Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Juan Diego Flórez – Belcanto Konzert, 07.04.2018

März 23, 2018 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Heinersdorff Konzerte

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Belcanto im schönsten Wortsinn
Juan Diego Flórez Tenor

Samstag, 07. April 2018, 20 Uhr

 Gluck, Mozart, Donizetti, Massenet, Verdi

NDR Radiophilharmonie, Riccardo Minasi Leitung

Es scheint, als wäre der Begriff Belcanto extra erfunden worden, um seine Kunst zu beschreiben: Juan Diego Flórez übertrifft mit seinem kraftvollen Timbre und dem unverkennbaren Schmelz in der seelenvollen Tenorstimme alle Superlative des „schönen Gesangs“. Seit seinem überragenden Debüt als 23-Jähriger in der Mailänder Scala 1996 hat der peruanische Sängerestivals der Welt führt. Dass er dennoch niemals seine Herkunft als Sohn eines peruani eine Bilderbuchkarriere hingelegt, die ihn regelmäßig an die größten Opernhäuser und zu den renommiertesten Fschen Volkssängers vergisst und immer wieder gerne zur Gitarre greift, um sich selbst in schlichten Liedern und Canzonen zu begleiten, spricht für den sympathischen Superstar. Sein lang ersehntes Heinersdorff-Gastspiel steht ganz im Zeichen Mozarts und des italienischen Belcanto.

Karten: € 95,- / 85,- / 75,- / 60,- / 45,- zzgl. VVK-Gebühr
Vorverkauf: Opernshop, Tel. 0211 89 25 211, www.heinersdorff-konzerte.de

[Von Juan Diego Flórez wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht.]


Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Juan Diego Flórez: Die großen Theater der Welt sehen in Juan Diego Flórez den Belcanto-Tenor par excellence. Sein ausdrucksstarker, müheloser und virtuoser Gesang macht ihn zu einem idealen Interpreten für Opern von Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Publikum und Kritiker feiern einhellig die Vorstellungen, die er auf den bedeutendsten internationalen Opernbühnen und Konzertpodien gibt. Sein Operndebüt gab der peruanisch-österreichische Sänger im Jahr 1996 in Rossinis Matilde di Shabran beim Rossini-Opernfestival in Pesaro. Heute singt er an den wichtigsten Opernhäusern der Welt, gastiert regelmäßig beim Festival in Pesaro und gibt regelmäßig Konzerte.

Der peruanische Tenor Juan Diego Flórez ist dank seiner einzigartigen Stimme und seiner sensationellen Technik einer der Weltstars der Oper. Auf seiner aktuellen CD singt Flórez erstmals Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, einem weiteren Komponisten, dessen Werk ideal zu seinen Fähigkeiten passt. Mit 18 Jahren trat Flórez als Chorsänger in der Zauberflöte auf und fand so zur Oper. Seitdem hat er in zahlreichen Konzerten Mozart gesungen.

Die Einspielung entstand in Zürich mit dem herausragenden Orchester La Scintilla, den Alte Musik Spezialisten der Züricher Oper, unter Leitung von Mozart-Kenner Riccardo Minasi. Juan Diego Flórez wurde 1973 geboren und studierte Musik in seiner Heimatstadt Lima und am Curtis Institute in Philadelphia. 1996 gab er in Matilde di Shabran sein offizielles Debüt beim Rossini-Opernfestival in Pesaro, wo seine ausdrucksvolle Stimme und erstaunliche Agilität über Nacht für eine Sensation sorgten und ihn noch im selben Jahr, mit dreiundzwanzig Jahren, an die Scala führten. Seitdem tritt er regelmäßig unter den weltweit führenden Dirigenten auf den renommierten internationalen Opernbühnen auf. Als Belcanto-Tenor der Spitzenklasse hat sich Flórez vor allem in den führenden Tenorrollen von Rossini, Donizetti und Bellini sowie in Opern Verdis (Rigoletto und Falstaff), Puccinis (Gianni Schicchi), Glucks (Armide), Mozarts (Mitridate) und Nino Rotas (Il cappello di paglia di Firenze) einen Namen gemacht. 2007 brach er an der Scala mit einer 75 Jahre alten Tradition und sang eine Zugabe aus Donizettis Fille du régiment, die Arie ‚Ah! mes amis‘ mit neun hohen C; für eine ähnliche Sensation sorgte er 2008 mit der gleichen Meisterleistung an der New Yorker Metropolitan.

