Hildesheim, Theater für Niedersachsen, 2019 Neujahrskonzert – Wir können auch anders.., IOCO Kritik, 07.01.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen – 3.1.2019 – Neujahrskonzert

  „Wir können auch anders: Schlager, Schnulzen und Schmonzetten“

Von Randi Dohrin

Musik löst nicht nur Assoziationen aus, Musik hinterlässt Eindrücke, Gefühle und Empfindungen. Sie ist der schattierungsreiche Spiegel eines bunten Lebens, wie am 3. Januar 2019 im Theater für Niedersachsen in Hildesheim zu erleben war.

Unter der engagierten Leitung und charmanten Moderation seines Generalmusikdirektors Florian Ziemen, flossen Kompositionen unterschiedlichster Epochen und Genres aus beinahe 200 Jahren harmonisch zu einem Ganzen zusammen.

„Wir können auch anders: Schlager, Schnulzen und Schmonzetten“, so das Motto des diesjährigen Neujahrskonzerts, in welchem der TfN-Philharmonie und seinen Gesangssolisten Meike Hartmann, Neele Kramer, Levente György und Uwe Tobias Hieronimi der Spagat zwischen der sogenannten ernsten und unterhaltenden Musik auf hohem Niveau gelang.

Mitreißend swingend präsentierte sich die Philharmonie in einem nuancenreichen Programm als Tanzorchester sowie die Solisten als Musical- und Schlagersänger stilsicher, wie bei Klängen der großen Oper oder klassischem Konzertsaal.

 TfN Neujahrskonzert 2019 © Randi Dohrin

TfN Neujahrskonzert 2019 © Randi Dohrin

Die glänzend und voller Esprit aufspielende Philharmonie des TfN Hildesheim, eröffnete den vielfältigen musikalischen Reigen mit schwungvollen Rhythmen und gefühlvollen Klängen aus Robin Hood und seine fröhliche Schaar sowie der „Liebesszene“ aus der Robin Hood Suite von Erich Wolfgang Korngold (1897 – 1957).

Mit ihrem warmen klangvollen, in allen Lagen ausgeglichenem Mezzosopran, gestaltete Neele Kramer das geheimnisvolle Liebeslied „Speak low“ von Kurt Weill (1900 – 1950) auf einen Text von Ogden Nash. Sie entführte musikalisch das Publikum in die Welt des Broadway-Musicals One touch of Venus, für das dieser Song komponiert wurde.

Mit der Balletteinlage La danca delle ore von Amilcare Ponchielli (1834 – 1886) setzte die TfN-Philharmonie die Reise durch die epochalen Klangwelten fort und musizierte mit schwebenden Harfenklängen dieses bekannte Werk grazil durchsichtig und tänzerischer Leichtigkeit.

Die Zeit schien still zu stehen, als die Streicher und Harfe des TfN-Orchesters mit dem melodramatischen Adagietto aus der 5. Sinfonie Gustav Mahlers (1860 – 1911) langsam und doch fließend eine völlig andere, in die Tiefe gehende, Stimmung erzeugten.

Aufmunternd, mit wienerischem Verve, sang Meike Hartmann die bekannten Brettl-Lieder mit Unterstützung des Orchesters. In einer spätromantischen Tonsprache des Schöpfers der Zwölftontechnik, Arnold Schönberg (1874 – 1851), erklangen schwelgerisch die „Arie aus dem Spiegel“ auf einen Text von Emanuel Schikaneder und „Der genügsame Liebhaber“, Text von Hugo Salus.

Mit Gioacchino Rossinis Liebesangelegenheit „Katzenduett“, endete fröhlich humorvoll der erste Teil dieser musikalisch abwechslungsreichen Einstimmung auf das neue Jahr. Die Katzen Meike Hartmann und Neele Kramer sowie die Kater Levente György und Uwe Tobias Hieronimi benötigten Noten um ihren komplizierten Text, der nur „MIAU“ umfasste, nicht zu vergessen. Herrlich!

