Essen, Theater und Philharmonie Essen, Open-Air-Konzert im Grugapark, 07.07.2018

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Theater und Philharmonie Essen

Theater und Philharmonie Essen / Tomáš Netopil © Saad Hamza)

Theater und Philharmonie Essen / Tomáš Netopil © Saad Hamza)

Essener Philharmoniker im Grugapark
Im Musikpavillon am Samstag, 7. Juli 2018, um 20 Uhr

Mit einem großen Open-Air-Konzert im Grugapark beschließen die Essener Philharmoniker die Spielzeit 2017/2018: Am Samstag, 7. Juli 2018, um 20 Uhr ist das Orchester erstmals seit 1999 wieder an diesem Ort zu Gast. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Tomáš Netopil präsentieren die Philharmoniker im überdachten Musikpavillon ein Programm, das unter anderem den 100. Geburtstag Leonard Bernsteins aufgreift: Dessen Suite zur Operette Candide kommt ebenso zur Aufführung wie Aaron Coplands Konzert für Klarinette (Solist: Karel Dohnal), Streichorchester, Harfe und Klavier sowie Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-Moll.

Kaum ein Komponist war so begeistert von der Klarinette wie Wolfgang Amadeus Mozart. Das führte unter anderem dazu, dass er in seiner großen Sinfonie in g-Moll in der zweiten Fassung noch eine Klarinetten-Stimme hinzufügte. Inspiriert wurde er dabei durch seine Freundschaft mit dem Meisterklarinettisten Anton Stadler, für den er auch das Klarinettenquartett und das Klarinettenkonzert schrieb. In dieser zweiten Fassung gelang der Sinfonie schließlich der Durchbruch zum Erfolg. Ein anderer berühmter Klarinettist war im 20. Jahrhundert dann Anlass zur Komposition eines weiteren bahnbrechenden Konzerts. Kein Geringerer als Benny Goodman brachte Aaron Copland dazu, ein mit Jazz-Elementen versehenes Solokonzert für dieses Instrument zu schreiben. Diese typisch amerikanische Mischung aus klassisch überlieferten und von der populären Musik herrührenden Elementen macht auch den Stil Leonard Bernsteins aus, dessen Operette „Candide“ zu dem Mitreißendsten gehört, was uns der vor 100 Jahren geborene Komponist hinterlassen hat.

—| Pressemeldung Theater und Philharmonie Essen |—

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere WEST SIDE STORY, 24.11.2018

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 

WEST SIDE STORY in der Oper Dortmund
Premiere am 24. November 2018

Leonard Bernsteins Erfolgsmusical WEST SIDE STORY wird am Samstag, 24. November 2018, um 19.30 Uhr Premiere im Dortmunder Opernhaus haben. Unter der musikalischen Leitung von Philipp Armbruster und der Regie von Gil Mehmert werden Anton Zetterholm als Tony und Iréna Flury als Maria zu sehen sein.

New York in den 1950er Jahren. Man sollte meinen, die Straßen der Stadt wären groß genug für die unzähligen Gangs und einsamen Seelen, die sie tagein tagaus durchstreifen. Doch die Viertel der West Side sind heiß begehrt und werden zum Schauplatz erbitterter Bandenkämpfe. Die Mitglieder der verfeindeten Gangs der „Jets“ sowie der puerto-ricanischen „Sharks“ kämpfen um die Vorherrschaft im Revier. Beim abendlichen Tanz erhitzen sich jedoch nicht nur die Gemüter, auch verbotene Gefühle entbrennen: Tony, Mitglied der Jets, und Maria, die Schwester des gegnerischen Anführers Bernardo, verlieben sich auf den ersten Blick. Damit ist das Unglück vorprogrammiert…

Seit seiner Uraufführung 1957 hat Bernsteins mitreißendes Musical West Side Story weder an Popularität noch an Aktualität eingebüßt. Seine vielschichtige und motivische Musik illustriert kunstvoll das Spannungsfeld von Liebe und Gewalt mit Elementen des Modern Jazz, Blues, lateinamerikanischen Rhythmen wie auch opernhaften Zügen. Der Tanz spielt als dramatisches Ausdrucksmittel eine große Rolle und verdeutlicht die Gefühle der Figuren, die sich zwischen Feindseligkeit, Angst, Humor und Liebe bewegen.

