Hannover, Staatsoper Hannover, Gartentheater Herrenhausen – Le Vin herbé, IOCO Aktuell, 18.06.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover / Sommer Festival im Gartentheater Herrenhausen @ Robert Robinson

Staatsoper Hannover / Sommer Festival im Gartentheater Herrenhausen @ Robert Robinson

Staatsoper Hannover : 19. Juni – 12. Juli 2020
Summer Session – Gartentheater Hannover Herrenhausen

Ab 19. Juni 2020 zeigt die Staatsoper Hannover eine inszenierte Musiktheater-Aufführung live  und ist damit eines der ersten Opernhäuser in Deutschland, das nach der Hochphase der Corona-Pandemie wieder eine komplette Operninszenierung für Publikum spielt: Regisseur Wolfgang Nägele und Hannovers neuer Generalmusikdirektor Stephan Zilias erarbeiten für die Summer Session 2020 im Gartentheater Herrenhausen das Musiktheater Le Vin herbé. Darüber hinaus stellt Ballettdirektor Marco Goecke einen Ballettabend mit eigenen Choreografien zusammen, Nachwuchs-Choreograf*innen wagen erste Schritte und zwei Konzertprogramme runden das Programm ab.

Staatsoper Hannover – Summer Session 2020 im Gartentheater Herrenhausen
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Oper, Ballett und Konzerte in Herrenhausen – Das Programm

Le Vin herbé / Der Zaubertrank
Musiktheater von Frank Martin

Weltliches Oratorium in einem Prolog, 3 Teilen (18 Bildern) und Epilog. Libretto nach 3 Kapiteln aus „Le Roman de Tristan et Iseut“  („Der Roman von Tristan und Isolde“) in der Übersetzung und Wiederherstellung (1900) von Charles Marie Joseph Bédier

Die Staatsoper Hannover eröffnet das Sommerfestival in Herrenhausen mit dem Musiktheater Le Vin herbé / Der Zaubertrank von Frank Martin, einem Werk über Liebe, Schuld und Tod in schicksalhaften Zeiten, einer der tiefsten, berührendsten und traurigsten Beziehungs-geschichten: Isoldes Mutter hat ihrer Tochter für die Hochzeitsnacht mit König Marke einen Kräuterwein, Le Vin herbé, mitgegeben. Dieses magische Gebräu ist es, das Tristan, König Markes Brautwerber, und Isolde, die irische Prinzessin, in unwägbaren Zeiten zusammenführt. Irrtümlich wird beiden der Zaubertrank gereicht, und aus der Begegnung wird untrennbares Schicksal: Sie geben sich einander hin.

IOCO,  Christian Biskup, wird Le Vin herbé sehen und berichten

Le Vin herbé ist ein Stück, das aus der Zeit gefallen scheint. Schicksalhaft schwer schon die Entstehungsgeschichte: 1938 beschäftigt sich der Schweizer Komponist Frank Martin erstmals mit dem Stoff, 1939 stirbt seine Frau. Mitten im Krieg, der alle bürgerlichen Kulturtraditionen in Frage stellte, Opernhäuser und Konzertsäle zerstörte, entstand die Musik, 1948 fand bei den Salzburger Festspielen die szenische Uraufführung des Gesamtwerks statt. 12 Sänger*innen, sieben Streichinstrumente und Klavier kreieren einen Klang von atmosphärischer Zeitlosigkeit, voll zerbrechlicher Zartheit und ausdrucksstarkem Wohllaut, mit bittersüßem, glasklarem Schimmer. Ein Kunstwerk, nicht zugehörig einer Zeit und dennoch hochmodern komponiert, unwirklich, anachronistisch.

Stephan Zilias, ab nächster Spielzeit Hannovers neuer Generalmusikdirektor, startet unverhofft und mit Kammerorchester noch vor dem Sommer in sein neues Amt:   Le Vin herbé  ist musizierte Verzauberung, intim, verletzlich, berührend. Obwohl es scheinbar undramatisch, fast etwas ritualhaft wirkt, entfaltet es eine immense Sogwirkung. Die Sängerinnen und Sänger übernehmen eine Doppelrolle, sie sind Chor und Soli zugleich. Unsere Herausforderung wird vor allem darin bestehen, unter den gegebenen Umständen in den Gärten eine klangliche Homogenität herzustellen und einen innigen Musizierton zu finden.“