Er tritt auch als Solist und Konzertsänger in Werken wie Rossinis Stabat Mater auf. In den vergangenen Spielzeiten war er zu sehen und zu hören in: L’elisir d’amore an der WienerStaatsoper und der Met, Il barbiere di Siviglia in Lima, Le comte Ory an der Met,  I puritani in Tokio, Linda di Chamounix in Barcelona, Rigoletto in Zürich, Matilde di Shabran in Pesaro, Guillaume Tell in Lima und Pesaro, Les Pêcheurs de perles in Madrid, La donna del lago in Covent Garden, La Fille du régiment in Wien sowie in einem Konzert in Machu Picchu mit Gustavo Dudamel und dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar. Für 2014 sind geplant: La sonnambula in Barcelona, La Fille du régiment in Covent Garden, Roméo et Juliette in Lima, La Cenerentola an der Met, Il Barbiere di Siviglia in München, Le comte Ory an der Scala und La Favorite bei den Salzburger Festspielen sowie Konzerte in Marseille, Istanbul, Zürich, Genf, Madrid, Lüttich, Baden-Baden, Ludwigshafen, München und Wien.

Juan Diego Flórez hat als Decca-Exklusivkünstler seit 2001 zahlreiche Soloalben und Operngesamtaufnahmen auf CD und DVD veröffentlicht; viele davon haben Preise gewonnen, darunter den deutschen Echo und den Cannes Classical Award. Zu seinen neueren Einspielungen gehören Gesamtaufnahmen von Bellinis La sonnambula, mit Cecilia Bartoli auf CD und mit Natalie Dessay auf DVD, Glucks Orphée et Eurydice mit Ainhoa Garmendia, Bel  Canto spectacular – 2010 in der Kategorie ‚Best Classical Vocal Performance‘ für einen Grammy® nominiert – sowie 2010 eine CD mit geistlichen Liedern unter dem Titel ‚Santo‘. 2012 erschien die 2009 beim Rossini-Festival in Pesaro aufgenommene DVD mit Rossinis Zelmira, und 2013 folgte Rossinis Matilde di Shabran als Mitschnitt aus dem Teatro Comunale in Bologna. Für 2014 ist sein erstes, nur in französischer Sprache gesungenes Album ‚L’Amour‘ mit Opernarien von Donizetti bis Massenet geplant.

Der peruanische Tenor hat zahlreiche weitere internationale Kritikerpreise erhalten sowie den Sonnenorden als höchste Auszeichnung der peruanischen Regierung. 2012 wurde er zum Sonderbotschafter der UNESCO ernannt und in Wien als Kammersänger

—| Pressemeldung Tonhalle Düsseldorf |—

Leipzig, Oper Leipzig, Highlights der Oper Leipzig im März 2018

Januar 17, 2018 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Highlights der Oper Leipzig im März 2018

 

  • DEUTSCHLAND-PREMIERE VON CALIXTO BIEITOS »TANNHÄUSER«
  • PREMIERE VON LEWIS CARROLLS »ALICE IM WUNDERLAND« ALS BALLETT AN DER MUSIKALISCHEN KOMÖDIE
  • THEMENWOCHE »STARKE FRAUEN«
  • MUSIKALISCHER SALON: »SCHERZI MUSICALI«
  • KLEINE KOMÖDIE: »ICH HABE MEINE TANTE GESCHLACHTET« –  EIN FRANK-WEDEKIND-ABEND
  • PASSIONSZEIT MIT »PARSIFAL« UND »JOHANNES-PASSION

DEUTSCHLAND-PREMIERE VON CALIXTO BIEITOS »TANNHÄUSER«

Am Samstag, 17. März, 18 Uhr feiert Richard Wagners Oper »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg« in der Inszenierung von Calixto Bieito ihre Deutschland-Premiere im Leipziger Opernhaus. Der renommierte katalanische Regisseur, der die ursprünglich mit Katharina Wagner geplante Produktion übernahm, lenkt den Fokus auf den Gegensatz zwischen ureigenen menschlichen Impulsen und gesellschaftlichen Konventionen. Der Minnesänger Tannhäuser ist zwischen Realität und Illusion hin- und hergerissen und zerreibt sich zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen. Im Venusberg lockt eine Welt der Sinnesfreuden und Fleischeslust, auf der Wartburg offenbart sich ihm das Ideal der reinen Minne. Doch Heimat und Halt findet er in keiner der beiden Sphären.