Übernahme des Kostümbildes und der Requisiten der Produktion des Theater Magdeburg.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

 

Leipzig, Oper Leipzig, Highlights im Mai 2018 – Oper Leipzig, IOCO Aktuell

Mai 9, 2018 by  
Filed under Oper Leipzig, Pressemeldung, Spielpläne

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 

Highlights der Oper Leipzig –  Mai 2018

 


SCHWANENSEE  – Ballett:  MARIO SCHRÖDER INTERPRETIERT

6. MAI 2018 – Premiere

Tschaikowskis unsterbliche Geschichte rund um die Schwanenprinzessin Odette ist zweifellos das berühmteste Handlungsballett aller Zeiten. Mario Schröder interpretiert den Schwanenmythos nun für das Leipziger Ballett neu – Premiere ist am Sonntag, 6. Mai 2018, um 18 Uhr im Opernhaus. Sein Ballett handelt vom Scheitern einer Emanzipation einer jungen Frau, die in einer autoritären, patriarchalischen Welt um ein freies und selbstbestimmtes Leben kämpft. Gefangen im goldenen Käfig flieht sie in eine Wunschwelt, in der die Gesetze der Gesellschaft außer Kraft gesetzt sind. Als die Wirklichkeit sie einholt, trifft sie eine endgültige Entscheidung…

Für das Bühnenbild setzt Schröder auf die bewährte Zusammenarbeit mit Paul Zoller. Die Kostüme gestaltet – wie schon beim Leipziger »Nussknacker« – Aleksandar Noshpal. Am Pult des Gewandhausorchesters steht die junge litauische Dirigentin Giedre Šlekyt.

Premiere: Sonntag, 6. Mai 2018, 18 Uhr, weitere Aufführungen in dieser Spielzeit: 25. & 26. Mai 2018 / 02., 03., 14. & 19. Juni 2018 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn; Publikumsgespräche nach Abendvorstellungen, außer Premiere)


RING – ZYKLUS:   RICHARD-WAGNER-FESTTAGE – 10. BIS 13. MAI

Vom 10. bis 13. Mai wird Der Ring des Nibelungen an der Oper Leipzig an vier aufeinanderfolgenden Tagen zu erleben sein. Die Besetzung des dritten Zyklus in dieser Spielzeit – eingebettet in die Richard-Wagner-Festtage Leipzig (9.-14. Mai) – wartet abermals mit prominenten internationalen Gäste auf: Iain Paterson steht zweimal, als Wotan (in »Die Walküre«) und Wanderer (»Siegfried«) auf der Bühne. Burkhard Fritz übernimmt die Rolle des Siegmund und Christiane Libor die der Brünnhilde in »Die Walküre« und »Götterdämmerung«. Meagan Miller (Sieglinde), Daniela Köhler (Helmwige) und Thomas Mohr (Siegfried in der »Götterdämmerung«, Loge in »Das Rheingold«) gastieren ebenfalls in Leipzig.

Ensemblemitglied Tuomas Pursio wird in drei Rollen als Wotan (in »Das Rheingold«), Alberich (»Siegfried«) sowie als Gunther (»Götterdämmerung«) zu hören sein; die Mezzosopranistin Kathrin Göring als Fricka in »Das Rheingold« und »Die Walküre« sowie als Waltraute in »Götterdämmerung«. Die musikalische Leitung hat an allen vier Abenden Generalmusikdirektor Ulf Schirmer. Die szenische Umsetzung des Leipziger »Rings«, der 2016 komplettiert wurde, lag in den Händen des Regieteams Rosamund Gilmore (Inszenierung), Carl Friedrich Oberle (Bühne) und Nicola Reichert (Kostüme). Von Haus aus Choreografin, setzt Gilmore als zentrales Element ihrer Inszenierung Tänzer ein, die als mythische Elemente und allegorische Figuren fungieren.

