Cottbus, Staatstheater Cottbus, Premiere L’ELISIR D’AMORE, 22.06.2019

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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

L’ELISIR D’AMORE (DER LIEBESTRANK)

Melodramma giocoso in zwei Aufzügen von Gaetano Donizetti
Dichtung von Felice Romani

Premiere am Samstag, 22. Juni 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Sergey Simakov
Regie: Anthony Pilavachi
Bühne: Markus Meyer
Kostüme: Nicole Lorenz
Choreinstudierung: Christian Möbius

Nach mehr als fünfzig Jahren hebt sich am 22. Juni 2019 am Staatstheater Cottbus wieder der Premierenvorhang zu einer Inszenierung von Donizettis „L’elisir d’amore“.

Als musikalischer Leiter debütiert der junge russische Dirigent Sergey Simakov. Anthony Pilavachi konnte als Regisseur dieser Produktion gewonnen werden. Der national und international gefragte Künstler und Preisträger des Österreichischen Musiktheaterpreises 2018 in der Kategorie „Beste Opernproduktion“ gastiert nach Verdis „Rigoletto“ (2003) und Mozarts „Don Giovanni“ (2005) bereits zum dritten Mal am Staatstheater Cottbus. Erstmalig an diesem Haus entwirft Markus Meyer das Bühnenbild für eine Produktion, während Kostümdirektorin Nicole Lorenz für die Kostüme verantwortlich zeichnet.

Staatstheater Cottbus / DER LIEBESTRANK-  (Bildmitte, im Vordergrund v.l.n.r.): Rahel Brede (Gianetta), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores  ©   Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / DER LIEBESTRANK-
(Bildmitte, im Vordergrund v.l.n.r.): Rahel Brede (Gianetta), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores ©
Marlies Kross

Anthony Pilavachi arbeitet in seiner Inszenierung die genrespezifische Mischung von heiter-komischen und romantisch-melodramatischen Elementen, von Esprit und Tiefgang heraus. Nemorino trägt Züge eines Romantikers, der durch seine emotionale Ernsthaftigkeit fast an den harten Realitäten der Welt zugrunde geht. Um die zweite Ration des Liebestrankes bezahlen zu können, nimmt er das Rekrutierungsangebot Belcores an. Als Soldat setzt er sich damit den Gefahren des Krieges aus. Die Cottbuser Inszenierung verstärkt die bedrohliche Situation dadurch, dass die Handlung nicht in romantischen oder pastoralen Vorzeiten, sondern in einer Kleinstadt der 40er Jahre des 20.Jahrhunderts spielt, in der Ära des italienischen Faschismus.

Staatstheater Cottbus / DER LIEBESTRANK-  (Bildmitte, im Vordergrund v.l.n.r.): Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores  ©  Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / DER LIEBESTRANK-
(Bildmitte, im Vordergrund v.l.n.r.): Nils Stäfe (Belcore), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores ©
Marlies Kross

Das Regiekonzept stellt zwei unterschiedliche Auffassungen von Liebe vor: Die unbedingte, romantische Liebe des Nemorino und Belcores Besitzdenken, das mit echten Gefühlen verwechselt wird. Es arbeitet die Entwicklung einer tiefen Liebesbeziehung zwischen Adina und Nemorino heraus, die am Ende leichtfertige Lebensentwürfe überwindet. Um diese Liebe in den Mittelpunkt der Inszenierung zu stellen, ist die Handlung als eine Rückschau aufgebaut: Während des Préludes erinnert sich Nemorino am Totenbett seiner Frau Adina daran, wie einst alles begann …

Die vier Hauptpartien sind doppelt besetzt:

Als Adina sind Mirjam Miesterfeldt / Debra Stanley, als Nemorino Andrei Danilov / Dirk Kleinke zu erleben. Der russische Tenor Andrei Danilov – ab der Spielzeit 2019/2020 Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper Berlin – singt erstmalig am Staatstheater Cottbus. Als Belcore stellen sich Christian Henneberg / Nils Stäfe vor. Die Partie des Dulcamara übernehmen alternierend KS Matthias Henneberg (als Gast von der Semperoper Dresden) und Ulrich Schneider.

Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit:
Dienstag, 2. Juli 2019, 19.30 Uhr
Samstag, 6. Juli 2019, 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Staatstheater Cottbus |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Der Liebestrank – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 14.05.2018

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Der Liebestrank – Gaetano Donizetti

 Semperoper und MiR – Vereint im Liebestrank

Von Viktor Jarosch

Gaetano Donizetti (1797–1848) war ein ungewöhnlicher Viel-Komponist: In seiner Schaffenszeit von nur 25 Jahren komponierte er über 70 Opern, Messen, Kantaten, Sonaten. Er formte, in heftiger Konkurrenz mit Vincenco Bellini (1801–1835), eine musikalische Brücke zwischen Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi wie den Weg vom modischen Belcanto zur differenzierenden musikalischen Charakter-Dramatik. Im September 1830, mit seiner 32sten Oper Anna Bolena, Librettist Felice Romani, wurde Donizetti  bekannt. Weitere sechs Opern hatte Donizetti komponiert bis, im Mai 1832, die in drei Wochen entstandene Oper L´Elisir d´amore, Der Liebestrank den wahren Durchbruch brachte. Er wurde weltberühmt. Der Liebestrank gehört seither zu den meist gespielten Werken auf großen wie kleinen Bühnen des Globus. Der große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

„Meistermacher“ des Liebestrank war wie bei Anna Bolena, Librettist Felice Romani.  Romani suchte beständig nach neuen Sujets für Donizetti und den schon damals schnelllebigen italienischen Opernmarkt. Das spritzige Libretto des französischen Dramaturgen Augustin Eugène Scribe begegnete ihm; Daniel Auber hatte daraus die in Frankreich erfolgreiche Oper Le Philtre geschrieben. Romani übernahm das Libretto nahezu wörtlich ins italienische, füllte es mit „Buffo-Arien“, welche Donizetti filigran komponierte und instrumentierte: Fertig war L´Elisir d´amore! In einem Monat.  Der folgende große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Belcore, Dulcamara – Bereiter von Lebensvielfalt

