München, Bayerische Staatsoper, La Fanciulla del West – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 25.03.2019

März 25, 2019 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

La Fanciulla del West  –  Giacomo Puccini

– Puccinis Sieg –

von Hans-Günter Melchior

Am Anfang will die Handlung keine Handlung sein. Sie kommt nicht vom Fleck. Die Musik reißt und zerrt an ihr und manchmal stößt sie das Geschehen ein wenig nach vorne, kleinteilig, fast abstrakt, funktional und stakkatohaft irrlichtert sie durch das soziale Milieu einer Goldgräberstadt, in der die Bar Polka so etwas wie eine Ersatzheimat darstellt. Die Arbeiter sitzen an einem runden, sehr niedrigen Tisch und spielen Karten, den Bühnenraum begrenzt links eine Bar. Man kommt über eine Art Empore, von der eine Treppe nach unten führt, in den schmucklosen Raum, der geradezu bevölkert ist von der Arbeitermenge, einfachen Leuten, ärmlich gekleidet und arm, einsam unter vielen Ihresgleichen, die ihre Familien schmerzlich entbehren.

La fanciulla del West  –  Giacomo Puccini
youtube Trailer der Bayerischen Staatsoper München – Einführung
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Das ist sehr treffend und genau vom Regisseur Andreas Dresen und seinem Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau arrangiert. Unter Verzicht auf den üblichen Schnick-Schnack und Klamauk ihrer allzu oft intellektuell überforderten Kollegen, die glauben, die ganze Welt auf einmal erfassen und alle Welträtsel lösen zu müssen. Von Anfang an wird klar: dies hier ist keine Cowboy-Klamotte und federgeschmückte Indianer kommen auch nicht vor; und schon gar nicht wird wild herumgeballert, dass einem das Sehen und vor allem das Hören vergeht. Hier wird vielmehr ein Schlaglicht auf einen sozialen Sachverhalt geworfen, auf die Not von Männern, die um ihrer und ihrer Familien Existenz willen Entbehrungen auf sich nehmen und sich durchs Leben schlagen. Arme Teufel eben, wie Minnie, Barfrau und Herrscherin über Männer sagt. Und die sich, wie sich zeigen wird, ins Menschliche-Allzumenschliche und insbesondere auch ins Rechtliche verstricken, in den Konflikt zwischen Recht und Gerechtigkeit, dem sie letztlich nicht gewachsen sind (nebenbei: auch das Libretto nicht, das ins allzu Beliebige taumelt, damit die Sache ihren Fortgang nimmt. Was auch mit humanitärem Tiefsinn nicht zu retten ist, wie dies von manchen Kommentaren und Interpreten zuweilen versucht wird).

Beherrscht wird die Bar von der großartigen Anja Kampe als Minnie. Die einzige Frau unter vielen Männern, von diesen heimlich begehrt, aber unnahbar, kein Vamp, sondern eine Frau, die ihre Identität verteidigt, eine Art fürsorglicher Mutter, die die Kranken unter den Männern pflegt, und den Bedrückten Trost zuspricht. Und sie vor allem unter Zuhilfenahme der Bibel über die immer wieder einzufordernde Menschlichkeit unter den Menschen belehrt und ihnen diese beispielhaft vor Augen hält. Sie liest aus der Heiligen Schrift vor und fragt die Männer ab, wer war David und was hat er getan…, und so weiter, und wenn die Auskünfte unvollständig oder falsch sind, rügt sie mit einem milden Verweis ihren Schüler.

Bayerische Staatsoper / La fanciulla del West - hier : Anja Kampe als Minnie und Brandon Jovanovich als Johnson © W. Hoesl

Bayerische Staatsoper / La fanciulla del West – hier : Anja Kampe als Minnie und Brandon Jovanovich als Johnson © W. Hoesl

Von wegen Anja Kampes Sopran erreiche nur noch mit Mühe die Höhenlagen –; wie in einer Rezension stand. Das ist so falsch wie ungerecht. Diese Künstlerin ist hochpräsent und glaubwürdig, ihrer Partie mühelos gewachsen, schauspielerisch ist es ein Ereignis, wie sie über die Männerwelt herrscht, ohne sich auf die üblichen Machtmittel und Gewaltmaßnahmen stützen zu müssen. Wer könnte das besser? Anja Harteros könnte es genauso gut.