Regisseur Wolfgang Nägele inszeniert im Sonnenuntergang der Herrenhäuser Gärten. Zu seinen Regiearbeiten zählen Musiktheater- und Schauspielinszenierungen, Stückentwicklungen und Uraufführungen u. a. an der Bayerischen Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, der Musikbiennale Venedig und der Philharmonie Luxemburg. „Frank Martins Le Vin herbé ist episches Theater und gleichzeitig eine tief berührende, sinnliche Nahaufnahme zweier Liebender, die einander auf Grund moralischer Restriktionen entsagen und dennoch nicht aufhören können sich nacheinander zu sehnen. Dieser Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Sehnsucht und Isolation lässt sich gerade besonders gut nachspüren.“

Termine Fr 19.06.2020 21 Uhr Premiere, weiter Termine So 21.06.2020, 21 Uhr, Mi, 24.06.2020, 21 Uhr, Fr 26.06.2020, 21 Uhr, So 28.06.2020, 21 Uhr, Sa 04.07.2020, 21 Uhr, Mi 08.07.2020, 21 Uhr, Fr 10.07.2020, 21 Uhr So 12.07.2020, 21 Uhr  Weitere Informationen und Karten HIER!

Das weitere Programm im Gartentheater Herrenhausen

All you can dance —  Junge Choreograf*innen in Herrenhausen

Acht Tänzer*innen des Staatsballetts Hannover werden im Rahmen von All you can dance erste Erfahrungen als Choreograf*in haben: Alessandra La Bella, Francisco Baños Diaz, Giovanni Visone, Javier Ubell, Lilit Hakobyan, Michèle Seydoux, Veronica Segovia Torres und Rosario Guerra. Choreograf*in zu sein bedeutet mehr, als sich „nur“ Schrittfolgen auszudenken. Neben der Entscheidung, mit welchen Tänzer*innen man zusammenarbeiten möchte, geht es auch um die Wahl der Musik, die Planung der Proben sowie um Kostüm, Licht und die Nutzung des Raums   in diesem Fall des Gartentheaters Herrenhausen.

Termine Mi 01.07.2020, 21 Uhr, Do 02.07.2020, 21 Uhr, Weitere Informationen und Karten

We’ll meet again  –  Ballettabend mit Choreografien von Marco Goecke

Das Staatsballett zeigt im Gartentheater sechs Choreografien von Marco Goecke. Darunter sind mit Cry Boy und Tué zwei Solo-Kreationen, die erstmals in Hannover aufgeführt werden.

Termin  Fr 03.07.2020, 21 Uhr  Weitere Informationen und Karten

Staatstheater Hannover / hier : Marco Goecke, Ballett, Laura Bermann - Intendantin Staatsoper, Sonja Anders - Intendantin Schauspiel @ Staatstheater Hannover

Staatstheater Hannover / hier : Marco Goecke, Ballett, Laura Bermann – Intendantin Staatsoper, Sonja Anders – Intendantin Schauspiel @ Staatstheater Hannover

Sh*t happens  – Konzertabend mit Musik von Verdi und Tschaikowski u.a.

Mit Sh*t happens gibt es ein Opernarien-Programm, das den Bässen der Staatsoper Hannover gewidmet ist. Arien von Vaterfiguren aus Opern von Giuseppe Verdi und Peter Tschaikowski werden von den Ensemblemitgliedern Shavleg Armasi, Pavel Chervinsky und Daniel Miroslaw gesungen. Und wo russische und italienische Väter klagen, sind deren unglückliche Kinder nicht weit: Die Sopranistin Barno Ismatullaeva und der Tenor Long Long brillieren mit Arien aus dem Repertoire des 19. Jahrhunderts – aus der Position der Töchter und Söhne.

Termine  –  Sa 20.06.2020, 21 Uhr, Sa 27.06.2020, 21 Uhr, Do 09.07.2020, 21 Uhr
Weitere Informationen und Karten

Tanzen! Singen! Küssen!  –  Operettenabend mit Musik und Liebe auf Abstand

Wenn viele liebenswerte Vergnügungen während einer Pandemie nicht mehr möglich sind, bedeutet das nicht, dass der Wunsch danach verschwindet: Der Konzertabend Tanzen! Singen! Küssen! ist ganz der Sehnsucht gewidmet, sich endlich wieder berühren, über Zimmerlautstärke hinaus singen … und nicht nur den*die Ehepartner*in küssen zu dürfen.

Termine  –  Do 25.06.2020, 21 Uhr, So 05.07.2020, 21 Uhr, Sa 11.07.2020, 21 Uhr
Weitere Informationen und Karten

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Rund 200 Plätze können unter Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsvorschriften im Gartentheater angeboten werden.  Die Staatsoper Hannover hält sich für die Vorstellungen konsequent an die geltenden Verordnungen für die weitere Eindämmung der Corona-Pandemie. Alle Vorstellungen finden darum unter strengen Schutz-und Hygienemaßnahmen statt.

