Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Keine Vorstellungen mit Publikum bis Herbst 2021, IOCO Aktuell, 27.04.2021

April 27, 2021 by  
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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Wuppertaler Bühnen – Tanztheater Pina Bausch

Keine Vorstellungen vor Publikum bis Ende Spielzeit 2020/21

„Das Elend ist zur Zeit fast immer und überall“, kann man die folgende Mitteilung der Wuppertaler Bühnen bezeichnen. Im  September 2020 beschrieb IOCO noch die eingeschränkte live-Premiere einer wunderbaren Zauberflöte, in welcher Sarastro als „waschechter“ Wuppertaler, link HIER, durch das Opernhaus spaziert und dort die Königin der Nacht und die Drei Damen heraus schmeißt (Foto unten) Nun, im folgenden, zur laufenden Spielzeit eine etwas enttäuschende Nachricht für alle Wuppertaler und IOCO; Lesen Sie selbst:

„Bis zum Ende der laufenden Spielzeit Anfang Juli 2021 werden keine regulären Aufführungen vom Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und den Wuppertaler Bühnen stattfinden können. Zahlreiche digitale Formate werden aber weiterhin angeboten.

Schweren Herzens hat die Stadtspitze gemeinsam mit den Leitungsteams der Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH und der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH entschieden, alle in Wuppertal geplanten Vorstellungen und Konzerte vor Publikum bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 abzusagen. Auch das Festival ›Sound of the City: Arbeit?‹ der Oper Wuppertal kann nicht stattfinden.

Die Zauberflöte an der Oper Wuppertal
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Diese Entscheidung resultiert aus dem Inkrafttreten des geänderten Infektionsschutzgesetzes und den aktuell hohen Corona-Fallzahlen in Wuppertal. Eine Wiederaufnahme des regulären Vorstellungsbetriebs vor Publikum ist in den kommenden Wochen nicht mehr möglich.

Aktuelle  Informationen zu  Oper, Schauspiel, Sinfonieorchester unter

wuppertaler-buehnen.de :

»Kulturbetriebe brauchen Planungssicherheit«, so der Kulturdezernent Matthias Nocke. »Die Entscheidung, dass wir keine Live-Veranstaltungen von den Wuppertaler Bühnen und dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch anbieten können, bedauere ich sehr. Aber es ist wichtig, zu diesem Zeitpunkt eine klare Entscheidung zu treffen, die es den beiden Kulturinstitutionen ermöglicht, sich mit ganzer Kraft auf die nächste Spielzeit 2021/22 zu konzentrieren. Ich freue mich sehr, dass sowohl die Wuppertaler Bühnen als auch das Tanztheater neue Wege gefunden haben, die Zeit des scheinbaren Stillstands konstruktiv zu nutzen, um kreative künstlerische Angebote digital anzubieten oder auch Produktionen fertigzustellen, die in der kommenden Spielzeit zur Aufführung gebracht werden.«

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen - sind erzürnt © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen – sind erzürnt © Jens Grossmann

Oper, Schauspiel und Sinfonieorchester der Wuppertaler Bühnen arbeiten weiterhin an zumeist digitalen Formaten, bei denen der Schutz von Mitwirkenden gewährleistet ist und zugleich die Bindung zu den Besucherinnen und Besuchern erhalten bleibt.

Die Oper Wuppertal wird die geplanten Neuproduktionen von Giuseppe Verdis ›La traviata‹ in konzertanter Aufführung und von Luigi Nonos ›Intolleranza 2021 per Stream zeigen. Mit ›La traviata‹ verabschiedet sich Generalmusikdirektorin Julia Jones von den Wuppertaler Opernfans. Die Produktion ›Intolleranza 2021‹, die im Rahmen von Engels2020 programmiert wurde, feiert im Juni 2021 ihre digitale Premiere.

Das Schauspiel Wuppertal wird weitere Folgen der Reihen ›Schnappschuss digital‹ und ›Das literarischen Solo – Podcast‹ veröffentlichen. Die für diese Spielzeit geplanten Produktionen ›Dantons Tod‹ von Georg Büchner und Dennis Kellys ›Waisen‹ werden aufführungsreif geprobt, um sie in der nächsten Spielzeit dem Publikum zu zeigen. »Wie in den vergangenen Wochen und Monaten, werden wir im Schauspiel weiter neue kreative Wege gehen, um die Verbindung zu unserem Publikum zu halten.«, so Schauspielintendant Thomas Braus.

