Basel, Theater Basel, La Bohème – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 22.01.2020

Januar 22, 2020 by  
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Theater Basel

Theater Basel © Sandra Then

Theater Basel © Sandra Then

La Bohème  –   Giacomo Puccini

– Sprayer unterwegs – vom Weihnachtsmarkt zum Autowrack –

von Julian Führer

La Bohème gehört zum Kernrepertoire auch kleinerer Musiktheater. Auch wenn die Intendanz eine ambitionierte Stückeauswahl aufs Programm setzt, dürfen manche ‚Renner‘ doch nicht fehlen: Zauberflöte, Aida, Carmen und eben La Bohème. Das Stück ist nicht zu lang, mit einem mittleren Orchester gut zu machen, und Puccini hat weder Wasserfluten noch Weltuntergänge noch übermäßig komplizierte Umbauten vorgeschrieben. In Zürich wurde 2015 von Ole Anders Tandberg eine teilweise überraschende Deutung präsentiert, 2018 verlegte Frank Hilbrich in Freiburg die Szenerie (insgesamt verblüffend schlüssig) in eine Studenten-WG. Im gleichen Jahr verlegte Matthew Wild die Oper Bern mit einer Werkretrospektive Andy Warhols und entwickelte daran eine bemerkenswert tüftelige und beeindruckende Werksicht (IOCO berichtete aus Freiburg und Bern, link HIER!). Als viertes Haus der Region zeigte nun das Theater Basel eine Neudeutung, diesmal aus der Sicht des Regisseurs Daniel Kramer.

La Boheme – Giacomo Puccini
youtube Trailer Theater Basel
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Nachdem das sinfonieorchester Basel die Instrumente gestimmt hat und das Publikum ruhig geworden ist, kommen Hiphop-Fetzen aus Lautsprechern. Zum Glück sind sie nicht zu laut. Nach einer Weile hören sie auf, das Orchester setzt ein. Der von Puccini sehr kunstvoll komponierte Auftakt des Orchesters, der unmittelbar in die kurzen Gesangsphrasen der Protagonisten übergeht, geht hier unter. Warum dieser Soundeffekt? Auf der Bühne (Annette Murschetz) sehen wir ein paar verpackte Weihnachtsbäume, die Künstler stehen draußen, sie sind Sprayer unseer Gegenwart. Soweit, so gut, kann man auf diese Weise doch glaubhaft machen, dass es tatsächlich kalt ist, und wir hören also vor dem Orchestereinsatz gewissermaßen ihre Musik.

 Theater Basel / La Boheme - hier : Cristina Pasaroiu als Mimi, Davide Giust als Rodolfo  © Theater Basel / Priska Ketterer

Theater Basel / La Boheme – hier : Cristina Pasaroiu als Mimi, Davide Giust als Rodolfo  © Theater Basel / Priska Ketterer

Im Libretto wirft der Jungautor Rodolfo sein Werkmanuskript ins Feuer, um es etwas warm zu haben, dies wird man im Zeitalter von großen Altpapiercontainern nur noch schwer überzeugend auf die Bühne bringen können. Gleichwohl handelt es sich eigentlich um einen existenziellen Moment, da der Künstler sein Werk opfern muss, um nicht zu erfrieren, und diese Notsituation ist hier aufgehoben. Unsere Sprayer wärmen sich an einer Tonne bzw. einem Ölfass, das zum Ofen umfunktioniert wurde. Wir sind im Freien, es ist kalt, doch gemäß Libretto klopft es an der Tür, und der Vermieter Benoit (adäquat heruntergekommen und etwas schmierig: Alexander Vassiliev) steht vor der Tür und kann nur mit Mühe davon abgelenkt werden, dass die jungen Leute kein Geld für die Miete haben. Dramaturgisch ‚hängt‘ diese Passage etwas, kann man doch mit etwas Geschick seinen Vermieter wieder aus der Wohnung hinauskomplimentieren; deutlich weniger plausibel ist es jedoch, ihn quasi von der Spraywand wegzuschicken. Unsere Bohemiens sind deutlich interessanter angezogen als ihr Vermieter – zwar nicht elegant, doch haben sie alle ein Accessoire, das ihnen Individualität verleiht (Kostüme: Esther Bialas).