Bieitos »Tannhäuser«-Inszenierung war nach ihrem großen Erfolg in Gent und Antwerpen in der Spielzeit 2015/2016 im vergangenen Jahr bereits in Venedig und Bern zu erleben. Der für die Titelpartie engagierte Burkhard Fritz gab bei der Premiere in Gent sein gefeiertes Tannhäuser-Debüt. Anders als in Antwerpen, aber wie zunächst geplant, wird in Leipzig die Dresdner Fassung zu hören sein.

Premiere: Samstag, 17. März 2018, 18 Uhr, Opernhaus
Weitere Aufführungen: 24. März, 2. April, 27. Mai 2018 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)


PREMIERE VON LEWIS CARROLLS »ALICE IM WUNDERLAND« ALS BALLETT AN DER MUSIKALISCHEN KOMÖDIE

Jeder kennt sie, die quietschbunte Welt der körperlosen Grinsekatze, des verrückten Hutmachers oder der bösen Herzkönigin. Mirko Mahr, Chefchoreograph der Musikalischen Komödie, setzt diesen skurrilen Kosmos von Lewis Carroll, in dem der Unsinn seine sonderbarsten Blüten treiben darf, in eine gleichermaßen für Kinder wie Kind gebliebene Erwachsene ansprechende Choreografie um. Die Premiere seines Balletts »Alice im Wunderland« findet am Freitag, 23. März, 19:30 Uhr statt. Lewis Carrolls Abenteuergeschichte »Alice’s Adventures in Wonderland« ist längst zum zeitlosen Klassiker avanciert, der seit 150 Jahren eine Leserschaft aus Alt und Jung begeistert. Die Gesetze von Logik und Sprache sind hier ausgehebelt, dem Nonsens Tür und Tor geöffnet.

Premiere: Freitag, 23. März 2018, 19:30 Uhr, Musikalische Komödie
Weitere Aufführungen: 24. & 30. März / 14., 15. & 17. April /?10., 11., 26. & 27. Mai 2018


THEMENWOCHE »STARKE FRAUEN«

Starke Frauen sind in der Woche vom 3. bis zum 10. März auf den Bühnen der Oper und der Musikalischen Komödie zu erleben. Ob »Lucia di Lammermoor«, »Salome«, »Rusalka« oder »La Cenerentola« –  ihrem Schicksal treten sie selbstbestimmt entgegen, auch wenn am Ende der Tod steht.

Wiederaufgenommen wird an der Musikalischen Komödie außerdem der Liederabend »Die Sekretärinnen«. Dass in diesen gern als »Tippse« oder »graue Büromaus« verkannten Damen ungeahnte Talente schlummern, davon erzählt die Revue von Franz Wittenbrink. Mit Evergreens und Schlagern von Cole Porter bis Eros Ramazotti und Herbert Grönemeyer, von den Andrew Sisters bis hin zu Hildegard Knef und Caterina Valente möbelt die Belegschaft eines Großraumbüros ihren drögen Büroalltag auf. Seit den 90er Jahren hat Franz Wittenbrink mit seinen szenischen Liederabenden das Genre Revue neu belebt – mit großem Erfolg, wie die Aufführungszahlen zeigen.

Termine:
»Lucia di Lammermoor«, Samstag, 3. März 2018, 19 Uhr, Opernhaus
»Sekretärinnen«, Samstag, 3. März 2018, 19 Uhr | Sonntag, 4. März, 15 Uhr, Musikalische Komödie
»Rusalka«, Sonntag, 4.März, 18 Uhr 2018, Opernhaus
»La Cenerentola«, Freitag, 9. März 2018, 19:30 Uhr, Opernhaus
»Salome«, Samstag, 10. März 2018, 19:30 Uhr, Opernhaus


MUSIKALISCHER SALON: »SCHERZI MUSICALI«

Heitere Arien und Duette von Claudio Monteverdi, Georg Friedrich Händel und Gaetano Donizetti halten zwei weitere starke Frauen, die Ensemblemitglieder Stefania Abbondi und Wallis Giunta, im Musikalischen Salon am Samstag, 3. März, 15 Uhr für ihr Publikum bereit. An Klavier und Cembalo begleitet sie Studienleiter Ugo D‘Orazio. Vor dem Konzert besteht die Möglichkeit zu Kaffee und Kuchen. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.