Minnie hat eine Menge zu schlichten und zu beschwichtigen. Einer der Männer zerfließt vor Heimweh, ein anderer (Sid: Alexander Milev) spielt falsch und kann vom Sheriff gerade noch vor der Lynchjustiz gerettet werden – und überhaupt: fast jeder der Männer stellt ihr heimlich oder durch Gebärden nach oder träumt zumindest von ihr.

Besonders der Sheriff Jack Rance (ein hervorragend kerniger Bariton ist John Lundgren, zuweilen dämonisch, manchmal, – rollengemäß – unbedarft und nicht auf der rechtlichen Höhe des Geschehens) macht sich Hoffnungen. Er ist zwar verheiratet, jedoch jederzeit bereit, seine Frau zu verlassen, wenn Minnie seinem Werben nachgibt.

Das geht so eine Weile hin und her im ersten Akt –, bis die Rede auf den Banditenanführer Ramerrez kommt. Er treibt sein Unwesen in der Gegend, es wird nach ihm gefahndet, bringt er doch das fragile soziale Gefüge in Unordnung, nicht zuletzt deshalb, weil er es auf das mühsam genug geschürfte Gold der armen Männer abgesehen hat. Der Sheriff ist schon lange hinter ihm her, hat aber keinen Erfolg.

Mitten in die Unruhe und den Fragenwirrwarr hinein tritt Brandon Jovanovich als Johnson auf: wie der Ritter im Lohengrin aus dem Nichts. Ein Fremdling, der langsam und jeden Schritt abmessend die Treppe herunterkommt – und Rätsel aufgibt. Von den ängstlichen, psychisch aneinander ausgelieferten Männern reflexartig wie ein die Ordnung ins Wanken Bringender abgelehnt und nur kraft Minnies Einfluss geduldet. Ein gut aussehender Mann. Dem die Frau sofort erliegt, ohne es zunächst zugeben zu können. Brandon Jovanovichs Tenor ist von geradezu überrumpelnder Strahlkraft.

Johnson darf Minnie als erster Mann in ihrem Leben küssen. Dass sich hinter ihm der Banditenführer Ramerrez verbirgt, erfährt man erst im zweiten Akt. Aber da ist es bereits zu spät, jedenfalls für Minni, ihre Liebe ist stärker als all die auf der Hand liegenden Einwände es sein können. Sie nimmt ihn in ihrem Haus auf, einem einfachen Holzgebäude, eine Art Hütte. Hier dienen radebrechend die Haushälterin Wowkie (Noa Beinart) und Billy Jackrabbit (Oleg Davydov), die in einer einzigen Anspielung auf den „wilden Westen“ als Indianer auftreten.

Ein Opernsteckbrief zu La fanciulla del West
youtube Trailer der Bayerischen Staatsoper München
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Indessen bleibt der Regisseur Dresen seiner Idee treu: er verzichtet auf jeden Pomp, auf jede Wild-West-Romantik, auf die Idylle des unechten und ständig gefährdeten und die Spannung unnötig aufladenden Heimeligen, die in so manchen Western mit ihren wattierten Plüschwohnungen stört. Minnie ist eine einfache Frau wie die Männer einfache Männer sind, arm, jedoch nach den höheren Weihen der Bildung und zivilisatorischen Ordnung strebend, die eine Gesellschaft erst zur menschlichen machen.

Als der Sheriff Rance, unterstützt von dem Goldgräber Sonora (Tim Kuypers) und anderen nach dem Banditenchef in Minnies Haus sucht, verbirgt sie den Geliebten. Ach ja –, und dann kommt dieses unsägliche Kartenspiel: Minnie schlägt dem Sheriff vor, mit ihr um das Leben des Banditen zu spielen. Gewinnt er, soll ihm nicht nur Ramerrez, sondern auch sie gehören. Sie betrügt den Sheriff und gewinnt. Dieser verzichtet – pflichtwidrig – auf die Festnahme des Banditen und zieht ab.