Bitte halten Sie sich während Ihres Theaterbesuchs an die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention des Robert Koch-Instituts. Wahren Sie bitte auch aus Rücksicht auf die anderen Besucher*innen und Mitarbeiter*innen die Nies- und Hustenetikette, und halten Sie bitte den Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Menschen, die nicht zu Ihrem eigenen oder einem weiteren Hausstand gehören, ein. Vor Ort erinnern Hinweisschilder und unser Abendpersonal an unsere Hygieneregeln. Hier können Sie unser Hygiene-Knigge herunterladen.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Maifestspiele 2020 – Tristan und Isolde, IOCO Kritik, 03.06.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Hessisches Staatstheater  –  Internationale Maifestspiele 2020

Tristan und Isolde  –  Richard Wagner

von Ingrid Freiberg

O sink hernieder, Nacht der Liebe…

ist das Motto der diesjährigen Internationalen Maifestspiele 2020. Wie kein anderes Werk der Opernliteratur führt Richard Wagners Tristan und Isolde die Liebe zwischen zwei Menschen in ihrer ekstatischsten Form vor. Der Komponist bemächtigt sich Schopenhauers Philosophie mit ihrer Verneinung des Willens zum Leben und beschwört volle Bewusstlosigkeit, gänzliches Nichtsein, Verschwinden aller Träume. Wagner schrieb an Liszt: Da ich nun aber im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genossen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen, in dem vom Anfang bis zum Ende diese Liebe sich so recht sättigen soll. Und sättigen wollten sich auch die Festspielbesucher. Insgesamt drei Opernabende waren geplant. Dann kam Corona… und die Hoffnung schwand, sich dem Liebesrausch hingeben zu können. Zuweilen fordert Hoffnung, aber auch die Bereitschaft, im Scheitern eine Chance zu sehen, in der Niederlage eine neue Möglichkeit. Die Verantwortlichen, und hier im Besonderen der Intendant Uwe Erich Laufenberg, fanden unter strengen Vorgaben eine Möglichkeit, das Hessische Staatstheater Wiesbaden ab dem 18. Mai 2020 wieder zu öffnen, was sogar in einem Artikel der New York Times Erwähnung fand.

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Andreas Schager als Trsitan und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Andreas Schager als Trsitan und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Als Richard Wagner zum ersten Mal eine Fidelio-Aufführung besuchte, stand für ihn fest, Musiker zu werden. Zeit seines Lebens bewunderte er die Werke seines Komponistenkollegen… Da war es nur folgerichtig, dass anlässlich des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven der Kopfsatz der Kreutzer-Sonate auf dem Programm stand, vorgetragen von Lidia Baich und Alexandra Goloubitskaia.

Betörendes, einfühlsames Spiel

Bewundernswert sind der unbändige Ausdruckswillen beider Künstlerinnen, ihre technische Meisterschaft, die sich gerade in einem ausgesprochen leichtfüßigen und gelenkigen Phrasieren offenbart, ihr absolut präzises Miteinander und die Kunst des gegenseitigen Einfühlens. Für den Konzertsaal hat Wagner viele Albumblätter komponiert. Daneben gibt es einige Bearbeitungen durch andere Komponisten, gespielt wird die von August Wilhelmj. Er galt als einer der größten Violinen-Virtuosen seiner Zeit, erlangte als gefeierter Geigerkönig und Konzertmeister Weltruhm und sah sich Zeit seines Lebens aufs engste mit Wiesbaden verbunden. Die Romanze von Richard Wagner betört durch den zarten Klang der Guarneri von Lidia Baisch und das einfühlsame Spiel von Alexandra Goloubitskaia.

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier :  Rene Pape @ Katzer Media Group

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier : Rene Pape @ Katzer Media Group

Das Vorspiel zu Tristan und Isolde erklingt – bei geschlossenem Vorhang – überraschenderweise vom Tonband in einer Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Marek Janowski. Es ist magisch, an den Tristan-Akkord zu rühren, seine unbeugsame Kraft zu entfachen, aus der das Drama keimt, es am Leben erhält, bis Isolde das ihre aushaucht. Die Musik des Tristan nimmt vom Gesang her ihren Ausgang, erfüllt sich aber im Orchester, das symphonische Ausmaße hat. Die Sprache der Instrumente ist wie ein zusätzliches Organ der Personen auf der Bühne. Was eine Figur fühlt, denkt und tut, findet in Melodien, Harmonien und Rhythmen seinen Ausdruck. Das ließ befürchten, dass die Reduzierung auf Klavierbegleitung die Wirkung der Oper entzaubern könnte. Doch weit gefehlt! Alexandra Goloubitskaia versteht es mit Bravour, das Fehlen des Orchesters vergessen zu lassen und begleitet mit unbeschreiblicher Verve:

  1. Aufzug, 3. Szene Weh, ach wehe! Dies zu dulden!  –  Isolde, Brangäne
  1. Aufzug, 2. Szene O sink‘ hernieder, Nacht der Liebe  –  Tristan, Isolde
  1. Aufzug, 3. Szene Rette dich, Tristan – Tatest du’s wirklich  –  Kurwenal, Tristan, Melot, König Marke, Isolde
  1. Aufzug, 1.  Szene Wo ich erwacht  –  Tristan, Kurwenal

     3. Aufzug, 3.  Szene Mild und leise wie er lächelt  –  Isolde

Stimmen mit außerordentlicher Strahlkraft

Andreas Schager kehrt nach Wiesbaden zurück, wo ihm Fans – mit seinem Konterfei – einen tonnenschweren Findling platziert haben, in dem Nothung das Schwert der Hoffnung steckt. Freude und Erwartungen waren dementsprechend groß. Trotz vorgegebener Einschränkungen präsentiert sich einer der besten Heldentenöre im Liebesduett und in den Fieberträumen mit seiner alles überstrahlenden Stimme, in der Dramatik berührend, in der Lyrik überzeugend, mit leiser, attraktiv zurückgenommener Mittellage, sorgfältig und sinnvoll phrasiert. Schager versteht sich wie kaum ein anderer auf die Schmerzens- und Verrücktheits-Akzente mit wunderbarer Textverständlichkeit. Dabei ist ihm anzumerken, dass er das Bühnenspiel vermisst…

Der Filme (Pocahontas-Film The New World von Terrence Malick, Endzeitparabel Children of Men von Alfonso Cuarón, Die letzte Frau von Marco Ferreri), die Gérard Naziri während des Liebestraums auf eine Leinwand brachte, bedarf es bei diesen Weltklassesängern nicht; sie sind eher störend, schon deshalb, weil ein enger Bezug nicht erkennbar ist.

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Margarete Joswig, als Brangäne und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Margarete Joswig, als Brangäne und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Klar artikulierend, mit Strahlkraft weiß Catherine Foster Isolde mit Weh, ach wehe! Dies zu dulden! zu überzeugen, sie steigert sich kraftvoll glühend im Liebesduett O sink‘ hernieder, Nacht der Liebe… und mit dicht gestalteten Gesangsbögen und mühelosem Abschwellen der Spitzentöne zum Innigsten bei Mild und leise wie er lächelt… spontan, berührend, aufrichtig, mit viel Farbe, in ihr brennt ein heftige lyrische Flamme. …in des Welt-Atems wehendem All – ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust! sind Isoldes letzte Worte.

René Pape gehört zu den besten lyrischen Bässen und ist einer der größten König Marke-Interpreten aller Zeiten. Mit eleganter Ausdrucksweise gelingt es seiner unverwechselbaren Stimme, Gänsehaut zu erzeugen… Er lebt König Marke, ist die Verkörperung eines stimmlich hochsouveränen und darstellerisch vergeistigten Königs, zeigt die Erschütterung über den Verrat Tristans. Die Stimme hat enormes Gewicht und elementare Kraft. Immer wieder überraschend: die tiefsinnige Phrasierung, die plastische Textdeutung. Mit opulentem Klang und Würde, samtiger Pracht entfaltet er den schmerzenden Monolog des Königs.

Der Dialog Wo ich erwacht zwischen Tristan und Kurwenal wird auch dank Thomas de Vries zu einem sängerischen Höhepunkt. Völlig unangestrengt, wunderbar leicht und sauber, doch voller Ausdrucksstärke ist er Tristans Getreuer, kein Untergebener, er ist ein Partner auf Augenhöhe. Brangäne Margarete Joswig, Isoldes Freundin, ist von der wild trotzenden Isolde mehr als einmal genervt. Sie vermag, zu explodieren… Die Mezzosopranistin singt dramatisch aufbrausend in ihrer fürsorglichen Liebe zu Isolde. Ihre Stimme hat ein unverwechselbares Timbre.  Die Violinistin Lidia Baich überzeugt bei Brangänes Warnrufen mit sehr sinnlichem und intensivem Spiel.  Aaron Cawley Melot verrät die Liebenden und gestaltet den Intriganten mit kräftigem Tenor.