Termin: Samstag, 3. März 2018, 15 Uhr, Konzertfoyer, Opernhaus


KLEINE KOMÖDIE: »ICH HABE MEINE TANTE GESCHLACHTET« –  EIN FRANK-WEDEKIND-ABEND

Ein Kleinod der Kabarettkunst erwartet das Publikum am Freitag, 9. März, 19:30 Uhr im Venussaal der Musikalischen Komödie. Unter dem Titel »Ich habe meine Tante geschlachtet« geben Sabine Töpfer und Andreas Rainer Texte, Lieder und Moritate von Frank Wedekind (1864-1918) zum Besten. Berühmt geworden durch Dramen wie »Frühlings Erwachen« und »Lulu«, letzteres Textgrundlage für Alban Bergs gleichnamige Oper (Leipziger Premiere: 16. Juni 2018), wirkte Wedekind als einer der »Elf Scharfrichter«, einem Münchner Kabarett-Ensemble der Zeit um 1900.

Beißende Kritik an einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft wurde sein Markenzeichen. In seinen Texten spürte er aber auch den verborgenen Triebwelten seiner Zeit nach und verlieh dadurch dem Lebensgefühl einer ganzen Generation Ausdruck.

Termin: Freitag, 9. März 2018, 19:30 Uhr, Venussaal, Musikalische Komödie


PASSIONSZEIT MIT »PARSIFAL« UND »JOHANNES-PASSION«

Die Oper Leipzig begeht die diesjährige Passionszeit mit der Aufführung zweier Werke, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wie auch in den Jahren zuvor gibt es am Karfreitag, 30 März, 17 Uhr, Wagners Bühnenweihfestspiel »Parsifal« zu erleben – vorerst zum letzten Mal. Mit dem Dualismus von Leiden und Erlösung, Moral und Erotik, Religion und Atheismus berührt Wagners »Parsifal« die großen Themen des 19. Jahrhunderts und erhebt zugleich einen religiösen Anspruch für die Kunst. Roland Aeschlimann übersetzt Wagners musikalisches Mysterium in ein synästhetisches Klang-Raum-Erlebnis. Die Titelpartie ist mit Stefan Vinke besetzt, der erst kürzlich als Siegfried im dritten Teil des Leipziger Rings glänzte.

Tags darauf, am Karsamstag um 19 Uhr, besteht die Möglichkeit, sich von Mario Schröders sinnlicher Umsetzung von Bachs »Johannes-Passion« als Ballett berühren zu lassen. Mit seinem Ensemble entwickelt der Ballettdirektor und Chefchoreograph des Leipziger Balletts Reflexionen über die Vergänglichkeit – und über die Frage nach dem Verhältnis von Körper und Seele. Die Tänzer Yan Leiva und Anna Jo verkörpern die Rollen der Erzähler der bekannten Geschichte um die letzten leidensvollen Tage im Leben Jesu Christi: die Verleugnung durch Petrus, die Verurteilung durch Pontius Pilatus, die Folter und die Kreuzigung.

Termine:
»Parsifal«, Karfreitag, 30. März 2018, 17 Uhr, Opernhaus
»Johannes-Passion«, 31. März 2018, 19 Uhr, Opernhaus


—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Rostock, Volkstheater Rostock, La Cenerentola von Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 10.09.2017

Oktober 10, 2017 by  
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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

 La Cenerentola / Aschenputtel von Gioacchino Rossini

Wahrlich märchenhafter Saisonstart in Rostock

Von Thomas Kunzmann

„Damit endet die Kräfte zehrendste Probenzeit meiner gesamten Sänger-Laufbahn. Aber ich bin sehr stolz und dankbar, diesem tollen Team anzugehören. Was für eine geile Produktion!“ schreibt Don Magnifico Oliver Weidinger, der dienstälteste Sänger im Ensemble im Sozialen Netzwerk und lässt damit bereits im Vorfeld den immensen Aufwand und Detailreichtum erkennen, mit dem Anja Nicklich aufwarten wird. In ihrer dritten Rostocker Produktion nimmt sie sich eines Märchenstoffs an und unterlegt die zauberhaft schöne Musik dieser Belcanto-Oper mit einer feinsinnig überarbeiteten Handlungslinie. In den Obertiteln werden lediglich einige kommentierende Zeilen eingeblendet. Das stört nicht, gedanklich spinnt man sogar die Sätze, vom Bühnengeschehen befeuert, zum vollständigen Märchen.

