Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Fledermaus – Johann Strauss, 25.01.2020

Dezember 13, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

DIE FLEDERMAUS  –  JOHANN STRAUSS (SOHN)

Text Richard Genée,  nach  Le Réveillon von Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Premiere 25. Januar 2020

Der berühmte Operetten-Klassiker von Johann Strauß (Sohn) in der bildgewaltigen Inszenierung von Regisseur Axel Köhler kommt endlich auch auf die Düsseldorfer Bühne. Zur Premiere am Samstag, 25. Januar 2020, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf laden wir Sie herzlich ein.

IOCO wird auch diese Fledermaus gerne heimsuchen und berichten

Gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Frank Philipp Schlößmann macht Axel Köhler den Protagonisten Gabriel von Eisenstein zu einem umtriebigen Düsseldorfer Lokalpolitiker, der mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs der Landeshauptstadt zu neuem Glanz zu verhelfen will. Vor dieser intergalaktischen Kulisse tanzt, singt und spielt ein großes Ensemble aus Hausmitgliedern und Gästen wie dem bekannten Schauspieler Wolfgang Reinbacher als Frosch. Die musikalische Leitung der Premiere hat der Generalmusikdirektor der Kieler Oper, Benjamin Reiners, zu erleben sind die Düsseldorfer Symphoniker und der Chor der Deutschen Oper am Rhein.

Johann Strauss im Winer Stadtpark © IOCO

Johann Strauss im Wiener Stadtpark © IOCO

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, das klingt wie ein Stoßseufzer passend zum Wiener Börsenkrach, der 1873 ganz Europa erschüttert hatte. Doch mit der Uraufführung von Johann Strauß’ (1825 –1899) Die Fledermaus knapp ein Jahr später war nicht an ein gemeinschaftliches Wundenlecken gedacht, sondern an einen Kassenschlager für das noch junge und keineswegs mühelos auf die Beine kommende Genre der Wiener Operette.

Zielscheibe der eigentlich bösartigen Intrige ist der honorable Herr von Eisenstein. Er muss für acht Tage wegen ungebührlichen Betragens ins Gefängnis. Sein Hausfreund rät ihm, es vorab noch einmal richtig krachen zu lassen, und nimmt ihn mit auf das Fest des Prinzen Orlofsky. Dort will er sich an Eisenstein für eine vergangene Schmähung rächen. Der ganze Spaß endet hinter Gefängnismauern, wo alle Hochstapelei und selbst ein handfester Justizirrtum zu einem Happy End führen.

Axel Köhler und Frank Philipp Schlößmann haben dem Operettenklassiker eine zuträgliche Frischekur verordnet und dem Operettenunsinn stattgegeben, der sich laut Karl Krauss „von selbst versteht und nicht die Reaktion der Vernunft herausfordert“.

MUSIKALISCHE LEITUNG : Benjamin Reiners / Patrick Francis Chestnut, INSZENIERUNG : Axel Köhler, BÜHNE UND KOSTÜME : Frank Philipp Schlößmann
BELEUCHTUNG : Volker Weinhart, CHORLEITUNG : Patrick Francis Chestnut, CHOREOGRAPHIE : Mirko Mahr, DRAMATURGIE : Hella Bartnig

GABRIEL VON EISENSTEIN : Norbert Ernst / Cornel Frey, ROSALINDE : Anke Krabbe / Anna Princeva, GEFÄNGNISDIREKTOR FRANK : Thorsten Grümbel / Stefan Heidemann, PRINZ ORLOFSKY : Kimberley Boettger-Soller / Maria Boiko, ALFRED : Jussi Myllys / Ibrahim Yesilay, DR. FALKE : Kay Stiefermann / Christoph Filler, DR. BLIND : Johannes Preißinger / Luis Fernando Piedra, ADELE : Sibylla Duffe / Heidi Elisabeth Meier / Lavinia Dames, IDA : Birte Hopstein / Helena Günther, FROSCH : Wolfgang Reinbacher, STAATSANWALT : Manfred Klee / Volker Philippi, TÄNZERIN : Chin-A Hwang / Ewa Bienkowska, Birgit Mühlram, Anna Pawlowa-Lichtenwald / Marina Aikaterini Rouka, Ewa Bienkowska / Amanda Cruz-Portuondo, Ran Takahashi / Marina Aikaterini Rouka, Ran Takahashi / Chiara Jovy, Ewa Bienkowska / Tamara Gigauri, Sofia Klein-Herrero / Marina Aikaterini Rouka