Henri Murger Paris © IOCO

Henri Murger Paris © IOCO

Noch einmal wesentlich interessanter ist natürlich der Auftritt der Mimì. Ihr ist die Kerze ausgegangen, meint sie, und sehr schnell entsteht zwischen Rodolfo und ihr eine erotische Spannung. Die anderen Sprayer verziehen sich schon diskret ins Café… Rodolfo meint bei Puccini nun seinerseits, dass ihm das Licht ausgegangen sei, während in Basel noch die Tonne brennt – vielleicht unterstreicht aber gerade dieser Widerspruch das Knistern zwischen den beiden Menschen (in der Romanvorlage von Henri Murger treibt Mimì selbst mit einem solchen Kniff die erotische Begegnung sehr aktiv voran). Der erste Akt abstrahiert also von der tatsächlichen materiellen Not der Vorlage und fokussiert eher auf die Beziehung zwischen den Menschen. Im Klassiker „O soave fanciulla“ bringt Cristina Pasaroiu ihren Sopran zum Leuchten – sichere Höhen, eine ohne Verzögerung ansprechende Stimme, schlank geführt und immer gut zu hören. Der Rodolfo des Davide Giusti verfügt zwar über sichere Spitzentöne, ist jedoch in der Mittellage nicht immer frei, sein Tenor hört sich dort etwas belegt an, auch die Artikulation ist im mittleren Register nicht sehr deutlich. Die Hauptrolle spielt in diesem Akt eigentlich das sinfonieorchester Basel unter Kristiina Poska, stets präsent, flexibel und sehr klangschön.

Während des Umbaus zum zweiten Bild dröhnt es wieder aus den Lautsprechern: Hiphop, aber nun auch mehr: Stimmengewirr, Budenmusik, diverse Rhythmen, die sich überlappen. Das Publikum lässt sich von der Beschallung leider ablenken und unterhält sich noch lange Zeit sehr angeregt, als der Vorhang schon längst wieder offen ist. Akustisch wurden wir auf die nun folgende Szene vorbereitet: eine Weihnachtsmarktszenerie mit großen Glitzerbaum, einem SUV auf einem Podest als Hauptgewinn bei einer Lotterie, viele Kinder und deren gestresste Eltern, die eine Hand voller Einkaufstaschen, die andere Hand am Smartphone. Zum Gewusel auf der Bühne passen die vielen und schnell wechselnden Passagen des Chors. Von leicht morbider Romantik und Festtagsstimmung im positiven Sinn, wie sie Götz Friedrich vor vielen Jahren an der Deutschen Oper Berlin inszeniert hat (diese Produktion ist immer noch zu sehen), ist hier keine Spur. Parpignol (Donovan Elliot Smith) im übergroßen Weihnachtsmannkostüm zieht die Kinder in seinen Bann.

Theater Basel / La Boheme - hier: in der Studentenbude mit Vermieter Benoit © Theater Basel / Priska Ketterer

Theater Basel / La Boheme – hier: in der Studentenbude mit Vermieter Benoit © Theater Basel / Priska Ketterer

Wenn hier einerseits diverse Klischees ironisiert oder kritisiert werden, schneit es dennoch kräftig aus dem Bühnenhimmel, wie es sich für eine Weihnachtsoper wohl irgendwie gehört (Schnee gab es zu Weihnachten in Paris allerdings schon länger nicht mehr…). Die eigentliche Handlung des zweiten Aktes wird dann aber recht konventionell und verlässlich am Libretto entlangerzählt: Die Freunde (stimmlich allesamt zuverlässig: Gurgen Baveyan als Schaunard und Paull-Anthony Keightley als Colline) gehen bei Momus essen, Mimì steht im Zentrum, Rodolfo ist sehr um sie bemüht; die flamboyant-kapriziöse Musetta kommt mit ihrem täppischen und lächerlichen Liebhaber Alcindoro (Alexander Vassiliev in einer Doppelrolle, die er auch darstellerisch gut meistert) hinzu, zieht alle Blicke auf sich und wälzt die gesalzene Rechnung für den ganzen Tisch bei ihrem derzeitigen Partner ab. Selbst der Aufzug des Tambourmajors wird ganz konventionell inszeniert. Musetta (Valentina Mastrangelo) ist, wie man es bei La Bohème erwartet, elegant und teuer angezogen, sowohl mit aktuellen (Alcindoro) als auch mit verflossenen Liebhabern (Marcello) zickig, stets im Zentrum, hat doch aber ein Herz für Menschen in Not. Sie singt dabei mühelos und kantabel mit langem Atem die langen Linien von Quando m’en vo. Marcello (Domen Križaj) reagiert sowohl im Café als auch vor dem Club im dritten Bild einigermaßen genervt, ist ihr aber doch verfallen und kommt ebensowenig von ihr los wie Rodolfo von Mimì. Sein Bariton ist jugendlich, viril, flexibel, eine wirklich adäquate Besetzung für diese Rolle.