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Im Hause des verarmten Don Magnifico lebt Angelina, genannt Cenerentola. Gedemütigt, vom Vater verleugnet und misshandelt, zur Hausarbeit verdammt und geplagt mit zwei eitlen Stiefschwestern, die sich geradezu manisch nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung sehnen. Als einzigen Freund stellt ihr die Regisseurin anstelle der fleißigen Täubchen eine Maus zur Seite. Die ist zwar nicht ganz so fleißig, aber voller Hingabe, Witz und natürlich höchst loyal.

Auf der Suche nach der rechten Frau für seinen Prinzen findet Alidoro in Cenerentola das gutherzige, aber schüchterne Mädchen, das ihm passend erscheint und beginnt, sie auf ihrem Weg mit allerlei Zauberei zu unterstützen. So lässt er drei Kürbisse mit fantastischem Inhalt erscheinen, führt ihr den Prinzen zur Erlösung zu, hält die zanksüchtigen Stiefschwestern so gut es geht im Zaume und ist auch sonst immer rechtzeitig zur Stelle, wenn die Handlungsträger drohen, sich in die falsche Richtung zu bewegen. Dass dabei Don Ramiro seinen Dandini auffordert, bei der Prinzen-Darstellung zu übertreiben, macht diesen zwar besonders plakativ, zeigt aber auch, wie sein Umfeld den Regenten sieht: als Spieler, selbstverliebt und eitel. Und so verwundert es nicht, dass die zur selbstbestimmten Frau gereifte Magd am Ende denn doch eine unerwartete Entscheidung trifft.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola_ Tisbe und Clorinda mit ihren zahlreichen Verehrern © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola_ Tisbe und Clorinda mit ihren zahlreichen Verehrern © Thomas Häntzschel

Die Inszenierung sprudelt regelrecht über vor kleinen und großen Ideen, Slapstick, literarischen und cineastischen Zitaten von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ über „Feivel“, „Die Schöne und das Biest“ bis hin zu „Der Bachelor“. Nicht lose aneinandergefügt oder platt, sondern verwoben zu einem eigenen, konsistenten Opernmärchen-Universum, das einen von der ersten bis zur letzten Note im Bann und die Darsteller in permanenter Bewegung hält. Weidinger hat nicht zu viel versprochen.

Der Bühnenhalbkreis von Antonia Mautner Markhof mit dem abgeblätterten Charme früheren Reichtums überrascht immer wieder mit Türen, Öffnungen und Mauseloch und verbessert die Akustik des Hauses deutlich. Er steht sowohl für Magnificos Herrenhaus als auch des Prinzen Schloss – offensichtlich ist es um dessen Reichtum nicht so gut bestellt. Auch der in die Jahre gekommene Intarsienfußboden, der an Tanzsäle in Disney-Märchen erinnert, birgt einige Überraschungen. Die liebevollen Kostüme von ländlich schlicht bis aufwendig verspielt, verwegen bis dandyhaft charakterisieren die Protagonisten, ohne sie unangenehm zu überzeichnen – ein Märchen eben!

Volkstheater Rostock / La Cenerentola findet ihren Prinzen © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola findet ihren Prinzen © Thomas Häntzschel

Manfred Hermann Lehner dirigiert die Norddeutsche Philharmonie sicher und mit Schwung durch die anspruchsvolle Partitur und lässt den Sängern genügend Platz, sich zu entfalten. Lediglich ein Holzbläser setzt die Stimmungsschwankungen auf der Bühne auch im Orchester eigenwillig um. Gesanglich bietet das Volkstheater eine sehr ausgeglichene Leistung mit eigenem Ensemble und Gästen, aus denen sich besonders der stählerne Bass-Bariton des Alidoro als ruhender Pol hervorhebt. Der Don Ramiro des Tschechen Václav Cikánek (für den erkrankten Theodore Browne) besticht durch Sicherheit in den anspruchsvollen Höhen, lässt ansonsten allerdings etwas Kraft vermissen. Von überzeugender Leichtigkeit und darstellerischer Vielfalt geprägt führt Eloïse Cénac-Morthé die Angelina liebevoll durch die Handlung. Die stumme Rolle des Marco Geisler als Maus avanciert binnen Sekunden mit perfekter Pantomime zum unbestrittenen Publikumsliebling, während Tisbe und Clorinda in wunderbarer Expressivität ihre immer neuen Gemeinheiten ausleben dürfen und darin ebenso viel Spielfreude versprühen wie Grzegorz Sobczak als Dandini.