Man muss das einfach mal hinnehmen, so unglaubwürdig und überdies albern wie es auch ist. Von juristischer Korrektheit soll hier gar nicht die Rede sein. Irgendwie muss es ja weitergehen, werden sich wohl die Librettisten Guelfo Civinini und Carlo Zangarini in Anlehnung an das Schauspiel The Girl of the Golden West von David Belasco gedacht haben, als sie sich in so einen allzu künstlichen Kunstgriff verstiegen.

Bayerische Staatsoper / La fanciulla del West - hier : Ensemble © W. Hoesl

Bayerische Staatsoper / La fanciulla del West – hier : Ensemble © W. Hoesl

Die Handlung schleppt sich dann ein wenig beschwert von fantastischen Schlauheiten in den dritten Akt. Ramerrez, alias Johnson, wird nun doch gefangen genommen. Die Bühne ist fast vollkommen dunkel. Schemenhaft ragt im Vordergrund ein Telegrafenmast auf, an dem der Bandit aufgehängt werden soll. Schon ist ihm die Schlinge um den Hals gelegt –, als Minnie wie eine dea ex machina auftaucht. Mit ihrer ganzen emotionalen Kraft stemmt sie sich dem Gewaltakt der Lynchjustiz entgegen. Sie wendet sich jedem einzelnen der Goldgräber zu, hält diesen vor Augen, was sie Gutes an ihm gewirkt hat. Und droht damit, diese zu verlassen, sollten sie ihren, Minnies, Geliebten aufhängen.

Die Drohung verfehlt nicht ihre Wirkung. Das Risiko, Minnie um der Exekution an einem Banditen willen zu verlieren, erscheint den Männern zu groß, untragbar. Sie geben Ramerrez / Dick Johnson frei und in die Arme der Geliebten fallen. Schwamm drüber. Das gesetzte Recht wird hier zweifelsfrei verletzt. Das Libretto schert sich nicht um solche Kleinigkeiten. Wie auch immer: freilassen durften die Arbeiter einen Tatverdächtigen jedenfalls nicht. Ausgerechnet auch noch in Anwesenheit des Ordnungshüters, des Sheriffs.

Aber wir befinden uns ja nicht in einem juristischen Seminar. Wir befinden uns in der Traumfabrik Oper, wo Wunder geschehen.

Die Musik emanzipiert sich immerhin, besonders am Ende des zweiten und dann im dritten Akt vom Dienst an der Handlung, wirft die Fesseln der Funktionalität ab. Wunderschön schwingt sie sich zu jenen melodischen Höhen auf, die man von Puccini kennt, stürzt jedoch keineswegs ins Kitschige ab wie zuweilen in den Reißern, die diesen Komponisten als Belcanto-Meister berühmt machten. Hier ist ein wahrer Könner am Werk: Puccinis Sieg! Über manche Ungereimtheiten der Handlung. Die Komposition übernimmt die Führung, steht über dem Text.

Das Publikum dankt am Ende mit begeistertem Beifall, feiert das riesige Ensemble. Der Bericht muss sich jedoch mit Hervorhebungen einzelner Namen begnügen.

Aber das wahrhaft großartige, bis in die Nuancen hochsensible Orchester unter der Leitung von James Gaffigan darf keinesfalls vergessen werden. Der Dirigent hatte Partitur und Orchester meisterhaft im Griff. Mit Feuer und wahrer Leidenschaft überzeugte er selbst in manchen ziemlich lautstarken Steigerungen, die die Grenzen des schmerzfrei Hörbaren ausloteten.