Nach der Pause eröffnete Carmen gleich dreimal den zweiten Teil des Neujahrskonzerts: Rhythmisch temporeich faszinierte Georges Bizets Prélude aus der Oper Carmen. Gleich danach trat Neele Kramer als Carmen in roter Stola und roten Pumps auf die Bühne und sang mit verführerisch geschmeidigem Mezzosopran „Lass mich einmal deine Carmen sein“ von Friedrich Hollaender (1896 – 1976), während Uwe Tobias Hieronimi Carmen flehentlich um einen Tag Ruhe bat mit Max Raabes (1962) Song „Carmen, hab erbarmen, ich bin müde“.

Die Pantöffelchen  –  2019 auf dem TfN Spielplan
Youtube Trailer des Theater für Niedersachsen
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Anregend leicht, zum Mitschwingen und Mittanzen, folgte die Transkription auf den Welthit „Tea for Two“ für großes klassisches Orchester von Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975). Einer Wette folgend, orchestrierte Schostakowitsch in weniger als 60 Minuten das Lied „Tahiti Trot“ op. 16, das am 25.11.1928 in Moskau uraufgeführt wurde.

In letzter Minute erhielt das TfN Hildesheim, die Noten zu Pablo Beltran Ruiz (1915 -2008) Evergreen „Sway“, das im herrlichen Marimba-Rhythmus von Uwe Tobias Hieronimi und dem TfN-Orchester zu Gehör gebracht wurde.

Die Begeisterung des Publikums war fast nicht mehr zu bremsen nach dieser gelungenen Darbietung, dem das entzückende und letzte Werk „Funiculi, Funicula“, oder Seilbahn rauf, Seilbahn runter, op. 63, von Nicolai Rimsky-Korsakow (1844 – 1908) folgte.

Arrangements für die ganz große Oper als Überleitung eines schmissigen Schlager-Medleys rissen das Publikum von ihren Stühlen. „Dein ist mein ganzes Herz“ verschmolz mit dem Schlager „ Marmor, Stein und Eisen bricht“, der die Zuhörer ebenso zum singenden Publikum werden ließ, wie Rossinis Barbier von Sevilla, der nahtlos den „Nippel durch die Lasche“ zog.

Kurzweilig, facettenreich und amüsant, zum Teil unter Einbeziehung eines singenden, pfeifenden und klatschenden Publikums, wurde das Jahr 2019 mit diesem Neujahrskonzert begrüßt.

Zwei Zugaben „Always Look!“ und „Radetzky Marsch“ nach stehenden, nicht enden wollenden Ovationen eines begeisterten Publikums.

Frohes NEUES JAHR 2019 wünscht das TfN

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Münster, Theater Münster, Premiere STREET SCENE – Kurt Weill, 22.12.2018

November 26, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

STREET SCENE – Oper von Kurt Weill

Premiere: Samstag, 22. Dezember 2018, 19.30 Uhr,  Vorstellungen im Januar: Donnerstag, 3. Januar, 9. Januar, 11. Januar,  31. Januar 2019 

STREET SCENE spielt in Manhattan. Anna Maurrants außer­eheliche Affäre mit dem Milchmann Sankey ist das Gespräch der Straße. Der junge Nachbar Sam Kaplan und Annas ­Tochter Rose sind heimlich ineinander verliebt und träumen davon, dem ärmlichen Wohnblock zu entfliehen. Annas stumpfsinniger Ehemann Frank weiß nichts von der Liebschaft seiner Frau, ahnt jedoch etwas. So kommt er unerwartet früher nach Hause, erwischt die beiden und erschießt sie. Gemeinsam mit ihrem Bruder Willie, aber ohne Sam, verlässt die schockierte Rose daraufhin die elterliche Wohnung, um irgendwo weit weg ein besseres Leben zu suchen.

