Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Premiere Otello – Giuseppe Verdi, 04.05.2019

April 16, 2019 by  
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Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt / Otello - v. li. Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia) © Roland Obst

Theater Rudolstadt / Otello – v. li. Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia) © Roland Obst

Otello  von Giuseppe Verdi

Premiere 4. Mai 2019, Meininger Hof Saalfeld

Liebe und Hass, Eifersucht und Intrigen,  Giuseppe Verdis Oper Otello feiert im Meininger Hof Saalfeld Premiere

Mit seiner vorletzten Oper „Otello“ erreichte Giuseppe Verdi den Höhepunkt seines Schaffens. Die umjubelte Eröffnungspremiere der Jubiläumsspielzeit des Partnertheaters Nordhausen kommt am 4. Mai mit den Thüringer Symphonikern im Meininger Hof Saalfeld in halbszenischer Aufführung – ganz auf die Kraft der Musik konzentriert – zur Premiere.

Verdis Literaturoper nach Shakespeares Otello erzählt die tragische Geschichte eines Außenseiters, der zu Macht und Ansehen kommt. Als ehemaliger Sklave wird Otello nach militärischen Erfolgen zum Befehlshaber der venezianischen Flotte ernannt und bekommt die schöne, adlige Senatorentochter Desdemona zur Frau. Doch sein Aufstieg ruft Neider auf den Plan … allen voran Fähnrich Jago. Dieser startet, um den Widersacher zu Fall zu bringen, eine perfide Intrige, in der sich Otello mit fataler Zwangsläufigkeit immer tiefer verfängt. So nimmt das Verhängnis um ein Taschentuch seinen unaufhaltsamen Lauf. Vom Zweifel an der Treue seiner Geliebten innerlich zerfressen, tötet er im Wahnsinn der Eifersucht erst sie und letztendlich sich selbst.

Theater Rudolstadt / Otello - Krum Galabov (Jago), Michael Austin (Otello) © Roland Obst

Theater Rudolstadt / Otello – Krum Galabov (Jago), Michael Austin (Otello) © Roland Obst

In diesem späten Meisterwerk gelingt es Giuseppe Verdi, die Klangfarben und die Leitmotivik seines Konkurrenten Richard Wagner in den Orchesterpart zu integrieren. Gleich mit ihrer Ouvertüre entfesselt die Oper eine Wucht, die den Zuhörer bis zur letzten Note nicht mehr loslässt. Zusammen mit seinem Librettisten Arrigo Boito gelang Verdi ein geniales Musikdrama, wie es intensiver, schöner und erschütternder bis heute kaum ein anderes gibt.

Anette Leistenschneider – sie inszenierte u. a. an der Oper Breslau, am Musiktheater Lublin und an der Staatsoper Zagora und ist seit der Spielzeit 2016/17 Operndirektorin in Nordhausen – akzentuiert in ihrer Inszenierung die lyrischen Momente. Das Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning und die Kostüme von Anja Schulz-Hentrich bebildern die Inszenierung mit prunkvollen Roben und umschleierten Madonnen. Das Sängerensemble ist hochkarätig besetzt. Die Hauptrolle dieser Produktion aus dem Theater Nordhausen wird vom US-amerikanischen Sänger Ray M. Wade verkörpert. Er sang bereits mit großen Orchestern, wie dem Metropolitan Opera Orchestra, spielte an der Seite von Edita Gruberova den Normanno in Lucia di Lammermoor und Flavio in Norma auf CD ein. Festengagements führten den Tenor u. a. ans Nationaltheater Mannheim und an die Oper Köln. Die zweite große Partie ist nicht jene Desdemonas, sondern Jagos. Sie wird von Krum Galabov interpretiert, der schon mit Regisseuren wie Franco Zeffirelli und Einar Schleef zusammengearbeitet hat und mit Vesselina Kassarova gemeinsam auf der Bühne stand. Seine Karriere führte den bulgarischen Bariton in die Arena di Verona, die Staatsoper Sofia oder zu den Schlossfestspielen Schwerin. Die Darstellerin der Desdemona, Zinzi Frohwein, ist dem Saalfelder Publikum von verschiedenen Partien bekannt, u. a. als Mimi in La Bohème. Seit der Spielzeit 2016/17 am Theater Nordhausen fest engagiert, sang sie auch bereits in der Niederländischen Nationaloper. In weiteren Partien sind Yavor Genshev, Marian Kalus, Thomas Kohl, Jung-Uk Oh und Anja Daniela Wagner zu erleben. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Chefdirigent Oliver Weder. Es spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. Begleitet wird die Inszenierung durch den Mädelchor des Kantorats der Johannes-Kirche Saalfeld.

