italiens, nachdem sie bereits viele der großen Wettbewerbe gewonnen hat. Bei uns konfrontiert Rana die extrem virtuosen Petruschka-Sätze Strawinskys mit Bachs „Italienischem Konzert“. Im Zentrum ihres ersten Auftritts im Festspielhaus steht jedoch ein Meisterwerk der deutschen Romantik: Schumanns leidenschaftliche dritte Klaviersonate.

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Dienstag, 23. Juni 2020, 20 Uhr
Chilly Gonzales
Solo Piano III

Festspielhaus Baden-Baden / Chilly Gonzales © Alexandre Isard

Festspielhaus Baden-Baden /
Chilly Gonzales © Alexandre Isard

Chilly Gonzales studierte Jazz-Piano in Kanada, startete eine Karriere als Electro-Rapper in Berlin und hat sich mit der Solo Piano Trilogie in ganz andere Sphären gewagt. Seine Konzerte sind eine Mischung aus allen drei Welten und so genau weiß man vorher nie, was einen erwartet, da seine Auftritte keinem Muster folgen. Wir freuen uns auf einen Abend mit einem einzigartigen Entertainer, der mit einem mehr als 27 Stunden langen Dauerkonzert im Mai 2009 einen Weltrekord für das Guinness Buch der Rekorde aufstellte.

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Samstag, 27. Juni 2020, 10 bis 17 Uhr
Sonntag, 28. Juni 2020, 10-18 Uhr
Das große Kinder-Mitmach-Orchester
Zweitägiger Workshop für Instrumentalschüler ab zehn Jahren

Normalerweise heißt es: „Lerne dein Instrument ein paar Jahre, und dann geht es ins Orchester.“ Das verstehen wir nicht. Wer nicht früh die Magie des großen Klanges erlebt hat, weiß vielleicht gar nicht, wofür er ständig alleine übt… Also geht es heute ins große Orchester – auch mit wenigen Vorkenntnissen. Einfache Arrangements und eine wunderbare Betreuung durch ausgebildete Musiker und Studierende machen es möglich. Mitmachen können alle Instrumente – eine begrenzte Anzahl an Klavierplätzen steht ebenso zur Verfügung. Anmeldung unter Angabe von Instrument und Lernerfahrung in Monaten/Jahren

Weitere Informationen unter: info@festspielhaus.de.
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3. Juli bis 26. Juli 2020
Sommerfestspiele


Freitag, 3. Juli 2020, 20 Uhr
Andris Nelsons – A. Bruckner: Sinfonie Nr. 8
Gewandhausorchester Leipzig

Festspielhaus Baden-Baden / Andris Nelsons © Gert Mothes

Festspielhaus Baden-Baden /
Andris Nelsons © Gert Mothes

Die Sommerfestspiele beginnen mit Bruckners achter Sinfonie, dargeboten vom Leipziger Gewandhausorchester. Die Sinfonie ist ein monumentales Werk, das sich zu Gott aufschwingen will. Der Dirigent Andris Nelsons bewahrt sich einen intuitiven Zugang zu dieser Musik. Und das zurecht, wie die hervorragend besprochenen Aufnahmen beweisen, die der Künstler mit Bruckners Musik bereits vorlegte.

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Samstag, 4. Juli 2020, 11 Uhr
Pablo Ferrández
Festspiel-Matinee im Florentinersaal, Casino

Rachmaninows berühmte Cellosonate hat der Komponist seinem Cello spielenden Psychiater gewidmet. Wir lassen das leidenschaftliche Opus zu den Sommerfestspielen von Pablo Ferrández aufführen, dem jungen spanischen Cellisten und ECHO-Rising Star, nominiert von Palau de la Musica und L’Auditori Barcelona. Zuvor erklingt Beethovens berühmte A-Dur-Sonate, sowie eine Neukomposition von Antón García-Abril.

Veranstaltungsort: Florentinersaal, Casino
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Samstag, 4. Juli 2020, 18 Uhr
Andris Nelsons – Bach: H-moll-Messe
Gewandhausorchester Leipzig

Dass ein Sinfonieorchester wie das Gewandhausorchester Leipzig während unserer Sommerfestspiele Bachs h-Moll-Messe spielt, ist ein Statement – besonders in Zeiten der Originalklang-Bewegung. Andererseits versuchen die Vertreter besagter Bewegung zu jenen Quellen zurückzufinden, von denen sich das Gewandhausorchester nie abspaltete. Die Leipziger sind DAS Bach-Orchester, nachdem ihre Vorgänger vom großen Johann Sebastian selbst mitgeformt wurden. In die Leipziger Tradition darf sich nun auch der Lette Andris Nelsons einreihen, der als Trompeter einen speziellen Zugang zur h-Moll-Messe haben dürfte, diesem Lobgesang, der von Sachsen aus seinen Weg in die ganze Welt gefunden hat.

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Sonntag, 5. Juli 2020, 17 Uhr
Baden-Baden-Gala 2020
Gewandhausorchester Leipzig

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko © ALIKHAN PHOTOGRAPHYALI

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko © ALIKHAN PHOTOGRAPHYALI

Wir müssen dem findigen Mitglied des Baden-Badener Kurkomitees noch heute dankbar sein: Es hatte die geniale Idee, dem aus Amerika heimkehrenden Stardirigenten Johann Strauß vom Ausbruch der Cholera in Wien zu berichten. Strauß war entsetzt und nahm eine zeitgleich ausgesprochene Einladung nach Baden-Baden an. Hier setzte seine Karriere zu neuen Höhenflügen an. Es ist daher auch eine Verbeugung vor unserer Stadt, wenn das Gewandhausorchester Leipzig und ihr Chefdirigent Andris Nelsons während der Sommerfestspiele an Johann Strauß in Baden-Baden erinnern.

