Wien, Wiener Staatsoper, Ab 19. Mai – 6 Premieren und viel mehr, IOCO Aktuell, 29.04.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

CARMEN, TOSCA und viel mehr : 6 Premieren ab 19. Mai 2021

Wiedereröffnung mit begeisterndem Spielplan

Fast ein halbes Jahr ist die Wiener Staatsoper nun schon geschlossen – die längste Periode seit der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit wurde stets weitergearbeitet, geprobt, einstudiert und zahlreiche Vorstellungen konnten für TV, Streaming und Radio herausgebracht werden, zuletzt die hochkarätig besetzte Premiere der ParsifalNeuproduktion unter Musikdirektor Philippe Jordan, IOCO link dazu HIER!. Dank der Kooperation mit dem ORF und dem eigenen Streaming-Kanal wurden auf diese Weise bisher weltweit mehr als fünf Millionen Kontakte erreicht.

Entsprechend der Ankündigung der österreichischen Bundesregierung und vorausgesetzt, dass die Maßnahmen der Stadt Wien es zulassen, wird das Haus am Ring nun am 19. Mai 2021 endlich wieder für seine Besucherinnen und Besucher öffnen. In den sechs Wochen bis zum Ende der Saison wird die Staatsoper dem Publikum sechs Premieren bieten.

Zum einen können zwei der Premierenproduktionen dieser Spielzeit, die nur für Kameras und Mikrofone gespielt wurden bzw. werden, nun auch vor Publikum gezeigt werden: Calixto Bieitos Produktion von Carmen sowie Faust in der Inszenierung von Frank Castorf.

Einführungsmatinee zu Faust der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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Neben diesen beiden nachgeholten Premieren werden bis Ende Juni insgesamt noch vier weitere Premieren auf die Bühne gebracht: L’incoronazione di Poppea – der Auftakt der geplanten Monteverdi-Trilogie –, Macbeth in der Regie von Barrie Kosky mit Anna Netrebko als Lady Macbeth, der Ballett-Dreiteiler Tänze Bilder Sinfonien mit der Uraufführung von Martin Schläpfers Sinfonie Nr. 15 sowie Der Barbier für Kinder, die erste Kinderopern-Produktion, die in der neuen Direktion auf der Bühne im großen Haus zu sehen sein wird.

Für den Zeitraum vom 19. bis 25. Mai musste der Spielplan entsprechend den neuen Gegebenheiten leicht überarbeitet werden. Neben den zwei Faust-Vorstellungen wird auch zwei Mal Tosca mit Sonya Yoncheva in der Titelrolle sowie Piotr Beczala als Mario Cavaradossi zu sehen sein. Statt des Schließtages am 1. Juni findet ein Liederabend von Diana Damrau statt.

Die kommende Spielzeit 2021/22 wird am 3. Juni auf der Bühne des Hauses am Ring, ebenfalls vor Publikum, präsentiert. Alle Details dazu werden gesondert bekanntgegeben.

Der Kartenverkauf für sämtliche Vorstellungen ab 19. Mai bis Saisonende 30. Juni startet heute, Mittwoch ab 12.00 Uhr. Karten sind aktuell online über die Website der Wiener Staatsoper sowie telefonisch unter +43 1 513 513 buchbar. Mit Beendigung des harten Lockdowns in Wien ab 3. Mai sind auch die Bundestheaterkassen für den Kartenverkauf geöffnet.

Einführungsmatinee zu Carmen der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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DER SPIELPLAN AB 19. MAI 2021

19. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
FAUST – PREMIERE VOR PUBLIKUM
Musikalische Leitung Bertrand de Billy
Inszenierung Frank Castorf
Doktor Faust Juan Diego Flórez
Marguerite Nicole Car
Méphistophélès Adam Palka
Valentin Étienne Dupuis

20. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
SUITE OF DANCES – NEUEINSTUDIERUNG
Glass Pieces (Jerome Robbins)
Duo Concertant (George Balanchine)
A Suite of Dances (Jerome Robbins) – Erstaufführung an der Wiener Staatsoper
The Concert (Jerome Robbins)
Musikalische Leitung Benjamin Pope
Wiener Staatsballett

21. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
TOSCA
Musikalische Leitung Axel Kober
Inszenierung Margarethe Wallmann
Floria Tosca Sonya Yoncheva
Mario Cavaradossi Piotr Beczala
Baron Scarpia Ambrogio Maestri

Einführung zu L’INCORONAZIONE DI POPPEA der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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22. Mai 2021, 18.30 Uhr
L’INCORONAZIONE DI POPPEA – PREMIERE
Musikalische Leitung Pablo Heras-Casado
Inszenierung Jan Lauwers
Nerone Kate Lindsey
Poppea Slávka Zámecníková
Ottone Xavier Sabata
Ottavia Christina Bock
Seneca Willard White
Virtù / Drusilla Vera-Lotte Boecker
23. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
FAUST
Besetzung wie am 19. Mai

24. Mai 2021, 11.00 Uhr (Programmänderung)
DER BARBIER FÜR KINDER – PREMIERE
Musikalische Leitung Markus Henn
Inszenierung Grischa Asagaroff
Graf Almaviva Josh Lovell
Rosina Patricia Nolz
Figaro Stefan Astakhov
Ambrogio Andy Hallwaxx

24. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
TOSCA
Besetzung wie am 21. Mai

