Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan Überblick Januar 2020

Dezember 2, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Pressemeldung, Spielpläne

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 

Sa 04.01. – 19.30 Uhr Theater Duisburg
Wiederaufnahme: „Le Nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts „Le Nozze di Figaro“ hat alles, was einen unterhaltsamer Opernabend auszeichnet: Verwirrungen, Verwechslungen und Blamagen. Zentrales Motiv ist wie so oft die Liebe: Die Bediensteten Susanna und Figaro möchten heiraten, doch ihr Dienstherr, der Graf Almaviva, will dies verhindern, solange die hübsche Kammerzofe nicht seine Liebesbeute geworden ist. Hinter dem großen Spaß offenbart sich die große Tragödie: In Mozarts Musik wie auch in da Pontes Libretto tun sich immer auch die Abgründe der menschlichen Seele auf. Regie-Altmeister Michael Hampe inszenierte die Oper in stimmungsvollen klassischen Bühnenräumen und Kostümen von German Droghetti, die musikalische Leitung haben alternierend David Crescenzi und Benjamin Reiners.


Fr 10.01.-19.30 Uhr Theater Duisburg
BALLETTPREMIERE b.42: Balanchine / ?uchean? / Schläpfer

Als metaphorische Reise an einen Ort „voller ferner, dunkler Geheimnisse“ beschreibt Remus ?uchean? seine choreographische Auseinandersetzung mit Anna Thorvaldsdottirs Komposition „Metacosmos“. „Symphonic Poem“ ist seine fünfte Arbeit für das Ballett am Rhein und steht im Zentrum des neuen Ballettprogramms.

Den Anfang macht „Square Dance“ von George Balanchine: 1957 für das New York City Ballet kreiert, entfalten sich zu Musik von Vivaldi und Corelli Tänze voll sprühender Leichtigkeit, virtuoser Beinarbeit, purer Linien, aber auch Leidenschaft und Lyrik. Mit „Reformationssymphonie“ studiert die Compagnie ein Werk aus Martin Schläpfers erster Spielzeit mit dem Ballett am Rhein neu ein: In seiner expressiven Bewegungssprache erzählt es gleichermaßen von Härte und Aggressivität wie von luftigen Höhen, die von aller Erdenschwere befreit scheinen: eine eindringliche Frage nach dem Tanzen an sich, nach der Bewegung und dem, was dahinter steht.

Die Ballettwerkstatt bietet mit Gesprächen und einer öffentlichen Probe am Dienstag, 07.01., um 18.00 Uhr bei freiem Eintritt im Theater Duisburg erste Einblicke in das Ballettprogramm b.42.


Sa 11.01. – 15.00 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Konzert zum Abschluss der Meisterklasse unter der Leitung von Michael Volle

Im Januar und Februar stehen für die Sängerinnen und Sänger des Opernstudios gleich zwei Meisterklassen bei international renommierten Künstlern auf dem Programm: Zu Jahresbeginn wird erstmals Bariton Michael Volle mit dem Opernstudio arbeiten. Zu Beginn der vergangenen Spielzeit war Volle als Mandryka in „Arabella“ in Düsseldorf zu erleben, 2020 steht er u.a. in Berlin, Paris, an der Wiener Staatsoper, der MET New York, dem Teatro alla Scala Milano und bei den Bayreuther Festspielen auf der Bühne. Am 15. Februar folgt die Meisterklasse der vielseitigen argentinischen Mezzosopranistin Bernarda Fink, die als eine der weltweit meist gefragten Lied- und Konzertsängerinnen mit allen bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammenarbeitet und sich zudem seit Jahren regelmäßig auch in Meisterkursen der Förderung  junger Sängerinnen und Sänger widmet.