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Donnerstag, 9. Juli 2020, 21 Uhr – 20 Uhr Führung durch die Ausstellung
Eine Nacht im Museum – Open-Air-Konzert beim Museum Frieder Burda
Percussion- Picknick mit Vanessa Porter

Es sind Sommerfestspiele in Baden-Baden. Und wenn das Wetter es zulässt, machen wir heute ein Percussion-Picknick mit Vanessa Porter. Die Künstlerin setzt sich kreativ in einer bislang männerdominierten Kunstform durch. Neben den klassischen Percussion-Instrumenten spielt Vanessa Porter auch auf Alltagsgegenständen. Daher unsere Bitte: Bringen Sie ruhig unterschiedliche Gefäße für Ihre Salate und Snacks mit! Vor dem Konzert: Führung durch das Museum. Anschließender Konzertbesuch unter freiem Himmel, es dürfen gerne Picknickdecken o. ä. mitgebracht werden. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung drinnen statt.

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Freitag, 10. Juli 2020, 20 Uhr
Samstag, 11. Juli 2020, 18 Uhr
Sonntag, 12. Juli 2020, 17 Uhr
Nederlands Dans Theater – Jubliläumsprogramm
Die Revolution tanzt mit ihren Kindern

Festspielhaus Baden-Baden / Nederlands Dans Theater, Kunstkamer © Rahi Rezvani

Festspielhaus Baden-Baden / Nederlands Dans Theater, Kunstkamer
© Rahi Rezvani

Als vor 60 Jahren die „Jungen Wilden“ um Hans van Manen und Benjamin Harkarvy dem Nationalballett der Niederlande den Rücken kehrten, war das die Geburtsstunde des Nederlands Dans Theater. Nach einer zweiten prägenden Phase mit Ji?í Kylián sind es heute vor allem die Arbeiten von Paul Lightfood und Sol Léon, die das Ansehen der Compagnie prägen. Längst tanzt sich die vierte Generation in die Herzen der Fans hinein. So bleibt uns während dieser Sommerfestspiele nur zu wünschen: Happy Birthday, NDT!

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Samstag, 18. Juli 2020, 19 Uhr
João Barradas und Band
Barock und Jazz – Johann Sebastian trifft João

Das Album „Directions“ wurde vom amerikanischen Jazz-Kultmagazin „Downbeat“ zu einem der Alben des Jahres 2017 gekürt. Sein Schöpfer, der Akkordeonist João Barradas (ECHO-Rising Star), gilt mittlerweile als einer der besten Jazz-Akkordeonisten der Welt. Und da der Jazz und die Barockmusik mehr miteinander zu tun haben, als landläufig bekannt ist, wird heute während der Sommerfestspiele beides zusammengefügt. Was ist denn eine Passacaglia anderes als eine variantenreiche Spielerei über eine immer gleiche Basslinie? Hier wird der Jazzer hellhörig – und das Publikum erst recht.

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Donnerstag, 23. Juli 2020, 19 Uhr
G. Verdi: Attila – Konzertante Oper
Ildar Abdrazakov setzt Maßstäbe in der Titelrolle

Warum Valery Gergiev während der Sommerfestspiele Verdis „Attila“ aufführt? Mit Ildar Abdrazakov kann der Dirigent den bedeutendsten Attila-Darsteller der Gegenwart präsentieren. Vom Wunsch getragen, das nationale Empfinden seiner Landsleute zu befeuern, ließ Verdi dieser Oper einen musikalischen Höhepunkt auf den nächsten folgen. Heute ist das Werk ein wunderbares Betätigungsfeld für die vielen frischen Stimmen, die Gergiev in Russland entdeckt und fördert – und eine lohnende Entdeckung für den Festspielhaus-Zuhörer.

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Freitag, 24. Juli 2020, 20 Uhr
Valery Gergiev – Strauss: Ein Heldenleben
Mariinsky Orchester

Mit Strauss’ „Heldenleben“ haben wir eine Gattung vor uns, die in der Malerei ständig vorkommt: das Selbstportrait. Bei Strauss ist der „Held“ natürlich der Komponist selbst und auch Pauline, seine Frau, bekommt ihr kapriziöses Geigensolo. Nicht zuletzt kommen auch die bösen Herren Kritiker vor. Strauss’ „Heldenleben“ ist ein Psychogram. Sein eigentliches Thema ist: Der Kampf des Künstlers gegen die Selbstzweifel. Zu diesen bekannte sich der selbstbewusst auftretende Komponist nur in seiner Musik. Deren Magie scheint nur darauf zu warten, von dem virtuos aufspielenden Mariinsky-Orchester während der Sommerfestspiele in Baden-Baden entfesselt zu werden.