Szenische Einrichtung: Anette Leistenschneider, Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning
Kostüme: Anja Schulz-Hentrich, Choreinstudierung: Markus Popp, Dramaturgie: Anja Eisner

Ray M. Wade jr. (Otello), Krum Galabov (Jago), Marian Kalus (Rodrigo), Yavor Genshev (Lodovico), Thomas Kohl (Montano), Jung-Uk Oh (ein Herold), Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia)

Es spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. Es singt der Mädelchor Saalfeld des Kantorats der Johannes-Kirche Saalfeld.

Karten für die Premiere am 4. Mai um 19.30 Uhr sowie für die weiteren Aufführungen am 7. und 12. Mai, jeweils um 15 Uhr und am 18. und 31. Mai, jeweils 19.30 Uhr, sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere Die Perlenfischer – Georges Bizet, 16.02.2019

Februar 8, 2019 by  
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Theater Pforzheim

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

 Die Perlenfischer – Georges Bizet

Träume und Tabubrüche in der Südsee

Premiere am 16.2.2019

Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Frankreich entsteht die diesjährige Februar-Premiere des Musiktheaters am Theater Pforzheim. Der französische Regisseur und Produzent Olivier Desbordes ist Gründer und Leiter des Festival de St. Céré. Für sein langjähriges Engagement in den Bereichen Musik und Theater ehrte ihn jüngst die französische Regierung mit dem Ritterorden für Kunst und Literatur (Chevalier des Arts et des Lettres). Gemeinsam mit Regisseur und Sänger Eric Perez inszeniert er Georges Bizets Oper Die Perlenfischer. Im kommenden Sommer wird die Produktion auf der Freilichtbühne des Festivals in St. Céré zu sehen sein. In Pforzheim feiert die Oper ihre Premiere am Samstag, 16. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Theater Pforzheim / Die Perlenfischer - Olivier Desbordes © Nelly Blaya

Theater Pforzheim / Die Perlenfischer – Olivier Desbordes © Nelly Blaya

Die Handlung der Oper gewinnt ihre Spannung aus einer Dreiecksgeschichte: Zurga und Nadir lieben beide das Mädchen Leïla – und schon werden aus Freunden Feinde. Doch mit einem Treueschwur und dem Versprechen, der Schönen zu entsagen, können die beiden ihre Rivalität überwinden und ihre Freundschaft erhalten. Schließlich trennen sich ihre Wege und es vergeht einige Zeit. Als Zurga zum Anführer der Perlenfischer gewählt wird, taucht Nadir wieder auf…

Theater Pforzheim / Die Perlenfischer - Eric Perez © Clément Chébli

Theater Pforzheim / Die Perlenfischer – Eric Perez © Clément Chébli

Georges Bizet komponierte seine Oper Die Perlenfischer mit 25 Jahren. Sie ist das erste große Bühnenwerk des Komponisten, der posthum mit seiner Oper Carmen berühmt wurde. Drei Jahre lang hatte der junge Mann mit dem renommierten „Prix de Rome“-Stipendium in Italien gelebt und gearbeitet. Dort wurden hauptsächlich geistliche Werke gefordert, die große Opernbühne war aber von Anfang an das Ziel Bizets. Zurück in Frankreich bekommt er das Angebot, für das Théâtre Lyrique zu schreiben. Die Geschichte von Die Perlenfischer trug zu Beginn den Titel Leïla und spielte noch in Mexiko. Doch bald wird der Schauplatz auf die Insel Ceylon, das heutigen Sri Lanka, verlegt. Die dort lebenden Perlenfischer geben dem Werk nun seinen Namen und heben den beteiligten Chor als Kollektiv hervor.

Exotisches Flair zaubert der Komponist durch beschwingte Rhythmen und farbenreiche Stimmungen auf die Bühne. Die Solisten durchleben ein emotionales Kammerspiel, das zwischen Leidenschaft und Bedrohung changiert. Mit großen Auftritten des Chores wechseln geradezu sakral klingende Momente der Anbetung hinduistischer Götter zu hochdramatischen Situationen. Eines der schönsten Duette für Bariton und Tenor ist die gemeinsame Erinnerung der beiden Männer an die Situation, in der sie sich das Treueversprechen gaben: „Au fond du temple saint“ („Und in der Tiefe des Tempels“). Bühnenbild und Kostüme der Inszenierung übernimmt Ruth Groß; sie war bereits mehrfach am Theater Pforzheim tätig und begeisterte zuletzt mit der Ausstattung des aktuellen Musicalerfolgs Doktor Schiwago. Erweitert wird der Assoziationsraum durch farbige Videoprojektionen von Clément Chébli.