25. Mai 2021, 18.30 Uhr (Programmänderung)
SUITE OF DANCES
siehe 20. Mai

Ab dem 26. Mai wird der geplante Spielplan wieder aufgenommen, beginnend mit

Georges Bizet Paris © IOCO

Georges Bizet Grabstätte Paris © IOCO

26. Mai 2021, 18.30 Uhr
CARMEN – PREMIERE VOR PUBLIKUM
Musikalische Leitung Andrés Orozco-Estrada
Inszenierung Calixto Bieito
Carmen Michèle Losier
Don José Dmytro Popov
Escamillo Erwin Schrott
Micaëla Vera-Lotte Boecker

Details zum weiteren Spielplan und Beginnzeiten sowie die vollständigen Besetzungen finden Sie auf der Website der Wiener Staatsoper, am 1. Juni kommt es zu folgender Änderung:

1. Juni 2021, 20.00 Uhr (anstelle eines Schließtages)
Liederabend DIANA DAMRAU

AUSBLICK AUF DEN WEITEREN SPIELPLAN

Bis zum Ende dieser Spielzeit stehen noch zwei weitere Premieren auf dem Programm der Wiener Staatsoper:

10. Juni 2021, 18.30 Uhr
MACBETH – PREMIERE
Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Barrie Kosky
Macbeth Luca Salsi
Banquo Roberto Tagliavini
Lady Macbeth Anna Netrebko
Macduff Freddie De Tommaso

26. Juni 2021, 19.00 Uhr
TÄNZE BILDER SINFONIEN – PREMIERE
Symphony in Three Movements (George Balanchine)
Pictures at an Exhibition (Alexei Ratmansky)
Sinfonie Nr. 15 (Martin Schläpfer) – Uraufführung
Musikalische Leitung Robert Reimer
Wiener Staatsballett

Einführung zuHans Neuenfels Einführung zu Die Entführung aus dem Serai der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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Weitere Programmhighlights

 Die Entführung aus dem Serail (Premiere im Oktober 2020) mit Antonello Manacorda am Dirigentenpult und mit Brenda Rae, Emanuela von Frankenberg, Regula Mühlemann, Stella Roberts, Daniel Behle, Christian Natter, Michael Laurenz, Ludwig Blochberger, Goran Juric, Andreas Grötzinger und Christian Nickel;

Der Rosenkavalier unter Philippe Jordan u. a. mit Martina Serafin, Jennifer Holloway, Louise Alder, Albert Pesendorfer und Adrian Eröd;

Lohengrin u. a. mit Klaus Florian Vogt, Kwangchul Youn, Sara Jakubiak, Johan Reuter, Tanja Ariane Baumgartner und Cornelius Meister am Dirigentenpult

Elektra unter Franz Welser-Möst und u. a. mit Michaela Schuster, Aušrine Stundyte, Camilla Nylund, Jörg Schneider und Derek Welton.

Alle Vorstellungstermine und Besetzungen finden Sie online unter www.wiener-staatsoper.at.

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Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Maifestspiel-Specials – und die Pandemie, IOCO Aktuell, 13.04.2021

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Maifestspiel-Specials 2021

 Ein Schleier ruht über bereits publizierten Öffnungsperspektiven

Eigentlich wollte das Hessische Staatstheater Wiesbaden am Mittwoch, dem 14. April 2021, mit dem Mai-Programm inkl. Maifestspiel-Specials (Detail-Programm unten) in den Vorverkauf gehen. Doch, auch dies ist überholt; die Pandemie  erlaubt dies leider wieder nicht. Ein neuer Vorverkaufstermin ist zur Zeit nicht bekannt, hängt u. a. von den politischen Entscheidungen auf Bundesebene ab.. Sobald  mehr hierzu bekannt ist, gibt das Staatstheater weitere Informationen bekannt. Bis dahin wird Geduld gefordert. Das im März 2021 veröffentlichte, unten dargestellte Programm ist in diesem Sinne zu interpretieren.

So die Pressemitteilung des Hessischen Staatstheaters vom 12.4.2021

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Der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden hatte im März 2021 beschlossen, die Internationalen Maifestspiele 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht gänzlich ausfallen zu lassen, sondern mit »Maifestspiel-Specials« und einem Ersatzprogramm möglich zu machen. Besonderer Kooperationspartner ist in 2021 die Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, die mit der begleitenden Sonderausstellung »Vorhang auf!« auf das 125-jährige Jubiläum der Internationalen Maifestspiele blickt.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende: »Es ist unglaublich schade, dass die Jubiläumsfestspiele nicht in dem geplanten Umfang stattfinden können. Nun hoffen wir alle, dass wenigstens die Maifestspiel-Specials auch wirklich gebührend, vielleicht mit Abstand aber in enger Verbundenheit, stattfinden können. Ich wünsche allen – trotz der noch immer heiklen Situation – inspirierende und spannende Stunden.«

Intendant Uwe Eric Laufenberg: »Wir sind zutiefst betrübt, dass wir unser großartiges Programm, das wir für die Jubiläumsfestspiele 125 Jahre Maifestspiele 2021‹ geplant hatten, nun doch nicht durchführen können. Wir haben uns bemüht, ein Ersatzprogramm zusammenzustellen und hoffen inniglich, dass dieses gelingen kann.«

Sabine Philipp, Direktorin Stadtmuseum: »Wir hoffen und freuen uns darauf, in diesem schwierigen Festjahr mit der Ausstellung ›Vorhang auf!‹ direkt gegenüber in den Kurhauskolonnaden allen Widrigkeiten zum Trotz einen ganz besonderen Akzent zu setzen und Glanz und Glamour, Höhen und Tiefen aus 125 Jahren Festspieltradition in Wiesbaden für ein breites Publikum erlebbar zu machen.«

In der heutigen Pressekonferenz stellte Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und Künstlerischer Leiter der Internationalen Maifestspiele, die »Maifestspiel-Specials« und das Mai-Ersatzprogramm, das vom 1. Mai bis zum 30. Mai 2021 gespielt wird, vor.