Das dritte Bild, eigentlich im Niemandsland an einem Stadttor von Paris angesiedelt, spielt auf der Bühne von Annette Murschetz (und nach der obligaten Beschallung mit Hiphop aus den Lautsprechern) auch in einer Art liminalem Raum, nämlich vor einem Club. Wir sehen Türsteher, eine Schlange, leere Getränkekisten, insgesamt ein schäbiges Ambiente und dazu noch einen Junggesellinnenabschied mit Gummipenis, den es nicht unbedingt gebraucht hätte, um die Szenerie deutlich zu machen. Rodolfo und Marcello beklagen sich beide über ihre konfliktgeprägten Beziehungen. Nicht ganz schlüssig ist, dass Mimì auf einmal zwischen Mauerlöchern auftaucht und das Gespräch belauscht, in dem Rodolfo seinem Freund von ihrer unheilbaren Krankheit berichtet, von der sie nichts ahne.

Theater Basel / La Boheme © Theater Basel / Priska Ketterer

Theater Basel / La Boheme © Theater Basel / Priska Ketterer

Vor dem vierten Bild gibt es wieder Rhythmen aus dem Lautsprecher; zu sehen ist dann eine Art Umkehrung des zweiten Bildes: statt einem großen Weihnachtsbaum mehrere kleine Tannen, statt einem prächtigen SUV ein umgekipptes Autowrack, auf dem Rodolfo und Marcello sitzen und mit Spielzeugpistolen auf Bierdosen schießen (als Gegenbild zur Weihnachtsmarktszenerie). Überbleibsel des Kaufrausches des zweiten Bildes ist nun eine nackte Schaufensterpuppe, von den beiden mit Zielscheiben garniert. In der Tat, sie haben mit den Frauen so ihre Probleme. Dem musikalischen Eindruck nicht eben förderlich ist, dass in dieser Szene auch mit Bierdosen geworfen wird. Beim Auftritt Mimìs mit Mütze wird deutlich, dass sie wohl an einer Krebserkrankung leidet – ein beklemmendes Bild, das allerdings in Bern sehr viel konsequenter inszeniert wurde. Es ist nicht ganz klar, warum Mimì scheinbar als letzte von der Krankheit erfahren haben soll. Auf jeden Fall ist sie nun sehr geschwächt und friert (ähnlich wie im ersten Bild nicht vollends plausibel). Sie wird auf einem aus ausgebauten Autositzen notdürftig zusammengeschobenen Sofa hingelegt, wo sie schließlich stirbt. Musetta hat sich noch um sie bemüht; scheinbar als Dank besorgt ihr Marcello einen großen Strauß rote Rosen – eine schöne Geste, doch fragt man sich angesichts des Kontextes, woher Marcello eigentlich das Geld dafür genommen hat.

Die Inszenierung von Daniel Kramer hat einige schöne, auch sehr schlüssige Momente, an anderen Stellen verliert sie sich in Details, denen es an Relevanz oder Konsequenz fehlt. Der Abend gehörte eindeutig den Frauen, der Musetta der Valentina Mastrangelo, der mit sehr viel Beifall bedachten Cristina Pasaroiu als Mimì und Kristiina Poska, die dem Orchester eine breite Klangpalette entlockte und mit vielen kleinen Temporückungen und Schattierungen stets musikalische Spannung erzeugte. Das Theater Basel kann sich glücklich schätzen, sie als Musikdirektorin zu haben. Der Besuch der Produktion ist zu empfehlen.

