Münster, Theater Münster, UN BALLO IN MASCHERA – Giuseppe Verdi, 14.09.2019

August 14, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

UN BALLO IN MASCHERA  –  Giuseppe Verdi
Dichtung Antonio Somma, nach GUSTAVE III. von Eugène Scribe

Premiere: Samstag, 14. September 2019, 19.30 Uhr

Gegen den Schwedenkönig Gustav III. ist eine Verschwörung im Gange. Er trifft Vorbereitungen für einen Maskenball, auf dessen Gästeliste auch der Name Amelias steht, der Frau seines Freundes Renato. Amelia leidet unter dem Widerstreit zwischen der Liebe zu ihrem Ehemann und ihren Gefühlen zu Riccardo. Von der Wahrsagerin Ulrica erbittet sie ein Mittel gegen ihre Zuneigung zu Riccardo. Als Renato die Beziehung zwischen Amelia und Riccardo ahnt, schließt er sich blind vor Eifersucht den Verschwörern an. Auf dem Maskenball, bei dem Riccardo sich für immer von Amelia verabschieden möchte, tötet Renato in Verkennung der wahren Umstände seinen Freund. Damit erfüllt sich Ulricas Prophezeiung, dass Riccardo durch die Hand eines Freundes sterben wird.

Sich maskieren, sich verstellen, etwas verbergen – dies sind die Umstände, unter denen sich die Figuren in Verdis Oper begegnen. Fast jede Figur, so scheint es jedenfalls, hat im Verlauf des Geschehens etwas zu verbergen, seien es geheime Informationen, heimliche Gefühle oder gar die eigene Identität. Hinter diesen Masken verbindet sich tödliches Schicksal mit sprudelnder Leichtigkeit aus der Tradition der französischen Opéra-comique, steht Komisches und Tragisches dicht beieinander, sind Licht und Dunkel untrennbar miteinander verbunden. Ein Maskenball wird zum Schauplatz tödlicher Enthüllungen. Eine Oper, packend wie ein Thriller und leidenschaftlich, wie es nur ein Werk von Verdi sein kann.

Musikalische Leitung: Golo Berg, Inszenierung: Marc Adam, Choreografie: Pascale-Sabine Chevroton, Bühne & Kostüme: Monika Gora, Choreinstudierung: Joseph Feigl, Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende:
Riccardo (Garrie Davislim), Amelia (Kristi Anna Isene), Renato (Filippo Bettoschi), Ulrica (Monika Walerowicz), Oscar (Marielle Murphy), Silvano (Valmar Saar), Tom (Christoph Stegemann), Samuel (Gregor Dalal), Richter (Christian-Kai Sander), Diener (Jae Joon Pak), Opernchor des Theaters Münster, Extrachor des Theaters Münster ,Sinfonieorchester Münster

Matinée:  Sonntag, 1. September, 11.30 Uhr, Oberes Foyer

Weitere Vorstellungen im September: Donnerstag, 19. September, 19.30 Uhr, Dienstag, 24. September, 19.30 Uhr, Sonntag, 29. September, 15.00 Uhr

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Street Scene – Kurt Weill, IOCO Kritik, 11.03.2019

März 11, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Street Scene – Amerikanische Oper von Kurt Weill

– Kein richtiges Lieben existiert im Falschen –

von Hanns Butterhof

In Kurt Weills selten gespielter Amerikanischen Oper Street Scene von 1947 läuft alles auf ein Happy End zu. Die beiden jungen Leute gestehen sich ihre Liebe, da packt die Frau ihre Koffer und geht allein fort. Bleiben wäre für sie die falsche Lösung, solange lieben noch besitzen bedeutet. Ob die Zukunft, in die sie aufbricht, heute schon Wirklichkeit ist, ist die hochaktuelle Frage, die Weills Oper offen lässt.