»Maifestspiel-Specials« – Was ist das ?

Als »Maifestspiel-Specials« werden Opern mit Starbesetzung,Konzerte, Lesungen und Gespräche angeboten. Im »FutureLAB«, einem Versuchs-Laboratorium in der Wartburg, stellen sich Künstler*innen vor, die am Anfang ihrer Berufsausübung stehen – Absolvent*innen, die ihre Studienzeit erfolgreich hinter sich gebracht haben und nun innovationswütig das Feld ihrer jeweiligen Kunst neu bestellen wollen.
»Wie wollen wir leben – Utopien im 21. Jahrhundert« – mit dieser Fragestellung haben sich Stipendiat*innen der Landeshauptstadt Wiesbaden anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Internationalen Maifestspiele beschäftigt. Ihre Ergebnisse präsentieren sie u.a. in der Wartburg und im Kleinen Haus.
Die Sprechchor-Performance »Das Schattenkabinett«, gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, wird mit Wiesbadener Bürger*innen auf die Bühne gebracht. Für Junge und jung Gebliebene sind einzelne Produktionen der Jungen Maifestspiele im Mai zu erleben.

Das Ersatzprogramm besteht aus besonderen Programmhighlights wie dem Opernzyklus »Der Ring des Nibelungen«, den Opern »Der Barbier von Sevilla« und »Die Hochzeit des Figaro« sowie der Oper »Lady Macbeth von Mzensk«. Außerdem feiern die Oper Puccinis »Il trittico« und der Doppeltanzabend »Le sacre du printemps« im Großen Haus Premiere. Ebenso feiert das Ballett »Kamuyot« Premiere.
Die Schauspiele »Schiffbruch« (Teil 2) und »Bergung« (Teil 3) aus Tom Stoppards Trilogie »Die Küste Utopias« feiern Deutschsprachige Erstaufführung und sind als Trilogie mit »Aufbruch« (Teil 1) im Mai zu sehen. Ebenso feiern die Schauspiele »Doktors Dilemma« und »Quichotte« Premiere.

Das »Maifestspiel-Special« 2021 wird durch die Unterstützung der Landeshauptstadt Wiesbaden, des Landes Hessen und des Förderkreises der Internationalen Maifestspiele e.V. ermöglicht. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt das Projekt »Das Schattenkabinett«.

Der Kartenvorverkauf für den Mai startet am 31. März 2021. Karten sind an der Theaterkasse, telefonisch unter 0611.132 325 oder online unter www.maifestspiele.de erhältlich. Auf der Homepage des Hessischen Staatstheater Wiesbaden werden alle Termine der »Maifestspiel-Specials« und des Ersatzprogramm im Mai bis zum 31. März 2021 aufgelistet sein.

Rheingold in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Detailliertes Programm der »Maifestspiel-Specials«

Oper / Konzert
In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange ist Richard Wagners Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« (siehe hier die Trailer des Hessichen Staatstheaters) in fulminanter Festspielbesetzung mit u.a. Klaus Florian Vogt als Sigmund, Catherine Foster als Brünnhilde, Andreas Schager als Siegfried, Albert Pesendorfer als Hunding und Johannes Martin Kränzle als Gunther zu erleben.
In »Der Barbier von Sevilla«, in der Inszenierung von Tilo Nest und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, singt Ioan Hotea die Partie des Grafen Almaviva, José Fardilha ist Bartolo, Mario Cassi singt die Partie des Basilio.
In der »Hochzeit des Figaro« übernimmt Erwin Schrott die Titelpartie. In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel ist zudem Florian Boesch als Graf Almaviva zu sehen.
Unter der Leitung von Konrad Junghänel geben Cantus Cölln, das renommierte solistische Ensemble für Chorgesang auf dem Gebiet der Alten Musik, ein Konzert ihrer Abschiedstournee mit Motetten von Johann Sebastian Bach in der Marktkirche.
Florian Boesch und Justus Zeyen am Klavier laden in diesem Jahr zu ihrem Liederabend mit Liedern von Franz Schubert, Ernst Krenek und Gustav Mahler in die musikalische Hochromantik ein.
Elektronische Musik und Live-Erlebnis verbinden der norwegische Jazztrompeter Arve Henriksen und J. Peter Schwalm in ihrem Konzert »Neuzeit«. Das Resultat sind Klangskulpturen von zeitloser Schönheit und musikalische Tracks, die einen suggestiven Sog entwickeln.

Performance / Lesung / Gespräch
Für sein Projekt »Das Schattenkabinett« stellt Bernd Freytag einen zehnköpfigen Chor aus Wiesbadener Bürger*innen zusammen und bildet damit in ihrer Diversität ein Sprachrohr, das sich an eine politische Utopie wagt und versucht eine Gegenwelt zu entwerfen. Die Uraufführung dieser Performance findet im Kunsthaus statt.

