Verona, Arena di Verona, 2020 Festival – Jonas Kaufmann Gala Event, IOCO Aktuell, 19.10.2019

Oktober 19, 2019 by  
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Arena di Verona

Arena di Verona © Ennevi NV091

Arena di Verona © Ennevi NV091

ARENA DI VERONA  –  2020 FESTIVAL

Jonas Kaufmann Gala Event –  Spektakuläres Debut

Das 98. Opernfestival in der Arena di Verona beginnt am 13. Juni 2020 mit Cavalleria Rusticana and Pagliacci.  Die Festspiele dauern bis 5. September 2020. In der „Tradition der Arena“ werden klassische Opern für das spektakuläre römische Amphitheater inszeniert. Große Stars der Opernbühne geben hier gerne ihr Stelldichein. Über 600.000 Besucher werden das 98. Opernfestival 2020 in der Arena di Verona erneut zum größten Opernereignis der Welt  machen. Fünf Opernabende stehen 2019 auf dem Spielplan:  Cavalleria Rusticana / Pagliacci – 13.6.-22.8.2020, AIDA – 20.6.-5.9.2020, Turandot – 27.6.- 3.9.2020, Nabucco – 4.7.-4.9.2020, La Traviata – 1.8.-2.9.2020.

Nach Ende des erfolgreichen Arena di Verona 2019 Festival kündigte die Fondazione Arena am 17.10.2020 das spektakuläre Debut von Jonas Kaufmann in der Arena di Verona an: Am Abend des 28. Juni 2020  findet erstmals ein „Jonas Kaufmann Gala Event“  statt. Es wird 2020 der einzige Auftritt von Jonas Kaufmann in Italien sein. Karten für alle Vorstellungen des Arena di Verona 2020 Festival können ab sofort gebucht werden

Arena di Verona /Intendantin Cecilia Gasdia und Jonas Kaufmann © Fondaziona Arena di Verona

Arena di Verona /Intendantin Cecilia Gasdia und Jonas Kaufmann © Fondaziona Arena di Verona

Das Jonas Kaufmann Gala Event am 28. Juni 2019 ist das erste Sonderevent auf dem Spielplan des 2020 Festivals, denn der Protagonist des Abends ist der von allen Theatern weltweit umworbene berühmte deutsche Tenor Jonas Kaufmann, der nun endlich auch sein allseits erwartetes Debüt in der Arena feiern wird.

Die Neuheit wurde vom Sänger selbst anlässlich der Vorstellung des Buchs und Albums “Wien” im Musikverein von Wien in Anwesenheit der internationalen Presse verkündet. Kaufmann hat auch hinzugefügt, dass zum jetzigen Zeitpunkt das Jonas Kaufmann Gala Event vom 28. Juni der einzige Termin in Italien seiner intensiven Künstlertätigkeit im Jahr 2020 ist und dass er für diesen Abend mit der Stiftung ein für die Arena maßgeschneidertes Opernprogramm abstimmen wird.

Der erwartete Erstauftritt in der Arena di Verona von Jonas Kaufmann stellt auch eine Bestätigung der Entscheidung der Stiftung Arena di Verona dar, ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der Besetzung zu richten und die besten Interpreten der internationalen Opernwelt vertraglich anzuwerben.

2020 Festival – Arena di Verona – link HIER

«Das Debüt in der Arena von Verona des berühmten deutschen Tenors Jonas Kaufmannso Arena Intendantin Cecilia Gasdia – ist das Ergebnis einer umfassenden, intensiven Arbeit im letzten Jahr. Es freut mich daher besonders und ist mir auch eine große Genugtuung, seinen bisher einzigen Auftritt in Italien für 2020 ankündigen zu dürfen. Ein exklusives Ereignis, das mit Sicherheit seine Fans aus aller Welt begeistern und unsere Bande mit seinen deutschsprachigen Anhängern und Verehrern bekräftigen wird, denn um seinen 50. Geburtstag zu feiern, hat einer der bekanntesten deutschen Kunstverlage eine Monographie über sein Leben veröffentlicht.