ORCHESTER : Düsseldorfer Symphoniker / Duisburger Philharmoniker, CHOR : Chor der Deutschen Oper am Rhein

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Paris, Opéra Bastille Paris, Fürst Igor – Alexander Borodin, IOCO Krik, 13.12.2019

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Opera National de Paris

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

 FÜRST IGOR – Alexander Borodin

– Ein Dialog zwischen zwei Kulturen –

von  Peter M. Peters

Alexander Porfirjewitsch Borodin (1833-1887) wurde als illegitimer Sohn des Fürsten Imerentinsky geboren. Seine große musikalische Begabung zeigte sich frühzeitig, dennoch studierte er Medizin und Chemie und wurde zunächst Militärarzt. Bald widmete er sich ausschließlich der Wissenschaft und machte sich einen Namen mit einigen wichtigen Erfindungen in der organischen Chemie. Zugleich war Borodin ein leidenschaftlicher Musiker; sein Vorbild fand er in Michail Glinka (1804-1857), dem Begründer der nationalen russischen Kunstmusik. In den 50er Jahren lernte er alle wichtigen russischen Komponisten seiner Zeit kennen und wurde in den Freundeskreis der «Fünf» aufgenommen, der als «Mächtiges Häuflein» Musikgeschichte gemacht hat. Besonders beeinflusst wurde er von Mili Alexander Balakirev (1836-1910), bei dem er seit 1862 studierte. 1869 begann er mit der Arbeit an seinem Hauptwerk, Fürst Igor, die er immer wieder unterbrach und bis zu seinem Tode nicht vollendete.

Fürst Igor hier Teaser des Regisseurs Barrie Kosky
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Borodins Freund, der Kunstwissenschaftler Wladimir Stassow (1824-1906) schlug Borodin das altrussische Igorlied als Opernsujet vor, das wegen seiner breiten epischen Motive, seiner nationalen Elemente, den vielfältigen Charakteren und Affekten, wegen seiner Dramatik und seinem östlichen Kolorit Borodins Talent und künstlerischem Naturell zu entsprechen schien. Der Komponist schrieb sein Libretto selbst, indem er nach allen verfügbaren Quellen forschte und erarbeitete elf Nachdichtungen des mittelalterlichen Epos durch. Wie ein Historiker ging Borodin bei seiner Beschäftigung mit dem Stoff der Frage nach, ob Personen und Gehalt des Igorliedes in den Bereich von Geschichte oder Legende gehören. Seine Skizzen zeigen, dass er im konkreten Einzelfall historische Ereignisse zusammenfasst, die sich nach seinen Quellen zwischen 1054 und 1223 zugetragen haben. Das Sujet war mehr als geeignet für den Komponisten, denn er selbst war die Frucht eines kaukasischen Fürsten und einer russischen Mutter, er war ein sogenannter Bastard.

Das Igorlied oder das “Lied von der Heerfahrt Igors, ein mittelalterliches Epos der Russ“.

Nach einem missglückten Feldzug im Jahre 1185 gegen die Polowzer wurde Fürst Igor Swjatoslawitsch von Nowgorod-Sewersky (1151-1202) von Khan Kontschak (verstorben 1187) gefangen genommen. Er wurde mit prinzlicher Würde behandelt einschließlich seines Sohnes Wladimir, dennoch wollte er flüchten mit diesem, doch dieser wehrte sich dagegen, denn inzwischen war er tief verliebt in dieTochter des Khans Khontschakovna. Die beiden Verliebten heirateten trotz der Einwände des Fürsten Igor. Die Überschneidungen des Epos und den historischen Begebenheiten hat Borodin geschickt in sein Libretto eingebettet. Zur kleinen Anmerkung: In allen Opernlibrettos sind im Grunde die sentimentalen Geschichten erfunden, jedoch unsere beiden Verliebten sind historische Personen. Trotz des Dualismus zwischen slawischen und orientalischen Ursprungs in seiner eigenen Person verfällt er nicht in billige Rassenkonflikte, sondern beide Kulturen werden von ihrer besten Seite behandelt. Denn wenn man ein wenig an der Oberfläche der Geschichte kratz sieht das ganz anders aus: Über ganz Europa in der christlichen Welt werden Nichtgläubige schonungslos mit grausamen Verfolgungskriegen, Inquisitionen, Foltern, Scheiterhaufen vernichtet und Horden von Kreuzrittern überfallen die orientalischen Länder einschließlich Jerusalem, alles im Namen der Kirche.