Die Walküre in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Theaterkritiker Peter Michalzik liest aus seinem Buch »Liebe in Gedanken«, das die Umstände einer Liebesgeschichte in Briefen nachzeichnet. Der Briefwechsel wird nun auf besondere Art lebendig, denn Valery Tscheplanowa und Wolfram Koch leihen dafür ihre Stimmen.
Die Podiumsdiskussion »Wider die Verpuffung«, eine Gesprächsrunde mit Künstlerin Melina von Gagern, Psychologin Adrienne Goehler und Wirtschaftspublizistin Samira Kenawi, widmet sich den grundsätzlichen Fragen zu der ungerechten Verteilung auf der Welt.

FutureLAB
Im »FutureLAB« in der Staatstheater-Spielstätte Wartburg werden verschiedene Projekte von Künstler*innen vorgestellt, die am Anfang ihrer Berufsausübung stehen und innovationswütig das Feld ihrer jeweiligen Kunst neu bestellen wollen. Das Hessische Staatsballett zeigt mit »FutureLAB: Aerowaves« ausgewählte Nachwuchschoreograf*innen, die eine Aufnahme unter die twenty-artists des europaweiten Tanznetzwerk Aerowaves geschafft haben. Unter dem Titel »FutureLAB: Kunst und Digits« erarbeiten Fellows der Akademie für Theater und Digitalität Dortmund gemeinsam mit Mitarbeiter*innen der Akademie die Möglichkeiten digitaler Technologien für die Darstellenden Künste. In Form eines Digitalprojekts entwickeln Absolvent*innen der Hochschule Ernst Busch Berlin im »FutureLAB: Spiel und Objekte« ein Gesellschaftsspiel zur Aushandlung von Gemeinschaft in ungewissen Zeiten.

Projektstipendien der Stadt Wiesbaden

Siegfried in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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»Wie wollen wir leben – Utopien im 21. Jahrhundert« – mit dieser Fragestellung haben sich Stipendiat*innen der Landeshauptstadt Wiesbaden anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Internationalen Maifestspiele beschäftigt. Theater- und Musikschaffende aus Wiesbaden waren aufgerufen, Projektvorschläge einzureichen, die zwischen Februar und April 2021 erarbeitet werden sollen. Eine fünfköpfige Jury entschied über die Vergabe der Stipendien, die mit jeweils 8.000 Euro dotiert sind. Die Arbeitsergebnisse werden als »Maifestspiel-Special« präsentiert.
»Meeting with monsters«, eine Tanzperformance mit Sounddesign, Tanz und Bildender Kunst, ist in der Wartburg zu sehen. Die Medien-Performance »ACCOUNT GESPERRT« im Kleinen Haus ist eine Show mit Musik frei nach Richard III. von William Shakespeare. Das DIDIMOS Ensemble präsentiert »2050 – Geschichten von Morgen« zum Thema Klimakrise und einer Utopie mit positiven Zukunftsentwürfen im Künstlerverein Walkmühle. Der Eintritt ist frei, um eine Spende vor Ort wird gebeten. Für »wise and shine! Stell dir vor es ist Schule und alle wollen hin.« entwirft das Ensemble Wanderbühne Freudenberg eine Zukunftsschule in Form einer partizipativen Performance auf Schloss Freudenberg. Tickets sind über den Ticketshop von Schloss Freudenberg zu erwerben. »Simple space – eine musikalisch-handwerkliche Performance« ist eine mehrtägige Performance im Wiesbadener Stadtwald, in der die Projektbeteiligten gemeinsam leben, musizieren und arbeiten. Der Eintritt ist frei. In der Nerobergmulde ist das Projekt »Der Raum Zwischen Uns«, ein partizipatives Tanzprojekt in dem die Auswirkungen einer sozialen Situation ausgelotet werden, zu sehen. Tickets sind über www.matthewtusa.com buchbar.

Junge Maifestspiele
Auch Produktionen der Jungen Maifestspiele sind in diesem Jahr zu erleben: »Daumesdick« (5+) ist ein Theaterabenteuer mit Musik nach den Gebrüdern Grimm in einer sehr poetischen Inszenierung. »Über Dodekaeder« (14+) wirft einen jungen Blick auf Sinn und Unsinn des Theaters. Das Stück gewann beim Leonardo-Award 2019 den 1. Preis in der Kategorie Theater. Das Konzert mit Live-Malerei »Ton in Ton« (14+) mischt in einem Sinnesrausch Töne und Pinselstriche. »Abbraccci« (3+) des Teatro Telaio beschäftigt sich mit dem Thema Zuneigung, ein Stück wie geschaffen für die heutige Zeit. Eine musikalische Darbietung von einem Menschen und Robotern für Menschen und Roboter wird in »Man Strikes Back« (6+) von Post uit Hessdalen gezeigt. Eine spannende Mischung aus Comedy, Pantomime und Stimmenimitation sowie erstaunlichen Tönen zeigt das Theater Triebwerk mit »Supervox« (9+). Das dokumentarische Tanztheater »Liebe üben« (10+) holt die Liebe aus dem 7. Himmel auf den Boden der Bühne herunter. Ein liebevoller Blick auf das Kleine ist mit dem JUST-Schauspiel »Die kleine Raupe« (3+) zu erleben. Zum Abschluss wird das »Mai Fest Spiel« mit dem szenischen Live-Hörspiel »Peter Pan« und dem JUST-Schauspiel »Märchen Märchen« präsentiert.