AIDA 2018 in der Arena – Triumphmarsch
youtube Trailer Arena di Verona
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Nun beginnt eine musikalische und künstlerische Planung mit dem Ziel, ein Programm und eine Vorstellung auszuarbeiten, die seinem und unserem Ansehen gerecht werden. Mit einem Wort, ein einzigartiges Ereignis, das unserer einmaligen Arena entspricht. Eine begeisternde Herausforderung für unser Mitarbeiterteam».

Große Begeisterung ist auch in Jonas Kaufmanns Worten zu erkennen, mit denen er verrät, schon lange dieses Ereignis erwartet zu haben: «Ich freue mich sehr, mein Debüt ankündigen zu dürfen, denn als Student war ich des öfteren in Verona, und habe mir schon damals immer vorgestellt, welche Gefühle und Emotionen man empfindet, an jenem einmaligen Ort vor einer riesigen Publikumsmenge zu singen. Die richtige Gelegenheit hatte sich bisher nie geboten, aber jetzt hat sie sich endlich ergeben».

Eintrittskarten zum Jonas Kaufmann Gala Event stehen ab heute zum Verkauf, darunter auch die neu errichteten und prestigereichen Plätze im Parkett poltronissime platinum und die Sektoren 4 und 5, die eine ausgezeichnete Sicht auf die Bühne gewährleisten.

Zur Buchung besuchen Sie unsere Website www.arena.it und folgen Sie den Social-Media-Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram und YouTube) und erleben Sie einen magischen Abend in der Arena auch im Sommer 2020. Sollte das Ereignis Jonas Kaufmann Gala Event abgesagt werden müssen, wird es am darauf folgenden Tag, dem 29.6. 2020, stattfinden.

—| IOCO Aktuell Arena di Verona |—

Sydney, Opera House, Andrea Chénier – Jonas Kaufmann, August 2019

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Sydney Opera House

Sydney / Opera House © IOCO

Sydney / Opera House © IOCO

Andrea Chénier – Umberto Giordano

Hear the world’s greatest tenor, Jonas Kaufmann in this concert performance (no sets or costumes) of a passionate French Revolution love story. Jonas Kaufmann performs in this passionate French Revolution love story, alongside a stellar cast including Eva-Maria Westbroek and Ludovic Tézier.

 Thursday 8 August 2019 at 7.00pm  –  Sunday 11 August 2019 at 1.00pm

Jonas Kaufmann on the challenges of performing in Andrea Chenier
youtube Trailer ABC News Australia
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The life and soul of the world is love!

Andrea Chénier is in danger of losing his head. As France cowers under the Reign of Terror, the poet is falling madly, passionately in love. A gripping story based on true events unfolds swiftly in Umberto Giordano’s famous opera, beloved by audiences and performers for its magnificent arias, tender love story and dramatic music.

A poet, philosopher and defender ofthe poor, Andrea Chénier believes in the ideals of his revolutionary brothers: Liberty! Equality! Fraternity! Now the revolution is over, but La Guillotine hasn’t lost her taste for blood. The revolutionaries, once so idealistic, are turning on their own to keep her fed.

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

Superstar tenor Jonas Kaufmann returns to Australia in one of his most celebrated roles. A concert performance of Andrea Chénier offers the perfect showcase for his “dark, liquid tone, which soars through the music with refined ease and intensity” (The Guardian). A stellar supporting cast includes Ludovic Tézier, one of the world’s greatest baritones, and Eva-Maria Westbroek as Chénier’s lover, Maddalena, who sings the heartbreaking ‘La mamma morta’.

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

Released from the orchestra pit, and onto the stage of the Concert Hall, you’ll hear the Opera Australia Orchestra in all their glory, led by renowned conductor Pinchas Steinberg, returning after his captivating Parsifal..