Di 14.01. – 19.30 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Stephen Harrison & Friends: Eine Robert-Schumann-Soiree

„Kennst Du das Land, in dem die Zitronen blühen“, so beginnt diese Soiree mit dem ersten der neun Lieder nach Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. In die Sprache romantischer Musik transponiert hat sie Robert Schumann. „Es affiziert mich alles, was in der Welt vorgeht!“, schreibt er 1838 an seine zukünftige Frau Clara Wieck. Kurz nach der Hochzeit widmete er sich verstärkt der innigsten musikalischen Form: „Liebesfrühling“ entstand in seinem „Liederjahr“ 1841 gemeinsam mit seiner Frau. Schumann-Kenner und Pianist Stephen Harrison schlägt mit seinen Gesangssolisten und Musikern feinsinnig den Bogen zu Schumanns einzigem Klavierquartett, das nur ein Jahr später entstand und im Leipziger Gewandhaus mit Clara Schumann am Flügel seine Uraufführung erlebte.


Mi 15.01. – 19.30 Uhr Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Madama Butterfly“ von Giacomo Puccini

Die japanische Geisha Cio-Cio-San bricht aus Liebe zu dem amerikanischen Marineoffizier Pinkerton mit ihren Traditionen und schlägt den American Way of Life ein. Ihre Familie verstößt sie, er reist ab. Sie ist sich sicher, er wird wiederkommen und mit ihr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten neu anfangen – mit ihr und ihrem gemeinsamen Sohn. Als Pinkerton nach drei Jahren tatsächlich wieder japanisches Land betritt, bringt er seine US-amerikanische Ehefrau mit und kommt nur zurück, um den gemeinsamen Sohn abzuholen. Cio-Cio Sans grausame Desillusionierung und ihr Freitod werden zum erschütternden Zeugnis über die weitreichenden Folgen einseitigen Kulturtransfers. Puccini erzählt unter Verwendung japanischer Originalmelodien und raffinierter Klangmalereien eine „japanische Tragödie“, deren himmelschreiendes Unrecht über alle Kontinente hinweg berührt.


So 19.01. – 11.00 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Symphoniker im Foyer: Fledermaus trifft Freunde

Knapp eine Woche vor der Düsseldorfer Premiere der „Fledermaus“ schlagen auch die Herzen der Düsseldorfer Symphoniker im Dreivierteltakt. In ihrer beliebten Kammermusikreihe „Symphoniker im Foyer“ widmen sich 10 Holzbläser*innen und eine Harfenistin gemeinsam mit den Solistinnen Heidi Elisabeth Meier (Sopran) und Kimberley Boettger-Soller (Mezzosopran) diesmal dem Wirken des weltberühmten „Fledermaus“-Komponisten Johann Strauß (Sohn) und seines nicht minder populären Kollegen Jacques Offenbach. In prägnanten Arrangements erklingen die beliebtesten Melodien aus der „Fledermaus“ und den Operetten Jacques Offenbachs neben Strauß? „Frühlingsstimmenwalzer“.


Sa 25.01. – 19.30 Uhr Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn)

„Champagner hat’s verschuldet, tralalalala“, mag sich manch einer gerade nach der Beerdigung des Hoppeditz denken. Der König der Weine ist auch der Brennstoff für die turbulenten Verwicklungen in Johann Strauß? berühmtem Operetten-Klassiker „Die Fledermaus“, der in der bildgewaltigen Inszenierung von Regisseur Axel Köhler nach seiner umjubelten Duisburger Premiere ab Januar endlich auch auf der Düsseldorfer Bühne zu erleben ist. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der respektable Gabriel von Eisenstein, der für ungebührliches Verhalten eine mehrtätige Arreststrafe verbüßen soll. Freund Notar Dr. Falke überredet ihn, Sorgen und Ehefrau Rosalinde noch einmal auf dem rauschenden Maskenfest des Prinzen Orlofsky zu vergessen. Doch auch Rosalinde und ihre vergnügungslustige Reinigungshilfe Adele haben eine Einladungskarte erhalten. Als die Masken fallen, kommt es, wie es kommen muss… nur gut, dass es da noch König Champagner I. gibt, dem man die Schuld geben kann.