Standing Ovations am Ende, ein wohlverdienter, lang anhaltender Applaus, der mit dem Auftritt des Regie-Teams nochmals anschwillt und hoffentlich im Königreich nachhallt.

La Cenerentola am Volkstheater Rostock;  weitere Termine 14.10.2017, 10.11.2017, 25.11.2017, 14.12.2017, 27.12.2017, 6.1.2018, 14.1.2018, 2.2.2018

Silberlinge, viele, für das Volkstheater Rostock ?

Apropos Königreich: anders „märchenhaft“ geht es einmal mehr in der Rostocker Kulturpolitik zu. Der Theaterneubau ist schon lange beschlossen und nun ward auch ein Ort für die Errichtung des Kulturtempels gefunden. Beim Blick ins Stadtsäckerl strahlten mögliche 25 Millionen Silberlinge aus der Zukunft, denn die Stadt wird bald nicht nur schuldenfrei sein, sondern ordentliche Überschüsse erwirtschaften. Weitere 25 Millionen sollen aus dem Lande hinzufließen.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola - Marco Geisler als Maus und Aschenputtel Eloise Cénac-Morthé © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola – Marco Geisler als Maus und Aschenputtel Eloise Cénac-Morthé © Thomas Häntzschel

Da kam ein Baumeister des Wegs – offensichtlich nicht in Diensten des Königs – und plante und rechnete und kam zu dem Ergebnis, dass das Wunschschlösschen doppelt so viel kostet, als wie Silberlinge in der Kasse gezählt wurden. „Das ist aber gemein!“, dachte sich der König, der das alles sowieso nicht wollte, „aber wenn wir nun ganz woanders bauten, dann könnten wir noch einmal rechnen?“ und bringt ein Gebiet jenseits des großen Flusses, da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, ins Gespräch. Das wären zwar nicht gleich „Sieben auf einen Streich“, aber doch so … drei oder vier? Ein Theater – womöglich sogar ein kritisches, passte nämlich so gar nicht in sein Konzept einer idyllischen maritimen Linie an seinem Hafen. Und er müsste auch keinen Aufstand der fahrenden Gesellen befürchten, denen er dafür den Rummelplatz wegnähme. Und toll sieht es auch aus. So aus der Ferne. Vielleicht kannte er das vom Königreich im Norden? Dort gab es einen großen, guten Zauberer, der der Königsstadt ein Theater schenkte und auf die andere Flussseite stellte.

Mürrisch mochte der alternde König womöglich sein, weil sich seine Regentschaft dem Ende neigt und er noch immer keine Halle zu seinem Gedächtnis erschaffen hatte. Und wohl auch, weil ihm sein Volk per Abstimmung bei der Verlegung eines Schiffes in seinen Stadthafen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Und dass die Kapelle seines Schrumpftheaters so hartnäckig auf die Einhaltung früherer Versprechen pocht, das nervt ihn auch.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola - Aschenputtel - Ensemble © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola – Aschenputtel – Ensemble © Thomas Häntzschel

Plötzlich trat ein junger Ratsherr mit der Idee aus dem Schatten seiner Bedeutungslosigkeit und meinte, man könne ja einmal prüfen, ob nicht das alte Gemäuer neu angestrichen werden könne oder alternativ vielleicht eine abseitige Werfthalle ein dauerhafter Ersatz wäre. Eine böse Fee hatte ihm scheinbar einen Vergessenstrank gereicht, denn seit über fünf Jahren schrieb er sich auf die Standarte, der Neubau solle doch bis zum 800-jährigen Jubiläum des Königreiches fertig gestellt sein. Diese tolle Idee seines Ratsherren freut bestimmt den König, denn er weiß, dass die Farbe nicht reicht. Und die Halle kann er selbst nicht ungestraft ins Spiel bringen, profitierten doch seine Herzöge am meisten davon. Jetzt müsste eigentlich Alidoro auftreten, der die Guten unterstützt und die Bösen im Zaume hält. Aber das Märchen ist ja auch noch nicht zu Ende.