Presented by Opera Australia

Das weltberühmte Neujahrsfeuerwerk über Sydney Harbour Bridge © IOCO

Das weltberühmte Neujahrsfeuerwerk über Sydney Harbour Bridge © IOCO

Set in the social-political upheaval of the French Revolution, Andrea Chénier is a passionate tale about romance, liberty, and the high cost of both. Based on the real life story of poet and philosopher Andrea Chénier, it received 20 curtain calls and rave reviews when first performed in Milan in 1896. Despite this, Andrea Chenier has become a rarity in the 21stcentury, along with much of Giordano’s operas, and is therefore a not-to-be-missed event for opera lovers.

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

OPera Australia / Andrea Chenier Sydney Opera House August 2019 © Keith Saunders

Artist Information
Andrea Chénier Jonas Kaufmann;  Maddalena Eva-Maria Westbroek;  Carlo Gérard Ludovic Tézier;  Bersi Sian Pendry;  Madelon Anna Dowsley;  The Incredibile Benjamin Rasheed;  Roucher Richard Anderson;  Mathieu Luke Gabbedy;  Contessa di Coigny Dominica Matthews;  The Abbé Graeme Macfarlane;  Fléville Christopher Hillier;  Fouquier-Tinville / Schmidt Alexander Hargreaves;  Major-Domo/Dumas Jonathan Alley

Opera Australia Chorus
Opera Australia Orchestra

–| Pressemeldung Sydney Opera House |—

Dresden, Staatskapelle Dresden, ZDF-Silvesterkonzert – Eine Nachlese, IOCO Kritik, 06.01.2109

Januar 7, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, SemperOper

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper Dresden / © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / © Matthias Creutziger

Froher Jahreswechsel – Die Staatskapelle Dresden und Franz Welser-Möst

– Christine Schütze und Sky de Mont moderieren launig, was man zu Operetten so wissen sollte –   TV-Kamerateams stören das Event für Besucher vor Ort

Von Thomas Thielemann

Weil der Chefdirigent im fernen Wien sich mit den dortigen Philharmonikern an der leichten Muse versucht, holte sich die Staatskapelle Dresden für ihr ZDF-Silvesterkonzert 2018 mit dem musikalischen Leiter Franz Welser-Möst einen profunden Kenner der klassischen Wiener Operette.

Was wäre ein Silvesterkonzert ohne die Highlights der Operette Die Fledermaus von Johann Strauß. Welser-Möst hatte in seiner vergangenen Tätigkeit mehrfach Gelegenheit, sich mit den unterschiedlichsten Interpretationen dieses Paradestück der Wiener Operetten zu beschäftigen, so auch 2008 in Zürich mit Michael Stürmingers „Dracula-Inszenierung“. Aber im Silvesterkonzert wurden tiefgründige Zeitbezüge oder Gesellschaftskritiken nicht gefragt.

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 © Matthias Creutziger

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 © Matthias Creutziger

Die Ursprünge der Fledermaus sind übrigens in Sachsen zu suchen. Der Leipziger Schriftsteller Roderich Benedix hatte die Idee für eine Posse ausgearbeitet und 1851 in Berlin unter dem Titel Das Gefängnis zur Aufführung gebracht. Henry Meilhac und Ludovic Halèvy übernahmen 1872 diesen Stoff in ihre Komödie Le Réveillon für Aufführungen in Paris. Der in Königsberg gebürtige Carl Haffner erhielt den Auftrag, das in Paris so erfolgreiche Stück für das Theater an der Wie“ dem örtlichen Geschmack anzupassen. Ein Erfolg stellte sich allerdings erst ein, als der aus Danzig stammende Komponist und Librettist Richard Genée das Stück mit Melodieskizzen des Johann Strauß kombinierte und kreativ ergänzte. So stammt auch die Melodie des Chorwalzers „Brüderlein und Schwesterlein“ von Genée.