Die Perlenfischer

Oper in drei Akten von Georges Bizet,  Libretto von Michel Florentin Carré und Pierre-Etienne Piestre alias Eugène Cormon, In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln, In Kooperation mit dem Festival de St. Céré, Frankreich

Mit Miloš Bulajic, Stamatia Gerothanasi, Paul Jadach, Dennis Marr, Elisandra, Melián, Lukas Schmid-Wedekind und Aleksandar Stefanoski, Chor des Theaters Pforzheim, Extrachor des Theaters Pforzheim, Badische Philharmonie Pforzheim
Musikalische Leitung GMD Markus Huber, Inszenierung Olivier Desbordes und Eric Perez, Bühne und Kostüme Ruth Groß, Video Clément Chébli, Chorleitung Alexandros Diamantis

Hubers Opernführer  – Sonntag, 10. Februar um 11 Uhr – Foyer

Premiere am Samstag, 16. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus mit Einführung um 19.10 Uhr im Foyer, Weitere Vorstellungen am Do, 28. Februar, Mi, 6., Di, 12. und Do, 21. März 2019 sowie an weiteren Terminen im Laufe der Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

Regisseur Eric Perez über Die Perlenfischer

„Also lassen Sie uns von diesem Ceylon träumen… in Gedanken, wie Victor Hugo sich die Welt vorstellte, ohne jemals gereist zu sein, wie Bizet, der später ein mythisches Spanien darstellen würde, ohne je dort gewesen zu sein. (…) Unter dem Schleier der Phantasie schlafen unsere Jugendlichen, glauben an die Liebe, an Freundschaft, an Treue. Sie werden Prüfungen durchlaufen, die aus ihren Träumen geboren wurden… eine Welt der Fischer, ein unbekanntes Land; fremde, exotische Bräuche, gefährlich… der Traum wird nach und nach zu einem Alptraum. (…) Doch die Ängste werden sich in ein glückliches Ende verwandeln.“

—| Pressemeldung Theater Pforzheim |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Australia in Concert, 07.11.2016

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

»Australia in Concert«

Liederabend mit Stipendiatinnen & Stipendiaten des German-Australian Opera Grant am 7. November

Am Montag, den 7. November, um 19.30 Uhr im Foyer des Hessischen Staatstheaters kann das Publikum erstmals mehrere der inzwischen 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten des German-Australian Opera Grant zusammen an einem Abend erleben: Der Liederabend »Australia in Concert« versammelt sechs australische Sängerinnen und Sänger, begleitet von Albert Horne (Dirigent und Chordirektor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden) am Klavier. Die ehemaligen Preisträgerinnen und Preisträger Sharon Kempton (2003), Sarah Jones (2012), Christopher Rickerby (2013), Celeste Haworth (2015) und der aktuelle Grant-Gewinner Alexander Knight (2016) gestalten ein Programm mit klassischen Liedern und Arien von Komponisten wie Mozart, Verdi, Rossini, Strauß u. a. – sowie einigen speziellen musikalischen Besonderheiten.

Im Jahre 2003 wurde der German Australian Opera Grant vom Ex-Wiesbadener und Opern-Enthusiast Hans Henkell und dem ehemaligen Wiesbadener Kapellmeister David Kram im australischen Melbourne gegründet. In einem nationalen Wettbewerb für junge Sängerinnen und Sänger werden die größten Operntalente des Landes von einer Fachjury, zu der neben australischer Musikprominenz auch ein Wiesbadener Theatervertreter gehört, ausgewählt. Der attraktive Hauptpreis, der von zahlreichen australischen Sponsoren und Unterstützern der deutsch-australischen Gemeinschaft in Kooperation mit dem Goethe-Institut in Australien getragen wird, ist ein Jahresstipendium für ein Engagement am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Hier können die jungen Talente praktische Bühnenerfahrung sammeln und den Grundstein zu einer Karriere in Europa und von internationaler Reichweite legen.