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Samstag, 25. Juli 2020, 18 Uhr
Valery Gergiev – Bruckner: Sinfonie Nr. 9
Mariinsky Orchester

Als religiöses Bekenntnis war die Musik Anton Bruckners in der Sowjetunion mit einem Tabu belegt. Und doch gab es eine bemerkenswerte Ausnahme: Der vielleicht bedeutendste sowjetische Dirigent überhaupt, Jewgeni Mrawinsky, setzte sich mit seinen Leningrader Philharmonikern für den österreichischen Komponisten ein – und ganz besonders für dessen neunte Sinfonie. Diese kleine historische Einordnung ist auch deshalb wichtig, weil Valery Gergiev den Dirigenten Mrawinsky als eines seiner beiden Vorbilder bezeichnet (der andere ist übrigens Furtwängler). Wenn Valery Gergiev mit seinem Mariinsky Orchester während der Sommerfestspiele selbst Bruckners Neunte dirigiert, dann stellt er sich bewusst in diese kleine Leningrader/St. Petersburger Bruckner-Tradition. Diese findet im Bruckners expressionistischer Gottsuche eine Brücke zu eigenen orthodoxen Erfahrungen.

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Sonntag, 26. Juli 2020, 17 Uhr
G. Verdi: Il trovatore
Verdis beliebter Opern-Hit in konzertanter Aufführung

Neben der „Zauberflöte“ und „Carmen“ ist Verdis „Troubadour“ die populärste Oper überhaupt. Ihr Siegeszug begann bereits nach der triumphalen Uraufführung. Dass dieser Erfolg in den letzten Jahren etwas abgenommen hat, liegt an den Regisseuren, die in dieser Oper schlicht und ergreifend nichts zu tun haben. Niemand geht wegen der kruden Handlung in den „Troubadour“, alle wollen die großartigen Arien, Ensembles und Chöre genießen. Verdis „Troubadour“ wird für alle Ewigkeit den Gesangsfans gehören – so auch während dieser Sommerfestspiele.

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—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, 3. Symphoniekonzert – Bartok, Prokofjew, Schostakowitsch, IOCO Kritik, 23.10.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle – Saison 2019/20 – 3. Symphoniekonzert

Omer Meir Wellber – Bartok mit Kavakos, Prokofjew, Schostakowitsch

von Thomas Tielemann

In unserem Konzertführer der 1950er Jahre gesteht der Herausgeber Karl Schönewolf Bela Bartok (1881-1945) lediglich ein Violinkonzert aus den Jahren 1937-1938 zu. Er erwähnt aber, dass Bartok bereits um 1907 ein zweisätziges Werk für Violine und Orchester entworfen habe. Tatsächlich komponierte der Sechundzwanzigjährige, unsterblich verliebt in die ungarische Geigerin Stefi Geyer (1888-1956), für diese junge Frau zwei Sätze für Orchester und Violine Solo und legte ihr die sehr persönlichen Kompositionen buchstäblich zu Füssen. Ein Zerwürfnis  in Glaubensfragen beendete die Beziehung, so dass ein dritter Satz nicht zu Stande kam. Stefi Geyer hat die Komposition nie gespielt, aber offenbar die Partitur unter Verschluss gehalten. Bartok rächte sich musikalisch: Im letzten Zyklus seiner 14 Bagatellen nahm er sich „ihr“ Violinkonzert vor, karikierte das Leitmotiv und versah weitere Nutzungen des Materials mit Titeln wie „Zerrbild“. Nach Stefi Geyers Tod entdeckte man das Notenmaterial in ihrem Nachlass und konnte es nach der Neu-Einteilung 1958 als 1. Violinkonzert uraufführen.

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Das 2. Violinkonzert Bartoks trägt diese Bezeichnung erst seit den späten 1950er Jahren. Es galt bis dahin einfach nur als Bartoks Violinkonzert.

Der Geiger und Freund Bartoks, Zoltán Székely,  bat diesen 1937, ihm ein „ganz klassisches Konzert“ zu schreiben. Bartok plante aber, ein größeres Variationswerk zu komponieren. Man fand einen Kompromiss, der letztlich zu einem komplett neuen Konzept führte und Beide zunächst befriedigte. Der zweite Satz (Andante tranquillo) wurde ein Variationssatz und der Final-Satz eine Variation des durch schroffe Gegensätze geprägten Kopfsatzes. Vom dritten Satz existieren trotzdem zwei Versionen, weil sich Szekely über die geringe Präsenz der Solovioline im Finale beklagte. Mithin hat Bartok für den dritten Satz eine Alternativfassung zur Verfügung gestellt.

Für das 3. Symphoniekonzert der Saison 2019/20 der Sächsischen Staatskapelle Dresden hatte Omer Meir Wellber für den erkrankten Alan Gilbert das Dirigat übernommen. Als Solist des B-Dur-Bartok-Konzertes war der seit 2004 regelmäßig in Dresden gastierende und uns von seinen Sibelius-Aktivitäten bestens bekannte Grieche Leonidas Kavakos mit seiner wunderbaren Willemotte-Stradivari in den Semperbau gekommen. Geschaffen worden war das außergewöhnliche Instrument 1734, als Antonio Stradivaris Söhne die legendäre Werkstatt in Cremona bereits führten und er sich ob seiner 90 Lebensjahre Zeit zum Experimentieren nahm. Er vergrößerte die Wölbung des Instruments, um mehr Raum im Korpus für Klangproduktion, Farbe und Klangtiefe zu schaffen. Der Klang des Instruments mit seiner Intensität und der darunterliegenden Dunkelheit kombiniert das Beste der Instrumente Stradivaris mit denen der Guarinis. Namensgeber der Geige ist der Amsterdamer Violinist Charles Willemotte, auch stradivari, Wilmotte (1817-1883). Leonidas Kavakos konnte 2017 nach mehreren Anläufen das außergewöhnliche Instrument käuflich erwerben. Vor ihm hatten das Instrument unter anderem der Violinist und Komponist Jean Baptiste Cartier (1765-1841) sowie die deutsche Geigerin Maria Lidka (1914-2013), letztere bis ins hohe Alter, gespielt.