Michael Schulz, Regisseur des Liebestrank (NB: Schulz ist auch Intendant des Musiktheater im Revier, MiR) schuf diese Inszenierung zuvor für die Semperoper Dresden; mit Dirk Becker (Bühne) und Renée Listerdal. Schulz´ Paradigma der Inszenierung: Die Befreiung richtungsloser, mental gefangener Menschen, Charaktere aus der Einfalt des Lebens, aus selbst-gewählter Beschränkung in eine lebende, farbige, sich zum Besseren ändernde Welt. Nemorino, Belcore, Dulcamara sind in Schulz‘ Inszenierung die Katalysatoren der Veränderung: Facettenreichtum und farbige Kreativität in Choreographie, Bühnenbild und Kostümen schaffen eine mitreißende Inszenierung. Liebestrank in Gelsenkirchen ist so mehr als pausbackige Komische Oper, keine biedere  Opera Buffa, wenn ihn auch Belcanto und Frohsinn prägen.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Dem Besucher begegnet zur Ouvertüre der der alt-keltischen Sage um Tristan und Isolde entstammende Liebestrank:  Mit wagnerianischen Alliterationen, projiziert auf dem Bühnen-vorhang: „Und Tristan trank den trüben Trunk…..“  , welche mit einem irritierenden „Ha?“ endeten. Das erste Bühnenbild beginnt verhalten; es zeigt einen etwas herunter gekommenen Ballsaal, Tische mit Nummernlämpchen, verriegelte Türen und Fenstern: Eine bunte aber richtungslose Gemeinschaft, tanzt, küsst, stolpert, fällt darin, doch merkwürdig ziellos. Es ist eine Gesellschaft, der Freude am Leben, an partnerschaftlichen Beziehungen, an der Farbe in ihrem Leben verloren ging.  Nur der schüchterne, wie verloren wirkende Nemorino wird noch von Gefühlen, Liebe geleitet und betet in seiner ersten  Arie Quanto è bella, quanto è cara !  Più la vedo, e più mi piace ..Welche Schönheit, welche Reize…“,  die  ebenfalls teilnahmslos, abwesend wirkende Adina an: Die gefühlsarme Gemeinschaft dreht Nemorino den Rücken zu, ignoriert ihn, buht ihn aus. Auch Adina nimmt Nemorino nicht wahr, erzählt stattdessen über den Liebestrank:  „Della crudele Isotta, il bel Tristano ardea…. Tief von Isoldens Reizen  war Tristans Herz getroffen“. Man lebt blutlos, freudlos, wie in Trance.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Ein wunderbarer Regie-Clou leitet den Wandel der Gemeinschaft zu lebensfrohem, farbigem Leben sichtbar ein: Von magischer Hand geführt schneidet eine Säge eine Öffnung in den Boden. Dieser Öffnung entsteigen, noch in farbloser Malerkluft, Belcore (Michael Dahmen) und acht weiteren Belcores. Auf der Bühne reißen die Belcores ihre Kluft herunter, um mit Helmbusch, prachtvollen Uniformen und mitreißenden Choreographien  (Sebastian Schiller)   reales Leben im Farbe und Sprache zu zeigen: „Keine Frau widersteht dem Anblick eines Helmbusches!“. Ein verloren einsam wirkender Klavierspieler (Askan Geisler) schlurft immer wieder zur Bühnenmitte, um dort Träume in Form eines Luftballons in den Himmel steigen lässt, der kurz darauf zerplatzt auf die Bühne zurück fällt. Doch frohes, neues Leben ist unwiderruflich in die Gemeinschaft zurückgekehrt:  Die Belcores ziehen sich zur Ruhe in ein winziges Zelt zurück, welches beständig verräterisch schaukelt, aus welchem Hände Adinas Bein begrapschen.  Spektakulär verformt sich sodann das Bühnenbild mit dem Erscheinen des Quacksalbers Dulcamara:  Trommelwirbel; der riesige Bug eines Schiffes bricht sich durch die Seitenwand auf die Bühne; aus einer mit glitzernden Lichtern behangenen Türe am Boden des Bugs erscheint Dulcamara: „Kauft meine Medizin….Wollt ihr glatte Haut haben…“. Die noch seelenarme Gemeinschaft horcht…, Nemorino bittet Dulcamara um Tristan und Isoldes Liebestrank.., Belcore erhält einen Marschbefehl..  Ein spektakulär durch die Bühnendecke brechender riesiger Kronleuchter beendet den ersten Akt und zeigt auch, warum diese Produktion in Dresden erfolgreich war.