Street Scene – Kurt Weill
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Eine Vielzahl skurriler Typen mit verschiedensten Migrations-Hintergründen, viele Loser und ausgesprochen böse Jungs bevölkern die Bühne im Großen Haus des Theaters Münster. Die hat Rifail Ajdarpasic als Front eines mehrgeschossige Mietshauses mit hohen Fenstern platt auf den Bühnenboden gebaut. Ein riesiger Spiegel lässt die Fassade illusionär senkrecht stehen. Wenn sich die Akteure auf den Boden legen, lässt sie der Spiegel auf den Fensterbrettern sitzen, abstürzen oder wie Fassadenkletterer an der Wand hängen – eine erst spektakuläre, dann aber doch recht aufwendige Art, Auskunft über die innere Situation der Akteure zu geben.

Im Zentrum des bösartigen Klatsches der Hausbewohner steht Anna Maurrant (Kristi Anna Isene), der ein Verhältnis zum Sixpack-Adonis Sankkey (Jörn Dummann) nachgesag wird. Dabei träumt sie bestenfalls von dessen Liebe, während sie tatsächlich ihr langes, freudloses Eheleben erduldet. Als ihr ständig betrunkener, konservativ verbohrter Ehemann Frank (Brian Davis für den erkrankten Gregor Dalal) sie tötet, vollzieht er nur körperlich, was er ihr in allen Ehejahren seelisch angetan hat.

Ihre selbstbewusste Tochter Rose (Kathrin Filip) duldet nicht und geht auch nicht auf schmierige, sozialen Aufstieg versprechende Angebote ein. Wenn sie ihren Geliebten Sam Kaplan (Garrie Davislim) verlässt und voller Hoffnung in eine Zukunft ohne eheliches Besitzverhältnis aufbricht, lässt sie das Schicksal ihrer Mutter und das aller vom Ehebund gefesselter Frauen hinter sich.

Theater Münster / Street Scene -  Sam - hier :  Garrie Davislim_ bleibt in der alten Straße  © Oliver Berg

Theater Münster / Street Scene – Sam – hier : Garrie Davislim_ bleibt in der alten Straße  © Oliver Berg

Die Regie Hendrik Müllers zeigt provokativ wenig Zuversicht in das Gelingen von Roses Befreiung, die für Weill auch für die Befreiung aus den Zwängen der Bürgerlichen Gesellschaft steht: Am Ende wiederholt sich das erste Bild, alles geht weiter wie vorher, und auch für Rose wie für heute gibt es kein richtiges Lieben im falschen gesellschaftlichen Zusammenhang. Das Happy End steht noch aus.

Die Stimmen, die man lieber ohne distanzierende Microports hören möchte, sind durchweg überzeugend besetzt. Kristi Anna Isene ist eine mit dramatischem Sopran ihr verfehltes Leben beklagende Anna, Kathrin Filip träumt als Rose mit weichem Sopran von einer besseren Welt und rührt in ihren Liebes-Duetten mit dem lyrisch tenoralen Garrie Davislim als Sam. Brian Davis verkörpert mit kräftigem Bariton Frank Maurrants Unbeweglichkeit.

Stefan Veselka führt das Sinfonieorchester Münster souverän durch den weiten musikalischen Kosmos vom Broadway bis zur italienischen Oper  und erntet nach gut zweieinhalb deutsch gesprochenen und meist auch deutsch gesungenen Stunden mit allen Beteiligten den begeisterten Applaus des Publikums.

Street Scene am Theater Münster; Die nächsten Termine:13. und 16.3.2019, jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

Münster, Theater Münster, Angels in America – Peter Eötvös, IOCO Kritik, 09.03.2018

März 9, 2018 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

   Angels in America – Oper von  Peter Eötvös

– Engel gibt es nur auf Droge –

Von Hanns Butterhof

Ein verrutschter knallroter Kussmund über einer mit Pissoirs bestückten Passage, die mit defekten Leuchtbuchstaben den Weg zum Himmel verspricht, ist kein gutes Vorzeichen für das Erscheinen von Engeln. Die Angels in America, die der Titel von Peter Eötvös‘ Oper verheißt, gibt es im Großen Haus des Theater Münster nur auf Droge in einer reichlich kaputten Welt.