Bela Bartok hat bekanntlich den Interpreten seines Violinkonzertes durch ein engmaschiges Netz von Tempoangaben Begrenzungen auferlegt und sie damit zur Offenbarung ihrer Virtuosität gezwungen. Die Sensibilität für komplexe  Klang- und Gefühlsschattierungen des Leonidas Kavakos kam damit auf das wunderbarste zur Geltung. Die schnellen und virtuosen Passagen des ersten Satzes schaffte er fast schwerelos. Auch die Parallelität des griffigen Hauptthemas mit einer Zwölftonmelodie meisterten Solist und Dirigent sensibel, klangschön und mit Spannung. Im Schlussteil des Kopfsatzes brachte Leonidas Kavakos mit einer bezaubernden Kadenz noch einmal Klang und Volumen-Potenzial der wunderbaren Willemotte auf das prachtvollste zur Geltung.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Leonidas Kavakos und seine "Willemotte" © Marco Borggreve

Sächsische Staatskapelle Dresden / Leonidas Kavakos und seine „Willemotte“ © Marco Borggreve

Dem durch Tempo und Schroffheit geprägtem Kopfsatz folgte ein langsamer Variations-Satz. Kavakos gab dem Orchester eine ruhige wunderschöne Kantilene vor, die in der Folge vom Orchester und der Sologeige mehrfach variiert, die Hörer in die verschiedensten Klangwelten führte. Wie der Held im Märchen erhielt der Solist immer neue Aufgaben vom Orchester und muss Abenteuer überstehen, marschierte aber unentwegt zum Satzende, der Wiederholung des Themas. Es war meisterhaft, wie Wellber und Kavakos diesen schwierigen Satz zur Geltung und damit zu einem Höhepunkt des Abends brachten.

Mit dem Finalsatz, gespielt wurde die überarbeite „Virtuosen-Fassung“, kehrten dann Kavakos und Wellber zur Expressivität des ersten Satzes, aber auch zu dessen Themen zurück. Aber alles, was im Kopfsatz großartig und stolz klang, erhielt hier fratzenhafte, wilde und tänzerische Züge. Das Violinspiel Kavakakos blieb eng mit der Orchesterführung Wellbers verwoben, so dass eine faszinierende Wirkung „aus einem Guss“ entstanden war.

Mit einer Zugabe, offenbar eine Bartok-Komposition glänzten Solist und Violine mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Omer Meir Wellber und die Sächsiche Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Omer Meir Wellber und die Sächsiche Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sergei Prokofjew, 1891 in der Ukraine geboren, hatte nach der Petrograder Aufführung seiner „Klassischen Symphonie“ 1918 die Instabilitäten seiner Heimat hinter sich gelassen und bis 1932 ein unstetes Wanderleben als Pianist und Dirigent in Europa sowie Amerika geführt. Im Herbst 1919 traf er in den USA ehemalige Kommilitonen des Petersburger Konservatorium, die mit einem jüdischen Ensemble tingelten. Diese gaben ihm ein Heft mit hebräischen Themen und baten um die Komposition einer Ouvertüre für ein Sextett. Beim Blättern im Heft und beim Improvisieren am Klavier fügte sich für Prokofjew die Komposition wie von selbst zusammen. Inzwischen existiert diese „Ouvertüre über hebräische Themen op. 34“ in unterschiedlichen Fassungen: für kammermusikalisches Sextett und eben auch für Orchester. Wellber hatte dankenswerterweise für das Konzert eine frühe kammermusikalische Fassung für Klavier, Klarinette und Streicher-Gruppe ausgewählt. Der Israeli Omer Meir Wellber ist mit der Bandbreite an Stilrichtungen innerhalb der Klezmer-Musik bestens vertraut und so ist es nicht verwunderlich, dass seine Prokofjew-Interpretation verwandte Züge bietet. Die Vorgabe des Komponisten „Un poco allegro“ schiebt er zur Seite, gibt das Tempo vom Klavier an und lässt die Musiker frisch und temporeich aufspielen. Das Sextett vervollständigten der 1. Konzertmeister Roland Straumer, der Konzertmeister der 2. Violinen Professor Reinhard Krauß, der Solo-Bratscher Florian Richter, der Solo-Cellist Friedrich Christian Dittmann und der Solo-Klarinettist Wolfgang Große.

Nach öffentlichen Ankündigungen war 1939 als Schostakowitschs 6. Symphonie ein gewaltiges Chor-Werk zu Ehren Lenins erwartet worden. Aber Schostakowitsch legte eine Weiterführung der Gedanken zum Werden der Persönlichkeit und des menschlichen Bewusstseins aus der fünften Symphonie von 1937 vor. Er schließt mit dem ersten Satz der sechsten an das Schluss-Satz-Largo seiner 5. Symphonie an. Grüblerisch führte er den Monolog von 1937 weiter, so als habe er im Vorgängerwerk Gedanken nicht zum Ende gebracht. In dieser Monolog-Weiterführung herrscht aber größere Ruhe, Besonnenheit und Schicksalsergebenheit. Deshalb auch die lange (inoffizielle) Satzbezeichnung „Largo-Poco più mosso e poco rubato-Moderato-Sostenuto-Largo“. Omer Meir Wellber führt in diesem Kopfsatz die Musiker der Staatskapelle ruhig und unaufgeregt, fast schulmäßig, den aufgereihten Tempovorgaben Schostakowitschs entlang und ließ dem Hörer die Gedanken des Komponisten nachzuvollziehen. Den Satz beendeten die Streicher mit einem Flirren und Flimmern, so dass sich die Aussage des ersten Satzes im Ungefähren verlor.