Die Oper STREET SCENE von Kurt Weill (1900–1950) wurde am 9. Januar 1947 im Adelphi Theater in New York City uraufgeführt und zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben einfacher Mietshausbewohner in New York, deren Wünsche und Probleme, Hoffnungen und Enttäuschungen. Weill verwirklichte in diesem Werk seinen Traum einer American Opera. Er mischt Oper und Operette mit Musical-Versatz­stücken und erlaubt neben der großen Arie auch Swing, Blues und Jazz. Die Partitur ordnet alles akribisch genau der jeweiligen Situation zu und baut aus dieser sonderbaren Mischung ein spannendes Ganzes.

Musikalische Leitung: Stefan Veselka, Inszenierung: Hendrik Müller, Choreografie: Andrea Danae Kingston, Bühnenbild: Rifail Ajdarpasic, Kostüme: Katharina Weissenborn, Choreinstudierung: Inna Batyuk, Einstudierung Kinderchor & Kindersolisten: Claudia Runde, Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende:
Rose Maurrant (Kathrin Filip), Sam Kaplan (Garrie Davislim), Abraham Kaplan (Christian-Kai Sander), Shirley Kaplan (Ute Hopp), Harry Easter (Juan Sebastián Hurtado Ramírez), Henry Davis (Filippo Bettoschi), Vincent/ Boy/ Joe Conolly (Til Ormeloh), Lippo Fiorentino (Pascal Herington), Joan/ Grace/ Mary/ Graduation Girl/ Myrtle/ Woman/ Voice (Carmen Finzel), George Jones (Lars Hübel), Carl Olsen (Dieter Goffing), Mrs. Greta Fiorentino (Marielle Murphy), Emma Jones (Chrysanthi Spitadi), Mrs. Olga Olsen (Suzanne McLeod), Daniel Buchanan (Youn-Seong Shim), Jenny Hildebrand/ 1. Nurse/ Salvation Army Girl/ Graduation Girl (Melanie Spitau), Charlie  Graduation Boy/ Man (Konstantin Schumann), Mrs. Hildebrand (Barbara Bräckelmann), 2. Nurse/ Salvation Army Girl (Christina Holzinger), Dick McGann Jendrik Sigwart, Mae Jones (Kara Kemeny), Mr. Sankey (Jörn Dummann). Dr. Wilson (Simona Maestrini), Officer Murphy (Eva Lillian Thingbø), City Marshall (Frank Göbel), Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Öffentliche Probe: Samstag, 15. Dezember, 10.30 Uhr, Großes Haus

 Vorstellungen im Januar: Donnerstag, 3. Januar, Mittwoch, 9. Januar,    , Freitag, 11. Januar, Donnerstag, 31. Januar 2019

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Berlin, Renaissance Theater, LENYA STORY – Hommage an Lotte Lenya und Kurt Weill, IOCO Kritik, 25.11.208

November 25, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Renaissance Theater, Revue

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY © Moritz Schell

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY © Moritz Schell

LENYA STORY – Hommage an Lotte Lenya und Kurt Weill

Von Torsten Fischer, Herbert Schäfer –  Kurt Weill (Musik)

Von Kerstin Schweiger

„Hoppla!“ – Als Jahrhundert-Seeräuberjenny hat Lotte Lenya, geborene Karoline Charlotte Blamauer aus Wien, Theatergeschichte mitgeschrieben. Die Sängerin und Schauspielerin lebte in vier Ländern auf zwei Kontinenten – nie ohne ihren Ehemann und Lebensfreund, den Komponisten Kurt Weill, dessen Musik sie intuitiv und erfolgreich interpretierte. Sie waren eines der innovativen Künstlerpaare, die in den späten 1920er Jahren ihr Leben und ihre künstlerische Tätigkeit untrennbar in einer blühenden Theater- und Musikszene vernetzten.