Die Götterdämmerung in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Bonustracks
Die Theaterpädagogik des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und die Museumspädagogik des Stadtmuseums Wiesbaden bieten mit »Maifestspiele im Wandel der Zeit« anlässlich des 125. Jubiläums gemeinsam Führungen an. Der Theaterclub Junior begibt sich mit »Mission Zukunft« auf historische Spurensuche in der Stadt und erarbeitet einen interaktiven Stadtspaziergang.
In Kooperation mit Wiesbaden Marketing sind besondere Musikalischen Stadtführungen zu erleben: Das Salonensemble des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden führt mit Conférencier Wolfgang Niebling durch den Kurpark und wandelt auf den Pfaden berühmter Persönlichkeiten, die Wiesbaden im 19. Jahrhundert zu einem glanzvollen Treffpunkt machten.
Die »Future History App«, ein Angebot von Wiesbaden Marketing, nimmt die Besucher*innen mit auf eine virtuelle Jubiläumstour hinter die Kulissen des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und macht verborgene Ecken und Winkel des Theaters erlebbar. Dieses Angebot ist kostenlos.

  • Ersatzprogramm im Mai:
    Oper
    Puccinis »Il trittico« feiert in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Alexander Joel und Albert Horne Premiere. Daniel Luis de Vicente, Olesya Golovneva, Ioan Hotea und Wolf Matthias Friedrich sind u.a. in verschiedenen Besetzungen zu erleben.
    In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange ist ebenfalls Richard Wagners Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« zu erleben. Die Opern»Der Barbier von Sevilla«, in der Inszenierung von Tilo Nest und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, und »Die Hochzeit des Figaro«, in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, stehen außerdem auf dem Ersatzprogramm. Schostakowitschs Oper »Lady Macbeth von Mzensk«, in der Inszenierung von Evgeny Titov und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange, ist ebenfalls im Mai zu erleben.
  • Ballett
    Das Hessische Staatsballett feiert mit dem zweiteiligen Ballettabend »Le sacre du printemps« von Bryan Arias, dem FAUST-Theaterpreisgewinner 2020, und Edward Clug im Großen Haus Premiere. Außerdem feiert das Ballett »Kamuyot«, eine Choreografie von Ohad Naharin, im Malsaal Premiere.
  • Schauspiel
    In der Inszenierung von Henriette Hörnigk feiern die Schauspiele »Schiffbruch« (Teil 2) und »Bergung« (Teil 3) von Tom Stoppards »Die Küste Utopias« Premiere und sind als Trilogie mit »Aufbruch« (Teil 1) an drei aufeinanderfolgenden Abenden zu sehen. George Bernard Shaws »Doktors Dilemma«, in der Inszenierung von Tim Kramer, ist ebenfalls als Premiere im Mai im Kleinen Haus zu erleben, ebenso die Schauspiel-Premiere »Quichotte«, in der Inszenierung von Daniel Kunze.
    Des Weiteren stehen die Deutschsprachige Erstaufführung »Admissions«, in der Inszenierung von Daniela Kerck, das Schauspiel »Die Pest«, in einer Fassung von Sebastian Sommer, sowie »Szenen einer Ehe«, in der Inszenierung von Ingo Kerkhof, auf dem Ersatzprogramm.
  • JUST
    Die JUST-Schauspiele »König Midas – ich? Oder: wie werde ich klug?« (8+), in der Inszenierung von Rainer Fiedler, und »Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse« (6+), in der Inszenierung von Stephan Rumphorst, sind im Studio zu sehen.

—| IOCO Aktuell Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wien, Staatsoper Wien, Online-Spielplan 7. – 12.4.2021 – Fidelio, Lohengrin .., IOCO Aktuell, 07.04.2021

April 7, 2021 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 ONLINE-SPIELPLAN  –  7. BIS 12. APRIL 2021

Fidelio, Cavalleria rusticana, Lohengrin, Peer Gynt, Tosca

Nach der heutigen Übertragung von Rigoletto aus 2016 startet die Wiener Staatsoper mit Beethovens Fidelio aus 2016 in die neue Streaming-Woche. Unter Peter Schneider sind u. a. Klaus Florian Vogt, Anja Kampe, Evgeny Nikitin, Stephen Milling und Valentina Nafornita zu erleben (7. April).

Weiters steht Wagners Lohengrin aus 2018 u. a. mit Andreas Schager, Elza van den Heever, Petra Lang, Evgeny Nikitin und Kwangchul Youn sowie Simone Young am Dirigentenpult auf dem Programm (8. und 11. April), gefolgt von Mascagnis Cavalleria rusticana u. a. mit Eva-Maria Westbroek, Brian Jagde und Ambrogio Maestri, gemeinsam mit Leoncavallos Pagliacci u. a. mit Roberto Alagna, Aleksandra Kurzak und Ambrogio Maestri. Die Vorstellung, aufgezeichnet am 2. November 2020 – dem letzten Tag vor der Covid-19-bedingten Schließung, dirigierte Marco Armiliato (9. April).