Opéra Bastille, Paris / Fürst Igor - hier : Elena Stikhina als Jaroslawna, Ildar Abdrazakov als Fürst Igor © Agathe Poupeney / Opera Bastille, Paris

Opéra Bastille, Paris / Fürst Igor – hier : Elena Stikhina als Jaroslawna, Ildar Abdrazakov als Fürst Igor © Agathe Poupeney / Opera Bastille, Paris

Borodin verweigert die Musiksprache seiner Zeit, d.h.ineinander verflochtene melodische Rezitative und musikalische Aktionen (z.B. Wagner). Er zieht die traditionelle Trennung in Einzelstücke vor, indem er Arien, Monologe, Choreinheiten und Kantilenen vorzieht und sich dem italienischen Musikstil nähert und anpasst. Inspiriert von der Volksmusik integriert er gleichzeitig slawische und orientalische Weisen in sein Werk, die besonders in den populären Chor- und Tanzszenen hörbar sind. Das beste Beispiel sind wohl die berühmten Polowzer Tänze, die uns aus Konzertsälen vertraut sind. Auffallend sind die diatonischen Modulationen in der russischen Sphäre zum Kontrast mit der chromatischen Ebene im orientalischen Bereich. Der Komponist zeigt sich als raffinierter Kolorist indem er musikalische Harmonien mit hinreißenden sensuellen orientalisierenden Wollustballungen tönt. Borodin hinterließ die Oper als Fragment, lediglich 8 der 29 Nummern waren als Partitur vollendet. Seine Existenz verdankt das Werk Alexander Glasunow (1865-1936) und Nikolaj Rimskij-Korsakow (1844-1908). Letzter schrieb einige Takte neu, verfasste Text und instrumentierte. Glasunow ergänzte den 3.Akt nach Themen und Ideen von Borodin und schrieb die Ouvertüre aus dem Gedächtnis nieder. Wahrscheinlich wurde jede Nummer in der Endfassung von Rimskij-Korsakow mitgestaltet. Schon bei der ersten Aufführung der Oper am Marinskij-Theater St.Petersburg (4. November 1890) versuchte man durch Kürzungen, besonders im 3.Akt, die Handlung zu straffen. Das Werk hat viele Umarbeitungen und Kürzungen im Laufe seiner Geschichte erhalten und dass besonders in Deutschland. Die deutsche Uraufführung in Mannheim im Jahre 1925 stand unter einem schlechten Stern, denn die problembeladene Übersetzung von Alexandra Alexandrowa befand man für nicht überzeugend. 1957 dirigierte der serbische Dirigent Lovro von Matacic (1899-1985) an der Deutschen Staatsoper Unter den Linden Berlin eine neue Version, indem er aus der Orchestermusik des 2. und 3.Aktes Zwischenspiele gestaltete die die einzelnen Bilder verknüpfen sollten. Matacic kam, obwohl er keinen Einblick in das Autograph hatte, zu Ergebnissen, die Borodin selbst erwogen hatte. Das verhältnismäßige selten aufgeführte Werk wird natürlich heutzutage in Originalsprache und mit den letzten in den 70er Jahren in Moskau gefundenen integrierten Musikfragmenten inszeniert.