Axel Köhler und sein Team machen Gabriel von Eisenstein zu einem umtriebigen Düsseldorfer Lokalpolitiker, der mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs der Landeshauptstadt zu neuem Glanz zu verhelfen will. Vor dieser intergalaktischen Kulisse tanzt, singt und spielt ein großes Ensemble aus Hausmitgliedern und Gästen wie dem bekannten Schauspieler Wolfgang Reinbacher als Frosch.

Die Opernwerkstatt bietet mit Gesprächen und einer öffentlichen Probe am Dienstag, 21.01., um 18.00 Uhr bei freiem Eintritt im Opernhaus Düsseldorf erste Einblicke in Strauß? Operetten-Klassiker.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Götterdämmerung – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.11.2018

November 10, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Götterdämmerung – Richard Wagner

– Dietrich W. Hilsdorfs stoischer Rückzug aus der Ring-Regie –

Von Hanns Butterhof

Mit der Götterdämmerung ist der Düsseldorfer Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Regie von Dietrich W. Hilsdorf abgeschlossen, ohne als ganzer und auch jetzt mit dessen drittem Abend voll zu befriedigen. Einer guten musikalischen Leistung des Sängerensembles und der Düsseldorfer Symphoniker unter Axel Korber steht entgegen, dass die Regie keine schlüssig übergreifende Konzeption gefunden und sich in der Götterdämmerung bis in die Nähe zum Konzertanten zurückgezogen hat.


Götterdämmerung – Richard Wagner
Youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Vorspiel der Götterdämmerung nutzt Hilsdorf zu einem Statement über sein Regieverständnis. Da kommen drei ältere Damen in wilhelminisch-jugendstilähnlicher Gewandung (Kostüme: Renate Schmitzer) zum Kaffeeklatsch vor der romantischen Kulisse des Rheins am Drachenfels zusammen. Mit unüberhörbaren Anklängen an das Schauspiel Kalldewey, Farce von Botho Strauß sind es die drei schicksalspinnenden Nornen (Susan Maclean, Sarah Ferede und Morenike Fadaymi), die das Elend der Welt betratschen. Es ist immer das gleiche, sie ist aus den Fugen, spätestens seit Siegfried den Speer Wotans zerschlagen hat. Jetzt ist ihr Schicksal-Seil zerschlissen, das sie sich wie einen unsichtbaren Ball zuwerfen. Da zitiert Hilsdorf direkt Botho Strauß mit einem Schriftzug über der Bühne:

Der Rest ist Theater, der letzte unserer magischen Versuche, die Ängste uns auszutreiben.

Dazu flackern aufgeregt die Varieté-Lämpchen, die schon seit dem Rheingold die Bühne umrahmen. Und am Schluss formuliert er, wieder Strauß zitierend, seinen Konzeptionsverzicht, verbunden mit der Aufforderung an das Publikum: Nehmt euch, was ihr gebrauchen und erhalten könnt. Der Rest, das ist die Götterdämmerung, und jeder sehe zu, was sie ihm sagt.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Die Rheintöchter © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Die Rheintöchter © Hans Joerg Michel

– Kammerspiel auf dem Hinterdeck –

Dann fällt die Rheinkulisse und gibt den Blick frei auf das marode Schiffchen MS Wodan, das Kernstück der von Dieter Richter entworfenen Einheitsbühne. Das Schiff liegt an einem Landungssteg, den man sich durchaus am Rhein denken darf, und ist, nun ja,  Brünnhilde-Felsen, Gibichungen-Halle und schließlich der Scheiterhaufen für Siegfried. Optisch ist das Bühnenbild von beeindruckender Düsternis. Das Schiff vermittelt auch den Anschein, als triebe es während der Handlung bedeutungsvoll aus mythischen Urgründen der Gegenwart entgegen und auf Düsseldorf und Duisburg zu. Dass es dabei seinen Landungssteg mitführt, trübt allerdings die Plausibilität des in lichtschwacher Videoprojektion burgenbestanden vorüberziehenden Rheinufers. Die Entscheidung, die wesentlichen Teile der Handlung auf dem Schiff spielen zu lassen, engt den Spielraum der Akteure erheblich ein und lässt das Weltgeschehen des Rings zu einem Kammerspiel auf dem Hinterdeck schrumpfen.