Eine halbszenische Aufführung auf einer Konzertbühne ist immer etwas heikel, weil nur wenig Platz zur Verfügung steht. Wenn dann noch Kameratechnik in das Geschehen eingreift, so ist das zumindest der Freude der Konzertbesucher abträglich. Am Silvestervorabend sollten ausschließlich die Melodien des Johann Strauß für Stimmung und Unterhaltung sorgen, so dass man auf die Dialoge verzichtete. Deshalb erklärte das Moderatoren-Paar Christine Schütze und Sky de Mont, was man so wissen sollte.

Bereits mit der Ouvertüre wird offenbar, dass hier ein glänzend aufgelegtes Orchester auf einen Dirigenten, der Wiener Schmäh und tänzerischen Esprit der Partitur beherrscht, getroffen war. So forsch und zugleich leicht hat man die Ouvertüre selten gehört. Welser-Möst beschränkt sich dann auch nicht auf ein „leichtfüßiges Tänzeln“ durch die Partitur. Konsequent und mit einer gewissen Strenge treibt er die Musiker durch die eben nicht nur walzerselige Musik und strafft auch die Übergänge, so dass das Stückwerk des Programms, letztlich trotz des häufigen Zwischenbeifalls, elegant und geschlossen wirkt.

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 - hier :  Ensemble und Orchester © Matthias Creutziger

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 – hier : Ensemble und Orchester © Matthias Creutziger

Die Sänger-Besetzung an diesem Abend war absoluter Luxus. Besonders gespannt war das Auditorium, wie Jonas Kaufmann sein Rollendebüt als Gabriel von Eisenstein bewältigen wird. Seine Anhängerinnen und Anhänger werden mit seinem  souveränen und weltmännischen Auftreten  schon ordentlich zufrieden sein. Stimmlich hatte sein Tenor allerdings nur wenig Operettenschmelz zu bieten. Für meinen Geschmack wäre er als Alfred möglicherweise besser eingesetzt gewesen.

Mit Rachel Willis Sørensen, von 2012 bis 2015 Semperoper- Ensemblemitglied,  hatte er eine erfahrene Partnerin zur Seite, die derzeit an der Deutschen Oper die Rosalinde im Repertoire singt. Die Rosalinde der Amerikanerin ist einfach großartig: ihre Stimme hat eine strahlende glockenklare Höhe verfügt aber auch über die notwendige Tiefe im Csárdás „Klänge der Heimat“, zeigt dabei auch Freude an der Komödiantik des Geschehens.

Andreas Schager war ein charmant-überdrehter Alfred, der seinen Tenor mit den erforderlichen Übertreibungen komödiantisch zur Geltung bringen konnte. Seine Erfahrungen der Operettenzeit waren unverkennbar. Warum er seine schöne Introduktion gar so entfernt, kaum hörbar singen musste, blieb allerdings unklar.

Die mit großen Vorschusslorbeeren bedachte Haus-Koloratursopranistin Tuuli Takala hatte krankheitshalber absagen müssen. Dafür war extrem kurzfristig Nikola Hillebrand vom Nationaltheater Mannheim, die dort im Repertoire als Adele eingesetzt ist, gewonnen worden. Locker und sicher spielte und sang sie sich mit einem schön timbrierten Koloratursopran durch den Abend.

Der Prinz Orlofsky von Elisabeth Kuhlmann ist inzwischen bereits mit dem Couplet „Ich lade gern mir Gäste ein“ zur Legende geworden. Warum sie aber dieses Paradestück so extrem aufreizend  vorgetragen hatte, war der Wirkung ihrer ansonsten glänzenden Leistung abträglich. Den Gefängnisdirektor Frank bietet der Wiener Bariton  Michael Kraus mit dem Charisma eines Lebemanns, wobei er jedes getrunkene Glas Champagner nutzt, um über die recht enge Bühne zu poltern.

Angenehm überraschte auch der Doktor Falke des Haus-Bariton Sebastian Wartig mit seinem Einstieg zum Chorwalzer „Brüderlein und Schwesterlein…“. Als Ida und Dr. Blind fügten sich die Mitglieder des Jungen Ensembles der Semperoper Tahnee Niboro und Beomjin  Kim recht ordentlich in die Sängergruppe ein.