Trailer Lohengrin der Wiener Staatsoper –
youtube Wiener Staatsoper
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Das Wiener Staatsballett zeigt Peer Gynt aus 2018 unter Simon Hewett und u. a. mit Jakob Feyferlik, Alice Firenze, Eno Peci und Zsolt Török (11. April).

Am 12. April kann dann Puccinis Tosca, aufgezeichnet im Februar 2019, wieder erlebt werden: u. a. mit Sondra Radvanovsky, Piotr Beczala und Thomas Hampson und wiederum Marco Armiliato am Dirigentenpult.

Alle angeführten Streams sind in Österreich wie auch international kostenlos auf der Webseite play.wiener-staatsoper.at verfügbar. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr, die Übertragungen sind 24 Stunden lang abzurufen.

Bildmaterial zu den Produktionen finden Sie hier (kostenlose Verwendung bei Angabe der Credits für aktuelle redaktionelle Berichterstattung).
Credits: Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
Ballett Peer Gynt: Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Das Programm bis einschließlich 12. April 2021:

Trailer Fidelio mit Otto Schenk Interview –
youtube Wiener Staatsoper
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Mittwoch, 7. April 2021, 19.00 Uhr
Ludwig van Beethoven
FIDELIO (Vorstellung vom 14. Jänner 2016)
Oper in zwei Akten
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Otto Schenk
Mit u.a.: Klaus Florian Vogt, Anja Kampe, Evgeny Nikitin, Stephen Milling, Valentina Nafornita

Donnerstag, 8. April 2021, 19.00 Uhr
Richard Wagner
LOHENGRIN (Vorstellung vom 2. November 2018)
Romantische Oper in drei Akten
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Andreas Homoki
Mit u.a.: Andreas Schager, Elza van den Heever, Petra Lang, Evgeny Nikitin, Kwangchul Youn

Freitag, 9. April 2021, 19.00 Uhr
Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo
CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI (Vorstellung vom 2. November 2020)
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Inszenierung: Jean-Pierre Ponnelle
Mit u.a.: Eva-Maria Westbroek, Brian Jagde, Ambrogio Maestri, Zoryana Kushpler, Isabel Signoret;
Roberto Alagna, Aleksandra Kurzak, Ambrogio Maestri, Andrea Giovannini, Sergey Kaydalov

Trailer Peer Gynt mit Werner Egk Interview –
youtube Wiener Staatsoper
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Samstag, 10. April 2021, 19.00 Uhr – BALLETT
Edvard Grieg
Peer Gynt (Vorstellung vom 4. Dezember 2018)
Musikalische Leitung: Simon Hewett
Choreographie: Edward Clug
Mit u.a.: Jakob Feyferlik, Alice Firenze, Eno Peci, Zsolt Török, Solistinnen und Solisten, Corps de ballet des Wiener Staatsballetts

Sonntag, 11. April 2021, 19.00 Uhr
Richard Wagner
LOHENGRIN (Vorstellung vom 2. November 2018)
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Andreas Homoki
Mit u.a.: Andreas Schager, Elza van den Heever, Petra Lang, Evgeny Nikitin, Kwangchul Youn

Montag, 12. April 2021, 19.00 Uhr
Giacomo Puccini
TOSCA (Vorstellung vom 17. Februar 2019)
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Inszenierung: Margarethe Wallmann
Mit u.a.: Sondra Radvanovsky, Piotr Beczala, Thomas Hampson, Ryan Speedo Green

Über den weitere Online-Spielplan informiert zeitnah, nähere Informationen  laufend auf wiener-staatsoper.at.

 

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Das Lied von der Erde – Gustav Mahler, IOCO Kritik, 07.07.2020

 Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Das Lied von der Erde – Gustav Mahler

Symphonischer Liederzyklus für Soli und Kammerorchester

bearbeitet von Arnold Schönberg, vollendet von Rainer Riehn 1983 –  aus dem Chinesischen übertragen  von Hans Bethge

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1. Das Trinklied vom Jammer der Erde – nach Li-Tai-Po (Tenor)

2. Der Einsame im Herbst – nach Chang Tsi (Bariton)

3. Von der Jugend – nach Li-Tai-Po (Tenor)

4. Von der Schönheit – nach Li-Tai-Po (Bariton)

5. Der Trunkene im Frühling – nach Li-Tai-Po (Tenor)

6. Der Abschied – Textneuschöpfung von Gustav Mahler  (Bariton)

von  Ingrid Freiberg

Wehmütige Gedanken im schönsten Kurhaus der Welt

In dem Corona-bedingt schon mit nur wenigen Zuhörer*innen ausverkauften Saal sitzend, das prächtige Ambiente bewundernd und sinnend, dass Kaiser Wilhelm II. im Mai 1907 der Einweihung des Kurhauses Wiesbaden beiwohnte, welches als Nachfolger des 1810 fertiggestellten kleineren Cursaals von Friedrich von Thiersch erbaut wurde, enden in wehmütigen Gedanken. Wenig hilfreich ist dabei, dass der Kaiser das Haus überschwänglich als das „schönste Kurhaus der Welt“ würdigte.