Weniger aus der räumlichen Enge treibt es dann Siegfried (Michael Weinius) davon zu neuen Taten. Er hält eher die Spießigkeit auf dem Hinterdeck nicht aus, auf dem Brünnhilde (Linda Watson) neben einem Weihnachtsbäumchen an der Reling sitzt und Höschen für den Nachwuchs strickt. Bei aller Beteuerung von strahlender Liebe, bei allen jubilierend vielfachen Heil-Rufen ist kaum Beziehung zwischen beiden zu spüren. Siegfried hat seine frühere Knabenhaftigkeit verloren und sich zu einem Bruder Leichtfuß entwickelt, der das Wissen, das ihm Brünnhilde vermacht hat, so wenig zu bewahren weiß wie seine Liebe zu ihr. So kann am Hof der Gibichungen Gutrune (Sylvia Hamvasi)  getrost den Siegfried von Hagen (Hans-Peter König) zugedachten Vergessenstrank verschütten. Siegfried verfällt ihr auch ohne diesen auf der Stelle, vielleicht weil sie so sehr das Gegenstück zu Brünnhilde ist. Sie ist fast klassisch weiblich passiv und auch an der späteren Intrige bestenfalls billigend inkaufnehmend beteiligt. Dass sie offenbar an der Nadel hängt ist für den Fortgang der Handlung ebenso bedeutungslos wie der angedeutete Alkoholismus ihres Bruders, König Gunther (Bogdan Baciu).

Hagen, der Sohn Alberichs (Michael Kraus) und Stiefbruder der königlichen Gibichungen, hat nichts als den Gewinn des Rings und damit die Herrschaft über die Welt im Sinn. Er zieht in der Götterdämmerung nur zu diesem Zweck die Fäden. Hans-Peter König gibt ihm stimmlich und enorm bühnenpräsent die entsprechende Statur, ohne eine wirkliche Kontrastfigur zu Siegfried zu sein. Seine Ähnlichkeit mit diesem weist vielmehr darauf hin, dass beide je auf ihre Weise das Programm ihrer Vorfahren verfolgen – und verraten.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson) © Hans Joerg Michel

Um Gutrune heiraten zu dürfen, lässt sich Siegfried auf den Plan Hagens  ein, für den schwachen König Gunther und in dessen Gestalt – der Tarnhelm aus dem Nibelungenhort macht es möglich – Brünnhilde als Braut zu gewinnen. Die grauenvolle, Brünnhilde vergewaltigende Handlung vollzieht sich erstaunlich gesittet; so wenig vorher Liebe zwischen Siegfried und Brünnhilde, so wenig ist jetzt die Gewalt zwischen ihnen spürbar; nur als ihr Siegfried den Ring entreißt, kommt Bewegung auf.

Der nicht nur der Enge auf dem Schiffsdeck geschuldete Mangel an Bewegung zieht sich durch die ganze Götterdämmerung. Das ist selbst in der einzigen Chorszene der Fall, als Hagen die Mannen zusammenruft. Bei der Rückkehr Siegfrieds und dann Gunthers mit Brünnhilde sollen sie Zeugen der Schwäche ihres Königs und des Betrugs an Brünnhilde werden. Dazu drängt sich dann ein Stadtsoldaten-Karnevalsverein auf dem Schiffsdeck zusammen. Bewegung findet nur auf dem Landungssteg statt, wo als Hinweis auf das  Leid Brünnhildes bedeutsam ein Tanzmariechen mit Spagat-Übungen gequält wird.