 Klangerlebnis des Sivesterkonzerts nur durchwachsen

– Eingeschränkt für Besucher vort Ort, Großartig für Fernsehende –

TV-Produzenten unterworfen, musste man außergewöhnlich günstig sitzen, um ein ordentliches Klangerlebnis. Die schwierigste Aufgabe hatte unter den Bedingungen der Fernsehaufzeichnung in der halbszenischen Aufführung Franz Welser-Möst zu bewältigen, obwohl ihm das präzis auf kleinste Ansagen reagierende Orchester seinen Part erleichterte. Der von Cornelius Volke bestens vorbereitete Chor agierte als Orlofskys Festgesellschaft auf einem Podest hinter dem Orchester, so dass die Solisten im Regelfall hinter den Musikers auftraten und sich durch eine Gasse zur Rampe nach vorn bewegen mussten. Damit gerieten sie aus dem Blickbereich des Dirigenten.

Da alle Beteiligten ausgewiesene Profis sind, waren allerdings merkbare Verständigungs-probleme zwischen Gesang und Orchesterbegleitung nicht erkennbar und das Zusammenwirken perfekt.

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 - hier :  Ensemble und Orchester © Matthias Creutziger

Staatskapelle Dresden / Silvesterkonzert 2018 – hier : Ensemble und Orchester © Matthias Creutziger

Bei allen begeisterten Ovationen erreichte der geniale Schwung der Musik das Publikum nur begrenzt, letztlich fehlte beim besuchten Konzert im Saal die eigentlich erforderliche lockere Stimmung. Das hatte sich dann beim zweiten Konzert nach einem Hinweis des TV-Produzenten leidlich verbessert, so dass das Ausstrahlungsfinale nicht so frostig daher kam.

Nervige TV – Kamerateams im Saal

Für den engagierten Besucher des Konzertes war allerdings die im Geschehen eingesetzte Kameratechnik recht nervig. Besonders wenn die Steadicam von zwei Herren mit eingeknickten Knien nahe an der Rampe vorbei getragen wird und im Publikum die ersten Wetten abgeschlossen werden, ob nicht einer beim Rückwärtsgang abstürzen werde.

Auch war die weit gefächerte Positionierung der Gesangs-Solisten vollständig den Anforderungen des TV-Produzenten unterworfen, so dass man außergewöhnlich günstig sitzen musste, um ein ordentliches Klangerlebnis zu erhalten. Befanden sich die Solisten hinter dem Orchester, so sangen sie über die Besucher der Parkettplätze bis zu den ersten zehn Reihen regelrecht hinweg.

Deshalb war uns das Hören des Produkts der Tontechniker des ZDF mit der heimischen HiFi-Anlage genussreicher.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

München, Bayerische Staatsoper, Otello – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 17.12.2018

Dezember 18, 2018 by  
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Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Otello – Giuseppe Verdi

– Die Rationalität des Bösen –

Von Hans-Günter Melchior

Wie auf haushohen Wellen, auf davon eilt, bebt, donnert die Musik, entfesselt, pfeifend und lärmend und unter die Decke des großen Hauses prallend, sie fast sprengend, ein Orkan, entfacht von Verdi und dem Dirigenten Kirill Petrenko, infernalisch. chromatisch wühlt das großartige Orchester in den Klangwolken, pflügt die Tonwogen und die Gefühle der Zuhörer um, dass man sich an den Stuhllehnen hält.
Wieder einmal ein Anlass, den Dirigenten Petrenko gleich am Anfang zu bewundern, er schont niemanden, nicht das Orchester (die Holzbläser!), nicht die Hörer und nicht sich selbst, Naturgewalten sind nunmal groß und erhaben und die Musik fällt über sie her wie sie über die Musik herfallen; hier wird´s Ereignis.

