Halfing, Immling Festival, Kinder-Kulturwoche, 13. bis 18. August 2019

Immling Festival

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

„Kinder-Kulturwoche“ in den Sommerferien

von 13. bis 18. August 2019

Immling – Traditionell gehört die Bühne zum Abschluss des Immling Festivals den Kindern: Theaterluft schnuppern, im Orchester spielen, singen, schauspielern, tanzen, Akrobatik und Clownerie erlernen, Kostüme schneidern und ein Bühnenbild bauen – all das bietet die „Kinder-Kulturwoche“ mitten in den Sommerferien von Dienstag, 13. August, bis Samstag, 17. August 2019. Unter professioneller Anleitung stellen Kinder zwischen 7 und 13 Jahren gemeinsam ein Theaterstück auf die Beine. In diesem Jahr werden sie in der großen Abschlussvorstellung am Sonntag, 18. August um 11.00 Uhr im Festspielhaus Immling ihre ganz eigene Version von „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, frei nach Mark Twain, präsentieren:

Der Waisenjunge Tom und der Herumtreiber Huck sind unzertrennlich. Sie träumen von einem Leben voller Freiheit, Spaß und Abenteuer. Doch am Ufer des Mississippi lauern auch einige Gefahren – und so müssen die Freunde über sich hinauswachsen, um Wahrheit, Gerechtigkeit (und ganz nebenbei auch die eigenen frechen Streiche) siegen zu lassen.

Anmeldung zur Kinder-Kulturwoche für Kinder von 7 bis 13 Jahren unter https://www.immling.de/kinder-kulturwoche/ oder unter Tel.: 08055 – 9034-0.

Tickets für die Abschlussvorstellung am 18. August um 11.00 Uhr unter
www.immling.de oder Tel. 08055 – 9034 0

 

—| Pressemeldung Immling Festival |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Das Rheingold – Richard Wagner, IOCO Kritik, 30.05.2019

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Das Rheingold – Richard Wagner

– Raub und Verschwörung –  Im Rheingold-Express und Untertage –

von Viktor Jarosch

Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Die Götterdämmerung bilden ein zeit- und grenzenloses Gesamtkunstwerk der Menschheit: Der Ring des Nibelungen, von seinem Schöpfer Richard Wagner als „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“ beschrieben. Zwist und Streit, in welche Götter, Riesen, Naturwesen oder Zwerge in dem Vorabend, in Rheingold, nach wenigen Takten verfallen, begleiten Rheingold auch „auf Erden“: So vollzog Ludwig II die Uraufführung des Rheingold 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München. Gegen den Wunsch Richard Wagners, der weit entfernt in der Schweiz wohnte und nicht anwesend war. In bitteren Versen zeichnet Wagner 1869 seinen Frust über diese, allein von Ludwig II betriebene Uraufführung des Rheingold:

Das Rheingold – Richard Wagner

Spielt nur, ihr Nebelzwerge, mit dem Ringe,
wohl dien‘ es euch zu eurer Torheit Sold;
doch habet ach; euch wird der Reif zur Schlinge;
ihr kennt den Fluch; seht, ob er Schächern hold!
……..
doch euer ängstlich Spiel mit Leim und Pappe
bedeckt gar bald des Niblungs Nebelkappe!

Richard Wagners wahre, seine Uraufführung des Rheingold fand in Bayreuth, am 13. August 1876 statt: zur Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele, als Vorabend des Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen, hier erstmals zyklisch aufgeführt.

So schwebt seither über jeder Rheingold Inszenierung auch der Geist des Regisseurs: inszeniert er Rheingold als Teil des Ring oder das Einzelkunstwerk. Zwar tauchen in Rheingold erstmals die großen Leitmotive auf, welche das Beziehungsgeflecht in Wagners Bühnenfestspiel symbolisieren, doch die Leitmotivik in Rheingold ist noch spielerisch, nicht dicht geflochten. Rheingold kann so auch Satyrspiel empfunden werden, in welchem, in musikalischem Konversationston, Götter, naive Naturwesen, Riesen, Zwerge, Rheintöchter oder, wie im MiR, verschlagene, brutale, liebevolle oder zickige Menschen handeln und  kommunizieren.

Im Musiktheater im Revier wird Rheingold nicht als MiR-Ring, nicht als zyklische Parabel inszeniert. Michael Schulz, Wagner-erfahrener Regisseur und Intendant des MiR beschließt mit seinem Rheingold eine Reihe von Inszenierungen, welche sich mit Irdischem, dem Ruhrgebiet, dem Bergbau, mit dem Thema „Arbeit“ auseinandersetzen. So zuvor bereits in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Mythos oder Götter schweben in seiner Inszenierung von Rheingold kaum spürbar mit, dafür aber Bergbau, Maloche, Grubenlampen, Loren und ein Zug.