Eine mehr als empfehlenswerte Aufführung, inszenatorisch und musikalisch bereichernd

La fanciulla del West am Nationaltheater München; die weiteren Termine 26.3.; 30.3.; 2.4.; 26.7.; 27.7.2019 und mehr

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

 

New York, Metropolitan Opera, Herbst 2018 – Yannick Nézet-Séguin new MET Music Director, IOCO Aktuell, 22.09.2018

September 23, 2018 by  
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Metropolitan Opera und City Opera in New York © IOCO

City Opera und Metropolitan Opera, vl, in New York © IOCO

Metropolitan Opera

 Herbst 2018 – Neuer Music Director der Met
Yannick Nézet-Seguin folgt James Levine

Im Juni 2018 beendete die Metropolitan Opera (Met) New York alle Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Stardirigenten James Levine (*1943). James Levine war über vierzig Jahre, von 1976 bis 2016, Music Director der Met. Die Met begründete die Entscheidung mit sexuellem Fehlverhalten von James Levine.

Yannick Nézet-Seguin, *6.3.1975 Montreal, beginnt nun, im September 2018, seine Tätigkeit als neuer   Music Director der Met; die Ära James Levine ist nun optisch wie akustisch zu Ende. Die folgende Pressemitteilung der Met schildert Pläne und Erwartungen für die kommende Spielzeit. Sehen, hören Sie den Video-Trailer, unten, zwischen Yannick Nézet-Seguin und Met General Manager Peter Gelb, welcher Pläne und Erwartungen für die Tätigkeit von Nézet-Seguin  als neuem Music Director der Met offenbart.

PM der MET: Accelerating his arrival as Music Director by two seasons, Yannick Nézet-Séguin will take up the post in time for the start of the Metropolitan Opera’s 2018–19 season. By freeing up some guest conducting weeks in his busy calendar in both the 2018–19 and 2019–20 seasons, Nézet-Séguin will now be able to conduct three operas and two Met Orchestra concerts at Carnegie Hall in each of those seasons, instead of the two operas per season originally scheduled. With the assumption of the Music Director title in the fall of 2018, Nézet-Séguin will also be taking on the full artistic responsibilities for the orchestra, chorus, and music staff. His full-time collaboration with Met General Manager Peter Gelb on all other artistic matters will also begin at that time. As previously announced, Nézet-Séguin will begin conducting a minimum of five operas per season starting with the 2020–21 season.

The new Music Director will be a significant presence on the podium in the 2018-19 season.In addition to leading the new La Traviata and conducting the two Carnegie Hall concerts, Maestro Nézet-Séguin will also lead revivals of Debussy’s Pelléas et Mélisande and Poulenc’s Dialogues des Carmélites.

MET: Yannick Nézet-Séguin im Gespräch mit General Manager Peter Gelb
Youtube Trailer Metropolitan Opera
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The Met’s 2018-19 season opens on September 24 with Tony Award winner Darko Tresnjak’s new production of Saint-Saëns’s Samson et Dalila, conducted by Sir Mark Elder, starring Roberto Alagna and Elena Garanca in the title roles. Nico Muhly’s new opera Marnie has its North American premiere a few weeks later, conducted by Robert Spano, with Isabel Leonard in the title role. Marnie is directed by Michael Mayer, whois also responsible for a new La Traviata, conducted by Nézet-Séguin and starring Diana Damrau.The final new production is from Sir David McVicar: Cilea’s Adriana Lecouvreur, conducted by Gianandrea Noseda, starring Anna Netrebko in the title role.

Because of the significant production demands and rehearsal time required by the revival of the Lepage Ring cycle, the Met is presenting only four new productions this season. Wagner’s epic four-opera masterwork, Der Ring des Nibelungen, returns to the Met this season for the first time since 2013. Philippe Jordan, Music Director of the Paris Opera, will lead all three cycles of Robert Lepage’s production, beginning March 9, 2019. Soprano Christine Goerke leads the cast with her first Met performancesas the warrior maiden Brünnhilde.

AIDA an der Metropolitan Opera mit Anna Netrebko
Youtube Trailer Metropolitan Opera
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In addition to the Ring, the season features 18 revivals, including Verdi’s Aida, with Anna Netrebko singing the title role for the first time at the Met; Puccini’s La Fanciulla del West, with tenor Jonas Kaufmann returning to the Met to star opposite Eva-Maria Westbroek; and Verdi’s Otello, with Gustavo Dudamel making a highly anticipated Met conducting debut.