Otello – Guiseppe Verdi
Youtube Trailer Bayerische Staatsoper München
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Ob der Held davonkommt?, Hilfe, Hilfe –, Otello, der Feldherr nach siegreichem Kriegszug in Lepanto heimkehrend, nun aber in wilde See geraten, in einen Orkan, Teile des Schiffes fliegen davon, um Otello bangt man, so bedrängend wie das gemacht ist, wo ist Otello, ist die Oper schon am Ende, bevor sie begonnen hat, gibt es noch eine Steigerung?

In tiefem Dunkel der Chor (Leitung Jörn Hinnerk Andresen), gewaltig, furchterregend hart, das Geschehen beschwörend und zugleich beschreibend, es kommentierend, „alles ist Rauch, alles ist Feuer“ –, während eine Etage darüber Anja Harteros die Desdemona verkörpert (nein: sie ist Desdemona, was für eine große Sängerin und Schauspielerin, was für ein voller, warm strömender Sopran!), die Hände ringt und sich auf ein Bett wirft, und der Chor endlich: „Es ist gerettet! Gerettet!“.
Schon ist man mittendrin nach höchst gelungenem Anfang, mittendrin und aus den Tonfluten gerettet. Fast schon Mitleidender, hineingeraten in den Sog des gewaltigen Beginns, der flüchtig von einem Video überblendet und illustriert wird, gestreift wie von einem Irrlicht der Turbulenzen. Aufatmen. Entspannen.

Bayerische Staatsoper / Otello - Giuseppe Verdi - hier : Gerald Finley als Jago und Anja Harteros als Desdemona  und Chor © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Otello – Giuseppe Verdi – hier : Gerald Finley als Jago und Anja Harteros als Desdemona  und Chor © Wilfried Hoesl

Otello – kein strahlender Sieger, keine Gloriole – Ein Unterlegener

Und dann wird die Stimmung gleichsam heruntergedimmt, der Otello von Jonas Kaufmann erscheint, gerettet also, wie von den Fluten ans Land geworfen tritt er seiner Frau gegenüber, kein Sieger, kein von der Gloriole des Erfolges Bekränzter, eher ein Wicht, ein Kretin – schon jetzt, ganz am Anfang, vorsichtige, fragende Schritte ausführend. In so einer Art Freizeitkleidung mit Hosenträgern läuft er herum, unsicher, langsam, zögerlich und zögernd kommt er auf Desdemona zu, wo doch jeder eine stürmische Umarmung erwartet –, oh mein Geliebter, dem Himmel sei Dank, so oder ähnlich –, aber Otello schafft es nicht, er belässt es bei einem Klaps auf die Schulter der hochaufgerichteten und souveränen Frau, die die karge Begrüßung hinnimmt wie etwas, das man nicht ändern kann.

Er ist dieser Frau unterlegen, ach, Otello, denkt man sich zwischen dieses unglückliche Paar, unterlegen und um jedes Wort verlegen ist er, das wird schon jetzt deutlich, ohne dass überhaupt gesprochen werden muss. Sie liebt ihn und bekennt sich zu dieser Liebe, behauptet sie jedenfalls, da ist, man spürt es, noch eine Menge aufzuarbeiten mit diesem Mann, der gehemmt ist und sozial wohl unterprivilegiert, ein Feldherr, nichts weiter, ein Soldat mit normierten Gefühlen und Dienstvorschriften, der niemandem glaubt, es sei denn, er gehört zu den Siegern und hat das Gesetz des Sieges auf seiner Seite, denn nur die Sieger sind glaubwürdig.

So einer hat gegen den gewaltig auftrumpfenden Jago von Gerald Finley keine Chance. Da mag er über einen noch so metallisch makellosen (sehr hohen) Tenor verfügen wie Jonas Kaufmann –, der Bariton Finleys überrollt – nach dem Willen des Librettisten Boito –, seine Gefühle, seinen Intellekt, seine Hoffnungen und innigsten Wünsche mühelos.