Peter Eötvös hat die Angels in America auf zwei Paare konzentriert. Zum einen verlässt der junge Louis Ironson (David Zimmer) seinen Geliebten Prior Walter (Christian Miedl), als der ihm seine HIV-Infektion offenbart. Parallel trennt sich die valiumsüchtige Harper Pitt (Kristi Anna Isene) von ihrem Mann Joseph (Filippo Bettoschi), als sie von dessen Homosexualität erfährt. Als Joseph sich outet, findet er Louis als Partner.

Theater Münster / Angels in America - hier Christian Miedl als Prior Walter informiert Louis von seiner HIV-Infektion © Oliver Berg

Theater Münster / Angels in America – hier Christian Miedl als Prior Walter informiert Louis von seiner HIV-Infektion © Oliver Berg

Nur lose in die Geschichte eingebunden ist der rücksichtslose Staatsanwalt Roy Cohn (Christoph Stegemann), der noch im Tod seine Aids-Diagnose zu Leberkrebs umlügt. Er steht für den verdrängenden Umgang mit Homosexualität und für alles, was die Welt so als von Gott verlassen erscheinen lässt.

Regisseur Carlos Wagner gelingt es, die nicht mehr ganz so dringliche Kritik des sperrigen Stücks an der Diskriminierung Homosexueller mit erfreulich bissigem Humor zur Kritik an einer Welt auszuweiten, die ohne Verantwortlichkeit für das Ganze und Mitgefühl für einander zerfällt. Die Bühne Christophe Ouvrards drückt das treffend mit ihrer Teilung in drei kalte zwar zusammenhängende, doch gegeneinander abgeschottete Bereiche aus.

Angels in America – Peter Etvös
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Unter Drogeneinfluss erscheinen Harper Pitt, Roy Cohn und Prior Walter ihre Engel: ein himmlischer Eisbär verschafft Harper die entbehrte Befriedigung, und Cohn erscheint eine Frau, die er einst auf den Elektrischen Stuhl gebracht hatte; noch auf dem Sterbebett verhöhnt er sie. Den dahinsiechenden Prior will sein blonder Engel (Kathrin Filip) für die Absage an eine Welt gewinnen, die sich ihren Untergang weidlich verdient hat. Doch Prior verweigert sich und nimmt, absurd, im Sterben Partei für das Leben. Seinen hoffnungsfrohen Appell, sich auf ein wie auch immer unvollkommenes Leben einzulassen, relativiert der dringende Drogenverdacht.

Die Sängerinnen und Sänger zeichnen ihre Rollen differenziert, vor allem Christian Miedl verkörpert überzeugend Homosexualität so unaufdringlich, wie es Filippo Bettoschi verdruckst gelingt.

 Theater Münster / Angels in America hier_ Der Engel will Prior als Prophet gewinnen, mit Kathrin Filip und Christian Miedl © Oliver Berg

Theater Münster / Angels in America hier_ Der Engel will Prior als Prophet gewinnen, mit Kathrin Filip und Christian Miedl © Oliver Berg

Das kleine Orchester unter dem behutsamen Dirigat von Golo Berg setzt dezent meist dissonante Klangflächen nebeneinander. Der elektronisch bearbeitet dahinperlende, nur selten in den Vordergrund drängende Klangfluss wird von den per Microport verstärkten Stimmen fast hörspielartig überlagert. Nur den Engeln, vor allem der koloraturensicher trällernden Kathrin Filip, ist Gesang gegönnt, während bei den anderen Rollen der Sprechgesang überwiegt.

Nach zweieinhalb Stunden der spannenden, englisch gesungenen und englisch übertitelten Aufführung – ab dem 10. 3. ist die Übertitelung auf Deutsch – gab es lang anhaltenden Beifall für das Ensemble, Golo Berg und das Sinfonieorchester Münster sowie den zur Premiere anwesenden Komponisten.