Dafür verwöhnt der Komponist im Allegro mit einer Fülle von Ideen, Klangfarben und Rhythmen zu einem zauberhaften Scherzo, das Wellber mit dem Orchester engagiert und mit sichtbarer Freude zu einem regelrechten Jahrmarktstreiben umsetzte. Im dritten Satz (Presto) mit seiner schlichten  melodischen Klangsprache verschärfte Wellber das Tempo des Orchesters wie einen Galopp, ohne dass die Fröhlichkeit sowie Lebensfreude ins Groteske kippt und beendete mit einem glanzvollen Finale.

Mit frenetischem, zum Teil stehendem, Beifall löste das Publikum seine vom Bartok und Largo aufgebaute Spannung und dankte dem inzwischen recht beliebten Omer Meir Wellber und dem Orchester.

Für mich ergibt sich nach dieser Aufführung die Frage, ob unser derzeitiges, vor allem von Julian Barnes  geprägte Schostakowitsch-Bild, nicht zu düster ist. Denn wie kann ein Mensch eine derart fröhliche Musik gestalten, wenn er sich andererseits gefährdet sah.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Zürich, Opernhaus Zürich, 2019/20 – 9 Opernpremieren: Iphigénie, Makropulos, Belshazzar …, IOCO Aktuell, 15.08.2019

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

2019/20 : Operhaus Zürich – 9 Oper-, 3 Ballettpremieren, 17 WA

– IOCO stellt vor –

Das Opernhaus Zürich, früher Stadttheater Zürich, liegt im Zentrum von Zürich, am Sechseläutenplatz. Auf 1.100 Plätzen bietet es ein reiches kulturelles Angebot. 2017/18 besuchten 247.000 Besucher 327 Vorstellungen. Die Auslastungen auf der Hauptbühne der Spielzeit 2017/18  betrugen: Gesamtauslastung: 90.0% (Vorjahr: 85.1%), Auslastung Sparte Oper 88.3% (Vorjahr: 84.7%), Auslastung  Sparte  Ballett Zürich  98.0% (Vorjahr: 89.8%).

Der Spielplan für die Saison 2019/2020 enthält 350 Vorstellungen: Neun Opern-premieren und drei Premieren des Balletts Zürich auf der Hauptbühne sowie siebzehn Wiederaufnahmen des Opernrepertoires und fünf des Balletts bilden das Rückgrat des Hauses. Eine Neuproduktion des Internationalen Opernstudios am Theater Winterthur und eine Neuproduktion aus der Serie Junge Choreografen auf der Studiobühne, neun Konzerte der Philharmonia Zürich und des Spezialensembles Orchestra La Scintilla, sieben Liederabende mit Starsolisten, ein Opernball, der sich zum 20. Mal jährt sowie zahlreiche Angebote für Kinder, junge Erwachsene und Familien sind Teil eines Spielplans. Den Anfang der Saison 2019/20 macht ein grosses Eröffnungsfest und den Abschluss traditionell die Live-Übertragung oper für alle.

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

 PREMIEREN  OPER

Seit über dreissig Jahren ist Cecilia Bartoli dem Opernhaus verbunden. In der Saison 2019/20 steht eine Neuproduktion mit der Ausnahmekünstlerin auf dem Programm. Die Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride liegt in den Händen des Hausherrn Andreas Homoki. Die erste gemeinsame Arbeit der beiden wird von Gianluca Capuano am Pult der Philharmonia Zürich begleitet. Das Opernhaus Zürich hat dem jungen Schweizer Komponisten Stefan Wirth einen Kompositions-auftrag erteilt und kann ab Mai 2020 Girl with a Pearl Earring dem Publikum vorstellen. Die Handlung dieser Uraufführung kreist um die Entstehung eines Gemäldes von Jan Vermeer und basiert auf dem Bestseller von Tracey Chevalier, der mit Scarlett Johansson und Colin Firth verfilmt wurde.

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel - 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel – 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Die hochkarätige Besetzung bringt ein Wiedersehen mit Thomas Hampson als Malerikone. Felicity Palmer, Laura Aikin und die junge Amerikanerin Lauren Snouffer stehen eben-falls für den hohen Anspruch dieses Projektes. Die Eröffnungspremiere der Saison widmet sich einer 337 Jahre alten Femme fatale. In Die Sache Makropulos von Leoš Janácek, wird Evelyn Herlitzius zum ersten Mal in einer Neuproduktion am Opernhaus Zürich zu erleben sein. Dmitri Tcherniakov konnte für die Inszenierung gewonnen werden. Eines der populärsten Werke des Operetten-Repertoires ist Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin. In Zürich unternehmen Annette Dasch und Pavol Breslik einen Ausflug in diese Form des Musiktheaters. Der musikalische Leiter des Abends ist der operettenerfahrene GMD und Intendant der Oper Leipzig Ulf Schirmer. Die Regie übernimmt Jan Philipp Gloger. Das weithin vergessene Genre Operette erlebt zurzeit eine Renaissance und hat auch in Zürich seit der Intendanz von Andreas Homoki ein Zuhause gefunden.