 Fürst Igor in der Opéra Bastille Paris – 4.Dezember 2019 –

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Der Regisseur Barrie Kosky verlegte das Drama in eine undatierte Neuzeit indem nur im Prolog ein kurzer Moment der Prunk der zaristischen Vergangenheit sichtbar wird: Eine orthodoxe Kapelle mit Gold überladen und mit einem unübersehbaren blauen Neonkreuz aus der Gegenwart versehen. Diese sinnbildliche Machtkonzentration des schlechten Geschmackes ist keine Erfindung des Regieteams, sondern auf Reisen in die Balkanländer, Russland und nicht zu vergessen Griechenland haben sie uns oft zum Schmunzeln und zur Empörung verführt. Auf einem kostbaren Thron sitzt Fürst Igor und teilt seinem Volk die Kriegserklärung gegen die Polowzer an. Eine plötzliche erscheinende Mondfinsternis verursacht bei Igor Wahnvorstellungen, die er zu verdrängen sucht; jedoch das arme abergläubige Volk schreit und heult ängstlich. Der Fürst Galitski versucht in der Abwesenheit seines Schwagers die Macht zu übernehmen, indem er die verbliebenen Soldaten mit orgienhaften Festen zu gewinnen sucht. Galitskis Palast wird zu einem Musterbordel: Vulgäre besoffene Soldaten vergewaltigen ohne Hemmungen Bürgermädchen, adlige Damen oder junge Nonnen werden entführt und geschwängert. Die ganze Stadt ist in Aufruhr und versteckt sich ängstlich vor Galitzki und seinen brutalen Horden. Inzwischen in Igors Palast wartet sehnsüchtig seine Frau Jaroslawna auf seine siegreiche Heimkehr. Obwohl sie sich mit viel Mut und Entschlossenheit gegen die obszönen Annäherungen ihres Bruders wehrt ist sie doch recht hilflos gegen seine erfolgreiche Invasion zur Macht. Im Lager der Polowzer feiert man den Sieg, denn Igor hat die Schlacht verloren und ist mit seinem Sohn in Gefangenschaft geraten. Unserer Meinung ist die Regie hier nicht Glaubwürdig, denn Borodins Text und Musik zeigt eindeutig einen versöhnenden und friedensuchenden toleranten Kontschak. Die Botschaft vermittelt das zwei ungleiche Kulturen und Religionen trotz aller Konflikte in Frieden miteinander leben können. Aber hier wird der Khan als ein grausamer blutdurstiger Tyrann gezeigt der seine Feinde mit sadistischer Brutalität in Ketten legt und ins Gefängnis wirft. Große Chorszenen, Foto unten, und Tänze im 3. Akt vermittelt die Freude über den Sieg der Polowzer. Die berühmten Tänze werden hier von dem österreichischen Choreographen Otto Pichler in einer äußerst interessanten Tanzsprache gezeigt, indem er zwischen modernem Tanztheater und akrobatischem Mummenschanz jongliert. Leider fehlt die orientalische Sensualität und Sinnlichkeit, sodass alles zu einem rohen barbarischen und obszönen Orgientanz abfällt.

Opéra Bastille, Paris / Fürst Igor - hier : eine der großen Chorszenen © Agathe Poupeney / Opera Bastille, Paris

Opéra Bastille, Paris / Fürst Igor – hier : eine der großen Chorszenen © Agathe Poupeney / Opera Bastille, Paris

Der 4. Akt ist mit dem Prolog unserer Meinung der wohl gelungenste der ganzen Produktion. Auf der fast leeren Bühne zeigt sich im tiefblauen nebligen Abendhimmel eine Autobahn die auf uns zu kommen scheint und abrupt an der Bühnenrampe halt macht. Dieses Bild an sich ist schon sehr eindrucksvoll und erweckt viele persönliche Erinnerungen eines jeden Zuschauers. Für uns ist es das Symbol der Abfahrt, der Ankunft, des freudigen Wiedersehen, des Abschieds für immer, aber auch der Krieg, die Deportation, die Flucht, die Heimkehr und der Tod. Aus dem Nebel erscheint eine zarte junge Frau die an zu vielen Koffern und Taschen ermüdend nieder sinkt. Jaroslawna ist auf der Flucht und versucht ins Polowzer Land zu kommen um ihren Gattin zu folgen. Der zweite Flüchtling ist Igor und so sind die beiden in ihrem Leid im grenznahen Niemandsland wieder vereint. Immer mehr Elend in Form von Menschenmassen aus allen Richtungen erscheint am Ende der Autobahn und versucht eine glücklichere Zukunft zu erhaschen. Dieses ausdrucksstarke Bild sagt mehr als tausend Worte und wir befinden uns unmittelbar in unser Vergangenheit und der aktuellen Zukunft. Eine teilweise sehr starke Produktion die aber leider mehrmals in banale schwarzweiße Malerei abrutscht und die vielen wichtigen Zwischentöne vergisst die ein großes visionäres Bild auszeichnen.

Von der musikalischen Seite war es ein Hochgenuss und das Orchester mit seinem musikalischen Direktor, der schweizer Dirigent Philippe Jordan, einschließlich der wunderbare Chor, unter der Leitung des argentinischen Chorleiters José Luis Basso hat eine überwältigende Leistung vollbracht und den großen Applaus verdient. Die Sänger sind außer vier Ausnahmen durchwegs russisch und sind bis in die kleinste Rolle einfach sensationell.