Angels of America im Theater Münster;  die nächsten Termine: 10., 16., 21., 23., 29.3.; 18.4.2018 jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Don Carlo. Ein Requiem – Verdi, IOCO Kritik, 07.11.2017

November 7, 2017 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Don Carlo. Ein Requiem – Verdi / Schnittke

 Kuschender König Philipp – Im Zentrum von Münsters Don Carlo

Von Hanns Butterhof

In einem bunkerartigen Gelass sitzt ein ratloser König mit dem Rücken zum Publikum auf einem laubbedeckten Grabhügel. Daneben ein Sarg. Suchend schaut er sich um, nimmt dann die Krone ab und entzieht sich den Blicken. So rückt schon der Anfang von Don Carlo. Ein Requiem von Giuseppe Verdis Oper „Don Carlo“ (1867) unter Verwendung des “Requiems” von Alfred Schnittke (1977) am Großen Haus des Theaters Münster den König ins Zentrum und deutet auf sein Versagen voraus.

Theater Münster / Don Carlo - hier Stephan Klemm als ratloser König Philipp II. © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Stephan Klemm als ratloser König Philipp II. © Oliver Berg

Verdis Oper fragt nach dem Verhältnis von menschlichem Leben und abstrakten Ideen, von Neigung und Pflicht, und so ist es nicht ganz willkürlich von Münsters regieführendem Generalintendant Peters und Generalmusikdirektor Berg, König Philipp II. von Spanien (Stephan Klemm) ins Zentrum ihres „Don Carlo. Ein Requiem“ zu stellen. Denn er trägt diesen Konflikt durchgängig und in seinem zentralen Monolog „Ella giammai m’amo!“ ergreifend aus, ohne ihn allerdings angemessen zu bewältigen.

Zwischen Pflicht und Neigung  zu stehen, seine Leidenschaften regieren zu können und eine auf Einsicht gegründete Balance mit den Anforderungen der Realität zu finden ist ein unbedingt menschlicher Grundkonflikt. Es gehört zum Erwachsenwerden, ihn immer riskant und oft auch schmerzhaft zu lösen

Theater Münster / Don Carlo - hier Filippo Bettoschi als Posa weist Carlo (Garrie Davislim) auf seine Pflichten hin. © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Filippo Bettoschi als Posa weist Carlo (Garrie Davislim) auf seine Pflichten hin. © Oliver Berg

Alle Figuren um Philipp unterwerfen sich ihrer je eigenen Pflicht. So hat ihn seine Frau Elisabeth (Kristi-Anna Isene) des hohen Zieles Frieden zwischen Spanien und Frankreich wegen geheiratet und entsagt ihrer Liebe zu seinem Sohn Carlos, mit dem sie verlobt war. Rodrigo von Posa (Filippo Bettoschi) opfert sein Leben für das Ziel, die Freiheit für Flandern zu erreichen, und der Großinquisitor (Christoph Stegemann) lebt nur noch für die Herrschaft der Kirche. Selbst Carlos (Garrie Davislim), der fast bis zum Ende seiner Liebe zu Elisabeth unterworfen ist, ringt sich schließlich dazu durch, sein Leben der Pflicht zu widmen, die ihm Posa auferlegt hatte, die Freiheit erst Flanderns und später Spaniens zu erkämpfen. Nur vom Standpunkt einer hedonistischen Spaßgesellschaft aus kann der Übergang von der Neigung zur Pflicht als Schritt hin zum Tode begriffen werden.

Wie das Programmheft, das alle Gestalten im „Don Carlo“ als unter der Macht des Todes stehend beschreibt, legt das jedoch die düstere Einheitsbühne Rifail Ajdarpasics nahe. Sie ist ein bunkerartig düsterer Raum mit astlosen, in Kamine eingemauerten Baumstämmen, deren herbstliches Blattwerk wie aus einer anderen Welt durch Öffnungen in der Decke heruntersegelt. Ein Grabhügel unter Laub, ein wie ein Kreuz  hineingerammtes Schwert und ein Sarg sprechen überdeutlich von Tod.