Das Rheingold – Richard Wagner
youtube Trailer Musiktheater im Revier
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Projektionen begleiten im MiR das vier-minütige Rheingold- Vorspiel: sonnendurchflutete lichte Gewässer schimmern auf dem Prospekt des Theaters, deuten Mythisches an. Doch aller Mythos wird verdrängt, alles wird sehr irdisch, wenn sich zum ersten Bild der Vorhang hebt und das Innere eines langgezogenen Speisewagen mit Abteilen und Speisetheke (Bühnenbild: Heike Scheele) zeigt. Der Speisewagen im Rheingold-Express dominiert, irdisch wie profan, den langen ersten und zweiten Auftritt der Inszenierung; macht alle, Götter, Zwerge, Rheintöchter und Riesen zu menschlichen Wesen, liebende, grobe, tanzende wie hinterhältige. Das Diktum von Regisseur Schulz wird im ersten Bild brutal deutlich: Das Ruhrgebiet ist sichtbar nah; alles ist menschlich in dieser Inszenierung! Götter sind auch nur Menschen!

So lümmelt sich denn Alberich, in altbackener Kleidung und mit Pudelmütze (Kostüme Renée Listerdal) auf einer Sitzbank des Zuges. Die Rheintöchter tauchen nicht aus dem Rhein auf, sondern in knappem sexy Outfit hinter der Theke hervor: „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Waglaweia!“ Ein Tabledance, von Woglinde lasziv an einer X-Pole-Stange vollzogen und mehr sollen den aus seinem Zugabteil herüber gekommenen Alberich („He, he! Ihr Nicker! Wie seid ihr niedlich, neidliches Volk“) verführen; alle verschwinden sie dann durch die Zugfenster, erscheinen wieder durch die Waggontüren. Zum Finale des 1. Auftritts, zum Raub des Goldes und den Klagen der Rheintöchter, „Haltet den Räuber! Rettet das Gold“, verfärben sich die projizierten lichten Gewässer im Hintergrund, werden trübe, verschmutzt; deuten den Mythos an, den Untergang von Göttern, Zwergen und Riesen.

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR

Musiktheater im Revier / Das Rheingold – hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR

So erscheint dann auch Wotan, männlich menschlich in elegantem Anzug mit Krawatte, im Rheingold-Express, Walhall besingend („Der Wonne seligen Saal bewache mit Tür und Tor …“).. um dann, ein gelungener Regieeinfall, mit den Riesen Fasolt und Fafner („Sanft schloß schlaf dein Auge..“) zunächst „aus dem Off“ zu kommunizieren. Dann erscheinen die Riesen als irdische muskelbepackte Riesen auf den Bühne, um ihren Lohn für den Bau von Walhall einzufordern. Die sich zickig sträubende Freia wird mit Grubenhelm versehen in einen Grubenaufzug gepresst.

Mit dem 3. Auftritt, Loge führt Wotan in das Halbdunkel des unterweltlichen Nibelheim. Der Rheingold – Mythos, Richard Wagners wunderbare Komposition scheinen nun ein wenig auf. werden vom Bühnenbild gestützt; auch wenn Mime dort mit einem Putzeimer herum läuft und auf seinem Plakat „Gold macht Lust“ irdische Genüsse propagiert. Wotan fährt in einer Lore in das Halbdunkel von Walhall ein, wo (das MiR – Thema „Arbeit“, Ruhrgebiet), stöhnende Erdlinge schuften, frühindustrielle Stahlproduktion andeuten. Kinder weihen Walhall fröhlich ein, irdisch Friedensfahnen winkend: Loges düstere Prophezeiungen kontrastierend. So bleibt Rheingold im MiR beständig irdisch, gutmenschlich wie böse: wenn dann Wotan den an Händen gefesselten Alberich mit einem Dolch ersticht, wenn Fasolt  Fafner mit eine Knüppel erschlägt, wenn Erda – in schickem Kostüm ganz Partylike – Wotan vor „. des Ringes Fluch ..“ warnt. Nicht mehr so irdisch verwebt sich das Bühnenbild in Projektionen, wenn zu Wagners wunderbar romantischer Dichtung „Abendlich strahlt der Sonne Auge; in prächt´ger Glut prangt glänzend die Burg..“ im Bühnenhintergrund Walhall in vielschichtiger Farbenglut andeuten und Wotan und Fricka, nun doch ein wenig göttlich, dort friedlich einziehen.