Besprochene La Boheme Vorstellung  – 18. Dezember 2019

La Boheme am Theater Basel; die weiteren Termine 27.1.; 16.2.; 18.2.; 20.2.; 24.2.; 8.3.; 15.3.; 21.3.2020 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Basel |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere – My fair Lady, IOCO Kritik, 28.11.2015

Dezember 4, 2015 by  
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Komische Oper Berlin

Großartige Darsteller für „My fair Lady“ Premiere. 28.11.2015

Komische Oper Berlin / My Fair Lady Foto @copy Iko Freese | www.drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / My fair Lady – Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

Erstmals am letzten November-Samstag, an der Komischen Oper Berlin präsentiert, das weltberühmte Musical „My fair Lady“, in der Regie von Andreas Homoki, ehemaliger Intendant der Komischen Oper und aktuell Intendant des Opernhauses Zürich.

Komische Oper Berlin / My fair Lady - Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / My fair Lady – Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

My fair Lady“, dass zu den weltweit beliebtesten Musicals gehört, basiert auf dem erfolgreichen Schauspiel „Pygmalion“ des irischen Autors George Bernard Shaw, dass wiederum auf dem von Ovid geschilderten Mythos des gleichnamigen Künstlers beruht. Während in der mythologischen Erzählung der Bildhauer, enttäuscht von den Frauen, sich seine eigene, ideale Frau in Stein meißelt und sie dann zum Leben erweckt wird, geht es in der Komödie des Literaturnobelpreisträgers Shaw, der eine Karikatur der damaligen Londoner Gesellschaft zeichnen wollte,  etwas anders zu. Hier ist es kein Künstler, sondern der Sprachwissenschaftler und Phonetik Spezialist, Professor Higgins, der anstatt der Frauenstatue ein vulgäres Blumenmädchen mit der feinen Sprache, sittlichen Manieren und einer eleganten Garderobe ausstatten und zur Dame machen will.

Da sich Shaw Zeit seines Lebens einer musikalischen Vertonung wiedersetzt hatte, konnte erst nach seinem Tod, als die Rechte dafür vergeben wurden, das Werk zu einem Musical bearbeitet und schließlich mit der Musik von Frederick Loewe und den Liedtexten von Alan Jay Lerner uraufgeführt werden.

Die erfolgreiche Premiere dieses Musicals, dass im Gegensatz zu Shaws Stück mit einer Art „Happy End“ durch die letztendlich entstandene Liebe zwischen dem Professor und der Blumenverkäuferin Eliza ausgestattet wurde, fand am 18. April 1956 in New York im Mark Hellinger Theatre, mit Julie Andrews und Rex Harrison in den Hauptrollen statt. Seitdem wurde „My fair Lady“ immer wieder weltweit in die Repertoires sämtlicher Theater- und Opernhäuser aufgenommen.

In einer deutschen Fassung wurde das Musical erstmals 1961 im Berliner Theater des Westens aufgeführt, indem der spezifische Londoner Dialekt „Cockney“ ins „Berlinerische“ übersetzt worden war. 1964 kam dann auch die berühmte Verfilmung (mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle), die dem Musical noch zusätzlichen Ruhm verschaffte.

So ist auch diese Neuproduktion der Komischen Oper Berlin mit großem Beifall vom Publikum honoriert worden. Die solide Inszenierung von Homoki glänzt zwar nicht durch Originalität oder besonderen Einfallsreichtum, verschafft aber mit bester Personenregie den Darstellern zu ihrer großartigen Leistung. Allen voran der Berliner Schauspieler Max Hopp als Professor Henry Higgings. Dem Publikum der Komischen Oper bestens aus vorangegangene, erfolgreichen Produktionen bekannt, zeichnet er mit viel Witz, aber auch viel Sensibilität, den eingefleischten Junggesellen und lässt ihn trotz seiner frauenverächtlichen Züge rührend liebenswert erscheinen. Applaus für die Glanzleistung!

Auch Katharine Mehrling begeistert mit ihrer charaktervollen und spritzigen Interpretation der Eliza Doolittle. Ihre jazzige Stimme passt zwar mehr zu der frechen und vorlauten Göre als zu der verträumten und zerbrechlichen Eliza nach ihrer „Verwandlung“, jedoch bekommt die Figur vielleicht gerade dadurch mehr Glaubwürdigkeit. Sehr schön das Evergreen „Ich hätt getanzt heut Nacht“.