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Fabio Luisi, Piotr Beczala und Camilla Nylund werden im Rahmen einer Operettengala Arien und Duette von Lehár, Kálmán, Stolz und Strauss im Juni 2020 zu Gehör bringen. Eine Mischung aus Wiener Operettenheiterkeit und melancholischer Abschiedsstimmung ist die letzte gemeinsame Arbeit von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal Arabella. Julia Kleiter, Julie Fuchs und Josef Wagner debütieren als Arabella, Zdenka und Mandryka. Die Inszenierung der Liebes- / Gesellschaftskomödie besorgt Robert Carsen. Um die raffinierten Orchesterklänge und schwungvollen Wiener Walzer kümmert sich der GMD des Hauses Fabio Luisi persönlich. Die Abschlussproduktion der kommenden Saison ist gleichzeitig die erste gemeinsame Zürcher Arbeit von Fabio Luisi mit dem Regisseur Calixto Bieito. Verdis selten gespielte Oper I vespri siciliani wird im Rahmen der Festspiele Zürich im Juni 2020 Premiere feiern. Maria Agresta und Quinn Kelsey, der sein Rollendebüt begeht, singen die Hauptpartien dieser tragischen Liebesgeschichte im Milieu sizilianischer Widerstandskämpfer.

Nabucco – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
youtube Trailer Opernhaus Zürich
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Ein Wiedersehen mit Christof Loy gibt es bei der Neuinszenierung von Donizettis Don Pasquale. In der Titelpartie wird Johannes Martin Kränzle wieder in Zürich zu sehen sein. Julie Fuchs gibt die gewiefte junge Witwe Norina und Edgardo Rocha den Neffen des alten Herrn. Enrique Mazzola kümmert sich um die musikalische Seite dieses Meisterwerks der komischen Oper. Sebastian Baumgarten wird Händels Oratorium Belshazzar mit Jakub Józef Orlinski, der mit seinem Rollendebüt auch zum ersten Mal am Opernhaus Zürich arbeitet, und Layla Claire in Szene setzen. Der Händel-Experte Laurence Cummings steht dafür am Pult des Orchestra La Scintilla.

Für das Opernhaus Zürich ist die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Musiktheater und das Ballett ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Im November 2019 wird Coraline von Marc-Anthony Turnage als Familienoper ihren Weg auf die Zürcher Bühne finden. Die Geschichte um ein Mädchen, das in zwei Welten lebt wurde bereits erfolgreich verfilmt. Mit Joseph Haydns Il mondo della luna präsentieren sich im April 2020 die jungen Nachwuchssänger des Internationalen Opernstudios unter der Regie des jungen Japaners Tomo Sugao am Theater Winterthur.

WIEDERAUFNAHMEN – OPER

Weitere Höhepunkte am Opernhaus Zürich sind auch die zahlreichen Wiederaufnahmen mit herausragenden Besetzungen. Ans Opernhaus Zürich kehren zurück: Juan Diego Flórez, der als Rodolfo sein Rollendebüt in La bohème geben wird. Cecilia Bartoli und Javier Camarena, die wieder gemeinsam in La cenerentola auf der Zürcher Bühne stehen. Ein weiteres Rollendebüt wird Benjamin Bruns als Max im Freischütz feiern. Piotr Beczala, der im vergangenen Sommer sehr erfolgreich in der Bayreuther Neuproduktion den Lohengrin kurzfristig übernahm, wird im Juni 2020 in der Zürcher Inszenierung gemeinsam mit Elza van den Heever zu sehen sein. Christian Gerhaher und Gun-Brit Barkmin sind im Wozzeck das tragische Paar. Saimir Pirgu ist Faust, Anita Hartig Marguerite und Ildebrando d`Arcangelo Méphistophélès in Gounods Vertonung von Goethes Menschheitsdrama. Luca Pisaroni und Jane Archibald werden in «Don Giovanni» wieder zu Gast sein. Ein weiteres Epochalwerk des Opernrepertoires wird von Catherine Naglestad (Abigaille), Dalibor Jenis (Nabucco) und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) bestritten. Plácido Domingo erfüllt sich einen Wunsch und singt für seine Zürcher Fans in einer einmaligen Galavorstellung von Verdis Nabucco die Titelpartie. Zum ersten Mal am Opernhaus Zürich zu Gast sind Andreas Schager als Florestan und Wolfgang Koch als Don Pizzaro. Sie werden zusammen mit Anja Kampe in Fidelio zu erleben sein. Kwang-chul Youn gibt den Heinrich in Wagners Lohengrin  und Jacquelyn Wagner die Agathe im Freischütz. Kristina Mkhitaryan und Liparit Avetisyan begehen als Violetta Valéry und Alfredo Germont ihr Hausdebüt. Am Pult der Philharmonia Zürich, werden bekannte und neue Gesichter zu sehen sein. Der GMD Fabio Luisi widmet sich in der kommenden Saison dem Verdi-Repertoire und dirigiert sein Orchester bei den Wiederaufnahmen von Nabucco und La traviata. Für Wagners Lohengrin konn-te abermals Simone Young gewonnen werden. Ebenfalls im deutschen Repertoire zu Hause ist Axel Kober, der Webers Freischütz interpretieren wird. In den Händen von Markus Poschner liegt Beethovens Fidelio. Für Alban Bergs Wozzeck wird Hartmut Haenchen zum ersten Mal im Zürcher Graben stehen. Ebenfalls zum ersten Mal am Opernhaus Zürich ist Ryan Mc Adams mit Gounods Faust. Um Mozarts Don Giovanni kümmert sich Riccardo Minasi und um Puccinis La bohème Marco Armiliato. Für Rossinis La cenerentola zeichnet Gianluca Capuano verantwortlich. Für die Erfolgsinszenierung des regierungskritischen russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov Così fan tutte steht Ottavio Dantone am Pult der Philharmonia Zürich.