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR

Musiktheater im Revier / Das Rheingold – hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR

Trotz Speisewagen, Loren, Ruhrgebiets-Realität und anderem Irdischen auf der Bühne: Richard Wagner verzaubernde Dichtung, seine Komposition brachte das Ensemble mit stimmlicher Vielfalt wie Pracht und gut lesbaren Übertexten zum Leuchten; Bastiaan Evering, von Beginn an ein bleibend souveräner Wotan, ist mit souverän wohltimbrierten Bass-Bariton und eleganter Erscheinung ein sympathischer Mensch.  Wotan im MiR ist kein Göttervater, der widerwillig auf den Ring verzichtet; er möchte seiner Ehefrau Fricka mit der neuen Wohnung in Walhall gefallen. Cornel Frey festigt als Loge in seiner großen Partie das Irdische der Inszenierung: mit darstellerischem Facettenreichtum und wohlverständlichem Charaktertenor ist Frey als Loge steuerndes, gestaltendes Element der Inszenierung. Urban Malmberg ist als Alberich in profane Kleidung mit Pudelmütze ein herzlos kleingeistiger Kapitalist, beständig und laut schimpfend. Während sich Khanyiso Gwenxane mit elegantem Belcanto als Froh und Piotr Prochera als stimmlich gut aufgelegtem Donner (immer mit schwerem Hammer bewehrt) wunderbar ergänzen. Petra Schmidt ist die zickige Freia, Lohn für die körperlich breit ausstaffierten und stimmlich ebenso sicheren Riesen Fasolt (Joachim Gabriel Maaß und Fafner (Michael Heine). Stark, bewundernswert Almuth Herbst mit sicherem Mezzo in ihren Partien als Fricka und Erda: mit wohltimbrierter Gelassenheit, Persönlichkeit eigenen Charakter verleihend.

Giuliano Betta und die Neue Philharmonie Westfalen lassen Richard Wagners klangliche Momente des Rheingold lyrisch leben. Die wagnersche Dichtung, seine packenden Konversationspassagen kommen durch das sensible Dirigat und ein gut eingestelltes Ensemble wohltuend zur Geltung. So könnte man ein wenig glauben, daß im MiR das Irdische der Inszenierung und der Weltgeist der Komposition verschmitzt miteinander kokettieren.

Das Gelsenkirchener Publikum des MiR, in der Mitte des Ruhrgebiets gelegen, feierte diese Sicht des  Rheingold, ihren Rheingold-Express, ihr Ensemble, ihren Regisseur.

Das Rheingold am Musiktheater im Revier; die weiteren Vorstellungen: 30.5.; 2.6.; 9.6.; 20.6.; 30.6.2019

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Altenburg, Theater und Philharmonie Thüringen, Premiere – Die Schöne und das Biest, 20.10.2018

Theater Altenburg Gera

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest - Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest – Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

Die Schöne und das Biest – Schattentheater

Am 20., 21. und 28. Oktober 16 Uhr  – Heizhaus Altenburg

Willkommen in der turbulenten Show von Cécile und Mister Pink. Heute erzählen die beiden dem Publikum die Geschichte aus einem fernen Land namens Frankreich. Dort lebte einst ein Prinz, der von einer Fee in ein schreckliches Biest verwandelt wurde. Erlöst kann der Prinz erst wieder werden, wenn ihn ein Mädchen schön findet, obwohl man nur Hässliches an ihm sieht. Jahrelang lebt das Biest einsam und zurückgezogen in seinem verwunschenen Schloss. Bis es eines Tages einen alten Mann in seinem Garten ertappt, der eine Rose stehlen will. Diese hat sich seine Tochter, Belle genannt, als Geschenk gewünscht. Das Biest überfällt den Dieb und droht, es werde ihn umbringen, wenn er nicht seine Tochter auf sein Schloss kommen lässt. Fortan lebt Belle gemeinsam mit dem Biest. Doch welch wundersame Räume und schöne Gärten entdeckt sie auf dem Anwesen! Jeder Wunsch wird ihr erfüllt und wie sich herausstellt, ist auch das Biest ein angenehmer Gesprächspartner. Die Schöne würde hier eine angenehme Zeit verbringen, wenn das Biest sie nicht jeden Abend aufs Neue fragen würde, ob sie es liebe. Und Belles Heimweh wird größer und größer…

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest - Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest – Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

Lucy Kirkwoods und Katie Mitchells spielfreudige Fassung erzählt nicht nur die Geschichte der schönen Tochter und des rauen Biests, sondern lässt darüber hinaus die Erzählerfiguren Cécile und Mister Pink ihre ganz eigene, humorvoll-charmante Liebesgeschichte erfahren. Stefan Wey, der u. a. Die große Reise und Verbrechen am Puppentheater Gera inszenierte, lotet gemeinsam mit Ausstatter Christian Werdin für diese Inszenierung die Möglichkeiten des Schattentheaters aus, das aus zweidimensionalen Schablonen tiefschichtige Welten entstehen lassen kann, durch welche die Taschenlampe gleich einer Kamera fährt. So wird das Schloss erkundet, es erblühen dichte Rosengärten und letztlich auch die Freundschaft zwischen Belle und dem Biest….