Nicht enden wollende Standing Ovations! Noch nie haben sich Publikum und Künstler so verbunden gefühlt – es war eine Befreiung von einem langen Leiden…

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 29.01.2020

Januar 29, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

 Tristan und Isolde – Richard Wagner

 Tristan – ein Abbild menschlicher Abgründe

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Im Entwurf vom Juli 1870 findet sich im sogenannten Braunen Buch von Richard Wagner ein Entwurf für eine Beethoven-Schrift, in der dieser schreibt: „Die Wirkung des Schönen ist erst die Bedingung für den Eintritt der wahren Wirkung des Kunstwerkes, nämlich der erhabenen. In der Musik wird die erste Wirkung sofort und durchgehend durch ihre Form erreicht, eben weil sie reine Form ist. – Führt es nicht zur erhabenen Wirkung, so ist überhaupt das Schöne nur Spielerei.“ (Für schöne Spielerei waren weder Beethoven noch Wagner zu haben.) Geschrieben hat Wagner diese Gedanken anlässlich des 100. Geburtstags des von ihm verehrten Komponistenkollegen, dessen „Musik in Begriffe umgesetzt“ Philosophie ergäbe, und zwar die von Schopenhauer. Nun wird dieses Jahr erneut ein Ludwig van Beethoven-Jubiläum, inzwischen der 250. Geburtstag, gefeiert und so erklingt Wagners Tristan und Isolde an der Oper Frankfurt – und eignet sich vielleicht gerade deshalb gut, die „erhabene Wirkung“ von Kunst zu überprüfen, geht es doch um das größte aller Themen: das risikobeladene Wagnis der Liebe. Apropos Beethoven: Gibt es vielleicht Fidelio als Abschluss des Gedenkjahres? Um Liebe – allerdings erfüllte – geht es auch bei ihm.

Tristan und Isolde – Oper Frankfurt
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Wagner nennt seine Oper im Untertitel „Handlung in drei Aufzügen“ und nicht „Drama“. Nicht das äußere Geschehen bestimmt die Handelnden, sondern ihre inneren Empfindungen. Doch aus der Selbstbeschäftigung und Seelenausleuchtung kann pathetische Überhöhung, statt Erhabenheit, werden – in diese Falle wollte Katharina Thoma, die Regisseurin, nicht tappen, stattdessen arbeitet sie mit größtmöglicher Reduktion. Die Kostüme von Irina Bartels sind dunkel, schwarz, nur die beiden Frauen – Isolde im kupfer-golden Jumpsuit, Brangäne im Kleid-Mantel-Ensemble und Hut in Petrol früherer Stewardessen gleich, als Fliegen noch etwas Besonderes und ja „Erhabenes“ war – erhalten farbige Kleidung und dunkles Rot der Tristan-Verräter Melot. Das Bühnenbild von Johannes Leiacker lässt nur schwarz-weiß Kontraste, dagegen das Licht von Olaf Winter farbliche Gestaltung zu; eine – nicht nur farblich – ansprechende Szene, als Brangäne im zweiten Aufzug die Liebenden vor der Gefahr warnt: Wir hören sie, das Licht, grünlich wie ihre Kleidung, kündigt sie an, (von der Zinne kommt sie natürlich nicht mehr, sondern hinter dem schwarzen Rechteck hervor), doch erst nach einigen Takten wird sie zu sehen sein: Ihr „Habet acht“ kommt zu spät.

Im ersten Akt „schwebt“ Isolde auf einem schwarzen Rechteck herunter, in der ebenfalls schwarzen Barke neben ihr liegt Tristan. Später – wie um das Liebesglück zu unterstreichen – wird das Boot weiß sein und das aufgerichtete Rechteck in der Mitte stehen. Es teilt nicht nur die Bühne, sondern ist zugleich eine zeitliche Mauer: Zurück können die beiden Liebenden nicht mehr, und Melot, Tristans Freund, wird die beiden – trotz dieses Schutzwalls –  enttarnen.