Das Konzert des Sinfonieorchester Wuppertal ›Alles neu‹ mit Werken von Joseph Haydn, Robert Schumann und Aaron Copland unter Leitung der Generalmusikdirektorin Julia Jones und mit dem international gefragten Trompeter Simon Höfele wird am Fr. 21. Mai 2021 und am Sa. 29. Mai 2021 per Stream zu erleben sein. Darüber hinaus ist noch der Stream eines Familienkonzerts und ein Ensembleworkshop der Reihe ›BesserWeiterSpielen‹ in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk bis Ende Juni in Planung. Auch die Verabschiedung von Julia Jones Mitte Juni wird voraussichtlich in digitaler Form stattfinden.

Unter wuppertaler-buehnen.de informieren Oper, Schauspiel und Sinfonieorchester über Angebote und weitere Planungen. Termine des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch sind unter pina-bausch.de zu finden.

Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und die Wuppertaler Bühnen blicken hoffnungsvoll auf die Spielzeit 2021/22 und freuen sich auf ein Wiedersehen mit dem Publikum. Die Wuppertaler Bühnen werden die Spielzeit 2021/22 am Mo. 14. Juni 2021 präsentieren. Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch wird zeitnah eine Pressemitteilung zur Restspielzeit 2020/21 versenden und Anfang / Mitte Juni das Programm für 2021/22 vorstellen.

—| IOCO Aktuell Wuppertaler Bühnen |—

Dresden, Semperoper, Die Zauberflöte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 04.11.2020

November 3, 2020 by  
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Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden

Die Zauberflöte  –  Wolfgang Amadeus Mozart

– Der kindliche Tamino betrachtet sein Erwachsenwerden –

von Thomas Thielemann

Mit einer Presse-Aussendung hatte die Semperoper am 30. September 2020 mitgeteilt, dass in Anbetracht des begrenzten Corona-Infektionsgeschehens im Bundesland Sachsen ab dem November die in adaptierten Fassungen angebotenen Opern- und Ballettvorstellungen zwar unter Berücksichtigung geltender Hygiene-Maßnahmen, aber in nahezu voller Länge zur Aufführung kommen werden. Dazu sollten ein erweitertes Sitzplatzangebot, Pausen sowie die Öffnung des Garderobenservices und der gastronomischen Einrichtungen einen weiteren Schritt in Richtung einer Normalität erbringen.

Den Auftakt dieser lang erwarteter Entwicklung könnte am 1. November 2020  die Premiere der Inszenierung Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte von Josef Ernst Köpplinger in der vollen Länge bieten. Nun hatte sich seit der ersten Oktober-Dekade das Infektionsgeschehen auch im Freistaat derart rasant entwickelt, dass inzwischen auch in Sachsen der „Wellenbrecher-Lock Down“ zu praktizieren ist. Damit wurde für die Premiere die Besucherzahl wieder mit 331 Personen begrenzt und die Aufführungsdauer von 180 auf 125 Minuten eingedampft. Auch erfolgte die Aufführung ohne Pause sowie ohne die sonstigen angekündigten Verbesserungen.

Die Zauberflöte – making of mit Regisseur Köpplinger
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Es blieb zum Glück die Verortung der etwas mehr als dreißig Orchestermusiker der Staatskapelle mit dem musikalischen Leiter Omer Meir Wellber im Graben, so dass ein „normaler Klangeindruck“ gesichert blieb.

Wolfgang Amadeus Mozarts bekannteste Oper Die Zauberflöte wird oft als eine Mischung von Opera Seria, Opera Buffa und Singspiel abqualifiziert. Tatsächlich hat der Librettist und Theaterpraktiker Emanuel Schikaneder (1751-1812) dem Komponisten mehr als eine grobe Mischung aus Zaubermärchen, Maschinentheater sowie volkstümlicher Komödie, die er mit den Mysterien der Freimaurer anreicherte, vorgegeben. Natürlich bat der Theaterdirektor Schikaneder das befreundete Musikgenie Mozart vor allem um die Komposition eines erfolgversprechenden Beitrags für die finanzielle Sanierung seines Vorstadttheater auf der Wieden. Da das Theater mit dem Singspiel Oberon von Paul Wranitzki (1756-1808) bereits im Jahre 1790 großen Erfolg gehabt hatte, schlug Schikaneder dem Freund vor, den vergleichbaren Quellen, den Märchen der Sammlung des Christoph Martin Wieland (1733-1813) Dschinnistan zu folgen. Ausgewählt wurde das Werk Lulu oder Die Zauberflöte des Wieland-Schwiegersohns August Jacob Liebeskind (1758-1793). Verwoben wurde diese Vorlage mit Motiven der gleichfalls in der Sammlung enthaltenen Märchen von Friedrich Hildebrand von Einsiedel (1750-1828) Das Labyrinth und Die klugen Knaben sowie mit weiteren zeitgenössischen Werken unter anderem von Matthias Claudius (1740-1815).