Und der augenscheinliche Unterschied beider Märchen? Anja Nicklich hat eine schöne Vision, setzt sie konsequent um – und alle haben Freudentränen in den Augen.

—| IOCO Kritik Volkstheater Rostock |—

 

Rostock, Volkstheater Rostock, La Cenerentola: Gespräch mit Regisseurin Nicklich, IOCO Aktuell, 23.09.2017

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

La Cenerentola – Regisseurin Anja Nicklich im Gespräch

Von Thomas Kunzmann

Regisseurin Anja Nicklich, deren Zar und Zimmermann in der vergangenen Spielzeit Kritik wie Zuschauer überzeugte und Publikumsmagnet wurde, kehrt für Aschenputtel / La Cenerentola an das Volkstheater Rostock zurück. IOCO Korrespondent Thomas Kunzmann befragte Anja Nicklich über ihre ab 29.9.2017 am Volkstheater Rostock gespielte Produktion Aschenputtel / La Cenerentola:

TK:  Du arbeitest für große Opernhäuser: Dortmund, Stuttgart, Dresden – und nun zum dritten Mal im vergleichsweise kleinen Rostock, was ist für dich das Besondere an der Arbeit in der Hansestadt?

AN: Ich liebe die Menschen hier in Rostock. Und am Theater gibt es so viele tolle engagierte und hoch motivierte Leute. Die Arbeit macht nicht nur Spaß, sondern gemeinsam erfinden und schaffen wir so schöne neue Dinge. Es ist mir wirklich eine Ehre, hier sein zu dürfen.

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

TK: Du bist bekannt dafür, mit einem ausgeklügelten, sehr detailliertem Konzept schon zur ersten Besprechung aufzutreten, bist du Perfektionistin?

AN: Lacht. Ich war Perfektionistin. Bis ich festgestellt habe, dass ich niemals perfekt in meiner Arbeit sein werde und Perfektionismus krank macht. Weil man als Perfektionist nie zufrieden ist. Im Theater geht immer nach 6 Wochen der Lappen hoch. Egal, wie weit man ist. Und dieser Zeitdruck hat mich dazu erzogen, im Team den anderen zu vertrauen, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen, unabhängig davon, wie perfekt Du das Stück in Deinem Hirn vorbereitet hast. Allerdings bin ich tatsächlich extrem gut vorbereitet. Aber man braucht ja immer einen Rahmen, um davon abweichen zu können. Lacht.

TK: In Rostock hat Opern-Kultur einen schwierigen Stand, sowohl bei der finanziellen Ausstattung als auch was die technischen Möglichkeiten im Volkstheater betrifft. Wie sehr schränkt dich und deine Ausstatterin Antonia Mautner Markhof das ein?

AN: Geldmangel macht kreativ. Lacht. Im Ernst, das Theater hat fantastische Werkstätten. Was diese aus den unmöglich erscheinendsten Ideen zaubern können, ist phänomenal!

Volkstheater Rostock / Aschenputtel © Frank Hormann

Volkstheater Rostock / Aschenputtel © Frank Hormann

TK: Wie näherst du dich einer Oper wie La Cenerentola an ?

AN: Als erstes lese und höre ich das Stück. Mehrmals. Und in meinem Kopf öffnet sich ein Bilderbuch, ganz viele bunte Filme laufen dabei in meinem Kopf ab. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die dramaturgische Auseinandersetzung mit der Ausstatterin, Sekundärliteratur, Recherche und dem Stoff an sich. Dann ist mein Kopf so voll, dass es erst einmal schwarz wird und ich bzw. wir uns wie in einem Hamsterrad um uns selber drehen. Bis der Vulkan explodiert. Bei mir meist im Schlaf. Und dann ist sie da die Idee. Einfach so. Und ab dann überprüfen meine Ausstatterin und ich die Idee an jeder Szene/Musik und sie baut dazu das Modell. Danach beginnt das Schreiben in die Noten bzw. das Regiebuch. Denn jeder Sänger muss zu jeder Sekunde wissen, warum er wo steht und was macht. Auch wenn er nicht singt. Und ich entwickle dabei anhand der musikalischen Struktur der Szenen, wer wie zusammen stehen/spielen muss und wie die Choreographie der Szene und die Choreographie des Ablaufs der Szenenreihenfolge ist. Denn während der Proben habe ich keine Zeit mehr zu überlegen, wer wann wie auftritt oder abgeht. Da geht es darum, die Sänger über meinen Rahmen hinaus zu führen. Außerdem proben wir das Stück ja auch nicht von vorn an, sondern wir springen in den Szenen umher, weil ich aufgrund von Abwesenheiten nie alle Sänger zusammen habe. Manchmal beginne ich auch bewusst mit dem Ende, um den Sängern ein Gefühl dafür zu geben, wo wir hin wollen. Um die Übersicht zu behalten, benötigt es dafür einer genauen Vorbereitung.