Fürst Igor hier Ildar Abdrazakov als Fürst Igor
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Der Bass-Bariton Ildar Abdrazakov in der Titelrolle des Fürst Igor ist schlicht umwerfend vom sängerischen sowie vom schauspielerischen, und das tiefschwarze samtige Timbre umfasst die ganze komplexe Gestalt des Igor: Willenskraft und Menschlichkeit. Die Jaroslawna wird von der jungen Sopranistin Elena Stikhina hinreißend interpretiert, indem ihr Sopran lirico-spinto in allen Lagen wahre Wunder erreicht und die Farbpalette ihrer Stimme unerschöpflich erscheint. Die georgische Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili ist schon an allen großen Häusern ein bekannter Gast und ihr unverwechselbares sinnlich-erotisches dunkles Timbres zeigt auch in der Rolle der verliebten Kontschakowna, das sie mit ihrer Stimme hemmungslose Verführungskünste vollbringen kann. Der tschechische Tenor Pavel Cernoch ist in der Rolle des Wladimir einzigartig besetzt; sein lyrisch-dramatisches Timbre besitzt Leichtigkeit, Gewandtheit und Anmut, gleichzeitig die nötige Stärke für einen dramatischen Ausbruch. Der Bass Dmitry Ulyanov als Fürst Galitzki macht mit Stimme und Spiel seiner Rolle alle Ehren: Boshaftigkeit, Vulgarität, Unverschämtheit auch die nötige großmäulige Feigheit. Der Bass Dimitry Ivashchenko verleiht mit seiner auftrumpfenden Stimme die nötige Autorität des Siegers Kontschak, obwohl ihm Menschlichkeit und Güte laut Regie leider versagt ist. Ein für uns unverständlicher und unangebrachter Einschnitt in Borodins Vision. Eine große Leistung vollbrachte der Charaktertenor Vasily Efimov als getaufter Polowzer Owlur, eine schrullige im Geiste zurück gebliebene Gestalt. Die beiden volkstümlichen Gestalten: zwei Gudok-Spieler, Skula (der polnische Bass Adam Palka) und Jeroschka (der Tenor Andrei Popov) sind äußert überzeugend in den Rollen der beiden sogenannten Narrateure, indem sie sich bauernschlau und behände vom Anfang bis zum Ende durch die Geschichte winden und schleichen und doch immer das Leben bejahend.

Das Beeindruckendste war trotz aller großen Sängerleistungen der Chor, der mit vielen gewaltigen Massenszenen geradezu rasend über die Bühne eilt und mitreißende Bilder hervor brachte. Man könnte geradezu von einer Chor-Oper sprechen. 

—| IOCO Kritik Opéra National de Paris |—

Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere Die verkaufte Braut, 16.11.2019

November 7, 2019 by  
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Theater Pforzheim

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Dorfidyll voller Tücken und Überraschungen – mit folkloristischem Flair und lyrischen Arien!

Premiere der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana

Pforzheim. Wenzel, der Sohn des reichen Bauern Micha, ist ein Außenseiter im Dorf, denn er stottert. Marie, deren Eltern Schulden bei Micha haben, soll mit Wenzel verheiratet werden. Doch sie liebt den armen Hans und tut alles dafür, dass Wenzel der Hochzeit nicht zustimmt. Der Ehevermittler Kezal bringt jedoch Hans dazu, auf Marie gegen Bezahlung zu verzichten – und so verkauft Hans seine Geliebte zu aller Entsetzen. Hans besteht aber auf einer Klausel im Ehevertrag, die besagt, dass Marie nur mit einem Sohn des Bauern Micha verheiratet werden darf. Was passiert nun mit Wenzel, und wird Marie doch noch mit ihrem Hans glücklich werden? Am Samstag, 16. November um 19.30 Uhr feiert die Oper „Die verkaufte Braut“ von Bed?ich Smetana ihre Premiere im Großen Haus des Theaters Pforzheim.