Recht statuarisch geht es dann weiter dem Ende zu, bis Siegfried vor der Projektion rauchender Industrieschlote bei Duisburg von Hagen hinterrücks kühl erstochen wird. Dem sterbend im Schiffsbauch der MS Wodan verschwindenden Siegfried werfen wie bei einer Seebestattung Stadtsoldaten die Flaggen der deutschen Geschichte hinterher. Dem Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Hakenkreuzflagge des III. Reichs und dem Schwarz-Rot-Gold Nachkriegsdeutschlands mit und ohne die DDR-Applikation Hammer und Sichel folgt eine gänzlich weiße Flagge. Sie kann das Leichentuch der deutschen Geschichte so gut meinen wie die Kapitulation vor einer Deutung der ganzen Ring-Geschichte. Oder sie mag die  Freifläche sein, die vom geneigten Publikum mit eigenen Assoziationen  gefüllt werden kann, während es Brünnhilde zusieht. Die steht heroisch auf der MS Wodan, auf der ein kleines Feuerchen als Hinweis auf Siegfrieds Scheiterhaufen flackert, und wirft den Ring zu den Rheintöchtern hinab, um ihn zu entsühnen. Die munteren Mädchen (Anne Krabbe, Kimberley Boettger-Soller und Ramona Zaharia) setzen sogleich das am Ring haftende Morden fort, indem sie Hagen, der ihnen beim Erhaschen des Rings zuvorkommen wollte, ein nasses Grab bereiten.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Hagen (Hans-Peter König), Alberich (Michael Kraus) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Hagen (Hans-Peter König), Alberich (Michael Kraus) © Hans Joerg Michel

Wenn man schon meint, nun seien alle tot, hat Hilsdorf zur hoffnungsfrohen Schlussmusik bei erleuchtetem Zuschauerraum doch noch eine Botschaft parat. Wotan, der auf dem Besetzungsplan der Götterdämmerung gar nicht mehr vorgesehen ist, erscheint wie im Siegfried, als er Mime die Wissenswette aufzwang, mit Bart und Fahrrad. Dann legt er das Götterkostüm des Wanderers ab, enthüllt darunter einen bürgerlichen Straßenanzug von heute, und schiebt fröhlich sein Fahrrad in die Kulisse. So könnte der Bürger der neue Wotan sein, nachindustriell und ökologisch.

Es sind die von sich aus ruhigen Szenen wie die dramatische  Unterredung Brünnhildes mit ihrer Walkürenschwester Waltraute (Katarzyna Kunico) oder der eindringliche Wachtraum-Dialog Hagens mit Alberich, die voll überzeugen. In ihnen wirken alle Elemente des Musikdramas glücklich zusammen, Gesang, Darstellung und Orchestermusik. In ihnen ist auch die Personenführung zu spüren, auf die Hilsdorf wenig achtet und sich gern damit begnügt, ein charakterisierendes Schlaglicht auf eine Figur zu werfen und sie ansonsten singen zu lassen.

Es ist die Musik, die über die gut fünfstündige Götterdämmerung trägt. Star des guten Ensembles ist Hans-Peter König als Hagen, der mit wuchtigem, dominantem Bass szenisch und stimmlich beeindruckt. Ihm kann man zutrauen, dass er Gunter von jeher klein gemacht hat, denn  Bogdan Baciu hat stimmlich raumgreifend alle Anlagen zum König, gesangsdarstellerisch ist der Bariton einsame Spitze. Linda Watson  bringt ihre ganze Bühnenerfahrung mit und gibt der Brünnhilde immer wohlklingend stimmliche Substanz, in der Trauer überzeugender denn als Liebende. Michael Weinius ist ein Siegfried von bewundernswerter stimmlicher Kondition und heldentenoralen Spitzen, der in den lyrischen Partien am Ende auch menschliche Wärme ausstrahlt. Sie  zwischenmenschlich darzustellen gelingt ihm nicht so recht, auch nicht bei der Gutrune Sylvia Hamvasi, deren schöner Stimme das Orchester mehr Raum hätte zugestehen können. Katarzyna Kunico als Waltraute und Michael Kraus als Alberich,  die Rheintöchter Anne Krabbe, Kimberley Boettger-Soller und Ramona Zaharia sowie die Nornen   Susan Maclean, Sarah Ferede und Morenike Fadayomi und schließlich der von bedrohlich karnevalistischer Heiterkeit überschäumende Chor (Einstudierung: Gerhard Michalski)  komplettieren die gute sängerische Gesamteistung.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Woglinde (Anke Krabbe), Siegfried (Michael Weinius), Floßhilde (Ramona Zaharia), Wellgunde (Kimberley Boettger-Soller) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Woglinde (Anke Krabbe), Siegfried (Michael Weinius), Floßhilde (Ramona Zaharia), Wellgunde (Kimberley Boettger-Soller) © Hans Joerg Michel