Mit Sarah Jones (Sopran), Sharon Kempton (Sopran), Celeste Haworth (Mezzosopran), Alexander Knight (Bariton), Christopher Rickerby (Bariton)

Am Klavier Albert Horne

Die neue Liederabend-Reihe entstand in Kooperation mit den Theaterfreunden Wiesbaden e. V..

Montag, den 7. November 2016
19:30 Uhr
Foyer
Eintritt 12 Euro / ermäßigt 6 Euro
 
Karten sind an der Theaterkasse im Großen Haus telefonisch unter 0611.132 325 oder auf www.staatstheater-wiesbaden.de erhältlich.

Pressemeldung Staatstheater Wiesbaden

Stavanger, 25 Jahre Internationales Kammermusikfestival in Norwegen, August 2015

September 13, 2015 by  
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International Chamber Music Festival / Martin Först Christian Ihle Hadland © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Martin Först Christian Ihle Hadland © Nikolaj Lund

 

Martin Fröst und Christian Ihle Hadland – ein würdiges Finale für eine fünfjährige Zusammenarbeit

International Chamber Music Festival

Meisterhaftes Zusammenspiel

Norwegens internationales Kammermusikfestival ICMF feiert 25 Jahre

Ein anspruchsvolles Publikum für ein Musikfestival aufzubauen, ist eine lange und mühevolle Aufgabe. Es ist ein Prozess, bei dem der Zuhörer gepflegt sein will. Letztlich ist entscheidend, dass das Publikum Vertrauen in die Programmentscheidungen der Festivalmacher setzt. Das hat Norwegens internationales Kammermusikfestival in Stavanger geschafft: Kaum eine andere Veranstaltung dieser Art kann sich eines aufmerksameren Publikums rühmen; da sind sich Musiker und Kritiker einig.

Das ICMF feiert sein 25. Jahr und ist selbst wie ein gut eingespieltes Kammerensemble, in dem jeder seinen Part so gut kennt, dass selbst eine plötzlicher heftiger Schlag, wie der Ausfall einer der Hauptkünstler der Veranstaltung, das Orchester nicht aus der Bahn wirft. Tatsächlich spielt diese Gruppe so gut zusammen, dass weder das Publikum noch die Künstler etwas von der organisatorischen Akrobatik mitbekamen, die wohl bis in die frühen Morgenstunden geleistet wurde, um die Lücken im Programm zu füllen, als der künstlerische Ko-Direktor des ICMFs, Martin Fröst, in letzter Minute wegen Krankheit absagen musste. Die Show ging einfach weiter.

Der bekannte Klarinettist sollte beim diesjährigen ICMF zahlreiche Konzerte spielen und als Dirigent mit dem Stavanger Orchester ein ambitioniertes Programm zeigen. Fröst wurde zwar vermisst wurde, aber es fanden sich wie durch ein Wunder als Ersatz die exzellenten Klarinettisten Hermann Stefásson und Thorsten Johanns, und Dirigent Anu Tali übernahm seine Dirigentenparts im, wenn auch leicht veränderten, Programm.

Anspruchsvolle Ohren kamen beim diesjährigen ICMF mehrfach auf ihre Kosten. Besonders in Erinnerung bleiben unter anderem die Auftritte des künstlerischen Ko-Direktors und Pianisten Christian Ihle Hadland. Von seiner Interpretation von Mozarts Quintett für Klavier und Bläser, mit dem das Festival eröffnete, über Lieder von Ravel und Britten, Faure-Duetten, Brahms’ F-Moll-Klavierquintett und einer in letzter Minute ins Programm aufgenommenen Darbietung von Mozarts Konzert in A-Dur (K.414) lieferte Ihle Hadland durchweg gefühlvolle und glänzende Aufführungen.

International Chamber Music Festival / Streichquartett - Quatuo Ebene - Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Streichquartett – Quatuo Ebene – Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

Die sehr eng miteinander verbundenen Musiker des Streichquartetts Quatuor Ebèné sorgte ebenfalls für Hörgenuss. Seine Aufführung von Beethovens Quartett in A-Moll Opus 132 war bewundernswert, bewegte sich aber leider nur in einem Lautstärkeumfang von Pianissimo bis Mezzoforte. Das mag in einem Aufnahmestudio wünschenswert sein, lässt aber ein Publikum unbefriedigt zurück, wenn selbst in der exzellenten Akustik von Norwegens ältester Kathedrale das Cello häufig nicht zu hören ist.