Bayerische Staatsoper / Otello – Giuseppe Verdi
– hier : Jonas Kaufmann als Otello und Anja Harteros als Desdemona © Wilfried Hoesl

Jago, der Karrierist. Der Intellektuelle, der die Gedanken und Gefühle auffädelt und das Unheil daraus strickt. Er hasst Otello, weil dieser Cassio ihm vorzog und zum Hauptmann machte. Langatmig darf er seine Antipathie mit Gründen und Argumenten aufdröseln wie ein Sündenregister des Befehlshabers. Im zweiten Akt, zweite Szene, entwickelt er geradezu eine Ideologie des Bösen: „Ich glaube an einen grausamen Gott, der mich erschaffen hat zu seinem Ebenbild, und den ich im Ingrimm rufe. Aus der Gemeinheit eines Keimes oder eines Atomes bin ich gemein geboren, ich bin verworfen, weil ich Mensch bin…“

Und so weiter. Ach ja, die verkorkste Psyche, die anfällige Charakterstruktur der Menschen. Freilich klingt das bei Boito im Gegensatz zu Shakespeare doch ein wenig übertrieben. Verbrecher sind keine negativen Idealisten, die das Böse anbeten. Keine Intellektuellen, die am Abgründigen arbeiten wie Wissenschaftler. Ach was. Sie huldigen auch keiner Religion des Bösen und es gibt keine Verbrecherkirche mit einem grausamen Gott. Es gibt mitnichten Verbrecher, die zum höheren Ruhm des Verbrechens handeln. Verbrecher haben handfeste Ziele: Profit, Macht, Befriedigung von Hassgefühlen, Geld, Geld und Geld. Und Affekte. Sie wollen auch nicht das Böse und schaffen das Gute, wie Mephisto behauptet, sondern umgekehrt wollen sie – eher – das Gute und schaffen das Böse, weil sie über das Böse nicht hinauskommen, sondern in ihm steckenbleiben. Glauben Sie mir, ich weiß es. Die meisten Verbrecher sind unglückliche Menschen, am Rand der Straße im Dreck Liegengebliebene. Keine Triumphierenden wie Jago, die für das Böse Kerzen anzünden und vor den Altären der Gewalttaten knien.

Bayerische Staatsoper / Otello - Giuseppe Verdi - hier : Jonas Kaufmann als Otello und Gerald Finley als Jago © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Otello – Giuseppe Verdi
– hier : Jonas Kaufmann als Otello und Gerald Finley als Jago © Wilfried Hoesl

Eine Schwäche des Librettos, der die Regie Amélie Niermeyers nicht erliegt (wie ja auch Shakespeare nicht: Othello, 1. Aufzug, 1. Szene, Jago: „Wär´ ich der Mohr, nicht möchte´ ich Jago sein./ Wenn ich ihm diene, dien´ ich nur mir selbst;/ Der Himmel weiß es! Nicht aus Lieb´ und Pflicht,/ nein, nur zum Schein für meinen eigenen Zweck.“ Und: „Ich bin nicht, was ich bin.“). Bei Niermeyer ist Jago ein höchst mittelmäßiger Schurke, ein gewöhnlicher Verbrecher, Verleumder, Anstifter zum Mord oder Mörder in mittelbarer Täterschaft; bedient er sich doch Otellos, um Desdemona zu töten –, was zugleich den unvermeidbaren Untergang des Mörders bedeutete. Jagos Weg wäre frei gewesen, hätte nicht Emilia, seine Frau, sich voller Abscheu von ihm abgewandt.

Schritt für Schritt bringt er sein kriminelles Werk zur Vollendung, ein Denker, das schon, ein Mann der ratio. Bei diesem Otello hat er freilich leichtes Spiel. Du meine Güte, Otello, merkst du denn nichts.