Wesentlichen Anteil daran, dass der Abend sich nicht in die Länge zieht, hat Axel Kober am Pult der engagiert spielenden Düsseldorfer Symphoniker. Er setzt nicht auf den großen überwältigenden Wagnersog, sondern begleitet die Handlung so sorgfältig, dass im unaufdringlichen Herausarbeiten der Leitmotive viel mehr hörbar wird, als die Szene zeigt. Er zieht in die Götterdämmerung hinein, raunt mit den Nornen, albert mit den Rheintöchtern, kann es so ausdrucksstark krachen wie die wilde Geschichte auch hoffnungsfroh sanft enden lassen.

Götterdämmerung an der Deutschen Oper am Rhein; die weiteren Vorstellungen am 18. und 25.11.2018 17.00 Uhr, 2.12.2018 15.00 Uhr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Die Fledermaus – Johann Strauss, 08.12.2018

November 9, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Operette, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Die Fledermaus  –  Johann Strauß

Als neue Operettenproduktion feiert Die Fledermaus von Johann Strauß am Samstag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr Premiere im Theater Duisburg. Ihr Reichtum an musikalischen Einfällen, der unnach­ahmliche Wiener Schmäh, eine lustvolle Lebens­welt, in der der Champagner regiert, und eine Intrige, die sich schmerzlos einpasst in nicht ganz saubere, aber letztlich geordnete bürgerliche Verhältnisse machen Die Fledermaus bis heute zur beliebtesten Wiener Operette.

Deutsche Oper am Rhein / Kimberley Boettger-Soller (Prinz Orlofsky) © Max Brunnert

Deutsche Oper am Rhein / Kimberley Boettger-Soller (Prinz Orlofsky) © Max Brunnert

Der Regisseur Axel Köhler war viele Jahre als Sänger (Altus) erfolgreich, bevor er ins Regiefach wech­sel­te. Die Rolle des Prinzen Orlofsky hat er selbst mehr 80 Mal auf der Bühne verkörpert. Zusammen mit dem international gefragten Ausstatter Frank Philipp Schlößmann setzt er Die Fleder­maus in Duisburg in Szene. Benjamin Reiners übernimmt die musikalische Leitung.

„Ich lade gern mir Gäste ein“, singt Kimberley Boettger-Soller (Prinz Orlofsky), um diese mit Kay Stiefer­­mann (Dr. Falke) aufs rutschige Parkett der besseren Gesellschaft zu führen. Hier versuchen Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein), Anke Krabbe (Rosalinde), Heidi Elisabeth Meier (Adele) und Thorsten Grümbel (Gefängnisdirektor Frank) Haltung zu bewahren. Wolfgang Reinbacher spielt den Frosch.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Petruschka – L’Enfant et les Sortilèges, 13.10.2018

September 13, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Petruschka –  L’Enfant et les Sortilèges

Premieren im Theater Duisburg

Mit ihrer einzigartigen Mischung aus animiertem Leinwandzauber und Musiktheater hat sich die britische Theatergruppe 1927 längst weltweit einen Namen gemacht. Nach ihrem Sensationserfolg mit Mozarts Die Zauberflöte präsentieren Suzanne Andrade, Esme  Appleton und Paul Barrit einen bewegten Doppelabend: Wir laden Sie herzlich ein, am Samstag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg die in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin entstandene Neuinterpretation von Igor Strawinskys Petruschka und Maurice Ravels Kurzoper L’Enfant et les Sortilèges zu erleben.