Das Zusammenspiel von Quatuor Ebèné ist exzellent und zwar in einem Maße, dass die Musiker häufig ihr Publikum zu vergessen schienen. Anders bei der Aufführung von Schuberts Streichquartett in C-Dur – zu Recht ein Festivalklassiker –: Gast-Cellist Alexei Stadler zwang das Streichquartett, aus seiner eigenen Welt herauszutreten und mit „draußen“ zu kommunizieren. Das Ergebnis war eine berührende Aufführung eines der meist geschätzten Werke der Kammermusik und zeugte von der Sorgfalt und großem Ideenreichtum des Ensembles. Gleiches war auch der Fall, als Bratschistin Jennifer Stumm für 1313 Streichquintett K.515 hinzukam, wenn auch das Zusammenspiel weniger homogen war.

International Chamber Music Festival / Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

Alexei Stadler war während des Festivals bei vielen Gelegenheiten zu hören. Er demonstrierte seine große Musikalität bei der Aufführung von Schostakowitschs Cello-Sonate. Zusammen mit Boris Brovtsyn (Violine) und Itamar Golan (Klavier) lieferte er zudem eine superbe Performance von Tschaikowskis Piano-Trio. Trotz meiner Vorbehalte gegenüber dem Werk war die Aufführung sicherlich ein Festspielhöhepunkt.

Auch Itamar Golan erwies sich beim diesjährigen ICMF mehrfach als tadelloser Musiker mit großen Kammermusikfähigkeiten. Der Pianist, der eher im romantischen Repertoire zuhause ist, zeigte gemeinsam mit dem österreichischen Cellisten Clemens Hagen eine besonders beeindruckende Aufführung von Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“, Opus 102 für Cello und Klavier.

International Chamber Music Festival / Sharon Bezaly © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Sharon Bezaly © Nikolaj Lund

Hagens Performance von Haydns C-Dur-Konzert bewies große Finesse und tiefes musikalisches Verständnis, obwohl es zum Teil schwierig war, das Cello aus dem Orchester herauszuhören. 1B1, ein Jugendensemble aus jungen Musikern aus der Region unter Leitung von Violinist Jan Bjøranger, spielte sorgfältig und mit Enthusiasmus.

Sharon Bezalys Interpretation von Schuberts Thema und Variationen auf „Trockne Blumen“ für Flöte und Klavier D.802 demonstrierte die präzise Technik und den soliden Klang des Flötisten. Hornistin Annamia Larsson spielte eine überzeugende Interpretation von Mozarts Hornquartett, zeigte aber in ihren weiteren Festivalauftritten Ermüdungserscheinungen.

Mit Benjamin Brittens Cabaret Songs bewies Sopranistin Measha Brueggergosman ihre beeindruckende Fähigkeit, die stark kontrastierenden Stimmungen dieser sehr verschiedenen Lieder zu transportieren.

International Chamber Music Festival / Christian Ihle Hadland und Sopranistin Measha Brueggergosman © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Christian Ihle Hadland und Sopranistin Measha Brueggergosman © Nikolaj Lund

Eine großartige Aufführung von Brahms’ F-Moll-Sonate durch die beiden künstlerischen Festivaldirektoren Christian Ihle Hadland und den fast wieder gesunden Martin Fröst brachte das ICMF 2015 zum Abschluss. Es war ein würdiges Finale für eine fünfjährige Zusammen – arbeit, die dem Festival eine große Zahl an in Erinnerung bleibenden Aufführungen und Kooperationen gebracht hat. Die Veranstaltung in diesem Jahr war wieder ein Triumph für die Festival-Organisatoren und ihre mehr als 120 ehrenamtlichen Helfer, die durch ihr Engagement, ihren Enthusiasmus und die Professionalität beeindruckten, mit der sie ihre Aufgaben auf dem Festival unermüdlich übernahmen.

International Chamber Music Festival / Über 120 ehrenamtlicher Helfen beim ICMF © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Über 120 ehrenamtlicher Helfen beim ICMF © Nikolaj Lund

Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für den Erhalt dieses fein gestimmten Instruments – Norwegens Internationalem Kammermusikfestival – sorgen und der Veranstaltung den Schwung geben, den es braucht, um auch in den nächsten 25 Jahren derart gute Arbeit zu leisten wie bisher.

Das würde auch künftigen Zuschauergenerationen die Chance geben, hochkarätig besetzte Kammermusikensemble bei einem der feinsten Kammermusikfestivals Europas zu genießen.

IOCO / B O’S / August 2015

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