Die Sammlungen sind vor allem in den 1780er Jahren in Weimar im Umfeld von Goethe und Herder, als Wieland von der Herzogin Anna Amalia als Erzieher ihrer Söhne nach Weimar berufen worden war, entstanden. Mit den literarischen Vorlagen waren der Zauberflöte bereits sozialethische Grundsätze von Schönheit, Weisheit und Stärke vorgegeben. Als „Freimaurer“ kombinierten die Schöpfer des Werkes deren Gedanken der Einheit von Humanität, Liebe, Bildung und Pathos. Des Weiteren sind Anklänge der Bewegung des fiktiven Christian Rosencreutzer, der mit einer kontinuierlichen Reformierung von Wissenschaft, Ethik und Glaube der Entfremdung zwischen Wissenschaft und Christlicher Kultur vorbeugen wollte, in das Libretto eingeflossen. In den Text sind leider auch Aspekte von Frauenfeindlichkeit und Rassismus eingegangen.

Semperoper Dresden / Die Zauberflöte © Ludwig Olah

Semperoper Dresden / Die Zauberflöte © Ludwig Olah

In seiner Inszenierung übertrug Josef E. Köpplinger den Kindern, diese massiven Vorgaben mit ihrer Sicht auf die Entwicklung der Hauptfiguren zu reflektieren. Das sorgfältig vorbereitete Konzept konnte in der gekürzten Fassung nach meinem Empfinden vollständig umgesetzt werden. Der jugendliche Tamino gerät in die „Wildnis des Lebens“, verstrickt sich, gerät in die Gefahren einer Schlange, der drei Damen der Königin der Nacht und wehrt sich.

Das Folgende geschieht in seiner Fantasie: auf der Bühne ist immer etwas los. Köpplinger gelingt dank seine Einfälle und der glänzenden Personenführung ein abwechslungsreiches Spektakel. Es wechseln Anleihen bei den Symbolisten mit mystischen Aspekten. Nicht alles ist neu, wäre auch bei der Fülle von Inszenierungen der Oper verwunderlich, ist aber immer gekonnt, unterhaltsam und logisch in das Bühnengeschehen eingebaut. Die schlüssige Entwicklung der Tamina vom aufmüpfigen Teenager zur Tamino-Gefährtin und des Tamino vom naiven, von der Königin manipulierten, Knaben zum Kandidaten der Sarastro-Nachfolge war schlüssig eingebunden. Logisch dass sich am Schluss das Paar nicht in die frauenfeindliche starre Männergesellschaft einbinden lässt und fröhlich in eine selbstgestaltete Zukunft abgeht. Ohne erhobenen Zeigefinger postuliert Köpplinger unsere modernen Auffassungen zum Verhältnis der menschlichen Gesellschaft zur Natur, schon weil diese Gedanken der Rosenkreuzer-Bewegung im Libretto Schikaneders angelegt sind.

Die Zauberflöte – making of mit Pamina und Tamino
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Musiziert und gesungen wurde auf hohem und höchstem Niveau. Mit seiner musikalischen Leitung gelang es Omer Meir Wellber der Mozart-Komposition eine besondere Intensität abzugewinnen. Sein faszinierender Ansatz war kraftvoll und dynamisch, die Tempi ausgewogen, ohne in sterilen Perfektionismus zu verfallen. Sein hervorragend gutes Verhältnis zu der hervorragenden Musiker-Besetzung der Staatskapelle blieb deutlich spürbar. Auch standen Wellber überwiegend großartige Sängerinnen und Sänger zur Verfügung, die er auf das Vollkommenste einzubinden verstand. Allen voran, der in seiner Heimatstadt lange vermisste René Pape, der als der Sarastro unserer Tage gilt. Dem Sarastro, den er seit 1988 im Repertoire hat, gab er Kraft seiner wundervollen Bassstimme Prägnanz und milde Autorität, aber eben auch Statik.