Cosi fan tutte – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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 BALLETT ZÜRICH

Die Ballettsaison 2019/20 wird, wie schon fast traditionell, mit einer Uraufführung von Ballettdirektor Christian Spuck eröffnet. Zum ersten Mal kommt Helmut Lachenmanns Musiktheater Das Mädchen mit den Schwefelhölzern nach dem todtraurigen Märchen von Hans Christian Andersen als Ballett auf die Bühne. Die Neuproduktion und zugleich auch Schweizer Erstaufführung verbindet Tanz, Bilder und Gesang mit Lachenmanns faszinierender Musik und macht selbst den Zuschauerraum des Opernhauses zum Klangraum. Mehrere Werke von William Forsythe hat das Ballett Zürich bereits auf die Bühne gebracht und feiert den amerikanischen Choreografen nun mit einem eigenen Abend. Schlicht «Forsythe» heißt die Hommage und beinhaltet drei wegweisende Werke des Erneuerers des Tanzes: The Second Detail, Approximate Sonata in der Pariser Neufassung von 2016 und «One Flat Thing, reproduced». Im Rahmen des Ballettabends Walking Mad kehrt auch Hans van Manen, mit seinem vom Nederlands Dans Theater uraufgeführten Werk «Kleines Requiem», nach Zürich zurück. Ebenfalls vom NDT uraufgeführt wurde das titelgebende Stück von Johan Inger, zum berühmten «Boléro» von Maurice Ravel tanzt das Ballett Zürich zum ersten Mal ein Werk des schwedischen Choreografen.

Einen ganzen Abend voller neuer Werke bringt die Serie Junge Choreografen, in deren Rahmen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts die künstlerische Verantwortung für ihre eigenen Choreografien übernehmen. Wiederaufgenommen werden mit «Messa da Requiem» und «Nussknacker und Mausekönig» zwei Produktionen von Christian Spuck, der Doppelabend «Emergence» mit Choreografien von Crystal Pite und dem Choreografenduo Sol León & Paul Lightfoot, das Ballett Faust von Edward Clug sowie der Abend des Junior Balletts mit «Kreationen» von Filipe Portugal, Louis Stiens und Goyo Montero.

Hänsel und Gretel – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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KONZERTE, LIEDERABENDE UND EXTRAS

Die Philharmonia Zürich und das Spezialensemble Orchestra La Scintilla werden sich auch in dieser Saison außerhalb des Orchestergrabens präsentieren. Die Eröffnung der Philharmonischen Saison findet mit dem Violinisten Leonidas Kavakos unter der Leitung des Generalmusikdirektors Fabio Luisi und Werken von Beethoven und Wagner statt. Der begonnene Beethoven-Zyklus mit der italienischen Pianistin Beatrice Rana wird von Fabio Luisi mit zwei Konzerten fortgeführt. Gianandrea Noseda, der das Amt des Zürcher GMDs ab der Saison 2021/22 übernehmen wird, wird für ein Konzert mit Werken von Schubert, Tschaikowski und Mendelssohn in Zürich gastieren. Für ein Programm mit Werken von Mahler und Mozart steht Manfred Honeck am Pult der Philharmonia Zürich. Der Experte für historisch informierte Aufführungspraxis Riccardo Minasi wird sich ganz dem Orchestra La Scintilla widmen. Die Programme der vier Konzerte reichen von Haydns «Schöpfung» über Werke von Jan Dismans Zelenka und einem Konzert zum Thema Echos. Für Händels Wassermusik ist Lars Ulrik Mortensen Gast der Scintilla. In der Spielzeit 2019/20 präsentiert das Opernhaus Zürich wieder Liederabende mit Starssolisten: Angela Gheorghiu, Pretty Yende, Krassimira Stoyanova, Stéphanie D’Oustrac, Benjamin Bernheim, Christof Fischesser sowie Julia Kleiter und Michael Nagy, die gemeinsam einen Abend bestreiten.

Am 21. September 2019 veranstaltet das Opernhaus nach der Sommerpause das traditionelle Eröffnungsfest. Im ganzen Haus getanzt wird wieder beim Opernball am 14. März 2020. Die Benefizgala feiert dann ihr 20jähriges Bestehen. oper für alle auf dem Sechseläutenplatz findet am 13. Juni 2020 mit der Live-Übertragung der Mozart-Oper Don Giovanni statt

—| IOCO Aktuell Oper Zürich |—

Dresden, Dresdner Staatskapelle, 4. Symphoniekonzert – Beethoven, Dvorák, IOCO Kritik, 19.12.2018

Dezember 19, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Sächsische Staatskapelle

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

4. Symphoniekonzert der Saison 2018/19

  Dresdner Staatskapelle – Brahms –  Haydn

Von Thomas Thielemann

Eigentlich waren wir für das 4. Symphoniekonzert der Saison 2018/19 der Staatskapelle auf die legendäre Interpretation der Geschwister Chung des D-Dur-Violinkonzerts von Johannes Brahms eingestimmt.