Termine:
Donnerstag, 10. Mai 2018, 17 Uhr: Das Rheingold
Freitag, 11. Mai 2018, 17 Uhr: Die Walküre
Samstag, 12. Mai 2018, 17 Uhr: Siegfried
Sonntag, 13. Mai 2018, 17Uhr: Götterdämmerung


DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN SPINNE – Gruseloper

AN DER SCHAUBÜHNE LINDENFELS

Am Freitag, 25. Mai 2018, 19 Uhr feiert Das Geheimnis der schwarzen Spinne, eine Gruseloper für Kinder von Judith Weir, Premiere. Die Schaubühne Lindenfels bietet eine ideale Kulisse für diese Kooperation mit dem Kinderchor der Oper Leipzig und dem Orchester der Musikalischen Komödie unter der musikalischen Leitung von Sophie Bauer. Alle solistischen Rollen werden von Kindern des Kinderchores übernommen. Die szenische Umsetzung liegt in den Händen von Philipp J. Neumann (Inszenierung) und Nicola Minssen (Kostüme).

In dem Stück treibt eine geheimnisvolle schwarze Spinne ihr Unwesen im Dorf und erinnert Christine an ein nicht gehaltenes Versprechen. Christine wird immer mehr zur Außenseiterin, bis es ihr gelingt, die Spinne zu fangen. Judith Weir verbindet die historische Ebene von Jeremias Gotthelfs Erzählung, die sich im 15. Jahrhundert abgespielt hat, mit dem Hier und Jetzt.

Premiere: Freitag, 25. Mai 2018, 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Weitere Aufführungen: 1., 2., 5. & 6. Juni 2018 (für Kinder ab 10 Jahren)


WIEDERAUFNAHME VON »WEST SIDE STORY«

Am Freitag, 18. Mai, um 19:30 Uhr wird Leonard Bernsteins »West Side Story«, ein spartenübergreifendes Projekt von Oper und Leipziger Ballett, wiederaufgenommen. Die musikalische Leitung des internationalen Solistenensembles, des Opernchores und des Gewandhausorchesters übernimmt Kapellmeister Christoph Gedschold. Ballettdirektor Mario Schröder zeichnet für Inszenierung und Choreografie von Bernsteins Jahrhundertwerk verantwortlich.

Inmitten der Gewaltexzesse zweier rivalisierender New Yorker Gangs entspinnt sich die tragische Liebesgeschichte von Tony (Christian Alexander Müller) und Maria (Myrthes Monteiro). Bernstein fängt mit seiner Musik den Mythos vom Schmelztiegel New York ein und spiegelt ihn in einer Geschichte nach Shakespeares »Romeo und Julia« um Feindschaft, Liebe und Tod. Dafür benutzte er Elemente von Schauspiel, Show, Oper, Song, Jazz und Blues und lässt diese zu einem bühnenwirksamen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Songs wie »I Like To Be In America!«, »I Feel Pretty« oder das Liebes-Duett »Tonight« sind Evergreens und machen »West Side Story« zum erfolgreichsten Musical aller Zeiten.

Wiederaufnahme: Freitag, 18. Mai 2018, 19:30 Uhr, Opernhaus

Aufführungen: 19., 20. & 21. Mai 2018 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn und Publikumsgesprächen nach Abendvorstellung)


»JAZZ AM FREITAG« MIT BEA & BANDA | »TANGOJAZZ«

Die Musikalische Komödie läutet am Freitag, 25. Mai, 19:30 Uhr wieder jazzend das Wochenende ein. Bea & Banda, das jüngste Projekt der vielseitigen Sängerin Beate Furcht, gastiert zu diesem Anlass im Haus Dreilinden. Frontsängerin Furcht, die auch als Schauspielerin in Theater, Film und Fernsehen erfolgreich ist, zeigt mit Leipzigs »Jazz-Guru« Stephan König (Klavier), Christoph Schenker (Cello), Alfred Kallfass (Kontrabass) und Dominique »Gaga« Ehlert am Schlagzeug stilistische Varianz. Leidenschaftlich, expressiv und zuweilen verträumt-fragil ist die Musik, in deren Spannungsfeld sich Bea & Banda zwischen Tango und Jazz bewegen. Der Eintritt kostet 20 €.

Termin: Freitag, 25. Mai 2018, 19:30 Uhr, Musikalische Komödie


TANZIMMERSION IM KUNSTKRAFTWERK

Der Name KunstKraftWerk ist Programm. Wenn das Leipziger Ballett am Donnerstag, 31. Mai 2018, 20 Uhr in dem ehemaligen Heizkraftwerk im hippen Leipziger Westen zu Gast ist, treffen unterschiedliche Künste – Bewegung, Musik, Bild – aufeinander. Der Zuschauer selbst steht bei diesem interaktiven 4 D-Erlebnis im Kraftfeld der Künste.