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier : oben Rachel Nicholls als Isolde, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : oben Rachel Nicholls als Isolde, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Thomas Ansatz, das „Erhabene“ dieser aufwühlenden und letztendlich zum Scheitern verurteilten Liebe auf ein menschliches Maß zurückzuführen, gräbt den (menschlichen) Abgrund aller aber umso tiefer. Und der Wagnersche Text verlangt umso mehr nach umsetzbarer Darstellung. Tristan ist ein unbeholfener Mann, abweisend bis schroff, der die Liebe nicht sucht und Isoldes Wüten über seinen Verrat, erst ihren Verlobten getötet zu haben, um sie anschließend als Brautwerber zu König Marke zu führen, gar nicht begreift. Begreifen bedeutet ein grundsätzliches Problem für diesen Helden, doch nicht nur für ihn. Zu verstrickt ist er in seine eigene Lebensgeschichte, eine Todessehnsucht peinigt ihn, in den Tod will und wird ihm Isolde jedoch nicht folgen – trotz Liebestrank und anfänglichem Wunsch.

Das schwarze Rechteck, die Schiffsplanken, berühren den Boden nicht, es schwebt immer über ihm, wie auch das Verhältnis von Tristan und Isolde; nur langsam kommen sie sich näher, als der Liebestrank endlich wirkt und sie für das Publikum etwas verborgen, dem ersten Liebesüberschwang erleben. Brangäne hat die mitgeführten Zauber-Getränke vertauscht und etwas ist gekippt, das Rechteck ragt nun steil nach oben. Thoma beweist sicheres Feingespür für die kleinen Momente, es gelingt ihr die musikalische Zartheit in berührender Weise in Szene zu setzen: Ganz vorsichtig sind Hände oben auf dem Rechteck zu erkennen, tastend suchen sie nach der Hand des bzw. der Anderen – Tristan und Isolde haben sich gefunden, doch sie halten einander nicht, stattdessen werden sie zu Schiffbrüchigen, die sich verzweifelt an die Planken klammern.

 Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier : Rachel Nicholls als Isolde, Claudia Mahnke als Brangäne; über sie gebeugt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : Rachel Nicholls als Isolde, Claudia Mahnke als Brangäne; über sie gebeugt © Barbara Aumüller

Das heimliche Liebesrauschen ist jedoch immer bedroht, die Aufdeckung nah, das inzwischen weiß gestrichene Boot – im dritten Aufzug ist es wieder schwarz –, Unschuld suggerierend, wird daran nichts ändern. Isolde hüpft im zart-rosa Jungmädchenkleid beglückt umher, Tristan hat währenddessen seine schwarze Lederjacke zugunsten einer Weste, weißem Hemd und Hose getauscht, seine ganze Haltung bedeutet mehr Selbstgewissheit – eine trügerische Heiterkeit strahlen sie aus. Vielleicht auch, weil sie uns heutigen Menschen darin gleichen, immer irgendwie aneinander vorbeireden bzw. singen. Was der eine anstrebt, wird die andere nicht fassen, die einzige Lösung wird und kann nur der Tod sein. Und Melot, der Vertraute Tristans, wird die vage Ahnung und zugleich reale Befürchtung Brangänes erfüllen, den Verrat aufdecken und sühnen.

Eine weitere fesselnde Szene ist mit dem Auftritt von König Marke verbunden. Als eine distinguierte Erscheinung in Mantel und Hut, tritt er an Tristan heran, dann sitzend, ihm gegenüber, um seine Enttäuschung Aug in Aug kundzutun, während dieser sich windet und alle anderen wie eingefroren verharren. Man hält den Atem an und spürt förmlich die Verletzung Markes, der sich selbst auf ein Wagnis mit der Ehe einließ, auch für ihn wird nichts mehr so sein wie zuvor –  alles ist ein einziger seelischer Scherbenhaufen, später kommt der echte hinzu.

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier : Andreas Bauer Kanabas als König Marke, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : Andreas Bauer Kanabas als König Marke, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

König Marke – so hat ihn die Regisseurin als Figur angelegt – ist der Gegenentwurf zu Tristan. Andreas Bauer Kanabas spielt ihn beeindruckend, einnehmend, gepaart mit einem eindringlichen und schönen Bass, „sein“ Marke wird zur überragenden Gestalt.

Vincent Wolfsteiner verkörpert den auf sich selbst zurückgeworfenen Tristan und steigert sich im Laufe des Abends immer mehr. Seine Verzweiflung ob der viel zu früh verlorenen Eltern – schwarz und mit Masken treten sie stumm und wie Gespenster im dritten Aufzug auf –, seine Unfähigkeit überhaupt Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, tritt hier anschaulich zutage. Das Rechteck liegt wie ein Trümmerhaufen unter ihm – wahrlich kein guter Ort zum Sterben, doch der äußere Ausdruck seiner Schwermut und Aussichtslosigkeit. Einzig die Musiker verbreiten etwas Trost, dafür hat Thoma zwei auf der Bühne auftreten lassen: Romain Curt, der gekleidet wie ein Klezmer-Musiker die traurige Weise anstimmt und Tristans Trümmerberg umkreist, und Matthias Kowalczyk nicht minder berührend die Holztrompete ertönen lässt.