Ausgezeichnet Jens Larsen als Elizas Vater, Alfred P. Doolittle. Mit großer Bravur und mit bereits mehrfach in anderen Rollen bewiesenem, schauspielerischem Talent, verkörperte der Bassist die sympathische Figur.

Überzeugend auch alle anderen Darsteller: Die Schauspielerin Susanne Häusler als Mrs Higgins, die langjährigen Ensemblemitglieder Christoph Späth und Christine Oertel als Oberst Pickering und Mrs. Pearce und ganz besonders beeindruckend Johannes Dunzals (Mitglied des Opernstudios) als  Freddy – sowohl szenisch wie vor allem gesanglich. Mit seinem strahlenden Tenor und voller Inbrunst sang er seinen Song und sorgte für einen der Highlights des Abends. Auch die Chorsolisten waren klangvoll und spielfreudig wie immer.

Das Orchester spielte unter der sicheren musikalischen Leitung der estnischen Dirigentin Kristiina Poska, seit 2012/2013 erste Kapellmeisterin an der Komischen Oper. Hier und da hätte man sich vielleicht nur etwas mehr Schwung gewünscht.

Das recht wenig spannende, aber für die Umstände gut gelöste Bühnenbild, bestehend aus einigen überdimensionalen, immer wieder anders angeordneten Grammophonen und einem stilvollen, auf einer Rundschiene laufenden Vorhang, wurde von Frank Philipp Schlösmann geschaffen. Kostüme von Metchield Seipel.

Unter den Premierengästen zahlreiche Prominente, u. A. der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.

Insgesamt ein sehr gelungener Theaterabend und eine empfehlenswerte Produktion, vor allem den bestens zusammengestellten und hervorragenden Darstellern und ihrer Glanzleistung zu verdanken.

IOCO / G.G./ 28.11.2015

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Wiederaufnahme: DI SCHÖNE HELENA, 06.11.2015

November 5, 2015 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Wiederaufnahme: DI SCHÖNE HELENA 

Jacques Offenbach
OPÉRA BOUFFE IN DREI AKTEN (1864)
Text von Henri Meilhac und Ludovic Halèvy
Deutsch von Simon Werle

Am Freitag, 6. November 2015, 19:30

Weitere Vorstellungen:
Sa 14.11.
Sa 21.11.
So 29.11.
Sa 12.12.
Do 11.02.
Mo 15.02.

Monty Python à la française – das ist Jacques Offenbach, der Vater der Operette und Meister des abgedrehten Musiktheaters. Barrie Kosky zeigt in seiner opulenten Inszenierung, was neben großen Stimmen an umwerfender Spiellust im Ensemble der Komischen Oper Berlin steckt.

Sparta ist auch nicht mehr das, was es mal war: Die Opfergaben lassen qualitätsmäßig arg zu wünschen übrig, und unter den guten alten Göttern erfreut sich nur mehr Liebesgöttin Venus ungebrochener Beliebtheit. Königin Helena, ganz schicksalsergebene Diva, langweilt sich redlich mit ihrem Gatten Menelaus, als ein rätselhafter – und unverschämt gut aussehender – Hirt hereinschneit, der sich, oh schicksalhafte Fügung, als Göttinnenschönheitswettbewerbsjuror Paris entpuppt. Wie gut, dass Oberpriester Kalchas dem Schicksal ein wenig auf die Sprünge hilft und Helena und Paris zu einer traumhaften Nacht verhilft, die allerdings von Menelaus aufs Empfindlichste gestört wird. Was muss der aber auch völlig unangemeldet von der Dienstreise nach Hause zurückkehren?! – findet nicht nur Helena, sondern krakeelt auch bald das Volk im Chor. Menelaus ordnet gemeinsame Sommerfrische an, doch was soll man machen: Wenn Venus ihren Tribut fordert, ist der Mensch nur mehr ein Spielball der Götter!

In der rasant-brillanten Antiken-Travestie von Jacques Offenbach wird der so genannte gesunde Menschenverstand nach allen Regeln der Kunst aus den morschen Angeln gehoben. Unter der Regie von Barrie Kosky wirbeln die Melodien, Beine und Dialoge nur so um Augen, Hirn, und Ohren und natürlich um das unangefochtene Zentrum des Geschehens: die schöne Helena.