Niermeyers Otello ist ein Tölpel, ein Kleinbürger und Parvenü. Er ist von Grund auf unsicher, bei Desdemona in der falschen Gesellschaft, diese Frau ist ihm haushoch überlegen und er weiß es, er kann ihr nicht einmal glauben, dass sie einem wie ihm treu sein kann. So fällt er auf jede Anspielung Jagos herein, bohrt nicht nach, begnügt sich mit fadenscheinigen Beweisen wie den angeblichen Traumerzählungen Cassios, in denen dieser von seiner Liebe zu Desdemona gefaselt haben soll oder dem ominösen Taschentuch, das Jago in den Besitz Cassios (sehr gut: Evan LeRoy Johnson) schmuggelt. Einer, der voreilige und falsche Schlüsse zieht, weil er von Grund auf seiner Sache bei Desdemona nicht sicher ist. Und der aus allen Wolken fällt, als Emilia (Christina Damian) Aufklärung schafft –, nachdem es jedoch zu spät ist. Am Ende fällt diesem Otello nichts weiter ein, als sich einen Dolch zwischen die Rippen zu stoßen, weg ist er, auf der Flucht ins Nichts sinkt er zu Boden, ein Häufchen Elend, wo er doch in Venedig gebraucht wird zu irgendetwas.

In der Tat: die alles beherrschende Figur ist in dieser Inszenierung die Desdemona der Anja Harteros. Sie ist fast in jeder Szene im Hintergrund anwesend: als leibhaftige Mahnung und zugleich Relativierung des wuseligen Männergeschehens, das sich nur am Macht und Ansehen, Gewalt und Gegengewalt dreht. Als wolle sie sagen: könnt ihr das alles eigentlich angesichts meiner Präsenz verantworten, was ihr da ausheckt? Habt ihr nichts anderes im Kopf, verdammt? Eine Frau, die einen ungerechten Tod erleidet, weil sie letztlich kein Mittel gegen die brutale Gewalt der Männerwelt hat, sich einfach nicht auf deren Ebene des Handelns begeben kann und will.

Bayerische Staatsoper / Otello - Giuseppe Verdi - hier : Jonas Kaufmann als Otello und Anja Harteros als Desdemona, Gerald Finley als Jago © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Otello – Giuseppe Verdi – hier : Jonas Kaufmann als Otello und Anja Harteros als Desdemona, Gerald Finley als Jago © Wilfried Hoesl

Kleine Menschen in großen Räumen – siehe Foto. Nimmt man die hoheitsvolle Frauengestalt aus. Überdimensioniert hohe, weiße und helle Herrschaftsräume, in denen nur wenige Gegenstände, ein paar Sessel, ein oder zwei Betten stehen; das ist die Bühne. Und in diesem Palast verkrümeln sich solche armseligen Figuren, winzig im Vergleich zu den steilen Wänden, kleingemacht von dem, was sie groß machen sollte.

Die Inszenierung verweigert sich dem Anspruch des Librettos, das Geschehen ins gleichsam Mythische und Allgemein-Menschliche zu überhöhen. Die Agierenden sind gewöhnliche Menschen, karriere- und profitsüchtige, eifersüchtige, kleinbürgerliche Spießer, die sich durch ihr armseliges Leben fretten. An manchen Stellen stört das ein wenig. Allzu erbärmlich wird Otello gemacht. So mies, dass man Mitleid mit ihm zu haben beginnt. Man muss das in Kauf nehmen. Kunst ist immer ein Versuch. Kommt sie an irgendein Ziel und ist rundum zufrieden, ist es zugleich zu Ende mit ihr. Als Versuch unter vielen möglichen ist diese Inszenierung geglückt. Keine Minute, in der man versucht war wegzuschauen.

Dem Publikum hat es ungemein gefallen. Anhaltende und laute Beifallsbekundungen für die Protagonisten, den Dirigenten und sein Orchester. Etwaige Buhs sind jedenfalls untergegangen.

Otello an der Bayerischen Staatsoper;  im Rahmen der Müncher Opernfestspiele    12.7.2019; 15.7.2019

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

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