“It is wonderful for the entire company that Yannick will assume his duties two seasons ahead of schedule“, said General Manager Peter Gelb.  “The orchestra loves him, the chorus loves him, everyone in the building loves him. He is a truly great artist under whom the Met will only thrive.” Referring to the gift from the Neubauer Family Foundation, Gelb said, “The Met is so fortunate to be the recipient of such enlightened and generous  philanthropy from two of our most loyal supporters, who believe in the power of transformative gifts.”

Yannick Nézet-Séguin said, “The Metropolitan Opera is the greatest opera company in the world and I’m honored to become its next Music Director. I’m eager to continue to collaborate with the Met Orchestra, Chorus, and administration to keep the Met’s artistic standards at the highest level, and to amplify the great work the company already does to reach new audiences and ensure the future of the art form. I have worked with the Neubauers for many years in Philadelphia and know how committed they are to supporting the arts. Their extraordinary generosity for the work of the Philadelphia Orchestra and the Met makes this exciting moment even more humbling for me.”

Jeanette Lerman-Neubauer said, Yannick insists on the timeless virtues that have led the Met to the highest standards of artistic expression. But he also adds a new kind of energy, making opera a compelling choice for broader and younger audiences. We believe his enthusiasm, energy, and inspired music-making will continue to be a major asset for the Met and will push the boundaries even further for what great opera can achieve.”

—| IOCO Aktuell Metropolitan Opera New York |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme: SIMON BOCCANEGRA von Verdi, 24.04.2015

März 12, 2015 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme: SIMON BOCCANEGRA

Melodramma in einem Prolog und drei Akten von Giuseppe Verdi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Freitag, 24. April 2015, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Musikalische Leitung: Carlo Montanaro; Inszenierung: Christof Loy

Mitwirkende: Christopher Maltman / Lucio Gallo (Simon Boccanegra), Guanqun Yu / Jessica Strong (Amelia Grimaldi), Bálint Szabó / Andreas Bauer (Jacopo Fiesco), Wookyung Kim (Gabriele Adorno), Johannes Martin Kränzle (Paolo Albiani), Magnús Baldvinsson (Pietro) u.a.

Weitere Vorstellungen: 2., 9., 17. (Oper für Familien, 15.30 Uhr; pro Erwachsenen-Kaufkarte maximal drei Tickets für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre gratis, empfohlen ab 12 Jahren; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 31. Mai, 6., 12. Juni 2015
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

Oper Frankfurt / Simon Boccanegra © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Simon Boccanegra © Wolfgang Runkel

Einer der Höhepunkte der Spielzeit 2006/07 war Simon Boccanegra von Giuseppe Verdi (1813-1901). Die Inszenierung von Christof Loy feierte am 20. Mai 2007 Premiere an der Oper Frankfurt und war sowohl beim Publikum als auch im Spiegel der Presse äußerst erfolgreich. So schwärmte einer der anwesenden Kritiker: „Als grandios darf man das Resultat von Verdis Simon Boccanegra in Frankfurt bezeichnen. Christof Loy gelingt in mutig-radikaler Reduktion eindringlich, aus der verworrenen Geschichte die wesentlichen menschlichen Inhalte zu skelettieren (…). Frankfurt ist – endlich wieder ohne Einschränkungen – ganz großes Musiktheater geglückt. Unbedingt erleben!!“
Zum Inhalt: Der Korsar Simon Boccanegra wird vom Volk gegen die Interessen des Adels zum Dogen von Genua gewählt. Im Moment dieses politischen Triumphes erfährt er vom Tod seiner Geliebten, der Patriziertochter Maria. Ihr gemeinsames Kind gilt als verschollen. 20 Jahre später erkennt der Doge in der Geliebten des jungen Adeligen Gabriele Adorno seine Tochter wieder und gibt den beiden seinen Segen. Boccanegras eifersüchtiger Gefolgsmann Paolo vergiftet daraufhin den Dogen, der im Angesicht des Todes seinen Feinden vergibt und Adorno als seinen Nachfolger auf dem Dogenthron einsetzt.