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest - Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Die Schöne und das Biest – Es spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt © Ronny Ristok

In der Regie von Stefan Wey spielen Lys Schubert und Tobias Weishaupt für Kinder ab 6 Jahren, aber nicht nur die haben ihren Spaß, sondern auch die Erwachsenen werden amüsiert sein. Bühne und Puppen schuf Christian Werdin, für die Kostüme ist Hilke Förster verantwortlich, die Musik steuerte Udo Hemmann bei. Die Altenburger Premiere im Heizhaus ist am Samstag, 20. Oktober um 16 Uhr.  Weitere Vorstellungen sind in Altenburg geplant am 21. und 28. Oktober, 16 Uhr sowie Vormittagsvorstellungen um 10 Uhr am 22., 23. und 25. Okt.

—| Pressemeldung Theater Altenburg Gera |—

Osnabrück, Theater Osnabrück, Mutter Courage von Bertolt Brecht, IOCO Kritik, 02.03.2018

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Mutter Courage von Bertolt Brecht als Anti-Kriegs-Stück

Welt aus den Fugen

Von Hanns Butterhof

Starker Beginn im Theater am Domhof. Kaum ist das Ensemble wortlos auf die Bühne getreten, stürzen alle auf einen Schlag wie von einer Bombe dahingerafft nieder. Der Krieg ist unmittelbar verstörend und effektvoll da in Bertolt Brechts Bühnenklassiker Mutter Courage  von 1941, den Schirin Khodadadian als Anti-Kriegs.Stück inszeniert.

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier_ Monika Vivell singt zur Musik der Band © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier – Monika Vivell singt zur Musik der Band © Marek Kruszewski

Carolin Mittler hat für die 12 Bilder des Stücks eine abstrakte, sehr ausdrucksstarke Bühne gebaut. Ein verrutschter Rahmen umgibt sie vorn, weitere sind im Hintergrund gestaffelt wie Trauerränder um eine Welt, die aus den Fugen ist. Auf einer Schräge kämpft Mutter Courage mit ihrem immer unhandlicher werdenden Planwagen und ihren drei Kindern im Dreißigjährigen Krieg als Marketenderin chancenlos dagegen an, auf ihr abzurutschen.

Monika Vivell ist eine heutige, realistische Courage, wandlungsfähig von sanft säuselnd bis schneidend hart. Sie muss im Krieg und mit ihm den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen.

Die allerdings fallen dem Krieg zum Opfer. Eilif (Valentin Klos) wird zum Tode verurteilt, weil er als Soldat im Frieden das Töten nicht ließ, Schweizerkas (Niklas Bruhn), weil er als Zahlmeister die Regimentskasse vor dem Feind retten wollte, aber für deren Dieb gehalten wurde. Die stumme Kattrin schließlich wird erschossen, um sie daran zu hindern, dass sie eine Stadt davor warnt, überfallen zu werden; als der eindrucksvoll stummen Stimme der Menschlichkeit fliegen Marie Bauer die Herzen des Publikums zu.

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier - Die Courage bangt um ihre Kinder Kattrin und Schweizerkas © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier – Die Courage bangt um ihre Kinder Kattrin und Schweizerkas © Marek Kruszewski

Die Familiengeschichte der Courage und ihren Ruin erzählt Schirin Khodadadian in symbolisch zugespitzten, teilweise karikierenden Bildern und Uniformen (Kostüme: Charlotte Sonja Willi) mit Orden, groß wie Spiegeleier. Die meist von Vivell ausdrucksstark über Mikro vorgetragenen Songs, die den Erzählfaden ständig unterbrechen, kommentieren und rechtfertigen ihr Handeln und sind so gruselig nihilistisch wie realistisch.

Michael Barfuß, Mischa Vernov und Falk Zimmermann erwecken live nicht nur das provokativ Schräge der Musik von Paul Dessau mit elektronischen Verzerrungen und kräftiger Percussion zu frischem Leben. Sie halten den Krieg auch akustisch auf der Bühne gegenwärtig.

Erst gegen Ende des Stücks zeigt sich die Courage als selbstlose Mutter. Ihr finales „ich muss“ taucht ihr Gewinnstreben ins mildernde Licht der Fürsorge. Das öffnet den Blick über die effektvoll inszenierte Gratis-Verurteilung von Krieg hinaus darauf, dass es unsere Welt ist, die aus den Fugen ist und jeden Tag wie alternativlos das Einverständnis mit ihrer Unvollkommenheit fordert.

Nach gut zwei Stunden spannenden Spiels ohne Pause viel Applaus für das ganze Ensemble, vor allem Monika Vivell und Marie Bauer sowie die Musiker.

Mutter Courage am Theater Osnabrück; Die nächsten Termine: 9.3; 20.3.; 17.4; 22.4.2018 jeweils 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

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