LENYA STORY  –  Musik Torsten Fischer, Herbert Schäfer und Kurt Weill 
Youtube Trailer des Josefstadt Theater Wien
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Als Weill viel zu früh gestorben war, wurde sie zur Agentin seiner Musik und begann eine zweite Karriere und zwei weitere Ehen. Sie spielte im James-Bond-Film Liebesgrüße aus Moskau, in der Musical-Uraufführung von Cabaret verkörperte sie am Broadway 1.000 Abende lang die Rolle der Pensionswirtin Fräulein Schneider. Lotte Lenya gründete die Kurt Weill Foundation for Music, die bis heute das Erbe Weills pflegt.

Im Oktober 2018 hätte sie ihren 120. Geburtstag gefeiert:  „Er gab ihrer Stimme Musik, sie gab seiner Musik eine Stimme“. Sona MacDonald und Tonio Arango sind als Lenya und Weill hinreißende Protagonisten in dieser Ko-Produktion des Berliner Renaissance-Theaters mit dem Theater in der Josefstadt in Wien. Zusammen mit Harry Ermer am Klavier und seiner dreiköpfigen Band – allesamt großartige Verteidiger Weill‘scher Musik – machen sie diesen Abend nach dem Buch und in der Regie von Torsten Fischer auf einer abgeschrägten leeren Bühne mit Neon-Schriftzug (Herbert Schäfer) mit wenigen Kostümen und Requisiten zu einer packenden biografischen Revuestory. Pumps, eine rote Federboa, ein Mantel, Zigarre und Whiskeyflasche und der Mond über Soho – eine Holzscheibe an einem Draht – über einer weißen Schneefläche sind die Dreigroschen-Requisiten dieser dichten und anrührenden Revue.

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY © Moritz Schell

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY hier Sona MacDonalds als Lotte Lenya und Kurt Weill © Moritz Schell

Lotte Lenya (1898-1981) kam aus ärmlichen Verhältnissen, geboren in einem Wiener Arbeiterbezirk gelangte sie als Jugendliche dank einer Tante als Elevin ans Zürcher Theater. Zusammen mit Elisabeth Bergner stand sie in Minirollen auf der Bühne, als Zwerg im Rheingold oder Page im Tannhäuser. 1921 eroberte sie dann Berlin, 10 Jahre vor Christopher Isherwoods seelenverwandter Romanfigur Sally Bowles aus „Goodbye to Berlin“. Dort lebte sie zunächst bei einer Pensionswirtin, die ihr sicherlich Inspiration für ihre spätere Interpretation des Fräulein Schneider im Welterfolg Cabaret war. „Die Ehe mit dem Komponisten Kurt Weill und die Mitwirkung in der Uraufführung der Dreigroschenoper 1928 waren ihr künstlerischer Durchbruch. Am Tag der Uraufführung stand ihr Name nicht im Programmzettel. Lenya war sich sicher: „Wenn sie auch heute meinen Namen nicht kennen, morgen werden sie wissen, wer ich bin“.

Die Songs von Kurt Weill – überwiegend aus den in Deutschland entstandenen Stücken Dreigroschenoper, Happy End und Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny sind Rückgrat der Aufführung und die Lebensreise-Route ihrer Protagonisten mit den Stationen der Emigration durch alle drei Schaffensphasen Weills und Lenyas. Vom Barbara-Song über die Zuhälterballade aus der Dreigroschenoper, über die leisen Emigrantensongs aus Paris geht es an den Broadway in die USA bis zum Resümee eines langen Lebens, dem „Lied von der Seeräuberjenny“, das Lotte Lenya so sehr entsprach. Die Songfolge ist eingebettet in eine textliche Collage mit Zitaten aus dem intensiven Briefwechsel Lotte Lenyas und Kurt Weills, der in einem wunderbaren Band von Weills ehemaliger Korrepetitorin am Broadway und späteren Präsidentin der Kurt Weill Foundation for Music herausgegeben worden ist, und Rezensionen zu und Dialogen aus Weills Stücken. Dies funktioniert ähnlich wie in Joachim Langs 2018 herausgebrachten „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, wo Brecht nur in eigenen Zitaten spricht.