Oper Frankfurt / Simon Boccanegra © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Simon Boccanegra © Wolfgang Runkel

Die Besetzung der vierten Wiederaufnahme-Serie dieser Verdi-Oper präsentiert mit Christopher Maltman und Lucio Gallo zwei hochkarätige, international gefragte Baritone, die sich in der Titelpartie abwechseln werden. Der Brite Christopher Maltman war in Frankfurt bereits mit einem Liederabend und als Einspringer in der Titelpartie von Brittens Billy Budd sowie 2012/13 als Rodrigo in Verdis Don Carlo zu erleben. Aktuelle Aufgaben führen ihn an die Bayerische Staatsoper und das ROH Covent Garden in London sowie zu den Salzburger Festspielen. Lucio Gallo ist Italiener und sang hier u.a. die Titelpartie in Dallapiccolas Il prigioniero sowie zuletzt 2006/07 Sebastiano in d’Alberts Tiefland. Seine weiteren Engagements sind in Florenz, Palermo und Zürich geplant. Die Chinesin Guanqun Yu gibt als Amelia Grimaldi ihr Frankfurt-Debüt und sang diese Partei auch 2014 in Valencia, gerahmt von Auftritten als Fiordiligi (Così fan tutte) an der New Yorker Met und Gräfin (Il nozze di Figaro) in Los Angeles. In der letzten Vorstellung der Serie am 12. Juni 2015 übernimmt die Partie der Amelia Jessica Strong aus dem Studio der Oper Frankfurt. Der Koreaner Wookyung Kim (Gabriele Adorno) verkörperte sowohl diese Rolle als auch Rodolfo (La Bohème) an der Staatsoper München, zuvor gastierte er als Alfredo (La Traviata) an der New Yorker Met. Als Cassio in Verdis Otello gab er 2011/12 sein Debüt an der Oper Frankfurt. Aus dem Ensemble steigt Magnús Baldvinsson als Pietro neu in die Produktion ein. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht mit Carlo Montanaro der musikalische Leiter des Teatr Wielki Warschau. Regelmäßig gastiert er an der Oper Frankfurt, zuletzt u.a. mit Cileas Adriana Lecouvreur 2011/12 und Verdis Don Carlo 2012/13. Aktuelle Aufgaben sind Puccinis La fanciulla del West an der Hamburgischen Staatsoper, Verdis Rigoletto und La Traviata in Warschau, Boitos Mefistofele in Budapest sowie Verdis Nabucco und Donizettis Maria Stuarda in Seattle.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Premiere LA FANCIULLA DEL WEST, 01.02.2015

Januar 15, 2015 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Premiere: Giacomo Puccinis »La Fanciulla del West« an der Staatsoper Hamburg

Vincent Boussard bringt Puccinis »Western-Oper« in Hamburg auf die Bühne

Staastoper Hamburg / La Fanciulla del West - Collage © Cristian Lacroix

Staastoper Hamburg / La Fanciulla del West – Collage © Cristian Lacroix

Alle Männer im Goldgräberlager sind in Minnie verliebt: Die Besitzerin des Saloons »Polka« ist Projektionsfigur ihrer erotischen und emotionalen Wünsche. Doch Minnie entzieht sich ihren Avancen. Als aber der mexikanische Bandit Ramerrez unter dem Namen Dick Johnson Zuflucht im Ort sucht, verliebt sie sich in ihn. Sheriff Jack Rance glaubt die wahre Identität Johnsons zu kennen und bedrängt Minnie, weil auch er sie begehrt. In einer Pokerpartie zockt Minnie um das Leben des Geliebten: Verliert sie, wird sie sich dem Sheriff hingeben, gewinnt sie, soll Dick Johnson frei sein. Mit falschen Karten dreht Minnie das Spiel zu ihren Gunsten. Doch auch der Sheriff betrügt sie, denn er lässt Dick gegen sein Ehrenwort gefangen nehmen. Nur Minnies entschlossenes Eintreten für den Outlaw mit dem guten Herzen rettet diesen vor dem Galgen…