Dieser über dreißigjähriger Rollenpraxis stand das Rollendebüt von Nikola Hillebrand in der dem Sarastro ambivalenten Rolle der Königin der Nacht. Die Sängerin vom Mannheimer Nationaltheater, inzwischen zum Semper Ensemble gewechselt, brillierte mit einem hell strahlenden Sopran und sicherer differenzierter Gestaltung der Partie, während das Paar Pamina und Tamino mit jugendlicher Frische aufwartete. Die 2015 aus Finnland ins Hausensemble gekommene Tuuli Takala kam, nach ihrem Berliner Ausflug als Königin der Nacht, mit der Pamina sowohl im Gesang, als auch der Darstellung mit ihrer Natürlichkeit als rebellierender Teenager und andererseits mit ergreifender menschlichen Tiefe hervorragend zurecht.

Semperoper Dresden / Die Zauberflöte © Ludwig Olah

Semperoper Dresden / Die Zauberflöte © Ludwig Olah

Dem Tamino hatte die Regie den größten Spannungsbogen der Entwicklung vom Knaben zum würdigen Beinah-Nachfolger des Sarasto zugeordnet. Der amerikanische im Hausensemble Tenor Joseph Dennis aus dem Hausensemble, eigentlich erst in der Zweitbesetzung als Tamino vorgesehen, überzeugte mit positiver rustikaler Ausstrahlung.
Das Buffo-Paar Papagena und Papageno war den Ensemblemitgliedern Katerina von Bennigsen und Sebastian Wartig anvertraut worden. Dem komödiantischen Talent der Sopranistin blieben nur die Szenen mit dem „alten Weib“ und das Pa-Pa-pa-Duett, während Sebastian Wartig seinem „Affen ordentlich Zucker“ geben konnte. Auch mit seinem Gesang wusste er zu begeistern.

Als besonders widerwärtiges Trio die Damen der Königin, aber mit hervorragender Gesangskultur, boten die Sopranistinnen des Ensembles Roxana Incontrera und Stepanka Pucalkova sowie die Mezzosopranistin Christa Mayer ihre Auftritte. Archaisch hingegen die Beiträge der Geharnischten von Jürgen Müller und Matthias Henneberg. Statisch wie von der Regie angelegt, kamen die Priester Mateusz Hoedt und Gerald Hupach mit beeindruckenden Stimmen über die Bühne. Dazu wirkte auch prachtvoll der auf vierundzwanzig Sänger ausgedünnte Chor. Von Simon Espers Monostatus-Texten waren nur Teile den Streichungen entgangen. Vollständig hingegen konnten die drei routinierten Knabensoprane vom Tölzer Knabenchor in die Handlung eingreifen.

Mit der begeistert aufgenommenen Inszenierung von Josef E Köpplinger erhält das nicht gering an den Erfordernissen der Besucher der Stadt orientiertem Repertoire der Semperoper eine prachtvolle Ergänzung. Dabei wäre zu überlegen, ob nicht auch, wenn die Corona-Einschränkungen abgeklungen sein sollten, die gestraffte Fassung des Premierenabends den Erfordernissen des geringer opern-affinen Teiles des Publikums besser entgegenkommt.

Die Zauberflöte an der Semperoper; die nächsten Termine 4.12.; 12.12.2020; 2.1.2021 14.00; 2.1.19.00; .31.1.2021; 4.2. und mehr

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

Wuppertal, Oper Wuppertal, Die Zauberflöte – Sarastro ist ein Wuppertaler, IOCO Kritik, 16.09.2020

September 16, 2020 by  
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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Die Zauberflöte – Wolfgang Amadeus Mozart

Wuppertal – Die neue Heimat von Sarastro, Pamina und Tamino

von Viktor Jarosch

Die Zauberflöte, 1791 geschaffen von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Emanuel Schikaneder, begeistert ungebrochen seit dem Jahr ihrer Uraufführung die Kulturliebhaber aller Länder, sei es in Seoul, Los Angeles oder München, Wuppertal oder Berlin: Die Zauberflöte ist die populärste, meist inszenierte Oper weltweit. Mozarts abgeklärt zeitlose Musik, seine symbolhaften Akkorde, seine rätselhaft mystisch-phantastische Welt rührt jedes Jahr Millionen Besucher. Am Nektar dieses populären Werkes saugen seit 1791 zwangsläufig Legionen von Theater, Regisseuren, Dirigenten, Sänger/nnen.

Die Oper Wuppertal eröffnete am 13. September seine Spielzeit 2020/21 mit der Zauberflöte. Die Besucher feierten ein homogen starkes Ensemble und eine technisch ungewöhnliche wie sprudelnd vielschichtig kreative Neuinszenierung: Viele aktuelle und schräge Bezüge zu Wuppertal machen denn diese Produktion zudem zu einem humorig inspirierenden Event für Einheimische. Nach den Corona-Erfahrungen des abgelaufenen Jahres 2020 könnte diese Zauberflöte auch emotionaler Gesundbrunnen sein. Die Oper Wuppertal – kultureller Richtunggeber der Region und für viele kleinere Theater – zeigt in diesen Zeiten der Pandemie vor kleinem Publikum keine gekürzte, sondern eine vollumfängliche Aufführung der Zauberflöte und von ganz besonderer Art. Chapeau!