Wie in einem zum Leben erweckten Bilderbuch verschmelzen auf der Bühne Orchesterklang und Gesang mit Darstellern und Animationen. In Strawinskys als Ballett und Konzertstück bekannter Burlesque Petruschka kommt mit Akrobatik im Stil des Cirque du Soleil eine weitere Dimension ins Spiel.

Unter der musikalischen Leitung von Lukas Beikircher sind in der Premiere von L’Enfant et les Sortilèges Maria Kataeva, Marta Márquez, Romana Noack, Julia Sitkovetsky mit weiteren Gästen und Mitgliedern des Ensembles zu erleben. Es singen überdies der Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Kinderchor am Rhein, es spielen die Duisburger Philharmoniker.


PETRUSCHKA  –  Igor Strawinsky
Nach der Kult-Inszenierung von Mozarts Zauberflöte, die weltweit bejubelt wurde und auch in Düsseldorf und Duisburg ein begeistertes Publikum fand, gibt es eine neue Begegnung mit der Theatertruppe „1927“ (Suzanne Andrade, Esme Appleton und Paul Barritt) und zwei Werken, die wie gemacht scheinen für die grenzenlose Fantasie der britischen Bilderzauberer und ihre einzigartige Kombination von Animation und live agierenden Darstellern. Sie verbinden zwei Werke, die ihren Ursprung im Paris des frühen 20. Jahrhunderts haben.

Igor Strawinskys  Petruschka wirft den Zuschauer mitten hinein ins ausgelassene, wilde Treiben eines Jahrmarkts, auf dem ein unheimlich wirkender Gaukler drei Puppen präsentiert, die er mit seiner Magie zum Leben erweckt: die verletzliche Akrobatin Ptitschka, den grobschlächtigen aber gutmütigen Muskelmann Patap und den tollpatschigen Clown Petruschka. Von ihrem sadistischen Meister fortwährend zur Schau gestellt und gequält, sehnen sich alle drei nach Freiheit, doch nur Petruschka gelingt schließlich die Flucht. Berauscht vom neuen Lebensgefühl stürzt er sich voller Neugier ins Jahrmarkt-Getümmel. Doch die Freiheit währt nicht lange …

Strawinskys als Ballett und Konzertstück bekannte Burlesque wird in einer scheinbar die Naturgesetze außer Kraft setzenden Kombination aus Animation und Akrobatik im Stil des Cirque du Soleil, zwischen Equilibristik, Luft- und Clownakrobatik erzählt. Bühne, Animationen, Klänge und Darsteller verschmelzen zu einem Live-Action-Cartoon mit Musik.

Burlesque in vier Szenen (1947)

MUSIKALISCHE LEITUNG : Lukas Beikircher / Marc Piollet, INSZENIERUNG : Suzanne Andrade / Esme Appleton, ANIMATIONEN : Paul Barritt, SZENISCHE EINSTUDIERUNG : Tobias Ribitzki, KONZEPTION : Esme Appleton, KONZEPTION : Suzanne Andrade / Paul Barritt, BÜHNE : Suzanne Andrade / Esme Appleton / Paul Barritt / Pia Leong, KOSTÜME : Katrin Kath / Paul Barritt / Esme Appleton / Suzanne Andrade, LICHT : Diego Leetz, DRAMATURGIE : Ulrich Lenz

PETRUSCHKA, DER CLOWN : Tiago Alexandre Fonseca, PTITSCHKA, DIE AKROBATIN : Pauliina Räsänen, PATAP, DER MUSKELMANN : Slava Volkov
ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker


L’ENFANT ET LES SORTILÈGES  –  Maurice Ravel
Weil er unartig und widerspenstig ist, muss das Kind in Maurice Ravels L’Enfant et les Sortilèges zur Strafe in seinem Zimmer bleiben. Wütend zerstört es die Zimmereinrichtung und quält seine Katze. „Ich bin böse und frei!“, ruft es triumphierend. Doch der Triumph währt nicht lange. Wie in einem bösen Albtraum werden die beschädigten Gegenstände – Sessel, Uhr, Teekanne oder Tapete – lebendig und rächen sich an ihrem Peiniger. Selbst die Natur und ihre Bewohner setzen dem Kind zu, das zu lernen beginnt, welche Konsequenzen die eigenen Taten nach sich ziehen. Als es schließlich Mitgefühl mit einem verletzten Eichhörnchen zeigt, endet der Spuk – vorerst …
In Ravels Werk verschmelzen Orchesterklang und Gesang mit Darstellern und Animationen und führen in den Bildwelten der Theatertruppe 1927 zu einem alle Sinne berauschenden Erlebnis.

Fantaisie lyrique in zwei Teilen (1925)
Text von Colette,  In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG : Marc Piollet / Lukas Beikircher, INSZENIERUNG : Suzanne Andrade / Esme Appleton, ANIMATIONEN : Paul Barritt, KONZEPTION : Paul Barritt  / Suzanne Andrade / Esme Appleton, BÜHNE : Paul Barritt / Suzanne Andrade / Esme Appleton / Pia Leong, KOSTÜME : Paul Barritt / Suzanne Andrade / Esme Appleton  / Katrin Kath, LICHT : Diego Leetz, CHORLEITUNG : Patrick Francis Chestnut, KINDERCHORLEITUNG : Sabina López Miguez, DRAMATURGIE : Ulrich Lenz

DAS KIND : Maria Kataeva / Kimberley Boettger-Soller, DIE MUTTER / DIE TASSE / DIE LIBELLE : Marta Márquez, DER STUHL / DIE EULE : Romana Noack / Helena Günther, DIE SONNE / DIE PRINZESSIN : Julia Sitkovetsky / Elena Sancho Pereg, DIE WEISSE KATZE / DAS EICHHÖRNCHE : Anna Harvey, DIE NACHTIGALL : Julia Sitkovetsky / Elena Sancho Pereg, EINE SCHÄFERIN / DIE FLEDERMAUS : Helena Günther / Daria Muromskaia, EIN SCHÄFER : Maria Boiko / Cornelia Maria Orendi
DER SCHAUKELSTUHL / DER BAUM : Beniamin Pop, VATER ZEIT / DER SCHWARZE KATER : Dmitri Vargin, DR. MATHE / DIE TEEKANNE / DER FROSCH : Florian Simson / Cornel Frey, KIND (DOUBLE) : Kinga Szilágyi / Sara Blasco Gutiérrez
CHOR : Chor der Deutschen Oper am Rhein, KINDERCHOR : Kinderchor am Rhein / Akademie für Chor und Musiktheater
ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker


12.09. – 16.00 Uhr Spielzeiteröffnung im Opernhaus Düsseldorf: Vorprogramm für Kinder und Große – 18.00 Uhr Preview „Die Schneekönigin“ – Eintritt frei

14.09. – 17.30 Uhr Spielzeiteröffnung mit Kostümversteigerung im Theater Duisburg: Verdi spécial rund um „La traviata“ – 19.30 Uhr Giuseppe Verdi: „La traviata“ in der Inszenierung von Andreas Homoki

15.09. b.36 „Schwanensee“ von Martin Schläpfer zurück im Opernhaus Düsseldorf (ausverkauft)

20.09. Wolfgang Amadeus Mozart „Die Zauberflöte“ in der bildgewaltigen Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ zurück im Opernhaus Düsseldorf

21.09. Richard Strauss „Arabella“ in der Inszenierung von Tatjana Gürbaca zurück im Opernhaus Düsseldorf

23.09. Wolfgang Amadeus Mozart „Le nozze di Figaro“ in der Inszenierung von Michael Hampe zurück im Opernhaus Düsseldorf

28.09. BALLETTPREMIERE b.36 im Theater Duisburg: „Schwanensee“ von Martin Schläpfer

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Nächste Seite »