Musikalische Leitung Kristiina Poska
Inszenierung Barrie Kosky
Choreographie Otto Pichler
Bühnenbild Rufus Didwiszus
Kostüme Buki Shiff
Dramaturgie Johanna Wall
Chöre David Cavelius
Licht Diego Leetz

BESETZUNG:
Helena: Nicole Chevalier
Paris: Stefan Cifolelli
Menelaus: Peter Renz
Orest: Theresa Kronthaler
Kalchas: Stefan Sevenich
Agamemnon: Dominik Köninger
Ajax I: Christian Grygas
Ajax II: Philipp Meierhöfer
Achilles: Uwe Schönbeck
Bacchis: Hakan T. Aslan

—| Pressemeldung Komische Oper Berlin |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere: MY FAIR LADY, 28.11.2015

Oktober 26, 2015 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Premiere: MY FAIR LADY

Frederick Loewe
MUSICAL IN ZWEI AKTEN (1956)
nach Bernard Shaws Pygmalion und dem Film von Gabriel Pascal
Buch und Liedtexte von Alan Jay Lerner
In deutscher Sprache

Premiere: Samstag, 28. November 2015, 19 Uhr

Weitere Termine: 5. / 9. / 15. / 27. / 31. (2 x) Dezember 2015, 15. Januar, 8. / 20. Februar, 19. März, 15. / 18. / 28. Juni und 1. / 8. Juli 2016

Eines der berühmtesten Musicals überhaupt kommt erstmals an die Komische Oper Berlin. In der Inszenierung des ehemaligen Intendanten Andreas Homoki sind Katharine Mehrling (Ball im Savoy und Arizona Lady) als Eliza Doolittle und Max Hopp (Im weißen Rössl, Eine Frau, die weiß, was sie will!) als verschrobener Professor Higgins zu erleben. Higgins, Phonetik-Koryphäe und leidenschaftlicher Verfechter der reinen Sprache, will am Beispiel der nur des Dialektes mächtigen Blumenhändlerin Eliza beweisen, dass der brillante Schliff der Sprache Tür und Tor zu den höchsten Gesellschaftskreisen öffnet. Was er auf dem Weg zum Erfolg jedoch vergisst: Eliza ist kein bloßes Versuchsobjekt, sondern ein Mensch …

Der Verfasser der literarischen Vorlage von My Fair Lady, George Bernard Shaw, bezog sich in seiner beißenden Kritik an der rigiden englischen Klassengesellschaft des 19. Jahrhunderts auf den antiken Mythos des Bildhauers Pygmalion, der sich in eine von ihm selbst gemeißelte Traumfrau verliebt. Regisseur Andreas Homoki, derzeit Intendant des Opernhaus in Zürich, konzentriert sich auf die Welten, die eine Eliza Doolittle von der »besseren Gesellschaft« eines Professor Higgins trennen, und setzt in seiner Inszenierung ganz auf die musikdramatischen Qualitäten dieses »perfekten Musicals«. Dass eine in Musik gesetzte Sprechübung – »Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen« – bis heute auf der ganzen Welt als Evergreen gilt, sagt alles über die bezaubernde Kraft von Frederick Loewes unsterblich gewordenen Melodien.

Musikalische Leitung Kristiina Poska
Inszenierung Andreas Homoki
Choreographie Arturo Gama
Bühnenbild Frank Philipp Schlößmann
Kostüme Mechthild Seipel
Dramaturgie Johanna Wall
Chöre David Cavelius
Licht Franck Evin

BESETZUNG:
Professor Henry Higgins: Max Hopp
Eliza Doolittle: Katharine Mehrling, Winnie Böwe
Alfred P. Doolittle: Jens Larsen, Carsten Sabrowski
Oberst Pickering: Christoph Späth, Tom Erik Lie
Mrs. Higgins: Susanne Häusler
Mrs. Pearce: Christiane Oertel
Freddy Eynsford-Hill: Johannes Dunz, Adrian Strooper
Professor Zoltan Karpaty: Zoltan Fekete, Mate Gyenei, Zoltan Fekete
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin

—| Pressemeldung Komische Oper Berlin |—

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