Der zweite Akt wird dann endgültig zum Stimmenfest, zur herrlichen Opera Buffa: Ein langer gedeckter Tisch mit viel Spaghetti und Rotwein, an welchem die neun Belcores italienisch ausgelassen Hochzeit feiern während sich Adina sichtbar unwohl fühlt; Nemorino bettelt in seinen Liebesnöten Dulcamara erneut um den Liebestrank; verdingt sich bei den Belcores (abermals mit starker Choreographie)  als Soldat;  nebenan feiern die Frauen Nemorina als reichen Heiratskandidaten: „Ist eine gute Partie“. Pralles wie vielseitiges Leben wird allgegenwärtig, ist sichtbar, spürbar, bis zum allseits bekannt guten Ende: der Hochzeit von Nemorina und Adina.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Das MiR überrascht erneut: Selbst höchst anspruchsvolle  Opern „stemmt“ das inmitten des Ruhrgebietes liegende, finanziell beschränkte MiR meist mit dem eigenen Ensemble; so auch diesen Liebestrank. Die Koreanerin Dongmin Lee kokettiert als Adina spielerisch mit perlenden, lyrisch sanften wie dramatischen Koloraturen; ist  stimmlicher Höhepunkt des Abends. Mit bleibend ungestresster Natürlichkeit in ihren anspruchsvollen Arien vermittelt Dongmin Lee farbiges italienischen Belcanto voller Menschlichkeit und Charme. Ibrahim Yesilay als Nemorino füllte seine große Partie – schüchtern oder mutig weil voll des Liebestranks – darstellerisch und mit wohl timbrierten lyrischem Tenor; einschließlich der großen romantischen Arie Una furtiva lagrima. Auch Michael Dahmen als Belcore wie Joachim Maaß als Dulcamara überzeugen in ihren Partien darstellerisch wie stimmlich. Lina Hoffmann ist in ihrer stimmlich eher kleinen Partie als Gianetta szenisch wie auffällig präsent. Der große wie viel beschäftigte Chor (Alexander Eberle) klingt stets homogen. Thomas Rimes führt die Neue Philharmonie Westfalen lebendig und mit den differenzierenden Pianos sehr sängerfreundlich.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Premierenapplaus © ioco

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Premierenapplaus hier von links Belcore, Adina, Nemorino, Dulcamara und Gianetta © ioco

Das Gelsenkirchener MiR-Publikum feierte Darsteller wie Inszenierung mit großem Beifall: Zum Ende der Vorstellung ohnehin; doch viel umfangreicher in der folgenden MiR-traditionellen Premierenfeier. Zu später Stunde beklatschten dort mehrere hundert Besucher die Ausführungen von Intendant / Regisseur Michael Schulz zu Darstellern und Inszenierung, bei Essen und guten Getränken. Es war deutlich spürbar: Die Besucher feierten nicht nur Darsteller und Inszenierung; sie feierten auch „ihr“ MiR.

Der Liebestrank im Musiktheater im Revier: weitere Vorstellungen 19.5.; 27.5.; 1.6.; 3.6.; 23.6.; 24.6.; 7.7.2018

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Liebestrank – Die Macht des Belcanto, IOCO Kritik, 18.10.2015

Oktober 21, 2015 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Kritiken

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Liebestrank: Und der Himmel hängt voller G…läser

Deutsche Oper am Rhein / L'elisir d'amore - Bruno Balmelli (Dulcamara), Anna Tsartzidze (Giannetta), Chor © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / L’elisir d’amore – Bruno Balmelli (Dulcamara), Anna Tsartzidze (Giannetta), Chor © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / L'elisir d'amore - Luiza Fatyol (Adina), Bruno Balmelli (Dulcamara) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / L’elisir d’amore – Luiza Fatyol (Adina), Bruno Balmelli (Dulcamara) © Hans Joerg Michel

Domenico Gaetano Donizetti (1797 – 1848) war einer der aktivsten Opernkomponisten aller Zeiten. 71 Opern komponierte Donizetti in seiner nur kurzen, von 1818 bis 1843 dauernden Schaffenszeit. Die große Opern Lucia di Lammermoor, Anna Bolena, Don Pasquale, La fille du régiment und L´elisir d´amore (Liebestrank) komponierte ein gereifter Donizetti erst ab 1830; sie füllen bis heute die Musiktheater in aller Welt: Die strahlende Glanzepoche des Belcanto, in welcher die Sänger mit anspruchsvollen Da-capo-Arien glänzen sollen, mit Verzierungen und reichen Koloraturen angereichert, erreicht in diesen Opern ihren Zenit.

Felice Romani, seinerzeit berühmter Operntextdichter, verfasste das Libretto zu L´elisir d´amore (Liebestrank); für die anschließende Komposition dieses Welterfolges benötigte der hoch beschäftigte Donizetti gerade einmal 14 Tage. Und doch: Die Premiere von L´elisir d´amore 1832 in Mailand war ein großer Erfolg.