Die beiden Baritone Christoph Pohl und Iain MacNeil überzeugen stimmlich wie darstellerisch. Pohl besitzt eine klare und deutliche Diktion, und ist als Tristans treuer Freund Kurwenal eine hervorragende Besetzung. Auch MacNeils forscher Melot hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Claudia Mahnke als Brangäne erntet (nicht zu Unrecht) zusammen mit Andreas Bauer Kanabas den größten Applaus; ihr zuvor schon erwähnter Wächterruf geht unter die Haut, ihre Bühnenpräsenz ist immer ein Ereignis. Rachel Nicholls als Isolde überzeugt vor allem darstellerisch: Wie sie einsam – der tote Tristan entschwindet mitsamt seinem schwarzen Trümmerberg in das Dunkel der Hinterbühne – auf der leeren und hell erleuchteten Bühne singt, zeitlos in weißer Hose und Pulli, könnte sie auch als Filmdiva durchgehen. Nur in den Tod folgt sie Tristan nicht.

Die kleineren Nebenrollen waren ebenso gut besetzt; dazu gehören Michael Porter mit seinem schönen Tenor (ein junger Seemann zu Beginn), ebenso Tianji Lin (als Hirte im dritten Aufzug) und Liviu Holender (ein Steuermann). Für den satten Klang des  Männerchors war zuverlässig Chordirektor Tilman Michael verantwortlich. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Musiker und Musikerinnen, die unter der Leitung von Lukas Rommelspacher für die Bühnenmusik zuständig waren. Es spielen Trompete: Friederike Huy, Michael Schmeißer und Peter Hársaniy (Gäste); Posaune: Christian Künkel und Andreas Weil (Gäste) sowie Rainer Hoffmann (Orchestermitglied); Horn: Pedro Rodriguez (Gast), Stef van Herten, Silke Schurack und Claude Tremuth (Orchestermitglieder) sowie Martin Walz (Gast).

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester – selbstverständlich steht GMD Sebastian Weigle am Pult – erwies sich als kongenialer Begleiter der Szenerie; zurückgenommen, jedoch ohne Klangverlust, nie flach werdend, keinem aufgeladenen und überbordenden musikalischen Rauschzustand sich hingebend, der ohnehin nicht zu dieser zurückgenommenen Inszenierung gepasst hätte. Auch bei Wagner kann der simple Spruch „weniger ist mehr“ zur Wahrheit werden. Weigle holte alle Orchestermitglieder auf die Bühne – nicht nur an diesem Abend haben sie es verdient, oben zu stehen und aus dem Zuschauerraum mit großem Applaus belohnt zu werden. Ihrer Leistung ist es ebenfalls zu verdanken, dass es ein durchaus gelungener und interessanter Premierenabend wurde – auch wenn in anderer Hinsicht die Meinung des Publikums geteilt war.

Tristan und Isolde an der Oper Frankfurt; die weiteren Termine 1.2.; 9.2.; 14.2.; 23.2.; 29.2.; 12.6.; 20.6.; 28.6.; 2.7.2020

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tristan und Isolde – Richard Wagner, 19.11.2019

November 18, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater für Niedersachsen

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Tristan und Isolde  –   Richard Wagner

  – IM TODE MEIN – 

Von Randi Dohrin

“Dieser Tristan wird was Furchtbares.“…, schrieb Wagner 1858 an seine Muse Mathilde Wesendonck von der er sich verstanden fühlte in seinem künstlerischen Schaffen.

Mit seiner Gattungsbezeichnung „Eine Handlung in 3 Aufzügen“, wie sie Wagner dem Erstdruck der Partitur und dem Klavierauszug hinzufügte, setzte er mit dieser Oper Mathilde Wesendonck ein musikalisch literarisches Denkmal unerreichten Ausdrucks. Die Oper wurde zu einem Höhepunkt romantischer Musik, in der er seine genauen Klangvorstellungen umsetzte.

Die umjubelte Uraufführung dieses Werkes fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München unter der Leitung von Hans von Bülow statt und wäre ohne die großzügige Unterstützung von König Ludwig II von Bayern nicht möglich gewesen, denn trotz der großen Erfolge und Hilfe seiner Freunde gelang es Wagner nicht, sein Leben wirtschaftlich abzusichern.