Tonio Arango ist Dreh- und Angelpunkt für Sona MacDonalds wunderbare Verinnerlichung von Lotte Lenya. In einem Vorspiel präsentiert er sie als Tierbändiger mit Auszügen aus Frank Wedekinds Erdgeist-Prolog als „die unbeseelte Kreatur (…) gebändigt durch das menschliche Genie“. Den größten Teil des Abends ist er als Kurt Weill an ihrer Seite und zeigt viele Facetten des verschlossenen Komponisten Kurt Weill. Von der ersten Begegnung mit Lenya im Ruderboot auf dem Weg nach Grünheide zu Weills Librettisten Georg Kaiser bis zu seinem Lenya trostlos zurücklassenden frühen Tod in Amerika ist er lakonisch, übermütig, ernsthaft und selbstbewußss, leise und immer an Lenyas Seite. Im zweiten Teil bleibt er seiner Bühnenpartnerin als Lenyas Ehemänner Nr. 2 und 3 treu.

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY © Moritz Schell

Renaissance Theater Berlin / LENYA STORY © Moritz Schell

Sona MacDonald verleiht Weills Songs Lenyas Stimme. Sie beherrscht den typischen Sprechgesang, die harte Akzentuierung und den Wiener Arbeiterdialek der Lenya. Sie imitiert Lenya nicht, sondern gibt ihr mit Können und Stimme laute wie leise Töne und ein Standing als Mensch und Künstlerin. Man wünscht sich einen ganzen Abend mit Weill und Zeitgenossen mit ihr. Im Stück heißt es „Lenya, die Callas des Songs“. Mit Fräulein Schneiders herzzerreißendem starken Lied „What would you do“ aus Cabaret (Kander/Ebb) sichert sich Sona MacDonald schon jetzt ein künstlerisches „Vorkaufsrecht“ für diese Rolle in einer zukünftigen Produktion von Cabaret. Soviel „Krach und Wonne“ (Bilbao Song) war seit der legendären Kurt Weill Revue 1985 im Theater des Westens nicht mehr. Ein starker Abend und ein Kleinod im Dickicht der Berliner Theaterproduktionen.

Wer Weills und Lenyas Spuren folgen möchte, sollte sich Anfang März auf den Weg in die Geburtsstadt des Komponisten, das anhaltische Dessau, machen. Dort findet seit 28 Jahren ein Musikfestival statt, das Leben und Werk Weills und seiner Zeitgenossen gewidmet ist: www.kurt-weill-fest.de

Berlin, Renaissance Theater – LENYA STORY, die weiteren Termine 18.12.; 19.12.; 20.12.; 21.12.; 22.12.2018; täglich vom  7.1. – 13.1.2019

Fotos: Moritz Schell, Pressestelle Renaissance-Theater

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Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere Der Silbersee – Kurt Weill, 12.05.2018

Theater Pforzheim

Stadttheater Pforzheim © Stadttheater Pforzheim

Stadttheater Pforzheim © Stadttheater Pforzheim

 Der Silbersee  – Kurt Weill

Hoffnungsvolle Utopie einer solidarischen Gesellschaft

Premiere 5.5.2018; weitere Vorstellungen am Sa, 12. und Mi, 23. Mai, Mi, 6., Di, 19., Do, 21. und Fr, 29. Juni sowie am Do, 5. Juli 2018