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen - sind erzürnt © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen – sind erzürnt © Jens Grossmann

Klassisch gestaltete Inszenierungen der Zauberflöte sind seit Jahren wenig aktuell. Eine speziell Wuppertaler Zauberflöte hatte der Wuppertaler Opernintendant Berthold Schneider schon in seiner Programmplanung gefordert. Regisseur Bernd Mottl inszeniert denn auch an der Oper Wuppertal eine Produktion, welche die Handlung auf der Bühne durch auffällig moderne Technik (Film, Video) und zahllos skurrile wie lokale Wuppertaler Bezüge neben der wunderbaren Musik Mozarts – auch – zu einem Erlebnis der Sinne macht. Ein Déjà-vu: Schon in der gelungenen Neuproduktion des Liebestrank der Oper Wuppertal im Februar 2020 spielte die Stadt Wuppertal in Form eines Statisten, des riesigen rosa Elefanten Tuffi,  beständig mit.

Bernd Mottl bricht gerne mit klassischen Regieansätzen; an der Oper Wuppertal wird die Zauberflöte zum Volkstheater für Musical Fans wie Opernliebhaber; eine moderner Leichtigkeit gewidmete Animationsshow, musikalisch untermalt von Mozarts Komposition: Bernd Mottl schafft in seiner Die Zauberflöte ein Volkstheater, im welchem, von Film- und Videotechnik brillant gestützt, Märchen und Alltagsrealität mit Mozarts klassischer Komposition beständig changieren; gestützt durch die Bühne und Kostüme von Friedrich Eggert und der Dramaturgie von Sina Dotzert. Das stellenweise bewusst kulissenhafte Bühnenbild greift die Ästhetik bekannter Entwürfe Karl Friedrich Schinkels zu Mozarts Singspiel auch in ironischer Brechung – auf.

Momente opulenten Ausstattungstheaters, so die antik „heiligen Hallen“ und die ehrwürdigen Talare des Sarastro und der Priester wechseln beständig, subtil wie laut, mit modern skurrilem Spiel. Jörn Hartmann zeigt dazu auf einem großen Bühnenschleier beständig aktuelle Filme, Videos, die als zentrales ästhetisches Mittel und als Brücke für Handlungsstränge der Lebensrealität der Wuppertaler begleiten, so am Döppersberg oder auf der Nordbahntrasse. Hervorragend gesteuerte Übergänge zwischen Video und Bühnengeschehen changieren reales Spiel und digitale Fiktion. Die stete Wechsel zwischen Ironie, plattem Alltag und klassischer Erhabenheit, lassen den Besucher, so auch mich, öfters grübeln, ob man wirklich im Theater ist oder nicht vielleicht doch in einem Fantasy-Film. Aus einer Zauberwelt kommend deutet Bernd Mottl, im Hier und Heute spielend, das Wuppertaler Opernhaus zu jenem „Weisheitstempel“ um, der Mittelpunkt von Streit und Machtintrigen zwischen der Königin der Nacht und Sarastro ist.

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann

Die Ouvertüren und die dann folgenden Handlungen werden  beständig durch Vdeossequenzen und Filme auf einem riesigen, 11 x 8 Meter großen, technisch vielschichtigen Bühnenschleier, kein  Vorhang, gestützt, karikiert, begleitet.

Zur Ouvertüre des 1. Aktes leuchtet auf diesem Bühnenschleier der Sternenhimmel des Weltalls auf. Die Erdkugel; dank Google Earth Satelliten-Karte, steigt langsam auf und lenkt den Blick des Besuchers auf langsam größer werdende Erdteile; auf Länder, Städte, Ortsteile um letztlich, gestochen scharf, die Oper Wuppertal von oben zu zeigen. Dann, unmerklich, dem Bühnenschleier erneut sei Dank, wandelt sich die Projektion in einen Film über reales Leben in Wuppertal: Eine riesige Schwebebahn fährt vorüber, Radfahrer, Fußgänger fahren, laufen an der Oper vorbei.