Yin und Yang in Gustav Mahlers Musik

Gustav Mahler Grabstätte in Wien © IOCO

Gustav Mahler Grabmal Wien © IOCO

1907 gelang das Insel-Bändchen Die chinesische Flöte in Gustav Mahlers Hände. Alma Mahler erinnert sich: Die Gedichte entzückten mich so sehr, dass ich sie meinem Ehemann vorlas. Hans Bethge, ein Orientalist, hatte die altchinesische Lyrik – knapp 70 Gedichte – ins Deutsche übertragen. Mahler war emotional sehr berührt und entdeckte sich in ihr wieder. Die Lyrik ist gezeichnet von Yin und Yang: vom Tag, der Nacht, dem Frühling, dem Herbst, von hell und dunkel. Jedes Stück wechselt sich im Charakter ab. Der Tenor singt das Lebensbejahende, das Exzessive, die Freude am Leben, der Bariton den Herbst, die Ruhe, den Frieden und zum Schluss den Abschied.

Der Abschied ist eine Textneuschöpfung Mahlers, der zwei Gedichte verschiedener Autoren mit eigenen Verszeilen kombinierte – in der Verbindung von rezitativischen und ariosen Elementen und der gattungsübergreifenden Formanlage eine Mittelposition einräumte. Die Musik gehört zum Berührendsten was Gustav Mahler geschrieben hat: Es ist ein Abschiednehmen von der Erde, ein Wandern in die Berge, wo das einsame Herz Ruhe findet… Damit hat er seinen Abschied vorbereitet. Der Komponist mag in den von ihm ausgewählten Gedichten des 8. und 9. Jahrhunderts, die die Entfaltung und Neige des menschlichen Lebens durch die Abfolge der Jahreszeiten symbolisieren, manches von der Ursprünglichkeit der Wunderhorn-Lyrik wiedergefunden haben.

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Schicksalhafte Einbrüche

Das Jahr 1907 brachte dem Komponisten schicksalhafte Einbrüche: beruflich die Aufgabe der Wiener Direktorenposition und der Weggang nach New York, privat der plötzliche Tod seiner Tochter Maria Anna und die Diagnose des eigenen schweren Herzleidens. Alma hielt fest: …jetzt überfielen ihn diese maßlos traurigen Gedichte! Er skizzierte auf weiten einsamen Spaziergängen die Orchesterlieder, aus denen ein Jahr später Das Lied von der Erde werden sollte. Mahler war ein sogenannter Sommerkomponist, der sich in jedem Jahr ein Sommerhaus mietete, ein Klavier hineinstellte, um dort seine Symphonien zu schreiben. Das war ihm in seinem Schicksalsjahr 1907 nicht möglich… Während seiner Hauptarbeitsphase im darauffolgenden Sommer 1908 wandelte sich das ursprüngliche Lied-Konzept. Die Arbeit vergrößerte sich. Mahler verband die einzelnen Texte, komponierte Zwischenspiele. Die Lieder trugen der im Jugendstil verbreiteten Asiatica-Mode Rechnung.

Das außerordentliche Werk ließe sich doppelt definieren: als eine zum Symphonischen hin verdichtete Liederfolge oder als eine großangelegte Symphonie mit Singstimmen. Nach Abschluss der ins Oratorische sich öffnenden Achten und vor dem Entschluss zu weiteren, nun wieder rein instrumentalen Symphonie-Projekten, sah Mahler in der Mischgattung Lied von der Erde eine reizvolle Möglichkeit. Die nachfolgende Neunte konnte er vollenden, während es ihm bei der Zehnten nicht mehr möglich war.

 Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Es gelangen mehrere Fassungen des Liedes von der Erde zur Aufführung: neben der großen Orchesterfassung, eine von Mahler selbst stammende Klavierfassung (statt Orchester), die über den Rang eines Klavierauszugs zu Studienzwecken hinausgehend für konzertmäßige Aufführungen gedacht ist, oder die später von Arnold Schönberg und Rainer Riehn erarbeitete kammermusikalische Fassung für 14 Instrumentalisten. Die Idee, in Wiesbaden eine kammermusikalische Fassung zur Aufführung zu bringen, kam von Klaus Florian Vogt. (Juraj Cizmarovic 1. Violine, Maryna Veremeeva, 2. Violine Irene Baiter Viola, Christoph Lambrecht Violoncello, Nicolà von Goetze Kontrabass, Mátyás Bicsák Flöte, André van Daalen Oboe, Franz-Josef Wahle Englischhorn, der sich mit diesem Konzert nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, Adrian Krämer Klarinette, Dörte Sehrer Es-Klarinette, Charlotte Gombert Bassklarinette, Peter Brechtel Fagott, Jens Hentschel Horn, Edzard Locher, Martin Lorenz, Ferdinand Reitberger Schlagwerk, Joachim Enders Klavier, Tim Hawken Harmonium / Celesta).

 Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg

Arnold Schönberg und der Verein für musikalische Privataufführungen

Diese Fassung ist hochinteressant und hat eine Vorgeschichte: In Wien gab es in den Jahren 1918 – 1923 einen Verein für musikalische Privataufführungen, den Arnold Schönberg gegründet hat. Ziel des Vereins war es, Musik der Zeit aufzuführen. Damals gab es noch keine Tonträger und damit auch keine Möglichkeit, Musik außerhalb eines Konzertsaales zu hören. So haben Schönberg und Kollegen für Freunde große Stücke klein arrangiert. Leider ist der Verein 1923 Pleite gegangen. Das ist auch der Grund, warum Schönberg Das Lied von der Erde nicht fertig arrangiert hat. Für ein Toblacher Mahler-Festival  im Jahre 1983 führte Riehn Schönbergs Arbeit am Lied von der Erde fort. An der vorgegebenen Besetzung änderte Riehn mit Ausnahme der fakultativen Hinzufügung einer Celesta für den Schluss des Abschieds, die das Ewig… begleitet und deren Kaskaden den Übergang zum Göttlichen herzergreifend beschreiben, nur den Verzicht auf eine 3. Violine. Schönberg hatte bereits die Fülle eines ganzen Orchesters in diese zwei Instrumente mit aufgeteilt und damit einen erstaunlich vollen Klang erreicht. Das ist insofern zu erwähnen, da Mahlers Musik meist als bombastisch gilt. Eine kammermusikalische Fassung kann eigentlich nur eine Essenz von diesem Riesenwerk sein und wird doch durch den höchst virtuosen Klavierpart, ein Harmonium vom Ende des 19. Jahrhunderts, die Celesta und das über die Maßen präzise und mit glühendem Engagement aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden zu einem Klangrausch.

Eine bedrückende Zeit wird für Wiesbaden zum Glücksfall

Es ist eine bedrückende Zeit, Corona hat die Kulturszene stark verändert: Die beiden Weltstars Klaus Florian Vogt und Michael Volle wären längst zu Proben in Bayreuth, wo sie als Stolzing und Sachs in der Wiederaufnahme der Meistersinger engagiert waren. Vogt wäre zudem der Siegmund im neuen Ring gewesen. Für Wiesbaden wird dieser für die beiden Künstler schmerzhafte Umstand allerdings zum Glücksfall.

Im Trinklied vom Jammer der Erde begeistert Klaus Florian Vogt mit seinem lyrischen Tenor, indem er wunderbar den Bogen zwischen …einem vollen Becher Weins zur rechten Zeit… und  …dunkel ist das Leben, ist der Tod… spannt. Der Textdichter Li-Tai-Po war, wie sein Übersetzer Hans Bethge schreibt, ein Abenteurer und Trinker. Der Trunkene im Frühling ist auch eine Verbindung mit Mahlers Zeitgenossen Friedrich Nietzsche: Welterkenntnis durch Rauschzustand und Einflüsterungen der Natur. Der Scherzocharakter wird durch die burleske Instrumentation mit Trillern, Pizzicati und lustigen Vorschlägen unterstrichen. Mit Leidenschaft, Seele und Zärtlichkeit verzaubert Vogt mit seiner prachtvollen Stimme das Publikum.

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Mit hingebungsvoller Virtuosität berührt Michael Volle – bis zu Tränen – im Bekenntniswerk über Leben und Tod, über Jugend und Schönheit, über Sehnsucht und Vergänglichkeit. Der Einsame im Herbst ist ein Gleichnis für den Seelenzustand: Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange. Der Tod wird als Stätte von Frieden und Heimat herbeigesehnt. Der leidenschaftliche Ausbruch: Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen ergreift. Einfühlsam gelingt Volle die Interpretation Von der Schönheit der anmutigen jungen Mädchen. Sie wird nur durch einen atemlosen, marschartigen Mittelteil unterbrochen. Der Abschied ist das weitaus längste Lied – ein überwältigender Abgesang, ein zeit- und raumloser Abschied von der Liebe und dem Leben. Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?, fragte sich Mahler. Alle vorhergehenden Distanzierungen durch Burleske, Ironie oder Exotismus werden aufgehoben. Es ist eine musikalische Erzählung vom Sterben, die sich viel Zeit nimmt. Immer wieder gerät sie ins Stocken, unterbrochen von dem Tam-Tam-Schlägen des Todes: Die Welt schläft ein. Der Komponist fügte Zeilen aus einem eigenen Jugendgedicht ein: Die müden Menschen gehn heimwärts, um im Schlaf vergess‘nes Glück und Jugend neu zu lernen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem Gefährten mündet in einen Trauermarsch. Danach antwortet der Freund sehr weich und ausdrucksvoll. Die erstarrte Trauer weicht einem warm strömenden Gesang, der die Gewissheit des Todes ruhig akzeptiert. Die Farben des Harmoniums und der Celesta kommen hinzu, für Mahler Klangsymbole der Weltentrücktheit. Das mehrfach wiederholte Wort Ewig… steht am Schluss, sich ins Unhörbare auflösend, gänzlich ersterbend. Volle gelingen sensible, privat anmutende Empfindungen.

Gustav Mahler HH © IOCO

Gustav Mahler HH © IOCO

Haben Sie eine Ahnung wie man das dirigieren soll? Ich nicht!, fragte der Dirigent und Mahler-Vertraute Bruno Walter den Komponisten, nachdem er die soeben fertiggestellte Partitur von dem mit Der Abschied betitelten letzten Satz studiert hatte. Mahlers Antwort darauf ist nicht überliefert – Walters Reaktion jedoch ist im Hinblick auf die emotionale Tiefe des Werkes nachvollziehbar. GMD Patrick Lange gelingt der enorme Kraftaufwand. Klangzauberisch entlockt er fein ausdifferenziert und nuanciert dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden innigste Soli – zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlsausbrüchen verbindend. Die Grenze zwischen Klang und Stille verwischt sich. Leben geht in Tod auf.

Äußerst berührend ist die minutenlange Stille am Schluss – bis sich das Publikum, teilweise mit Tränen in den Augen, spontan zu Standing Ovations erhebt, die fast dreißig Minuten andauern.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatsorchester Wiesbaden |—

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