Termin:  31. Mai 2018, 20 Uhr, Kunstkraftwerk,  Nur noch Restkarten (20 €) erhältlich.

 

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Heidelberg, Stadthalle, Heidelberger Frühling – Thomas Hampson, IOCO Kritik, 28.04.2018

April 27, 2018 by  
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Heidelberger Stadthalle © studio visuell

Heidelberger Stadthalle © studio visuell

Stadthalle Heidelberg

Thomas Hampson und Wolfram Rieger  – Heidelberger Frühling

 Lieder im Geist des Humanismus

Von Uschi Reifenberg

Mit ihrem programmatischen Postulat „Freiheit!“ nahmen der Bariton Thomas Hampson und der Pianist Wolfram Rieger mit ihrer Liederauswahl Bezug auf das diesjährige Motto des Heidelberger Frühling: Eigen-Arten. Fragen und Themen zu Identität, Menschenrechten, Demokratie und Freiheit folgen dem ersten Teil des Heidelberger Leitgedankens von 2017: In der Fremde. Dieser setzte sich mit der Aufklärung auseinander, mit Toleranz und dem Kampf gegen Vorurteile.

„Der Blick auf uns selbst, wer wir sind und was uns ausmacht, wirft auch einen Blick auf uns als Europäer, sowie auf unser sich stets wandelndes Verständnis von Identität“, so der Intendant des Heidelberger Frühling, Thorsten Riehle. Identitätsstiftend ist für die Universitätsstadt Heidelberg auch die Kunstform Lied mit einer Tradition, die sich vom Codex Manesse im Mittelalter über die Veröffentlichung der Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn im 19. Jahrhundert bis zur 2018 gegründeten Festival-Akademie Neuland.Lied  erstreckt.

Lieder sind nicht nur dem „Kunst-Bereich“ zuzuordnen, sie erzählen von den verschiedensten Bereichen menschlichen Lebens in unterschiedlichen Stilen und in allen Kulturen. Weltweit.

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson © studio visuell

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Thomas Hampson und Wolfram Rieger haben sich auf die Suche nach Liedern von der Romantik bis in die Gegenwart begeben, die von der Sehnsucht des Menschen nach einem freien und selbstbestimmten Leben handeln. Das preisgekrönte Lied-Duo, das mittlerweile eine fünfundzwanzig-jährige Zusammenarbeit verbindet, hat mit seinem breit gefächerten Repertoire, weltweiten Konzertauftritten und CD- Einspielungen Maßstäbe gesetzt. Auch in der Nachwuchsförderung sind die beiden Weltstars unermüdlich unterwegs. Hampson leitet seit 2011 die Heidelberger Lied-Akademie, Rieger ist Professor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

Im ersten Teil des Programmes “Freiheit!“ kommen in erster Linie deutsche, im zweiten Teil amerikanische Lieder zur Aufführung. Einen Höhepunkt bildet der Liederzyklus „Civil Words“ der amerikanischen Komponistin und Pulitzer Preisträgerin Jennifer Higdon (*1962). Er entstand anlässlich des 150. Gedenktages des amerikanischen Bürgerkrieges (2015) und ist dem Lied- Interpreten Thomas Hampson gewidmet. Thomas Hampson innerstes Anliegen ist es, die verschiedenen Spielarten von Freiheit in seinen Liedern zu beleuchten, sei es die persönliche Freiheit des Einen, die dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt, die Freiheit der Gedanken, die Sehnsucht der Unterdrückten nach Freiheit, oder auch die politische Freiheit.

Mit der Kraft des Liedes, das lebendiger und allgemeingültiger Ausdruck menschlicher Empfindungen ist, die Welt besser zu machen, die Menschen zueinander zu führen, das ist die Botschaft des Humanisten und Sänger-Philosophen Thomas Hampson. Diese Erkenntnis bestätigte sich im Laufe des zutiefst bewegenden Abends. Hampson verlieh dieser Maxime mit seiner Stimme, seinem Charisma und seiner Wahrhaftigkeit in imponierender Weise Ausdruck.

Als kongenialer Partner stand ihm der grandiose Wolfram Rieger zur Seite und in perfekter Symbiose verwandelten  die beiden Ausnahme -Künstler das Podium der Heidelberger Stadthalle in einen Ort der Intimität und der Erschütterung.