TK: Kannst du dich noch an deine Emotionen erinnern, als du die Musik zum ersten Mal angehört hast?

AN: Ja natürlich. Und es sind bis jetzt dieselben geblieben. Rossinis Musik löst in mir ein glückseliges Kribbeln aus und ich habe ständig das Bedürfnis, dazu zu tanzen. Ich denke, dieses Gefühl wird man auch auf der Bühne zu sehen bekommen. Lacht.

TK: Seit den späten 90ern setzen nahezu alle Theater wieder kompromisslos auf originalsprachige Aufführungen, seit den 2000ern etwa laufen zum besseren Verständnis in den Übertiteln komplette Libretti statt kurzer Inhaltsangaben. In Rostock wird nun eine Belcanto-Oper italienisch gesungen, aber die Rezitative werden deutsch vorgetragen. Deshalb auch Aschenputtel statt La Cenerentola ? Ein Kompromiss mit dem Marketing?

AN: Ich bin eigentlich auch ein Verfechter der Originalsprache bei Opern, weil ich finde, dass der Komponist seine Musik auf einen bestimmten Text (z.B. Italienisch) gesetzt hat. Da kann man nicht einfach den Text auswechseln. Das ist nicht im Sinne der Musik und des Komponisten. Tatsächlich funktionieren aber unsere deutschen Rezitative viel besser, als ich erwartet habe. Es wird sehr witzig und originell werden und ist viel dichter am Publikum dran. Auch haben wir überlegt, die Übertitel zu reduzieren und uns entschieden, sie als eine kurze Erläuterung der Szenen in „Märchenform“ darzustellen. Ich finde, dass das ziemlich gut funktioniert.

TK: Mit „Falstaff“ hast du dein Debüt in Rostock gefeiert. Unglaublich dicht am Libretto und doch überraschend in der Umsetzung. Zar und Zimmermann konnte man gut als Seitenhieb auf die Rostocker Kultur-Politik verstehen – was erwartet den Zuschauer bei La Cenerentola ?

AN: Cenerentola wird eine Geschichte über die Liebe. Aber es wird vor allem eine Geschichte über ein Mädchen, das sich aufgrund ihres starken Willens und den Glauben an sich selbst zu einer Frau entwickelt, die lernt, selber über ihr Leben zu entscheiden. Nicht, ohne dabei den Umweg über das Märchen zu nehmen. Cenerentola muss sich erst den Traumprinzen herbei träumen, um dann festzustellen, dass sie sich selber lieben muss, bevor sie andere lieben kann. Unser Schluss gefällt mir dabei am meisten, aber den möchte ich noch nicht verraten. Lacht.

TK: Gibt es Opern, bei denen Du nur darauf wartest, dass dir die Regie angetragen wird, weil Du schon Ideen im Hinterkopf hast?

AN: Oh ja. Einige. Meine Lieblingsoper ist Wozzeck von Berg und ich liebe die Opern von Britten, Albert Herring zum Beispiel. Ich bin dazu absoluter Rossini-Fan und totaler Verehrer der Mozart-Opern. Bisher konnte und durfte ich mich in Rostock mit Falstaff, Zar und Zimmermann und jetzt Cenerentola im komischen Fach beweisen, aber auch liebe ich das dramatische Fach sehr.

TK: Ab 29.09. werden wir die Oper erleben dürfen. IOCO sagt schon heute TOI TOI TOI! Wie entspannst du am liebsten nach der Premiere?

Anja Nicklich:   Tanzen. Bis der Schuh drückt! – Lacht

—| IOCO Aktuell Volkstheater Rostock |—

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