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde - hier :  Ensemble © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde – hier : Ensemble © T.Behind-Photographics

Im Jahre 1857 unterbricht Wagner die Komposition des Siegfried und wendet sich während seines Züricher Asyls (1849 – 1858) ganz seiner Oper Tristan und Isolde zu. Entsprechend seiner Biographie, überträgt Wagner die leidenschaftliche, aber nicht erfüllbare, Liebe zwischen ihm und Mathilde Wesendonck auf die Hauptgestalten seines Musikdramas, Tristan und Isolde.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Hildesheimer Theaters öffnete sich – nach umfangreichem Umbau – der Vorhang für Wagners Tristan und Isolde. Dieses monumentale Meisterwerk zur festlichen Wiedereröffnung auf die Bühne zu bringen, offenbarte wieder einmal eindrucksvoll die Stärke des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim

Voller atmosphärischer Spannung, Dynamik und Dramatik breitete das Orchester unter der musikalischen Leitung von Operndirektor Florian Ziemen, einen farbenprächtigen Klangteppich und Spannungsbogen bis zur letzten Minute aus.

Durchsichtig, fließend gelang den hervorragend spielenden Musikern packend die Gestaltung, auch in den zuhauf vorkommenden, glanzvollen Soli der verschiedenen Instrumentengruppen. Gefühlstief und berührend erklang das lange Englischhorn-Solo im 3. Aufzug.

In den Vorspielen des 1. und 2. Aufzuges verdeutlichte das Orchester im ruhigen und langsamen Tempo das sehnsuchtsvolle Liebesverlangen von Tristan und Isolde, deren Erfüllung sie nur im gemeinsamen Tode zu finden glauben, da die gesellschaftlichen Bedingungen auf Erden ihre Liebe nicht zulassen.

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde - hier :  Julia Borchert als Isolde, Neele Kramer als Brangäne © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde – hier : Julia Borchert als Isolde, Neele Kramer als Brangäne © T.Behind-Photographics

Das Schicksal von Tristan und Isolde fand vor allem in der Musik des fantastisch aufspielenden Orchesters in Originalbesetzung statt (trotz erforderlicher Teilabdeckung des Grabens).  Chapeau!

Besessen vom Rachegedanken „Tod für Tristan“, gestaltete Julia Borchert überzeugend den äußerst schwierigen Part der Isolde, die von Liebestränken so gar nichts wissen will und Tristan, glaubwürdig gespielt und gesungen von Hugo Mallet, den vermeintlichen Todestrank überreicht. Brangäne, die Vertraute Isoldes, stimmlich überragend und glänzend besetzt durch Neele Kramer, vertauschte den Todestrank jedoch in einen Liebestrank.

Der Hass Isoldes verwandelt sich in vorhandener, aber noch nicht eingestandener Liebe und somit entreißt sie Tristan den Sühnetrank sofort wieder, um ihn selbst zu trinken. Im Angesicht des vermuteten Todes gestehen sich beide ihre Liebe ein und sind davon überzeugt, nur im Jenseits zusammenkommen zu können.

Unter der weitgehend Libretto treuen Inszenierung von Tobias Heyder und adäquat gelungenen Bühnen- und Kostümausstattung von Pascal Seibicke, gelang die Premiere im Theater für Niedersachen berückend ausdrucksstark  voller Leiden, Leidenschaft, Liebe und Schmerz, Verzweiflung, Sehnsucht, Todessehnsucht und Tod.

Weshalb Tobias Heyder im 3. Aufzug Isolde, neben dem verstorbenen Tristan, im Stehen sterben lässt, vermag sich mir allerding partout nicht zu erschließen.

Unverkennbar bewährt setzte Uwe Tobias Hieronimi seinen sonoren Bass in der Rolle des König Marke ein, während Levente György als Kurwenal und   helfender Diener des Tristan, seinen recht hohen Baritonpart mit Bravour meisterte.

Gut besetzt waren auch der intrigante Melot mit Roman Tsotsalas und dem temperamentvollen Julian Rohde als Hirte. Neben dem gut disponierten, voluminös erklingenden Herrenchor, Einstudierung Achim Falkenhausen, boten Chun Ding als junger Seemann und Jesper Mikkelsen als Steuermann, ausgezeichnete stimmliche und darstellerische Leistungen.

Das beeindruckte Publikum bedankte sich mit Bravorufen, stehenden Ovationen  und langem anerkennenden Applaus für alle Mitwirkenden auf, unter und hinter der Bühne im noch recht ungewohnten, neuen Ambiente des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

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