Regisseur Gregor Horres sagt über seine Inszenierung: „Im Zentrum dieser Geschichte steht die junge Marie, die vor vielen Jahren von ihrem Vater an einen reichen Bauern für Geld verkauft wurde. Inzwischen ist Zeit vergangen. Marie hat sich in Hans verliebt. Um die Heirat zwischen Marie und dem Sohn des reichen Bauern zu realisieren, bedient man sich nun eines Heiratsvermittlers, der alle Hebel in Bewegung setzt, Hans auszuschalten. Was keiner weiß, Hans ist der erste Sohn des reichen Bauern. Er wurde aus dem Haus geworfen und will sich nun an seinen Eltern rächen. Die Eltern planen, ihren zweiten Sohn mit Marie zu verheiraten. Hans‘ Ziel ist es, diesen Plan der Eltern zu verhindern.

Das Schicksal dieser drei jungen Menschen steht im Zentrum meiner Arbeit. In der dörflichen Gemeinschaft finden diese drei jungen Menschen keinen Halt. Obwohl sie dort leben, sind sie Außenseiter. Die Gemeinschaft trifft sich auf einem Fest, geht dann wieder auseinander. Viel wissen die Menschen nicht voneinander. Sie erkennen noch nicht einmal in dem zugereisten Hans den ‚ehemaligen‘ Sohn des reichen Bauern. Man könnte dies fast als Zeichen einer Erosion des dörflichen Lebens deuten – fast im Sinne des Romans von Juli Zeh „Unterleuten“. Träume, Wünsche, Sehnsüchte besitzen diese jungen Menschen selbstverständlich. Sie wissen, was sie nicht wollen, befinden sich auf der Suche nach ihrem eigenen Weg. Eine Möglichkeit, einen ganz anderen Weg zu gehen, zeigt der Zirkus auf. Innerhalb des Zirkus verbinden sich die Gegensätze. Der Bär tanzt mit der Esmeralda, bekannt für ihre Seitensprünge, unter den Augen des Indianers. Die Welt in dem Dorf glaubt, jedes Problem mit Geld und einem dazugehörigen Vertrag lösen zu können.“

Mit der Oper „Die verkaufte Braut“ wurde Bed?ich Smetana zum Nationalkomponisten Tschechiens. Die Ouvertüre und der „Furiant“, ein schneller Volkstanz, werden häufig in Konzertprogrammen gespielt. Die Musik der Oper begeistert durch folkloristisches Flair und lyrische Arien, die sich mit lebendigen Chören abwechseln. Voller Lebensfreude werden typische Charaktere einer Dorfgemeinschaft vor Augen geführt, samt ihren Abgründen und liebenswerten Eigenheiten.

„Die verkaufte Braut“

Komische Oper von Bed?ich Smetana
Libretto von Karel Sabina
Deutsche Übersetzung von Kurt Honolka
In deutscher Sprache

Mit Tomas Möwes, Dorothee Böhnisch, Stamatia Gerothanasi/Anna Gütter, Aleksandar Stefanoski, Jina Choi, Philipp Werner/Benjamin Werth, Dirk Konnerth, Lukas Schmid-Wedekind, Steffen Fichtner/Karel Pajer, Elisandra Melián/Helena Steiner und Spencer Mason

Chor des Theaters Pforzheim
Extrachor des Theaters Pforzheim
Badische Philharmonie Pforzheim
Musikalische Leitung Florian Erdl
Inszenierung Gregor Horres
Bühnenbild und Kostüme Jan Bammes
(R)Einblicke – die öffentliche Probe am Samstag, 9. November um 11.30 Uhr im Großen Haus
Opernfrühstück am Sonntag, 10. November um 11 Uhr im Foyer

Premiere am Samstag, 16. November um 19.30 Uhr im Großen Haus mit Einführung um 19.10 Uhr im Foyer

Weitere Vorstellungen am So, 24. und Di, 26. November sowie an weiteren Terminen im Laufe der Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

—| Pressemeldung Theater Pforzheim |—

Augsburg, Theater Augsburg, Lange Opern-Nacht – Don Pasquale und Halloween, 31.10.2019

Oktober 21, 2019 by  
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Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Lange Opern-Nacht:

»Don Pasquale« von Gaetano Donizetti und im Anschluss
das Late-Night-Special »(O)performance: Halloween«

Wer an Halloween ins Staatstheater kommt, darf Besonderes erwarten – und an diesem 31. Oktober 2019 nicht nur Donizettis quirlige Oper »Don Pasquale« genießen, sondern anschließend auch noch mit Sopranistin Olena Sloia in die Welt der Untoten, Vampire, Geisterjäger und einer Handvoll Bravourarien eintauchen. Beide Veranstaltungen sind natürlich unabhängig voneinander besuchbar. Viel Vergnügen!