Die erste Handlung der Zauberflöte zeigt sich ebenfalls schon zur Ouvertüre auf dem Bühnenschleier: Die Drei Damen und die Königin der Nacht, in ehrwürdiger Kleidung, werden – Foto oben – aus der Oper geworfen, während Sarastro grinsend hinter einem Fenster der Oper zuschaut. Die Drei Damen und die Königin der Nacht stehen auf, schlendern nun durch Wuppertal, kleiden sich modern ein, kaufen sich einen Imbisswagen, nennen diesen BurgerQUEEN, verkaufen sodann Burger …..

Dieser Imbisswagen, die BurgerQUEEN,  findet sich in vielen Szenen der Handlung auf der Bühne wieder. Nach Ende der Vorstellung verabschiedet er mitsamt den Drei Damen vor den Türen des Opernhauses die Besucher auf ihrem Nachauseweg. Skurril wie originelle Facetten begleitet sodann durch die gesamte Handlung der Inszenierung; im ersten Bild, zu Taminos Arie „Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren…“ fährt (Video) hinter ihm eine riesige Schwebebahn über die Bühne, stoppt, zeigt „Betriebsstörung“ an. Derweil dann, aber ganz real auf der Bühne, Papageno als Strassenkünstler mit einem bunten Fahrrad auftaucht und seine Rezitative als packender Bauchredner mit einer Plüschente austauscht und die Bühne im Handstand (Kompliment) wieder verläßt. Doch auch gewohnte Klassik wird präsent, wenn der antike gestaltete  Tempel der Weisheit   mit pastoral feierlich gekleideteten Priester Würde, Milde ausstrahlt. Der Facettenreichtum der Inszenierung ist insgesamt sehr vielschichtig und entzieht sich so einer knappen Wiedergabe.

Das Programmheft der Oper Wuppertal kündigt diese speziellen Charakter der Zauberflöte schon in der Beschreibung des 1. Aufzug an: „Märchenprinz Tamino landet auf dem Grifflenberg und fürchtet sich … vor der Schwebebahn“.

Die Inszenierung von Bernd Mottl erhält in seiner Besonderheit alle Ingredienzien zum Volkstheater für Musical- oder Theater-Fans wie Opernliebhaber; den Spielplan der Oper Wuppertal wird diese auffällige Inszenierung mit Sicherheit auf Jahre zu finden sein und bestätigt erneut die Entscheidung der Wuppertaler Stadtoberen, welche vor einigen Jahren die mutige Entscheidung gegen ein Stagionesystem und für ein Repertoiresystem mit eigenem Ensemble für die Oper Wuppertal trafen: welches alle Formen von Kultur in Wuppertal dauerhaft halten, fördern sollte. Dies – eigene, neue, junge – Ensemble der Oper Wuppertal „schulterte“ diese so anspruchsvolle Oper, Zauberflöte, stimmlich und darstellerisch homogen wie hervorragend und bestätigt die Richtigkeit der damaligen Entscheidung: Die Zauberflöte der Oper Wuppertal verdeutlicht es: Kultur hat – selbst in Corona-Zeiten – in Wuppertal eigene, lokale, hohe Kompetenz; gibt der Stadt einen eigenen Charakter.

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann

Der Besucher ist in dieser Produktion gefordert; zurücklehnen und nur genießen ist nicht angesagt. Natürlich lockt das vielschichte und bunt skurrile Geschehen auf der Bühne und auf dem riesigen wie  ungewohnten Bühnenschleier die Sinne der Besucher an, lenkt ab von Mozarts Weltgeist, von dem musikalischen Geschehen, von Orchester und Stimmen ab..

Doch: George Petrou, Barock-Spezialist, in der Rolle der Musikalischen Leitung und erstmalig an der Oper Wuppertal, und das Sinfonieorchester Wuppertal harmonierten, integrierten sich nahezu zärtlich in das komplexen Bühnengeschehen und führten das harmonische Ensemble unauffällig sicher.