Das D-Dur-Violinkonzert von Johannes Brahms spielt die 1948 geborene Chung Kyung Wha inzwischen seit über 50 Jahren. Sie erklärt, dass es jedes Mal, wenn sie es anpacke ihr frischer, aufregender und erstaunlicher erscheint. Ihr fünf Jahre jüngerer Bruder Chung Myung-whun ist als Erster Gastdirigent der Staatskapelle in Dresden bestens eingeführt. Leider musste das koreanische Geschwisterpaar aus gesundheitlichen Gründen ihre Mitwirkung absagen, so dass an ihrer Stelle hoffnungsvolle junge Interpreten und mit einem geänderten Programm gewonnen wurden.

Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle mit Dirigent David Afkham und Vilde Frang © Oliver Killig

Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle mit Dirigent David Afkham und Vilde Frang © Oliver Killig

Der 1986 in Oslo geborenen Geigerin Vilde Frang hatte man mit dem Beethoven-Violinkonzert gewaltige Fußtapfen zur Beschreitung vorgegeben. Gehört das Konzert doch zu jenen Werken, die wir in sechzig Jahren Konzerthörens am häufigsten und von den hervorragendsten Interpreten dargeboten, erlebt hatten.

An erster Stelle natürlich das Menuhin-Konzert am 10. September 1981 mit dem Gewandhausorchester Leipzig und Kurt Masur. Das Konzert war dem 50. Jahrestag gewidmet, als der 15-jährige Yehudi Menuhin gemeinsam mit Bruno Walter sich im später zerbombten Gewandhaus mit eben diesem Konzert vorgestellt hatte.

Aber auch David und Igor Oistrach, Gidon Kremer, Leonidas Kavakos und viele Große und weniger Große der Zunft haben uns mit dem D-Dur Konzert für Violine und Orchester heftiger oder gedämpfter beeindruckt. Aber die Norwegerin nahm die Herausforderung an und erfreute mit einer beachtlichen Leistung.

 Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle mit Dirigent David Afkham und hier Geigerin Vilde Frang © Oliver Killig

Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle mit Dirigent David Afkham und hier Geigerin Vilde Frang © Oliver Killig

Mit schlanken, differenzierten Klängen nutzte sie den Einklang von Akustik des Semperoper-Raums und der Resonanz ihres Instruments, einer Geige von 1866 aus der Werkstatt von Jean Baptiste Vuillaume. Gleichsam intim, ohne Heldentum und Massivität verließ sie sich auf ihr musikalisches Gespür.

Da war schon eine ordentliche Erfahrung zu spüren, wie man eine Klangentfaltung meistert, wie der Raum die leisen Töne und wie sich der Nuancenreichtum im Beethovenschen Pianissimo bis an die Grenze zur Unhörbarkeit auch zur Geltung bringen lässt. Das war nicht jedermanns Geschmack, ragte aber auf jeden Fall, nicht zuletzt dank der Virtuosität der Geigerin, aus der Fülle der üblichen Beethoven-Interpretationen.

Das Orchester mit der Leitung des 1983 in Freiburg (Breisgau) in einer aus dem Iran stammenden Familie geborenen David Afkham umhüllte einfühlsam das zum Teil extrem zurück gehaltene Spiel der Solistin , stützte es aber, wo es angebracht war. Dabei gefielen vor allem die hervorragenden Holzbläser der Staatskapelle mit dem herausragenden Solo-Fagottisten Thomas Eberhardt.

Als Zugabe spielte Vilde Frang das „Lied der Deutschen“ aus den Kaiserhymnen von Joseph Haydn.

Für den zweiten Teil des Konzertes hatte sich David Afkham Antonin Dvoráks D-Moll-Symphonie Nr. 7 ausgewählt. Diese „böhmischste“ seine Symphonien verinnerlicht das Verlangen Antonin Dvoráks nach einem Nationalstaat. Folglich hatte der Komponist bevorzugt Volksmusik seiner Heimat als Ausdruck eines musikalischen Patriotismus verarbeitet. Entsprechend den Empfindungen seines Volkes lässt der Komponist tänzerische Rhythmen mit elegischen Stimmungen doch recht rasch wechseln.

Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle - hier : Dirigent David Afkham © Oliver Killig

Dresdner Staatskapelle / 4. Symphoniekonzert der Dresdner Staatskapelle – hier : Dirigent David Afkham © Oliver Killig

David Afkham nutzt seine präzise Orchesterführung und deutliche Ansprache an das Orchester, um die Dynamik und die Modulationen aus der Partitur publikumswirksam auch umzusetzen. Allerdings einige Schattierungen und Phrasen hätte man sich ausgeprägter gewünscht. Besonders im poco Adagio hätten die Übergänge Voraussetzungen für eine individuelle Gestaltung gegeben. Das Scherzo und das Finale wurden mit einer nahezu ausgewogenen Orchesterführung bewältigt. Lediglich dominierten im Finale die Streicher und überdeckten streckenweise die Wirkung der Holzbläser.

Trotz dieser Kritik ist anzuerkennen, dass David Afkham ein hochbegabter Orchesterführer mit deutlicher Schlagtechnik ist, der auch präzise mit dem Orchester arbeitete. In dieser Konzertreihe der Sächsischen Staatskapelle vergleicht man jedoch mit Orchesterleitern großen Formats wie Christian Thielemann, Herbert Blomstedt,  Christoph Eschenbach, Danielle Gatti und eben Myung–Whun Chung.

Alle drei Konzerte waren, nicht zuletzt dank des verwöhnten Dresdner Abonnenten-Publikums ausverkauft und es wurde auch heftig applaudiert.

—| Pressemeldung Sächsische Staatskapelle Dresden |—

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