Liebe, Geld & Lüge: Donizettis Komische Oper
»Don Pasquale« – Wiederaufnahme
Komische Oper in drei Akten von Gaetano Donizetti
Libretto Giovanni Ruffini (alias Michele Accursi)
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Gaetano Donizettis letzte Opera buffa (Uraufführung 1843) ist noch einmal ein Glanzstück des Genres. Der geizige, alte Don Pasquale heiratet die junge Norina, die jedoch mit dessen Neffen liiert ist. Unterstützt vom Arzt Malatesta spielt das junge Paar dem Alten eine Komödie vor, die ihm das Lachen vergehen lässt und das Liebespaar am Ende vereint. Diesen heiteren Stoff setzt Donizetti voller Leichtigkeit und lustvollem Geplapper in Töne: Weder Musik noch Figuren kommen jemals zur Ruhe.

Theater Augsburg / Don Pasquale © Jan-Pieter Fuhr

Theater Augsburg / Don Pasquale © Jan-Pieter Fuhr

Die renommierte Regisseurin Corinna von Rad hat die verspielte Opera buffa, in der sich die Figuren gekonnt zum Happy End manipulieren, lügen und singen, in der vergangenen Spielzeit auf die Bühne des Staatstheaters gebracht. Corinna von Rad, die bei Götz Friedrich Musiktheaterregie studierte und bei Christoph Marthaler assistierte, inszeniert an bedeutenden Bühnen wie dem Schauspielhaus Zürich, dem Münchner Residenztheater und der Staatsoper Berlin.

Zur hochkarätigen Sängerbesetzung der Augsburger Inszenierung zählt der Bassbariton Stefan Sevenich (Titelrolle), der längere Zeit Ensemblemitglied nicht nur in Augsburg, sondern auch an der Komischen Oper Berlin bzw. dem Gärtnerplatztheater in München war. Auch der Tenor Emanuele D`Aguanno, in Donizettis Oper in der Rolle des Ernesto zu erleben, gastierte an zahlreichen renommierten Opernhäusern, darunter München, Frankfurt, Parma, Venedig und Mailand. Aus dem Augsburger Ensemble geben die beiden Publikumslieblinge und Sopranistinnen Jihyun Cecilia Lee und Olena Sloia die Rolle der Norina zum Besten. Ganz neu mit dabei in der Inszenierung ist Bariton Wiard Witholt, der in dieser Spielzeit die Rolle des Doktor Malatesta übernimmt, nachdem er kürzlich auch schon als Harlekin in »Ariadne auf Naxos« zu erleben war.

Ab Donnerstag, dem 31. Oktober 2019 ist »Don Pasquale« auch in dieser Spielzeit auf der Bühne des martini-Parks zu erleben.

Premiere der Wiederaufnahme : 31.10.2019 19:30 | martini-Park

Weitere Termine
Fr 22.11.2019 19:30      | martini-Park
Sa 30.11.2019 19:30     | martini-Park
Fr 27.12.2019 19:30     | martini-Park
Sa 18.1.2020 19:30       | martini-Park
Di   4.2.2020 19:30       | martini-Park


Theater Augsburg / (O)performance: Halloween - Olena Sloia © Jan-Pieter Fuhr

Theater Augsburg / (O)performance: Halloween – Olena Sloia © Jan-Pieter Fuhr

Und im Anschluss: »(O)performance: Halloween«

Sie ist wieder da! Die (O)performance zu Halloween! Ein Reporter versucht, die Geheimnisse von Sopranistin Olena Sloia zu ergründen. Warum ist sie lichtscheu? Und wie bleibt sie so unsterblich jung? Begleitet von ihrem untoten Pianisten enthüllt Sloia ihm ihre Seele.
Eine Halloweenfeier für alle Untoten, Vampire, Geisterjäger und Wasserleichen – und das je gruseliger desto besser: Ob mit Fangzähnen, Buckeln, Unglücksraben oder Leichentüchern –  was immer aus Keller, Gruft und Dachboden geholt werden kann, ist willkommen in dieser schauerlich-feierlichen Unruhenacht im martini-Park.

Idee, Regie und szenische Einrichtung:         Aileen Schneider
Dramaturgie:                                                  Sophie Walz
Mit: Olena Sloia, Anatol Käbisch & Ted Ganger

Do 31.10.2019 23:00 | Foyer martini-Park

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