Pforzheim. Nach Street Scene und Die Dreigroschenoper wird am Samstag, 5. Mai um 19.30 Uhr das dritte Werk von Kurt Weill während der Intendanz von Thomas Münstermann seine Premiere feiern. „Ein musikalisches Volksstück (…) eine echt Kaisersche Idee“ nennt Kurt Weill das neue Werk, das er mit dem Autor Georg Kaiser in den 1930er Jahren entwickelt. Er zieht Parallelen zu Offenbach und zu seinem Erfolgsstück Die Dreigroschenoper, das mit Bertolt Brecht entstand. Das neue Projekt reizt ihn, da er „über den in der Dreigroschenoper geschaffenen Typus hinausgehen könnte“. Das heißt: Musik für großes Orchester und anspruchsvolle Gesangsnummern. Das Libretto schrieb Georg Kaiser, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den meistgespielten deutschen Dramatikern gehörte (u.a. Die Bürger von Calais). Die Uraufführung von Der Silbersee fand am 18. Februar 1933 in Leipzig statt. Gleichzeitig feierte das Werk auch in Erfurt und Magdeburg Premiere. In allen drei Städten war es ein Erfolg. Doch die nationalsozialistische Presse feindet Werk und Künstler an, stört die Vorstellungen und zwingt andere Theater zur Absage weiterer Aufführungspläne.

Der Silbersee heißt im Untertitel „Ein Wintermärchen in drei Akten“ und erzählt von wundersamen Begebenheiten. Die im Werk vermittelte Utopie einer solidarischen Gesellschaft, in der Ängste und Unterschiede erfolgreich überwunden werden und statt Hass echte Freundschaft zwischen den Menschen lebt, schenkt Hoffnung.

Die Inszenierung von Thomas Münstermann entsteht mit Ensemblemitgliedern und dem neu gegründeten Verein „Kultur Schaffer“ sowie Abendgästen: Gemeinsam singen sie im Chor und gestalten als lebendiges Bühnenbild Räume und Stimmungen. Mitmachen ist für alle bei jeder Vorstellung auch kurzfristig und ohne Vorkenntnisse möglich – ein Workshop am gleichen Nachmittag reicht aus:

– Workshop-Angebot für Abendgäste –

Alle sind eingeladen, an Der Silbersee mitzuwirken. Das geht ganz kurzfristig und einfach: Vor jeder Vorstellung findet ein Workshop statt, bei dem die Teilnehmer das Geschehen auf der Bühne kennenlernen und in die Vorgänge eingebunden werden. Treffpunkt ist jeweils 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn im externen Probenraum, Westliche 81, 1. OG der Bauinnung. Vorkenntnisse sind nicht nötig!

Anmeldung und Infos unter theater.paedagogik@pforzheim.de oder Annika Hertwig, Musikdramaturgie unter Tel. 07231/39-1474

Ausblick: „Der Silbersee“ im Radio und in der Kirche:  Pfarrerin Dorothea Padberg hat Mitwirkende des Theaters eingeladen, den Radio-Gottesdienst der Johannesgemeinde mitzugestalten. Am Sonntag, 17. Juni um 10 Uhr überträgt Deutschlandfunk Kultur und der SWR live aus der Auferstehungskirche Pforzheim.


Der Silbersee  –  Musikalisches Volksstück –  Kurt Weill und Georg Kaiser

Mit Philipp Werner, Tomas Möwes, Lilian Huynen, Stamatia Gerothanasi, Natasha Sallès, Elisandra Melián, Dennis Marr, Klaus Geber, Ingo Wagner/Steffen Fichtner, Rigobert Störkle/Brian Garner, Karel Pajer/Holger Peter Wecht/Lothar Helm, Frank Traub/Spencer Mason, Lars Fabian und Janne Geest, Chor, Extrachor und Kinderchor des Theaters Pforzheim,  Badische Philharmonie Pforzheim,

Musikalische Leitung – Florian Erdl,  Inszenierung und Bühne – Thomas Münstermann,  Kostüme – Alexandra Bentele,  In Zusammenarbeit mit dem Verein „Kultur Schaffer“

Premiere am Samstag, 5. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus,  mit Einführung um 19.10 Uhr im Foyer, Weitere Vorstellungen am Sa, 12. und Mi, 23. Mai, Mi, 6., Di, 19., Do, 21. und Fr, 29. Juni sowie am Do, 5. Juli, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

—| Pressemeldung Theater Pforzheim |—

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