Puccinis »Wildwest-Oper« »La Fanciulla del West« erlebt seit einiger Zeit ein Comeback auf den Spielplänen. Die Staatsoper Hamburg bringt das Werk, das Puccini für den amerikanischen »Markt« komponierte und das 1910 an der New Yorker Metropolitan Opera mit Enrico Caruso und Emmy Destinn uraufgeführt wurde, am 1. Februar 2015 als Neuproduktion heraus. Das französische Produktionsteam Vincent Boussard, Vincent Lemaire und Christian Lacroix, das in Hamburg mit großem Erfolg »Madama Butterfly« auf die Bühnen brachte, deutet das Werk neu. Regisseur Vincent Boussard beleuchtet in seiner Deutung vor allem die Einsamkeit der Männer: »Das Stück leidet immer noch unter dem fundamentalen Missverständnis eines Cowboy-und-Indianer-Spiels. Aber Puccini hat ja keine Oper über Cowboys geschrieben, sondern über Emigranten«, sagt er. Auf der Suche nach einer Zukunftsperspektive wurden die Goldgräber in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus allen Teilen der Welt nach Kalifornien gespült. »Puccini zeigt uns ganz radikal eine reine Männergesellschaft. Es gibt keine Familien, keine Frauen, nichts als Spiel, Alkohol und Arbeit«, so Vincent Boussard. »Diese Goldgräber sind eigentlich Fremdenlegionäre – entwurzelt, lieblos, gewaltbereit.« Das Bühnenbild für die Neuproduktion gestaltet Vincent Lemaire, für die Kostüme sind Christian Lacroix und Vincent Boussard gemeinsam verantwortlich.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Carlo Montanaro. Der italienische Dirigent und musikalischer Leiter am Teatr Wielki in Warschau und gefragter Gast an allen großen Opernhäusern, stand bereits mehrfach an der Staatsoper Hamburg am Pult. Unter anderem leitete er hier die Neuproduktionen von »Aida« und »Manon Lescaut«. Als Minnie kehrt Emily Magee an die Staatsoper zurück. Die amerikanische Sopranistin sang in Hamburg unter anderem mit großem Erfolg die Kaiserin in der Neuproduktion von »Die Frau ohne Schatten« und gab 2008 unter Simone Young ihre Rollendebüts als Daphne und Arabella. Carlo Ventre übernimmt die Partie des Dick Johnson. Der aus Uruguay stammende Tenor debütierte in der Saison 2008/09 in Hamburg mit der Rolle des Cavaradossi, 2011/12 sang er hier den Des Grieux in der Neuproduktion von »Manon Lescaut«, 2014 folgte Radamès in »Aida«. Dick Johnsons Gegenspieler Jack Rance ist Andrzej Dobber. Der polnische Bariton ist ebenfalls ein häufiger Gast an der Dammtorstraße, unter anderem konnte er hier in den Neuproduktionen von Verdis »Aida«, Borodins »Fürst Igor« und Verdis »I due Foscari« große Erfolge feiern. Es singen außerdem: Jürgen Sacher (Nick), Tigran Martirossian (Ashby), Davide Damiani (Sonora), Dovlet Nurgeldiyev (Trin), Moritz Gogg (Sid), Viktor Rud (Bello), Benjamin Popson (Harry), Jun-Sang Han (Joe), Vincenzo Neri (Happy), Alin Anca (Larkens), Szymon Kobylinksi (Billy Jackrabbit), Rebecca Jo Loeb (Wowkle), Florian Spiess (Jake Wallace) und Daniel Todd (Postillon). Die Einstudierung des Chores übernimmt Eberhard Friedrich.

Premiere: 1. Februar 2015, 18.00 Uhr
Vorstellungen: 4., 7., 10., 13., 18. und 21. Februar 2015

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