Deutsche Oper am Rhein / L'elisir d'amore - Bruno Balmelli (Dulcamara), Georgy Vasiliev (Nemorino) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / L’elisir d’amore – Bruno Balmelli (Dulcamara), Georgy Vasiliev (Nemorino) © Hans Joerg Michel

Regisseur Juan Anton Rechi bringt im Theater Duisburg eine ganz dem Belcanto und modern plastischem Humor gewidmete Inszenierung. Das Bühnenbild prägt zwei Ebenen: Ein Gläsermeer, 3442 Sekt- und Weingläser, zur Ouvertüre als dunkel glitzernd Decke vom Schnürboden herab hängend. Später verströmen die Gläser als Bühnenhintergrund oder Kulisse in matt-milchigen wie blitzend-kristallinen Farben beständig den lebensfrohen Geist des Belcanto und des Mittelmeeres. So werden die Besucher schon mit Beginn der Vorstellung sanft zum Geist des Liebestrank geleitet.                                                                                 Szenischer Kontrapunkt zum Gläsermeer ist, auf der Bühne, eine in steter Aufruhr und Bewegung befindliche Hochzeitsgesellschaft (Bühne Alfons Flores). Ob in einem modernen Restaurant trinkend, essend oder in mediterraner Bekleidung tanzend; ob Torten in den Gesichtern von Belcore und Nemorino landen; ob schicke Handys aller Gäste oder deren packende Pantomime zum Duett Nemorino und Adina; ob die Braut mit sichtbar schmerzvollen Wehen immer wieder das Mitgefühl der Besucher sucht; ob Dulcamara als moderner Quacksalber in goldfarbenem Kostüm mit gegeltem, schwarzen Haar und schwarzer Sonnenbrille auf einer ebenfalls goldfarbenen Theke Pülverchen mischt: Rechi gelingt mit seinem Liebestrank eine moderne wie homoreske Produktion.

Deutsche Oper am Rhein / L'elisir d'amore - Georgy Vasiliev (Nemorino) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / L’elisir d’amore – Georgy Vasiliev (Nemorino) © Hans Joerg Michel

Die Liebestrank-Solisten, alles Ensemblemitglieder der Rheinoper, überzeugten stimmlich wie darstellerisch: Luiza Fatyol glänzt in ihrem Rollendebüt als Adina mit gut geführtem Sopran; Georgy Vasiliev überzeugte in seinem Düsseldorfer Debüt als Nemorino als ausdrucksvoller Träumer mit wohltimbriertem Tenor, wenngleich er zu seiner großen Arie des Abends, Una furtiva Lagrima, stimmliche Probleme zeigte.  Laimonas Pautienius zeigte einen herrlich dominant überheblichen wie stimmsicheren Belcore.

Deutsche Oper am Rhein / Liebestrank - Ensemble © IOCO

Deutsche Oper am Rhein / Liebestrank – Ensemble © IOCO

 Bruno Balmelli, seit Jahren in vielen großen Partien an der Rheinoper und auswärts erprobt, fasziniert darstellerisch kraftvoll und als ölig verschlagener Dulcamara mit breiten, festen Bariton auf und neben seinem güldenen Verkaufstresen. Auf der Bühne, zwischen und neben den Solisten wuselte eine, von Christoph Kurig wunderbar filigran eingestellte  Hochzeitsgesellschaft, alias der Chor der Rheinoper. Vor der Bühne ließen der neue Rheinopern-Kapellmeister Giuliano Betta und die Duisburger Philharmoniker die Zeit des Belcanto mit differenzierendem Dirigat und sensiblen Piani hoch leben.  Das Publikum im ausverkauften Theater Duisburg dankte, jubelte, feierte.

IOCO / Viktor Jarosch / 18.10.2015

Weitere Liebestrank – Vorstellungen: Sa 31.10. – 19.30 Uhr | So 08.11. – 15.00 Uhr | Sa 14.11 – 19.30 Uhr | Fr 01.04.2016 – 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—