 Gustav Mahler Gedenkplatte an der Hamburger Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Gedenktafel an der Hamburger Staatsoper © IOCO

Das  Konzert begann mit dem Lied des Verfolgten im Turm aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn in einer Vertonung von Gustav Mahler. Diese Sammlung wurde von Achim von Arnim und Clemens Brentano 1806 in Heidelberg veröffentlicht, zwölf Gedichte vertonte Gustav Mahler. Das düstere Lied führte in seiner inneren Zerrissenheit direkt hinein in die Kernbotschaft des Programms, das mit den Versen des Volksliedes beginnt: “Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…“. Den inneren Dialog eines Gefangenen mit seiner Freiheitssehnsucht verkörperte Hampson mit nuancenreichen Farb- und Gestaltungswechseln seines weichen Baritons und mit plastischer Diktion, sprachlich detailliert ausgeleuchtet mit differenzierter Konsonantenbehandlung.

Alexander Zemlinskys Lied „Mit Trommeln und Pfeifen“ nach einem Gedicht von Detlev von Liliencron führt das Kriegsthema um gebrochene und verwundete Seelen weiter. Mit opernhafter Emphase und heldischen Aufschwüngen ging Hampson an die Grenzen des Ausdrucks und Wolfram Rieger unterstrich am Flügel mit energischen Marschrhythmen, Trillern und klarster Skalen-Trennschärfe den militärischen Gestus,  zarteste pianissimi verhauchten ins Nichts.

„Der Tambour‘gsell„ und „Revelge“, beide aus der Wunderhorn – Sammlung von Mahler, offenbarten alle Facetten unbarmherziger Kriegsszenarien wie Trostlosigkeit, Alptraum, Kampf und Tod. Diese Entwicklungen wurden von Hampson erschütternd dargestellt, jede feine Regung, jeder Gedanke hinter dem Wort fand eine eigene Entsprechung in der klanglichen Ausdeutung, ebenfalls von Wolfram Rieger am Flügel. Bassregister dröhnten in schwärzesten Farben, trügerische Hoffnung strahlte in tenorale Höhen. Der Pianist verstand es, am Flügel das ganze Spektrum orchestraler Klangfarben zu zaubern und jenseits des gewohnten Klavierklangs die dynamische Bandbreite auszuloten von leisesten pianissimi bis zu gewaltigen fortissimo Ausbrüchen, immer in idealer Harmonie mit dem gesungenen Wort.

Paul Hindemiths Hymne „O, nun heb du an, dort in deinem Moor“, geriet zu einer Miniatur der totalen Verinnerlichung und zu einer Feier der piano Kultur, anrührend, weltentrückt. Ebenfalls von tiefster Empfindung durchdrungen, mit hinreißenden Legatobögen zelebriert, war das kurzfristig ins Programm aufgenommene  Lied von Michael Daugherty (* 1954) „Letter to Mrs. Bixby“.

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Der mit Spannung erwartete, Thomas Hampson gewidmete Liedzyklus anlässlich des 150-jährigem Endes des amerikanischen Bürgerkrieges von Jennifer Higdon „Civil Words“ erzählte in fünf Gedichten von verwundeten Seelen, vom Unrecht des Krieges, von der Trauer der Zurückgebliebenen über die Gefallenen, von Friedenssehnsucht, aber auch vom Glück des Kriegsheimkehrers. Mit dramatischer Gestaltungskraft des Opernsängers und der totalen Identifikation mit den Gequälten, führte Hampson das Publikum in die Abgründe dieses  amerikanischen Traumas. Auch die afro- amerikanischen Themen fehlten nicht, mitreißend interpretiert in den Liedern von Henry BurleighEthiopia Saluting the Colors“ und Margarete BondsThe negro speaks of rivers“, beide mit deutlichen Spiritual Anklängen.

Mit einem Bekenntnis zur Gleichberechtigung der Geschlechter und einem Aufruf zur Toleranz in dem Gedicht von Walt Whitman, vertont von Leonard BernsteinTo what you said“, endete das außergewöhnliche und ergreifende Konzert.

Das restlos begeistere Publikum entlockte den Künstlern drei Zugaben und Thomas Hampson und Wolfram Rieger ließen keinen Zweifel, dass das Lied auch im 21. Jahrhundert „Ein Fest der Feier des menschlichen Geistes“ und „Spiegel der Welt ist“.

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