Sangmin Jeon strahlte als Tamino mit kräftig höhesicherem Tenor von Beginn an , siehe oben, große Bühnenpräsenz aus. Simon Stricker als Papageno wiederum gewinnt schon im ersten Bild als Bauchredner und Artist das Publikum; seine vielschichtige Partie des Papageno gestaltete er ebenso überzeugend mit satt-sicherem Bariton, begleitet von der stimmlich wie darstellerisch ebenso gut begleiteten Anne Martha Schuitemaker als Papagena.  Nina Koufochristou meisterte ihre dramatisch anspruchsvollen Koloraturen der Königin der Nacht fast lyrisch klingend mit überraschender Gelassenheit. Sebastian Campione, als Sarastro bereicherndes Mitglied des Ensemble verlieh mit wohl timbrierten Bass seinen großen Arien den klassisch schweren ehrwürdigen Charakter; in darstellerischen Episoden verleiht Campione seiner Partie des Sarastro  humorige Züge. Ralitsa Ralinova als Pamina war stimmlich wie darstellerisch sehr präsent..  Die Drei Damen dieser Zauberflöte, Elena Puszta, Iris Marie Sojer, Joslyn Rechter verdienen der besonderne Erwähnung, begleiten sie doch die Besucher der Oper Wuppertal schon zur Ouvertüre, auf dem Bühnenschleier sichtbar. Ihre folgenden Arien gestalten sie sicher; durch bunte choreographische Einlagen haben auch sie Anteil an dem speziellen Charakter dieser Produktion. Die Verabschiedung der Besucher der nach Ende der Vorstellung auf dem Opernvorplatz, die Drei Damen vor ihrem BurgerQUEEN grüßend, wurde so zum Sahnehäubchen einer inspirierend modern skurrilen Inszenierung, welche diese Zauberflöte für Jahre zu einem Wuppertaler Wahrzeichen, einem kulturellen Aushängeschild macht.

 Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO

Das Publikum feierte diese lokal Wuppertalerische Deutung der Zauberflöte mit ungeteilt großem Beifall. So auch das hauseigene Ensemble, welches alle Partien dieser großen Oper so formidabel besetzen kann.

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NB: Die Inszenierung kommt später in der Spielzeit auch in einer verkürzten Fassung für Schulklassen in der Reihe »Große Oper Klein« zur Aufführung. Unter dem Titel »Seitenwechsel« übernimmt dann am Ende der Saison statt des Sinfonieorchesters mit dem Instrumental-Verein Wuppertal erstmals ein Laienorchester bei einer Opernaufführung den Orchesterpart.

Die Zauberflöte an der Oper Wuppertal; die weiteren Vorstellungen: 20.9.; 26.9.; 16.10.; 24.10.; 25.10.; 8.11.; 6.12.; 12.12.;2020; 30.01.2021 und mehr

—| IOCO Kritik Wuppertaler Bühnen |—

München, Bayerische Staatsoper, Die Zauberflöte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 06.09.2020

September 5, 2020 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Die Zauberflöte  – Wolfgang Amadeus Mozart

– Ein tastender Versuch –

von Hans-Günter Melchior

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Mit der Kultur ist wie mit dem Wald. Regnet es nicht, verdursten die Bäume und es entsteht eine Wüste.

Auch die Kultur kann nicht lange entbehren, worin sie besteht: der Aktualität, der lebendigen Betätigung. Da helfen auch nicht die Konserven der Plattenindustrie. Und vom allzu langen Bücherlesen beginnen die Augen zu tränen. Raus in die Wirklichkeit, das ist die Sehnsucht der Künstler.

Und nicht minder der Kunstkonsumenten. Wird die Kultur nicht aktuell betätigt, wird nicht gesungen, gespielt, gemalt und angeschaut und zugehört, tritt zuerst dieser ziehende Schmerz der Entbehrung auf –, und danach macht sich eine innere Leere breit, die Dumpfheit bleibenden Verlustes und schließlich díe Abtötung des Begehrens, ja des Interesses überhaupt: in einer Lethargie des Verzichts. Soweit darf es nicht kommen. Der Verlust wäre weit stärker als der etwaige Gewinn in einem Pandemie-Programm.

Ehrlich gesagt: ich hielt ihn nicht mehr aus, nicht diesen Schmerz, den ich noch nicht kannte, der ich doch mein Leben lang ins Theater, in die Konzerte und in die Oper ging.

Bayerische Staatsoper / Die Zauberflöte © W Hoesl

Bayerische Staatsoper / Die Zauberflöte © W Hoesl

Freudig begrüßte ich daher das Angebot der Bayerischen Staatsoper (zugegeben: ein Pandemie-Angebot unter der Fuchtel des Infektionsschutzgesetzes). Ich ging in die Zauberflöte in der uralten, von Helmut Lehberger etwas aufpolierten Inszenierung von August Everding aus dem Jahr 1983, die ich schon mehrfach gesehen habe.

Mit betritt das gewaltige Hause, ein Palast der Musik, wie ein Bankräuber: mit Maske. Weil ich die Maske trug, sah man mir die Freude nicht an. Freude spielt um die Mundpartie, das Lächeln, der missbilligend verzogene Mund, das breite, lärmende Lachen, ja, selbst dieses kommt hinter der Maske wie ein gefährliches Grunzen hervor.