Modrige Todeskühle überzieht auch die Inszenierung, legt sich auf das Spiel und den Gesang. Garrie Davislim als Carlo überzeugt in seinen lyrischen Partien, lässt aber alle Leidenschaft eines verzweifelt Liebenden vermissen. Auch Filippo Bettoschi als Posa lässt erst im Tod seinem warmen Bariton freien Lauf. Und Stephan Klemm als Philipp ist nur stimmlich mit seinem fest gegründeten Bass ein König. Er verkörpert statuarisch eher einen saturierten Bürger, der sich Sorge um die Treue seiner Frau macht. Er sieht die politische Lage, das Verhältnis zu seiner Frau und seinem Sohn völlig richtig. Darauf weisen die Schnittke-Partien musikalisch eindringlich, wenn auch szenisch kaum überzeugend hin. Aber Philipp versagt auf der ganzen Linie: Die Treuepflicht seiner Gattin gegenüber erfüllt er so wenig wie seine Vater- und Herrscherpflicht. Er hat vor allem Probleme mit der eigenen Gedankenfreiheit, bedient sich zwar seines eigenen Verstandes, wagt es aber nicht, seinen Einsichten die angemessenen Handlungen folgen zu lassen. Das Schwert, das er gegen den Großinquisitor erhebt, lässt er verzagt wieder sinken. Am Ende kuscht er vor der Macht des Großinquisitors, den Christoph Stegemann so gibt, wie man sich einen König vorstellen könnte, elegante Statur, kräftiger Bass.

Theater Münster / Don Carlo - hier Vor dem Großinquisitor (Christoph Stegemann) kuscht der König (Stephan Klemm) © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Vor dem Großinquisitor (Christoph Stegemann) kuscht der König (Stephan Klemm) © Oliver Berg

Auch Kristi-Anna Isene, in unschuldiges Weiß gekleidet (Kostüme: Ariane Isabell Unfried), spielt Elisabeth wie in ihrer Entsagung erstarrt und ergreift erst am Ende bei ihrer Arie „Tu che la vanità“ mit klarem, in den Höhen etwas spitzem Sopran. Nur die Prinzessin Eboli (Monika Walerowicz) entzieht sich der allgemeinen Kühle und liefert mit ausdrucksstarkem Mezzo, vor allem auch in ihrer Arie „O don fatale!“ das Bild einer leidenschaftlichen, ihren Gefühlen folgenden Frau; dafür erntete sie den stärksten Beifall des Abends.

Verlagert die Regie Ulrich Peters’ die Konflikte mehr in die Psyche des Königs und entzieht der Handlung so die Lebenswärme, so kühlt  Golo Berg am Pult des Sinfonieorchesters Münster die Musik entsprechend herab. Was an Italianita aufscheint, wird durch die Einschübe des „Requiems“ von Alfred Schnittke (1934 – 1998) nicht nur beim großen Autodafé ausgebremst. Bei aller Nähe von Schnittkes „Requiem“ zu Schillers „Don Carlos“ liegt der ganzen Aufführung ein unerklärlicher Mangel an Zutrauen in Verdis ausgewogene Komposition zu Grunde, der durch keine szenisch-psychologische Verdeutlichung gerechtfertigt wird. Vielmehr wird so diesem „Don Carlo. Ein Requiem“ das Leben ausgetrieben.

Die in der gekürzten Mailänder Fassung gespielte, italienisch und lateinisch gesungene, deutsch übertitelte Oper dauert dreieinviertel Stunden.

 Don Carlo am Theater Münster; weitere Vorstellungen 11.11.2017; 17.11.2017; 12.12.2017; 22.12.2017; 25.12.2017; 05.01.2018; 02.02.2018

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

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