Nur 500 Zuschauer sind zugelassen –, in München sagt man zu diesen Gelegenheiten: 500 Hanseln. Auch sie offenbar vorfreudig, mit wässrigen Augen, was man im Zweifel als Vorfreude deuten sollte, wenn es nicht allzu offensichtlich vom aufsteigenden Dampf des Atems herrührt.

Um es vorweg zu nehmen: es war ein schönes, erfrischendes Erlebnis, das das fast schon ausgetrocknete Reservoir der Kultur in mir etwas auffüllte. Es war ein Dreiviertelgenuss.

Die Zauberflöte – München – August Everding Inszenierung von 1983
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Um zum vollen Genuss werden zu können, hätte es der gewohnten Perfektion bedurft. Der Eindruck des Behelfsmäßigen drängte sich allenthalben auf. Oder genauer: das Provisorische verschaffte sich Geltung: der Orchestergraben, in dem etwa 50 Musiker unter der Wahrung der Abstandsregel Platz fanden, war beträchtlich vergrößert. Und die in der doch sehr großen Oper sich verlierenden, weit auseinander sitzenden 500 Zuschauer vermochten nicht diese typische, nervöse Spannung zu vermitteln, die einer Opernaufführung den Charakter des Ereignishaften, Einmaligen zu verleihen pflegt. Kein Nachbar, mit dem man sich austauschen könnte. Zu wenig dankbare Blicke zur Bühne. Eben nichtt dieses pralle Gefühl gemeinsamen Genusses.

Dennoch: geboten wurde solide Kunst, vom Orchester sogar große. Zwar dirigierte Jordan de Souza weitgehend fast emotionslos, zeichenhaft andeutend, ohne Feuer ins Orchester zu übertragen. Dessen bedurfte es freilich bei diesen exzellenten Musiker/innen keinesfalls. Was dieses von der Personenzahl relativ schwach besetzte Orchester an diesem Abend bot, war exemplarisch. Schlechthin perfekt.

Die sängerischen Leistungen hielten sich im guten Mittelmaß. Einzig der Sarastro von Mika Kares stach hervor, er bot neben dem kernigen Papageno von Michael Nagy eine Sängerleistung von internationalem Niveau. Die Königin der Nacht von Sabine Devieihle hatte in der Höhe ein wenig Mühe, wenn sie auch die extrem hohen Töne traf. Schön der Sopran der Pamina von Hanna-Elisabeth Müller, auch sie musste freilich  die Stimme ein wenig in die Höhe stemmen, während sich der Tamino von Benjamin Bruns der Partie durchaus stimmlich gewachsen zeigte. Wunderbar die drei Knaben des Tölzer Knabenchors und der – wie immer – archaisch anmutende Vortrag der beiden Geharnischten von Vincent Wolfsteiner und Markus Suihkonen.

Nun ja, die Inszenierung von August Everding ist – auch von Helmut Lehberger als ein wenig aufgefrischte Einstudierung – für Opernverhältnisse uralt. Märchenhaft. Da treiben sich Bären und Affen herum und zu Beginn jagt ein Riesenreptil dem armen Tamino einen Schrecken ein. Und die den Treppenaufgang zu dem etwas verstaubten Palast Sarastros flankierenden Löwen heben zum warnenden Donnerschlag, der Papageno einschüchtern soll, lustigerweise jeweils ein Bein. Und aus ihren Mäulern spritzt der Wein. Huch. Da hätten eben die Kinder ihre helle Freude gehabt. Ingmar Bergmann hat es so ähnlich versucht, nur tiefsinniger.

Kurzum: eine rechte Erfrischung war dieser Abend am Ende doch, auch wenn es an einem Buffet mit Erfrischungen fehlte. Aber die Pfälzer Weinstuben sind ja in der Nähe. In der warmen Sommernacht im Innenhof der Residenz stellte sich bei einem Glas Wein ein rechtes Glücksgefühl ein. Endlich wieder einmal in der Oper gewesen. Danke Staatsoper! Ein vorsichtiger, aber gelungener Versuch zur Normalität der unentbehrlichen Kultur.

Musikalische Leitung: Jordan de Souza, Inszenierung 1983 : August Everding, Neueinstudierung: Helmut Lehberger, Bühne: Jürgen Rose

Die Zauberflöte am Nationaltheater, München; die weiteren Vorstellungen: 7.9.; 10.9.; 12.9.; 23.9.; 25.9; 27.9.2020 und mehr

 

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